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Der Hl. Bonifatius, „Apostel der Deutschen“

22. Dezember 2010
Dr. päd. Anatoly Сholodyuk erinnert in seinem Artikel an die missionarische Tätigkeit des Hl. Bonifatius, dem Erleuchter der Germanen, Bischof von Mainz und „Apostel aller Deutschen“.

Die deutsche Zeitschrift „Der Spiegel“ (Nr. 39/2010) veröffentlichte unlängst die interessante Information, dass eine Gruppe Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin, als sie vom altgriechischen Astronomen und Geographen Claudius  Ptolemäus (ca. 87–165) zusammengefasste Karten aus der Mitte des 2. Jahrhunderts studierte, auf einer Karte für Großdeutschland (Germania Magna) die Siedlung Fritzlar identifizierte. Diese ist mit dem Namen des Hl. Bonifatius verbunden, der als „Apostel der Deutschen“ verehrt wird. Der Name dieser alten Stadt lautete ursprünglich „Friedeslar“ („Ort des Friedens“), und dort soll im Jahre 723 Bischof Bonifatius, von der Stärke seines Geistes überzeugt, entschlossen eine Axt zur Hand genommen und vor aller Augen die von den germanischen Heiden verehrte Eiche des Donar erbarmungslos gefällt haben. Dies war eines der hervorragenden Werke des Bonifatius, da der Fall der Eiche zum Symbol des Unterganges des Heidentums in Deutschland wurde.

Nun befinden sich in dieser Stadt, die zum Bundesland Hessen gehört und 15.000 Einwohner hat, zwei Monumente zu Ehren des Bonifatius: eines aus Metall und das andere aus Holz. Beide stellen den Heiligen mit einer großen Axt dar; seine Beine stehen auf einem breiten Baumstumpf.

In Fritzlar, so wie auch in anderen germanischen Städten und Siedlungen, hatten die Ostfranken heidnische Idole (Bäume und Quellen) angebetet und ihnen Opfer dargebracht. Als Orte für diese heidnischen Riten dienten „heilige Haine“ oder große „heilige Bäume“. Die germanischen Vorstellungen gestatteten es nicht, die heidnischen Abgötter in Tempelräume einzusperren, daher waren ihnen die ganze Wälder bzw. Haine gewidmet. Die Sitten und Riten der germanischen Volksstämme wurden von Tacitus (ca. 55-120) in seinem Werk „Germania“ beschrieben. Jedes Jahr hatten sich die Heiden im Wald versammelt, wo sie ein obskures und unheimliches Götterfest feierten, das mit einer Menschenopferung im Namen aller sich Versammelten begonnen wurde (Chronik des Christentums 1977: 85).

Als der stattliche und athletisch gebaute Bonifatius, der etwa 185 bis 190 cm groß war, sich daranmachte, die gigantische Eiche zu fällen, begann eine riesige Menge Heiden ihn als verhassten Feind der „germanischen Götter“ schweigend zu verfluchen. Die ersten starken Schläge erschütterten die alte Eiche, und die nächsten fällten sie zu Boden.

Der Stamm zerbrach in vier große Teile gleicher Länge, während die große Krone sich über das Gras erstreckte und die Menschenmenge auseinandertrieb. Die gotteslästerlichen Heiden waren überrumpelt, da sie den Zorn ihrer Götter erwartet hatten. Viele von ihnen waren, wie Mönch Willibald in seiner Beschreibung erzählt, völlig niedergeschlagen darüber, wie leicht ihr Heiligtum gefallen war, und verloren deshalb ihren heidnischen Glauben und begannen später, Gott zu verherrlichen und an IHN zu glauben (Chronik des Christentums 1977: 105) So demonstrierte Bonifatius die Überlegenheit des Christentums über die heidnischen Götter der germanischen Stämme. Doch bestand sein Hauptverdienst nicht in der Bekehrung der Heiden zum Christentum, sondern in der Einrichtung der Kirche auf dem gesamten Territorium des Fränkischen Reiches.

Vor diesem einschneidenden Fritzlar-Ereignis hatten viele Ostfranken ihren geheimnisvollen Idolen göttliche Namen – Odin (Wotan), Thor, Freyr, Freya und Loki (Chronik des Christentums 1977: 85) – gegeben. Diese Hauptgötter verkörperten weder sittliche Tugenden noch waren sie Schöpfer der Welt. Oberhaupt der germanischen Götter war Odin, ein Einäugiger auf einem achtfüßigen Pferd . Thor galt als junger Gott, der seine Kraft in gewaltigen Hammerschlägen äußerte und der von den Ackerbauern verehrt wurde, da er sie vor den Riesen beschützte. Freyr und Freya waren Bruder und Schwester und durch Inzest verbunden. Loki war Sohn eines Riesen und Vater von drei Monstern, weshalb er im Volk als Urheber von Katastrophen und allerlei Zerstörungen galt.

Die Franken waren das dritte westeuropäische Volk, das sich, nach Römern und Goten, zum Christentum bekehrte (5, S.104). Moderne deutsche Religionswissenschaftler glauben, dass ein wichtiger Grund für die schnelle, manchmal auch massenhafte Bekehrung der Germanen ihre Vorstellung von einer göttlichen Hierarchie war, in der der „Gott der Christen stärker als die germanischen Götter“ war, welche wie Menschen als stark oder schwach und im Kampf gegeneinander gedacht wurden (ebenda). Deutsche Archäologen entdeckten uralte Kultgegenstände, die Jesus Christus als Kriegsgott darstellten. So ähnelte der „kriegerische“ Christus auf einer Grabplatte des 7. Jahrhunderts dem Kriegsgott Odin (Wotan): ihm waren kriegerische Züge verliehen worden, und sein großer Phallus war Zeichen eines Fruchtbarkeitsgottes. Die Schlange unter seinen Füßen symbolisierte den Sieg über das Monster des Weltuntergangs (die Midgardschlange, die vom teuflischen Loki gezeugt wurde; 5, S. 84).

Der Auftrag, die Bewohner der germanischen Länder zu christianisieren, wurde am 15. Mai 719 durch Papst Gregor II. (669–731) offiziell Mönch Wynfreth  erteilt, der aus einem Kloster im Süden Britanniens in Rom eingetroffen war. Nach der Legende gab der Mönch an diesem Tag seinen sächsischen Namen ab und nannte sich nach dem Heiligen des vorherigen Tages – Bonifatius (von lat. bonum facere „das Gute tun“ bzw. bonum fatum  „gutes Schicksal“).

Er war im Jahre 672 (oder 673) im Südwesten Englands in Crediton geboren worden und hatte bei der Taufe den Namen Wynfreth (Wynfrith, Winfrid, Winfried) erhalten. Heutzutage befindet sich die Stadt Crediton im mittleren Teil der Grafschaft Devon in England. Wynfreth stammte aus dem Adel eines angelsächsischen Stammes. Als Kind erwarb er religiöse Kenntnisse und spürte früh seine Berufung zum geistlichen Dienst. Nachdem er sieben wurde, wurde er im Kloster Exanceastre (Exeter) unter der Leitung des Mönches Wulfhard erzogen. Mit 14 ging er in die Abtei Nursling. Wynfreth  führte ein strenges asketisches Leben, studierte die Heilige Schrift, Geschichte, Grammatik, Rhetorik und Poesie. Später wurde er zum Oberhaupt der Klosterschule ernannt, wo er Grammatik und Dichtkunst unterrichtete. Mit 30 wurde er zum Priester geweiht. Im Jahre 716 wurde Wynfreth  Missionar und brach auf zum Festland - ins Fränkische Reich, genauer: nach Friesland. Damals war er noch kein bekannter Theologe, betrieb die missionarische Tätigkeit aber mit beharrlichem Eifer und organisatorischem Talent.

Seine erste Mission blieb aber ohne Erfolg, da sich die örtliche Bevölkerung sträubte. Gleichgültig gegen die Predigten über die neue Religion blieb auch der friesische Herzog Radbod, welcher der Mission des Bonifatius keinerlei Unterstützung gewährte. Nach dem Tod des Abtes Winbert von Nursling wurde Wynfreth  zu dessen Nachfolger gewählt. Im Herbst 718 machte sich Wynfreth mit einem Empfehlungsschreiben von Bischof Daniel von Winchester auf den Weg nach Rom, um sich für die Predigt des Christentums in den germanischen Ländern die Unterstützung des Papstes selbst zu sichern. 719 wurde er von Papst Gregor II. empfangen und erhielt den Segen, Missionar und Prediger des christlichen Glaubens zu sein. Wynfreth unternahm seine zweite missionarische Reise über Friesland nach Thüringen, Sachsen, Hessen und Bayern, wo er predigte. Seine missionarische Tätigkeit begann er in Oberhessen, wo es zwar schon Christen gab, deren kirchliches Leben sich jedoch kaum von dem der Heiden unterschied. Mit Hilfe von durch ihn zum Christentum bekehrten einflussreichen Menschen errichtete Bonifatius 721 ein kleines Kloster in Amöneburg (Hessen), das zum missionarischen Zentrum für die Ausbildung ausgewählter Eingeborener zu Geistlichen werden sollte.

Nachdem Papst Gregor dem Bonifatius einen speziellen Brief aushändigt hatte, der von den Geistlichen Thüringens und Hessens verlangte, sich dem neuen Bischof unterzuordnen, entschied Bonifatius, in Fritzlar aus dem Holz der Donar-Eiche eine Kapelle zu errichten. Diese weihte er zu Ehren des Hl. Apostels Peter. Nun befinden sich an dieser Stelle das Kloster und die Kirche zu Ehren des Hl. Petrus.

Bonifatius unternahm zahlreiche Expeditionen zu den heidnischen Stämmen; dabei bereiste er die verschiedenen deutschen Gebiete nicht allein, sondern mit einem großen und beeindruckenden Gefolge begleitet, zu dem nicht nur gut bewaffnete Krieger, sondern auch diverse Handwerker gehörten. Dank seiner organisatorischen Fähigkeiten baute er allmählich die Struktur der christlichen Kirche im heidnischen Deutschland auf, was ihm später den Beinamen „Apostel aller Deutschen“ eintrug. Ihm gelang es, die Oberaufsicht der Römischen Kirche über weitgehende Territorien Deutschlands zu errichten.

Die Fränkische Kirche war zunächst von Rom unabhängig gewesen, und Bonifatius begann nun ihre Reorganisation. Dazu berief er mehrere Konzile ein, auf denen er versuchte, die Kirche von allzu weltlich orientierten Bischöfen zu bereinigen. Er errichtete drei neue Diözesen – in Reims, Rouen und Sens . Auch in Thüringen gelang es Bonifatius, seine Tätigkeiten schnell auszubreiten. Hier wuchs die Anzahl der Christen ständig, dank der adligen und gut ausgebildeten Ostfranken, die Bonifatius halfen, in Ohrdruf  das erste Kloster in Thüringen zu errichten.

Nachdem Papst Gregor III. ( 741) im Jahre 731 den Thron bestiegen hatte, sandte Bonifatius seine Vertreter zu ihm, die dem Papst seiner Treue vergewisserten. Bereits nach einem Jahr teilte der Heilige in einem Brief nach Rom mit, dass seine Arbeit in den germanischen Ländern für einen Menschen allein viel zu umfangreich geworden war. Gregor III., der die Erfolge des Bonifatius  sehr schätzte, schickte ihm eine Pallium, womit er ihm erlaubte, selbstständig Diözesen zu errichten und Bischöfe zu ernennen.

737 machte sich Bonifatius auf den Weg nach Rom. Dort wurde er mit den Vollmachten eines Legatus ausgestattet und erhielt den Auftrag, in Bayern die kanonische Ordnung zu errichten. Mit Hilfe  bayerischer Adliger begann er die Arbeit zur Reformierung der Kirche in den bayerischen Ländern, auf dass sie den kanonischen Grundlagen entspräche. Er bestimmte die neuen Grenzen der Diözesen, gründete ein halbes Dutzend Klöster und errichtete neun neue Bistümer: sechs in Bayern (Salzburg, Regensburg, Freising, Passau, Saben undEichstätt) und drei in Thüringen (Würzburg, Erfurt und Büraburg).

Bonifatius leistete auch viel zur Bestärkung des geistlichen Lebens in den Klöstern, insbesondere in der Abtei Fulda, wo ein Jünger des Bonifatius, der Benediktiner Sturmius, im Jahre 744 ein Kloster unter der Obhut der Heiligen gründete. 745 erhielt Bonifatius aus den Händen Pippins, den er 752 zum König der Franken krönen würde, das neu errichtete Bistum Mainz. Der Titel des Erzbischofs wurde ihm nur ad personam – das heißt, „für seine persönlichen Errungenschaften“ – verliehen, da Mainz  erst 781/782 zum Erzbistum wurde.

Die besondere historische Rolle des Bonifatius sehen viele kirchliche Historiker darin, dass er durch seine Tätigkeit den Einfluss Roms auf die kirchlichen Strukturen in den deutschen Ländern verbreitete. Indem er auf diese Weise die Germanische Kirche errichtete, förderte Bonifatius weitgehend die Stärkung der Macht Roms in den Territorien nördlich der Alpen. Alle Bischöfe der neu errichteten Kirche mussten geloben, dass sie bis zum Ende ihrer Tage dem Heiligen Apostel Petrus und der Römischen Kirche und deren Statthalter gehorsam bleiben würden.

Bonifatius, der seit 748 in seiner Erzbischofsresidenz in Mainz wohnte, wollte gegen Ende seines Lebens die Orte in Friesland, wo er seine missionarische Tätigkeit einst begonnen hatte, nochmals besuchen. Nachdem er den Segen des Papstes und die Bewilligung von Pippin dem Kurzen erhalten hatte, überließ Bonifatius im Sommer 753 das Bistum seinem Jünger, dem Heiligen Lull, und machte sich auf den Weg nach Friesland, wo er einst erfolglos die Heilige Schrift gepredigt hatte. Laut Überlieferung wollte er den Märtyrertod erleiden. 754 erreichte er Anfang Juni mit seinem Gefolge die Nordseeküste. Vermutlich wurde er an der Mündung des Flusses Borne plötzlich von Piraten überfallen, die glaubten, dass die Missionare Schätze mit sich führen würden. Sie erbeuteten aber nur eine kleine Truhe, in der keine irdischen Kostbarkeiten, sondern kirchliche Bücher und Manuskripte waren. Bonifatius rief seine Jünger dazu auf, den Heiden keinen Widerstand zu leisten, sondern demütig den Märtyrertod zu erleiden. Nach der Überlieferung versuchte Bonifatius, einen Schwerthieb mit einem Buch abzuwehren, welches die Räuber dann ins Schilf warfen. Später wurde dieses Buch mit den Spuren mehrerer Schwertschläge zufällig aufgefunden und geborgen. Zusammen mit Bonifatius fielen auch alle seine 52 Begleiter (Schauber 1999: 88). Nach anderen Angaben wurden Bonifatius und sein Gefolge beim Versuch, den Taufritus zu verrichten, ermordet. Dies soll am 5. Juni 754 an der Nordsee in der Nähe der Stadt Dokkum in Friesland (heute in den Niederlanden) geschehen sein. Einige deutsche Forscher meinen, Bonifatius‘ Tod sei kein Martyrium im strengen Sinne des Wortes gewesen  da er während eines gemeinen Raubüberfalls getötet worden sei. Doch diese Ansicht wird von einigen anderen Theologen bestritten. Die Szene vom Tod des Bonifatius und seiner Gefolgsleute ist auf einem Fresko (1834/1844) des MalersHeinrich v. Hess (1798-1863) in der Basilika des Hl. Bonifatius in München dargestellt.

Der Leib Bonifatius wurde zunächst nach Utrecht und dann nach Mainz gebracht; später wurde er in die vom ihm gegründete Abtei Fulda überführt, wo seine Gebeine ehrenvoll begraben wurden.

Das Grab wurde schon bald zu einem Ort der Verehrung. Im Museum der Kathedrale von Fulda wird das von der Hand des Heiligen Bonifatius abgeschriebene Evangelium und das mit seinem Blut benetzte Blatt Papier gezeigt.

Bereits zwei Jahre nach Bonifatius‘ Tod wurde er in England als himmlischer Patron angesehen (1, S. 88). 1160 wurde Bonifatius in Fulda zum ersten Mal „der Apostel Deutschlands“ genannt. Seine Verehrung durch die gesamte Katholische Kirche wurde am 11. Juni 1874 durch Papst Pius IX. verbreitet (Православная энциклопедия 2003: 9ff).

Informationen über den Hl. Bonifatius sind in seinen reichlich nachgelassenen Briefen und in mehreren Vitae erhalten. Am bekanntesten ist die allererste „Vita sancti Воnifatii", die durch Priester Willibald bald nach dem Tode des Bonifatius geschrieben wurde. Sie wurde ins Deutsche übersetzt und 1856 in Berlin veröffentlicht. Die gesamte zweibändige Sammlung der Briefe des Hl. Bonifatius wurde 1844 in London veröffentlicht. 1866 erschienen sie in Berlin auch auf Deutsch. 

Ende des 10. Jahrhunderts erschienen die ersten Darstellungen des Heiligen Bonifatius mit seinen ikonographischen Symbolen: gefallene Eiche, Axt und ein mit dem Schwert durchstochenes Evangeliar. Die älteste befindet sich auf dem Buchdeckel des sogenannten Goldenen Kodex („Codex aureus Epternacensis“, zwischen 983 und 991), der jetzt in Nürnberg aufbewahrt wird. Im Jahre 1410 wurde auf den Fenstern der Erfurter Kathedrale ein Zyklus mit Szenen aus dem Leben des Hl. Bonifatius dargestellt. 1842 wurde ihm in Fulda ein Denkmal  durch den BildhauerJohann Werner Henschel (1782–1850) errichtet.

Heutzutage wird Bonifatius nicht nur in katholischen, sondern auch in einigen orthodoxen Gemeinden in Holland und Deutschland als himmlischer Schutzherr und Fürbitter verehrt. Bierbrauer, Schneider und Schreiner sehen ihn als ihren Schutzherren an. Im Westen gibt es auch Pilgerfahrten zum Ort des Märtyrertodes des Heiligen Bonifatius in Dokkum, wo eine Heilquelle sprudelt.

Nach den Angaben der „Orthodoxen Enzyklopädie“ existierte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in der russischen Historiographie die Meinung, dass es für die Orthodoxe Kirche unmöglich sei, den Heiligen Bonifatius zu verehren. Seine missionarischen Verdienste wurden verleugnet, und zwar aufgrund des Arguments, dass seine missionarische Tätigkeit „weniger in der Predigt des Christentums, sondern eher in der Verbreitung des Papismus“ bestanden habe (Православная энциклопедия 2003: 9ff). Für die Haltlosigkeit dieser Ansicht spricht sein Märtyrertod und sein aufopferndes Leben, das er für die Verbreitung des christlichen Glaubens im Westeuropa hingegeben hatte, sowie auch die zahlreichen Wunder, die durch seine Gebeine bewirkt wurden.

Seit 1991 ist Fulda Partnerstadt von Sergijew Possad im Bezirk Moskau. Im Februar 2006 wurde in Fulda die orthodoxe Gemeinde zu Ehren des Festes der Begegnung mit dem Herrn (Moskauer Patriarchat) gegründet, in der der Hl. Bonifatius verehrt wird. In der deutschen Kirchenliteratur finden sich Angaben, dass in der Ostkirche am 19. Juni des Hl. Bonifatius gedacht wird (Urban 2010: 90). In Deutschland ist der offizielle Gedenktag des Heiligen Bonifatius, Erzbischofs von Mainz und „Apostels Deutschlands“, am 5. Juni. Außerdem wird seiner in Fulda am 9. Juli (Tag der Überführung der Gebeine des Heiligen nach Fulda) sowie am 1. Dezember (Tag der Einweihung der Kathedrale, in der die Gebeine des Heiligen ruhen) gedacht.

Seit 1867 versammelt sich in Fulda die jährliche Tagung deutscher Bischöfe. Hier, im Dommuseum, wird das Reliquiar mit dem Haupt des Hl. Bonifatius aufbewahrt (Schauber 1990: 90). Ein Teil der Gebeine des Heiligen befinden sich in der Kirche der Hl. Hildegard und des Johannes in der Abtei St. Hildegard von Bingen in Eibingen am Rhein (Rheingau).

Im Juni 2004, während in Westeuropa das 1250. Jubiläum des Dahinscheidens des Heiligen Märtyrers Bonifatius begangen wurde, fanden in Crediton, Dokkum und Fulda zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Deutsche Filmkünstler gestalteten zwei Fernsehfilme über den Hl. Bonifatius:  „ Bonifatius  - Tod im Morgengrauen" (ZDF, 2003) und „ Die Axt Gottes. Auf den  Spuren  des Heiligen  Bonifatius“ (HR, 2004). Außerdem gab es „Воnifatius – Das Musical“, in dem über das Leben des Heiligen Bonifatius berichtet wird.  

1. Schauber V., Schindler H.-M. Bildlexikon der Heiliger Seligen und Namenspatrone.- München: Pattloch,1999.

2. Wimmer O., Melzer H. Lexikon der Namen und Heiligen. -Tyrolia-Verlag-Innsbruck-Wien,1988.

3. Православная энциклопедия, Т. 6.- М., 2003.

4. Lutz J. von Pattberg. Bonifatius.- München,2003.

5. Chronik des Christentums.- Güterloch, München: Lexikon Verlag GmbH,1977.

6. Urban A. Lexikon der Heiligen und Namenstage.- Freiburg, Basel, Wien, Herer, 2010. 

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Комментарии (2)

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Священник Максим Антоненко, г. Бор (Нижегородская обл.)
23.12.2010 в 19:14
Конечно, утверждение о "невозможности почитания св. Бонифация Православной Церковью", как пишет об этом и автор статьи, "является несостоятельным" по многим причинам. Однако признание несостоятельности этого мнения не должно, как мне кажется, приводить и к противоположной крайности, когда личная святость Бонифация распространяется на его миссинерские труды. Не только православные, но и протестантские миссиологи отмечают целый ряд отрицательных черт в миссионерской стратегии св. Бонифация, в частности, жёсткий униформизм его миссии (отрициание возможности богослужения на местном языке, недопустимость женатого духовенства и т.п.), резко контрастирующий с тем, что делали до него в континентальной Европе кельтские миссионеры, и в восточной Европе - свв. Кирилл и Мефодий. Поэтому настороженное отношение к св. Бонифацию в православной среде в определённом смысле вполне обосновано и оправдано. Его образ служения благовестия в значительной мере выпадает из того Предания, которое воплотили другие православные миссионеры, в том числе и западноевропейские.
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22.12.2010 в 15:57
Благодарю редакцию и автора статьи за такую интересную, познавательную статью!
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