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Predigten

Vom Verlorenen Sohn

„Wir alle gleichen dem Verlorenen Sohn. Wir alle sind von Gott beschenkt worden: Er hat uns das Leben geschenkt: die natürlichen Kräfte unseres Verstandes, unseres Herzens und unseres Willens. Er lässt unseren Körper stark sein und hat uns Freundschaften, eine Familie, all das, was uns reich macht, gegeben. All das … haben wir genommen und es in jenes ferne Land getragen, wo wir mit all dem tun und lassen können, was wir wollen, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen, wo wir uns vor dem Angesicht Gottes verbergen und es uns, wenn wir es denn so wollen, gut gehen lassen und alles verschwenden können. … Doch es kommt irgendwann der Augenblick, in dem wir zu hungern beginnen. Ich spreche hier nicht vom Hunger nach Nahrung, sondern nach Zärtlichkeit, die man dann nicht kaufen bräuchte, nach Liebe, die man als reine Gabe fühlen könnte, nach menschlichen Beziehungen, die durch nichts zu erschüttern wären.“ – aus einer Predigt zum Gleichnis vom Verlorenen Sohn von Antonij von Sourozh Ausführlicher...
„Die Herrlichkeit Gottes – so spricht der Heilige Irinäus von Lyon - Sein Erstrahlen und Sein Triumpf ist der Mensch, der zur vollen Größe seiner Herrlichkeit herangewachsen ist. Dies ist unsere Berufung, dazu ruft uns die Stimme Gottes, die sich an uns wendet und uns bittet, dass wir doch zu solchen Menschen werden mögen, wie Gott uns einst erdacht hatte und dass wir so seien, wie Er es sich wünschen würde.“ – aus einer Predigt zum 2. Sonntag der Großen Fastenzeit von Metropolit Antonij von Sourozh

„Deshalb bedeutet es, wenn wir sündigen, dass wir uns von Dem abwenden, der uns um Leben und Tod liebt. Wenn wir Ihm nicht mit unserer Liebe, mit Treue und Hingabe antworten, bedeutet dies in letzter Kosequenz, dass Sein Leben und Sein Tod für uns eigentlich wenig bedeutsam sind. Und als Ergebnis eines solchen Verhältnisses zu Gott verletzen wir fortwährend all jene Gesetze des Lebens, die uns eigentlich zum ewigen Leben führen wollen, die uns zu wahren und vollkommenen Menschen machen würden – so wie Christus ein solcher wahrer Mensch war – in völliger Harmonie zwischen Gott und uns.“ – aus einer Predigt zum Vierten Sonntag der Großen Fastenzeit von Metropolit Antonij von Sourozh

„Sie kann uns vieles lehren: unter anderem, dass auch wir uns irgendeinmal bewußt werden müssen, dass die Welt unseres Königs, in die wir so leicht eintreten - die Kirche, ja sogar die ganze von Gott geschaffene Welt überhaupt - vom Bösen unangetastet geblieben ist, obwohl sie wegen uns unter der Macht des Bösen steht. Wenn wir uns dieses einmal bewußt würden und begreifen würden, dass es in dieser Welt eigentlich nur für uns keinen Platz gibt und darauf mit Reue reagieren würden, das heisst, uns mit all unserer Entschlußkraft von all dem Furchtbaren in uns selbst abkehren würden, dann könnten auch wir dem Beispiel der Heiligen folgen.“ – aus einer Predigt zum Fünften Sonntag der Großen Fastenzeit von Metropolit Antonij von Sourozh


„Unser Heil besteht nicht darin, dass wir uns mühen, um irgendwelche Ergebnisse vorweisen zu können. Unser Heil besteht in jener Sehnsucht der Seele, die uns zum Lebendigen Gott hinzieht, in jener Liebe, die uns zu Christus treibt. Auch wenn wir stürzen  - und was ich jetzt sage, gilt auch für unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen - dann sollten wir nie vergessen, wie der Apostel Petrus, nachdem er seinen Herrn dreimal verleugnet hatte, Ihm, Christus, dem Heiland auf Dessen dreimal gestellte Frage geantwortet hat. Auch wir können sagen: Herr, Du weisst alles. Du kennst meine Schwachheit, meine Stürze, mein Schwanken, meine Untreue. Doch Du weisst auch, dass ich Dich liebe und dass dies letzte das tiefste ist, was ich habe ..." aus einer Predigt zur Ermutigung in der Fastenzeit von Metropolit Antonij von Sourozh

„Und siehe, Christus ist an die Wasser des Jordans getreten, an die bis dahin Leute gekommen waren, die auf die Predigt Johannes des Täufers hin ihre Sünden reuten, um dann in ihnen ihre Sündenlast von sich zu waschen. Wie verschmutzt waren diese Wasser von der Unzahl der Sünden der Menschen!  An diese Wasser ist Er getreten, um in sie einzutauchen. Er, der selbst ohne Sünde war.“ – aus einer Predigt zum Fest der Taufe Christi von Antonij von Suroz

„Der Apostel Paulus hatte in Christus nur einen Menschen gesehen und hielt Ihn daher für einen falschen Propheten und Betrüger. Nachdem er Ihm jedoch auf dem Weg nach Damaskus in der Herrlichkeit Seiner Auferstehung begegnet war, hatte er die Anrwort gefunden. Und so finden diese immer wieder die Menschen von Generation zu Generation. Es gibt Millionen Menschen, die mit all ihrem Verstand, von ganzem Herzen und aus ganzer Seele glauben, und ebenso mit ihrem Leben bezeugen, dass der Gottessohn auch Menschensohn geworden ist, dass Christus ihr Gott ist und dass Er für uns Vorbild, Weg, Wahrheit und das Leben ist.“ – aus einer Predigt zum Gespräch mit dem Schriftgelehrten von Metropolit Antonij von Sourozh

„Es gibt eine unendliche Vielzahl von Evangeliumsperikopen, die wir sehr lieben, die wunderschön sind, die wir sehr gut kennen, die wir jedem nacherzählen und erklären könnten. Doch werden sie nicht eines Tages, am Tag des Jüngsten Gerichts, vor uns stehen und uns anklagen? Nicht weil wir sie nicht begriffen haben, sondern viel mehr weil wir sie, obwohl wir sie verstanden haben, in unserem Leben keine Wirkung haben zeigen lassen". - aus der Predigt zum Gleichnis von dem, der säet von Metropolit Antonij von Sourosh

„Es sind nur wenige auserwählt, nicht weil der Herr streng ist in Seiner Auswahl, nicht weil Er kaum jemanden findet, der Seiner würdig ist, sondern weil kaum einer Gott für würdig befindet, um auf ein Stück Land, auf eine Stunde Arbeit oder auf einen Moment Zärtlichkeit zu verzichten. Viele sind berufen, wir alle sind eingeladen! Wer jedoch von uns nimmt die Einladung an?" - aus einer Predigt zum Gleichnis vom Großen Festmahl von Metropolit Antonij von Sourozh

„Und in der Tat, wie soll man in Lumpen, die uns von der Herrlichkeit, mit der wir einst geschaffen worden sind, geblieben sind, in das Reich Gottes eingehen? An seinen Toren wird jeder Einzelne von der Göttliche Liebe empfangen. Jeder trifft auf Christus den Heiland, Der am Kreuz Sein Leben hingegeben hat, um somit berechtigt zu sein, einem jeden sagen zu können: Tritt herein, lass Mich dich rein machen, dich waschen, dich in ein neues Hochzeitsgewand kleiden, um dir so die ursprüngliche Herrlichkeit und Schönheit, ja die Sohnschaft Gottes zurückzugeben.“ – aus einer Predigt zum Gleichnis vom Hochzeitsmahl von Metropolit Antonij von Sourozh

„Lasst uns deshalb nicht weiter in der Schatzkammer unseres Herzens, unseres Verstandes und  unseres Lebens all das sammeln und horten, was viel zu klein für uns ist und was uns kleinkariert werden lässt. Lasst uns lieber ... in all unseren Lebenssituationen ... uns immer wieder selbst die Frage stellen: Wie würde ich jetzt verfahren, wenn dies der letzte Augenblick in meinem Leben wäre?   Wenn wir uns dies allein immer wieder bewußt wären - oh gütiger Gott - wie tief und bedeutsam wird dann unser Leben, wie wichtig wird dann jeder Mensch und wie reich wird dann unser Leben sein an Taten, die wirklich einem menschlichem Leben, unserer menschlichen Größe und der unseres Gottes würdig sind!" - aus der Predigt zum Gleichnis vom reichen Kornbauern von Metropolit Antonij von Sourozh  

„Das Gericht besteht nicht darin, dass der Herr  wiederkommt und es schrecklich sein wird, sondern darin, dass Er kommt und es uns dann so unendlich leid und weh tun wird, dass wir wir unser ganzes Leben verlebt haben, ohne richtig Mensch geworden zu sein: aus Feigheit, Schläfrigkeit, egoistischer Fahrlässigkeit oder einfach aus vergesslicher Sorglosigkeit. Das Gericht besteht darin, dass wir das Leben verlebt haben, ohne gemerkt zu haben, dass es eine Tiefe hat und eine Weite und dass das Leben in seiner Fülle aus den Tiefen Gottes strömt und uns in diese Tiefen mitreisst." - aus einer Predigt zu Gleichnis von den anvertrauten Talenten von Metropolit Antonij von Sourozh.  

„Nicht dafür war ihm der Talant vom Herrn gegeben worden, um ohne sich zu vermehren in der Erde vergraben zu werden. Vielmehr damit der Mensch, mit dem Talant als Geschenk, etwas aus sich macht, ein anderer Mensch, ein neuer Mensch wird. Was diesem unwürdigen Knecht fehlte, waren Mut, Kühnheit und das Vermögen, alles aufzugeben, alles zu riskieren ...“ – aus einer Predigt zum Gleichnis von den Talanten von Metropolit Antonij von Sourozh

„Sind wir, wenn wir zu Christus treten, wirklich fest entschlossen, uns so mit Ihm zu verbinden,  dass wir nicht nur Seine ewige Herrlichkeit, sondern auch Sein Leid und Sein Kreuz ... mit Ihm teilen? Sind wir bereit, durch das gesamte Mysterium Christi zu gehen oder reicht es für uns, dass Er für uns gestorben ist und wir nun durch Ihn leben? Gleichen wir so nicht jenem Gast, der nur zum Festmahl gekommen war, um zu schlemmen ... ohne an dem wahren Mysterium dieses Mahls teilhaben zu wollen, an der Freude am Kreuz um der Auferstehung willen?“ – aus einer Predigt zum Gleichnis der Berufenen zum Festmahl von Metropolit Antonij von Sourozh

„Lasst uns noch einmal sehr genau über all dies nachsinnen, solange wir noch die Möglichkeit haben sehend zu werden, um zu erkennen, wie reich und herrlich das Leben ist, wie nahe uns der Herr ist, wie wunderbar Er von Licht und Glanz der Ewigkeit erfüllt ist, wie unendlich demütig Er ist und sanft und dicht bei uns, wie dieses Strahlen des Herrn auf jedem Gesicht, wie auf den Ikonen liegt, wie der Quell des Lebens in allem, was geschieht, ja in jedem Menschen sprudelt und uns zuruft: Öffne dich! Öffne deine Augen und dein Herz!" ...  Dann wird auch Leben in dir sein! - aus einer Predigt zur Perikope vom blinden Bartimäus von Metropolit Antonij von Sourozh

„Uns jedoch hat Christus Leben verheissen. Er hat uns gelehrt, dass es ausser der Liebe, ausser der Bereitschaft in seinem Mitmenschen den größten Schatz auf Erden zu sehen, nicht anderes gibt. Er hat uns gelehrt, dass die Würde eines Menschen so groß ist, dass Gott Mensch werden konnte, ohne dabei sich Selbst zu erniedrigen. Er hat uns gelehrt, dass es keine nichtigen Menschen gibt und dass Leid einen Menschen nicht zerstören kann, wenn er nur vermag zu lieben. Christus hat uns gelehrt, dass es auf die Leere des Lebens nur eine einzige Antwort gibt, nämlich der Hilferuf zu Gott: Komm Herr, Komm schnell! ..." - aus einer Predigt zum Palmsonntag von Metropolit Antonij von Sourozh.

„Wir alle gehen unseren Weg durchs Leben und Christus geht mit uns. Er spricht mit uns und eröffnet uns die Geheimnisse des Gottesreiches. Er erklärt uns Dinge, die wir früher nicht verstanden haben. In einem bestimmte Moment jedoch kann Er den einen oder anderen von uns erwählen: Nicht umbedingt, um als Priester zu dienen, sondern einfach für eine bestimmte Aufgabe. Dann sagt Er auch zu uns: Geh nun! . .. Dies können wir jedoch nur dann auch tun, wenn wir vorher Christus von Angesicht zu Angesicht begegnet sind und von einem Schauder erfüllt waren, weil wir begriffen haben, dass es uns eigentlich nicht zusteht, in Seiner Anwesenheit zugegen zu sein. Nur dann sagt Er uns: Geh! Gemeinsam mit Mir! Geh in meinem Namen und arbeite für die Sache Gottes auf der Erde!“ – aus einer Predigt zum Fischzug des Petrus von Metropolit Antonij von Sourozh

„Wenn wir so wie Petrus ausserhalb stehen würden und an der Pforte klopfen, wenn wir begreifen würden, wie fern wir all dem sind, was das Himmelsreich ausmacht, dann würden wir uns nicht mit aller Macht darum reissen, wie wir es so oft tun, besondere religiöse Erlebnisse zu haben oder Gott auf unmittelbare Weise zu schauen und Seiner teilhaftig zu werden. Dann würden wir voller Sanftmut, still und demütig dastehen, wohl wissend, dass uns dort, wo Er ist, kein Platz zusteht. Gleichzeitig jedoch aber auch wissend, dass Seine Liebe selbst die Grenzen der Erde, ja sogar die des Abgrunds umfängt.  ... aus einer Predigt zur Perikope der Berufung Petri von Metropolit Antonij von Suroz 

„Es ist für die meisten von uns eher noch zu früh darüber nachzudenken, warum wir so wenig Menschen lieben. Es wäre dringlicher darüber nachzusinnen, wie wir die von uns geliebten Menschen lieben, wie wir uns um jene bemühen, die uns angeblich sehr sehr teuer sind. Wenn unsere Liebe zu ihnen eine lebendige ist, eine, die sich schöpferisch bemüht, eine, die immer wieder neue Möglichkeiten sucht und findet, um sich zu beweisen, wenn sie feinfühlig ist und einfühlsam, wenn sie zu jeder Zeit wacht, dann ist diese irdische Liebe des Himmels würdig. Eine andere Liebe nicht!" - aus einer Predigt zum Fest des Heiligen Apostels und Evangelisten Johannes des Theologen von Metropolit Antonij von Suroz

„Um jedoch so beten zu können, müssen wir selbst von ganzem Herzen glauben, dass der Herr wirklich mit und unter uns ist, dass Er wirklich auf geheimnisvolle Weise alle Dinge lenkt, auch wenn manchmal sehr grausame Dinge auf der Erde geschehen. Glauben heißt hier nicht nur Seinem Wort glauben, nicht nur mit dem Verstand, sondern sich mit seinem gesamten Leben in die Hände Gottes begeben, sich immer tiefer in Sein Wort hineinlesen und ohne Rücksicht auf sich selbst ... Sein Wort verwirklichen, es nicht nur zu hören ..." - aus einer Predigt zum Fest des Heiligen Sergius von Radonesh von Metropolit Antonij von Suroz.

„Von einer anderen Seite her betrachtet ist das Gottesreich in Wahrheit das Reich derer, die begriffen haben,dass sie unendlich reich sind: ... Wir sind reich, weil wir nichts besitzen. Wir sind reich, weil uns alles gegeben ist. Der jedoch, der meint, dass er zu Recht reich ist, für den ist es schwer zum Gottesreich dazuzugehören, denn dort ist alles nur Liebe und deshalb kann man dort auch nichts besitzen, weil man es so anderen Menschen wegnimmt. In dem Moment, in dem wir sagen, dass uns etwas gehört, was uns entweder durch Gottes Liebe oder durch menschliche Fürsorge gegeben wurde, entziehen wir es - ja entreissen es - dem Mysterium der Liebe.“ – aus einer Predigt von Metropolit Antonij von Sourozh zum Gespräch des Herrn mit dem reichen Jüngling

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