15. Juli 2011
Die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben, besser bekannt als Basilius-Kathedrale, befindet sich am südlichen Rand des Roten Platzes vor den Mauern des Kremls in Moskau.
Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts auf Verfügung des Zaren Iwan des Schrecklichen zu Ehren des Sieges des russischen Heeres über das Khanat Kasan errichtet.
Was früher an der Stelle der Kathedrale gestanden hatte, ist unbekannt - russische Chroniken enthalten nur unvollständige und widerspruchsvolle Informationen über hölzerne und steinerne Kirchen. Dadurch wurden zahlreiche Spekulationen und Legenden ausgelöst.
Einer Legende nach wurde kurz nach der Rückkehr von Iwan dem Schrecklichen vom Kasan-Feldzug im Jahr 1552 an der Stelle der künftigen Basilius-Kathedrale, eine Kirche aus Holz errichtet, die nach der Heiligen Dreifaltigkeit benannt wurde.
Der Metropolit Makarius von Moskau riet dem Zaren, eine Kirche aus Stein am Ufer der Moskwa zu bauen. Er entwarf auch die Konstruktion der neuen Kirche.
Die Basilius-Kathedrale fand im Herbst 1554 erstmals Erwähnung in den Chroniken. Sie war vermutlich aus Holz und hat mehrere Monate gestanden. Dann wurde sie abgerissen. Die Bauarbeiten an der steinernen Kirche begannen im Frühjahr 1555.
Die Basilius-Kathedrale wurde von den Architekten Postnik und Barma errichtet. Es gibt Mutmaßungen, dass es sich bei den beiden Namen um eine und dieselbe Person handeln soll. Nachdem die Kathedrale gebaut worden war, wurden sie einer Legende zufolge auf Verfügung von Iwan dem Schrecklichen geblendet. Später wurde diese Behauptung jedoch widerlegt.
Die sechs Jahre dauernden Bauarbeiten sollen vorwiegend in den wärmeren Jahreszeiten stattgefunden haben. In den Chroniken ist die „wundersame“ Entstehung des neunten Nebenaltars auf der südlichen Seite der Basilius-Kathedrale beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war das Gotteshaus bereits fast fertiggebaut. Aber die klare Symmetrie der Kathedrale spricht dafür, dass die Architekten von Anfang an eine konkrete Vorstellung von ihrer Komposition hatten: Es sollten acht Nebenkirchen (-altäre) um die neunte Zentralkirche errichtet werden. Das Gotteshaus wurde mit Ziegelstein gebaut, während das Fundament, der Sockel und mehrere Dekorelemente aus weißem Stein waren.
Im Herbst 1559 waren die Bauarbeiten großenteils abgeschlossen. Am Tag des Mariä-Schutz-Festes wurden alle Kirchen außer der zentralen eingeweiht.
Die neunte Kirche und damit die komplette Kathedrale wurden am 12. Juli (29. Juni nach Julianischem Kalender) 1561 von Metropolit Makarius eingeweiht.
Jede Kirche der Basilius-Kathedrale bekam ihren eigenen Namen. Die Östliche Kirche wurde nach der Heiligen Dreifaltigkeit benannt. Forscher streiten sich bis heute über die Herkunft des Namens. Es gibt mehrere Versionen. Bekannt ist beispielsweise, dass 1553 ein Kloster im eroberten Kasan nach der Heiligen Dreifaltigkeit benannt wurde. Man vermutet auch, dass an der Stelle der Basilius-Kathedrale ursprünglich eine hölzerne Dreifaltigkeitskirche stand, die auch eine der Nebenkirchen der künftigen Kathedrale den Namen gegeben hat.
Vier Nebenaltäre tragen die Namen der Heiligen, an deren Namenstagen die wichtigsten Ereignisse des Kasan-Feldzugs sich ereignet hatten: der Heiligen Cyprian und Justina, Gregor des Erleuchters, Alexander Swirskis und der Drei Patriarchen von Konstantinopel.
Drei weitere Nebenaltäre sind Nikolaus dem Wundertäter, Warlaam Chutynski und dem Einzug in Jerusalem gewidmet. Die Zentrale Kirche wurde nach dem Mariä-Schutz benannt – an diesem Tag (1. (14.) Oktober) begann die Schlacht um Kasan. Diesen Namen trägt auch die ganze Kathedrale.
Der Namensteil „am Graben“, der in alten Chroniken erwähnt ist, lässt sich auf einen großen Verteidigungsgraben zurückführen, der seit dem 14. Jahrhundert über den ganzen Platz (den späteren Roten Platz) entlang der Kremlmauer erstreckte. Der Graben wurde erst 1813 zugeschüttet.
Die Basilius-Kathedrale hatte eine ungewöhnliche Komposition – neun separate Gotteshäuser hatten ein gemeinsames Fundament und waren durch gewölbte Korridore im Inneren miteinander verbunden. Alle Kirchen waren ursprünglich von einer offenen Außengalerie umschlossen. Die zentrale Kirche hat ein hohes Zeltdach. Die Nebenaltäre sind mit Kuppeln gekrönt.
Das Ensemble wurde durch einen dreiköpfigen offenen Glockenturm vervollkommnet, in dessen Bögen massive Glocken hingen.
Ursprünglich hatte die Basilius-Kathedrale acht große Kuppeln und ein kleines Haupt über der Zentralkirche. Um die Bedeutung der Bausubstanz hervorzuheben und die Kathedrale vor Regen zu schützen, wurden ihre Außenwände im Ziegelsteinstil in roter und weißer Farbe angestrichen. Aus welchem Material die Kuppeln damals bestanden haben, ist bis heute unbekannt, weil sie bei einem großen Brand im Jahre 1595 vernichtet wurden.
Die erste Konstruktion der Kathedrale hielt bis 1588. Dann wurde auf der nordöstlichen Seite der zehnte Nebenaltar über dem Grab des geistesgestörten Heiligen Basilius errichtet, der viel Zeit auf der Baustelle verbracht und angeordnet hatte, ihn vor der Kathedrale zu bestatten. Er starb 1557. Nach seiner Heiligsprechung verfügte Fjodor, der Sohn von Iwan dem Schrecklichen, den Bau einer Kirche über Basilius’ Graben. Architektonisch gesehen handelte es sich um eine eigenständige Kirche mit eigenem Eingang.
Am Basilius’ Bestattungsort wurde ein silberner Schrein aufgestellt, der aber in der Zeit der Wirren im späten 16. bzw. frühen 17. Jahrhundert verloren ging. Gottesdienste in dieser Kirche wurden bald täglich abgehalten. Seit dem 17. Jahrhundert galt der Name des Nebenaltars für die ganze Kathedrale. Im Volksmund heißt sie die Basilius-Kathedrale.
Im späten 16. Jahrhundert wurden über der Kathedrale statt der verbrannten Kuppeln neue figürliche Häupter errichtet.
1672 wurde südöstlich der Kathedrale, über dem Grab des 1589 gestorbenen Heiligen Iwans, der elfte Nebenaltar gebaut.
Im späten 17. Jahrhundert wurde die Basilius-Kathedrale wesentlich umgebaut. Die hölzernen Dächer der Galerie fielen immer wieder zahlreichen Bränden zu Opfer. Deshalb wurden sie durch ein Gewölbe ersetzt, das sich auf Ziegelsteinbögen stützte. Über der Vorhalle der Basilius-Kirche wurde eine neue Kirche errichtet, die nach der Heiligen Theodora benannt wurde. Über den bis dahin offenen Weißsteintreppen, die zu den oberen Etagen der Kathedrale führten, entstanden zeltartige Haustreppen, die sich auf so genannte „schleichende Bögen“ stützten.
In dieser Zeit wurde es immer beliebter, die Gebäude mit Polychrom zu bepinseln. Alle neugebauten Haustreppen, Stützsäulen, Außenwände und Terrassengeländer wurden mit dieser Farbe bemalt. Die Malereien auf den Kirchenfassaden imitierte zu dieser Zeit das Ziegelmauerwerk. Im Jahre 1683 wurde die Kathedrale bis zum oberen Gerüst mit Kacheln bedeckt. Eine gelbe Aufschrift auf dem dunkelblauen Hintergrund schilderte die Entstehung der Kathedrale. Bei den Reparaturarbeiten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde diese Aufschrift vernichtet.
In den 1680er Jahren wurde der alte offene Glockenturm der Basilius-Kathedrale abgerissen. An seiner Stelle wurde ein neuer doppelstöckiger Turm mit einer offenen Plattform für die Glöckner errichtet.
Bei einem großen Brand im Jahr 1737 wurde die Basilius-Kathedrale stark beschädigt, vor allem ihre südliche Kirche. Danach wurden auf dem Gelände der Kathedrale die Altäre von alten hölzernen Kirchen unterbracht, die wegen der Brandgefahr auf dem Roten Platz abgerissen worden waren.
In den 1770er bzw. 1780er Jahren wurde der Altar der Drei Patriarchen von Konstantinopel in Johannes dem Almosengeber umbenannt. Die Cyprian-und-Justina-Kirche trug ab dieser Zeit die Namen der Heiligen Adrian und Natalja (erst in den 1920er Jahren erhielten die Kirchen ihre alten Namen zurück).
Die Innenwände der Kirche wurden mit Öl bemalt, wobei auf den Bildern Heilige sowie Alltagsszenen dargestellt wurden. Die Ölmalereien wurden zwischen 1845 und 1848 sowie im späten 19. Jahrhundert erneuert. Auf den Außenwänden wurde das Feldsteinbauwerk imitiert. Es wurden Bögen des unbewohnten Untergeschosses errichtet, in dessen westlichem Teil die Bediensteten Unterkunft fanden. Im oberen Teil der Theodora-Kirche wurde eine Kammer für kirchliche Wertgegenstände eingerichtet.
Als Russland 1812 von den Napoleon-Truppen überfallen wurde, bekamen die französischen Kanoniere den Befehl, die Basilius-Kathedrale den Erdboden gleich zu machen. Sie wurde aber nur ausgeraubt, kurz nach dem Krieg renoviert und heilig gesprochen. Das Gelände um die Kathedrale wurde ausgestaltet und umzäunt. Der kaputte Zaun wurde nach einem Entwurf des bekannten Architekten Joseph Bove wiederhergestellt.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Aufgabe gestellt, der Basilius-Kathedrale ihre ursprüngliche Gestalt zurückzugeben. Es wurde eine Sonderkommission gebildet, an der sich bekannte Architekten, Forscher und Künstler beteiligten, die darüber entschieden, wie sie wiederaufgebaut werden sollte. Wegen Geldmangels und der sozialistischen Revolution im Jahr 1917 bzw. ihrer Folgen konnte der Wiederaufbau jedoch nicht realisiert werden.
1918 wurde die Basilius-Kathedrale als eines der ersten Kulturobjekte unter Staatsschutz gestellt. Am 21. Mai 1923 wurde sie als historisches und architektonisches Museum für Besucher geöffnet. Bis 1929 wurden in der Basilius-Kirche Gottesdienste abgehalten.
Seit 1928 ist die Basilius-Kathedrale eine Filiale des Staatlichen Historischen Museums.
In den 1920er Jahren begannen in der Basilius-Kathedrale umfassende Forschungs- und Umbauarbeiten, dank denen ihre ursprüngliche Gestalt wiederhergestellt werden konnte. In einzelnen Kirchen wurde die Innenausstattung aus dem 16.-17. Jahrhundert nachgebaut.
Seit den 1920er Jahren wurde die Basilius-Kathedrale vier Mal umfassend umgebaut. Unter anderem wurden in der Mariä-Schutz-Kirche und der Alexander-Swirski-Kirche die ursprünglichen Fresken „aus Ziegelsteines“ aus dem 16. Jahrhundert wiederaufgebaut.
In den 1950er und 1960er Jahren wurde in der Kathedrale einmalige Restauration durchgeführt: In der zentralen Kirche wurde die „Chronik ihres Baus“ entdeckt, in der der Tag erwähnt wurde, an dem die Bauarbeiten begonnen hatten – der 12. Juli 1561 (der Tag der Heiligen Petrus und Paulus). Außerdem wurde die alte eiserne Kuppelbedeckung durch Kupfer ersetzt. Das zahlte sich aus - dank des Kupfers musste sie seitdem noch nie ersetzt werden.
In vier Nebenaltären wurden Ikonenwände aus dem 16. bzw. 17. Jahrhundert rekonstruiert. Unter den Ikonen sind wahre Meisterwerke der altrussischen Ikonenmalerei („Dreifaltigkeit“, „Vision des Kirchendieners Tarasius“, „Alexander Newski im Leben“ usw.) zu finden. In anderen Kirchen sind Ikonenwände aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Zwei Ikonenwände wurden in die Kirche des Einzugs in Jerusalem und die zentrale Kirche in den 1770er Jahren aus den Kirchen des Moskauer Kremls verlegt.
In den 1970er Jahren wurde in der Außengalerie unter späteren Inschriften eine Freske aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. Sie diente als Muster für die Wiederherstellung der ursprünglichen Malereien auf der Fassade.
1990 ist ein wichtiges Datum in der Geschichte der Basilius-Kathedrale – in dem Jahr wurde sie zum UNESCO-Welterbe erklärt. Nach einer langjährigen Pause wurden in der Mariä-Schutz-Kirche wieder Gottesdienste abgehalten. 1991 wurde die gemeinsame Nutzung der Basilius-Kathedrale durch das Staatliche Historische Museum und die Russisch-Orthodoxe Kirche beschlossen.
1997 wurde in der Kirche des Heiligen Basilius, die seit den späten 1920er Jahren geschlossen blieb, die Restauration des Innenraums beendet. Auch dort finden seitdem wieder Gottesdienste statt.
In der Basilius-Kathedrale hält die Russisch-Orthodoxe Kirche Gottesdienste ab (am Mariä-Schutz-Tag und dem Tag des Heiligen Basilius). Vor dem Basilius-Schrein wird jeden Sonntag ein Akathistos gesungen.
Zwischen 1001 und 2011 wurden insgesamt sieben Kirchen der Basilius-Kathedrale vollständig restauriert. Dabei wurden auch die Malereien auf der Fassade aufgefrischt.
2007 wurde die Basilius-Kathedrale für den Wettbewerb „Die sieben Wunder Russlands“ nominiert.
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Teil 1: Spendung der Kommunion an Kinder unter sieben Jahren