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Die Heiligen Hierarchen Theophan der Klausner und Ignatios (Brjantschaninow): Die Theologie des Gebets

15. Februar 2011
Den Portal-Lesern wird hier ein Vortrag von Vadim Popov, Student des ersten Jahres der Magistratur der Moskauer Geistlichen Akademie, vorgestellt, der auf der wissenschaftlichen Tagung „Das schöpferische Erbe des Hl. Hierarchen Theophan dem Klausner als Gegenstand der gemeinsamen Forschung der kirchlichen und säkularen Wissenschaft“ gehalten worden ist, die am 26. Januar 2011 im Rahmen der 19. Weihnachtlichen Bildungslesungen stattgefunden hat.

Unter den geistlichen Vorkämpfern und spirituellen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts, deren Werke zur Wiedergeburt der patristischen Lehre über das Jesusgebet und das geistige Tun beitrugen, nehmen der Heilige Hierarch Ignatios (Brjantschaninow) (1807-1867) und der Heilige Hierarch Theophan der Klausner (1815-1894) eine herausragende Stelle. Diese zwei heiligen Hierarchen haben allerdings weder ein dogmatisches noch ein moralisches System erschaffen; sie wollten nur das Bild des christlichen Lebens skizzieren und die Richtung des spirituellen Weges aufzeigen, und darin besteht ihre besondere historische Bedeutung.

Wenn wir das Erbe dieser zwei Hierarchen studieren, vergleichen und analysieren, ist es notwendig, sowohl das Ausmaß ihrer Kontinuität in Bezug auf das vorangegangene patristische Erbes als auch ihre charakteristische persönliche Vorgehensweise zur Errichtung des spirituellen Lebens sowie ihre Gedanken, Visionen und allgemeine Geisteshaltung zu betrachten.

Beide Hierarchen sind bekannt als große Kenner des patristischen Erbes, eifrige geistliche Vorkämpfer und erfahrene Praktiker des Höchsten: des Jesusgebets und des Einsiedlertums.

Sie lehrten über die allergrößte Wichtigkeit der Heiligen Schrift, insbesondere des Evangeliums für das Heil. Der Hl. Hierarch Ignatios schreibt diesbezüglich: „Lest das Evangelium mit der äußersten Ehrfurcht und Aufmerksamkeit. Haltet nichts darin für bedeutungslos oder nicht beachtenswert. Jedes Jota dort sendet einen Strahl des Lebens aus, und die Vernachlässigung des Lebens ist der Tod.“[1] Und der Hl. Hierarch Theophan schreibt: „Nicht nur, dass das Wort Gottes alle gezeigten Methoden ergänzt - es ersetzt sie auch. Es regt vollkommener und deutlicher an. Wegen seiner Verwandtschaft mit unserem Geist, der ebenso von Gott ausgeht und uns durchdringt bis zur Scheidung von Seele und Geist[2], belebt es den letzteren und befruchtet ihn mit Werken des spirituellen Lebens (wobei das Wort eben dem Samen entspricht[3]).“[4]

Diese Hierarchen zeichneten sich gegenüber ihren Vorgängern durch tiefe Treue zur patristischen Tradition aus, die sie so gut kannten. Der Hl. Hierarch Ignatios schreibt: „Eigne dir die Gedanken und den Geist des Heiligen Väter durch die Lektüre ihre Schreibwerke an. Die Heiligen Väter haben das Ziel – das Heil – erreicht. Und du wirst dieses Ziel laut dem natürlichen Gang der Dinge auch erreichen. Als einer, der mit den Heiligen einmütig und einträchtig ist, wirst du dich retten lassen.“[5]

Der Heilige Hierarch Theophan schreibt: „Fruchtbar ist das Wort Gottes, und auch die patristischen Werke und Heiligenvitae.“[6] „Reisende machen Reisenotizen über alles, was sie auf ihrem Wege für beachtenswert halten. Auch die Auserwählten Gottes, die alle Pfade des spirituellen Lebens in verschiedene Richtungen verfolgt haben, machten ihre Notizen– über alles, was sie in ihrem sehr mühsamen Aufstieg gen Himmel begegnet und erlebt haben.“[7]

Der allgemeine und zentrale Gesichtspunkt in den Lehren der Hl. Hierarchen Theophan und Ignatios ist vor allem die Lehre über das Gebet. Besonders viel Aufmerksamkeit widmen sie dem Jesusgebet. Der Hl. Hierarch Ignatios schreibt: „Gott ist die einzige Quelle der wahren Güter. Das Gebet ist die Mutter und das Haupt aller Tugenden als das Mittel und der Zustand der Gemeinschaft mit Gott“[8]. Theophan der Klausner: „Wie wahr Ihre Schlussfolgerung ist: ‚Also ergibt es sich, dass es im Ganzen ums Gebet geht‘ – Ja, eben ums Gebet.“[9]  Beide waren in ihrem Verständnis der praktischen Aspekte des Gebetswerkes einander nah. Beide bestanden darauf, dass beim Gebet nicht die Quantität, sondern die Qualität das Wichtigste sei, und beide sahen das Jesusgebet als wichtigste Tätigkeit nicht nur der Mönche, sondern aller Christen an. Gegenüber „mechanischen“ Wegen der Konzentration des Verstandes im Herzen waren sie beide vorsichtig oder sogar negativ eingestellt. 

Gefährlich sei nicht das Jesusgebet selbst, sondern „jene Kunst, welche man in Bezug auf das Gebet erdacht und vorgemacht hat.“ Diese „reißt Manche in den schwärmerischen Selbstbetrug (die Prelest) mit, und manch Andere überraschenderweise in einen ständigen Zustand fleischlicher Lust“. Daher hielt der Hl. Hierarch Theophan es für notwendig, von dieser künstlichen Methode „abzuraten und sie zu verbieten“ und alle ihre Anhänger dazu zu bewegen, „den allergütigsten Namen des Herrn in der Einfalt des Herzens[10] aufzurufen.“[11]

Beide Hl. Hierarchen betonten besonders, dass es notwendig für das Jesusgebet sei, einen erfahrenen Vertrauenslehrer zu finden – den „geistlichen Vater“ – oder zumindest einen Gesprächspartner – den „einmütigen Bruder“.  Die eigene Praxis mit den Ratschlägen eines solchen Gegenübers abzustimmen sei notwendig, um nicht in Prelest zu verfallen.[12]

Trotz ihrer vielen Übereinstimmungen genügt es, nur je eine Seite aus den Werken der beiden Hierarchen zu lesen, damit offensichtlich wird, dass ihre Werke – die behandelten Themen, die Stile, die Darlegungsweisen – sich deutlich voneinander unterscheiden. Der Hl. Hierarch Theophan und der Hl. Hierarch Ignatios (Brjantschaninow) unterschieden sich sowohl in theologischen Einzelheiten als auch in ihrer allgemeinen Geisteshaltung.

Die Ursachen dieser Unterschiede sind folgende:

1. Für den Hl. Hierarch Ignatios (Brjantschaninow) war der Pessimismus in Hinsicht auf die zeitgenössische kirchliche Wirklichkeit prägend. Er widmete seine Aufmerksamkeit dem Verfall des wahren monastischen Lebens und dem Fehlen der wahren Starzen –ungeachtet dessen, dass der Hierarch die Optina-Starzen selbst persönlich kannte. In seinen Werken  persönlich kannte. bst die  die zeitgenossische en Einzelheiten und sogar in ihrer allgemeinen G.ologie völlig erforsind häufig Vorwarnungen gegen Prelest, Irrtümer und schädliche Einflüsse zu finden. Bei Theophan dem Klausner findet sich in seinen Lebensansichten dagegen viel Optimismus. Er betont die positiven Seiten des geistlichen Lebens, und in seinen Schreiben gibt es mehr kreative Freiheit.

2. Beider Einstellung zur patristischen Literatur ist unterschiedlich. Der Hl. Hierarch Ignatios bemühte sich, die frühchristlichen Quellen möglichst genau wiederzugeben. Der Hl. Hierarch Theophan behandelt sie dagegen mit einem großen Maß an Freiheit, indem er nur das Notwendigste entnimmt und das, was ihm entbehrlich oder gar unnütz erscheint, beiseitelässt. Die meisten Übersetzungen des Hl. Hierarchen Theophan stellen eher eine Nacherzählung bzw. eine Adaptation des Textes an die Belange der Zeitgenossen dar als  eine eigentliche Übersetzung.

Es ist kein Zufall, dass der Hl. Hierarch Theophan bei seiner Übersetzung der „Philokalie“ ins Russische all die Stellen, in denen es um die psychosomatische Methode ging, verkürzte, veränderte oder auch ganz aussparte. Er befand, dass es notwendig sei, „die Aufsätze, in denen davon die Rede ist, ausfallen zu lassen, und die Sammlung mit dem Werk von Simeon dem [Neuen] Theologen zu beenden“[13]. In der Veröffentlichung der Werke des Heiligen Simeon sparte Theophan die Stellen über die „Methode der heiligen Aufmerksamkeit und des Gebets“, also die psychosomatische Technik der Konzentration des Verstandes im Herzen, ebenfalls aus. Die Lücke im Text versah er mit folgendem Vermerk: „Der Heilige Simeon weist auf einige äußere Praktiken hin, welche Manche verführen und von vom richtigen Wege ablenken und Anderen ihr Werk beschädigen. Da diese Praktiken, wenn die geistliche Führung fehlt, böse  Folgen haben können und auch nichts weiter als eine äußere Anpassung an das innere Tun sind, die nichts Wesentliches beitragen, sparen wir sie hier aus.“[14]

3. Anders als bei Ignatios, der sich bemühte, die patristischen Ratschläge genau einzuhalten, beruhten die praktischen Empfehlungen Theophans eher auf seiner eigenen spirituellen Erfahrung als auf den Gedanken der Heiligen Väter.

4. Die Werke von Ignatios und Theophan richteten sich von vornherein an verschiedenes Publikum – sicherlich beide Male an Christen, die sich aber in ihrer spirituellen Entwicklung und Lebensweise sehr voneinander unterschieden. Ignatios adressierte seine Werke an ein konkretes Publikum; so schreibt er im Vorwort seiner „Asketischen Erfahrungen“ («Аскетические опыты»): „Ein Leser, der mit der Überlieferung der Orthodoxen Ostkirche vertraut ist, wird leicht erkennen, dass in der hier angebotenen Schrift die Lehre der Heiligen Väter über die Wissenschaft der Wissenschaften und über das Mönchstum dargelegt ist – wobei diese Lehre den Anforderungen der Gegenwart angepasst wurde… Die Erklärung dieser Richtung und der Notwendigkeit dafür ist der Hauptgedanke der Erfahrungen in ihrer ganzen Breite.“[15] Allerdings beinhalten die „Erfahrungen“ auch das Kapitel „Die Ordnung der Selbst-Aufmerksamkeit für diejenigen, die mitten in der Welt leben“ («Чин внимания себе для живущих посреди мира»). Aber was seinen Inhalt und Umfang betrifft, macht es wortwörtlich nur einen Tropfen im Meer aus (zwei von 800 Seiten). Die restlichen Werke des Hierarchen sind an das zeitgenössischen Mönchstum adressiert. Sie können auch als Appell an Laien betrachtet werden, aber einer bestimmten Kategorien von Laien – wie der Hl. Hierarch selbst schreibt: an „Leser, die mit der Überlieferung der Orthodoxen Ostkirche vertraut sind“. Wenn dem aber hinzugefügt wird, dass Ignatios seine Werke als „Lehre über das Mönchstum“ definierte, dann werden wir uns wohl nicht irren, wenn wir sagen, dass sein Publikum die Menschen sind, die fest in der Orthodoxie stehen und ein aktives spirituelles Leben führen, also in ihrem Geiste dem Mönchstum nahe sind.

Die Werke Theophans haben eine ganz andere Stimmung. Ihr Charakter ist missionarisch, katechetisch und apologetisch. Der Hierarch selbst spricht von seinem Werk wie von einer Anleitung, die „den Menschen, der außerhalb von Gott ist, nehmen, zu IHM wenden und dann vor SEIN Gesicht führen soll“ und „den Menschen, der sich an den Kreuzwegen der Sünde befindet, durch den feurigen Weg der Bereinigung hindurchführen und auf das für ihn mögliche Maß der Vollkommenheit emporbringen soll“[16]. Ihr Adressat ist der Mensch, der im Gegenteil zum Leser des Ignatios mit der Überlieferung der Orthodoxen Ostkirche nicht oder nur sehr wenig vertraut ist. Die Werke Theophans wenden sich unmittelbar an die säkulare gebildete Gesellschaft seiner Zeit, also an die Laien. Dafür spricht auch seine ausführliche Besinnung und Beschreibung des Themas der Erziehung des Kindes von der Geburt bis zu seiner Jugend; die Tatsache, dass er seinem Buch „Der Weg zum Heil“ („Путь ко спасению») als Anlage „Die Lektionen unseres Heiligen Vaters Johannes Chrysostomos über die Erziehung“ («Святого отца нашего Иоанна Златоустого уроки о воспитании») hinzufügte; seine mehrfache und ausführliche Betrachtung der Familien- und Dienstverpflichtungen usw.

5. Der Unterschied im Publikum führt obligatorisch auch zum Unterschied in den zu betrachtenden Fragen. Ignatios – erinnern wir nochmals daran – schreibt: „…dass in der hier angebotenen Schrift die Lehre der Heiligen Väter über die Wissenschaft der Wissenschaften und über das Mönchstum dargelegt ist – wobei diese Lehre den Anforderungen der Gegenwart angepasst wurde“. Er betrachtet die Struktur des monastischen Lebens und das entsprechende Verhalten, asketische Übungen (Podwigen) und das Ausmaß der Vollkommenheit („Die Darbringung an das zeitgenössische Mönchstum“, «Приношение современному монашеству»); er schreibt über die hohe Askese, führt die Erfahrung der asketischen Väter an („Paterikon“, «Отечник»), beurteilt und adaptiert sie; teilt seine persönlichen Beobachtungen, Gedanken, Überlegungen und Kontemplationen mit und betrachtet einige theologische Fragen, die wiederum mit dem erhabenen asketischen Tun verbunden sind und es beeinflussen („Das Wort über das sinnliche und das spirituelle Sehen von Geistern“, «Слово о чувственном и духовном видении духов»; „Das Wort über Wunder und Zeichnen“, «Слово о чудесах и знамениях»; „Das Wort über den Tod“, «Слово о смерти»; Das Wort über den Menschen“, «Слово о человеке»).

Theophan wendet sich an die zeitgenössische Gesellschaft – die bemerkenswert säkular war – und bemüht sich in seinen Werken, sie zum Christentum anzuregen und anzuziehen, sowie ihr einen minimal hinreichenden Umfang an Kenntnissen und praktischen Ratschlägen für die Aufnahme eines spirituellen Lebens zu vermitteln. Er versucht, seine Leser die orthodoxe Weltempfindung und Weltwahrnehmung spüren zu lassen, als wohlgebaute, harmonische, logische und, vor allem, wahre Weltanschauung, im Gegensatz zur westlichen und einheimischen säkularen Philosophie, die das 19. Jahrhundert überschwemmte. Theophan der Klausner sprach von seinem Werk als über eine Anleitung, die „das christliche Leben in seinen Erscheinungen und Praktiken vom Anfang bis zum Ende verfolgen muss, oder – was dasselbe ist – die Geschichte des aktiven Lebens eines jeden Christen, verbunden mit einem Leitfaden, wie er in jedem konkreten Falle agieren soll, um in seiner Würde bestehen zu bleiben“[17]. Damit ist auch seine asketische Lehre verbunden. Während Ignatios konkret über das Jesusgebet und die Prelest schreibt, berichtet Theophan davon, was das Gebet im Allgemeinen ist, wie es richtig ist zu beten und welche Gebetsregeln zu den säkularen Menschen passen. Während Ignatios die asketische Erfahrung der Alten Väter an das zeitgenössische Mönchstum anpasst, adaptiert Theophan das Christentum für die zeitgenössische Gesellschaft und gibt Ratschläge für die Organisation des spirituellen Lebens in der Welt. 

6. Es gibt auch einen Unterschied in der Darlegungsmethode. Ignatios argumentiert nie logisch und wendet auch keine logischen Schemata an. Er spricht wie Jesus Christus im von Johannes dem Theologen dargelegten Gespräch mit Nikodemus, wobei er die Leser vor diese oder jene Fakten der von Gott inspirierten Wahrheit oder der Lehre der Kirche stellt, vor denen der Verstand demütig schweigen muss, und denen sich anzunähern nur durch den Glauben möglich ist. Es ist bezeichnend, dass seine Werke formal fast alle kleine Essays (bzw. Tractati) sind, von denen jeder einer konkreten Frage (z.B. „Die asketischen Erfahrungen“) oder Überlegungen, Kontemplationen und Gedanken gewidmet ist. Diese Darlegungsmethode erklärt er selbst damit, dass das Leben von ihm Antworten auf diese oder jene Fragen verlangt habe.[18] Er wählt diese Darlegungsmethode nicht von sich aus, sondern überreicht den Lesern die Wahrheit, die im Evangelium und den Werken der Väter enthalten ist. Damit sind eine sehr ergiebige Zitierung dieser Quellen und die genaue Verweisung bei jedem Zitat verbunden.

Der Darlegungsmethode Theophans ist eine andere. Prägend ist die Herkunft seines „Weges zum Heil“, dessen Grundlage die Vorlesungen zur Moraltheologie an der Geistlichen Akademie in St. Petersburg waren.[19]  Diese Methode ist eine systematische Darlegung des Stoffes, inklusive logischer Analyse, Systematisierung und Verarbeitung. Grundlage all seiner wichtigsten Werke («Путь ко спасению»; „Der Grundriss der christlichen moralischen Lehre“, «Начертание христианского нравоучения»; „Was das spirituelle Leben ist und wie man sich darauf einstellt“; «Что есть духовная жизнь и как на неё настроиться»; „Die Belehrungen über das spirituelle Leben“, «Наставления о духовной жизни» u.a.) sind bestimmte theologisch-philosophische Systeme. Davon zeugen sowohl Anlage als auch Inhalt der Werke als ganzheitliche Systeme des christlichen spirituellen Lebens vom Anfang bis zum Ende, mit einer sehr verzweigen Aufschlüsselung in Teile, Unterteile, Punkte, Unterpunkte usw., sowie auch deren Analyse und Wechselwirkungen. Theophan ist ein Systematiker. Sein Weltanschauungssystem ist die Frucht der Analyse und Synthese der patristischen Werke und der Philosophie. Für dieses System ist die Bemühung, alles logisch zu verbinden und zu begründen, bezeichnend.

Die Werke Theophans prägen den Zustand des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins des Menschen auf verschiedenen spirituellen Stufen. Dafür verwendet er häufig Zitate des vermuteten inneren Dialogs des Menschen und seiner Gedanken.

7. Der Darlegungsstil und das Vokabular der zwei Heiligen Hierarchen unterscheiden sich sehr. Der Stil der Werke des Ignatios ist sehr eigenartig – er ist erhaben, er reißt die Leser vom Irdischen und Alltäglichen los und geleitet sie zum Himmlischen. Es sind vorwiegend ruhige, gemessene, bedächtige Belehrungen eines Meisters bzw. eines erfahrenen Kameraden an einen Neuling über die Werke und Taten, die diesem bevorstehen. Diese Belehrungen sind konkret, sachlich und praktisch. In ihnen stehen Zitate aus der Heiligen Schrift und zahlreiche Verweise auf die Heiligen Väter und ihre Aussagen. Stellenweise sind sie geprägt durch charakteristische Wiederholung der Konstruktionen, die nach Rhythmus und Maß wohl den poetischen Werken zugezählt werden können. An anderen Stellen sind sie wiederum sehr emotional. Die Werke, die der Hl. Hierarch selbst Kontemplationen, Besinnungen und Überlegungen nennt, müssen nach ihrer literarischen Schönheit zu den Meisterwerken der russischen Literatur gezählt werden. Die Sprache aller Werke des Ignatios ist schön, kraftvoll und reich an  Altkirchenslawismen; wir können vielleicht sogar sagen, dass das der Stil und die Sprache der Bibel sind.

Der Hl. Hierarch Theophan hat einen anderen Stil und eine andere Sprache. Die Herkunft des „Weges zum Heil“ als akademische Vorlesung prägt dieses Buch auf besondere Weise. Stil und Sprache sind wissenschaftlich und akademisch. In einigen Werken und Briefen von Theophan ist ein typischer Lehrerton zu spüren, der manchmal direkt in Belehrungen übergeht (zum Beispiel in der Briefsammlung „Was das spirituelle Leben ist und wie man sich darauf einstellt“). Während Ignatios die Wahrheit konstatiert, gibt Theophan Ratschläge und Anweisungen, was sich unter anderem auch in den Titeln seiner Bücher widerspiegelt: „Weise Ratschläge des Hl. Hierarchen Theophan aus der Klause von Wyscha“ («Мудрые советы святителя Феофана из Вышинского затвора», herausgegeben von Alexij Bobrow, Priester in Gawrilow Possad, 1897) und „Belehrungen über das spirituelle Leben“ («Наставления о духовной жизни»). Die Sprache ist, wie bei akademischen Vorlesungen üblich, trocken, offiziell und wissenschaftlich; es gibt dort weder  Altkirchenslawismen noch Zitate aus der Heiligen Schrift oder der Heiligen Väter. Häufig sind Wörter und Wendungen zu finden, die für das 18. Jahrhundert charakteristisch sind; so sprachen Michael Lomonossow und Gawriil Derschawin. In seinen Briefen gibt es dagegen auch sehr warme, herzlichen Stellen und auch umgangssprachliche, volkstümliche Elemente.

Zum Schluss sollte gesagt werden, dass es zwischen den Heiligen Hierarchen Ignatios (Brjantschaninow) und Theophan dem Klausner hinsichtlich der Praxis des spirituellen Lebens und der Lehre des Gebets, trotz der aufgezeigten Unterschiede, keine prinzipiellen Unstimmigkeiten gibt. Schon zu Lebzeiten hatten sie unbestreitbare Autorität. Ihre Werke wurden hoch geschätzt und vielen anderen geistlichen Vorkämpfern des 19. und 20. Jahrhunderts nachdrücklich weiterempfohlen. Sie erschließen aus der patristischen spirituellen Erfahrung eine unschätzbare Anleitung im Gebetswerk für das moderne Christentum.

In unserem Zeitalter des Rationalismus und des Egozentrismus, in dem sich die Menschen häufig bemühen, ihre geistlichen Probleme ohne Gott und ohne Hilfe der Kirche zu lösen, wäre es besonders aktuell, sich der Belehrungen der Hl. Hierarchen Theophan und Ignatios zu erinnern, die das Gebet betreffen, welches „Behälter bzw. Laufbahn des ganzen spirituellen Lebens bzw. das spirituelle Leben selbst in Bewegung und Wirkung ist“[20].



[1] Полное собрание творений святителя Игнатия (Брянчанинова). Том 1. – М.: Паломник, 2006. С. 100.

[2] Hebr. 4:12 (Anm.d.Ü.)

[3] Vgl. Mt. 13:3-23. (Anm.d.Ü.)

[4] Феофан Затворник. Путь ко спасению. – М.: Благовест, 2001. С. 100.

[5] Полное собрание творений святителя Игнатия (Брянчанинова). Том 1. – М.: Паломник, 2006. С. 103.

[6] Цит. по: Архимандрит Георгий (Тертышников). Святитель Феофан Затворник и его учение о спасении. – М.: Правило Веры, 1999. С. 483.

[7] Ebenda, С.484.

[8] Полное собрание творений святителя Игнатия (Брянчанинова). Том 1. – М.: Паломник, 2006. С. 128.

[9] Епископ Феофан. Что есть духовная жизнь и как на неё настроиться. О духовном восхождении и спасении –Л.: «Соборный разум», Ленинградское отд. об-ва «Знание», 1991. С. 165.

[10] Vgl. Apg. 2:46. (Anm.d.Ü.)

[11] Иларион (Алфеев), епископ. Священная тайна Церкви. Введение в историю и проблематику имяславских споров. Т 1. Спб.: Алетейя, 2002. С.257.

[12] Ebenda, С. 253.

[13] См. Иларион (Алфеев), епископ. Священная тайна Церкви. Введение в историю и проблематику имяславских споров. Т 1. Спб.: Алетейя, 2002. Цитируется с сокращениями. С. 259.

[14] Ebenda.

[15] См. Иларион (Алфеев), епископ. Священная тайна Церкви. Введение в историю и проблематику имяславских споров. Т 1. Спб.: Алетейя, 2002. С. 75.

[16] Святитель Феофан Затворник. Путь ко спасению. Краткий очерк аскетики. –М.: Благовест, 2001. С. 5-6.

[17] Святитель Феофан Затворник. Путь ко спасению. Краткий очерк аскетики. – М.: Благовест, 2001. С. 5-6.

[18] Полное собрание творений святителя Игнатия (Брянчанинова). Том I. – М.: Паломник, 2006. С. 75.

[19] Архимандрит Георгий (Тертышников). Святитель Феофан Затворник и его учение о спасении. – М.: Правило Веры, 1999. С. 99.

[20] Феофан Затворник, святитель. Начертание христианского нравоучения. М., 1891. С. 393.

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