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„Die russische Orthodoxie ist den Indonesiern besonders nah“

8. Februar 2011
Im Dezember 2010 besuchte Mönchpriester Ioasaph (Tandibilang), Vorsteher der St.-Wladimir-Gemeinde in Jakarta (Indonesien), Moskau. Die orthodoxe missionarische Gesellschaft zu Ehren des Hl. Serapion von Kosche-Osero hat ein Treffen mit Vater Ioasaph organisiert, an dem viele orthodoxe Missionare Moskaus teilgenommen haben. Im Weiteren werden die Antworten von Vater Ioasaph auf die während des Treffens gestellten Fragen zum ersten Mal publiziert.

Vater Ioasaph, erzählen Sie bitte, wie Sie zur Orthodoxie gekommen sind.

Mein Papa ist Muslim, und meine Mama hat sich zu dem bekannt, was bei uns „Dorfreligion“ genannt wird – eine uralte indonesische heidnische Glaubensvorstellung. Diese zählt aber nicht zu den fünf offiziell anerkannten Religionen. Als sie also heirateten und sie dazu ihre Religion angeben musste, schrieb sie „Protestantismus“; aber sie hat nie wirklich gewusst, was das Christentum ist. Auch ich wusste das lange Zeit nicht. Nach meiner Geburt wurde ich Ismael genannt. Ich wuchs als Muslim auf, las den Koran, verrichtete das Salat (Gebet), alles wie mein Papa. Bis ich zwanzig Jahre alt wurde, war ich Moslem; dann kam ich nach Jakarta, wo ich Protestanten begegnete, und begann, mich für das Christentum zu interessieren und mir Fragen zu stellen. Und bald wurde ich Protestant. Dies geschah, weil meine Einstellung zur Religion sehr ernsthaft und ich auf der Suche war. Aber auch bei den Protestanten sah ich bedenkliche Dinge – ihre Gebete zur Gitarre mit Tanz und alledem. Ich fragte mich, ob es richtig sein könne, Gott wie in der Disko oder in einer Bar zu dienen. Und dann habe ich gehört, dass in Indonesien eine neue Religion wirkte, in der anders gedient wird; wo die Gebete ehrfürchtig verrichtet werden, Frauen mit bedeckten Köpfen gehen und so weiter. Ich habe gefragt, was dies für eine Religion sei, und man sagte mir: das ist die Orthodoxie. Im Jahre 1996 bin ich dann Vater Daniel (Bayantoro) begegnet, der damals in der griechisch-orthodoxen Kirche war, und ihm sehr viele Fragen gestellt – er hat sie alle beantwortet. Und ich dachte mir, dass die Orthodoxie die wahre Religion ist. Einmal hat Vater Daniel auf einer Versammlung gesagt: „Wir werden eine Katechese durchführen; wer teilnehmen will, möge sich einschreiben.“ Und ich habe gesagt: „Ich will auch.“ Ich so ging ich drei Monate lang jeden Tag außer sonntags zur Katechese. 

Nachdem ich orthodox geworden war, studierte ich drei Jahre bei Vater Daniel und war stets bei ihm – wo er hinging, da ging auch ich hin. Ich konnte leider nicht mit ins Geistliche Seminar fahren, da die Griechen damals schon mehrere indonesische Priester belehrten und anscheinend keine weiteren mehr wollten oder auch nicht die Möglichkeit dazu hatten. Ich wandte mich hilfesuchend an Nikitas, den Metropoliten von Hongkong, aber er gab mir keine Antwort. Und dann geschah es, dass Vater Daniel in Holland Seiner Eminenz Ioann von Belgorod begegnete und diesem von mir erzählte: dass es einen orthodoxen Menschen gebe, der sehr gerne studieren wolle; und Seine Eminenz hat gesagt: „Er kann gerne zu uns in unser Seminar kommen“.  Seine Eminenz hat die Mittel sowohl für das Ticket als auch für alles Übrige gegeben, und so kam ich im Jahre 2000 nach Russland und begann im Seminar in Belgorod zu studieren. 2003 erhielt ich die Priesterweihe und fuhr zurück nach Hause. Mein Studium im Seminar führte ich als Fernstudium weiter, d.h., ich kam jedes Jahr dorthin, um die Prüfungen abzulegen. Ich beendete das Seminar im Jahre 2007. Das ist meine Geschichte.

 

Und was sagten ihre Eltern zu ihrer Konversion?

Als ich Orthodox geworden war, fragte meine Mama: „Wie hat sich dein Leben so verändert?“. Vorher lebte ich schlecht; jeden Samstag ging ich in die Disco und so weiter, aber nachdem ich Orthodox wurde, änderte sich mein Leben, und meine Mama fragte: „Wie heißt die Religion, zu der du dich bekehrt hast?“ „Das ist die Orthodoxie“, antwortete ich. Doch bekehrte ich meine Mama nicht sofort. Erst nachdem ich schon Priester geworden und zurückgekehrt war, redeten wir viel miteinander, und sie besuchte auch die Gottesdienste, und endlich sagte sie: „Ich möchte die Taufe empfangen, da es die richtige Religion ist, wenn wir mit Gott sind, sollen wir vor IHM keine Angst haben.“ Aber mein Papa ist Moslem geblieben. Es fällt ihm schwer, sich zu bekehren, da er ein Hadschi ist, also ein respektierter Muslim, der den Hadsch (Pilgerreise) nach Mekka mitgemacht hat. Nachdem ich die Taufe empfangen hatte, war das Verhältnis zu meinem Vater lange schlecht; aber jetzt ist es langsam besser geworden. Er beginnt die Orthodoxie kennenzulernen. Ich weiß das, denn wenn ich mit meiner Mama über den Glauben rede, rede ich extra laut, und mein Papa, der im Zimmer nebenan sitzt, sagt und tut in dieser Zeit nichts. Wenn wir dagegen von etwas anderem sprechen, achtet er nicht auf uns und macht andere Sachen; aber wenn wir vom Glauben reden, wird er still und hört zu. Und ich rede extra langsam und laut, damit er alles gut hören kann. Es fällt ihm aber schwer, sich zu ändern, denn seine ganze Familie ist muslimisch.

 

Wie frei kann man im moslemischen Indonesien das Christentum predigen?

In Indonesien ist es nicht verboten, zu predigen. Man kann sich frei damit beschäftigen, muss es aber richtig machen. In Indonesien gibt es viele Religionen. Außer den Muslimen gibt es Hindus, Buddhisten, Katholiken und Protestanten. Das sind die fünf vom Staat offiziell anerkannten Religionen. Wenn Sie also zu Katholiken, Protestanten oder Muslimen gehen und beginnen, ihnen zu predigen, wird es Probleme geben. Wenn diese sich aber selbst an uns wenden, uns fragen, zu uns kommen, dann ist dies kein Problem. Und wenn Freunde, Kollegen oder Nachbarn von orthodoxen Christen sehen, wie diese beten und wie sie leben, beginnen sie, Fragen zu stellen, und die Orthodoxen geben ihnen meine Rufnummer. Und sie rufen mich an, wir verabreden uns, ich sammele einige Interessenten um mich und erzähle ihnen von der Orthodoxie. So predigen wir eben. Es gibt bestimmte Fragen, die Muslime oder Protestanten stellen, und andere Fragen, die eher Buddhisten oder Hindus stellen. Deshalb muss der Missionar alle Religionen kennen, die es bei uns gibt. Durch solche Treffen verwirklichen wir unsere Mission in Indonesien. Und die Menschen bekehren sich, lassen sich katechisieren, empfangen die Taufe. Unter den Mitgliedern unserer Gemeinde gibt es auch einige Familien, die vom Islam übergetreten sind.

 

Wenn ein Muslim sich zum Christentum bekehrt, droht ihm dafür Tod oder Gefängnis?

Nein. Die Traditionen der indonesischen Muslime unterscheiden sich vom arabischen Islam. Sicherlich steht man der Bekehrung negativ gegenüber; aber dies beschränkt sich darauf, dass die Eltern der Getauften sagen: „Wenn mein Sohn sich zum Christentum bekehrt, werde ich für ihn das Trauergebet sprechen.“ Und sie beten für ihn, als ob er gestorben wäre. Das ist alles. Bei den Arabern ist das anders, sie können den Getauften dafür umbringen. In Indonesien ist die Einstellung zu den islamischen Traditionen dagegen nicht sehr streng. Aber Kritik an Mohammed und am Koran ist verboten, und da sind Muslime sehr empfindlich.

 

Wie reden Sie dann mit Muslimen? 

Zum Beispiel sagen viele Muslime im Gespräch: „Jesus Christus ist wie Mohammed.“ Ich sage ihnen aber: „Nein, so ist es nicht. Jesus Christus ist das Wort Gottes, und Mohammed ist für euch nicht das Wort Gottes. Das Wort Gottes ist für euch der Koran. Und Mohammed ist einfach ein Überbringer, durch den das Wort Gottes in die Welt kam. Wenn man also für Christus eine Parallele in Islam sucht, wäre dies nicht Mohammed, sondern der Koran.“ Aber bei den Muslimen ist das Wort Gottes – so denken sie – zum Buch geworden, während wir sagen, dass das Wort Gottes zu einem lebendigen Menschen geworden ist. Und die Parallele für Mohammed im Christentum wäre nicht Christus, sondern die Gottesgebärerin, durch die das Wort Gottes in die Welt gekommen ist. Auf diese Weise zu reden ist möglich. Muslime sagen auch oft: „Die Christen glauben falsch.“ Ich frage: „Warum denn?“ Sie antworten: „Da bei euch die Bibel in viele Sprachen übersetzt ist und bei den Übersetzungen häufig verändert wird.“ Darauf sage ich ihnen: „Es ist nicht schlimm, dass bei der Übersetzung einige Änderungen vorkommen, da das Wort Gottes nicht einfach nur ein Buch ist, sondern Jesus Christus. Und ER ändert sich nicht. Was sich ändert, das sind die Umstände unseres Lebens, und das berücksichtigen die Übersetzungen; aber das Leben Jesu Christi ändert sich nicht, und es ist in allen Übersetzungen unveränderlich dargestellt. Überall wird in gleicher Weise davon gesprochen, was ER gemacht hat und wofür er in die Welt gekommen ist. Und wir alle wissen das dank der Tatsache, dass wir das Evangelium in unserer Muttersprache haben. Du dagegen hast den arabischen Koran, und er ist unveränderlich; so wie eine unverständliche Aufnahme, die auf einem Kassettenrekorder aufgenommen wurde. Ist denn das richtig?“ Häufig sagen Muslime auch: „Der Koran ist die Vollendung aller anderen Religionen.“ Ich frage: „Warum denn?“ Sie antworten: „Weil im Koran detailliert erklärt wird, was im Evangelium nicht aufgedeckt und unverständlich ist.“ Ich sage ihnen: „Komm, schauen wir“, und wir öffnen die Sure „Mariam“ und sehen, dass dort nicht davon erzählt wird, wie Jesus geboren wurde oder wo ER geboren ist, oder wo der Erzengel zur Jungfrau Maria gesprochen hatte; im Evangelium aber wird all das berichtet. Also ist das Evangelium vollkommen; der Koran dagegen ist nicht vollkommen.“ So reden wir miteinander; aber nur wenn sie selbst beginnen zu fragen. Wenn sie sagen: „Das Christentum ist irrtümlich“, sage ich ihnen: „Komm her, lass mich dir erzählen, was du über das Christentum nicht weißt.“ Sie sagen: „Sie halten Jesus Christus für Gott; aber Gott ist nur Einer.“ Ich sage: „Richtig: wir Christen glauben auch, dass Gott nur Einer ist; die Christen denken nicht, dass es drei Götter gebe. Gott ist Einer; aber wir wissen, dass Gott lebendig ist, und ER hat das Wort und den Geist. Gott „bewohnt ein unzugängliches Licht, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann“ (1. Tim. 6:16), und deshalb kam sein Wort zu uns und wurde Mensch, damit wir durch Christus erkennen können, wie sehr Gott die Welt liebt. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh. 3:16).

 

Wir haben gehört, dass es in Indonesien Angriffe von Muslimen auf Christen, sogar Terroranschläge und Morde gab.

Ja, so war es; aber in den letzten vier Jahren wird es deutlich weniger. Aber es entwickelt sich eine Feindschaft zwischen Muslimen unterschiedlicher Richtungen. Die Muslime sind verfeindet mit den Anhängern der Ahmadiyya-Bewegung, die aus Indien kam; denn diese erkennen Ghulam Ahmad als neuen Propheten an, und die anderen Muslime glauben, dass es nach Mohammed keine Propheten geben kann. Und nun beginnen sie, einander umzubringen.

 

Erzählen Sie bitte, wie Ihr priesterlicher Dienst abläuft.

Als wir anfingen, nahm ich jeden Sonntag alles mit, was für den Dienst notwendig war, und wir gingen in irgendein Haus, wo es einen großen Raum gab, stellten alles auf und begannen zu zelebrieren. So läuft es im Grunde genommen bis heute. Jetzt ist es aber schon besser, da wir ein Haus für die Gottesdienste mieten. Aber nach dem Gottesdienst müssen wir alles wegräumen, da dorthin auch andere Menschen, darunter auch Kinder, hinkommen. Sonntags beginne ich schon um sechs Uhr morgens, das Zimmer für den Gottesdienst vorzubereiten: ich errichte den Altar und so weiter. Um sieben beginnen die Gläubigen zu kommen. Ich diene in Jakarta und Surabaya. In beiden Orten sind die Gemeinden zu Ehren des Heiligen Wladimir benannt. Insgesamt haben wir über siebzig Gemeindemitglieder; aber zu den Gottesdiensten kommen nur Wenige, da wir kein Gotteshaus haben und in einem privaten Haus beten, so dass große Versammlungen zu viel Aufmerksamkeit der Nachbarn auf sich ziehen könnten. Das Problem ist, dass wir nach indonesischen Gesetzen keine Gottesdienste in Wohnungen bzw. Privathäusern organisieren dürfen – nur in speziellen religiösen Gebäuden bzw. in Gotteshäusern. In Jakarta haben wir bereits ein Grundstück zum Aufbau eines Gotteshauses, aber leider kein Geld dafür.

 

Wie einfach ist es denn, ein orthodoxes Gotteshaus in Indonesien zu bauen?

Für ein Gotteshaus eine Baugenehmigung zu erhalten, ist nicht einfach und dauert lange. Man müsste es so machen: zuerst ein kleines einfaches Gebäude bauen und beginnen, dort zu beten. Dann werden die Nachbarn dies sehen, und sie beginnen, sich daran zu gewöhnen; sie werden sehen, dass wir sie nicht stören und weder Lärm noch Unbequemlichkeiten machen. Und nachdem sie sich daran gewöhnt hätten, würden wir sie bitten, die Baugenehmigung für das eigentliche Gotteshaus zu unterschreiben, denn nach dem Gesetz bedarf dies der Zustimmung der Nachbarn. Alle Christen in Indonesien machen es so. Wenn man aber versucht, sofort ein Gotteshaus zu bauen, wären viele dagegen. Es gibt noch ein Gesetz, das besagt, dass im Umkreis von fünfhundert Metern um eine Moschee keine Gotteshäuser anderer Religionen aufgebaut werden dürfen. Das ist einer der Gründe, warum es notwendig ist, den Bau des Gotteshauses auf unserem Grundstück in Jakarta möglichst schnell anzunehmen – noch gibt es keine Moschee in der Nähe. Wenn es einen Raum gibt, in dem regelmäßige Gottesdienste zelebriert werden, und dann in seiner Nähe eine Moschee gebaut wird, dann ist das normal, und es würde keine Schwierigkeiten geben; aber wenn sie neben unserem Grundstück eine Moschee bauen, bevor wir den Bau angefangen haben, dann werden wir dort kein Gotteshaus mehr errichten können.

Ich bin davon überzeugt: wenn wir in Jakarta ein Gotteshaus hätten, würde die Anzahl der Orthodoxen sehr schnell wachsen, da die Indonesier sich gerade für die russische Orthodoxie sehr interessieren. Sie steht ihnen näher als die griechische. Unser größtes Problem ist, dass wir kein Gotteshaus haben. Wahrscheinlich ist es sogar das einzige Problem. Ich habe schon vielen Menschen die Orthodoxie nahegebracht, sowohl persönlich als auch über das Internet, und sie sagen: „Wo finden die Gottesdienste statt, Vater?“ Ich antworte: „Noch in einem Wohnhaus; aber bald wird es ein Gotteshaus geben“, und sie sagen: „Gut, wir werden warten.“ Denn sie haben Angst, dass sie bei einem illegalen Gebetstreffen von Muslimen überfallen werden könnten. Sicherlich ist der Bau eines Gotteshauses eine sehr kostspielige Sache. Es bedarf vielen Geldes. Aber ich glaube, das Wichtigste wäre es, wenigstens ein Fundament zu errichten. Wenn das Fundament erst einmal da wäre, könnte ich meinen Freunden sagen: „Helft mir - nicht mit Geld, sondern mit Baustoffen, mit Zement oder sonst irgendwie“, und sie würden beginnen zu helfen, wenn sie sähen, dass die Sache im Fluss ist. Das Wichtigste ist es, zu beginnen. Und sie werden eben eher auf diese Weise helfen, denn es hat in Indonesien schon häufig Fälle gegeben, in denen protestantische Pastoren begonnen hatten, Geld zum Bau von Kirchen zu sammeln, und danach doch keine Kirchen gebaut wurden.

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