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Vielfalt der Lebensentwicklungstheorien: Diskussionen und Vorgehensweisen zu ihrer Einordnung nach der jeweiligen Weltanschauung

13. Juli 2011
Dieser Artikel ist Teil der Serie der Veröffentlichungen von Priester Oleg Mumrikov zum Problem der theologischen Einordnung naturwissenschaftlicher Konzepte zum Phänomen der Entstehung des Lebens und ihrer kirchlichen Rezeption.

Viele Wissenschaftler, die das Phänomen des Lebens als Gegebenheit betrachten und das Problem ihrer Entstehung nicht diskutieren, widmeten dem Prozess der evolutionären Entwicklung besondere Aufmerksamkeit und strebten danach, dessen fundamentale naturwissenschaftliche Mechanismen herauszuarbeiten.[1] 

Im Jahre 1809 erarbeitete der französische Wissenschaftler Jean-Baptiste Lamarck (1744-1829) in seinem Traktat „Zoologische Philosophie“ das erste Evolutionskonzept, welches weit bekannt und im Nachhinein als Lamarckismus bezeichnet wurde. Laut Lamarck ist die Hauptbewegungskraft, die die Arten in der Zeit verändert, das Streben nach Perfektion, dass Organismen innerlich zu Eigen und ihnen vom Schöpfer gegeben ist. Besondere Bedeutung für den Entwicklungsprozess habe der Einfluss der „Übung“ und der „Nicht-Übung“ der jeweiligen Organe. Lamarck glaubte, dass Folgen der Übung bzw. der Nicht-Übung vererbt werden könnten. Als Beispiel nennt Lamarck die Giraffe, bei der Beine und Hals als Ergebnis der „Übung“ ihrer Vorfahren, die sich mehrere Generationen lang nach Blättern gestreckt haben sollen, verlängert seien .[2] Doch wurde später bewiesen, dass Merkmale, die ein Organismus während seines Lebens erwirbt, nicht an die Nachkommen weitergegeben werden, und der Lamarckismus fand in wissenschaftlichen Kreisen keine Unterstützung.

Im Jahre 1859 erschien das berühmte Werk des britischen Naturforschers Charles Darwin „Über die Entstehung der Arten im Thier- und Pflanzen-Reich durch natürliche Züchtung, oder Erhaltung der vervollkommneten Rassen im Kampfe um’s Daseyn“ („On the origin of species by means of natural selection, or the Preservation of favoured races in the struggle for life“), in dem mögliche Mechanismen der natürlichen Entstehung von Pflanzen und Tieren früherer Arten dargelegt waren. Laut Darwin bilden die Grundlage der Transformation der Arten in der Natur solche Eigenschaften von Organismen wie geometrische Progression der Individuenanzahl bei der Vermehrung, Veränderlichkeit und Erblichkeit sowie die natürliche Auslese, die in der Natur ständig stattfinde. Die natürliche Auslese erfolge durch die komplexe Wechselwirkung der Organismen untereinander und mit den Faktoren der unbelebten Natur. Diese Interaktionen bezeichnete Darwin als “Kampf ums Überleben“.

Der Begriff „Darwinismus“, der die Richtung der Evolutionsphilosophie charakterisiert, deren Anhänger mit Darwin die entscheidende Bedeutung in der natürlichen Auslesesehen, wurde von Thomas Huxley (1825-1895), einem englischen Zoologen und aktiven Parteigänger der Ideen von Darwin, eingeführt. Es sollte angemerkt werden, dass Huxley auch Urheber des philosophischen weltanschaulichen Begriffs „Agnostizismus“ ist. Agnostizismus (griech. ἄγνωστος — „unerkennbar, unerkannt“) ist eine weit verbreitete philosophische Position, welche die objektive Erkenntnis der umgebenden Wirklichkeit mittels subjektiver Erfahrung und auch Beweise der Existenz bzw. Nicht-Existenz Gottes für unmöglich hält.

Das weltanschauliche Primat der evolutionstheoretischen Vorstellungen, denen die sich ansammelnden objektiven Fakten unterworfen wurden, können wir bereits bei Darwin selbst und seiner Zeitgenossen finden. Es ist bekannt, dass der Autor der „Entstehung der Arten“ von den transformistischen Ideen seiner Landsleute stark beeinflusst wurde. Dazu zählen: 

·         Charles Lyell (1797—1875; „Principles of Geology“, 1830), Theologe  und Autor des Prinzips des „Aktualismus“;

·         Thomas Malthus (1766–1834; „Essay on the Principle of Population“, 1798), anglikanischer Pfarrer und Demograph sowie Begründer der Theorie, dass ohne Kriege, Seuchen, Naturkatastrophen und sittliche Entartung das unkontrollierte Wachstum der Population in der geometrischen Progression zu globalem Hunger führen würde;

·         Thomas Hobbes (1588–1679);

·         Adam Smith (1723–1790). Zu den sozialwirtschaftlichen Vorbedingungen zählen auch die Erfolge der englischen Züchter und der allgemeine „Geist“ der viktorianischen Epoche, der den Höhepunkt der Macht des Britischen Reiches und der rational-materialistischen Denkweise im Allgemeinen verkörpert[3].

Eine logische Vollendung der Entwicklung des reduktionistisch-materialistischen Evolutionsparadigmas in der Wissenschaft und zugleich eine Widerspiegelung des spirituell-sittlichen Zustandes der westlichen Zivilisation des 19. Jahrhunderts[4] und insbesondere deren führender Nation England war die Erscheinung des Darwin‘schen Werkes „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex», 1871) sowie des bekannten Artikels von Friedrich Engels „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ (1876).

Bekanntlich wird der Wert wissenschaftlicher Konstrukte vom Standpunkt der Naturwissenschaft unter anderem auch vom Grad ihrer Unabhängigkeit von den weltanschaulichen und religiösen Ansichten des Wissenschaftlers bedingt. In der betrachteten Situation lässt sich die Vermischung der weltanschaulichen und naturwissenschaftlichen Grenzen deutlich zurückzuverfolgen. So verläuft die Darwin’sche Verallgemeinerung der objektiven wissenschaftlichen Fakten, die von der Entwicklung der lebendigen Natur zeugen, parallel zu den Glaubenskrisen dieser Wissenschaftler. Fast das ganze 20. Jahrhundert hindurch wurde diese Theorie von Gegnern des Christentums als Instrument zur Begründung der atheistischen Weltanschauung eingesetzt. Genau das meinte der russische Naturwissenschaftler und slawophile Philosoph Nikolai Danilewski (1822–1885), als er den Darwinismus als unästhetische, „schreckliche“ Lehre und „Weltanschauung von einer Niedrigkeit“, auf die noch „keine der Formen des gröbsten Materialismus je gefallen sei, bzw. „Kuppel auf dem Gebäude des modernen Materialismus“ bezeichnete.[5]

Doch merkte Danilewski auch folgendes an: „Wer die Werke Darwins gelesen und studiert hat, der kann zwar Vieles bezweifeln, aber nicht die tiefe Aufrichtigkeit und den erhabenen Edelmut seiner Seele.“[6] Angesichts der noch andauernden Diskussionen über den Darwinismus und die Persönlichkeit Darwins scheint es angebracht, die Evolution seiner Weltanschauung selbst kurz zu betrachten.

Großvater und Vater des großen Naturforschers – Erasmus Darwin und Robert Darwin– waren Deisten mit durchaus liberalen, non-konformistischen Ansichten über die Kirchenlehre und das gesellschaftliche Leben. Die Familie bekannte sich sowohl in der väterlichen als auch in der mütterlichen Linie zum sog. Unitarismus (Unitarian Church) – eine Bewegung, die das Dogma der Hl. Dreifaltigkeit sowie die Lehre vom Sündenfall und folgerichtig von der Erlösung ablehnt und an deren Stelle andere Mysterien gesetzt hatte. Nichtsdestotrotz hatte Charles Darwin selbst in seiner Jugend die buchstäbliche Wahrhaftigkeit der Bibel in Zweifel gezogen und war sehr angetan von der „Natürlichen Theologie“ (1802) des bekannten christlichen Apologeten William Paley (1743-1805). Paley selbst war von den im 18. Jahrhundert entdeckten strengen mathematischen Gesetzen in der Natur sehr beeindruckt gewesen, die es erlaubten, das Universum als komplexen, perfekt konstruierten, statisch unveränderlichen Mechanismus zu betrachten. Darwin war in eine anglikanischen Schule gegangen, hatte Medizin an der Universität von Edinburgh und danach Theologie im Christ’s College  in Cambridge studiert, da er ursprünglich Pfarrer werden wollte, obschon sein außerordentliches Interesse an den Naturwissenschaften fortbestand. Der Glaube des jungen Darwin begann während seiner berühmten Weltreise auf der „Beagle“ (1831–1836), die die Verwirklichung seiner Pläne unterbrach,  zu wanken. Es war dabei nicht die Tatsache der Entwicklung von Arten als solche, sondern die Leiden der Lebewesen, die in tiefem Widerspruch zu den Vorstellungen über einen „All-Guten Weltenbau“ standen. So lähmt die Wespe die Raupe, welche den lebendigen Vorrat für ihre Larven bilden muss; dabei werden immer zuerst die weniger lebenswichtigen Teile gefressen, um die „lebendige Konserve“ möglichst lange zu erhalten, was die Qualen des Opfers verlängert. Es schien so zu sein, als ob der Schöpfer, der die Entwicklungsrichtung der Arten „vorprogrammiert“ hatte, sich weiterhin entfernte und am Dasein der von IHM erschaffenen Welt nicht mehr teilnähme. So erschien Gott absolut außerweltlich und unzugänglich, als sei mit IHM prinzipiell keine Kommunikation möglich.[7]  So kam Darwin von seiner Weltreise als gebildeter Deist zurück. Allmählich begann er auch die Schöpfungsgeschichte – in der Form, wie sie im Buch Genesis dargestellt ist – als unglaubwürdige Erzählung anzusehen. Später verwirft er die gesamte Heilige Geschichte des Alten Testaments, denn im Laufe seiner weiteren naturwissenschaftlichen Studien kommt er zu dem Schluss, es beschreibe nur die Überlebungsstrategie eines Stammes. Die Existenz Gottes stellt er noch nicht in Frage, bis 1851 der plötzliche Tod seiner Lieblingstochter Annie seinen Glauben endgültig erschüttert. Auch wenn er die örtliche Kirche und verschiedene Gemeindemitglieder nach wie vor unterstützt, geht der Wissenschaftler sonntags, während seine ganze Familie die Kirche besucht, lieber spazieren. Als er später nach seinen religiösen Ansichten gefragt wurde, schrieb Darwin, er sei nie Atheist gewesen, in dem Sinne, dass er die Existenz Gottes verneint habe, und meinte: „es wäre angemessener, meine Weltanschauung als agnostisch zu bezeichnen“.

Allerdings könnten manche Aussagen Darwins als deistisch oder auch atheistisch aufgefasst werden. So endet die sechste Auflage der „Entstehung der Arten“ (1872) im Geist des Deismus mit den Worten: „Es ist wahrlich eine groszartige Ansicht, dasz der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat, und dasz, während unser Planet den strengsten Gesetzen der Schwerkraft folgend sich im Kreise schwingt, aus so einfachem Anfange sich eine endlose Reihe der schönsten und wundervollsten Formen entwickelt hat und noch immer entwickelt.“ Darwin bemerkte später, dass die Vorstellung eines rational wirkenden Schöpfers als Grundursache „mich ungefähr zu den Zeiten beherrschte, während ich die ‘Entstehung der Arten‘ schrieb, aber eben von dieser Zeit begann seine Bedeutung für mich äußerst langsam und nicht ohne große Zweifel sich immer weiter abzuschwächen“ Als atheistisch könnten dagegen folgende Aussagen Darwins in einem Brief (1868) an seinen Kollegen Joseph Hooker (1817-1911) bewertet werden: „ich bin nicht damit einverstanden, dass der Artikel richtig ist, ich halte die Behauptung, dass die Religion nicht gegen die Wissenschaft gerichtet ist, für scheußlich (…) allerdings, wenn ich sage, dass er falsch ist, bin ich keinesfalls sicher, ob es für die Menschen das vernünftigste wäre, den Bereich der Religion ganz zu vernachlässigen.“

In seiner „Autobiographie“ schrieb Darwin: „So schlich sich allmählich der Unglaube in meine Seele ein, und inzwischen bin ich völlig ungläubig geworden. Es geschah aber so langsam, dass ich kein Bedauern verspürte; und ich zweifelte seit damals die Richtigkeit meines Beschlusses niemals an, nicht für eine einzige Sekunde. Tatsächlich bin ich kaum imstande zu verstehen, wie jemand sich wünschen könnte, dass die christliche Lehre sich als wahrhaft erweise; denn wenn sie es wäre, dann folgte aus dem schlichten Text [des Evangeliums], dass alle ungläubigen Menschen – und zu ihnen zählen mein Vater, mein Bruder und fast alle meine besten Freunde – eine ewige Strafe verbüßen würden - eine widerliche Lehre!“[8]

Behauptungen, dass Darwin auf dem Sterbebett zum Glauben zurückgefunden habe, wurden von seinen Verwandten widersprochen und von Historikern als falsch verworfen.

Also wurzelt die persönliche Tragödie des Wissenschaftlers im Fehlen einer Antwort auf die Frage nach dem Leiden des Menschen und aller Lebewesen im Allgemeinen, die der All-Gute Schöpfer erschuf. Daher stammen der ganze „Unästhetismus“, der „Utilitarismus“, die „Sinnlosigkeit“ und schließlich der „Pessimismus“ des Darwinismus. Die vom Standpunkt der orthodoxen Theologie offensichtliche Antwort liegt, wie in unseren vorherigen Publikationen[9] gezeigt wurde, nicht nur im Rahmen der Offenbarung über Gott den Schöpfer, Fürsorger und Bewahrer, sondern auch in der Lehre über den Sündenfall, seinen Folgen für die Welt und für den Menschen und den Dogmen über Erlösung und Auferstehung. Für Darwin, der eher in der unitaristischen als der anglikanischen Weltanschauung erzogen worden war, war eine ganzheitliche theologische Antwort auf diese quälende Frage nicht zugänglich, und vereinfachende Auslegungen der Genesis, wie auch die Konstrukte der „Natürlichen Theologie“ von Paley, gerieten deutlich in weltanschauliche Widersprüche zu den wissenschaftlichen Fakten. Darin liegt die persönliche Tragödie Darwins und vieler seiner Nachfolger.

Unter den zahlreichen zeitgenössischen Gegnern des Darwinismus waren der Zoologe George Mivart[10], der Physiker Wyville Thomson[11], der Ingenieur Fleeming Jenkin und der Mathematiker Richard  Bennett, der Sekretär der Pariser Académie des Sciences Marie-Jean-Pierre Flourens, der Zoologe und Anthropologe Armand de Quatrefages de Bréau[12] und der Zoologe Jean Louis Rodolphe Agassiz[13]. Die fundamentalste Kritik am Darwinismus im 19. Jahrhundert war das dreibändige Werk des deutschen Biologen Albert Wigand „Darwinismus und die Naturforschung Newton’s und Cuvier’s“ ( 1874–1877)[14] und die fundamentale Forschungsarbeit des oben erwähnten russischen Zoologen und slawophilen Philosophen Danilewski («Дарвинизм. Критическое исследование» [„Darwinismus. Eine kritische Studie“], 1885-1889). Danilewski nannte darin 15 fehlerhafte Schlussfolgerungen und zehn logische Fehlschlüsse, die zu ihnen geführt hatten. Vadim Nazarow betont, dass vieles von dem, was Danilewski Ende des 19. Jahrhunderts schrieb, „auch heute, in den Zeiten der großen wissenschaftlichen Entdeckungen, gültig bleibt“[15], also im 21. Jahrhundert.

Viele Kritiker des Darwinismus werfen diesem Tautologizität vor. So sei das Ergebnis der natürlichen Auslese das „Überleben der Angepasstesten“ (Formulierung des Philosophen und Evolutionisten Herbert Spencer, 1820–1903). Doch existiert keine objektive, experimentell überprüfbare Bewertung der Anpassung. Als Anpassungs-Indiz gilt die Überlebensfähigkeit. Setzen wir dieses Kriterium in die Formel von Darwin/Spencer, erhalten wir das „Überleben der Überlebensfähigsten“- Auf diese Tautologizität des Hauptprinzips des Darwinismus wiesen sowohl bereits Zeitgenossen Darwins als auch, im 20. Jahrhundert, die Begründer der synthetischen Evolutionstheorie hin.[16]

Die synthetische Evolutionstheorie (SET)war das Ergebnis der Vereinigung des Darwinismus mit den Errungenschaften der Genetik, Molekularbiologie, Paläontologie, Systematik, Ökologie und Biogeographie. Geleistet wurde diese Synthese vor allem von Sewall Wright (1889–1988), Ronald Fisher (1890–1962), Nikolai Wawilow (1887–1943), Nikolai Dubinin (1907–1998), John Haldane (1892–1964), Theodosius Dobzhansky (1900–1975), Ernst Mayr (1904–2005), Nikolai Timofejew-Ressowski   (1900–1981) und  Julian Huxley (1887–1975); Letzterer war auch der Urheber dieses neuen Begriffs. Einige der oben erwähnten Probleme, vor denen Darwin gestanden hatte, wurden im Rahmen der SET gelöst (zum Beispiel der berühmte „Jenkin-Alptraum“[17]). Es ist wichtig anzumerken, dass zum Hauptkern des neuen synthetischen Konzepts die Mikroevolutionstheorie wurde, eine Analyse der realen beobachtbaren Transformationen in den Populationen und der Prozesse der Rassen- und Artenbildung. Dabei wurden, so wie auch in Darwin’schen Zeiten, die erhaltenen Fakten von den meisten vorherrschenden wissenschaftlichen Schulen so interpretiert, dass damit die ganze unendliche Vielfalt des Lebens und die Entstehung nicht nur kleiner taxonomischer Einheiten, also Gattungen und Arten, sondern auch von Klassen, Typen und sogar Reichen aller Lebewesen, letztendlich auch des Menschen, vom Standpunkt des spontanen, gradualistischen (allmählichen) Evolutionismus her erklärt werden können. So bildete sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Begriff der Makroevolutionbzw. der Entwicklung über Artgrenzen hinaus, die auf denselben Faktoren der Mikroevolution beruht.

Zu den modernen Anhängern der oben erwähnten synthetischen Evolutionstheorie bzw. des Neodarwinismus zählt der bekannte britische Zoologe und Ethologe Clinton Richard Dawkins (geb. 1941). Dawkins vertritt eine gen-zentrierte Sicht auf die Entwicklung des Lebens;  d.h., die Schlüsseleinheit der Evolutionsauslese sei ein Replikator-Gen, das sich selbst kopiere. „Vom Standpunkt eines einzelnen Gens“ seien alle andere Gene eines Individuums „Teil der äußeren Umgebung“, woran es sich adaptiere.[18] Organismen seien lediglich „Maschinen zum Überleben und zur Reproduktion von Genen“. Die Auslese auf der Ebene von Individuen oder Populationen besiege fast nie die Auslese auf der Ebene von Genen. Dementsprechend würden die Adaptationsvorteile eines Gens durch seine Fähigkeit bestimmt, mit anderen Genen des Organismus zusammen zu funktionieren. Dawkins führte den Begriff Mem (engl. Meme, von griech. μίμημα – „etwas Nachgemachtes“) als Einheit der soziokulturellen Information (Ideen, Wörter, Ausdrücke, Melodien, Verhaltensstereotypen, Gewerbe usw.) ein, das dem Replikator-Gen ähnlich sei und von einem Menschen zum Anderen mittels Nachahmung oder Belehrung weitergegeben werde. Meme könnten entarten („mutieren“),  sich kombinieren oder trennen, gegeneinander um Ressourcen (zum Beispiel den menschlichen Verstand) kämpfen und unterlägen, so wie Gene, der natürlichen Auslese. Als überzeugter Atheist zählt Dawkins zu diesen Memen auch religiöse Ideen.

Es sollte angemerkt werden, dass im Zusammenhang mit den Ideen von Dawkins und der Memetik-Anhänger oftmals bemängelt wurde, dass diese den allgemeingültigen Kriterien der Wissenschaftlichkeit (Verifizierung und Falsifizierung) nicht ganz entsprächen, viele alternative Interpretationen implizieren und über keine stringente Kriterien für Analyse, Messung und Vergleich sowie keine ausreichende voraussagende Fähigkeit verfügen würden. 

Trotz der sich 20. Jahrhundert aufgekommenen wissenschaftlichen und manchmal auch ideologischen Stereotypen ist die Kritik am Konzept der Makroevolution der SET seitens kompetenten Biologen ungebrochen.[19] Der Umfang dieses Artikels erlaubt nur eine allgemeine, kurzgefasste Übersicht, in deren Kontext wir einige alternative neue Richtungen in der Evolutionstheorie betrachten wollen. Es existieren auch zahlreiche „anti-evolutionistische“ Broschüren, die von Neokreationisten oder Anhängern des Konzepts des „rationalen Designs“ geschrieben wurden und häufig wenig konstruktive, fragmentarische Kritik an der SET sowie gängige Mythen (zum Beispiel das angeblich komplette Fehlen von Übergangsarten in der paläontologischen Chronik oder von Fakten der Artenentstehung in den heutigen Zeit) enthalten.[20]

In Wirklichkeit dominiert in der modernen Biologie die Idee der komplementären Multiplizitätder Wege und Wirkungsweisen der Makroevolution. Diese Mehrheit hängt vom Aufbau des Genoms (der Gesamtheit aller Gene) bei verschiedenen Gruppen von Organismen sowie auch von den Typen der Vermehrung, Umweltbedingungen usw. ab. Die Kritik dieses oder jenes Postulates der SET spricht für ihre eingeschränkten Erklärungsfähigkeiten; jedoch erlaubt die Haltlosigkeit einzelner Postulate der SET keine Rückschlüsse über die prinzipielle Unmöglichkeit des Makroevolutionsprozesses als solchem. Im Laufe des 20. Jahrhunderts förderte dieses Manko eine aktive wissenschaftliche Suche und die Entstehung einer ganzen Reihe nicht-darwinistischer Konzepte der Lebensentwicklung.

Heutzutage sind zahlreiche fossile Übergangsformen, manchmal sogar ganze Entwicklungsrichtungen bekannt, zum Beispiel Prozesse der „Ornithisierung“ („Übergang von Dinosauriern zu Vögeln“) oder „Mammalisierung“ (die entsprechenden Entwicklungen in Richtung Säugetiere). Andererseits gibt es in mehreren Fällen auch Brüche in der paläontologischen Chronik und deutliche Lücken bei hypothetischen „fehlenden Gliedern“ unter Pflanzen- und Tierfossilen. Bekannt sind sowohl ausgestorbene Varianten von Übergangsformen, etwa Archaeopteryx ( аrchaeopteryx lithodraphica ), Seymouria (seymouria)[21], Quastenflosser (latimeria chalumnae), Ichthyostega   (ichtyostega)[22] als auch heute noch lebende „Fossilien“; zum Beispiel sind das australische Schnabeltier ( оrnithorhynchus anatinus ) und der Schnabeligel (tachyglossus aculeatus) sogenannte „Mosaikformen“, die völlig selbstständig sind und Merkmale mehrerer Organismenklassen in sich vereinen.

Der amerikanische Wissenschaftler Richard Goldschmidt (1878–1958), der in den 1920er und 1930er Jahren die Geschlechtsgenetik des Schwammspinners erforschte, kam zu dem Schluss, dass die intraspezifische Variation zu keiner Bildung neuer systematischer Gruppen führe und die blinde natürliche Auslese lediglich fähig sei, missratene Mutanten zu beseitigen. 1940 erschien sein weit bekanntes antidarwinistisches Buch „The Material Basis Of Evolution“ [„Die materielle Grundlage der Evolution“], die den genetischen Ursachen der Makroevolution gewidmet war. Goldschmidt schlug eine neue Auffassung von Artbildungsmechanismen vor. Es ging um systemischen Mutationen bzw. Makromutationen, und diese neue Richtung in der Evolutionstheorie wurde als Saltationismus bezeichnet. (lat. saltus „Sprung“)[23]. Laut Goldschmidt erfolgt die Artenbildung sehr schnell, im Laufe weniger Generationen, was die Aufdeckung fossiler Übergangsformen ausschlösse. Dieses Konzept rief heftige Kritik sowohl seitens der SET-Anhänger als auch der Antievolutionisten hervor, wobei Letztere den zerstörenden Charakter zufälliger und unkoordinierter Mutationen des Genoms postulierten. Auch wenn die geringe Wahrscheinlichkeit positiver Veränderungen im Genapparat angenommen werden könnte, würde die Vervollkommnung nur eines Teiles des Organismus eher zu seiner allgemeinen Disharmonie führen und folglich doch schädlich sein („Wie kann in einer laufenden Maschine ein Detail durch ein anderes, besseres ersetzt werden, ohne sie zu stoppen?!“). Inzwischen wurden aber sogenannte regulative Genomteile (Homeosisgene) entdeckt, die bei Veränderungen der Form und des Aufbaus komplexer Organismen die Hauptrolle spielen (zum Beispiel sog. Hox-Gene bei Tieren und MADs-Gene bei Pflanzen). Mutationen von Homeosisgenen führen zu großen Veränderungen in der Morphologie eines Individuums, z.B. zur Entstehung von Staubblättern anstelle von Blumenblättern oder zur Formung skurriler Organe bei Drosophilen – von überzähligen Flügeln und Beinen bis hin zur Bildung von Extremitäten am Kopf der Fliege anstelle der Antennen. Es hat sich herausgestellt, dass bei komplexen Organismen jedes Gen eine Reihe von Merkmalen beeinflusst, also multifunktionell ist, während jedes einzelne Merkmal von verschiedenen Genen bestimmt wird. Die Verbindungen zwischen Genen und Merkmalen werden im Laufe der individuellen Entwicklung durch zahlreiche äußere und innere Faktoren beeinflusst, was die Klärung genetischer Grundlagen evolutionärer Transformationen kompliziert macht[24]. Die Entdeckung der Homeosisgene ermöglichte es, auf die Geheimnisse der Mosaikformen und die Prozesse der schnellen Transformation von Organismen etwas Licht zu werfen.

1972 entwickelten die Paläontologen Niles Eldredge (* 1943) und Stephen Jay Gould (1941–2002) die Theorie des Punktualismus (einer quanten- bzw. punktförmigen Evolution). Nach dieser Theorie verläuft der Prozess der Entwicklung von Organismengruppen sprunghaft, unterbrochen von langen Zeitperioden ohne wesentliche Veränderungen („Stasis“ bzw. Ruhephase). Mit anderen Worten: eine Art stelle ein relativ stabiles System dar, das sich selbst aufrechterhalte. Für die Entstehung eines neuen Systems anstelle des alten müsse das alte System zerstört werden. Eine positive „Erschütterung“, die zur Zerstörung innerer Verbindungen führe, sei notwendig. In Populationen manifestiere sich die Zerstörung des alten Systems, die zur Destabilisierung führe, vor allem durch eine drastische Zunahme der Variationen. Es gebe experimentelle Nachweise dafür, dass eine drastische Änderung der Umweltbedingungen nicht zu einer sanften und allmählichen Veränderung in den Charakteristika der Population führt, sondern zu einer schnellen Zunahme der Variationen und zur „Ausmerzung“ von Merkmalen, und nur so könne sich aus der destabilisierten Population eine neue Art herauskristallisieren. Derartige Prozesse seien zum Beispiel bei mehreren Fisch- und Muscheltierarten zu beobachten, die den heute rasch austrocknenden Aral-See bewohnen.[25]

Die Vorstellung, dass die natürliche Auslese, der „Kampf ums Dasein“ und der Verdrängungswettbewerb die einzigen Faktoren der Evolution seien, war bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezweifelt worden. So wies Lew Berg (1876–1950), Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, in seinem Werk « Номогенез, илиЭволюциянаосновезакономерностей » [„Nomogenese, oder Evolution, die sich auf den Gesetzmäßigkeiten gründet“] (1922)[26] auf die konservative Rolle der natürlichen Auslese hin, die unter normalen Bedingungen jegliche Abweichung von der Norm vernichten müsse. Nach Berg wäre die gesamte Evolution der Biosphäre die Entwicklung eines bestimmten Gesetzes bzw. eines multivariativen Programms, in dem zahlreche Wege zu ihrer Verwirklichung enthalten sind. Bei einer solchen Auffassung der Lebensentwicklung wird die ganze Vielfalt der Organismenformen schon nicht mehr als „sinnloser Zufall“ wahrgenommen. Die biologische Systematik wird zum Ausdruck der fundamentalen Naturgesetze und der Prozesse der Weltordnung, zum „Fenster in die Ontologie“[27]. Die Evolution erweist sich als Offenlegung bzw. Verwirklichung von etwas, was bereits als Idee existiere (obwohl das Thema der Existenz eines Schöpfers und Gesetzgebers der Entwicklung von Berg nie diskutiert wurde)[28]. Das sich entwickelnde Leben fülle, dem Gesetz nach, „die erlaubten Nischen“ auf, ähnlich wie die Stellen des Mendelejew’schen Periodensystems der chemischen Elemente. Die Ähnlichkeit bestehe auch darin, dass Lebensformen, auch wenn sie miteinander nicht direkt verwandt seien, sich auf verschiedenen Ebenen der systematischen Leiter als Parallelismen bzw. Refrainewiederholen können[29]. Dieses Konzept wurde als Nomogenesebzw. „auf Gesetzmäßigkeiten gründende gerichtete Lebensentwicklung“ bezeichnet (griech. nomos „Gesetz“; genesis „Herkunft,  Bildung, Entstehung“).

Die Prinzipien der Nomogenese wurden von Berg selbst in Form einer Tabelle zusammengefasst, in der die Hauptaussagen der Nomogenese denen des Darwinismus gegenübergestellt sind:[30]

Darwinismus

Nomogenese

1. Alle Organismen haben sich aus einer oder wenigen Primärformen entwickelt

1. Organismen haben sich aus mehreren Tausenden Primärformen entwickelt

2. Die weitere Entwicklung war divergent, d.h. durch Divergenz von Merkmalen und Eigenschaften bei ursprünglich nahstehenden Organismengruppen

2. Die weitere Entwicklung war vorwiegend konvergent, was zur Bildung von Gesamtheiten ähnlicher Merkmale bei Vertretern von nichtverwandten Gruppen geführt haben soll(teilweise aber auch divergent)

3. Durch zufällige Variationen,

3. Durch Gesetzmäßigkeiten,

4. denen einzelne gesonderte Individuen unterliegen,

4. die riesige Mengen von Individuen auf großen Territorien umfassen,

5. durch langsame, kaum merkbare unablässige Veränderungen.

5. sprunghaft, paroxysmal, mutationsbedingt.

6. Es gäbe eine große Menge von erblichen Variationen, und sie verlaufen in allen Richtungen.

6. Es gäbe eine beschränkte Zahl von erblichen Variationen, und sie gehen in bestimmte Richtungen.

7. Fortschrittfaktoren: Existenzkampf und natürliche Auslese.

7. Existenzkampf und natürliche Auslese sind keine Fortschrittfaktoren; vielmehr bewahren sie als konservative Kräfte den Status Quo.

8. Kraft ihrer Herkunft durch Divergenz sind Arten miteinander durch Übergänge verbunden.

8. Kraft ihrer mutationsbedingten Herkunft sind Arten voneinander streng getrennt.

9. Der Evolutionsvorgang besteht durchgehend in der Herausbildung neuer Merkmale.

9. Evolution sei weitgehend die Entfaltung bereits existierender Anlagen.

10. Organismen sterben durch äußere Ursachen aus, also durch Existenzkampf und Überleben der Angepassten.

10. Aussterben ist  eine Folge sowohl innerer als auch äußerer Gründen.

Zu dieser Theorie leisteten auch die Werke und Ideen von Nikolai Wawilow (1887–1943)[31], Alexander Ljubischew (1890–1972) und Sergei Mejen (1935–1987) ihren Beitrag. In einem gewissen Sinne könnte sogar der Heilige Augustinus (4./5. Jahrhundert) Begründer des Nomogenese-Konzepts genannt werden.[32]

Es stellt sich unvermeidlich die Frage nach den inneren Ursachen der gesetzmäßigen Lebensentwicklung. Vom Standpunkt der Naturwissenschaft können die Antworten ganz unterschiedlich ausfallen. So beruft sich Juri Tschaikowski auf die Theorie der Fraktale, die als komplexe, unendlich selbstähnliche geometrische Objekte verstanden werden, bei denen sich die Muster in der Verkleinerung ständig wiederholen, eine Vergrößerung des Maßstabs also nicht zur Vereinfachung der Struktur führt, damit sehen wir auf allen Skalen ein gleichmäßig komplexes Bild. Parallel dazu wird die Evolution als einheitlicher globaler Prozess angesehen, der weniger durch Bildung neuer Proteinblöcke als vielmehr durch ihre Kombinierung für neue Ziele unter neuen Bedingungen verläuft.[33]

Der schwedische Zytogenetiker Antonio Lima de Faria findet sogar gemeinsame „homologe“ und „analoge“ Formen der Strukturierung lebendiger und nicht-lebendiger Materie, beispielsweise die Spiralform von Galaxien, Molluskenschalen, einiger Organe und Embryos von Tieren, Pflanzenstengeln, Proteinmolekülen und DNS. Seine Weltanschauung aber ist die eines extremen Reduktionismus, nach dem die Evolution auf der Ebene von Elementarteilchen und Atomen die Ausdrucksformen organischer Materie kanalisiere.[34]

Der Darwinist Alexander Markow geht davon aus, dass für jeden Organismus eine sehr eingeschränkte Anzahl von „erlaubten“ Wegen evolutionärer Veränderungen existiere, die von der allgemeinen Konstitution des Organismus, der Ähnlichkeit von Regulator-Genen und der Besonderheit der Ökosysteme abhängig seien, wobei jegliche Versuche, diese Umstände zu umgehen, durch die Auslese gnadenlos ausgemerzt würden.[35]

Diese äußerst interessanten Fakten, Verallgemeinerungen und Beobachtungen könnten auch ganz anders interpretiert werden. Warum sollte die Einrichtung des ganzheitlichen Kosmos nicht durch das Holon auf all seinen Ebenen durch einige ideelle, ursprünglich vorgegebene Gesetze, die wir erst zu verstehen beginnen, vorbestimmt sein?

Die neusten Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass die Entstehung von Mutationen als Vorgang gesetzmäßig und nicht zufällig ist.[36] Diese Entdeckung muss die traditionellen Ansichten der klassischen Evolutionsbiologie über die Prinzipien der Lebensentwicklung radikal verändern. „In biologischen Erscheinungen gibt es keinen Platz für Zufall. Auch der Mutationsprozess ist, dank molekularer Einschränkungen, zielgerichtet“,  schreibt Wadim Nasarow.[37]

Im Lager der Antievolutionisten rief das berühmte biogenetische Gesetz, das Ernst Haeckel (1834–1919) 1866 formuliert hatte, immer besondere Kritik hervor. Das Gesetz besagt, dass „die Ontogenese (die individuelle Entwicklung eines Organismen) die Phylogenese (die historische Entwicklung des Stammes) nachvollzieht.“ Allerdings ist diese Verallgemeinerung Haeckels, die als „biogenetischer Hauptsatz“ bekannt ist, nicht universal. In Wirklichkeit wird sie lediglich als Spezialfall (wenn auch relativ weit verbreitet) der Korrelation der individuellen und phylogenetischen (artspezifischen) Entwicklung und nur für einzelne Organe unter Bedingung ihrer evolutionären Transformationen durch Anabolie[38], also der Veränderung der Endstadien der individuellen Entwicklung, beobachtet. Der Nachvollzug kompletter Stadien der Phylogenese für den ganzen Organismus, die der „biogenetischen Hauptsatz“ postuliert hatte, ist kaum wahrscheinlich.[39] Außerdem kann die Ähnlichkeit der Keime lebendiger Organismen unterschiedlicher Arten auch mit dem Schöpfungsplan und der durch die göttliche Ratio errichteten Evolutionsentwicklung über die vorgegebenen fundamentalen Gesetzmäßigkeiten der Formbildung der lebendigen und sogar der unlebendigen Materie entwickelt werden.

Zu den anderen modernen Konzepten der Evolution zählen auch:

·         Neutralismus bzw. neutrale Theorie der molekularen Evolution, die vom japanischen Biologen Motoo Kimura (1924–1994) Ende der 1960er Jahre entwickelt wurde. Demnach ist die überwiegende Anzahl der Mutationen, die auf der Molekularebene stattfinden, gegenüber der natürlichen Auslese neutral. Folglich sei ein Großteil der intraspezifischen Variation (insbesondere in kleinen Populationen) nicht durch die Wirkung der Auslese, sondern durch die zufällige Drift (Sampling) von (fast) neutralen mutierten Allelen zu erklären.

·         Epigenetische Evolutionstheorie (EET), ein Zweig der Epigenetik, der Lehre über die kausale Interaktionen zwischen Genen und ihren Produkten sowie die Entwicklung bzw. Änderung auf der „übergenetischen Ebene“. Diese Theorie betrachtet den ganzheitlichen Phänotyp als Grundlage der natürlichen Auslese, also die Gesamtheit der Charakteristika, die einem Individuum zu eigen sind (von der Anatomie und der Physiologie bis zum Verhalten und dem Einfluss auf die Umgebung). Dabei würde die Auslese nützliche Veränderungen nicht nur fixieren, sondern auch an ihrer Erschaffung teilnehmen. Der grundlegende Einfluss auf die Vererbung gehe nicht vom Genom (der Gesamtheit der Gene) aus, sondern dem epigenetischen System (ES) als Gesamtheit der Organismusfaktoren, die die individuelle Entwicklung beeinflussen. Die allgemeine Organisation des ES, das den Organismus im Laufe seiner individuellen Entwicklung forme, werden von den Vorfahren an ihre Nachkommen weitergegeben. Dabei würde die Auslese mehrere individuelle Entwicklungen stabilisieren, indem sie Abweichungen von der Norm (Morphosen) beseitige und eine nachhaltige „Standarttrajektorie“ der Entwicklung (Chreode) forme. Nach der epigenetischen Theorie besteht die Evolution in der Transformation von Chreoden unter dem Einfluss der Umgebung.  Als Reaktion auf Störungen destabilisiere sich das ES, was abweichende Entwicklungen von Organismen ermögliche. So entstünden zahlreiche Morphosen. Manche davon seien vorteilhaft, und im Laufe der nachfolgenden Generationen bewirke ihr ES eine neue nachhaltige Entwicklungstrajektorie, es forme sich also eine neue Chreode. Damit beruht die EET auf Aussagen, die auf den Prinzipien der nichtlinearen Thermodynamik irreversibler Prozesse bzw. der Synergetik beruhen. Grundlegend für die EET waren die Ideen solch hervorragender Biologen wie Iwan Schmalhausen (1884–1963) und  Conrad Hal Waddington(1905–1975).

·         Koevolution – die gemeinsame Evolution von Arten, die in einem Ökosystem zusammen agieren, wobei Veränderungen, die Merkmale von Individuen einer Art betreffen, zu Veränderungen bei anderen Arten führen (zum Beispiel das „Räuber-Opfer“- oder das „Blütenpflanze-Bestäuber“-System). Auf diese Weise bilden Ökosysteme als Netze interspezifischer Interaktion den Rahmen für die Koevolution all ihrer Teile.

·         Ökosystemische nicht-darwinistische Evolutionstheorie – eine der letzten Errungenschaften des wissenschaftlichen Denkens, die es ermöglicht, aufgrund systemischer koevolutionistischer Analyse die Nomogenese mit den neusten Entdeckungen der „nicht-klassischen“ Genetik und des Neokatastrophismus zu verbinden. Der letztere ist eine Hypothese, nach der planetare Katastrophen in der Evolution des Lebens, das sich seinerseits als einheitliches ganzheitliches System entwickelt habe, eine wichtige Rolle spielen.[40]

 

* * * 

Die globale Evolution des Lebens als interdisziplinäres Problem der Weltanschauung ist nicht nur eine Domäne der Naturwissenschaften, sondern nach wie vor auch ein Gebiet der Philosophie.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der französische Philosoph Henri Bergson (1859-1941) ein ähnliches Konzept , indem er die Prinzipien der „Entwicklung aufgrund von Gesetzmäßigkeiten“ (Nomogenese) bzw. der „Zweckmäßigkeit“ (Teleologie, von griech. τέλος  „Zweck, Ziel“) kritisierte. Nach Bergson wäre die Vielfalt und Entwicklung von Organismen Folge eines spontanen „Lebenstriebs“, eines „unteilbaren Lebensstroms, der die Materie durchdringt und aus ihr Lebewesen heraus abscheidet“.[41] Die Grundlage dieses „Lebensstroms“ sei ein mysteriöses Überbewusstsein.[42] Die Ideen von Bergson beeinflussten viele große Denker und Naturwissenschaftler, unter anderem Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955; s.u.), Wladimir Wernadski (1863-1945), von dem die Lehre über die Noosphäre als Endprodukt der Evolution stammt, und Karl Popper (1902-1994), der die Hypothese der wachsenden bzw. schöpferische Evolution aufstellte, die sich in folgende Etappen unterteile:

·         Sauerstoff und Helium;

·         schwerere Elemente und Kristalle;

·         Lebewesen;

·         Sensorik;

·         Selbstbesinnung und Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit;

·         menschliche Sprache, „Ich“- und Todestheorie;

·         Kunstwerke, Technologien und wissenschaftliche Forschung.[43]

Im Großen und Ganzen sind die Konzepte von Bergson, so wie auch die von Berg, in ihrem Wesen eine eigenartige Rückkehr zum Platonismus.

Vom sittlichen Standpunkt aus besteht ihre positive Seite in der Verkündung des Triumphes des Geistes über die Materie, der Schönheit als absoluter Realität und der Harmonie und der Zweckmäßigkeit der Welt. Dennoch sind sowohl das deistische Verständnis von Gott dem Schöpfer als auch das platonische Konzept des unpersönlichen Einen und Absoluten der christlichen Offenbarung über den dreieinigen Gott als Person, der Schöpfer, Fürsorger und Bewahrer des Universums ist gleich fremd.

Vollkommener ist in dieser Hinsicht ist das christliche teleologische Verständnis der Evolution, dessen Vorteilen und offensichtlichen Problemen eine unserer Publikationen gewidmet war.[44]

Als dessen Begründer kann der französische Theologe, Priester, Philosoph und Paläontologe  Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955) angesehen werden. In gewissem Maße wurde der theistische Evolutionismus auch von Theologen wie Erzpriester Basile Zenkovsky (1881-1962), Erzpriester Nafanail (Lwow, 1906-1985), Professor Nikolai Fioletow (1891–1943), Metropolit Ioann Wendland (1909–1989), Erzpriester Lazar Minin, Erzpriester Nikolai Iwanow (1904–1990), Erzpriester Stefan Ljaschewski (1899–1986), Erzpriester Gleb Kaleda (1921–1994), Erzpriester Alexander Men (1935–1990), Bischof Alexander Mileant (1938–2005), Protodiakon Andrei Kuraev und anderen akzeptiert. Trotz des unterschiedlichen Verständnisses der Einzelheiten des Prozesses könnten bei diesen Autoren manche allgemeine Ansätze des christlichen Teleologismus hervorgehoben werden:

·         die Schöpfung sei etappenweise im Laufe von Millionen Jahren verwirklicht worden;

·         im Ergebnis der schöpferischen Einmischung, eventuell durch Mutationen, seien neue Archetypen erschaffen worden, die sich weiter entwickelten. So hätte sich die göttliche Vorsehung über die Welt verwirklicht – mittels der ständigen Synergie zweier Arten von Ursachen, nämlich der natürlichen (Naturgesetzen) und der übernatürlichen (göttliche „Denkwissensäußerungen“ bzw. Logoi);

·         der Plan der Schöpfung sei die Idee des Anstieges des Geschöpfes zum Schöpfer auf dem Wege der allmählichen und der gerichteten Entwicklung, deren Gipfel der Mensch sei. („Ihr Blinden, (…) ihr denkt, das ihr durch ihre Messungen der Übergangsstufen das Wunder beschämt habt, aber in Wirklichkeit habt ihr IHN unzählige Male verehrt, anstatt IHN einmal zu verehren. Falls ein Wunder in der Materie geschieht, geschieht es natürlicherweise auch in der Zeit. Hatte das Wunder der Wiederbelebung von Lazarus aufgehört, ein Wunder zu sein, da es mehrere Sekunden oder Minuten in Anspruch genommen hatte? Das Wunder besteht nicht in Blitzschnelligkeit, sondern in der Unerklärbarkeit.“[45])

Nachdem wir uns mit der Vielfalt der Evolutionsideen, die sich im Laufe von Jahrzehnten entwickelten und veränderten, und ihrer kritischen Diskussion vertraut gemacht haben, kommen wir zu folgender Schlussfolgerung: das vulgär- materialistische Verständnis des darwinistischen Konzepts der spontanen Evolution, das für breite Kreise der Gesellschaft typisch ist, erweist sich als zu beschränkt, um den Glauben in den einen Schöpfer, Fürsorger und Bewahrer erschüttern zu können. Die nicht-darwinistischen Systeme beruhen auf völlig anderen Prinzipien, wobei die Einzelheiten des Prozesses der Lebensentwicklung immer weiter diskutiert werden.

Ende des 20. Jahrhunderts stellten der  Biochemiker Professor Michael J. Behe und der Mathematiker und Philosoph William Dembski (beide USA) die Intelligent-Design-Theorie (ID) vor.[46] Ihre Anhänger, die von den Extremen des Neo-Kreationismus zurücktraten, sprechen von der Suche nach Bezeugungen des „rationalen göttlichen Plans“ in komplexen, sowohl unlebendigen als auch lebendigen Systemen (Ribosom, bewegliche Geißel bei Bakterien, Auge, System der erworbenen Immunität, Blutgerinnungskaskade beim Menschen usw.). Die natürliche Auslese hätte die „nichtreduzierbare Komplexität“ dieser und anderer Systeme bilden können, da sie nur bei Vorhandensein aller Bestandteile funktionieren würden. Wenn ein Objekt über eine gewisse „spezifizierte Komplexität“  verfüge, könne gezeigt werden, dass es vom rational handelnden Schöpfer erschaffen wurde und nicht im Laufe natürlicher Prozesse entstanden ist. Zu solchen sollen Systeme gehören, bei denen die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichen Wegen zu entstehen, geringer als 1:10150 ist.

Heutzutage wird das ID-Konzept heftig diskutiert. Ihre Kritiker weisen darauf hin, dass das „Intelligente Design“ und andere Behauptungen über die übernatürliche Einmischung nicht durch wissenschaftliche Experimente falsifizierbar sind und keine Prognosen und Hypothesen zulassen. Oben erwähnten wir, als wir das Problem der Lebensentstehung behandelten, dass viele Strukturen von „nichtreduzierbarer Komplexität“ doch als Ergebnis der natürlichen Evolution erklärt werden können.[47] In diesen Konstruktionen wird auch das Vorhandensein von „Konstruktionsfehlern“ angemerkt (zum Beispiel der blinde Fleck auf der Augenretina). Francis Collins, Leiter des Internationalen Humangenomprojekts, ist der Meinung, dass die Hinwendung zur ID-Theorie in der Apologetik auch theologisch unproduktiv sei, da die aktive Involvierung des Konzepts eines „Lückenbüßergottes“ entweder die Idee des Schöpfers in allen Fällen diskreditiere, wo Wissenschaftler in der Lage sind, nichtreduzierbare Komplexität“ zu erklären, oder Lebewesen Unvollkommenheiten aufweisen. Mittlerweile stimuliert das „Intelligente Design“ selbst durch die Erhebung schwieriger Fragen die wissenschaftliche Suche und bleibt damit auch im Bereich der theologisch-philosophischen Diskussion der modernen Kosmologie (zum Beispiel, als Interpretation des anthropischen Prinzips) eine durchaus vielversprechende Richtung.

Wir möchten daran erinnern, dass die modernen Verfahren zur Inbezugsetzung der Theologie und der Wissenschaft sowohl im Bereich des theistischen Evolutionismus als auch beim „Intelligenten Design“ bei der Heranziehung der Satzung der Lehre des hl. Mönches Maxim dem Bekenner über göttliche Logoi und Wege ihre Verwirklichung (Tropoi) im Kontext der Offenbarung über den Plan und die Vorsehung Gottes über die Welt, den Sündenfall und die Erlösung am produktivsten und unwidersprüchlichsten sind.[48]

Währenddessen ist die Wahrheit, die in der Kirchenlehre, der heiligen Schrift und der  Überlieferung aufbewahrt wird, unerschütterlich. Deshalb sollte ein Naturwissenschaftler, der die Umwelt erforscht, das Geheimnis der Erschaffung und der Existenz der ursprünglich geschaffenen sündenlosen Welt und das Geheimnis des Wesens des Lebens selbst, das uns heute empirisch bekannt ist, mit der gleichen Ehrfurcht behandeln; denn, so Wladimir Lossky: „es gibt das Geheimnis des Göttlichen, und es gibt auch das Geheimnis des Erschaffenen.“[49]

Es sollte angemerkt werden, dass die Orthodoxe Kirche niemals konkrete wissenschaftliche Ansichten über die Entstehung der ganzen Vielfalt des Lebens dogmatisierte. Damit räumte sie möglichen Modellen, einschließlich „intelligentem Design“, als auch dem christlichen Teleologismus  ein Existenz- und Entwicklungsrecht ein. Jedes Modell kann sowohl theologische als auch wissenschaftlich-methodologische Nachteile haben. Sie sollten unbedingt im Kopf behalten und besprochen werden - allerdings nicht nur, um sie zu kritisieren, sondern auch, um das Positive weiter zu entwickeln, was uns die rational-empirische Erkenntnis der Geschichte des Weltenbaus im Kontext der biblischen Offenbarung beschert hat.

 


[1] Es sei daran erinnert, dass solche hervorragende Biologen wie der Begründer des universellen System der Pflanzen- und Tierwelt der Schwede Carl von Linné (1707–1778), und der französische Naturwissenschaftler und Begründer der vergleichenden Anatomie und Paläontologie George Cuvier (1769—1832) überzeugte Verfechter der Unveränderlichkeit der Arten waren, die, ihrer Meinung nach, unmittelbar vom Schöpfer erschaffen worden waren. Allerdings fand Linné in den letzten Jahren seines Lebens doch zu den Positionen eines eingeschränkten Evolutionismus (s.: Чайковский Ю.В.  Активный связный мир. Опыт теории эволюции жизни. – М.: Товарищество научных изданий КМК, 2008. – С. 51.).

[2] Ламарк Ж.-Б.  Избранные произведения в двух томах. Том I. — Изд. АН СССР. — 1955. — С. 354.

[3] Назаров В.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. - С.. 30-43.

[4] Hier ein markantes Beispiel: „Aus dem Jahr 1904 stammt die Geschichte von einem Pygmäen namens Ota Benga. Der Afrika-Forscher Samuel Verner brachte aus Belgisch-Kongo einen von ihm in Besitz genommenen Pygmäen in die USA, in dem er das gesuchte fehlende Glied zwischen dem Affen und dem Menschen gefunden zu haben glaubte. Der  Pygmäe war verheiratet und hatte zwei Kinder; aber nachdem er in die USA angebracht worden war, wurde er im Affenhaus eines Zoos in der Bronx zusammen mit einem Orang-Utan an die Kette gelegt. Tausende Menschen kamen, um das lebendige „fehlende Glied“ zu begaffen, bis Ota Benga sich umbrachte, da er nicht mehr die Kraft hatte, diese Erniedrigungen zu ertragen.“   Милюков А.  По эту сторону Потопа. http://www.goldentime.ru/hrs_partyflood_4_1.htm

[5] Zit. nach: Назаров В.И.Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. - С. 74.

[6] Ebenda.

[7] Муравник Г.Л. Дарвин и дарвинизм: попытка научно-богословского анализа. – Электронный ресурс [Режим доступа]:http://naukaibogoslovie.ru/?q=node/51

[8] Дарвин Ч.  Воспоминания о развитии моего ума и характера // Сочинения, т.9. – М.: Изд-во АН СССР, 1959. – С. 166—242.

[9] Мумриков О., свящ.  О проблемах "богословия эволюции" на рубеже ХХ-ХХI вв. // Доклад на XIХ Международных образовательных Рождественских Чтениях – 2011. Секция «Наука в свете православного миропонимания», 22-26 января 2011 г. - [27 января 2011 г.] Электронный ресурс: Научно-богословский портал «Богослов.ру»: http://www.bogoslov.ru/text/1415473.html

Мумриков О., свящ.  Церковь и естественнонаучные картины мира: проблемы рецепции // Доклад на XVIII Международных образовательных Рождественских Чтениях – 2010. Секция «Наука в свете православного миропонимания», 27 января 2010 г. - [27 января 2010 г.] Электронный ресурс: Научно-богословский портал «Богослов.ру»: http://www.bogoslov.ru/text/565396.html

[10] Mivart war der Meinung, dass das Prinzip der natürlichen Auslese unmöglich die Anfangsstadien der Organentwicklung erklären könne, da rudimentäre Vorformen nicht imstande seien, ihren Besitzern einen Wettbewerbsvorteil zu bieten. - НазаровВ.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. - С. 64.

[11] Thomson bestimmte das Alter der Erde auf 24 Mio. Jahre und zog anhand dieser Tatsache den Schluss über die Untauglichkeit der Darwin’schen Theorie, die diese eine langsame Anhäufung geringer zufälliger und gegenläufiger Veränderungen postuliert. - Ebenda, S. 65. 

[12] Flourens und Quatrefages de Bréau verwiesen auf das Fehlen von Zwischenformen und kritisierten die Theorie der natürlichen Auslese. - Ebenda, с. 66-68.

[13] „Falls Arten gar nicht existierten, wie Anhänger der Evolutionstheorie behaupten, wie könnten sie sich dann verändern? Und wenn nur Individuen existierten, wie könnten die bei ihnen zu beobachtenden Unterschiede die Veränderlichkeit der Arten beweisen?“ – ЯкиЛ.  Стенли. Спаситель науки. – М.: Греко-Латинский кабинет Ю. А. Шичалина, 1992. - С. 174.

[14] Wigand brachte eine ernsthafte Kritik der Methodologie des Darwinismus vor und  betrachtete konsequent die Prämissen der Entstehung der Evolutionstheorie.  - Назаров В.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. – С. 68-69.

[15] Назаров В.И . Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. – С. 69.

[16] Ebenda,S. 62.

[17] Jenkin und Bennett machten darauf aufmerksam, dass nutzbringende  Veränderungen, die bei einzelnen Individuen bei ihrer Kreuzung mit anderen Individuen, die über solche Veränderungen nicht verfügen, spontan auftauchen, sich nach einigen Generationen völlig nivellieren und in der Population „auflösen“. Dieses Paradox war Darwin gut bekannt und ging unter dem Namen „Jenkins Alptraum“ („The swamping argument“) in die Geschichte ein.

[18] Докинз Р.  Эгоистичный ген (The Selfish Gene). — М.: «Мир», 1993. — 317 с.

[19] Eine gründliche Übersicht findet sich z.B. in folgenden Werken: Назаров В.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005;  Чайковский Ю.В.  Наука о развитии жизни. Опыт теории эволюции. – М.: Товарищество научных изданий КМК, 2006; Чайковский Ю.В. Активный связный мир. Опыт теории эволюции жизни. – М.: Товарищество научных изданий КМК, 2008.

[20] S. Übersicht :  Доказательства эволюции. Электронная публикация. [Режим доступа]: http://www.evolbiol.ru/evidence.htm,http://www.bogoslov.ru/text/601165.html

[21] Eins der Übergangsglieder von Amphibien zu Reptilien.  

[22] Eins der Übergangsglieder von Fischen zu Amphibien.

[23] Das Goldschmidt-Konzept ist auch bekannt als Hopeful-Monster-Hypothese (Hypothese „hoffnungsgebietender Monster“).

[24] Марков А.В. Рождение сложности. Эволюционная биология сегодня: неожиданные открытия и новые вопросы. М.: Астрель: Corpus, 2011. – С. 343-345.

[25] Ebenda,  S. 356-357,

[26] Берг Л.С. Номогенез, или эволюция на основе закономерностей // Теория эволюции. - Б. м., 1922. – Elektronische  Version: http://www.evolbiol.ru/paperlist.htm#classic

Bergs Theorie basierte faktisch auf den Werken von Nikolai Danilewski (1822–1885) und Nikolai Strachow (1828–1896),  hervorragenden russischen Kritikern des Darwinismus und Anhänger der ganzheitlichen Vorgehensweise in der naturwissenschaftlichen Forschung.

[27] Московский А.В.  Существует ли научная альтернатива дарвиновской концепции эволюции // Рождественские чтения-2001. Христианство и наука. Сборник докладов. - М.: Отдел религиозного образования и катехизации Московского Патриархата, 2002. – С. 297-321.

[28] Иоанн (Вендланд), митр.  Библия и эволюция. – Ярославль, 1998. - С. 74-85.

Wir möchten daran erinnern, dass entgegen der weitverbreiteten Meinung der Begriff „Evolution“ etymologisch nicht die Idee einer spontanen Entwicklung impliziert (lat. evolutio „Abrollung“ einer Schriftrolle bzw. „Aufschlagen“ eines Buches, also von etwas, was bereits existiert, z.B. als Idee).

[29] Der Refrain des Merons (Klasse der Teile einer systematischen Gruppe von Organismen) besteht darin, dass die Komplizierung der allgemeinen Organisation von oben nach unten zu beobachten ist, jene der Extremitäten von links nach rechts (nach:  ЧайковскийЮ.В.  Активный связный мир. Опыт теории эволюции жизни. – М.: Товарищество научных изданий КМК, 2008. – С. 322.)

Klasse

Fehlen oder ein von außen unsichtbarer Keim

Nur schwaches vorderes Paar entwickelt

Multiphalanxiale Finnen oder Flossen

Organ für

Kriechen

Segelfliegen

aktives Fliegen

Knochenfische

Muräne


Walkopf
, Aal

Quastenflosser

Rotrand-Fledermausfisch


Fliegender Fisch

Beilbauchfisch

Amphibien


Schleichenlurch

Seekuh

Manche Fossile

Salamander

Java-Flugfrosch

kommt nicht vor

Reptilien

Schlange, beinlose Eidechse

Handwühle  

Meereschildkröte

Schildkröte, Krokodil

Pediptera (Fossile)

Pterosaurier (Fossile)

Vögel

Kiwi (kein Vorderpaar)

kommt nicht vor

Pinguine

Kleiber, Segler

Eulenpapagei

Die meisten Arten

Säugeiere

Seekuh (kein Hinterpaar)

Wale

Seekuh (vordere), Seeotter (hintere)

Maulwurf, Seehund

Hundskopfgleiter

Fledermaus

[30] Берг Л.С. Труды по теории эволюции, 1922—1930. Л., 1977. - С. 311.

[31] Erinnern wir daran, das Wawilow den Parallelismus bei Mutationen in nah verwandten Pflanzengruppen beschrieb (zum Beispiel bei Roggen und Weizen). In Analogie zu den homologischen Reihen organischer Verbindungen schlug er vor, diese Erscheinung Gesetz der homologischen Reihen in der erblichen Variationzu nennen. Die Beschreibung der Gesetzmäßigkeiten erblicher Variationen ermöglichte es, noch nicht aufgedeckte homologische Variationen bei verschiedenen Arten von Kulturpflanzen vorherzusagen und gezielt zu suchen, was die praktische Selektionsarbeit intensivierte.  

[32] S. sein Werk „De Genesi, in 12 Büchern“. S. Auch den Vortrag von  Гоманьков А.В . Идеи номогенеза в творениях св. блаженного Августина//Доклад на семинаре «Наука и вера» при ПСТГУ 28/XI-2007 г. -Электронный ресурс:http://pstgu.ru/pic/dcontent/10865.sl_description.goman'kov_28.11.07.htm#_ftnref5

[33] Чайковский Ю.В.  Активный связный мир. Опыт теории эволюции жизни. – М.: Товарищество научных изданий КМК, 2008. – С. 336-352.

[34] Назаров В.И.  Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. - С. 322-328.

[35] Марков А.В. Рождение сложности. Эволюционная биология сегодня: неожиданные открытия и новые вопросы. М.: Астрель: Corpus, 2011. – С. 338-346.

[36] Cairns J.J., Overbaugh J., Miller S.  The origin of mutants // Nature. - 1988. - Vol. 335. - P. 142-145; Cairns J.J., The origin of mutants disputet // Nature. - 1988. - Vol. 336. - P. 527-528.

[37] Назаров В.И Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005. - С. 327-328. См. Ebenda, с. 364-368.

[38] Anabolie  (griech.  ναβολή „Aufhebung, Ansatz, Verlängerung) ist eine Abart der Transformation des Ganges der individuellen Entwicklung, wobei Merkmale erwachsener Organismen im Ergebnis der Anfügung neuer Stadien am Ende der Formbildungsperiode angefügt werden, die sich dabei verlängert. Ein Beispiel der Anabolie ist das Zusammenwachsen von Knorpeln und Knochen im Skelett erwachsener Wirbeltiere, bei deren Vorfahren diese Knorpel und Knochen noch getrennt vorlagen.

[39] Иорданский Н.Н.  Эволюция жизни. М.: Academia, 2001, с. 328-329.

[40] S .: Назаров В.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. – М.: КомКнига, 2005, с. 438-448; Красилов В.А. Модель биосферных кризисов // Экосистемные перестройки и эволюция биосферы. Вып. 4. М.: Издание Палеонтологического института, 2001. – С. 9-16; Уэбб С.Д. О двух типах быстрых фаунистических переворотов // Катастрофы в истории Земли: Новый униформизм. М.: Мир, 1986. – С. 413-434; Чайковский Ю.В. Наука о развитии жизни. Опыт теории эволюции. – М.: Товарищество научных изданий КМК, 2006.

[41] [Bergson, H. Schöpferische Entwicklung] Бергсон А.  Творческая эволюция. - М.: Канон-Пресс, Кучково Поле, 1998, с. 246-251.

[42] Ebenda, с. 256.

[43] Zit. nach: Сгречча Э., Тамбоне В. Биоэтика. Учебник. - М.: Библейский институт св. ап. Андрея, 2001, с. 82-86.

[44] Мумриков О., свящ.  О проблемах «богословия эволюции» на рубеже ХХ–ХХI вв. // Доклад на XIХ Международных образовательных Рождественских Чтениях – 2011. Секция «Наука в свете православного миропонимания», 22-26 января 2011 г. - [27 января 2011 г.] Электронный ресурс: Научно-богословский портал «Богослов.ру»:http://www.bogoslov.ru/text/1415473.html

[45] Поршнев Б.Ф.  О начале человеческой истории. – М., 2006, с. 44.

[46] Michael J. Behe , Darwin’s Black Box, Simon and Schuster, 1996; Mere Creation, coll. Edited by W. Dembski, InterVarsity Press, 1988; W. Dembski , Intelligent Design, InterVarsity Press, 1999;  W. Dembski, The Design Inference, Cambridge University Press, 1998.

[47] Коллинз Ф.  (Руководитель международного проекта «Геном человека»). Доказательства Бога: Аргументы ученого; Пер. с англ. – М.: Альпина нон-фикшн, 2008. – С. 143-147; Марков А.В. Тайна происхождения рибосом разгадана? – Электронный ресурс [Режим доступа]:http://elementy.ru/news/431013; Петров П.Н., Марков А.В. и др.  «Несократимая сложность» и бактериальный жгутик//Доказательства эволюции. - Электронный ресурс [Режим доступа]: http://evolbiol.ru/evidence10.htm#Irreducible

[48]  Мумриков О., свящ.  О проблемах "богословия эволюции" на рубеже ХХ-ХХI вв. // Доклад на XIХ Международных образовательных Рождественских Чтениях – 2011. Секция «Наука в свете православного миропонимания», 22-26 января 2011 г. - [27 января 2011 г.] Электронный ресурс: Научно-богословский портал «Богослов.ру»:http://www.bogoslov.ru/text/1415473.html

[49]  Лосский В.Н.  Очерк Мистического Богословия Восточной Церкви. Догматическое Богословие. – М., 1991. - С. 70.

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