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Der Mönch Joseph Bryennios über den Islam

12. August 2011
Unter den geistlichen Vorkämpfern und Eiferern der Orthodoxie im späten Byzanz findet sich der Name Joseph Bryennios. Er ist als Lehrer der Heiligen Hierarchen und Erleuchter Markus von Ephesus und Gennadios  Scholarios bekannt. Er war auch mit dem Hl. Hierarchen und Erleuchter Photios von Moskau befreundet und stand im brieflichen Verkehr mit Kaiser Manuel II. Palaiologos , Patriarch Euthymios [von Tarnowo] und vielen Intellektuellen seiner Zeit.  Hier stellt Diakon Georgy Maximov den Lesern einen wenig bekannten Aufsatz des Joseph Bryennios vor, der nicht nur als Dokument der religiösen Polemik  interessant ist, sondern auch als theologisches Werk, das viele„schwierige Fragen der christlichen Lehre beleuchtet.

Joseph Bryennios wurde um 1350 in Konstantinopel geboren. Er studierte mit einigen der namhaftesten seiner Zeitgenossen und erhielt eine ausgezeichnete Ausbildung. Um 1379 empfing er ebenda die Mönchsweihe und wurde Prediger in der Palastkirche. Im Jahre 1381 wurde Bryennios von Patriarch Nilus als Prediger und Exarch des Patriarchenthrons auf die ich war heute Insel Kreta geschickt. Kreta befand sich damals unter der Herrschaft der Venezianischen Republik, die für die orthodoxe Gemeinde keine griechischen Bischöfe zuließ. Bryennios führte Dispute mit den Katholiken und stellte Aufsätze zum Schutz des orthodoxen Glaubens und gegen den Katholizismus zusammen.

1400 berief ihn der Patriarch wegen der Empörung der kretischen Kleriker und Mönche, deren anstößiges Verhalten Bryennios immer wieder entlarvt hatte, ab. Nach fast vier Jahren wirkte er im Studionkloster. Der Kaiser und der Patriarch erlegten ihm das Amt des Predigers auf. In den Jahren 1406 und 1407 besucht er, im Auftrag des Patriarchen, die Insel Zypern, um zu erfahren, wie tief und ernsthaft der Wunsch der zypriotischen Unierten war, sich mit der Orthodoxen Kirche wiederzuvereinigen. Nach einer sorgfältigen Untersuchung kam Bryennios in dieser Sache zu einer negativen Antwort. Nach seiner Rückkehr von Zypern war er als Lehrer tätig, schrieb theologische und philosophische Werke, übersetzte vom Lateinischen ins Griechische und predigte regelmäßig in der Christ-Erlöser-Palastkirche. Von 1416 bis 1427 wohnte er im Charsianites-Kloster in Konstantinopel[1].

Der Mönch Joseph starb 1432. Auf dem berüchtigten Konzil von Florenz (1438) wurde seiner als eines Eiferers der Orthodoxie gedacht: „falls der ökumenische Lehrer Herr Joseph oder Vater Makarios Makres noch am Leben wären, hätten sie es für eine Wohltat Gottes gehalten, wenn das Konzil zu ihren Lebzeiten einberufen worden wäre, damit sie ihre Inbrunst und Eifer um die frommen Dogmata der Orthodoxen Kirche  hätten zeigen können“[2].

Der Beitrag des Joseph Bryennios zur geistigen Auseinandersetzung Ostroms mit dem Islam wurde erst in der zweiten Hälften des 20. Jahrhunderts bekannt, nachdem Professor Argiriou den „Dialog des weisesten Mönches Bryennios mit einem Ismaeliten“ anhand dreier Manuskripte veröffentlichte, von denen das älteste auf das 15. Jahrhundert datiert ist.

Nach der Meinung des Herausgebers „lassen einige Hinweise im Text vermuten, dass der Dialog in Konstantinopel in den letzten Jahren des Lebens des Schriftstellers verfasst wurde, während er im Charsianites-Kloster oder auch anderswo lebte und als weiser Lehrer berühmt war“[3].

Im Text wird der fragende Muslim wie folgt bezeichnet: Ismael, der Ungläubige, der Gottlose, der Fehlgegangene, der Achämenide (so wurde Türken von Griechen genannt), Talasiman (Lehrer, der den Islam lehrt), Karmian (offensichtlich der Nachname Ismaels, da er im Text dem Nachnamen  Josephs entspricht). Der orthodoxe Gesprächspartner wird dagegen wie folgt bezeichnet: Joseph, der Orthodoxe, der Fromme, der Rechtgläubige, der Christ, der Mönch, Bryennios.

Nach Argiriou „ist es durchaus wahrscheinlich, dass Bryennios die Möglichkeit hatte, sich mit Muslimen in Konstantinopel und an anderen Orten zu unterhalten“; dennoch ist er der Meinung, dass „dieser Dialog ein literarisches und kein historisches Werk“ sei[4]. Unserer Ansicht nach ist dieser Aufsatz nach den Motiven eines tatsächlich stattgefundenen Dialogs geschrieben, was die ausführliche Darstellung des muslimischen Gesprächspartners nahelegt: es werden Vor- und Nachname sowie Beschäftigung genannt, es wird erwähnt, wo er herkommt und wohin er fährt, und auch einige Details seines Familienlebens; auch mehrere Besonderheiten der Frageninhalte und des Aufbaus des Dialogs, auf die wir im Weiteren eingehen, sprechen für diese Annahme.

Es ist erwähnenswert, dass Joseph Bryennios auch in einigen anderen seinen Werken seine Bekanntschaft mit Muslimen erwähnt hat. Z.B. vergleicht er in seinem Brief an Maximus Chrysoberges die Griechen, die sich zum Katholizismus bekannten, mit denen, die zum Islam übertraten: „Ebenso zeigen die ehemaligen Christen, die sich den Hagarenern hingaben, in Bezug auf uns ungeheure und erbarmungslose Bosheit; mit ihren ungezügelten Zungen beschimpfen und verspotten sie unsere Frömmigkeit und  machen sich dabei keinerlei Gedanken über die Unanständigkeit ihrer Ausschreitungen.“[5]

 
Stellung des Textes in der byzantinischen Auseinandersetzung mit dem Islam

Im Großen und Ganzen wird der Text von seinem Herausgeber und Forscher sehr hoch bewertet: „philologisch kann dieser Dialog als eines der hervorragendsten Beispiele dieses Genres angesehen werden. (…)  Mehrere seiner Stellen, z.B. der Prolog, sind literarische Meisterwerke… Dieser Dialog enthält alle literarischen Würden, die wir in den anderen Dialogen finden: die Lebhaftigkeit und den Scharfsinn der Dialoge von Abu Qurra, die Feinheit der Sendschreiben von Gregor Palamas, den persönlichen Stil der Dialoge von Manuel II. Palaiologos, die seelische Erhabenheit (…) er zieht die philosophische und die theologische Analyse vor, die wir auch in den Werken von Manuel II. Palaiologos, Gennadios  Scholarios und Georg von Trapezunt finden. Doch gehört die Analyse von Bryennios ihm ganz persönlich, trotz seiner gelegentlichen Anleihen bei den Werken seiner Vorläufer.“[6]

Tatsächlich: auch wenn in einigen Fällen die Geschichte der byzantinischen Polemik prägnantere Antworten kennt, ist der „Dialog“ des Bryennios ein selbstständiges und intellektuell überzeugendes Werk. Die christliche Argumentation wird in der Tradition des Abu Qurras geführt, also mit einem Appell an die Vernunft und nicht an den Glauben an die Bibel, die für die Muslime kein Text ist, der Autorität genösse.

[In diesem Werk] ist der Einfluss der „ Epistolē pros tēn heautou  ekklēsian“ des Hl. Hierarchen und Erleuchters Gregor Palamas zu sehen. Erkennbar ist das erstens an der Beschreibung der muslimischen Lebensart (da sind die Gemeinsamkeiten deutlich) und zweitens an der Vorstellung, dass Christus, nach Meinung der Muslime, der Richter der ganzen Welt sein würde.

Ein besonderes Interesse verdient die Tatsache, dass einer der Punkte des christlich-muslimischen Dialogs mit einem Verweis auf die Erwähnung der Muslime im orthodoxen Gottesdienst dargestellt wird. Ismael sagt: „[wenn ihr Christus ansprecht], betet ihr für jeden Kaiser, der über die Rhomäer herrscht, und um eure Erlösung von uns“ - und Joseph bestätigt: „wir beten für den Sieg des Kaisers und um die Erlösung von aller Bedrängnis, Zorn, Gefahr und Not“. Wahrscheinlich ist hier der Theotokion der 9. Öde des Kanons an dieEnthauptung Johannes des Täufers gemeint: „stärke [uns] und komme vorwärts und herrsche, o Sohn der Gottesmutter, besiege das Ismaelitenvolk, das gegen uns kämpft, und gewähre dem orthodoxen Kaiser Sieg über die feindlichen Barbaren“.

Dabei zitiert Joseph auch eine Fürbitte aus der Friedensektenie („dass wir erlöst werden von aller Bedrängnis, Zorn, Gefahr und Not, lasset zum Herrn uns beten“). Es ist nicht auszuschließen, dass diese Fürbitte irgendwo eine Form haben konnte, die die Worte über die Erlösung von den „Hagarenern“ einschloss.

Als „Schwachpunkte des Werkes“ nennt Argiriou, dass „die meisten derartigen Fragen im Dialog mit einem Muslimen nicht entstanden wären, da sie, objektiv gesehen, für die zwei Religionen kein ‚Zeichen, dem widersprochen wird’[7], darstellen“[8]. Allerdings ist es schwer, diesem Argument zuzustimmen, da der Dialog selbst anderes zeigt. Für Ismael besteht das Ziel des Dialogs weniger darin, die Unterschiede zwischen Christentum und Islam besprechen zu können, sondern darin, die Haltlosigkeit des christlichen Glaubens durch Aufdeckung von inneren Widersprüchen und ungenügender logischer Fundiertheit zu beweisen.

In den Fragen des Dialogs ist der Forschergeist erkennbar, der, nachdem er die christliche Lehre über die Fleischwerdung Gottes studierte, der Aufdeckung seiner logischen „Mängel“ und Erfassung  solcher verfänglichen Fragen viel Zeit widmete, welche Christen in die Enge treiben und Muslime von der Haltlosigkeit des christlichen Glaubens überzeugen mussten. Es ist unvorstellbar, dass der orthodoxe Mönch, der Autor des Aufsatzes, seine Zeit verschwendete, um sich selbst solche Fragen auszudenken. Sicherlich hat Ismael Recht mit seiner Behauptung, dass diese Fragen „nicht von mir ausgedacht sind, sondern von unseren Lehrern seit alters her als starke Einwände gegen Christen dargestellt werden“.

In Ismael stellten sich dem Mönch Joseph die besten Errungenschaften der muslimischen antichristlichen Polemik gegenüber. Bemerkenswert ist, dass der Muslim an einer Stelle gesteht: „Mir hat noch keiner so wie du geantwortet, auch wenn ich vielmals danach gefragt habe; aber einige lästerten daraufhin [meines] Propheten, andere beschimpften mich schamlos und dachten, dass sie dadurch den Vorwurf der Ignoranz vermeiden könnten; und wieder andere sagten mal dies, mal das, so dass es nur so aussah, als ob sie mir antworteten.“

Also war Ismael ein erfahrener Disputant in Streitgesprächen gegen Christen. Seine Kenntnis der griechischen Sprache weist darauf hin, dass er wahrscheinlich regelmäßig geschäftlich in Byzanz und seinen ehemaligen Ländern, die mehrheitlich von griechischsprachigen Christen bewohnt waren, unterwegs war. Eine derartige Tätigkeit, die meist mit Aufenthalten in andersgläubigen Umgebungen einhergeht, stellt dem Menschen stets aufs Neue die Frage nach seinen eigenen religiösen Ansichten und der Notwendigkeit, sich darin zu behaupten. Anscheinend stieß dieser griechisch sprechende Muslim mehrmals auf Fragen und kritische Äußerungen von Orthodoxen über den Islam, was ihn dazu bewegte, sich an islamische Spezialisten für die Auseinandersetzung mit dem Christentum zu wenden, die ihn mit Argumenten ausrüsteten. Diese Argumente unterbreitete er verschiedenen Christen und beobachtete ihr Verhalten und ihre Reaktion. Joseph Bryennios war der einzige, dem es gelang, sie sachlich zu beantworten, was für den Muslim eine Überraschung war. Das erklärt teilweise die Tatsache, dass er in der Regel keinen Einwand gegen die Antworten des Mönches findet – denn seine Fragen hatte er wahrscheinlich nicht selbst erdacht, sondern lediglich gewohnheitsmäßig reproduziert.

Im Dialog gibt es einen heiklen Punkt, als Ismael sagt, dass seine Skepsis die Fleischwerdung Gottes betreffend mit der christliche Lehre zusammenhänge, dass Christus von einer Frau alleine, ohne den Samen eines Mannes, geboren worden ist, aber der Koran lehrt ja auch über die Geburt des „Propheten Isa“ von einer Jungfrau. Allerdings ist es nicht auszuschließen, dass sich der Muslim im Eifer der lebhaften Diskussion auf der Suche nach „Irrationalitäten“ in der christlichen Lehre dazu hinreißen ließ, diese Frage in der Hoffnung zu stellen, dass sein christlicher Gesprächspartner diese Nuance der muslimischen Lehre über Christus nicht kannte. 

Ein anderer Punkt, den Argiriou zu den „Mängeln“ des Werkes zählt, besteht darin, dass wir „bei den byzantinischen und post-byzantinischen Schriftstellern nirgendwo einen so dermaßen wohlwollenden Vergleich zwischen Jesus und Mohammed finden“[9]. Doch ist unserer Ansicht nach in der Darstellung des Mohammeds durch Joseph kein besonderes Wohlwollen zu erkennen. Er nennt den muslimischen „Propheten“ einen Vorläufer des Antichristen, der seine Nachfolger ins ewige Verderben führe, und einen, „der schon immer Unrecht verübte und Gotteswidriges dachte“ – eine Beschreibung, die voll in der Tradition der byzantinischen Polemikern steht.

Für die These, dass dieses Werk auf einem realen Dialog basiert, spricht außerdem die Tatsache, dass bei der Verteidigung der christlichen Lehre durch den orthodoxen Gelehrten Schwächen und Stockungen aufweist. So wiederholt der Orthodoxe in seiner Antwort auf die Frage, wie Gott Fleisch geworden sei, mehrmals den Gedanken, dass es für einen Menschen nicht möglich sei, dies zu wissen, woraufhin der Muslim zu Recht erwidert: „Was redest du um den heißen Brei herum? Weder gelingt es dir, mich deinen Glauben zu lehren, noch weißt du selber, woran genau du glaubst.“ Ein christlicher Autor, der keine Erfahrung im lebendigen Dialog mit Muslimen hat und lediglich einen literarischen Aufsatz in Form eines Dialogs schreibt, würde sich so etwas kaum ausdenken.

Grundsätzlich kann der Bewertung des Argiriou zugestimmt werden: der Dialog von Bryennios ist „ein würdiges Werk im Rahmen der reichen und langen byzantinischen und post-byzantinischen literarischen Tradition, welche sich mit dem Islam beschäftigt“.[10]

 

Inhalt des Werkes

1. Der muslimische Gast stellt sich vor: „Ich heiße Ismael, bin Ismaelit nach Herkunft und Religion, und Talasiman der Würde nach; ich fahre von Laodikeia  nach Phönizien und möchte mich gerne über die Gegenstände eures christlichen Glaubens unterhalten.“ Joseph vergewissert sich, dass er bereit ist, seine Fragen zu beantworten.

2. Die erste Frage: „Mit welchem Ziel ist Christus in die Welt gekommen?“ Antwort: „Um jeden Menschen, der das wünscht, angefangen bei Adam, wieder in die größte Würde zu erheben, in die ihn Gott selbst von Anfang an einweihen wollte“, d.h., den Menschen unverweslich und unsterblich zu machen und ihn zur Vergöttlichung zu bringen.

3. Einwand: „Gott redete mit den Menschen durch die Propheten von Angesicht zu Angesicht; wozu musste ER dann noch seinen Sohn in die Welt senden?“ Antwort: „Gott sprach nicht persönlich zu den Propheten, sondern über seine Engel; und das war nicht für alle, sondern nur für die Lebenden, während ‚der Sohn Gottes zu allen kam, die an IHN glauben wollten, sowohl zu den Lebenden als auch zu allen, die bereits in der Hölle waren.‘“

4. Frage Ismaels: „Warum warf Gott den Teufel nicht durch einfachen Befehl nieder, wodurch ER diejenigen, die in dessen Hände geraten waren, hätte befreien können?“ Antwort: „Da Gott nicht ungerecht ist. Der Mensch hatte sich nach seinem eigenen Willen, indem er sich der Sünde hingab, in die Knechtschaft des Teufels begeben. Deshalb wäre es ungerecht, ihn aus dieser Knechtschaft durch einen Akt fremden Willens zu befreien.“

5. Frage: „Warum sandte Gott dann zur Errettung der Menschen keinen Engel?“ Antwort: „Da ein Engel, nachdem er zum Menschen würde, aufhören würde, ein Engel zu sein, und da er auch nicht fähig ist, die Versündigten zu rechtfertigen, die Gestorbenen wieder lebendig zu machen, die Unverweslichkeit zu gewähren usw. Auch durch jegliches Wesen anderer Natur wäre es unmöglich, dies zu vollbringen; da der Tod durch den Menschen gekommen war, sollte auch die Errettung durch den Menschen kommen.“

6. Frage: “Warum sandte Gott dann nicht einen einfachen Menschen?“ Antwort: „ER sandte Tausende solcher Boten, einschließlich der Urväter, der Patriarchen und der Propheten. Aber sie konnten den Menschen nicht befreien, nicht einmal sich selbst, da keiner der Menschen ohne Sünde war.“

7. Frage: „Warum ist ER dann nicht zum Engel geworden, um die Menschen zu retten; die Natur der Engel ist IHM doch näher als die der Menschen.“ Antwort: „Ein Engel ist nicht-materiell und körperlos, und so wäre ER eventuell nur als Engel und nicht als Gott, und auch seine Ankunft nur als scheinbar wahrgenommen worden.“

8. Frage: „Aber warum ist eurer Meinung nach ER, um die Menschen zu retten, Mensch geworden aber kein Engel, um die gefallenen Engel zu erretten?“ Antwort: „Weil alles um der Menschen und nicht um der Engel willen erschaffen wurde, und weil beim Fall des Menschen das ganze [menschliche] Geschlecht abfiel, bei den Engeln aber nur ein Teil, und, außerdem der Mensch, nachdem er abfiel, büßte, während der gefallene Engel aufgrund seiner Reulosigkeit hoffnungslos ist, zudem war der Satan von selbst abgefallen, der Mensch aber verleitet worden, und deshalb hat er Gnade verdient.“

9. Frage: „Wenn Christus, nachdem ER in die Hölle hinabgestiegen war, fähig war, allein mit seiner menschlichen Seele die Seelen aller, die sich dort befanden, zu retten, warum ist ER dann nicht auch bei den Lebendigen auf diese Weise erschienen, sondern hat einen materiellen Leib angenommen?“ Antwort: „Weil der Mensch nicht nur mit der Seele, sondern auch mit dem Leib gesündigt hatte, und nicht nur die Gestorbenen in der Hölle, sondern auch die auf der Erde Lebenden, so wie auch diejenigen, die erst noch geboren werden sollen, Erlösung benötigten. Die in Christo mit Gott vereinte Seele erlöste die Seelen der Menschen von der Verweslichkeit, und der mit IHM vereinte Leib erlöste ihre Leiber. Wenn ER aber unmittelbar in seiner Göttlichkeit erschienen wäre, hätte niemand seine Erscheinung ertragen können.“

10. Frage: „Warum ist ER im Leibe nur den Juden erschienen, und nicht allen Menschen überall auf der Erde?“ Antwort: „Den Juden erschienen ER als den Frommsten, die sich zu seinem Vater als Gott bekannten. Es ist für den Menschen naturwidrig, sich gleichzeitig an mehreren Orten zu befinden, und wenn ER so vorgegangen wäre, wäre die Heilsordnung den Menschen wie Betrug oder Illusion vorgekommen.“

11. Frage: „Aber warum hat ER, der für alle gekommen war, nicht auch alle errettet?“ Antwort: „Da es für die Tugend anständig ist, nicht durch Gewalt und Tyrannei, sondern ausschließlich in Freiheit zu wirken.“

12. Frage: „Aber wie ist ER, der Gott ist, Mensch geworden?“ Antwort: Die Art der Fleischwerdung Gottes ist für den Menschen, der ‚nicht einmal deutlich weiß, was ein Wurm ist‘, unbegreiflich.“ Einwand: „Um so unvernünftiger ist es zu sagen, dass der unnahbare Gott das Fleisch des nichtigen Menschen angenommen habe; insbesondere, wenn diejenigen, die dies behaupten, nicht erklären können, wie dies geschehen sein sollte.“ Antwort: „Alles Göttliche ist dem Verstande zu hoch. Derjenige, der über die Fleischwerdung Gottes frevelhaft fragt, möge erst erklären, wie er selbst zum Menschen geworden ist. Wenn ihm dies aber schwerfällt, wie kann er es dann wagen, Größeres begreifen zu wollen?“

13. Ismael sagt: „Wenn die Art der Fleischwerdung Gottes meinen Verstand übersteigt und für mich deswegen unbegreiflich ist, so bedeutet das, dass ich auch nicht an sie glauben kann.“ Joseph fragt: „Meinst du also, dass es all das, was deinen Verstand übersteigt, überhaupt nicht gäbe?“ Ismael antwortet: „Ja.“ Der Orthodoxe bezeichnet das als Unsinn; denn dann müsse man alles Himmlische und Immaterielle verneinen, darunter das zukünftige paradiesische Wohl, und sogar Gott selbst, der jeglichen Verstand übersteigt.

14. Ismael: „Auch wenn Gott Fleisch werden sollte, hätte es IHM eher angestanden, seinen Leib aus dem Himmel, der Sonne bzw. den Sternen zu nehmen, oder seinen Leib aus dem Nichts zu erschaffen, anstatt sein Fleisch dem weiblichen Geblüt zu entnehmen.“ Die Antwort Josephs: „Doch waren es weder der Himmel noch die Sonne noch die Sterne, die gesündigt hatten, so dass Gott, DER Gleiches durch Gleiches retten will, den Leib der Sünder annahm. Und es ist nicht unsere Sache, für Gott zu entscheiden, wie es IHM besser angestanden hätte, das Rettungswerk zu vollziehen; denn so etwas hieße, dass wir uns vermessenerweise für weiser als Gott hielten. Außerdem ist der Mensch, der nach dem Ebenbild Gottes erschaffen ist, wertvoller nicht nur als die Sonne, sondern als jede sichtbare Schöpfung.“

15. Ismael stimmt zu, sagt aber, dass sein Unglaube mit der christlichen Lehre zusammenhänge, dass Christus nur von einer Frau, ohne Samen, geboren ist. Antwort: „Wenn wir glauben, wie wir es in der Schrift lesen, dass Eva aus einem Manne, Adam, entstanden ist, und dass Adam selbst aus Erde genommen war und weder Vater noch Mutter hatte, was hindert uns dann daran, zu glauben, dass Gott, DER Adam und Eva erschaffen hat, Fleisch aus jungfräulichem Geblüt annehmen kann?“

16. Ismael sagt, dass er mit diesen Argumenten einverstanden sei, aber an die Realität der Fleischwerdung Gottes nicht glauben könne, da diese als Werk Gottes nicht würdig und paradoxal sei. Joseph erwidert, dass die Erschaffung des Menschen aus Erde nicht weniger paradoxal sei, und was die Unwürdigkeit betreffe: „Falls Gott, nachdem ER Fleisch wurde, aus seiner Natur herausgetreten wäre, dann wären deine Worte richtig gewesen; aber wenn ER, nachdem ER der menschlichen Natur seine Würde gegeben hatte, selbst derjenige blieb, DER er vorher gewesen war – also der Unwandelbare – was wurde dann seiner Herrlichkeit entzogen?“

17. Frage: „Wenn ER seit seiner Geburt der vollkommene Mensch war, wie konnte es sein, dass seine Mutter nach der Geburt eines Kindes Jungfrau blieb?“ Antwort: „Wenn das Licht, das durch Glas oder Kristall hindurchgeht, dieses unversehrt lässt, was ist dann erstaunlich daran, dass das Allmächtige Wort den Leib, durch den ES hindurchgegangen ist, unverweslich bewahrte? So sollte es auch geschehen; denn die Erscheinung Gottes bringt niemals Schmerz oder Verwesung, sondern Freude und Unverweslichkeit. Und wenn wir glauben, dass Adam ohne Frau und Leiden eine Frau erzeugt hatte, warum weigerst du dich dann zu glauben, dass die Jungfrau [Maria] den Sohn ohne Mann und Leiden erzeugte? Wenn von Gott die Rede ist, sollte man nicht auf die Natur der Sachen achten, sondern der Kraft des Wirkenden vertrauen.“

18. Ismael lobt die Antwort und stellt seine nächste Frage: „Wenn Adam nach seiner Vertreibung seine Sünde lebenslang bejammert hatte, warum nahm Gott seine Buße nicht an und beseitigte damit die Notwendigkeit [seiner] Fleischwerdung?“ Joseph antwortete: „Adam hatte keine wahre Buße (d.h. Änderung des Denkens) getan, sondern sehnte sich nach dem Sündenfall nach dem im Paradies gebliebenen Baum des Lebens, und beabsichtigte, unsterblich zu bleiben, obwohl er sündig war; deswegen wurde seine Buße nicht beachtet. Er bedauerte nicht seine Sünde selbst, sondern das, was er dadurch verloren hatte; und Adam ins Paradies zurückzubringen, wäre so gewesen, wie einem Dieb zu erlauben, sein Diebesgut zu behalten.“

19. Frage: „Aber warum vollbrachte Gott seine Erscheinung im Fleische nicht direkt nach dem Fall des Menschen, sondern erst fünftausend Jahre danach?“ Antwort: „So wie ein guter Arzt ein Pflaster nicht sofort auflegt, wenn eine Wunde entstanden ist, sondern erst, nachdem der ganze Eiter herausgeflossen ist, eben so wartete auch Gott, bis alles Böse verübt worden war und die Wunde quasi ihre Vollendung erreicht hatte, und führte dann erst die Heilung durch.“

20. Frage: „Aber warum vernichtete Gott, nachdem er in der Welt erschienen war, nicht alle Idole und falschen Götter?“ Antwort: „So geschah es eben. Denn es hatte auf der Erde weder ein Land noch eine Stadt ohne Götzenaltar gegeben, noch einen König, der nicht mehrere Götter angebetet hätte. Aber Christus, indem ER kam, vernichtete alle ihre Altäre und schaffte die Vielgötterei ab, und brachte alle in den einen Glauben, indem ER lehrte, den Einen Gott zu verehren und anzubeten, und erfüllte die ganze Erde mit seiner Herrlichkeit.“

21. Frage: „Aber warum vernichtete ER dann nicht die Verfolger seiner Kirche?“ Antwort: „Da die Zeit des Gerichts noch nicht gekommen ist, und Gott mit Gewalt weder die Tugend erzwingt noch dem Bösen entgegenwirkt. Zudem scheinen auf dem Hintergrund von bösen Taten gute Werke heller auf und werden eher zum Gegenstand des Erstaunens, so wie auch erst die Krankheit den Nutzen und den Wert der Gesundheit erweist.“

22. Noch eine Frage: „Warum behaupten die Christen, dass Christus den Fluch aufgehoben und den Tod überwunden hat, wenn doch auch nach IHM alle so wie zuvor sterben, einschließlich der Christen?“ Antwort: „Ja, wir sind sterblich; doch weder sinken wir in die Hölle herab noch werden wir dort wie Gefangene gehalten, wie es mit den Menschen vor Christus gewesen war, sondern wir steigen zum Himmel empor, wo Christus bleibt. Der Tod ist die Unmöglichkeit, zum Leben zurückzukehren. Wenn wir aber, nachdem wir sterben, wieder lebendig werden und ein besseres Leben führen als zuvor, dann ist das sicherlich kein Tod, sondern der Schlaf und der Weg und das Emporsteigen zum wahren Leben.“

23. Frage: „Wenn die Seele Christi, nachdem sie in die Hölle herabgestiegen war, die Seelen derjenigen auferweckte, die dort [an IHN als den Heiland] zu glauben begannen, warum stellte dann sein Leib zugleich nicht auch ihre Leiber wieder her? Und warum erweckt ER die Gestorbenen nicht jeden Tag wieder auf?“ Antwort: „Damit die Hoffnung auf das Ende der Welt, die Auferweckung und das Gericht nicht verloren geht.“ Ismael fragt, warum Christus nach seiner Auferstehung nicht direkt den Menschen erschien. Joseph antwortet: „Doch eben dies tat ER, indem ER vor über fünfhundert Gläubigen sowie allen Aposteln und vielen Heiligen erschien.“ Und dass ER nicht vor allen erschienen sei, läge daran, dass nicht alle dessen würdig gewesen sind.

24. Frage: „Aber warum zeigt ER sich den Menschen nicht direkt und gewährt es nicht jedem, sich an [seiner] Berührung und Ansicht und Erkenntnis zu sättigen?“ Antwort: „ER hat das in seiner Fleischwerdung bereits vollzogen und bewirkt das [nun] eher mystisch, während ER uns durch Kontemplation zugänglich ist und mit uns untrennbar verbleibt, auch wenn für dich Uneingeweihten dieser Weg unverständlich ist.“

25. Ismael sagt, dass Christus nicht nur einmal als Mensch, sondern für immer als Gott erscheinen und göttliche Werke verrichten sollte. Antwort: „Das wird es nach dem Jüngsten Gericht geben. Doch noch geschieht es nicht, damit die Menschen die Freiheit haben, selbst ohne Zwang zwischen dem Guten und dem Bösen zu wählen.Außerdem, wenn ER jedem als Gott erschienen wäre, dann wären wir entweder dank der Kontemplation der göttlichen Natur Gottin Kontemplation und Wissen gleich geworden, oder Gott wäre selbst zu uns allen herabgestiegen, die wir ins Böse abschweifen und unbedacht sündigen.

26. Frage: „Warum wirkt ER dann nicht überall erstaunliche Wunder, um seine Göttlichkeit und seine Herrschaft über alles zu beweisen?“ Gegenfrage: „Aber welche Art von Wundern tat ER nicht, welche Art von Wundern bewirkten ER und seine Knechte – auch in aller Öffentlichkeit – nicht? Wunder gibt es jede Menge, und ihre Größe übersteigt jeden Verstand.“

27. Doch sollte ER, der Meinung Ismaels nach, Adam gerettet und alle bereits Verstorbenen wiedererweckt haben, sowie auch die Lebenden nicht mehr sterben lassen und sie unverzüglich unverweslich machen, und den Einen als Wohltäter, den Anderen aber als Richter erscheinen. Joseph antwortet: „Eben so tat es Christus. Denn ER errettete diejenigen, die vor IHM gestorben waren und auch diejenigen, die noch geboren werden, indem ER sie alle unverweslich machte – die Lebenden durch seine Anwesenheit und Gemeinschaft, die vorher Gestorbenen durch seinen Abstieg in die Hölle, und diejenigen, die auf der ganzen Erde zerstreut sind oder noch geboren werden, durch die Predigt und die Wunder der Apostel, sowie auch durch die Belehrungen ihrer Nachfolger. Diejenigen, die IHN nicht annehmen, verwerfen selbst ihre Erlösung.“

28. Frage: „Aber warum führte ER diese nicht gegen ihren Willen zu sich?“ Antwort: „Damit die Sünder nicht gegen ihren Willen gemeinsam mit den Gerechten erlöst werden. Es wäre unvernünftig zu sagen, dass es nicht richtig sei, dass dem Menschen der freie Willen gegeben ist, und dass nicht die freiwillige Tugend, sondern Zwang das Heil bringen sollte. Gott ist kein Tyrann.“

29. Frage: „Auch wenn Sünder dessen nicht würdig sein sollten; aber warum stehen die Gerechten nicht jeden Tag wieder auf?“ Antwort: „Die Zeit der allgemeinen Auferstehung ist noch nicht gekommen, und wenn schon vorher überall die Heiligen auferstünden, wäre dies sinnlos, da es dann auch keinen Glauben gäbe, dass auch die Sünder beim Jüngsten Gericht auferstehen werden, und die Dämonen könnten durch ihr Erscheinen in Gestalt von auferstandenen Menschen viele verleiten.“

30. Frage: „Warum verhinderte Christus nicht die Ankunft Mohammeds? Denn dieser zerstörte, nachdem er gekommen war, euren [christlichen] Glauben fast vollständig.“ Antwort: „All das fällt zusammen mit der Annäherung des Endes aller Zeiten und dem ihm vorausgehenden Antichrist, dessen Vorläufer eben Mohammed ist.  Joseph weist darauf hin, dass die meisten Völker (darunter zählt er Hindus, Äthiopier,  Rhomäer, Armenier, Georgier, Alanen, Bulgaren, Wlachen, Illyrer, Albaner, Russen, Germanen, Langobarden, Spanier, Italiener, Briten u.a.) sich zum Christentum bekennen, während Mohammed nur drei Völker folgten, ‚die schon vorher für ihre Unvernunft bekannt gewesen‘ und vom Islam mit Gewalt versklavt worden seien (Sarazenen, Ismaeliten und Skythen). Sie werden vor dem Angesicht Gottes untergehen, so wie alle, die der Wahrheit widersprechen. Das Reich Christi aber wird kein Ende haben.“

31. Joseph, der seinen Gedanken fortführt, weist darauf hin, dass jedes Volk, sogar ein zahlreiches und starkes, mit der Zeit seine Macht verlieren und verschwinden müsse. Er erinnert an die großen alten Herrscher (Kyros, Dareios, Alexander der Große,Xerxes) und die großen Völker, von denen nicht einmal eine Spur zurückgeblieben sei. Das Geschlecht der Christen sei „lediglich zerstreut, wird aber nicht verloren gehen; auf die anderen Völker aber wartet der Untergang, wie es prophezeit ist“. Dass die Rhomäer, im Gegenteil zu den anderen Christen, sich vor allem um die Tugenden kümmern, das entzündet den Neid der Dämonen.

32. Ismael sagt, dass Gott sein Volk liebe und mehre, wobei zu ersehen sei, dass Muslime, im Gegensatz zu Christen, gedeihen und prosperieren würden, „woraus zu erschließen ist, dass der Glaube an den Propheten Mohammed besser ist als der an Christus“, und dass jeder, der an den ersteren glaube, von Gott verherrlicht würde. Der Mönch antwortet: „Der Mensch kann es Gott nur durch seine Tugenden recht machen, als da sind: Liebe, Reinheit, Demut und alle, die davon abstammen. Aus dem Gedeihen und Prosperieren wird aber keine dieser Tugenden geboren, sondern entsteht vielmehr das Gegenteil: Laster, Streit, Ausschreitungen, Hochmut usw. Deswegen ist das prosperierende Volk der Muslime für immer durch das Vergießen menschlichen Blutes befleckt, welches sich dabei, was am schlimmsten ist, auch noch für gottgefällig hält. So ist die Vergeltung Gottes für den Glauben an Mohammed Unzucht, Stumpfsinn, Trunksucht und Mord. Möge solche ‚Herrlichkeit’ und der daran schuldige Dämon, und jeder, der denkt, dass Gott daran schuld sei, untergehen! Gott verherrlicht seine Kinder durch Gnade, Wunder und unverwesliche Herrlichkeit, die in dem ewigen Leben mit IHM besteht. Weltliche Güter dagegen sind nur leerer Wahn.“

33. Alle Gerechten hätten immer und überall in Bedrängnis gelebt (es werden Abraham, Jakob, Hiob, Moses, David, Elias, Jeremia und Daniel erwähnt). Auch die babylonischen Heiden seien einst stärker als die an Gott glaubenden Juden gewesen; „diese wurden versklavt und ihr Glauben verspottet, während jene gediehen und prosperierten.“ Das bedeute aber nicht, dass der heidnische Glauben richtig gewesen wäre. All ihre Zahl sei quasi „Dünger für den Boden“ geworden, während das Gedenken derjenigen, die Gott treu geblieben seien, ewig währe.

34. Ismael führt die Worte Christi an: „Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wußte und (…) nicht (…) nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden; wer ihn aber nicht wußte, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden(Lk12,47-48): der erste Knecht stünde für die Christen, der zweite aber für die Muslime. Folglich müsse das jenseitige Schicksal der Muslime nach dem Evangelium sogar besser sein als das der Christen. Antwort: “Dieser Vergleich ist falsch, da die Muslime keine Knechte Christi sind, sondern seine Feinde. Ein Knecht wird einer Bestrafung um der Erziehung willen unterzogen, ein Feind dagegen dem Tode anheimgegeben.“

35. Ismael verweist auf die muslimischen Bücher, die versprächen, dass Mohammed am Tage des Gerichts für die Muslime vor Jesus dem Richter sprechen würde, und sie alle Erbarmen und Wonne erfahren sollten. Joseph verweist darauf, dass Fürbitten von Propheten diejenigen, die ungerecht leben, nicht würden retten können (Hes 14,13-20), und zweitens, dass einer, „der der schon immer Unrecht verübte und Gotteswidriges dachte und so viele Völker abtrünnig machte“, so dass Gotteshäuser zerstört, Ikonen Gottes zertreten und seine Knechte ermordet wurden, keinesfalls vor Gott ein Fürsprecher für jemanden sein könne.

36. Nächste Frage: „Falls Christus wirklich Gott ist, und die Christen zu IHM um Erlösung von den Muslimen und anderen Bedrängnissen beten, warum lässt ER dann aber zu, dass „ihr unter uns leidet“? Ist ER gar kein Gott, oder ist ER den Christen gegenüber ungnädig, oder beten sie nicht richtig?“ Antwort: „Dies geschieht, wenn Christen nur mit ihren Mündern bitten und in Sünde leben und wenn ihre durch Gebete verborgenen Wünsche sie nur noch weiter von Gott entfernen. Christus befreit aber seine Berufenen von vielen Leiden und bewahrt unser Reich und wird dort für immer herrschen.“

37. Ismael sagt, dass Christen und Muslime sich „nur in ihren Worten“, und nicht in ihren Werken unterscheiden würden. Auch unter Muslimen gäbe es solche, die erbarmungsvoll, weise und gutgesinnt seien. Sei es denn da gerecht, sie unter die Sünder zu platzieren? Joseph antwortet: „Dass ihre Strafe durch ihre Tugenden abgemildert wird, ist nicht unwahrscheinlich. Sie zu den Treuen zu rechen aber ist unmöglich.“ Auch wenn Werke der Gerechtigkeit äußerlich ähnlich sein könnten, würden sie mit verschiedenerlei Absicht verrichtet. Doch urteile  Gott nicht nur nach den Werken, sondern auch nach den Absichten. Auch Sünder, die Christen seien, würden sich von Sündern, die Muslime sind, unterscheiden; denn während Erstere  ihre Sünden büßten, würden Letztere ihre Sünden gar nicht erkennen.

38. Frage: „Warum ist für vorübergehende Fehltritte eine ewige Bestrafung vorgeschrieben?“ Antwort: „Da die innere Gesinnung des Menschen beurteilt wird, die sich in seinen Werken lediglich äußert. Wahrlich gläubige und tugendhafte Menschen haben eine unsterbliche Gesinnung nach dem Guten; eben darum gehen sie in die endlose Seligkeit, ebenso wie diejenigen in die ewige Bestrafung gehen, die eine Gesinnung und Leidenschaft zum Sündigen haben.“

39. Frage: Warum gebietet Gott denjenigen, von denen ER weiß, dass sie zur Sünde gesinnt sind, nicht von Geburt an Einhalt?“ Antwort: „Da geboren zu werden besser ist, als nicht geboren zu werden, und zu sein besser ist, als nicht zu sein, deshalb erschuf Gott alles.“ Einwand: „Aber für einen Menschen, der gesündigt hat und bestraft wird, wäre es besser, nicht geboren zu sein, als geboren zu sein, da das Sein ihn zum Gegenstand der Bestrafung macht.“ Antwort: „Das Sein an sich macht niemanden zum Gegenstand der Bestrafung, sonst würden alle Seienden bestraft.“

40. Frage: “Gibt es eine Zukunft oder nicht?“ Antwort: „Ja und nein. Es gibt die vorhergesagte Auferweckung, das Gericht und die Vergeltung; aber es gibt keine Zukunft, die für jeden festgelegt und ihm als etwas, was geschehen muss, bestimmt wäre. Erzeugt aus den Werken, die der Mensch frei verrichtet, geht sie von der Geburt bis zum Tode und folgt dem Menschen nach in die Ewigkeit. Anderenfalls wären Sünder nicht für ihre Fehltritte – da sie ihnen sonst vorbestimmt gewesen wären - verantwortlich, und Gerechte ficht für ihre guten Werke.“

41. Frage: „Kennt Gott nicht die Zukunft jedes Menschen, und ist ER nicht derjenige, der das Geschehene vorbestimmt?“ Antwort: „Die ganze Gegenwart und Zukunft sind vor seinen Augen. Aber Gott, DER alles weiß, wird uns nie etwas vorbestimmen; die Göttliche Vorsehung begrenzt nicht die menschliche Freiheit, da ER uns weder zum Guten noch zum Bösen zwingen will.“ Es wird das Beispiel des Menschen angeführt, der aus der Ferne einen Wanderer sieht, der da geht, wo sich Räuber befinden, und ihnen in die Hände fällt – es  ist nicht die Beobachtung, die Ursache des Geschehnisses ist. „So ist nichts von dem, was Gott im Voraus sieht, Ursache des uns Geschehenen. Gott ist Urheber des Seins der menschlichen Natur und ihre Tugend; Urheber des Willens zu Sünde und Verderben ist aber der Teufel.“

42. Einwand: „Aber aus der Natur kommt der Willen; vom Willen aber die Sünde. Das heißt: Derjenige, der die Natur zum Sein bringt, erzeugt auch den Willen, der daraus stammt.“ Antwort: „Wenn der böse Wille von der Natur ausginge, dann wären alle, die diese Natur beherrschen, böse. Kein Mensch wurde von Gott zur Bestrafung vorherbestimmt; manche verfallen ihr vielmehr deswegen, weil sie aus eigenen Willen zu Knechten der Sünde wurden. Die Worte Christi über Judas (Mt 26,24) sollten nicht auf alle angewendet werden.“

43. Das Gespräch geht auf das Thema „Dreiheit“ über. Ismael bezeichnet diese Lehre als seltsam und sagt: „Falls Gott Eins ist, kann es nicht drei geben; falls es drei gibt, kann es den Einen nicht geben.“ Antwort: „Ja, das ist seltsam; darum aber eben auch göttlich. Wäre solch eine Lehre in den anderen Religionen gewöhnlich, wäre das ein Zeugnis ihrer Nicht-Göttlichkeit. Das Geheimnis der Dreiheit des Einen Gottes ist höher als jeder Beweis, da es eine übernatürliche Tatsache darstellt.“

44. Joseph, der der Bitte des Muslims nachkommt, erklärt: „Christen glauben an den Einen Gott, bei dem das Wort [der Logos] ist (denn ein wortloser Gott [ohne Logos] kann nicht sein), und das Wort hat den Geist, da kein Wort ohne Pneuma sein kann. Das Wort Gottes und der Geist sind hypostatisch, so dass Christen an sie nicht wie an drei Götter glauben, sondern als an drei Hypostasen bei einem Wesen. Als Beispiel diene die Struktur der menschlichen Seele, die Verstand, Wort und Geist hat; das heißt, wir sehen drei in Einem.“

45. Einwand: „Aber die drei Hypostasen der menschlichen Natur sind ja immerhin drei verschiedene Erscheinungsformen des Menschen [– Mann, Frau und Kind –], und nicht nur eine. Wieso sind es denn dann nicht auch drei verschiedene Götter?“ Antwort: „Die Bezeichnung ‚Mensch‘ erweist die menschliche Natur und weist auf ihr Wesen hin. Die göttliche Natur hat aber keinen Namen, der den Menschen bekannt wäre. Deshalb bezeichnen die göttlichen Hypostasen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes nicht die Natur, sondern weisen auf die Wirkung (Energie) hin. Da diese Wirkung zum gleichen Maße aber der Vater, der Sohn und der Heilige Geist haben, ist jeder persönlich Gott, und alle drei zusammen sind der eine wahre Gott. Drei Menschen, die die eine Natur haben, sind nicht Eins, da sie unterschiedliche Wirkungen haben, und die persönliche Wirkung des Einen die zwei Anderen persönlich nicht haben können. Gott ist aber Eins, da es bei den göttlichen Personen keinen Unterschied in der Wirkung gibt. Was der Vater zu tun beabsichtigt, dasselbe beabsichtigen sofort der Sohn und der Heilige Geist, usw. Der ganze Vater lässt sich im ganzen Sohn und im [ganzen] Geist sehen. Und der ganze Sohn existiert im Vater und im Geiste, und der Tröster ist im Vater und im Sohn zu spüren. Bei Menschen ist es aber nicht so; außerdem sind drei Menschen sowohl durch den Raum als auch durch die Form als auch durch die Zeit getrennt, die göttlichen Hypostasen dagegen nicht.“

46. Ismael gesteht, dass er durch die Worte des Mönches überzeugt worden sei und sich taufen lassen möchte. Dazu werde er auch durch die Tatsache angeregt, dass seine Mutter orthodox gewesen sei. Er fragt, was man nach der Taufe machen solle, um sich erlösen zu lassen? Joseph antwortet, man solle sich, bevor man etwas tue, prüfen, ob die Tat Gott gefällig sei; und wer von den Heiligen so vorgegangen sei, habe in allem den Willen Gottes getan. Danach verabschieden sich beide wohlwollend voneinander.

 


[1] Сметанин В.А . Восприятие общественных проблем православным мыслителем (Иосиф Вриенний) // Античная древность и средние века. Византия и сопредельный мир. Свердловск, 1990 г. - С.137

[2] Архим. Арсений . О жизни и сочинениях иеромонаха Иосифа Вриенния // Православное Обозрение М., 1879 г. Т. 2. - С. 444.

[3] Αστέριου Αργυρίου. « ωσήφ το Βρυεννίου μετά τίνος σμαηλίτου διάλεξη» // EEBS № 35, 1966. — S. 144.

[4] Αστέριου Αργυρίου. « ωσήφ το Βρυεννίου μετά τίνος σμαηλίτου διάλεξη» - S. 143.

[5] архим. Арсений . О жизни и сочинениях иеромонаха Иосифа Вриенния // Православное Обозрение М., 1879 г. Т. 2. - С. 100.

[6] Αστέριου Αργυρίου. « ωσήφ το Βρυεννίου μετά τίνος σμαηλίτου διάλεξη» - S. 152.

[7] Lk 2,34. (Anm.d.Ü)

[8] Αστέριου Αργυρίου. « ωσήφ το Βρυεννίου μετά τίνος σμαηλίτου διάλεξη» - S. 154.

[9] Αστέριου Αργυρίου. « ωσήφ το Βρυεννίου μετά τίνος σμαηλίτου διάλεξη» - S. 155.

[10] Αστέριου Αργυρίου. « ωσήφ το Βρυεννίου μετά τίνος σμαηλίτου διάλεξη» - S. 141.

 

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