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Die materialistische Philosophie der Evolutionstheorie: eine atheistische Ideologie oder eine wissenschaftliche Methode?

15. Juli 2011
Laut vielen Wissenschaftlern stellt die Zentralthese des Darwinismus –  die über die führende Rolle der natürlichen Auslese in der Evolution – den materialistischen Kern der Biologie dar. Welcher Sinn sollte in den Begriff „materialistisch“ gelegt werden? Ist die Evolutionstheorie der religiösen Weltanschauung prinzipiell widersprechend? Stellte Darwin selbst einen Zusammenhang zwischen seinen Entdeckungen und dem Atheismus fest? In seinem Artikel gibt Alexander Dmitriyev Antworten auf diese Fragen und betont auch die Hauptaufgabe der Theologie, im Bereich der naturwissenschaftlichen Apologetik.

In einem modernen Evolutionstheorie-Lehrbuch merken seine Autoren, bekannte Biologen und Darwinisten, an, dass „die Zentralthese des Darwinismus – die, über die führende Rolle der natürlichen Auslese in der Evolution – den materialistischen Kern der Biologie darstellt“. Diese Tatsache ist eben das, was die Leidenschaft um die Theorie von Charles Darwin bestimmt“[1]. Doch welchen Sinn sollen wir in den Begriff „materialistisch“ legen? Bedeutet das, dass die Darwin-Theorie eben den Kern des Atheismus in der Wissenschaft darstellt, oder soll unter dem Begriff „Materialismus“, in Hinblick auf die wissenschaftliche Denkweise, etwas anderes verstanden werden? Versuchen wir, es zu klären.

Nikolai Danilewski   (1822–1885), einer der größten Denker Russlands im 19. Jahrhundert, behauptete in seinem umfangreichen Werk, welches er der Kritik der Evolutionsmechanismen der darwinistischen Lehre widmete, dass der Darwinismus „nicht nur und weniger eine zoologische und botanische Lehre, sondern auch und viel mehr eine philosophische Lehre ist“[2]. Nach einer Anmerkung Danilewskis, gab es unter allen Wissenschaftlern, die die Ehre hatten die Erstentdecker dieser oder jener Naturgesetze zu sein, keinen, dessen Name ein Nennname für eine ganze Richtung des wissenschaftlichen Denkens, wie es Darwin geschehen war, dessen Lehre Darwinismus genannt wird, war. Seiner Meinung nach, ist die Umwandlung des Eigennamens des Autors in den Nennnamen, im Bereich der philosophischen Erkenntnis, „für die Bezeichnung eines ganzen philosophischen Systems durchaus gewöhnlich“[3]. Auf diese Weise betont Danilewski den überwiegend philosophischen Charakter der Lehre Darwins. Dabei zeigt unser Denker, dass diese Philosophie, in ihrem Wesen, eben die Spitze einer materialistischen Denkweise darstellt. Die Hauptgefahr des Darwinismus, so Danilewski, besteht darin, dass durch diese Lehre „die letzten Spuren dessen, was nun gewöhnlicherweise Mystizismus genannt wird, beseitigt werden, es wird sogar der Mystizismus der Naturgesetze, der Mystizismus der Rationalität des Weltbaus beseitigt. Und wenn die Rationalität beseitigt wird, dann wird sicherlich auch der Verstand selbst, - sowohl der göttliche als auch unser menschlicher – beseitigt. oder er wird  zu einem der Einzelfälle der Absurdität, der Sinnlosigkeit, des Zufalls, die eben die wahren, die einzigen Herren der Welt und der Natur bleiben“[4]

Deshalb ist es, nach der Meinung Danilewskis, notwendig, für die Widerlegung dieser Lehre alle möglichen Einsätze zu leisten, da sie sonst zur Herrschaft der materialistischen Weltanschauung führen kann. Wir bestreiten nicht, dass die Lehre, über die natürliche Auslese, aufgrund zufälliger Veränderungen, für die menschliche Weltanschauung gewisse philosophische und theologische Probleme darstellt. Auch bestreiten wir nicht, dass „die Überzeugung darin, dass wirklich nur leblose verstandslose ‘Materie’ existiere, für den größten Teil der Evolutionswissenschaft, zur philosophischen Grundlage der Materialismus wurde[5]. Aber ist die Evolutionstheorie deshalb eine „philosophische Lehre“, die der religiösen Weltanschauung prinzipiell widerspricht? Dachte Darwin selbst auch so? Versuchen wir erst die zweite Frage zu beantworten.

Trotz der von uns oben erwähnten Argumente Danilewskis, bezüglich des Darwinismus, findet dieser Denker, auf den Seiten seines Werkes, doch auch Platz dafür Charles Darwin selbst, als Wissenschaftler, positiv zu charakterisieren. „Wäre der  Darwinismus eine Lehre die auf Fakten beruht, - behauptet Danilewski, - hätte ich nicht mal zu denken gewagt, mit seinem Autor zu polemisieren, der solch ein großer Meister der Naturbeobachtung war, und solch eine langjährige Erfahrung und so viele Fälle studiert hatte. Weder hätte ich mich in eine Debatte mit seiner riesigen Gelehrtheit eingelassen“[6]. Es ist bemerkenswert, dass außer Danilewski selbst, auch viele andere Opponenten Darwins ein ähnliches Charakteristikum seiner Mentalität widergaben- Als Beispiel könnten die Worte des Autors der bekannten  Erinnerungen eines Insektenforschers, desbekannten Naturforschers  Jean Henri Fabre  (1823–1915), „… obwohl die von mir entdeckten Fakten mich von der Theorie Darwins eben entfernten, war meine Einstellung zur Edelheit seines Charakters und seiner Aufrichtigkeit als Wissenschaftler von tiefer Ehrfurcht erfüllt“[7], angeführt werden. Allein schon daher kommt es uns äußerst schwierig vor, den Autor der Evolutionstheorie einer etwaigen „philosophischen Absicht“ gegen den „mystischen Idealismus“ und die religiöse Weltanschauung zu verdächtigen. In Wirklichkeit  spielen die Probleme der „philosophischen Methode, in den Werken Darwins, eine ziemlich bescheidene Rolle“[8]. Alle Beobachtungen Darwins, auf die er seine Lehre baute, sind die Folge seiner eigenen empirischen Erfahrung, im Bereich der naturwissenschaftlichen Forschung. Um sich darin zu vergewissern,  reicht es aus, sein berühmtes Werk,  Die Entstehung der Arten  (1859), aufzuschlagen. Aber die uns interessierende Frage geht aus dem Folgenden heraus – ob dieser Wissenschaftler selbst seine Entdeckungen wohl mit dem Atheismus verband?

Wir beginnen damit, dass Darwin selbst keine spezielle biologische Ausbildung erhalten hatte. Seit 1826 studierte er Medizin an der Universität Edinburgh, aber, da er die Ansicht des Blutes nicht ausstehen konnte, ließ Darwin bald seine Beschäftigung mit dieser Wissenschaft. Nach einem Ratschlag  seines Vaters Robert Darwin, eines ausgebildeten Arztes, der auf das Interesse seines Sohnes an das Christentum aufmerksam wurde, hatte der zukünftige Autor der Evolutionstheorie, 1827 ein Studium am Christ’s College in Cambridge begonnen, wo er Theologie und Philosophie studierte, um danach als geweihter Priester zu dienen. Darwin selbst vergewissert: „Der Gedanke, ein Dorfpriester zu werden, hat mir gefallen“[9]. Bald, im Jahre 1831, nach dem erfolgreichen College-Studium, erhält Darwin den Grad des Bakkalaureus der Theologie. Doch war es nicht das Schicksal des zukünftigen Wissenschaftlers, ein Priester zu werden. Späterhin beginnt er, sich für naturwissenschaftliche Studien zu begeistern. In diesem Zeitraum wurde der bekannte Botaniker John Henslow zu seinem Lehrer und Freund. Nach einer Welle bricht Darwin zu der bekannten Weltreise auf dem Beagle Schiff auf, wo sich auch seine wichtigsten wissenschaftlichen Interessen formen. Nachdem Darwin von dieser Reise in seine Heimat zurückkehrte, begann er seine Lehre über den Mechanismus der natürlichen Auslese zu formen. Die ersten Abrisse seiner Theorie, in der die natürliche Auslese die Hauptrolle spielte, erörterte Darwin in seinen Skizzen von 1842 und 1844. Es ist wichtig anzumerken, dass Darwin in diesem Zeitraum‚ die Auslese als Funktion des allseienden und allsehenden Wesens versteht, das fähig ist, in Organismen hineinzuschauen und ihre lebenswichtigen Veränderungen aufzubewahren, wozu der Mensch nicht fähig ist. Mit anderen Worten, war das die göttliche Selektion’”[10]. Später jedoch verwarf der Wissenschaftler die übernatürlichen Ursachen, zur Erklärung der Wirkung des Mechanismus des Evolutionsprozesses, ohne sich dabei von seinem Glauben abzukehren. Als faktische Grundlage für diese unsere Behauptung können die Worte Darwins selbst dienen, die er in sein berühmtes Werk Die Entstehung der Arten miteinschloss. Diese Worte sind folgende: «Es ist wahrlich eine großartige Ansicht, dass der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht habe, und dass (…)  aus so einfachem Anfang sich eine endlose Reihe immer schönerer und vollkommenerer Wesen entwickelt hat und noch fort entwickelt“[11]. Deshalb, merkt Danilewski, auch wenn er auf die gewisse materialistische Vorbedingung des Darwinismus aufmerksam macht, nichtsdestotrotz an, dass „Darwin selbst nicht einmal auf die Idee kommt, Gott oder seine schöpferische Tätigkeit zu verwerfen, geschweige denn das von ihm akzeptierte [Glauben an die] Erschaffung der ursprünglichen organischen Zelle“[12]. Also, wie auch immer paradoxal es sein mag, nahm sich selbst der Urheber der so genannten „Spitze der materialistischen Philosophie“, der theistischen Ansichten an (!). Allerdings ist diese Behauptung lediglich richtig, während Darwin sein berühmtes Werk „Die Entstehung die Arten“ schrieb. Späterhin begann die Einstellung Darwins zur Religion abzukühlen, was weitestgehend durch den Tod seiner Tochter Annie im Jahre 1851 gefördert wurde. In einem Brief, den er drei Jahre vor dem Tod schrieb, betitelte Darwin sich selbst mit dem Begriff „Agnostiker“. Im selben Brief sind auch seine folgenden Worte enthalten „Selbst in meinem stärksten Schwanken war ich  nie ein Atheist  in dem Sinne, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte[13].

Also, ausgehend von allem was oben gesagt ist, können wir den Schluss ziehen, dass selbst der Gründer des „Darwinismus“ nicht der Meinung war, dass seine Lehre mit dem Glauben an Gott prinzipiell unkompatibel wäre. Nichtsdestotrotz wird die Lehre über die natürliche Auslese immer wieder der „materialistische Kern“ der modernen Wissenschaft genannt. Was ist aber unter diesem Begriff konkret gemeint? Hatte Darwin Recht, als er die „göttliche“ Ursache zur Erklärung der natürlichen Auslese verwarf? Aus der modernen philosophischen Akademie können wir folgende Kenntnisse schöpfen: „Materialismus (von lat. materialis – sachlich) ist eine monistische philosophische Richtung, die die Existenz der Welt außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein des zu erkennenden Subjekts annimmt und diese Welt aus ihr selbst, ohne nach der Hypothese eines, ihr vorhergehenden und sie gebärenden, Weltgeistes (Gott, absolute Idee usw.) zu greifen, erklärt“[14]. Wenn wir aber diese Philosophierichtung als ein  methodologisches Prinzip  für die Erklärung der Evolution annehmen, das für die Antworten keine Wendung zum Bereich des Übernatürlichen erfordert, werden wir uns, dem  katholischen Theologen John Haught folgend, die Frage stellen: „Bedeutet das, dass der Begriff ‚Gott‘ keinen Wert in dem Sinne hat und zur Erklärung der Evolution des Lebens und ihrer verschiedenen Manifestationen nicht erforderlich ist?“[15]. Unserer tiefen Überzeugung nach, ist das gar nicht so. Die moderne wissenschaftliche Gemeinschaft beinhaltet eine große Menge Wissenschaftler verschiedener Nationalitäten, die sich, dementsprechend, zu unterschiedlichen kulturellen und religiösen Werten bekennen. Hätten sich die Wissenschaftler, bei dem Aufbau ihrer wissenschaftlichen Hypothesen, von den idealistischen Positionen leiten lassen, hätten sie diese oder jene Gesetze mit den unterschiedlichsten philosophischen und religiösen Prämissen (vom Pantheismus bis auf den Theismus) zu verbinden gehabt. Dementsprechend gäbe es in der wissenschaftlichen Welt, unter den Wissenschaftlern, keine Einheit zu den unterschiedlichsten und wichtigsten Positionen. Sie hätten, aufgrund der wissenschaftlichen Methoden, eben ihre philosophischen oder religiösen Vorlieben zu verfechten und zu beweisen gehabt. Es ist klar, dass bei solcher Vorgehensweise, die Wissenschaft selbst in eine ungünstige Lage geraten wäre.  Wenn wir also über das Christentum sprechen, müssen wir anerkennen, dass Gott selbst keine Beweise für seine eigene Existenz braucht, welche die Menschen dazu zwingen würden, seine Macht anzuerkennen und damit die Freiheit des menschlichen Willens zu verletzen. Dabei ist es unmöglich, die Wirkung und die Vorsehung Gottes in der Welt, durch irgendwelche Formulare und „Zeichen“ zu beschreiben, also, müssen wir dementsprechend die natürliche Erklärung der Naturgesetze annehmen, die sich auf unsere, und nicht die transzendente, Welt beziehen. Ausgehend von dem Obigen scheint es uns, dass die materialistische Philosophie, die als wissenschaftliche Methodologie, bei der Erklärung von natürlichen Erscheinungen und Gesetzen verstanden wird, bestens der wissenschaftlichen Vorgehensweise entspricht und nicht der christlichen Weltanschauung widerspricht. Dabei ist es wichtig beizubehalten, dass „das Wesen der reinen Wissenschaft nur darin besteht, eine Hypothese zu stellen und sie durch eine andere, vollkommenere zu ersetzen, wenn es dafür Gründe gibt (…)  ihr reines sinniges Wesen bedarf eigentlich nicht einmal der endgültigen und vollkommene Wahrheit“[16]. Deshalb kann keine wissenschaftliche Theorie, einschließlich  der Evolutionstheorie, einen Status der endgültigen „universalen Antwort auf alle Fragen“ beanspruchen. Darwin selbst war kein „Dogmatiker“ in diesem Sinne und schloss in seine Arbeit „Die Entstehung der Arten“ speziell ein separates Kapitel ein, in dem  er mehrere Einwände gegen seine Lehre aufzählte. Dadurch nahm er die Lehre des bekannten Philosophen  Karl Popper  (1902–1994) vorweg, welche als Kriterium der wahren wissenschaftlichen Vorgehensweise die Falsifizierbarkeit jeder wissenschaftlichen Theorie postuliert (über diese Methode selbst werden wir etwas weiter unten sprechen). Im angesehenen kirchlichen Dokument „Die Grundlagen der Sozialdoktrin der Russischen Orthodoxen Kirche“ gibt es die Worte: „Ihrer Natur nach nehmen lediglich die Religion und die Philosophie weltanschauliche Funktionen wahr, was ansonsten weder einer einzelnen speziellen Wissenschaft noch der konkreten wissenschaftlichen Kenntnis im Ganzen zukommt. Die Reflexion über die wissenschaftlichen Erkenntnisse, sowie deren Einbeziehung in das weltanschauliche System, kann innerhalb einer weiten Bandbreite, zwischen der vollkommenen Religiosität einerseits und dem unverhüllten Atheismus andererseits, geschehen“ (XIV.1)[17]. Mit anderen Worten, wenn wir die Philosophie des Materialismus, in der atheistischen Lehre, als die  wissenschaftliche Methodologie  (und nicht als „Wahrheit einer Glaubenslehre“) betrachten, die keine Wendung in den Bereich des Übernatürlichen für die Antworten verlangt, dann kann die darwinistische Lehre ihrerseits nicht als eine eigenartige Behauptung des Atheismus in der Wissenschaft dargestellt werden. Nichtsdestotrotz ist die Evolutionstheorie eben das, was viele Atheisten in den Vordergrund schieben, wenn sie „den kompletten Krach der Religion“ vom Standpunkt der Wissenschaft aus demonstrieren wollen. Doch zu der atheistischen „Kehrseite“ drehte die Lehre Darwins nicht ihr Autor selbst, sondern seine „militanten“ Nachfolger. Versuchen wir, einige von ihnen zu betrachten.

Einer der angesehensten Befürworter Darwins war sein Zeitgenosse und Landsmann  Thomas Huxley  (1825–1895), der sich mit Stolz „Bulldogge des Darwinismus“ („Darwins bulldog“) nannte. Laut der Meinung des bekanntem russischen Biologen und Darwinisten Woronzow, „war Huxley einer von diesen Wissenschaftlern, die durch ihre unermüdliche propagandistische Tätigkeit nicht nur der Befestigung der Lehre Darwins halfen, sondern die gesellschaftliche Meinung darüber, was der Darwinismus ist, formten“[18]. Obwohl Huxley selbst Agnostiker (dieser Begriff war von ihm selbst vorgeschlagen) und kein Atheist war, führte er einen öffentliches Disput mit Mathematiker und Bischof Wilberforce, gegen den er die Ehre Darwins verfocht, indem er manchmal ungemütliche Äußerungen in Bezug auf seinen Opponenten benutzte. Dadurch wurde eine Spaltung, zwischen dem Bild des progressiven darwinistisch eingestellten Wissenschaftlers und des Kirchendieners, ins Bewusstsein des breiten Publikums gebracht.

Die, mit dem „Geist“ des Kampfes gegen das Christentum, philosophische Dimension, wurde jedoch regelrecht in die Evolutionstheorie von einem deutschen Nachfolger des Darwinismus, dem Zoologen  Ernst Haeckel  (1834–1919), eingebracht. „Anders als Darwin schreckte Haeckel nicht vor Philosophie zurück, er hatte keine Angst vor spekulativen Hypothesen – im Gegenteil, er selbst schuf und predigte sie aktiv “[19]. Haeckel, der schon in seiner Jugend von seinem Glauben enttäuscht wurde, engagierte sich für den aktiven Kampf gegen das Christentum. Dazu gründete er einen neuen „Kult“, der „Monismus“ genannt wurde. „Er rief dazu auf, Tempel zu Ehren der neuen Religion zu errichten, gründete einen „Monistenverein“, erarbeitete Regeln des alltäglichen Verhaltens von Monisten und erzwang seine neue Religion an die Umgebung“[20]. Das Wesen dieser Lehre bestand in der Behauptung des naturwissenschaftlichen Materialismus. Laut den Worten Haeckels, „lehrt uns die monistische Philosophie, dass im Universum die ewigen, eisernen Gesetze herrschen, die absolute Macht haben. Sie stoßt vom Podest die drei Hauptdogmata der vorigen dualistischen Philosophie: das über Gott als Person, das über die Unsterblichkeit der Seele und das über die Willensfreiheit“[21]. Seiner Überzeugung nach, „die moderne Naturwissenschaft zerstört nicht nur den Aberglauben und fegt seine Reste vom Antlitz der Erde weg, sondern baut auch, auch auf dem freigemachten Platz, ein neues Gebäude auf, sie errichtet den Tempel des Verstandes“[22]. Nachdem Haeckel auf diese Weise die Hauptprämissen seiner philosophischen Lehre fertig formte, versuchte er, zu ihrer Behauptung auch eine Beweisbasis unterzuschieben.

Zu solchen „Beweisen“  kann das so genannte biogenetische Gesetz gezählt werden, das nach seinem Urheber Ernst Haeckel benannt ist. Das Wesen dieser Behauptung besteht im Folgenden: die  Ontogenese  (bzw. die individualistische Entwicklung jedes Organismus)  rekapituliere  (bzw. wiederhole kurz) die  Philogenese  (den Evolutionsweg) dieses Organismus. Haeckel zeigte, dass die frühen embryologischen Stadien vieler Organismen die gleichen Formen durchlaufen. Zum Beispiel können beim Embryo des Menschen und anderer Tiere, auf einem bestimmten Entwicklungsstadium, so etwas wie Kiemenspalten erkannt werden usw.

Als Haeckel aber als Beweis seines „Gesetzes“, die Illustrationen der Embryos verschiedener Tiere und des Menschen benutzte, retuschierte er absichtlich die für ihn unbequemen Details und zeichnete das, was es in Wirklichkeit nicht gibt, hinzu. Dies diente seinerseits dem Fall der Autorität Haeckels als Wissenschaftler. So schrieb Wilhelm His, bekannter Anatomie-Professor aus Leipzig, über Haeckel, dass es sehr selten ins Gesicht eines Forschers gesagt wurde, dass er gewissenlos gehandelt und sich das Recht abgedankt hatte, bei den seriösen Forschern, als gleichberechtigter zu gelten[23]. Immerhin war Haeckel in der Wissenschaft kein „Neuling“. Er hatte verschiedene europäische Universitäten absolviert, in Berlin, Würzburg und Wien, und unter seinen Lehrern waren viele damals hervorragende Wissenschaftler gewesen. Mit anderen Worten, Haeckel war hoch ausgebildet. All das verschlimmert die erwähnte Gewissenlosigkeit dieses Forschers als Wissenschaftlers noch mehr. In einem modernen fundamentalen Werk „Entwicklungsbiologie“ gibt sein Autor Scott Gilbert solches Charakteristikum der Rolle Haeckels in der Embryologie. “Die verhängnisvolle Allianz der Embryologie und der Evolutionsbiologie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von dem deutschem Wissenschafter und Philosophen Ernst Haeckel  künstlich ins Leben gerufen[24]  (hervorgehoben von uns – A.D.). Außer des biogenetischen Gesetzes stellte Haeckel, in seinem Buch  Die Welträtsel  (1899), die Behauptung, über die Entstehung des Lebendigen aus dem Nicht-Lebendigen und über die Existenz von Zwischenetappen auf dem Wege, von einer einfachen organischen Bildung zur lebendigen Zelle, auf. Derartige vorzellige Lebensformen nannte er  Moneren. Ähnliche Ideen wurden dann in der UdSSR von Alexander Oparin entwickelt. Auch Wladimir Lenin, der seinerzeit die Werke Haeckels hochschätzte, ihn  als „Stimme der festesten, wenn auch formlosen, Meinungen, Stimmungen und Tendenzen der überwiegenden Mehrheit von Naturforschern des Endes des 19. und des Anfangs des 20. Jahrhunderts, die Säule des naturwissenschaftlich-historischen Materialismus“[25].

So können wir die Tätigkeit Haeckels als Beispiel dessen betrachten, wie die Wissenschaft durch die Philosophie ersetzt wird und die Evolutionslehre ihre antireligiöse Richtung erhält. Bemerkenswert ist, dass Darwin selbst die erwähnte propagandistische Tätigkeit Haeckels nicht befürwortete. In einem Brief an Haeckel schrieb Darwin: „Sie machen sich unnötige Feinde– auf der Welt gibt es Schmerz und Kummer genug, um die Menschen noch mehr aufzuregen“[26]. Diese Aussage Darwins, sowie auch die Aufdeckung der Falsifikationen Haeckels durch die Wissenschaftler selbst, weist darauf hin, dass in der Wissenschaft eine  objektive Vorgehensweise  existiert. In seiner Charakterisierung des Weges Haeckels und seiner Propagierung der Lehre Darwins, bemerkt Woronzow, dass „der Weg, von der Wissenschaft zum Dilettantismus, in der Propaganda und in der Entwicklung der Evolutionslehre, wurde im Nachhinein auch von anderen Forschern wiederholt, und das Streben einiger Evolutionisten, die größeren Darwinisten als Darwin selbst zu sein (…) fügte und fügt der Entwicklung der Evolutionslehre einen spürbaren Schaden zu, indem es als Gegenreaktion (,,,) die nächste Welle des Antievolutionismus und –darwinismus hervorrief“ [27]. Ein Ergebnis derartiger „Vulgarisierung“ der Lehre Darwins, war eben die Erscheinung der oben betrachteten kritischen Studie Danilewskis.

Unter den modernen populären evolutionstheoretischen Autoren, die versuchen, mit Hilfe der Evolutionslehre gegen die Religion zu kämpfen, können der englische Zoologe  Richard Dawkins  und der amerikanische Philosoph  Daniel   Dennett, besonders erwähnt werden. Ersterer, der ein talentierter Wissenschaftler ist, benutzt seine Werke eben zur Begründung der atheistischen Ansichten. „Nach der Meinung von Richard Dawkins, fand der Atheismus, in den Ideen Darwins, die festeste intellektuelle Grundlage von allen, die er je hatte“[28]. So wie Haeckel, versucht Dawkins, indem er in seinen Werken philosophische Etüden benutzt, seinen Atheismus durch Fakten mit wissenschaftlichem Inhalt zu fundieren. Er stellte eine Idee auf, laut der die Haupteinheiten der Evolution weder einzelne Arten noch Populationen, sondern Gene – kodierte DNS-Elemente – sind. Nach der Definition Dawkins sind das „egoistische Gene“, in deren Natur das maximale Überlebensstreben hineingelegt ist. John Haught fasst diese Lehre wie folgt zusammen: „Die Gene werden von der unpersönlichen physikalischen Notwendigkeit angetrieben, sich unsterblich zu machen, und stellen für sich genommen einzelne Organismen vieler verschiedener Arten nach. Die Letzteren werden ihre ‘Träger’ und geben diese Gene den zukünftigen Generationen weiter. Die ‘egoistischen Gene’ müssten alles Mögliche machen, um unbegrenzt lange zu leben, auch wenn dies mit der Besitznahme von unschuldigen Organismen und ihrer Manipulierung zu eigenen Zwecken droht“[29]. Ausgehend von dieser Vorstellung erweisen sich Organismen selbst im Evolutionsprozess als zweitrangige Ursachen, die sich als „Maschinen“ darstellen, mittels derer die Gene überleben. Derartige mechanistische und reduktionistische Einstellung zur Evolution, multipliziert durch die Vorstellung zufälliger Prozesse dieser Erscheinung, zerstört, nach der Meinung Dawkins, die „religiösen Vorurteile“. Der zweite erwähnte Evolutionist, Daniel Dennett, versucht die Diskrepanz, zwischen der Evolution und der Religion durch seine Bemühungen, das Argument der [Existenz] eines göttlichen Plans für diese Welt durch die Evolution zu zerknirschen. Die einzigartige Engagiertheit und der militante „Zünder“ der Werke dieser Autoren entnehmen, unserer Überzeugung nach, den von ihm geäußerten Meinungen, einen gewissen Wert. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage, ob die Evolutionslehre mit der Religion prinzipiell inkompatibel ist, nach wie vor in Kraft[30]f.

Wir haben bereits gezeigt, dass Darwin selbst, als er seine Lehre über die natürliche Auslese formulierte, die Existenz Gottes nicht verneinte und ihn als die Quelle, der darauf folgenden Evolution des Lebendigen, anerkannte. Außer den oben erwähnten Autoren, die die atheistische Kehrseite der Evolutionstheorie demonstrierten, gab es auch andere Befürworter Darwins. Zum Beispiel hielten aktive Propagandisten der Lehre Darwins, wie  Alfred Wallace  (1823–1913), der gleichzeitig mit Darwin die Lehre über die natürliche Auslese formuliert hatte, und der amerikanische Botaniker  Aza Gray  (1810–1888), der natürlichen Biologie an und waren der Meinung, dass die Evolutionstheorie, die Großartigkeit dieser Welt und ihres Schöpfers breiter zu verstehen hilft. Mehr noch, „einer der drei Urheber der Evolutionsbiologie des 20. Jahrhunderts, Ronald Fisher, gehörte zur Anglikanischen Kirche, der andere, Sewall Wright, war Mitglied der Unitarier-Konfession, und der dritte, John Haldane, war Atheist. Beide der größten Evolutionisten russischer Herkunft - Theodosius Dobzhansky und Nikolai Timofejew-Ressowski   waren orthodoxe Christen“[31]. Bereits aus dieser Liste ist es erkennbar, dass die  Evolutionstheorie der religiösen Weltanschauung prinzipiell nicht widersprechen kann. Hier die Worte Theodosius Dobzhanskys selbst: „Kommt die Evolutionslehre in einen Widerspruch mit dem religiösen Glauben? Nein. Es wäre ein grober Fehler, die Heilige Schrift für ein Lehrbuch der elementaren Astronomie, Geologie, Biologie und Anthropologie zu halten. Konflikte – eingebildete und unlösbare – können nur dann entstehen, wenn Symbole in dem Sinne, der nicht gemeint wurde, interpretiert werden“[32]. Nach der Meinung des Genetik-Professoren  R.J. Berry  sollte es beibehalten werden, dass der sakrale Text der Bibel die Erscheinungen der Schöpfung nicht in einer „technischen“ Sprache beschreibt. Die Wissenschaft beantwortet die Frage „wie“, und die Religion die Fragen  „weshalb“ und „wozu“. Darum kann die eine und selbe Erscheinung von verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden. „So können wir die Welt sowohl als die wunderschöne Schöpfung Gottes, wie auch als das Ergebnis von Millionen Jahren der Evolution, betrachten. Wir sprechen von einem und demselben, aber die zwei Erklärungen widersprechen sich keineswegs. Diese zwei Erklärungen können als „ergänzend“ betrachtet werden: es ist logischerweise falsch zu behaupten, dass eine Erklärung alle Möglichkeiten ausschöpft; darin besteht der Fehler solcher reduktionistischer Doktrinärer wie Richard Dawkins“[33]. Dazu fügen wir, dass es in der modernen evolutionistischen Wissenschaft, alle notwenigen Prämissen für die Wahrnehmung dieser Lehre von der Theologie gibt. Die Aufdeckung bestimmter Gesetzmäßigkeiten und der Richtung in der Evolution ändert unsere Vorstellung über diese Erscheinung, laut der sie als zufälliger und brutaler Prozess betrachtet wird.  Nach den Worten von R.J. Berry, „ist die Rede vom ‘Zufall’ normalerweise nichts anderes als die Anerkennung der eigenen Ignoranz. Was aber noch wichtiger ist: die Evolution wird durch Adaptation und nicht durch Zufall angetrieben “[34]. Deshalb merkt  Francis Collins, einer der führenden modernen Genetiker, folgendes an: „Die Evolutionstheorie verneint (und zu Recht), dass Gott alle Arten, die unseren Planeten bewohnen, separat erschaffen hat, aber die Annahme, dass ER seinen Schöpfungsplan mittels der Evolution verwirklicht habe, bleibt in Kraft.“

So können wir erschließen, dass die Evolutionslehre, als  Gesamtheit von wissenschaftlichen Fakten ,in keinen Widerspruch mit der religiösen Weltanschauung geraten darf, so wie mit ihr auch die materialistische Philosophie, die, beim Aufbau von naturwissenschaftlichen Paradigmata, als wissenschaftliche Methodologie  betrachtet wird, in keinen Widerspruch geraten darf. Der Fehler vieler atheistischer Interpreten der Evolution besteht darin, dass sie dazu neigen, diese Erscheinung von einem Sichtpunkt aus zu betrachten und diese ihre Sichtweise auf den gesamten Bereich der menschlichen Erkenntnis zu übertragen. Dabei haben wir gesehen, dass die Wissenschaftler selbst, unter denen auch die gläubigen Christen sind, gegen derartige Engagiertheit der Wissenschaft auftreten. Bereits deswegen können wir den Autoren O. Schustowa und G.Sidorow nicht zustimmen, nach deren Meinung „es alle Gründe, über die ideologische Engagiertheit der Evolutionstheorie, seitens des philosophischen Materialismus und der atheistischen Weltanschauung, zu sprechen gibt, da es keine überzeugenden, zumindest allgemein bekannten Grundlagen dessen gibt, was heute Evolution genannt wird“[35]. Die Autoren selbst entwickeln die Hypothese des „kreationistisch-saltationistisches Präformismus“. Wir werden dieses Konzept nicht bestreiten, doch sagen wir einiges zur Verteidigung der Evolution. Zunächst möchten wir anmerken, dass wir mit dem Standpunkt des hervorragenden russischen Biologen Sergey Meyen[36] (1935–1987) einverstanden sind, welcher in seinen folgenden Worten geäußert wird: „Wenn wir über die Evolutionslehre sprechen, sollten wir deutlich unterscheiden zwischen 1.) den fest bestimmten Fakt der Evolution von Organismen in der geologischen Vergangenheit, 2) die Hypothesen über die konkreten Wege des Evolutionsprozesses und 3) die noch hypothetischeren Vorstellungen, über die Faktoren und die Mechanismen der Evolution“[37]. Hier sollte erklärt werden, warum Meyen den zweiten und den dritten erwähnten Punkt für ziemlich hypothetisch hält. Es geht darum, dass wir bei der Betrachtung der modernen wissenschaftlichen Vorstellung von der Theorie der biologischen Evolution keine einheitliche und stringente Erklärung aller Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten dieser Erscheinung sehen werden. Zugleich mit der traditionellen Richtung des Evolutionismus existiert eine Menge der sog. nicht-darwinistischen Herangehensweisen an die Evolutionslehre, von welchen ein Teil die natürliche Auslese als Evolutionsmechanismus komplett ausschließt oder ihr zumindest eine nachrangige Rolle zuweist. Seinerseits stammt dies nicht daher, dass die moderne Evolutionslehre einen Satz spekulativer Konstrukte darstellt, sondern daher, dass die Evolution selbst, sich als ziemlich komplexen Prozess, mit vielen Komponenten und vielen Faktoren, darstellt. Dementsprechend darf es hier keine strengen Gesetze geben, so wie etwa in der Mathematik und Physik. Nach den Worten des bekannten Biologen Alexander Markow, „bleibt die Natur, wie auch immer viel wir sie studieren würden, stets unmäßig komplexer als unsere Theorien, Modelle und Prognosen. Und bei jedem von uns ausgedachten ‘Gesetz’, finden sich immer Ausnahmen“[38]. Das ist eben der Grund, warum das Falsifizierbarkeitskriterium Poppers im Rahmen der Evolutionslehre nicht wirksam werden kann, und der Darwinismus, ausgehend von diesem Kriterium, nicht die Bezeichnung einer wissenschaftlichen Theorie verdienen würde. Es geht darum, dass es unmöglich ist, die Wirkung der natürlichen Auslese in der Natur zu prüfen, oder zu widerlegen, nämlich Kraft dessen, dass der Evolution Millionen Jahre zugeschrieben werden. Dabei verneinte Popper das Prinzip der natürlichen Auslese selbst nicht, sondern schlug vor, es  in seiner Evolutionsepistemiologie – der Wissenschaft über die Entwicklung der wissenschaftlichen Kenntnisse – zu benutzen, nämlich für wissenschaftliche Theorien. Nach der Meinung Poppers stellt die Evolutionstheorie „ein metaphysisches Forschungsprogramm“ und nicht eine streng wissenschaftliche Theorie zur Erklärung der Entstehung und der Entwicklung des Lebens dar. Nichtsdestotrotz erkannte er später an, dass „die historischen Wissenschaften“ (wozu er die Evolutionsbiologie zählte), die Ereignisse der Vergangenheit rekonstruieren, berechtigt seien, da sie eine andere Methodologie haben, die sich von den „theoretischen Wissenschaften“ (welche die Universalgesetze der Natur erforschen) unterscheiden[39]. Mit anderen Worten, auch wenn die Evolutionslehre, Kraft ihrer Spezifität, keine „universale Antwort auf alle Fragen“ anbieten kann, sollte sie nicht als die einzigartige, von den realen Fakten weit entfernte, Philosophie wahrgenommen werden. 

Was die Fakten selbst betrifft: Es gibt mannigfache Anhaltspunkte, um wenigstens die Existenz der Evolution selbst nicht zu bezweifeln. Diese Fakten können in zwei Hauptgruppen unterteilt werden, die zurzeit das größte wissenschaftliche Interesse darstellen:

  1. die molekular-genetischen Beweise der Evolution,
  2. die paläontologischen Beweise der Evolution.

Wir halten es für notwendig, hier die Meinungen der Wissenschaftler selbst anzuführen. Die erste Position benutzte bereits erwähnter Genetiker Francis Collins, zur Illustrierung des Faktes der Evolution selbst, vor seinen Gleichgläubigen. Collins, der die DNS-Folgen unterschiedlicher Arten betrachtet und auf die Ähnlichkeit der Genome der verwandten Gruppen der Organismen aufmerksam macht, die ermöglichen, den phylogenetischen Baum aufzubauen, der die Angaben der Paläontologie genau wiederholt, kommt zum Schluss, dass derartige molekulare Beweise den Fakt der Evolution selbst unbestreitbar machen. Seine Schlussfolgerung lautet: „In  Wirklichkeit ist es fast unmöglich, sich vorzustellen, dass ein Genetiker, der Studien wie meine führt, die von ihm zu erhaltenden Dateien ohne die Theorie Darwins systematisieren könne“ [40]. Von der zweiten erwähnten Gruppe der Beweise spricht ausdrucksvoll Paläontologe und orthodoxer Apologet Dr.geol.-mineral.  Alexej Gomankow: „Zwischen vieler großer Taxa sind zurzeit die ganzen „Wolken“ der Zwischenformen bekannt, Paläontologen wissen wortwörtlich nicht, wohin mit ihnen, und das reale Problem besteht nicht darin, solche Formen zu finden, sondern darin, in diesen ‘Wolken’ Trajektorien zu finden, nach denen die Evolution beim Übergang von einem Taxon zum Anderen wirklich vonstatten ging“[41]. Wir haben extra die Meinungen der christlichen Wissenschaftler angeführt, da es ziemlich schwer ist, sie der „atheistischen Engagiertheit“ zu verdächtigen. Also berufen wir uns auf die einfache Solidarität und den Respekt zu den Bezeugungen der Wissenschaftler selbst, ihnen zuzustimmen und ihre Sichtweise anzunehmen.

Nach einer richtigen Anmerkung Sergey Meyens, „falls die Schwäche der Wissenschaft sich wirklich aufdeckte und den Wissenschaftlern deutlich wurde, war dies ein Ergebnis vor allem der Reflexion der Wissenschaftler“. Das bedeutet, dass die Wissenschaftler Hilfe bei der Reflexion brauchen. Die Methode, so wie ‚wenn du Fehler gemacht hast, bedeutet das, dass ich Recht habe‘, ist hier untauglich. Ein tief reflektierender Wissenschaftler würde, Huxley folgend, nicht sagen: ‚Entweder Darwin oder die Bibel‘. Und es geht nicht darum, dass er die Wahrheit in der Mitte suchen werde, sondern darum, dass er auf die Wahl einfach verzichtet“[42]. Unserer Ansicht nach besteht eben darin die Aufgabe der Theologie, in dem Bereich der naturwissenschaftlichen Apologetik. Es ist notwendig, die Wissenschaftler auf dem Wege der tieferen Reflexion der Probleme, an denen sie arbeiten, anzuleiten. Dabei lohnt es sich für Theologen gar nicht, die Funktion des „Schießrichters“ auf sich zu nehmen und zu erklären, welche wissenschaftlichen Theorien wahr sind, und welche nicht. Aber das ist eben der Weg, den die sogenannten Neokreationisten gegangen sind, die gegen ihre atheistisch eingestellten Opponenten Aussagen über die prinzipielle Unvereinbarkeit von christlicher und evolutionistischer Lehre wiederholen. Nach der Aussage des modernen Wissenschaftlers Ian Barbour, „irren sich sowohl die einen als auch die anderen, indem sie annehmen, dass die Evolutionstheorie, in ihrem Wesen, die atheistischen Sichtweisen verteidige und damit das falsche Dilemma über die Notwendigkeit der Wahl, zwischen der Wissenschaft und der Religion, verewigen“[43]. In Übereinstimmung mit dieser Sichtweise sagte  Metropolit Kyrill, der zukünftige Patriarch, als er in einem Interview mit der „Izwestija“-Zeitung über die Beziehung der Wissenschaft und der Religion in Russland sprach, folgendes: „In Russland gab es nie einen Konflikt der Kirche mit den naturwissenschaftlichen Kenntnissen, auch nicht im 19. Jahrhundert, welches den Darwinismus gebar. (…) Die Bibel gibt das Verständnis dessen, dass die Welt von Gott erschaffen ist. Und wie genau – das ist vom Menschen weitgehend verborgen, und hier beginnt schon das Gebiet der wissenschaftlichen Kenntnisse“[44]

 


[1] Яблоков А.В., Юсуфов А.Г. Эволюционное учение: Учеб. для биол. спец. вузов / А.В. Яблоков, A. Г.  Юсуфов. – 6-е изд., искр. – М.: Выси. кш., 2006. – С. 24.

[2] Данилевский Н.Я. Дарвинизм. Критическое исследование. – СПб.: Т.1. Ч.1.,1885. – С. 7.

[3] Ebenda. – С. 4.

[4] Ebenda. – С. 19.

[5] [russische Übersetzung von Haught, John. God After Darwin: A Theology of Evolution:] Охот Д. Бог после Дарвина. Богословие эволюции / Пер. с ангел. (Серия «Богословие и наука») – М.: Библейско-богословский институт св. апостола Андрея, 2011.  – С. 1.

[6] Данилевский Н.Я. Дарвинизм. Критическое исследование. – СПб.: Т.1. Ч.1.,1885. – С. 31.

[7] [russische Übersetzung von Fabre, Jean Henri: La vie des insectes: ]  Фабр. Ж.А. Жизнь насекомых. – М.: Изд-во Эксмо, 2003. – С. 384.

[8] Назаров В.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. Учебное пособие. – М.: КомКнига, 2005. – С. 55.

[9] [russische Übersetzung von Darwin, Charles: Recollections of the Development of my Mind and Character] Дарвин Ч. Воспоминания о развитии моего ума и характера (Автобиография) // Происхождение видов путем естественного отбора: Кн. для учителя / Коммент. А.А. Яблокова, Б.М. Медникова. – М.: Просвещение, 1986. – С. 367.

[10] Назаров В.И. Эволюция не по Дарвину: смена эволюционной модели. Учебное пособие. – М.: КомКнига, 2005. – С. 36.

[11] Entstehung der Arten.  Nach http://de.wikisource.org/wiki/Entstehung_der_Arten/Vierzehntes_Kapitel, Stand 30.07. 2011.

[12] Данилевский Н.Я. Дарвинизм. Критическое исследование. – СПб.: Т.1. Ч.1.,1885. – С. 8.

[13] Zit. nach: [russische Übersetzung von: Barbour, Ian. Religion and Science]Барбур И. Религия и наука: история и современность / Пер. с англ. (Серия «Богословие и наука») – М.: Библейско-богословский институт св. апостола Андрея, 2000.  – С. 69.

[14] Левин Г.Д. Материализм // Новая философская энциклопедия: В 4 т./Ин-т философии РАН, Нац. общ.-научн. фонд; Научно-ред. совет: предс. В.С. Степин, заместители предс.: А.А. Гусейнов, Г.Ю. Семигин, уч. секр. А.П. Огурцов. – М.: Мысль, Т. II. – 2010.  – С. 507.

[15] [russische Übersetzung von Haught, John. God After Darwin: A Theology of Evolution:] Хот Д. Бог после Дарвина. Богословие эволюции / Пер. с англ. (Серия «Богословие и наука») – М.: Библейско-богословский институт св. апостола Андрея, 2011. – С. 21.

[16] Лосев А.Ф. Диалектика мифа / Сост., подг. текста, общ.ред. А.А.Тахо-Годи, В.П.Троицкого. – М.: Мысль, 2001. – С. 53.

[17] Die Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche. http://orthodoxeurope.org/page/3/16.aspx. Stand 30.07.2011

[18] Воронцов Н.Н. Развитие эволюционных идей в биологии. М.: КМК, 2004.  – С. 190.

[19] Ebenda. – С. 196.

[20] Шустова О.Б., Сидоров Г.Н. Эволюционизм и креационизм: наука или философия? : монография / О.Б. Шустова, Г.Н. Сидоров; Ом.гос. аграр. ун-т. – Омск: Изд-во ФГОУ ВПО ОмГАУ, 2009. – С. 58-59.

[21] Zit. nach: Муравник Г. Л. История «биогенетического закона» Э. Геккеля: ошибка экстраполяции или сознательная фальсификация? Доклад на XVIII Международных Рождественских образовательных чтениях. М.: январь, 2010. [Электронный ресурс]. – Режим доступа: http://naukaibogoslovie.ru/node/54

[22] Ebenda.

[23] Ebenda.

[24] [russische Übersetzung von Gilbert, Scott: DevelopmentalBiology ] Гилберт С. Биология Развития: В 3-х т. Т. 3: Пер. с англ. – М.: Мир, 1995. – С. 309.

[25] Zit. nach: Шустова О.Б., Сидоров Г.Н. Эволюционизм и креационизм: наука или философия? : монография / О.Б. Шустова, Г.Н. Сидоров; Ом.гос. аграр. ун-т. – Омск: Изд-во ФГОУ ВПО ОмГАУ, 2009. – С. 59.

[26] Zit. nach: Воронцов Н.Н. Развитие эволюционных идей в биологии. М.: КМК, 2004, с. 208.

[27] Ebenda. – С. 209.

[28] [russische Übersetzung von Haught, John. God After Darwin: A Theology of Evolution:] Хот Д. Бог после Дарвина. Богословие эволюции / Пер. с англ. (Серия «Богословие и наука») – М.: Библейско-богословский институт св. апостола Андрея, 2011. – С. 16.

[29] Ebenda. – С. 15-16.

[30] [russische Übersetzung von Collins, Francis. The LanguageofGod: AScientistPresentsEvidenceforBelief ]  Коллинз Ф. Доказательство Бога: Аргументы ученого / Фрэнсис Коллинз; Пер. с англ. – М.: Альпина нон-фикшн, 2008. – С. 128.

[31] Кондрашов А., Базыкин Г. Эволюция жизни и вера в Бога // «Новая газета» № 15 от 13 Февраля 2009 г. [Электронная версия]. – Режим доступа:

[32] Zit. nach: [russische Übersetzung von Collins, Francis. The LanguageofGod: AScientistPresentsEvidenceforBelief ]  Коллинз Ф. Доказательство Бога: Аргументы ученого / Фрэнсис Коллинз; Пер. с англ. – М.: Альпина нон-фикшн, 2008. – С. 157.

[33] [russische Übersetzung von Berry R.J. Creation and Evolution Not Creation or Evolution] Берри Р.Дж. Творение и эволюция, а не творение или эволюция. Faradaypaper. –  №12. – 2010. – С. 4. [Электронный ресурс]. – Режим доступа: www.faraday-institute.org

[34] Ebenda.

[35] Шустова О.Б., Сидоров Г.Н. Эволюционизм и креационизм: наука или философия? : монография / О.Б. Шустова, Г.Н. Сидоров; Ом.гос. аграр. ун-т. – Омск: Изд-во ФГОУ ВПО ОмГАУ, 2009. – С. 98.

[36] Dr. Sci. (Geol.-Mineral.) Sergey Meyen, russischer Geologe und Paläobotaniker,   stellte das Prinzip der gegenseitigen chronologischen Ersetzbarkeit von Zeichen in der Stratigraphie und das Konzept der globalen Florogenese  auf, das auf der Analyse des gesamten Fossilienmaterials an Bodenpflanzen basiert, und entwickelte das Konzept der Nomogenese. (Anm.d.Ü.)

[37] Мейен С.В. Введение в теорию стратиграфии. М., Наука, 1989. – С. 89.

[38] Марков А. Рождение сложности. Эволюционная биология сегодня: неожиданные открытия и новые вопросы / Александр Марков. – М.: Астрель: CORPUS, 2010. – С. 417.

[39] Die Evolutionshypothese ist kein Universalgesetz, obwohl sie einige Universalgesetze der Natur in sich einschließt, etwa die Vererbungsgesetze oder das Gesetz der Segregation und der Mutation. Sie hat eher den Charakter einer partiellen (spezifischen) historischen Aussage. (S.: Поппер К. Нищета историцизма // Вопросы философии, 1992, № 10. – С. 30). 

[40] [russische Übersetzung von Collins, Francis. The Language of God: A Scientist Presents Evidence for Belief] Коллинз Ф. Доказательство Бога: Аргументы ученого / Фрэнсис Коллинз; Пер. с англ. – М.: Альпина нон-фикшн, 2008. – С. 111.

[41] Гоманьков А.В. Битва в пути (Креационизм и естествознание) [Электронный ресурс]. – Режим доступа: http://www.diary.ru/~Megatherium/p50260787.htm

[42] Катюнин С. Креационизм и наука в книге Т. Хайнца «Творение или эволюция» // Той повеле, и создашася: Современные ученые о сотворении мира. Клин: Фонд «Христианская жизнь», 1999. – С. 169.

[43] [russische Übersetzung von: Barbour, Ian. Religion andScience] Барбур И. Религия и наука: история и современность / Пер. с англ. (Серия «Богословие и наука») – М.: Библейско-богословский институт св. апостола Андрея, 2000. – С. 100.

[44] Кирилл, митр. Смоленский и Калининградский // «Известия», 20.04.2007.  [Электронная версия]. – Режим доступа: http://www.izvestia.ru/person/article3103455/

 

 

 

 

 

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