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Goldener Fonds

Konstantinopeler Pfadfinder: ein Spaziergang durch Istanbul

16. September 2011
Am 15. September 2011 hielt Dr. hist. Sergey Ivanov, Professor an der Staatsuniversität St. Petersburg und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Slawistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, im Moskauer Cafe „PirO.G.I. na Sretenke“  eine Vorlesung über „Konstantinopeler Pfadfinder: Spaziergang durch Istanbul auf der Suche nach Konstantinopel“.

Anlass der Vorlesung war das Erscheinen des Buches „Auf der Suche nach Konstantinopel: ein Reiseführer durch das byzantinische Istanbul und die Umgebung“. Doch dieser Reiseführer ist ungewöhnlich. Wie der Autor selbst in einem Interview an das Portal „Bogoslov.Ru“ sagte, begleitete er zehn Jahre lang Studenten auf Studienreisen nach Istanbul, bei denen er zwei Funktionen erfüllte: eine wissenschaftliche und eine touristische. „Bei mir entstand das Gefühl, dass es kein Buch gibt, das wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem Reiseführer vereint. Ich wollte, dass es so lebendig ist, dass man ‚die Hand hineinlegen‘ kann. Mein Buch ist weder ein Reiseführer für Istanbul noch ein Handbuch für die Geschichte von Byzanz. Ich biete dem Leser ein Buch, das er lesen kann, auch ohne auf Reisen zu sein. In diesem Buch geht es weder um die prachtvollen osmanischen Denkmäler von Istanbul, noch um das moderne Leben der Megapolis, noch um Gaststätten (Hotels werden nur erwähnt, wenn sie auf Ruinen stehen), noch um Restaurants (es sei denn, sie sind über byzantinischen Bauten errichtet worden), noch um Geschäfte. Dieses Buch ist ein Reiseführer, der ausschließlich dem byzantinischen Konstantinopel gewidmet ist.“

Wie Ivanov zu Beginn seiner Vorlesung anmerkte, ist das Reiseführergenre sehr konservativ. So erzählen Reiseführer heute Touristen noch fast das gleiche wie schon vor fünfzehn oder fünfundzwanzig Jahren. Inzwischen hat aber der Umfang der wissenschaftlichen Information über Konstantinopel in den vergangenen Jahren wesentlich zugenommen. Von diesen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen war bei der Vorlesung die Rede. Dem Leser wird im folgenden ein ausführliches Skript dieses Vortrags angeboten.

 

Die Prophezeiung von Andreas, dem Narren in Christo

In der berühmten Vita von Andreas, dem Narren in Christo, die im 10. Jahrhundert in Konstantinopel geschrieben und zu eine Hauptwerk der russischen Literatur und Vorbild für die ganze russischen Narrheit in Christo wurde. prophezeit Andreas den Untergang Konstantinopels; werde irgendwann im Meer versinken und ‚nur die Säulen auf dem Forum werden erhalten bleiben, auf dass ankommende Schiffe ihre Seile daran anbinden, und Matrosen werden weinen und sagen: „Oh weh uns, da unsere große Stadt von einem Urschlund verschluckt wurde‘.“

Die Prophezeiung von Andreas, dem Narren in Christo, erfüllte im höchsten Maße – Konstantinopel ist nicht mehr. Es ist in einer fremden Zivilisation versunken; an seiner Stelle steht eine andere Stadt, die anders heißt, in der ein Volk einer anderen Religion, einer anderen Zivilisation, einer anderen Sprache wohnt; und alles, was uns geblieben ist, sind nichtige Krümel des vergangenen Konstantinopel. Wir kennen die Namen von 450 Kirchen in Konstantinopel, von denen heute nur noch etwa ein Dutzend existiert. Wir kennen Hunderte Namen von Straßen, Plätzen, Säulengängen, Palästen, Wasserhäusern und Tavernen und können doch nur weniger als ein Prozent davon identifizieren.

Meine Aufgabe ist es, zu erzählen, was in den letzten acht Jahren Neues gefunden wurde und wie das unsere Vorstellungen über Konstantinopel beeinflusst. Die traditionelle Touristenroute beginnt an der Hagia Sophia, dem meistbesuchten Denkmal der Türkei, und es ist wohl angemessen, unser Gespräch auch dort zu beginnen.

 

Hagia Sophia

Obwohl es so scheint, als ob von der Hagia Sophia jeder Ziegelstein bekannt wäre, entdecken Wissenschaftler in Wirklichkeit immer etwas Neues. Erstens gibt es da besondere historische Fakten und Sehenswürdigkeiten, die längst bekannt sind, aber aus unerfindlichen bürokratischen Gründen den Touristen nie gezeigt werden. Zum Beispiel ist der Saal der Patriarchengeheimnisse geschlossen, da dort die Archive des Museums gelagert werden. Es ist unmöglich, dort hineinzukommen; man kann lediglich durch den Schlitz der nicht dicht geschlossenen Türen hereinschauen, um die einzigartigen Mosaike aus dem 9. Jahrhundert zu sehen.

Das ist längst bekannt. Soeben erst aber wurde publik, dass 2008 im nordwestlichen Teil der Hagia Sophia eine Treppe gebaut und dafür der Putz von den Wänden entfernt wurde, wobei verschiedene erstaunliche Dinge ans Licht kamen: mehrere Fresken und ein Raum, der von Konstantin Porfirogenetos in seinem Traktat „Über die Regierung des Reiches“ mehrmals beschrieben wurde. In diesem Raum gibt es einen Kreis aus Porphyr, einem Stein, der in Afrika bis ins 5. Jahrhundert gewonnen worden war. Es handelt sich um den sogenannten Omphalos („Nabel“), in dem der Kaiser am Karsamstag stehen und von dort den Raum durch den St.-Nicholas-Korridor umschreiten musste. Dieser Raum wurde erst im vergangenen Jahr erforscht.

Oder etwas anderes: Lange nach dem Bau der Hagia Sophia wurde sie von allen Seiten von Stützhilfen umgeben. Das waren robuste Stützwände, die das Gebäude vor Erdbeben schützen und den Zerfall der im Laufe der Jahrhunderte zerfallenden Säulengänge und Wände aufhalten sollten. Es stellte sich heraus, dass die südwestliche Stützwand hohl war. Oben, in der Kapelle, fanden Wissenschaftler wertvolle Fresken, die bis dahin unbekannt waren.

 

Der “Große Palast“

Der heilige „Große Palast“ der byzantinischen Kaiser befand sich direkt am Bosporus und bildete ein eigenes Stadtviertel, vergleichbar der „Verbotenen Stadt“ der chinesischen Kaiser in Peking oder Versailles. Er bestand aus einet Vielzahl von Gebäuden und zahlreichen Pavillons, Korridoren, Sportplätzen, Gärten, Kirchen und Schwimmbädern. Schon seit Jahrhunderten bemühen sich italienische Wissenschaftler um Ausgrabungen in diesem Stadtviertel, die aber nicht richtig vorangehen.

Das Palast zerfiel bereits in byzantinischer Zeit, nachdem Kaiser und Hof in den Blachernae-Palast am Stadtrand umgezogen waren. Bereits im 14. Jahrhundert, schreibt ein Wissenschaftler, fungierte er ausschließlich als Latrine. In osmanischer Zeit wurde das Viertel neu bebaut. 1912 wütete dortein großes Feuer, das alles, was die Türken aufgebaut hatten, zerstörte und das Fundament eines großen Palasts freilegte. Der erste, der zur Brandstelle eilte, war übrigens Boris Pantschenko, Sekretär des russischen archäologischen Instituts von Konstantinopel. Er fotografierte die wieder sichtbaren byzantinischen Ruinen. Dann begann der Krieg, das russische Institut wurde geschlossen, und seine Fotos wurden erst zwei Jahre später publiziert.

Witte More, ein unternehmungslustiger Amerikaner, der Byzanz leidenschaftlich liebte und mit Atatürk befreundet war, überzeugte diesen, ein Dekret zu verabschieden, das jeglichen Bau im alten Palastbezirk untersagte. Dieser Erlass wurde veröffentlicht und ist formal immer noch gültig. Deswegen wurden in diesem für Touristen attraktivsten Bezirk von Istanbul lediglich Holzbuden errichtet, nicht höher als zwei Etagen, auf eigene Gefahr und stets vom behördlichen Abriss bedroht. Doch die Versuchung war groß, und allmählich, und seit den 1970er Jahren begann man, heimlich Steinhäuser zu errichten.

Natürlich stießen die Arbeiter beim Grubenaushub immer wieder auf Fundamente, Fresken, Statuen und Steinböden. Die Besitzer mancher großer Gaststätten gerierten sich selber als Museumsdirektoren und präsentierten die auf ihrem Territorium gefundenen Ruinen in ihren Räumlichkeiten dem Publikum – freilich ohne ernsthaften wissenschaftlichen Anspruch. Vom Standpunkt der Archäologie sind diese selbstgemachten Museen ein Unding, aber immerhin sind die dort ausgestellten Stücke öffentlich einsehbar. Die Besitzer anderer Gaststätte schütteten alle Funde wieder zu – in ihren Kellern befinden sich uralte Teile des Palastes, doch sie sind nicht zugänglich.

All dies ist eigentlich außergesetzlich. Allerdings hat der türkische Staat weder Mittel noch Lust, archäologische Ausgrabungen durchzuführen. Im Ergebnis gibt es also in verschiedenen Teilen dieses gigantischen Stadtviertels, in Kellern von Geschäften und Reisebüros, solche quasi eigenständige Museen – oft beeindruckend, manchmal grandios. Ihr Status ist ungeklärt. Sie können keine Werbung für sich machen, denn sie sind nicht offiziell, und die Exponate sind nicht ihr Eigentum. „In meinem Buch habe ich, nach Möglichkeit, all diese Geschäfte und Reisebüros beschrieben – wie man dort hinkommt, und was man dort hätte sehen können.

Der bedeutendste Fund der vergangenen Jahre ist das Untergeschoss der Moschee „Kapi Agasi Mehmet Aga Camii", das als das Fundament der Kirche zur Ehren von Johannes dem Theologen identifiziert wurde. Sie wird in einem kuriosen Traktat über die Zeremonien des byzantinischen Hofes erwähnt, in dem haarklein beschrieben ist, wer in welcher Minute wo und was zu tun habe. Dank dieses Textes wurde mehr oder weniger klar, wie die anderen Palastteile rund um dieses Gotteshaus gruppiert waren.

Bereits viele Jahre existiert ein Plan für einen archäologischen Park auf dem Territorium des Großen Palastes, der auch weiter entwickelt wird. „Er hätte schon vor drei Jahren eröffnet werden sollen, aber wie ich von den Archäologen, die dort arbeiten, weiß, stößt das Projekt auf riesige Schwierigkeiten. Es gibt  eine starke Lobby dagegen, und deshalb können wir in den nächsten Jahren kaum mit Fortschritten rechnen.“

 

Das Goldene Horn

An der Küste am Goldenen Horn befindet sich das Geschäftsviertel „Balkapani Han", das in osmanischer Zeit seit der Eroberung von Konstantinopel erbaut wurde. Dort wurde eine riesige Ladenreihe entdeckt, die, wie sich herausstellte, nicht von den Osmanen, sondern in spätbyzantinischer Zeit von Venezianern erbaut worden war. Die dort arbeitenden Menschen ahnten nicht, dass die Gebäude um das Jahr 1220 errichtet worden waren. Die Ausrichtung der Straßen ist dort heute noch zhu erkennen.

 

Eine unerwartete Entdeckung auf dem „Fünften Hügel“

Im Sagensammlungenaus byzantinischer Zeit wird davon berichtet, dass auf dem „Fünften Hügel“ Konstantin der Große bei der Stadtgründung ein Bordell-Viertel errichtet habe. Das Buch „Die Altertümer von Konstantinopel“ nennt ein interessantes Detail: „Auf der Hügelspitze baute Konstantin der Große ein Bordell, vor dem auf einem gewundenen Steinsockel eine Statue der Aphrodite stand. Diese wurde für errichtet, um die Jungfräulichkeit zu testen. Galt ein Mädchen als entjungfert und bestritt dies, sagten ihr die Eltern und Bekannten: “Gehen wir zu Aphrodite-Statue, und wenn du rein bist, wird es sich dort herausstellen.“ Wenn sie an der Statue ankam und die fragliche Frau keine Jungfrau mehr war, wurde sie von Finsternis umfangen, so dass sie, gegen ihren Willen und Wunsch, ihre Kleider hochhob und allen ihre Schamteile zeigte. Einmal wollte die Schwester der Frau eines Würdenträgers namens Justin zum Badehaus nach Blachernae gehen. Da ein riesiger Sturm aufzog, gab es keine Möglichkeit, auf kaiserlichen Schiffen dorthin zu fahren; sie entschied sich also, zu reiten. Als sie an der Statue vorbeifuhr, wurden ihre Schamteile entblößt und dadurch bewiesen, dass sie Unzucht getrieben hatte. Dafür ließ sie die Statue zerstören.

Die Statue soll also zerstört worden sein. Die Säule, auf der sie gestanden haben soll, ist aber stehengeblieben. Und im vergangenen Jahr bewiesen Wissenschaftler aufgrund von osmanischen Archiven, dass diese Säule im 16. Jahrhundert von Sultan Süleyman I. verwendet wurde, um die   Süleymaniye-Moschee  aufzubauen, wo sie noch heute von der nordöstlichen Seite zu sehen ist.

 

Hafen

Während in dicht bebauten Bezirken archäologische Forschung generell schon äußerst schwierig ist, erweist sie sich in Istanbul als nahezu unmöglich, da dort noch politische Widerstände hinzukommen. Doch es gab einen seltenen Fall, in dem für die Forschung ideale Bedingungen herrschten – die Errichtung eines Unterwassertunnels zwischen Asien und Europa seit 2004. Direkt nach Beginn der Bauarbeiten wurden die Überreste des byzantinischen Hafens Theodosia freigelegt.

Dies ist ein riesiges Territorium, das bereits in byzantinischer Zeit zu versanden begann und als Hafen so unbrauchbar wurde. Für die Ausgrabungen wurde kein Zeitlimit gesetzt, und so fanden Archäologen 36 Schiffe, von denen manche erstaunlich gut erhalten waren. Teilweise blieb sogar die Ladung erhalten – Nüsse und Früchte. Auch Landungsseile und Piere wurden gefunden sowie Skelette von Pferden, die auf den Pieren eingesetzt wurden. Aus diesen Skeletten wurde das elende Leben dieser Tiere rekonstruiert – an ihren Schädeln ist zu sehen, dass ihre Mäuler von Trensen zerrissen und sie fast alle daran gestorben waren, dass man ihnen die Mundknochen gebrochen hatte.

Größtes Erstaunen löste bei Wissenschaftlern die Erkenntnis aus, dass der Theodosia-Hafen im 11. Jahrhundert nicht wegen der allmählichen Verschlammung des Bodens, sondern in Folge eines Tsunamis aufgegeben wurde, von dem in keiner Quelle berichtet wird.

 

Stadtmauern

Die Tore von Konstantinopel sind in verschiedenen Quellen vielfach erwähnt, doch ist nach wie vor unklar, welche modernen Tore welchen historischen Namen entsprechen. Erstens erfüllten die alten Mauern  von Theodosia (die längste Verteidigungserrichtung der Stadt) weiterhin Verteidigungsfunktion; die Osmanen brachen neue Tore hindurch und schlossen die alten, und auf die neuen Tore wurden z.T. alte Namen übertragen; im Ergebnis wurden die alten Bezeichnungen verschoben oder gelöscht.

Aufklärung in dieser Frage ist nicht einfach; z.B., wo und durch welches Tor die Osmanen am 29. Mai 1453 in die Stadt eindrangen. Es wird vermutet, dass es das St.-Romanos-Tor war; doch wo lag dieses? Vor vier Jahren wurde nun eine Platte gefunden, auf der „St.-Romanos-Tor“ geschrieben stand, und zwar an ganz anderer Stelle als vermutet. Eben hier war die letzte Kommandozentrale von Konstantin XI. gewesen, und hier hatte er sich zu fliehen geweigert und war gestorben.

 

Aquädukte

Konstantinopel war eine der wenigen Hauptstädte, die keinen Süßwasserzugang haben. Wasser wurde aus dem heutigen Bulgarien über Aquädukte geliefert. Der große Teil dieser Aquädukte ist vernichtet worden, aber ein Team von britischen Archäologen konnte den Weg eines dieser Aquädukte mehrere Dutzende Kilometer entlang rekonstruieren. Reste von Aquädukten sind schwer zu finden – sie befinden sich in oft Wäldern und Unterholz. Wenn es dann doch gelingt, entfährt den Archäologen ein unwillkürlicher Aufschrei des Entzückens: faszinierende, unglaublich feine Bögen. Sie sind so gemacht, als ob sie im Stadtzentrum stehen sollten – so fein ist die Steinbearbeitung und Details. Aber sie waren gar nicht für fremde Augen bestimmt. Die britischen Wissenschaftler nennen die Koordinaten dieser Aquädukte nicht öffentlich, um Plünderungen vorzubeugen, da solche Errichtungen sehr schwer zu konservieren sind.

 

Byzantiner, Lateiner und das Schisma

Die Entzweihung von West- und Ostrom hatte wenig Folgen für das Leben der einfachen Menschen. Der erste Kreuzzug war ein Beispiel für die funktionierende militärische Zusammenarbeit von Byzantinern und Katholiken. Im 12. Jahrhundert übernahmen die Byzantiner vielerlei Erkenntnisse des Westens. Beim vierten Kreuzzug aber wollten sich vor allem die Venezianer bereichern, sie hatten kein echtes religiöses Interesse, und so zerstörten sie die Stadt. Als der Römische Papst von der Zerstörung Konstantinopels durch die Venezianer erfuhr, exkommunizierte er sie.

Im nördlichen Teil des Goldenen Horns, in Galata, das mehrere Jahrhunderte lang den Katholiken gehörte, gibt es einen riesigen gotischen Dom aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts – den St.-Paulus-Dom. Er wurde direkt nach dem Fall von Byzanz in eine Moschee umgewandelt und nie erforscht. Aber während des letzten Erdbebens fiel ein Teil des Putzes ab, und es stellte sich heraus, dass die Wandmalerei des Doms offensichtlich von Byzantinern stammte dass die beiden Konfessionen viel friedlicher miteinander lebten, als wir es uns heute vorstellen.

Ein anderes Beispiel ist die Kirche zu Ehren von Maria Kenosis: dort wurden Wandmalereien aus der Zeit der katholischen Besetzung gefunden. Darunter gibt es eine der frühesten Abbildungen des Heiligen Franziskus, sehr fein von lateinischen Meistern gefertigt.

 

Die Mumie und ihr Kopf

Das Yedikule-Gefängnis hat, so seltsam es klingt, große Bedeutung für die russische Geschichte. Dort wurden Gesandte aller Länder festgehalten, mit denen die Hohe Pforte Krieg führte. Die Gefangenen beschrieben die Wände, auch auf Russisch, denn viele russische Gefangenen der Osmanen saßen dort ein. Das ist eine faszinierende historische Quelle, die aber bedauerlicherweise rasch zerfällt.

Es gibt zahlreiche Anekdoten, die mit dem städtischen Legenden und dem Yedikule-Gefängnis verbunden sind. Zum Beispiel existierte bei den Griechen die Legende, dass Kaiser Konstantin XI. nicht gestorben, sondern von einem Engel in eine Statue verwandelt worden sei. Jetzt schlafe er tief und würde irgendwann einmal erwachen und die Eroberer vom byzantinischen Mutterland verjagen. Als 1717 eine ägyptische Mumie nach Schweden transportiert werden sollte, argwöhnte die osmanische Regierung, dass mit dieser Mumie etwas nicht stimme und dass es sich eventuell um Kaiser Konstantin handele; also warfen sie die Mumie ins Gefängnis. 1798 ergab es sich, dass der damalige französische Gesandte in der selben Zelle mit dieser Mumie saß. Ihre gemeinsame Gefangenschaft dauerte sehr lange, und sie wurde ihm völlig vertraut. Als er schließlich freitkam, brach er der bedauernswerten Rarität den Kopf ab  und nahm sie mit sich als Erinnerung an seine Gefangenschaft.

 

Nationalfrage

Die Griechen, die während des Angriffs weder getötet worden noch entflohen waren, waren von großem Interesse für den Sultan, denn er wollte in dieser riesige Stadt residieren, aber seine eigenen Untergebenen waren zumeist Bauern. Deshalb brachte er sogar eigens griechische Bevölkerung nach Konstantinopel. So waren unter den ersten 48 Großwesiren nur sieben Osmanen; alle Anderen waren griechische Christen, und sie dienten ihrem Sultan voller Ergebenheit. Vorstellungen vom Ende des 19. Jahrhunderts dürfen eben nicht auf das Mittelalter übertragen werden.

Später war das griechische Viertel Fener das reichste in Konstantinopel. Hier wurden Minister, Diplomaten, Übersetzer und sogar Regenten rekrutiert, die im Namen des Sultans wirkten. Die griechische Bevölkerung von Konstantinopel wünschte es am wenigsten, sich der nationalistischen griechischen Bewegung anzuschließen, denn sie betrachteten den armen griechischen Staat mit großer Verachtung.

Menschen verschiedenen Glaubens, die in dieser Stadt lebten, hatten großen Respekt voreinander. So nahm der Großwesir an allen christlichen Festen teil, und der Sultan kam, um zu schauen, wie die Christen sich am Osterfest erfreuten. Im Allgemeinen lebten sie Seite an Seite als gute Nachbarn. „Und alles Unglück geschah erst seit Ende des 19. Jahrhunderts; davor lebten dort Griechen, die diese Stadt für ihre eigene hielten.“ 

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