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Wie lange soll die Katechese dauern?

1. Juni 2011
Diese Frage stellt sich jedem Priester und Katechisten, die dieses nicht einfache, aber segensreiche Werk – die Katechese erwachsener Menschen – beginnen. Sollten wir die Dauer der katechetischen Gespräche einschränken, vielleicht auf zwei Wochen oder einen Monat? Oder sollte die Katechese so lange andauern, bis das Leben des Katechumenen sich wirklich geändert hat? Wie wurde über diese Frage im Altertum entschieden, und wie kann sie heute gelöst werden? Lesen Sie dazu einen Artikel von Natalya Adamenko.

In den traditionellen patristischen Schulen der Katechese (in Rom, Alexandria, Jerusalem u.a.) hatten die Etappen der Katechese[1] unterschiedliche Dauer.

In der Regel stand am Anfang eine lange vorbereitende Etappe – die Katechese der „Hörenden“ – gefolgt von einer relativ kurzen (einige Wochen) und intensiven Etappen vor der Taufe und unmittelbar danach. Im Altertum gingen alle Kirchenmitglieder, mit seltenen Ausnahmen, durch diese Etappen.[2] Im Allgemeinen war die Katechese von Erwachsenen damals ein ziemlich langwieriger und anstrengender Prozess, der sowohl den Katechumenen als auch der Kirche sehr viel Kraft abverlangte. Auch heute noch fällt es den Menschen sehr schwer, ins Wesen des Christentums einzugehen, selbst wenn sie sich bereits entschieden haben, in ihren Leben etwas zu verändern. Es dauert immer seine Zeit, alles im Leben mit dem Willen Gottes zu vergleichen und das zu verändern, was geändert werden muss. Atheismus, Heidentum, Aberglaube – all das, was der Mensch vor seiner Bekehrung gelebt hat, durchdringt das ganze Gewebe seines Lebens. Das sind sowohl Gewohnheiten, die sich schon in der Kindheit formten, auch die Art zu denken und zu leben, sowie die festgefahrenen Beziehungen zu Mitmenschen.

Die geistig-spirituelle Phase, traditionell „Katechese der Hörenden“ oder erste (vorläufige) Etappe der Katechese genannt, ist für das Leben des in die Kirche kommenden Menschen am wichtigsten – unabhängig von seiner Vorbereitung und anderer Faktoren, wie Alter, Sozialstatus oder Ausbildungsniveau. Im Normalfall liegt immer ein gewisser Zeitraum zwischen dem geäußerten Wusch, die Taufe zu empfangen (bzw. in die Kirche aufgenommen zu werden) und der Erlaubnis der Kirche zum Mysterium der Taufe (der Integration ins kirchliche Leben). Wir wissen, dass die Dauer dieser Etappe für erwachsene Menschen im Altertum etwa drei Jahre betrug.[3] Das erscheint uns heute übertrieben. Sicherlich kann dieser Zeitraum heute kürzer ausfallen; wenn diese wichtige Etappe im spirituellen Leben des Menschen aber komplett ausfiele, wäre das nicht zu rechtfertigen, denn es ist unmöglich, die so behutsam bewahrte Überlieferung der Kirche zu vernachlässigen. Auch aus der Erfahrung des modernen kirchlichen Lebens ist bekannt (und viele Priester können es bestätigen): wenn ein solcher Wunsch eines erwachsenen Menschen, dem der christliche Glaube und das christliche  Leben vorher nicht beigebracht wurden, sofort befriedigt wird, dann bleibt das Mysterium der Taufe häufig fruchtlos, und der Mensch schafft es später nie, richtig in die Kirche hereinkommen.

Was aber sollte damals im Leben der „Hörenden“ während dieser relativ langen Zeit stattfinden? Sie erlangten die Erfahrung des christlichen Lebens, also in Gehorsamkeit gegenüber Gott durch die freudige und schaffende Erfüllung der Gebote, durch die Kommunikation mit Christen, durch das Lesen und Hören der Worte Gottes, das mit der katechetischen (meist ethisch-moralischen) Predigt einherging. In dieser Lebensperiode brachten die Katechumene „ der Buße würdige Früchte“; das heißt, sie merzten die Todsünden[4] aus und machten ihre persönlichen unmittelbaren spirituellen Erfahrungen im Gebet. Auch war es für sie notwendig, sich von „gewöhnlichen“ Sünden (Schimpfwörter, Lüge, Diebstahl) und negativen Gewohnheiten (Alkohol, Glücksspiel) freizumachen und sich zugleich durch gemeinsames Gebet, die jeweils in der eigenen Kraft stehenden Wohlfahrt und der Barmherzigkeit in Bezug auf andere Menschen zu verbessern.

Die schaffensfreudige Barmherzigkeit stand im Altertum im Mittelpunkt. Nachdem die vorbereitende Etappe der Katechese beendet worden war, bezeugten die Gewährsmänner (die Taufpaten), dass die Zöglinge ihr Leben wirklich geändert und ihre Sünden überwunden hatten, am Leben der kirchlichen Gemeinde teilnahmen und konkreten Menschen halfen.[5] Diakon Pawel Gawriljuk: „Die drei Jahre in der katechetischen Schule waren eine Probezeit, während der von den Heiden verlangt wurde, schlechte Angewohnheiten aufzugeben, die Sünden der Vergangenheit zu büßen und die Entscheidung zu treffen, nach der Lehre Christi zu leben. Die katechetische Schule war der Ort, wo Menschen in erster Linie die Liebe Gottes erkannten und selbst lernten, zu lieben.“[6] Die Katechumenen, die die erste Etappe absolviert hatten, kamen in die zweite Etappe der Katechese, in der sie sich unmittelbar auf das Mysterium der Taufe vorbereiten sollten. 

Es geht uns nicht um eine automatische Übertragung oder die einfache mechanische Wiederholung von Formen und Fristen der Katechese, die einstmals in der Kirche existierten, ins heutige kirchliche Leben. Selbst wenn dieser Wunsch bestünde, bliebe seine Erfüllung unmöglich. Doch ist es notwendig, die Hauptaufgaben der verschiedenen Etappen der Katechese zu kennen, die in diese Formen einst hineingelegt und für uns in der Überlieferung der Kirche bewahrt wurden, so wie es auch notwendig ist, die Erfahrung der Katechese moderner „Hörender“ in der Orthodoxen Kirche zu berücksichtigen.

In der ersten Etappe der Katechese gibt es einige Hauptaufgaben – ernsthafte Buße und Berichtigung des Lebens, das  Vernehmen   und die Erfüllung des Wortes Gottes, Erfahrung der Kirche als Realität des gemeinsamen Lebens, das kirchliche Gebet usw. Betrachten wir nun die Aufgaben der vorbereitenden Etappe der Katechese  ausführlicher.

 

Buße

In seinem Buch „Einführung in die Kirche“ beschreibt Erzpriester Nikolaj Afanasjew, wie die Buße vor der Taufe sein sollte:Die Buße muss ganzheitlich sein, also eine wirkliche Änderung des gesamten inneren Lebens der Person, die in die Kirche eintreten will. Diese innere Umstellung muss sich auch im äußeren Leben niederschlagen. Die Taufe markiert die Grenze, die den alten Menschen vom neuen, der in der Kirche geboren wurde, trennt. Die Buße als Bedingung der Aufnahme in die Kirche äußert sich nicht nur im Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit, sondern als realer Verzicht auf das eigene sündhafte Leben.“[7]

Ganzheitliche ernsthafte Buße bedeutet, dass der Katechumene nicht nur von den Sünden erfährt und zustimmt, dass diese „wirklich schlecht“ seien, sondern dass er auch beginnt, gegen die Sünden anzukämpfen. dabei geht es nicht um abstrakte „menschliche Sünden“ um sich herum oder allgemeine „Sünden der Menschheit“, sondern um die persönlichen – und dabei ethischen – Sünden, die sich also in Handlungen und Worten äußern, die nach den alttestamentlichen Geboten leicht als solche erkennbar sind.

Manchmal neigen Katechumenen dazu, eilige Schlussfolgerungen zu ziehen und ihre Verbindungen in Familie, Arbeitsumfeld und Freundeskreis zu lösen, da sie ihnen „sündhaft“ vorkommen, sie bestürzen und verführen. Ja, manche Lebensbeziehungen müssen umgebaut werden; doch sollte dies ohne Eile geschehen, um Konflikte zu vermeiden (zum Beispiel wäre es besser, eine uneheliche Beziehung als Ehe zu registrieren, anstatt sich zu trennen). Hier ist die Rolle und das Vorbild der Gewährsmänner, der Katechisten und  der Hirten sehr wichtig, die dazu berufen sind, ihre Schutzbefohlenen ohne Angst vor Schwierigkeiten und Versuchungen und ohne Gewalt geistig-spirituell zu belehren, zu berichtigen, aufzuklären, Fragen zu beantworten und das Vorbild eines gerechten Lebens zu zeigen.

 

Die Heilige Schrift

Es ist sehr wichtig, Katechumenen beizubringen, die Schrift nicht nur als Quelle von mehr oder weniger nützlichen Informationen anzusehen, sondern als Wort Gottes, das sich direkt an uns richtet.  In Gesprächen über die Schrift sollten deshalb nicht nur Fragen beantwortet, sondern die Texte auch mit dem Leben der Katechumenen verbunden werden. Sie sollten die Probleme quasi aus dem Inneren beleuchten, indem sie einen direkten Bezug herstellen. Denn die „ Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“[8] nicht nur der Katechumenen, sondern auch der Katechisten, was wir nie vergessen sollten. Bedauerlicherweise ist diese Aufgabe heute besonders schwer zu erfüllen, da die Fertigkeit der aufmerksamen, besonnenen Einstellung gegenüber (nicht nur heiligen) Texten in unserer Gesellschaft mit ihrer modernen, sprunghaften Kultur deutlich zurückgeht. Überall setzt sich eine oberflächlich-analytische Herangehensweise durch, auch während der Katechese, wo oft nur eine oberflächliche Bekanntschaft mit den Texten der Schrift (und aus bloßer Gewohnheit  auch  mit den Dogmen und Mysterien) stattfindet. Trotzdem sollen die Katechumenen an den Geist und Sinn der Schrift (und der Überlieferung) allmählich herangeführt und ihnen beigebracht werden, diese in ihrem Leben zu verwenden, wie es in den katechetischen Schulen der Alten Kirche gemacht wurde.

Diakon Pawel Gawriljuk: „Die Heiden mussten sich die gesamte herrliche und tragische Geschichte der Heilsordnung, angefangen von der Erschaffung der Welt, einschließlich der Hauptereignisse der Tora und der Prophetenbücher bis zur Erscheinung Jesu (…) aneignen. Sie erfuhren, dass Gott, im Gegensatz zu leblosen Idolen, der Schöpfer der ganzen Welt ist, und dass ER am Schicksal des Menschen und der Geschichte tätigen Anteil nimmt. Den Heiden wurde angeboten, Teil dieser Geschichte und des Neuen Israels, der Kirche, zu werden.“[9] Um diese Aufgabe zu meistern, sollen die modernen erwachsenen Katechumenen die Schrift selbstständig lesen und sich darüber Gedanken machen, sowie während des Gottesdienstes im Gotteshaus den Lektüren mitsamt der belehrenden katechetischen Predigt aufmerksam anhören.[10] Freilich braucht das aufmerksame Lesen der Bücher des Alten Testaments und des Evangeliums seine Zeit; in ein paar Wochen oder Monaten ist es nicht zu schaffen.

 

Kirche als Realität des gemeinsamen Lebens

Die Tatsache, dass in der katechetischen Literatur die Begriffe „Katechese“ und „Integration ins kirchliche Leben“ häufig synonym verwendet werden, ist nicht zufällig, denn die Liebe zu Gott ist ohne Liebe zum Menschen nicht vorstellbar. Auch die Unterweisung im christlichen Glauben und Leben sind ohne Eintritt in die Gesellschaft der Christen und ohne Gemeinschaft und Kommunikation mit ihnen undenkbar. „Wir wissen: wenn einer von uns fällt, fällt er allein; aber niemand kann allein gerettet werden. Was den sich Rettenden betrifft, rettet er sich in der Kirche als Mitglied und in der Einheit mit allen anderen Mitgliedern. Wenn jemand glaubt, ist er in der Gemeinschaft des Glaubens; liebt er, ist er in der Gemeinschaft der Liebe; betet er, ist er in der Gemeinschaft des Gebets.“[11] Während der Katechese erkennen die Menschen nicht nur die Liebe Gottes in Christo, durch die  sie sich an Gott „aufpfropfen[12], sondern vereinigen sich miteinander und bilden eine spirituelle Gemeinschaft. Sie erkennen ineinander und anderen Kirchenmitgliedern Brüder und Schwestern, die geliebt werden können und sollen, und für die gesorgt werden muss.

In dieser uneigennützigen Gemeinschaft und den Wohlfahrtstaten wird die Kirche zur Realität eines neuen Lebens und nicht nur einer religiösen Organisation mit Kultverrichtung. Es  erübrigt sich, zu beschreiben, welche negative Wirkung auf suchende Menschen ein Bild der Kirche als gleichgültige, bürokratische, formale Organisation hinterlassen muss. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart unserer Kirche kennen wir viele Beispiele für solche formalen Herangehensweisen, die weder kirchlich noch persönlich waren und die Betroffenen sowohl von der Kirche als auch von Gott abstießen.

Bemerkenswert ist, dass bereits während der ersten, vorbereitenden Etappe der Katechese die Katechumenen gerne bereit sind, einander, ihren Nächsten und Nachbarn tatenreich Hilfe zu leisten. Doch überall bedarf es Vernünftigkeit und des richtigen Maßes, da die Katechumenen sich manchmal ganz in ihren guten Werken und der Wohlfahrt verlieren. Wenn dieses eigentlich positive Tun  zu Lasten ihrer spirituellen Arbeit geht, kann es eine Versuchung darstellen.

 

Kirchliches Gebet

Die Erfahrung des persönlichen Gebets (nicht nur das Rezitieren des Gebetsbuchs oder anderer Gebete, sondern eben das persönliche Zwiegespräch mit Gott) kennen gewissermaßen alle gläubigen Menschen, worauf der Katechist bauen kann. Was aber die Erfahrung des gemeinsamen Gebets betrifft, fehlt sie bei den meisten Katechumenen und wird nur mit großer Mühe erworben. Während es in der Alten Kirche keine besonderen Probleme mit der Unterweisung der Katechumenen im gemeinsamen Gebet gab, fällt es modernen Katechumenen der ersten Etappe oft ziemlich schwer, am Gottesdienst teilzunehmen. Manchmal haben sie schon Schwierigkeiten, überhaupt ins Gotteshaus hineinzutreten und sich zu bekreuzigen, da sie dazu ihren atheistischen Aberglauben überwinden müssen (insbesondere Menschen mittleren Alters und Senioren). Ihnen ist allerdings weder die Sprache noch der Sinn des Gottesdienstes verständlich. Es ist sehr wichtig, dass der Gottesdienst für Katechumenen zum lebendigen Gebet, zur Kommunikation mit Gott wird, anstatt schwer verständliche, rituelle Handlung zu bleiben, die man asketisch „durchstehen“ müsse, ohne besonders tief in seinen Sinn einzudringen. Es ist wichtig, ihnen auch zu vermitteln, dass wir beim kirchlichen Gebet alle zusammen für ein und dasselbe beten, und nicht jeder für sich allein. Erst allmählich, mit der Zeit und dank der ständigen Bemühungen der Katechisten und der Gewährsleute wird sich den Katechumenen die Kraft und der Sinn des gemeinsamen kirchlichen Gebets erschließen, wenn sie beginnen, die besondere Sprache und Ordnung, ihre besondere Schönheit und Bildhaftigkeit zu begreifen. Nach Beobachtungen von Katechisten[13] brauchen die Katechumenen der ersten Etappe durchschnittlich ein halbes bis ein ganzes Jahr, um zu lernen, im Gotteshaus mit anderen Menschen gemeinsam zu beten. Dabei hängt die Dauer stark sowohl von der kirchlichen Erfahrung des Menschen als auch vom Rhythmus seiner Gottesdienstbesuche ab.

 

Apologetik des Glaubens und der Kirche

Auch wenn die Lage der Kirche in der Gesellschaft heute eine andere ist (Gotteshäuser und Klöster werden wiedererrichtet, orthodoxe Zeitungen, Zeitschriften und Bücher veröffentlicht, und die Präsenz der Kirche in den Massenmedien ist bemerkenswert), ist die Einstellung der Mehrheit der Menschen gegenüber der Kirche nach wie vor negativ oder gleichgültig. Meist ist dies das Erbe mehrerer Jahrzehnte antireligiöser Propaganda, in den letzten Jahren auch noch der Einfluss der modernen säkularen Zivilisation. Menschen, die neu in die Kirche kommen, meinen häufig, sie wüssten bereits alles darüber. In Wirklichkeit kennen sie aber nur formale und äußerliche Dinge, erahnen aber das Wesen des Glaubens und das Leben in der Kirche gar nicht.

Das Glaube im Allgemeinen, insbesondere der Glaube an die Kirche (und damit auch der Glaube an den Menschen), erfordert eine neue Apologetik; keine „stumme“ Apologetik nach dem Motto „bei uns ist alles gut“ oder „die Heiligen Väter haben bereits alles gesagt“, sondern eine vernünftige und besinnliche, dabei trotzdem kühne Apologetik. Unter anderem ist es heute äußerst notwendig, ganz am Anfang, in der ersten Etappe, eine Beziehung zwischen Glauben und Vernunft, Glauben und Wissenschaft herzustellen. Insbesondere dürfen wir nicht den „ewigen“ Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Geschichte sowie „schwierigen“ Fragen nach Theodizee und der Anthropodizee ausweichen. Die Wissenschaft ist nicht mehr dermaßen antireligiös wie zuvor, und Wissenschaftler stellen die Fragen nach dem Sinn des Lebens teilweise radikaler als Theologen. In der wissenschaftlichen Umgebung gibt es dazu offene, vielseitige und interessante Diskussionen. Nicht zufällig sind in der Geschichte der Katechese viele Katechismen bekannt, die in Form von Fragen und Antworten, Gesprächen und Dialogen zusammengefasst sind. Bei katechetischen Gesprächen ist es sehr wichtig, einen offenen Dialograum zu schaffen, damit Menschen all ihre Zweifel und Ängste aussprechen und Antworten auf ihre Fragen erhalten können. Dieser wahrhaft kirchliche Raum ist es, wo die Einsamkeit des Menschen überwunden wird, denn die Kirche ist „das Geheimnis der Überwindung der Einsamkeit“.[14] Es bedarf langer Kommunikation mit dem Katechisten, seinen Assistenten und dem Priester, bis ein Mensch sich öffnet und Vertrauen gegenüber der Kirche und den Gläubigen fasst. Erst dann ist die wahrhafte Integration des Menschen ins kirchliche Leben der konkreten Gemeinde möglich. Nur dann wird die Katechese nicht als langweilige Pflicht wahrgenommen, durch die man „zum Schein“ hindurch muss. Am Anfang der ersten Etappe der Katechese haben die Katechumenen meist den Wunsch, sie möglichst schnell hinter sich zu lassen; doch im Laufe ihrer Erkenntnis des Willens Gottes einerseits und der Sünde und des Bösen in ihrem Leben andererseits entsteht bei ihnen das Bestreben, Vollendung der ersten und Beginn der zweiten Etappe der Katechese hinauszuzögern bzw. zu verschieben. Deshalb ist es für Katechisten wichtig, sowohl Weisheit als auch, wenn es notwendig ist, Strenge an den Tag zu legen[15].

Nach dieser Etappe des Dialogs, der Anerkennung des Willens Gottes und der Berichtigung des Lebens kann über konzeptuelle Dinge, etwa die Erschaffung der Welt, des Lebens und des Menschen, die Geschichte der Heilsordnung sowie die Mysterien und Dogmen, ernsthaft gesprochen werden. So erfassen die neuen Mitglieder die Dogmen der Kirche nicht einfach als mentale Kenntnisse, sondern als das Leben selbst, und die Einführung in die Mysterien ist nicht nur die Erklärung eines Rituals und eine kurze Instruktion zur Vorbereitung darauf, sondern der Beginn des neuen Lebens. Sicherlich ist es unmöglich, eine universelle Methodik der Katechese mit Angabe von genauen Fristen und notwendigen Etappen zu entwickeln, die ausnahmslos auf alle Fälle passen würde. Es wird immer Ausnahmen geben (junge Menschen und Senioren; Kranke und Sterbende; Konvertiten), die eine besondere Herangehensweise erfordern. Auch die kirchlichen Bedingungen erlauben es nicht immer und überall, eine vollwertige Katechese zu organisieren. Deshalb ist es so wichtig, die reichen Erfahrungen mit der Katechese und das Erbe der Heiligen – Katechisten, Apologeten, Lehrer und Theologen – zu studieren und zu verallgemeinern.

Einem solchen Studium der existierenden Praktiken war auch die theologisch-praktische Konferenz „Tradition der patristischen Katechese – Probleme und Kriterien der Qualität der Katechese der modernen Hörenden“ gewidmet, die vom 25. bis zum 27. Mai 2011 im St.-Philaret-Institut in Moskau stattfand.

 


[1]Ausführlicher über die Etappen der Katechese s. in: дьяк. Павел Гаврилюк «История катехизации в древней церкви». М.: Свято-Филаретовская московская высшая православно-христианская школа. 2001. 

[2]Solche Ausnahme waren zum Beispiel sog. „Kliniker“ (von lat. clinici = „Bett, Ruhestatt“):  Katechumenen, die wegen einer lebensdrohlichen Krankheit notgetauft wurden.

[3]„Katechumenen mögen das Wort im Laufe dreier Jahre hören. Wenn jemand aber fleißig ist und gute Werke tut, möge bei ihm nicht die Zeit, sondern sein Verhalten selbst berücksichtigt werden, das aber dann das einzige ist, was betrachtet werden muss.“ [Apostolische Verordnung] Апостольское предание, 17.

[4]Todsünden: Sünden, auf die in alttestamentlichen Zeiten die Todesstrafe stand.

[5]„Möge ihr Leben erforscht werden: ob sie würdig lebten, während sie Katechumenen waren, ob sie sich um Witwen kümmerten, ob sie gute Werke taten.“ [Apostolische Verordnung] Апостольские постановления, 20.

[6]Павел Гаврилюк, дьяк. «История катехизации в древней церкви» - М.: Свято-Филаретовская московская высшая православно-христианская школа. 2001. С. 77.

[7]Николай Афанасьев, прот. Вступление в церковь. М.: «Паломник». 1993. С. 66.

[8]2Tim 3,16.

[9]Павел Гаврилюк, дьяк. Указ. соч. С. 34.

[10]Die Katechumenen, die in dieser Etappe zum Hören des Wortes Gottes in der kirchlichen Versammlung zugelassen wurden, wurden die „Hörenden“ genannt (lat. audientes, audutores).

[11]Хомяков А.С. Церковь одна. Режим доступа: http://www.vehi.net/khomyakov/cerkov.html (дата обращения 20.05.2011).

[12]Joh 15,1-6.

[13]«Господи, научи нас молиться». Режим доступа: http://www.psmb.ru/vera_bez_del_mertva/missija_i_katekhizacija/biblioteka_missionera_i_katekhizatora/opyt/statja/gospodi-nauchi-nas-molitsja/ (дата обращения 20.05.2011).

[14]Фудель С.И. «У стен Церкви» / «Христианский собеседник», вып. 32-34, 1997 г. «Свет Православия». С. 3

[15]Über die Gründe, im 4. Jahrhundert die Taufe für ungewisse Zeit zu verschieben, s. im erwähnten Aufsatz von дьяк. Павел Гаврилюк. С. 151-152.

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