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Rolle der Religion in der Stärkung der Familie und der Familienwerte 

27. Oktober 2010
Wie ist das schwächelnde Institut der Familie zu schützen, das unter dem Druck des weltweiten „Alles ist erlaubt“ immer weiter zugrunde geht? Und mit welchen Mitteln könnten die traditionellen allgemein-menschlichen Werte verteidigt werden? Diese aktuellen Fragen thematisierte der Sekretär des Außenamtes für Angelegenheiten des Fernen Auslands, Priester Sergej Zvonarev, öffentlich bei einem Vortrag auf dem 7. Gemeinsamen Theologischen Ausschuss für den Dialog „Orthodoxie-Islam“, der vom 6. bis zum 9. Oktober 2010 in Teheran tagte. 

Die Familie ist das wichtigste gesellschaftsbildende Element. Sie war schon immer ein besonderer, unveränderlicher, vitaler Wert, Grundlage des Daseins der Gesellschaft. Als Wert ist die Familie zugleich eine Schatzkammer der Moralprinzipien, Traditionen und Sitten, sowie wichtigster Bestandteil des sittlichen Koordinatensystems menschlichen Verhaltens.

Es gibt viele Theorien zur Entstehung der Institution Familie. Einige sind der Meinung, Familie sei ein Produkt der menschlichen Evolution, andere halten sie für eine notwendige Form sozialer Ordnung und der Verhältnisse in der Gesellschaft. Wir Träger der religiösen Tradition sind jedoch von der göttlichen Herkunft der Familie überzeugt. Das religiöse Leben und die Erfahrung des Strebens nach der himmlischen Welt zeigen uns, dass Ehe und Familie nicht einfach ein Bund von Menschen ist, sondern das Mysterium des Werdegangs der Persönlichkeiten der Eheleute, da Ehemann und Ehefrau nicht nur zwei voneinander unabhängige Elemente, sondern ein neuer Organismus sind. Dieser Organismus ist lebendig. Er kann wachsen, indem er nach oben strebt, er kann bluten, Früchte hervorbringen oder aber krank werden, welken und absterben.

Nur in Zusammenarbeit mit Gott werden Ehemann und Ehefrau Schöpfer ihres eigenen Hauses des Glücks. Jeder Versuch, das Familienwohl ohne Anlehnung an den Göttlichen Schöpfer aufzubauen, ist zum Scheitern verurteilt. Grundlage der religiösen Familie ist die gemeinsame Liebe der Eheleute zu Gott. Wenn zwei Strahlen zu einem Punkt streben, nähern sie sich konsequent einander an, bis sie sich zu einem einzigen hellen Lichtstrahl vereinen, in dem keine verschiedenen Strahlen mehr sichtbar sind. Strahlen dagegen, die keinen gemeinsamen Punkt haben, dem sie zustreben, bewegen sich chaotisch, kreuzen sich oder streben auseinander.

Die Ehe ist das lebenslange Mysterium der Liebe. Die gemeinsame Liebe der Eheleute zueinander findet ihre Fortsetzung in ihren Kindern, wenn die Dualität (und folglich eine gewisse Beschränktheit) durch Vielfalt überwunden wird. Durch Zeugung, Geburt und Erziehung der Kinder findet die Liebe ihre Verbreiterung und Vervollkommnung. Ein Lebenslicht pflanzt sich fort. Die Liebe der Eheleute erhält eine neue Eigenschaft, indem sie durch die Liebe der Eltern zu ihren Kindern verstärkt wird, die durch kindliche Offenheit, Vertrauen, Treue und Kinderlachen erwidert wird. In diesem Paradigma der Liebe hat Gott die wichtigste Stelle inne denn ER ist das Zentrum, in dem die Strahlen der Liebe der Eheleute, der Kinder und ihrer Eltern zusammenkommen und wie von einem Spiegel mit großer Kraft zurückstrahlen, wodurch sie Frieden, Ruhe und Freude in die Familie bringen. Der Heilige Erleuchter Gregor der Theologe schrieb darüber: „Indem [die Eheleute] ein Fleisch bilden, haben sie auch eine Seele, und durch beiderseitige Liebe erwecken sie ineinander den Gottseligkeitseifer. Denn die Ehe entfernt uns nicht von Gott, sondern bindet uns im Gegenteil noch mehr an IHN, da sie dazu anregt, sich an IHN zu wenden.“[1]

Das Christentum vollbrachte in der Gesellschaft eine Revolution der ehelichen Beziehungen. Indem es die Einzigartigkeit jeder Familie betonte, bot es den Menschen eine hohe sittliche Messlatte, die die Verbreitung der Sünde und des Lasters eindämmte. Das Christentum bekräftigte den Gedanken, dass die Ehe ein Verband von Mann und Frau ist, heilig und unauflöslich, in dem der Ehemann die Ehefrau nicht nur ernähren, sondern sich auch sonst um sie genauso kümmern soll wie um sich selbst. Apostel Paulus (im Sendschreiben an seinen Schüler Timotheus): „ Wenn aber jemand für die Seinigen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.“ Die Lehre Christi führte einen Begriff ein, der den damaligen Menschen fremd war, nämlich Opferbereitschaft in der Familie. Zum ersten Mal wird der Ehemann nicht als autoritärer Herrscher, Depot und Tyrann in der Familie positioniert, sondern als Oberhaupt, dessen Primat die Fürsorge und Verantwortung für die ihm anvertraute kleine Herde ist.

Das Christentum erhebt die Familie zu den Höhen gottmenschlicher Gemeinschaft. Es betrachtet die Familie als kleine Kirche: wie die Kirche eine Gemeinschaft der Gläubigen ist, die durch ihre Liebe an Christus vereint sind, so ist auch die Familie eine Gemeinschaft von Ehemann, Ehefrau und Kindern, die durch gegenseitige Liebe, Treue, Opferbereitschaft und Verantwortung vereint sind. Der Ehemann in der Familie ist wie Christus in der Kirche, nämlich ein gutherziger, sanftmütiger, zugleich aber anspruchsvoller Hirte.

Auch der Islam brachte ins Leben der Völker ein neues Bild der Familie hinein, indem er generationenübergreifende Familienwerte festlegte. Die islamische Doktrin weist die wichtigste Stelle in der Familie dem Ehemann und der Ehefrau zu. Sie bestimmte die Beziehungen in den Familien als beidseitige Pflichten der Eheleute gegeneinander und gegenüber den Kindern, sowie auch als Pflichten der Kinder gegenüber den Eltern.

Also kommen wir zu dem Schluss, dass die Religion das ist, was Ehe und Familienbeziehungen aus der rein sinnlichen oder sozial-pragmatischen Dimension in einen spirituellen und vergöttlichten Bereich emporbringt. Keine menschliche Ideologie, kein philosophisches Konzept und keine soziale Doktrin konnten dem Institut der Ehe und der Familie das geben, was es von der Religion bekam, die den Menschen mit dem Schöpfer verbindet.

Gläubige Menschen haben es nicht nötig, einander die göttliche Herkunft der Ehe und die Präsenz des göttlichen Funkens in den Familienwerten zu beweisen, die den höchsten sittlichen Idealen verwandt sind. Heute erleben wir einen Kampf von säkularen gegen religiöse Weltanschauungen. Die moderne Welt verliert rasant ihre religiöse Tradition und die Stütze jahrhundertelanger religiöser Erfahrung, auch im Bereich Ehe und Familie. Begriffe wie Keuschheit, Reinheit, Eheleute und eheliche Liebe verschwinden allmählich aus dem allgemeinen Wortschatz. An ihre Stelle treten häufig medizinische Begriffe wie Genderzugehörigkeit, sexuelle Partnerschaft, sexuelle Orientierung. Sogar Ehemann und Ehefrau werden häufig Ehepartner genannt. Es zeigt sich ein Vorgang der Biologisierung, des Primats des anatomischen Prinzips, wo ursprünglich die Stelle des Spirituellen war. Wir erleben eine globale Krise der Familie und der Familienbeziehungen.

Im modernen Europa wird beispielsweise das Monopol der Ehe als Bund eines Mannes und einer Frau in Frage gestellt. Dies geschieht nicht nur auf der Ebene der Vernunft und der Spekulation, sondern auch auf gesetzgeberischer Ebene und im Bereich des praktischen Lebens. Die Einführung und staatliche Registrierung homosexueller Partnerschaften in mehreren Ländern Europas ist eine Bestätigung der traurigen Tendenz zum moralischen Verfall der europäischen Gesellschaft.

Am 31. März 2010 besprach und bewilligte das  Ministerkomitee des Europarates die Empfehlung „Öffentliche politische Maßnahmen gegen Diskriminierung aufgrund von sexueller Ausrichtung und Geschlechteridentität“, die sich an die EU-Länder richtete. Dieses Dokument postuliert, dass eine Diskriminierung sexueller Minderheiten durch keine kulturellen, traditionellen oder religiösen Werte begründet werden könnte. Das bedeutet, dass die in der religiösen Tradition verankerten Werte der Familie und der Ehe nicht mehr als Antidot gegen den sexuellen Sittenverfall wirken. Der nächste Schritt wäre das Verbot, Homosexualismus Sünde zu nennen, da der Begriff „Sünde“ eine sittliche Dimension habe, während die modernen Humanisten und Menschenrechtsaktivisten sich nachhaltig bemühen, Homosexualismus und sexuellen Sittenverfall aus dem ethischen Bereich herauszubringen, indem sie dies durch besondere Veranlagungen erklären und sogar als eine Norm darstellen.

Wir finden in der Gegenwart aufdringliche und zuweilen sogar aggressive Propaganda für die „Normalität“ homosexuellen Verkehrs und homosexueller Beziehungen. In seinem Vortrag auf einer Sitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates bemerkte Seine Heiligkeit Patriarch Alexij II. zu Recht, dass es neben dem Homosexualismus auch andere Abweichungen von der Norm gebe, zum Beispiel Kleptomanie, für die jedoch keiner Werbung mache.

Bereits heute wird im liberalen Lager der Weltgemeinschaft spekuliert, dass an sich keine Traditionen als Regulative von Prozessen gesellschaftlichen Lebens existieren, da das internationale Recht den Begriff „Tradition“ nicht kenne.  Nach Meinung der Liberalen könnte nur von Kultur und kultureller Vielfalt die Rede sein. Doch durch die Verleugnung der Tradition in den Bereichen Religion, Familie und Moral geht die Ganzheitlichkeit des menschlichen Lebens, seines Sinnes und des Verständnisses der Wege der menschlichen Entwicklung verloren. Die Verbindung mit den Erfahrungen voriger Generationen reißt ab.

Die Zerstörung des Instituts der Familie und der Familienwerte durch die Herbeizwingung der Idee einer Vollwertigkeit homosexueller Lebensgemeinschaften führt dazu, dass die Gesellschaft ihr sittliches Wohlergehen verliert. Die Familie ist die Wiege der menschlichen Persönlichkeit, die Schule der Tugend und der besten menschlichen Gefühle. Doch wenn ein Bund aus zwei Männern oder zwei Frauen die Erziehung von Kindern (mit Erlaubnis der säkularen Behörden adoptiert) beanspruchen, wird dies eine Reproduktion der entsprechenden Verhaltensmodelle nach sich ziehen. In der Familie lernt der Junge, indem er den Vater nachahmt, männlich zu sein, die Wahrheit und die Schwachen zu verteidigen, während das Mädchen, indem es die Mutter nachahmt, lernt, weiblich, herzenswarm und eine fürsorgliche Hausfrau zu sein. Stellen wir uns nun die Frage, was ein Kind aus einer Familie, in der es zwei „Papas“ oder zwei „Mamas“ gibt, mitnehmen kann? Nichts außer einer verkrüppelten Seele und einer vernebelten Sicht auf die Natur der Geschlechtsbeziehungen.

In der uns umgebenden Welt gibt es keine wirksamere Kraft, die die (von Gott der Menschheit geschenkte Institution) Familie schützen könnte,  als die religiöse. Das Ausmaß der Gefahr ist solcherart, dass es heute der vereinten Bemühungen aller religiösen Menschen bedarf, für die die Zukunft der Menschheit nicht nur leerer Schall, sondern Gegenstand der Sorge und der Gebete ist.

Die Stimme der Menschen des Glaubens in puncto Bewahrung der Familie und der Familienwerte soll laut und fest vernehmbar sein und auf Diskussionsplattformen, in Hörsälen und in den Amtsfluren der internationalen Behörden erschallen. Die Träger der religiösen Tradition sollten der Weltgemeinschaft eine Sicht auf die Natur der Ehe- und Familienbeziehungen darbieten, die von keiner politischen oder sonstigen Konjunktur abhängt, sondern Ausdruck der religiösen Erfahrung ist. Eben deswegen wurde 2006 auf dem Gipfeltreffen der religiösen Führer in Moskau zum ersten Mal eine Initiative zur Gründung einer Gruppe hochrangiger religiöser Führer in Partnerschaft mit der UNESCO artikuliert, die Expertenbewertungen und -beschlüsse für aktuelle Probleme der Gegenwart abgeben könnten. Dazu zählen; das Problem der Tarnung von Terrorismus und Extremismus als Religion; Ursachen und Folgen der weltweiten Finanzkrise und Wege zu ihrer Überwindung; die Bewahrung heiligen Stätten und Orte religiöser Verehrung; das Verhältnis zwischen Meinungsfreiheit und der religiösen Gefühle von Gläubigen; usw.

Diese Zusammenarbeit der religiösen Führer hat großes Potential. Ihr gemeinsames Eintreten für die Wahrheit und das Gute könnte eine ernsthafte Kraft in der modernen Welt werden, mit der die internationalen Organisationen rechnen müssten und deren Stimme sie bei globalen Entscheidungen berücksichtigen sollten.

 


[1] Творения иже во святых отца нашего Григория Богослова. Т. 5. М., 1847. С. 59.

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