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Goldener Fonds

5. Sonntag der Großen Fastenzeit – Die Heilige Maria von Ägypten

8. April 2011
„Sie kann uns vieles lehren: unter anderem, dass auch wir uns irgendeinmal bewußt werden müssen, dass die Welt unseres Königs, in die wir so leicht eintreten - die Kirche, ja sogar die ganze von Gott geschaffene Welt überhaupt - vom Bösen unangetastet geblieben ist, obwohl sie wegen uns unter der Macht des Bösen steht. Wenn wir uns dieses einmal bewußt würden und begreifen würden, dass es in dieser Welt eigentlich nur für uns keinen Platz gibt und darauf mit Reue reagieren würden, das heisst, uns mit all unserer Entschlußkraft von all dem Furchtbaren in uns selbst abkehren würden, dann könnten auch wir dem Beispiel der Heiligen folgen.“ – aus einer Predigt zum Fünften Sonntag der Großen Fastenzeit von Metropolit Antonij von Sourozh

1. April 1990

Heute gedenken wir der Heiligen Maria von Ägypten. Von ihr können wir viel lernen. Und wir haben dies auch nötig. Sie war eine stadtbekannte Sünderin und für die Menschen um sie herum eine Versuchung, denn sie verführte auch viele andere zur Sünde. Wie sie dazu geworden war, wissen wir nicht. Hatte sich vielleicht das Böse in ihr selbst eingenistet oder wurde auch sie selbst verführt oder mit Gewalt dazu gezwungen? Wir werden es nie erfahren, wie sie zu einer Hure geworden war. Eins jedoch wissen wir sehr gut: Eines Tages kam sie in eine Kirche der Gottesmutter, in eine Kirche derer, die völlige unversehrt und keusch ist. Dort ist ihr plötzlich gewahr geworden, dass sie kein Recht hat, diese Kirche zu betreten. Man braucht sich hier nicht vorzustellen, dass irgendeine magische Kraft sie angeblich daran gehindert hätte, die Schwelle der Kirche zu übertreten. Diese Kraft wirkte mit aller Wahrscheinlichkeit in ihr selbst. Sie selbst fühlte, dass dieser Raum besonders heilig war und dass es deshalb für sie selbst im Innern dieser Kirche, wo die Gottesmutter anwesend ist, keinen Platz gab.

Dies war für sie ausreichend, um sich bewußt zu machen, dass ihre gesamte Vergangenheit von Finsternis bedeckt war und dass es nur einen Weg gab, um diesem Dunkel zu entkommen: Man musste alles Böse von sich werfen und eine neues Leben beginnen. Sie ging nicht zu einer Beichte, um sich Rat zu holen. Sie verliess die Stadt und ging in die Wüste, in die heisse Wüste, wo es nichts gab ausser Sand und Hunger und verzweifelnde Einsamkeit.

Sie kann uns etwas sehr wichtiges lehren. Der Heilige Serafim von Sarow sagte immer wieder zu denen, die zu ihm kamen, dass der einzigste Unterschied zwischen Sündern, die zu Grunde gehen und denen, die ihren Weg zum Heil finden, in deren vorhandener Entschlußkraft besteht. Die Gnade Gottes ist uns immer nahe, doch wir reagieren oft nicht auf sie, so wie es Maria getan hat. Wie hat sie dieses Grauen aufgenommen, das sie erfasst hatte, als sie sich klar wurde, wer sie im Angesicht der Heiligkeit, Schönheit, Unversehrtheit und Keuschheit der Gottesmutter eigentlich war? Sie war zu allem bereit, um ihr Leben zu verändern.

Und so rang sie Jahr für Jahr fastend und betend unter der glühenden Hitze, in verzweifelnder Einsamkeit zwischen den brennenden Steinen mit all dem Bösen, welches sich in ihrer Seele angesammelt und festgesetzt hatte. Es reicht nämlich nicht, sich dieses Bösen bewußt zu sein, es reicht auch nicht aus, es mit der Kraft des eigenen Willens zu bekämpfen. Es ist immer da: in unseren Erinnerungen, in unseren Wünschen, in unserer Schwachheit und der Verdorbenheit, die das Böse mit sich bringt. Sie musste ihr ganzes Leben kämpfen. Am Ende jedoch hat sie gesiegt. Sie hat wie eine Heldin des Lichts gerungen, sie hat sich von aller Befleckung befreit und sie konnte so in die Sphäre Gottes eintreten: nicht in eine Kirche, nicht „irgendwohin“, sondern in die Ewigkeit.

Sie kann uns vieles lehren: unter anderem, dass auch wir uns irgendeinmal bewußt werden müssen, dass die Welt unseres Königs, in die wir so leicht eintreten - die Kirche, ja sogar die ganze von Gott geschaffene Welt überhaupt - vom Bösen unangetastet geblieben ist, obwohl sie wegen uns unter der Macht des Bösen steht. Wenn wir uns dieses einmal bewußt würden und begreifen würden, dass es in dieser Welt eigentlich nur für uns keinen Platz gibt und darauf mit Reue reagieren würden, das heisst, uns mit all unserer ungebrochenen Entschlußkraft von all dem Furchtbaren in uns selbst abkehren würden, dann könnten auch wir dem Beispiel der Heiligen folgen.

Die Vita der Heiligen Maria von Ägypten gibt uns die Kirche als Beispiel zur Vollendung der Fastenzeit, dieses Frühlings des Lebens. Vor einer Woche haben wir die Lehre, ja den Aufruf des Heiligen Johannes Klimakos vernommen, der uns eine ganze Stufenleiter auf dem Weg zur Vollkommenheit aufgezeigt hat, mit Hilfe derer wir das Böse überwinden und zur Wahrheit gelangen können. Heute sehen wir ein Beispiel dafür, wie jemand aus den Abrgründen des Übels zu den Höhen der Heiligkeit gelangt ist und zu uns mit den Worten des Bußkanons von Andreas des Kreters spricht: Wenn du, meine Seele, auch besudelt bist, so verzweifle doch nicht, denn Gott kann allen Schmutz wieder weiss machen und rein werden lassen.

Möge das Bild der Heiligen uns neuen Mut geben und eine neue Hoffnung sein, ja sogar eine neue Freude. Möge es uns aber auch neu herausfordern, denn, wenn wir von den Heiligen nichts lernen und uns nicht bemühen sie nachzuahmen, dann ist unser Lobgesang für sie völlig wertlos.

In einer Woche stehen wir an der Schwelle der Karwoche und diese wird am Sonnabend mit zwei Ereignissen eröffnet, derer wir gedenken werden. Die Auferweckung des Lazarus und die Verkündigung an die Gottesmutter. Lasst uns in die Karwoche hineingehen und bereit sein der Gottesmutter von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Möge wenigstens unsere Entschlusskraft, ein ihrer Gebete für uns würdiges Leben zu führen, mit uns sein. Lasst uns dann tag für tag den Ereignissen der Karwoche folgen und uns immer wieder dabei fragen: Wo hätte ich gestanden, wenn ich vor 2000 Jahren in Jerusalem gewesen wäre?

Amen

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