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Goldener Fonds

Bedeutet die neue Pentarchie eine neue Katholizität?

8. November 2011
Anfang September 2011 fand in Istanbul, in der Residenz des Patriarchen von Konstantinopel, ein Treffen der Vorsteher der vier Ältesten Ostpatriarchate und des Bischofs von Zypern statt. Dieses Ereignis löste unter Theologen Diskussionen über die Möglichkeit einer Wiedergeburt des Instituts der Pentarchie im Osten aus. Zu dieser Debatte lesen Sie hier einen Artikel von Dr. theol. Andrey Uchtomsky, Dozent an der Kiewer Geistlichen Akademie.

Die Themen des modernen interorthodoxen Dialogs, die auf der Tagesordnung eines zukünftigen All-Orthodoxen Konzils stehen müssten, können an den Fingern einer Hand aufgezählt werden: der kanonische Status der orthodoxen Diaspora und die Frage nach ihrer Jurisdiktion, die Prozedur der Gewährung der Autonomie und der Autokephalie und die Positionen der Landeskirchen im Diptychon. Diese miteinander verbundenen Fragen haben sich im 20. Jahrhundert verschärft, da der massenhafte Bevölkerungsaustausch zwischen den Staaten nach dem Ersten Weltkrieg erstmals zum Phänomen einer orthodoxen Diaspora geführt hatte, wofür es bislang keine eindeutige kanonische Lösung gibt. Die Entstehung neuer Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere nach dem Zerfall der UdSSR warf die Frage auf nach der Jurisdiktion der Gemeinden und Diözesen, die sich nun in anderen Staaten, außerhalb ihrer traditionellen kanonischen Territorien, wiederfanden. Außerdem ist auch die Liste der Orthodoxen Landeskirchen und ihrer Rangfolge, das Diptychon, nicht eindeutig und verlangt nach Unifizierung; vor allem, da es nicht nach einem einheitlichen Prinzip aufgebaut ist (Kriterien des Diptychons sind: historische Bedeutsamkeit der Städte, in denen der Vorsteher der jeweiligen Landeskirche sich befindet; Alter der Kirche; Zeitpunkt der Gewährung der Autokephalie). Dieser Rangunterschied existiert neben der Gleichberechtigung und Unabhängigkeit aller fünfzehn orthodoxen Kirchen als Prinzip des „Ersten unter Gleichen“ – dem Ökumenischen Patriarchen als Oberhaupt, dessen Entscheidungen für alle Orthodoxen Kirchen von größter Bedeutung sind.


Die Lösung dieser Aufgaben gerät in Konflikt mit kanonischen Beschlüssen, die nun geändert werden müssen. Zur Lösung der Fragen des kanonischen Status der orthodoxen Diaspora, der Prozedur der Gewährung der Autokephalie und der Autonomie sowie auch der Rangfolge der Kirchen im Diptychon und ihrer Unifizierung sieht jede Kirche ihren eigenen Weg vor. Manchmal ist es dafür notwendig, die durch die Zeit erprobten und katholisch verfestigten kanonischen Normen zu verändern. Entscheidungen über solche Fragen müssten einstimmig getroffen werden. Fehlende Einstimmigkeit zwischen den Landeskirchen, wie wir sie heute beobachten, ist ein Indiz für einen falschen bzw. einseitigen Lösungsweg in der jeweiligen Frage.
 
Ein markantes Beispiel dafür ist der auf der interorthodoxen vorkonziliären Vorbereitungskonferenz im Februar 2011 geäußerte Wunsch der Kirche von Zypern, die fünfte Stelle nach den vier alten Patriarchaten zu besetzen und den Status ihres Vorstehers vom Erzbischof zum Patriarchen zu ändern. Von dieser Umstellung wären nur die ersten vier Patriarchate (von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem) nicht betroffen, aber alle restlichen Orthodoxen Landeskirchen, deren Vorsteher den „Wunsch von Zypern“ deshalb auch nicht unterstützten. Außerdem gab es noch einen weiteren Interessenkonflikt, ausgelöst durch den Wunsch der Georgischen Orthodoxen Kirche, geäußert durch ihren Vorsteher, den Patriarchen-Katholikos Ilia II., die sechste Stelle im Diptychon nach der Russischen Orthodoxen Kirche zu besetzen. Da  eine Lösung, die für alle Teilnehmer der Konferenz befriedigend gewesen wäre, nicht in Sicht war, wurde die Annahme eines Beschlusses verschoben, da Beschlüsse nach den Vorschriften All-Orthodoxer Besprechungen einstimmig gefasst werden müssen.
 
Der „Wunsch von Zypern“ wurde deutlicher auf dem Treffen der Vorsteher der Alten Orthodoxen Patriarchate und der Kirche von Zypern, das vom 1. bis zum 3. September 2011 in der Residenz des Patriarchen von Konstantinopel in Fener (einem Stadtteil von Istanbul) stattfand. Die Ergebnisse dieses Treffens finden sich im „Sendschreiben der Versammlung Ihrer Seligkeiten  der Vorsteher der ältesten Orthodoxen Patriarchate und der Kirche von Zypern“ und im „Kommuniqué der Sitzung der  Vorsteher der Ältesten Orthodoxen Patriarchate und der Kirche von Zypern“. Im „Sendschreiben“, das in einem herablassenden Ton geschrieben ist, werden Grund und Atmosphäre des Treffens beschrieben: „Wir wenden uns an die politischen und religiösen Führer des Nahen Ostens und der ganzen Welt und rufen sie dazu auf, Prinzipien und Methoden zur Gewährleistung einer friedlichen Ko-Existenz der Gläubigen verschiedener religiöser Traditionen zu erarbeiten, und verkünden unsere Solidarität mit denjenigen, die Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.“ In Anbetracht dessen, dass der Ökumenische Patriarch „den 1. September zum Tag des Schutzes der Umwelt und der Schöpfung“[1] erklärt hatte, wird folgender Beschluss der Versammlung klar: „Wir nehmen den Vorschlag des Ökumenischen Patriarchen an, in kurzer Frist ein Treffen der religiösen Führer der Region vorzubereiten und durchzuführen,  eine Art ökologische Variante der 'Mittelmeercharta‘“. Was aber ist die Mittelmeercharta? In einer Übersetzeranmerkung steht geschrieben, dies sei „ein durch eine Gruppe internationaler Experten erarbeitetes Dokument, das der Abstimmung grundlegender Prinzipien der internationalen Zusammenarbeit in dieser Weltregion gewidmet ist“. Es sollte nicht vergessen werden, dass Zypern als Steueroase   in der Mittelmeerregion und im internationalen Handel eine wichtige Rolle spielt. Das spiegelt sich auch in der Stellung der Kirche von Zypern innerhalb des Staates und auch im interkirchlichen Raum wider. Auch der Vorsteher der Kirche von Zypern – Erzbischof Chrysostomos II. – ist ins wirtschaftliche Leben seines Landes stark involviert.  Die politische Einheit der Region soll also durch die religiöse Einheit ergänzt werden.
 
Der Wunsch, dass die griechischen Kirchen nicht nur politisch und religiös, sondern auch in der Reihenfolge ihres Gedenkens nach dem Diptychon zusammenkommen, wird im Kommuniqué des Treffens noch deutlicher geäußert, in dem ein Programm der Verwirklichung der sozialen Aufgaben erläutert wird, welche den Oberhäuptern der Alten Patriarchate gemeinsam mit dem Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Zypern auferlegt sind. Zu ihnen zählen: Hilfe an AIDS-Kranke und HIV-Infizierte durch den Bau von Krankenhäusern und Hilfe für junge Menschen beim Erwerb von Hochschulbildung. In einem separaten Punkt wird, mit Verweis auf die „Kollision vom Februar“, der Wunsch geäußert, die Prozedur der Annahme konziliaren Beschlüsse zwecks Beschleunigung der Einberufung des All-Orthodoxen Konzils zu revidieren. Laut Empfehlungsnotiz müsste diese Revision durch ein vom Ökumenischen Patriarchen initiiertes Konzil Ihrer Seligkeiten der Patriarchen und Vorsteher der Orthodoxen Autokephalen Kirchen verwirklicht werden. Im letzten Punkt des Kommuniqués wird jede Orthodoxe Kirche dazu aufgerufen, „die geographischen Grenzen jeder Jurisdiktion, die durch die Heiligen Canones und ihre verfassungsgebenden Verordnungen festgelegt worden sind,  zu achten und streng einzuhalten“. Dieser Punkt betrifft das Vordringen der Rumänischen Orthodoxen Kirche auf das kanonische Territorium der Orthodoxen Kirche von Jerusalem, sowie die Gründung der bessarabischen Metropolie auf dem kanonischen Territorium der Ukrainischen Orthodoxen Kirche im Jahre 2007.
 
Also ersehen wir aus den Treffen von Februar und September den Wunsch, den Status der Kirche von Zypern zu verändern, da sie ins kulturelle, politische und religiöse Leben der vier Alten Patriarchate stark involviert ist.
 
Inwiefern ist diese Veränderung notwendig und was wären ihre Folgen?
 
Für die Alten Ostpatriarchate und die Kirche von Zypern wäre der neue Status Quo in jeder Hinsicht günstig, abgesehen von der Verwirklichung des „griechischen Freundschaftsbundes“ auf dem All-Orthodoxen Konzil, wie er sich bei der Entscheidung über die Frage nach dem kanonischen Status der orthodoxen Diaspora zeigte, als die Landeskirchen sich in zwei Lager trennten: die pro-griechischen Kirchen und alle anderen.
 
Andere Landeskirchen würden ihre Abhängigkeit von der Pentarchie der Alten Orthodoxen Patriarchate stärker spüren, mit allen daraus sich ergebenden Folgen, was die Gleichberechtigung der Orthodoxen Kirchen verletzen würde.
 
Im Weiteren werden der „Wunsch von Zypern“, sowie auch das „Sendschreiben“ und das Kommuniqué der Versammlung im Lichte der Geschichte der Kirche, der Canones und der geopolitischen Lage im Mittelmeerraum analysiert.
 
Rechtmäßigkeit des „Wunsches von Zypern“: Bei unserer Erörterung der Argumente der Kirche von Zypern, sie an die fünfte Stelle im Diptychon zu platzieren, zitieren wir die Mitteilung des „Service Orthodoxe de Presse“ (SOP) Nr. 359 von Juni/Juli 2011, S 4f :
 
1)      „Die Russen bekannten sich im 10. Jahrhundert zur Orthodoxie, wir dagegen bereits im Laufe des 1. Jahrhunderts. Unsere Kirche ist um Tausend Jahre älter als die Russische Kirche. Wir bitten darum, uns Ehre zu erweisen. Wir sind der Meinung, dass wir die fünfte Stellen nehmen müssen.“[2] Diese Forderung verletzt die Diptychonordnung der Ältesten Patriarchate, und der Status der Kirche von Zypern sich sogar um zwei Stufen mehr erhöht als gewünscht. Wenn die  Zeit der Christianisierung des Territoriums, das danach zur Landeskirche wurde, zugrunde gelegt wird, erhalten wir folgende Reihenfolge: die Kirche von Jerusalem[3], die  Kirche von Zypern[4], die Kirche von Antiochia[5], die Kirche von Alexandria[6], und die Kirche von Konstantinopel.
 
Betrachten wir nun kurz die Herkunft der Kirche von Konstantinopel, da ihr Vorsteher als „Erster unter Gleichen“ unter den Oberhäuptern der Landeskirchen gilt und eine wichtige, oft sogar die Schlüsselrolle im internationalen kirchlichen Raum spielt, wobei er häufig die Präzedenz der Entstehung seines Amtes anführt.
 
Konstantinopel war faktisch eine unabhängige Stadt im Römischen Reich. Diese Stadt war aus der alten griechischen Kolonie Byzantion hervorgegangen und zur christlichen Hauptstadt, zum „Zweiten Rom“ geworden. Die exklusive Lage Konstantinopels nahm auch Einfluss auf die Kirchenordnung. Über den Beginn des Christentums in Konstantinopel liegen keine glaubwürdigen Daten vor. Die Tatsache, dass Anfang des 2. Jahrhunderts der Häretiker Theodor der Gerber von Rom hierherkam, spricht dafür, dass in Konstantinopel bereits eine christliche Gemeinde existierte.[7] Die Legende von der Gemeindegründung durch Apostel Andreas den Erstberufenen und deren Vorsteher Stachus „ist eine spätere Legende“[8].
 
„Später (d.h., nachdem Konstantinopel der Status eines „Zweiten Roms“ zukam – A.U.) verbreiteten sich Legenden darüber, dass die Kirche von Konstantinopel von Apostel Andreas dem Erstberufenen gegründet worden sei und ihr erster Bischof Stachus, einer der 70 Apostel, gewesen sei“[9]. Es gibt auch eine andere Meinung über die Begründung der Kirche durch den Apostel Andreas: „Apostel Andreas wurde große Bedeutung bei der Gründung der Kirche von Konstantinopel zugeschrieben. (…) Im Zeitraum von 330 bis 451 wurde der Status Konstantinopels angesichts seiner besonderen Lage als Hauptstadt der Byzantinischen Reiches erarbeitet, und dabei wurde zuerst das Prinzip der Adaption der politischen Leitung und erst dann das Prinzip der apostolischen Kathedra angewandt.“[10] Wie wir sehen, ist die Idee der apostolischen Erleuchtung von Byzanz eine Ableitung vom politischen Status Konstantinopels. Auch im 20. Jahrhundert waren einige Forscher der Meinung, dass „der Patriarch von Konstantinopel apostolischer Herkunft ist (…) da er Oberhaupt des Zweiten Roms ist, und diese apostolische Sukzession wurde durch Apostel Andreas (…), Bruder des Apostelfürsten Petrus, in Konstantinopel begründet.“[11] Einige moderne griechische Forscher (Vertreter des Patriarchats von Konstantinopel) sind jedoch der Meinung, dass die „Orthodoxe Kirche von Konstantinopel, entsprechend der Überlieferung, vom Apostel Andreas gegründet“ worden sei.[12]„Die Apostolizität der Kirche von Byzantions, der Stadt, die von Konstantin als neue Hauptstadt seines Reiches auserwählt worden war, wurde in der syrischen Übersetzung des frühchristlichen Textes Doctrina apostolorum erwähnt. Dieses Dokument erwähnt die Apostel Lukas, Johannes und Andreas als diejenigen, die für die Christianisierung der Region verantwortlich waren. Die Tradition der Apostolizität der Kathedra von Konstantinopel entwickelte sich besonders in der Zeit des Schismas von Akakios (484–519). Sie fand auch Niederschlag in der staatlichen Gesetzgebung, nämlich in die 24. Novelle von Kaiser Heracleos, die die Kathedra von Konstantinopel ‘die Apostolische‘ nennt“[13].
 
In dieser Hinsicht ist die Kirche von Konstantinopel jenen Kirchen nachgeordnet, die von den Aposteln selbst gegründet worden waren: Rom (Petrus), Alexandrien (Markus) und Jerusalem (Jakob). „Die Kultivierung der Legende, die Kirche von Konstantinopel sei vom Apostel Andreas gegründet worden, entstammt offenbar dem Wunsch, sie als ebenso alt und angesehen (apostolisch) wie die oben erwähnten Kirchen darzustellen. Doch gibt es keine hinreichenden Beweise für diese Theorie. Der Bischof von Konstantinopel wurde durch Bischöfe gewählt, die in unterschiedlichen Angelegenheiten nach Konstantinopel kamen. Die Ernennung des Bischofs (und demnächst des Patriarchen) von Konstantinopel oblag bis ins spätere Mittelalter dem Metropoliten von Herakleia und den örtlichen Bischöfen“[14]. Bald begann auch der Kaiser, an der Wahl des Bischofs teilzunehmen[15] (so wurde z.B. Bischof Eusebius 338 nach dem Willen des Kaiser Constantius aus Nikomedia nach Konstantinopel versetzt).
 
Die Entwicklung und die Erhebung der Kirche von Konstantinopel ist Folge und Ergebnis der politischen Macht Konstantinopels und verdankt sich weder einer besonderen historischen Rolle noch ihre Herkunft, weshalb sie nicht über die anderen Kirchen – z.B. die Kirchen von Rom, Alexandrien und Jerusalem –erhoben werden sollte. Deren Entstehung verdankt sich der Predigt der Apostel, und deren Entwicklung war weniger vom Staat abhängig.
 
In Russland ist das Christentum seit dem ersten Kiewer Fürsten Askold/Oskold (882)[16] Staatsreligion. Wenn wir aber die Zeit der Erleuchtung Russlands von den Zeiten des Apostels Andreas des Erstberufenen abzählen würden, würde in diesem Falle die Argumentation der Zyprioten Sinn und Bedeutung verlieren, da beide Kirchen (die von Russland und die von Zypern) die gleichen Rechte hätten. Doch ist eine Herabstufung des Patriarchats von Konstantinopel von der ersten an die fünfte Stelle praktisch nicht zu verwirklichen: für den „Ersten unter Gleichen“ ist es unmöglich, nicht „der Erste, sondern der Fünfte“ zu sein. Wird aber den Diptycha die Zeit der Legitimation des Christentums im Staat zugrunde gelegt, wird dadurch gezeigt, dass für die Kirche nicht ihr Selbstbewusstsein wichtig ist, sondern der Grad ihrer Anerkennung durch Staaten, deren Einstellung gegenüber der Kirche dann als Anhaltspunkt für die Diptycha gölte. Staaten sind weniger langlebig als Landeskirchen; deshalb kann der Status, der dieser oder jener Landeskirche durch den Staat verliehen wird, nicht als Kriterium der Ordnung der Kirchen im Diptychon gelten.
 
2) „Wir (die Kirche von Zypern, vertreten durch Vorsteher Erzbischof Chrysostomos II. im Februar 2011 – Anm. A.U.) waren bereit, der Russischen Kirche nachzustehen, da das Moskauer Patriarchat bereits mehrere Jahrhunderte lang die fünfte Stelle in den Diptycha besetzt, während die anderen Patriarchate erst im 20. Jahrhundert entstanden sind. Doch denke ich, dass das ein Fehler von uns war. Die Kirche von Zypern muss die fünfte Stelle besetzen, unmittelbar nach den ältesten Patriarchaten, nach Jerusalem. Auch wenn wir als Kirche nicht groß sind, haben wir immerhin ein großes Erbe.“[17]
 
Die hochgetriebene Forderung der Kirche von Zypern, die mit dem Hinweis auf ihr Alter argumentiert, erweckt nolens volens die Frage: warum hat die Kirche von Zypern sich all die Jahrhunderte seit den Zeiten der Predigt der Apostel Barnabas und Paulus auf Zypern (oder sogar seit der Zeit der Festlegung ihres autokephalen Status durch den 8. Kanon des 3. Ökumenischen Konzils) mit der ihr verliehenen Stelle im Diptychon abgefunden und fordert erst jetzt die Veränderung der Diptychonordnung und des Status ihres Vorstehers?
 
Betrachten wir zunächst die Umstände der Verleihung der Autokephalie an die Kirche von Zypern. Kurz vor dem 3. Ökumenischen Konzil verstarb der Vorsteher der Kirche von Zypern, Bischof Theodor. „Die antiochischen Kleriker, die seinen Tod missbrauchten, wollten die Bischöfe der Insel durch Gewalt unterwerfen und sich unterordnen (…); sie brachten den namhaften Feldherrn Dionysios dazu, den Provinzvorgesetzten und dem heiligsten Klerus der Kirche von Constantia Befehle zu erteilen“[18], um durch die Versicherung der Unterstützung durch die Staatsgewalt das Konzil zur Annahme eines für sie günstigen Beschlusses zu bewegen – die Kirche von Zypern der Jurisdiktion der Kirche von Antiochien unterzuordnen und „ihr die alten Privilegien, die sie immer genossen hatte, und aufgrund derer das Konzil der Bischöfe von Zypern berechtigt gewesen war, seine Bischöfe selbst zu ernennen, abzuerkennen“[19]. Grundlagen dafür war die uralte Sitte (die 5.[20] und die 6.[21] Regel des I. Ökumenischen Konzils), nach der die Bischöfe von Zypern auf Zypern ernannt worden waren[22], sowie auch die Vorschrift, dass Bischöfe in ihnen nicht-untergebenen Diözesen keine Heirotonien verrichten dürften, ansonsten sie des Amtes enthoben werden und die durch sie gespendeten Sakramente die Kraft verlieren sollten (35.[23] Apostolische Regel und 3.[24] Regel des Antiochenischen Konzils). Zonaras schreibt bei seiner Auslegung der 8. Regel des Ökumenischen Konzils, bei dem dieser Fall betrachtet wurde, wie folgt: „Vor der Trennung der Großen Antiochiens von dem römischen Reich, schickte der Kaiser dorthin einen Herrscher, und dieser schickte einen Feldherr auf die Insel Zypern, da diese Antiochien unterworfen war“[25].
 
Aus dem „Bericht“ der drei Bischöfe von Zypern (Riginus von Konstanz, Zenon von Curium und Evagrius von Soli) auf dem Konzil von Ephesus  erfahren wir von der Verfolgung der Zyprioten und die Versuche, ihre Unabhängigkeitsreche einzuschränken. Es kann sein, dass diese Ansprüche seitens den Antiochern bereits zuvor bestanden: „Schon vorher erduldete seine Heiligkeit, der ehemalige Bischof Troilus (von Konstanz – Anm.A.U.) viel vom antiochenischen Klerus, und der frommste Bischof Theodor erlitt äußerst unzulässige, unvernünftige und gesetzwidrige Gewalt, sogar Schläge, die nicht einmal ehrenlosen Menschen angetan werden dürfen. Nachdem er starb (allerdings aus einem anderen Grund) und selig dahinschied, missbrauchten (die antiochenischen Kleriker) seinen Tod…“[26]. Wie wir sehen können, widerlegen die Angriffe, die auch vorher geschehen waren, die Unabhängigkeit der zypriotischen Bischöfe, denn sonst wären die Interventionen Antiochiens „gewaltsame Einmischungen“ gewesen.
 
Also „bemühten sich die antiochischen Bischöfe, in der gesamten Ostdiözese ihr Recht auf die Kontrolle über die Wahl der Metropoliten zu befestigen. Das war die Anwendung des Prinzips der Anpassung der kirchlichen Teilung in das Zivile und das Administrative. Die Insel Zypern war inzwischen ein Teil der Ostdiözese“[27], und die religiöse Unabhängigkeit Zyperns ist ein weiteres Argument dafür, dass die kanonischen Grenzen der kirchlichen Ordnung nicht mit der zivilen (staatlichen) territorialen Teilung verbunden sind. Die Übereinstimmung dieser Grenzen, so wie auch das Fehlen diese Übereinstimmung, ist weder Norm noch Normverletzung.
 
Da beiden Seiten keine überzeugenden Argumente vorzubringen vermochten[28], „fasste das Konzil von Ephesus einen vorsichtigen Beschluss (8. Kanon des 3. Ökumenischen Konzils[29]Anm. A.U.), nach dem der Bezirk von Zypern seinen vorherigen Status unverändert beibehalten sollte; mit anderen Worten, die Autokephalie sollte erhalten bleiben, es sei denn, es würde bewiesen, dass er darin, was die Ernennung von Bischöfen betrifft, das Christentum von Antiochien erhalten hatte“[30]. Einhundert Jahre später wiederholte sich dieser Vorfall: auf Seiten Antiochiens trat da der monophysitische Patriarch Petrus Gnapheus auf, der seine Ansprüche dadurch untermauerte, dass Zypern das Christentum von Antiochien angenommen habe. Doch wurde anlässlich der Auffindung der Reliquien des Apostels Barnabas auf Zypern festgestellt, dass die „Kirche von Zypern (…) von apostolischer Herkunft ist, und ihr Recht auf Autokephalie dadurch vollkommen wiederhergestellt wurde“.[31]
 
Der konziliare Beschluss verbietet auch gesetzwidrige Versuche, die eigene Macht auf ein anderes Territorium auszuweiten: „Mögen die Regeln der Väter nicht übertreten werden, damit sich nicht der Hochmut profaner Gewalt unter der Maske sakraler Handlungen einschleiche“.[32] Dieser kanonischen Norm widerspricht übrigens der Anspruch des Patriarchen von Konstantinopel auf die Jurisdiktion über die orthodoxe Diaspora.
 
In der Zeit der arabischen Invasion wurden die Zyprioten mit ihrem Vorsteher als Oberhaupt durch ein Edikt von Kaiser Justinian I. an den Hellespont umgesiedelt. Während der Periode der Zyprioten-Umsiedlung löste sich der Hellespont vorübergehend aus der Jurisdiktion des Patriarchen von Konstantinopel und ordnete sich dem Vorsteher von Zypern unter. Die Frage der  Änderung der Jurisdiktion wurde vom Kaiser auf die Tagesordnung des 6. Ökumenischen Konzils gesetzt und in der 53. Regel[33] festgelegt, die für Zypern die ehemaligen Rechte beibehielt (8. Regel des 3. Ökumenischen Konzils) und eine Anwendung der in der 37. Regel des 6. Ökumenischen Konzils festgeschriebenen Prinzips sind[34]: „Einem Bischof, dessen Stadt oder Bezirk durch Irrgläubige versklavt wurde, so dass er nicht in der Lage ist, seine Kathedra zu besetzen und zu halten, sondern gezwungen, in einer anderen Stadt zu wohnen, sollen alle Rechte eingeräumt werden, die dieser Kathedra zugehören, nämlich: Kleriker zu weihen und unter den Bischöfen die seiner Kathedra entsprechenden Stellen zu besetzen; und alle seine administrativen Verordnungen sollen  als legitim und wirksam angenommen werden, als ob wie er seine Kathedra in Besitz hielte.“[35] So wurden die Prärogativen des Vorstehers von Zypern und die Einheitlichkeit  der Verwaltung eines bestimmten Territoriums gewahrt.
 
Also hat der historische Präzedent die Autokephalie der Kirche von Zypern bestätigt und sie durch einen konziliaren Beschluss verordnet, was später durch die historischen Ereignisse bestätigt wurde (zum Beispiel im Fall von Petrus Gnapheus). „Trotz aller Unstetigkeiten der Geschichte hat die Kirche von Zypern es bis heute geschafft, ihre Autokephalie zu bewahren.“[36]
 
Der betrachtete Präzedenzfall könnte auch in jeder anderen Kirche vorkommen, in der sich  „Hochmut profaner Gewalt unter der Maske sakraler Handlungen“ manifestierte.[37] Das Prinzip der kirchlichen Autokephalie geht auf die Behauptung zurück, die noch durch den Hieromärtyrer Ignatius von Antiochien geäußert worden war: „Wo der Bischof ist, da muss auch da Volk sein, denn wo Christus ist, da ist auch diekatholische Kirche.“[38] Mit anderen Worten ist jeder Bischof „autokephal“, und jeder Bischof verkündigt das Evangelium den „Schafen der eigenen Herde“, ähnlich wie die Apostel, die, nachdem sie die Bereiche zur Predigt des Evangeliums aufgeteilt hatten, nicht dort predigten, wo ein anderer Apostel das Licht des Evangeliums Christi bereits verbreitet hatte, der die Bedürfnisse seiner Herde kannte. Der konziliare Beschluss über die Autokephalie dieser oder jener Kirche ist die Feststellung der Tatsache ihrer Unantastbarkeit und der Schutz vor den Ansprüchen anderer Bischöfe, laut der 5. und 6. Regel des I. Ökumenischen Konzils, der 35. Apostolischen Regel und der 3. Regel des Antiochenischen Konzils, die den überkommenen Brauch bestätigen. Grundlage der autokephalen Einheit der Kirche ist nicht die Überlegenheit einer Kirche über die anderen, je nachdem, wann ihr die Autokephalie gewährt worden ist, sondern ihre apostolische Einheit mit Christus, wo derjenige, der der Erste ist, Diener sein möge.
 
Der Grad der Autokephalie kann weder durch den territorialen Rahmen noch durch die Erfahrung der eigenen Autokephalie, die der Vorsteher der Kirche von Zypern hervorhebt, indem er seine Position vertritt, ermessen werden. Autokephalie impliziert die Möglichkeit und Fähigkeit der Kirche, den kirchlichen Dienst, der ohne Gebetsunterstützung der anderen autokephalen Kirchen unmöglich ist, selbstständig zu verwirklichen. Diese Einheit im Gebet, die außerhalb von Zeiten und Territorien besteht, ist das Prisma, durch das die Kirchen ihre aktuellen, dringenden und vorübergehenden Angelegenheiten lösen – und es soll nicht umgekehrt so sein, dass diese Angelegenheiten das Leben der ganzen Kirche, ihre Einstellung gegenüber anderen Landeskirchen, Erstrangigkeit vor anderen Kirchen und einen Primat in der Einheit beeinträchtigen.
 
3)      Im Laufe der Erhebung der Kirche von Zypern in den Diptycha äußerte ihr Vorsteher den Wunsch, seinen Status von Erzbischof zu Patriarch zu erheben: „Was ist der Unterschied zwischen dem Patriarchen einer autokephalen Kirche und dem Erzbischof einer autokephalen Kirche? Jeder von ihnen wäre das Oberhaupt einer unabhängigen territorialen Kirche.“[39]
 
Das ist ein von der ersten Anforderung abgeleiteter Wunsch, der das Altertum und die historischen Ereignisse, bei denen die Kirche von Zypern ihre Autokephalie erhielt, widerspiegelt – das „Patriarchenamt“ wurde im byzantinischen Reich in der Zeit des Kaisers Justinian eingeführt und verbreitete sich auf die Städte, die die größte kulturell-wirtschaftliche, politische und religiöse Bedeutung hatten. Diese Bedeutung hatten diese Städte auch vorher gehabt. Doch wurden sie im 6. Jahrhundert zu den „Säulen“ verschiedener Teile des Reiches, die den „Staat Konstantins“ aneinanderhefteten, dessen Einheit und Ausweitung Kaiser Justinian zum Programm erhoben hatte. Die symbolische Bedeutung der Patriarchate innerhalb des Reiches – fünf – in Analogie zu den fünf Sinnesorganen verhinderte die Erhöhung der Anzahl der Patriarchenämter, doch verletzte dies die Autokephalie der Kirche von Zypern nicht. Auch wenn ihr Vorsteher nur den Titel eines Erzbischofs trug, war er immerhin Oberhaupt der Landeskirche.
 
4)      Erzbischof Chrysostomos II. klagt darüber, dass in den Landeskirchen das Nationalgefühl die Zugehörigkeit zur einheitlichen Orthodoxie überdecke. „Wir haben einen tragischen Fehler gemacht. Wir sind nationale Kirchen geworden. Unsere Kirchen sind zuerst griechisch, arabisch oder russisch und erst dann orthodox. Das ist unmöglich! Wir müssen zunächst orthodox sein, wir müssen durch die Orthodoxie verbunden werden, ohne uns nach ethnischen oder nationalen Kriterien aufzuteilen.“[40] Erzbischof Chrysostomos II. behauptete auch, dass er „‘den Mut hatte‘, mit aller Verantwortung dem Patriarchen von Moskau zu sagen, dass ‚er sich nicht so zu verhalten brauche, als ob wir nationale Kirchen wären.‘“[41] 

Der moderne interkirchliche Dialog zeigt, dass diese Anmerkung von Erzbischof Chrysostomos II. über das Primat der Nationalität über den Glauben in einigen Landeskirchen in erster Linie auf die griechisch-sprachigen Kirchen zutrifft, zumindest darin, dass das Werk einer jeder dieser Kirchen als das Werk aller griechischsprachigen Kirchen angesehen wird. Diesen Freundschaftsbund finden wir bei den slawischen Kirchen nicht, woraus zu sehen ist, dass sie die nationale Solidarität nicht an die Spitze der interkirchlichen Beziehungen stellen.
 
Die Versammlung der ältesten Patriarchate, die vom 1. bis zum 3. September 2011 in Fener unter Vorsitz des Patriarchen von Konstantinopel stattfand, klärte die Lage. Das Ziel und die Atmosphäre der Versammlung wird im „Sendschreiben der Versammlung der Vorsteher der ältesten Patriarchate“ formuliert[42]: „Wir, denen die Verantwortung für die Verwaltung und pastorale Leitung der historisch ältesten Kirchen auferlegt ist, welche durch die Apostel Christi gegründet und auf den Ökumenischen Konzilen der einen nicht-geteilten Kirche für autokephal erklärt wurden, haben uns hier versammelt, um den uralten Brauch wiederzuerrichten, sowie auch Meinungen auszutauschen und einander Liebe und Unterstützung zu bezeugen in Hinsicht auf die jüngsten Ereignisse in den historischen Territorien, wo es der Vorsehung des Herrn gefallen hat, unsere Kirchen von Alters her zu platzieren.“[43] Diese Behauptung spricht für die auf allen Ebenen fortbestehende Gemeinschaft und Kommunikation der in Fener versammelten Hierarchen und ihrer Kirchen – den Kirchen der Mittelmeerregion. Die Vorteile dieser Interaktion gegenüber der Interaktion mit anderen Orthodoxen Kirchen sind deutlich und sichtbar: die apostolische, uralte Herkunft der autokephalen Kirchen der einen nicht-geteilten Kirche, die sich von den anderen autokephalen Kirchen, die nach der Teilung in West- und Ostkirche (1054) besonders abheben (sonst wären sie nicht gesondert erwähnt). Auch wurde die Traditionalität des Treffens besonders betont („um den uralten Brauch wiederzuerrichten“). Diese Versammlung war eine unvollständige Versammlung der Kirchlichen Fülle (ohne Teilnahme anderer Orthodoxer Landeskirchen) und fand nicht zum ersten Mal statt und behandelte auch nicht nur religiöse Probleme der Mittelmeerregion, sondern auch politische Angelegenheiten. 
 
Hier sind einige Ereignisse, die die engen Beziehungen zwischen den vier Uralten Patriarchaten und der Kirche von Zypern illustrieren:
1) Die enge Koexistenz der Kirchen in der Zeit der Osmanischen Herrschaft, nach dessen Ende einige Territorien (zum Beispiel Nordgriechenland oder Dodekanes) sich unter der Jurisdiktion des Patriarchats von Konstantinopel und dann der Kirche von Hellas befanden;

2) Meletios Metaxakis leitete drei autokephale Kirche nacheinander – er war Erzbischof von Zypern(1910-1918), Metropolit von Athen (1918-1920) und Patriarch von Konstantinopel (1921-1923)[44];

3) Erzbischof Damaskinos (Papandreou) von Athen und ganz Hellas(1941-1949) wurde, während er Metropolit von Korinth war (1922-1938), „vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in die Vereinigten Staaten von Amerika zwecks Organisation einer orthodoxen griechischen Diaspora geschickt und schrieb zu diesem Thema einen hervorragenden Bericht“[45].

4) im Petraki-Kloster (Athen) befindet sich die Apostolische Diakonie, die 1936 für die missionarische Tätigkeit in Griechenland, im Nahen Osten und in Afrika gegründet wurde; die philanthropische Tätigkeit der Kirche von Hellas erstreckt sich auch auf den Balkan;

5) die Halbinsel Athos ist administrativ Griechenland zugeordnet, das auf der Insel durch einen Bürgermeister vertreten wird, der administrative Funktionen erfüllt (105. Kapitel der griechischen Verfassung aus dem Jahre 1975); die kirchliche Jurisdiktion über die Halbinsel übt das Patriarchat von Konstantinopel aus;

6) die Erzbischöfe Leontios (1933-1946) und Macarios (1947-1950) wurden unter Mitwirkung von Vertretern des Patriarchats von Konstantinopel gewählt;

7) in Athen fanden die während der Revolution abgeschobene Patriarch Macarios III. von Zypern (1950-1977) und Metropolit Cyprian von Kyrenia Asyl;

8) 1973 gelang es, unter Mitwirkung von Vertretern der Patriarchate von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem den Aufstand der Anhänger des griechischen Regimes (drei zypriotische Metropoliten) gegen den Kirchenvorstand von Zypern, Erzbischof Macarios III., der angeblich kein Recht gehabt haben sollte, politische Verpflichtungen mit dem Priesterdienst als da Oberhaupt der Kirche von Zypern zu kombinieren[46], zu unterdrücken;

9) nach einem Abkommen mit dem Patriarchat von Alexandrien leistet die Kirche von Zypern die missionarische Arbeit in Ostafrika. So wurde 1982 in Nairobi, auf Kosten der Kirche von Zypern, ein Seminar und auf dem anliegenden Territorium ein Gotteshaus und eine orthodoxe Fachschule errichtet;

10) seit 1974 ist die Kirche von Zypern Gründungsmitglied des Kirchenrates  des  Nahen Ostens ;

11) in der Zeit der arabischen Invasion (702-742) und des lateinischen Einflusses (1100-1165) befanden sich die Oberhäupter des Patriarchats von Antiochien in Konstantinopel im Exil;

12) „Seit Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Patriarchen von Jerusalem gezwungen, die Unterstützung des Patriarchen von Konstantinopel zu suchen und unter seiner Jurisdiktion zu verweilen. Die Patriarchen von Jerusalem wurden seitdem ausschließlich von Griechen gewählt. Bis 1534 waren die Patriarchen arabischer Abkunft gewesen. Nach dem Dahinscheiden des Patriarchen Dorotheos von Jerusalem (1534) wurde der Grieche German auf die Patriarchenkathedra geweiht, nachdem alle erzbischöflichen Kathedrae ebenfalls durch Griechen besetzt wurden. Die Patriarchen zogen es nun vor, in Konstantinopel als in Jerusalem zu wohnen… In dieser Periode stand die Kirche von Jerusalem, trotz Autokephalie, unter starkem griechischen Einfluss, auch wenn die Gläubigen und der untere Klerus ausschließlich Arabisch sprachen.“[47]

13) 1991 wurde auf Initiative der Kirche von Konstantinopel, vertreten durch ihren Vorsteher Patriarch Dimitrios, die Albanische Kirche wiedererrichtet und ihr jetziges Oberhaupt Erzbischof Anastasios (Yannoulatos ) gewählt.
 
Das sind nur einige Marksteine der Interaktionen der Kirchen, deren Vorrang darauf beruhte, dass eben „in diesen Gebieten die ersten großen Zentren des Christentums – die Kirchen von Alexandrien, Antiochien, Jerusalem und Zypern – und die Grundlagen der Ordnung der ganzen einen und untrennbaren Kirche gelegt“[48] wurden. Im „Sendschreiben“ heißt es: „In diesen Gebieten wurzelte die Kirche Christi; insbesondere schlug die Heilige Orthodoxe Kirche hier ihre tiefsten Wurzeln. Diese Gebiete sind durch das Blut der Märtyrer für den orthodoxen Glauben und durch die Tränen der darin leuchtenden heiligen Mönchsväter geheiligt. Keiner hat das moralische Recht, dies zu ignorieren, und alle säkularen Kräfte sind verpflichtet, diese Tatsache mit Respekt zu behandeln.“[49] Im Kontext des „Wunsches Zyperns“ kommt in diesen Worten der Wunsch nach einem Monopol und der erstrangigen Bedeutung der Kirchen des Nahen Ostens über die anderen Landeskirchen und, im Kontext der moslemischen Bedrohung, eine Betonung der religiösen, christlichen Bedeutsamkeit der Region zum Ausdruck. „In vielen Fällen werden Christen als Mitbürger ‘zweiter Klasse‘ angesehen. In anderen Fällen werden die Stätten ihrer religiösen Verehrung, von denen viele wertvolle Kulturdenkmale sind, geschändet oder sogar vernichtet… Wir verlangen von den Staaten, in denen wir leben, den uns zustehenden Schutz. Wir sind überzeugt, dass dies die einzige Lösung für die Probleme der viel erleidenden Nahostregion sowie der ganzen Welt wäre.“[50] Folglich sei die Bewahrung der religiösen und nationalen Identität der Orthodoxen Kirchen des Nahen Ostens das Werk der vier Ältesten Patriarchate und der Kirche von Zypern, auch weil ihre kanonische Jurisdiktion sich in der Nahost-Mittelmeer-Region befindet. Ferner geht es im „Sendschreiben“ um die aktuellen Dialoge zwischen Christentum, Islam und Judentum (den Religionen dieser Region) zu dieser Frage, und es wird auch ein Appell an „die politischen und religiösen Führer des Nahen Ostens und der ganzen Welt“[51] erörtert, mit dem Aufruf, „Prinzipien und Methoden zur Sicherung der friedlichen Koexistenz der Gläubigen unterschiedlicher religiöser Traditionen zu erarbeiten“[52]. Dieser Aufruf endet mit der Verkündung der „Solidarität mit denjenigen, die Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind“[53]. Die Instabilität des ökologischen Zustandes der Umwelt wird ebenfalls als Hindernis auf den Weg zum sozialen und wirtschaftlichen Erfolg benannt.[54]
 
Im Kommuniqué der Versammlung[55] wird, neben den obengenannten Aufgaben, die Tätigkeit der Orthodoxen Kirchen des Nahen Ostens im Bereich Gesundheitswesen in der Region (im Bündnis mit EU) sowie Errichtung von Hospizen in den kanonischen Grenzen der Patriarchate von Jerusalem und Alexandrien[56] beschrieben.
 
Der letzte Punkt des Abschlussberichts der Versammlung und des Kommuniqués war der Aufruf, die kanonischen Grenzen der Landeskirchen zu beachten: „Außerdem betonen wir, wegen den jüngsten Geschehnisse im geographischen Raum der Orthodoxen Kirche, dass es für jede Orthodoxe Kirche notwendig ist, die geographischen Grenzen der Jurisdiktionen, die durch die Heiligen Canones und ihre verfassungsgebenden Verordnungen festgelegt worden sind, zu beachten und streng einzuhalten.“[57] Unter den „jüngsten Geschehnissen“ ist die Errichtung eines Gotteshauses[58] in Jericho durch die Rumänische Orthodoxe Kirche ohne Abstimmung mit dem Patriarchat von Jerusalem und die Errichtung der Bessarabischen Metropolie (2007)[59] gemeint. Das Patriarchat von Jerusalem hat als Konsequenz daraus „das Problem sorgfältig und tief analysiert und einstimmig und mit Bedauern“ die Eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Rumänien beendet.[60] Eine negative Reaktion kam auch von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche[61], auf deren Territorium (im Dorf Kamyschowka im Kreis Ismael des Bezirks Odessa) am 16. Juli 2011 durch Metropolit Petru (Păduraru) ein Gotteshaus zu Ehren der Heiligen Apostel Petrus und Paulus geweiht wurde.
 
Auffällig ist die Harmonie der griechisch-sprachigen Ältesten Ostpatriarchate der Mittelmeerregion, die durch den Begriff „Pentarchie“ verstärkt wird, der die fünf Patriarchate bezeichnet, die in den Grenzen des byzantinischen Staates während seiner Existenz existiert hatten und mit dem Fall von Byzanz verschwunden waren. Auch wird aus obenerwähnten Beispielen sichtbar, dass die Orthodoxe Kirche von Zypern ein aktiver Teilnehmer an den kirchlichen Aktivitäten im Nahen Osten ist. Also kann sie durchaus die Diptychon-Stelle beanspruchen, die sie mit den vier Ältesten Patriarchaten auf eine Stufe stellt (oben haben wir gesehen, dass die Änderung der Diptychon-Stelle Kollisionen verursacht, da die fünfte Stelle von einer anderen Landeskirche besetzt ist).
 
Doch bedeutet das nicht, dass die Reihenfolge der Kirchen im Diptychon ihrer nationalen Zugehörigkeit entsprechen müsste. So etwas widerspräche der Natur der Kirche; erstens, weil die Trennung im Glauben nach dem ethischen Prinzip dem Christentum fremd gewesen war, in den Worten des Apostels der Heiden: „ Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Weib; denn ihr alle seid einer in Christo Jesu“ (Gal 3,28); zweitens haben wir oben gesehen, dass der Vorrang der Nationalität vor dem Glauben an Gott selbst von Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern bestritten (außerdem wurde dies durch die Kathedra von Konstantinopel als Häresie des Phyletismus im Jahre 1872 verurteilt); Und drittens sind die griechischsprachigen Kirchen nicht die einzigen auf Erden; es gibt auch andere, zum Beispiel, die slawischen oder die Japanische Orthodoxe Kirche (die vom Ökumenischen Patriarchat nicht erkannt wird).
 
Unserer Ansicht nach wird eine klare kirchlich-politische Ursache des „Wunsches von Zypern“ deutlich:
 
Die Geschichte der Ältesten Orthodoxen Patriarchate und der Kirche von Zypern gibt Zeugnis über die ständige gegenseitige Unterstützung, die diese Kirchen einander leisteten, und ihre Verbindungen. Das ist die Pentarchie der Kirchen, die durch die gemeinsame griechische Nationalität ihrer Gläubigen, die Lage am Mittelmeer und gemeinsame kulturelle, wirtschaftliche und sozialen Probleme befestigt ist. Sie ähnelt gar nicht mehr jenem Betriff der Pentarchie, der im byzantinischen Reich gängig gewesen war, und mit dem die fünf Patriarchate, die sich in den verschiedenen Ecken des Reiches befanden, Säulen und Symbole der vereinigenden Politik Justinians worden waren. Die Pentarchie Justinians, die durch die Assoziation der fünf Kirchen mit den fünf Menschensinnen begründet war, hatte die Gründung neuer Patriarchate innerhalb des Reiches gebremst. Die Pentarchie wurde zum einzigen Modell der kirchlichen Verwaltung in Byzanz. Dieses Modell könnte heutzutage nicht mehr verwirklicht werden; allerdings scheint die neue Pentarchie sie reproduzieren zu wollen. Das zeigt das offenbare Gefühl der Überlegenheit der Ältesten Ostpatriarchate und der Kirche von Zypern über die anderen Landeskirchen, das sich in einer Katholizität  äußert, welche die anderen Landeskirchen aus dem Gebiet der Lösung ihrer Angelegenheiten, sowie auch die Geschlossenheit der griechischen Kirchen bei den Entscheidungen über die interkirchlichen Probleme ausschließt.
 
Die komplizierten Beziehungen zwischen den auf Zypern wohnenden orthodoxen Griechen und den muslimischen Türken, die seit 1974 47% des Nordterritoriums Zyperns rechtswidrig besetzen, zwingen die Orthodoxe Kirche von Zypern dazu, die Unterstützung anderer orthodoxer Kirchen zu suchen. Unter anderem wandte sich Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern  drei Wochen nach dem Fener-Treffen (1.-3. September 2011) an den Patriarchen-Katholikos Ilia II. der Georgischen Orthodoxen Kirche und suchte seine „Unterstützung, durch alle möglichen Mittel und Nutzung seines Einflusses in der Weltarena“[62], um die Zerstörung von 500 orthodoxen Kirchen, die sich auf dem türkischen Territorium der Insel befinden und von Türken als „Moscheen, Nachtklubs, Militärlager und sogar Ställe“[63] benutzt werden, zu verhindern. Jedenfalls hat die Verurteilung der Handlungen der Türken auf der Insel durch die EU keine Verbesserungen zur Folge gehabt, und es ist für Zypern notwendig, Unterstützung zu suchen. Ob die Rettung in der Pentarchie liegen könnte – das ist eine komplizierte Frage.
 
Die Wiedergeburt der Pentarchie unter Einschluss der Orthodoxen Kirche von Zypern könnte ein zusätzliches Werkzeug zur Konsolidierung der griechischen Kirchen auf dem anstehenden All-Orthodoxen Konzil sein. Die Vertreter derschismatischen religiösen Vereine in der Ukraine sind der Meinung, dass die Pentarchie zu einem Werkzeug der „Heilung“ der Schismata werden sollte. So begrüßt die Ukrainische Autokephale (! – A.U.) Kirche die neue Zusammensetzung der Pentarchie und „betrachtet sie als einen weiteren konstruktiven kanonischen Impuls zur Lösung des ukrainischen kirchlichen Problems durch gemeinsame Bemühungen der Ökumenischen Orthodoxie, der ukrainischen autokephalen Bewegung und des Moskauer Patriarchats“[64].
 
Unten ist die Reaktion einiger Landeskirchen auf den „Wunsch von Zypern“ aufgeführt.
 
Die Bulgarische und die Serbische Kirchen haben die Handlungen der Zyprioten nicht kommentiert.
 
Die Polnische Orthodoxe Kirche hat auf ihrer offiziellen Webseite lediglich die Tatsache des Treffens vom 1.-3. September 2011 in Fener konstatiert und eine polnische Übersetzung des „Sendschreibens“ online gestellt.
 
Die Japanische Orthodoxe Kirche, die von Zypern territorial weit entfernt ist, ist mit realeren Probleme beschäftigt: Beseitigung der Folgen des Sendai-Erdbebens vom 11. März 2011 und der damit verbundenen Atomkatastrophe von Fukushima. Durch die Japanische Orthodoxe Kirche wurde eine Spendensammlung für die Betroffenen organisiert. An dieser Sammlung haben die Russische Orthodoxe Kirche, die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland und die Polnische Orthodoxe Kirche teilgenommen. Ist das keine Manifestation der Katholizität? Ist dies nur eine rhetorische Frage, über die jede Kirche auf ihre eigene Art und Weise entscheidet? Doch widerspricht die Mehrzahl der  Entscheidungen der Einstimmigkeit, die eben die Katholizität der Kirchen auf dem Weg zum All-Orthodoxen Konzil bestimmt.
 


[1] Православная Церковь в Восточной Европе. XX век. Под ред. К. Шайо. К.: Дух и литера. 2010. С. 48.
[2] Service Orthodoxe de presse (SOP) 359 juin-juillet 2011 P. 4.
[3] Da Jerusalem, als ursprünglicher Ort der Predigt des Heilands Mutter der Orthodoxen Kirchen, kein bedeutendes administratives Zentrum war, erhielt er nicht eine solche Bedeutung wie Konstantinopel. „Das Vierte Ökumenische Konzil (451) hatte für den Bischof der Heiligen Stadt Jerusalem bestimmt, im Diptychon der Kirchen die ehrenhafte fünfte Stelle zu besetzen. Auf demselben Konzil war der Vorsteher der Kirche von Jerusalem mit dem Patriarchen-Titel gekrönt worden. Die Patriarchen von Jerusalem hatten zunächst die ihnen erteilte fünfte Stelle angefochten und dabei die Autorität Jerusalems als Wiege des Christentums und Wohnort des Heilandes angeführt. Doch hatte Jerusalem als Stadt in den politischen Prozessen keinen bemerkbaren Einfluss auf das Leben in Byzanz gehabt; es war nicht einmal Zentrum einer Präfektur gewesen“ (Блохин В. С. История Поместных Православных Церквей: Учебное пособие. Екатеринбург. 2004. С. 81).„Da das politische Gewicht Jerusalems geringer war als das anderer Städte, die zu Patriarchensitzen (Rom, Konstantinopel, Alexandria und Antiochia) geworden waren, wurde die Kathedra von Jerusalem, auch wenn sie die älteste und die meistverehrte gewesen war, in den Diptycha nach diesen platziert“ (Поместные Православные Церкви. М.: Сретенский ставропигиальный мужской монастырь. 2004. С. 46.)
[4] Begründet durch die Evangelisationswerke der Apostel Barnabas und Paulus (Apg 13,4-13). Über die Erstrangigkeit und Predigt des Christentums auf Zypern und in Antiochien sollte anscheinend aufgrund des Zeugnisses des Apostels Lukas beschlossen werden: „ Die nun zerstreut waren durch die Drangsal, welche wegen Stephanus entstanden war, zogen hindurch bis nach Phönizien und Zypern und Antiochien und redeten zu niemandem ein Wort, als allein zu den Juden. Es waren aber unter ihnen etliche Männer von Zypern und Kyrene, welche, als sie nach Antiochien kamen, auch zu den Griechen redeten, indem sie das Evangelium des Herrn Jesus verkündigten“ (Деян. 11, 19–20).
[5] Nach Antiochien wurde das Christentum durch Menschen, welche die Predigt Christi vernommen hatten, und durch die Apostel Barnabas und Paulus gebracht. „D ie Jünger (Christi – Anm. A.U.) wurden zuerst in Antiochien ‚Christen‘ genannt (Apg 11, 26), was zunächst eine abschätzige Bezeichnung war. (…) nach einem weit verbreiteten Standpunkt war das Wort ‚Christen‘ zunächst ein Spitzname, der den Anhängern der neuen Lehre von Außenstehenden gegeben wurde. Einige sind der Meinung, dass er von den antiochenischen Heiden erdacht wurde, Andere glauben, dass die Autorschaft den römischen Herrschern gebührt. Viele glauben, dass dieser Spitzname höhnisch oder sogar spöttisch gewesen war oder auf politische Illoyalität anspielte“ (Левинская И. А. Деяния апостолов. Главы 9–28: Историко-филологический комментарий. СПб.: СПбГУ, 2008. С. 153. Ebenda gibt es auch Verweise auf Literatur zu dieser Frage.)
[6] In Alexandrien predigte Apostel Markus (einer von den 70 Aposteln), der dort auch den Märtyrertod erlitt.
[7] Ухтомский А. А. Православная диаспора: проблема формирования канонического статуса // Церковь и время. М.: ОВЦС МП. № 3 (48) 2009. С. 148.
[8] Петр (Л’юилье), архиеп. Правила первых четырех вселенских соборов. М., 2005. С. 203.
[9] Поместные Православные Церкви. М., 2004, S. 12.
[10] Ökumene-Lexikon. Frankfurt am Main 1987, S. 920.
[11] Kotting B. La nascita dei patriarchi, Roma e Constantinopoli, in Storia ecumenical della Chiesa. Vol. I. Brescia, 1980. P. 172. Цит. по: Solazzo F. I patriarchi nel diritto canonico orientale e occidentale // Incontro fra canoni d’oriente e d’occidente. Atti del Congresso Internationale. T. II. Bari, 1994. P. 246.
[12] Basdekis A. Die Orthodoxe Kirche. Frankfurt am Main. 2002. S. 142.
[13] Кирилл (Говорун), игум. Служить или быть тем, кому служат: Вопросы о порядке и осуществлении власти в Христовой Церкви // http://kiev-orthodox.org/site/theology/1757/.
[14] Ухтомский А. А. Канонический статус православной диаспоры. М. Аспирантура МДА при ОВЦС МП. 2009. С. 6. http://biblioteka.lavra.ua/books/diaspora.pdf
[15] So berief Kaiser Constantin das Konzil von Nicäa (325) ein. Als alleiniger Herrscher versuchte er, den arianischen Streit über die Osterzeit beizulegen. Die Lage des Kaisers in der Kirche erklärt seine weitgehenden Absichten (von der Einberufung des Konzils bis zur staatlichen Sanktionierung der Beschlüsse): so betrachtet, wird das Bischofskonzil als  „consilium“ des Herrschers betrachtet (nach: Ökumene Lexikon. Frankfurt am Main 1987, S. 724). Im Weiteren würde solch eine Zusammenarbeit von Kirche und Staat in eine Biregnum zweier Herrscher übergehen, und der Kaiser würde als „ Bischof  für äußere Angelegenheiten “ bezeichnet.
[16] Шумило С. Князь Оскольд и христианизация Руси. К.: Дух и литера. 2010. Сс.. 21–32.
[17] Service Orthodoxe de presse (SOP) 359 juin-juillet 2011 P. 4.
[18] Деяния Вселенских Соборов, изданные в русском переводе при Казанской Духовной Академии. Т. 2. Казань. Типография Казанского университета, 1892. С. 5.
[19] Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. С. 306.
[20] „Bei dem Urteil über diejenigen (Kleriker oder Laien), die Bischöfe der jeweiligen Diözese exkommunizierten, sollten wir uns an die Regel halten, die festgelegt hatte, dass die Exkommunizierten von anderen nicht empfangen werden. Allerdings sollte untersucht werden, dass die Exkommunikation nicht aus Kleinmut oder Hader oder einer ähnlichen Unzufriedenheit des Bischofs stattgefunden hat.  Um diese Untersuchungen geordnet durchzuführen, wird es für gütig gehalten, dass in jedem Bezirk zweimal jährlich Konzile stattfinden, damit insgesamt alle Bischöfe des Bezirks sich versammeln und solche Unklarheiten ermitteln, und dadurch diejenigen, die sich nachweislich als ungerecht dem Bischof gegenüber erwiesen haben, gemeinsam als der Kommunion unwürdig erachtet werden, bis es die Bischofsversammlung für angebracht hält, über sie eine nachsichtigere Entscheidung zu treffen. Die Konzile sollten wie folgt stattfinden: eines vor dem Quadragesima, damit, nach der Beendung jeglichen Unbehagens Gott die reine Gabe dargeboten werden kann, und das andere im Herbst“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 191–192).
[21] „Die uralten Sitten, die in Ägypten, Libyen und Pentapolis galten, sollten bewahrt werden, damit der Bischof von Alexandrien die Macht über sie alle hat. Denn das ist auch für den Bischof von Rom üblich. Ähnlich sollten auch in Antiochien und anderen Bezirken die Privilegien der Kirchen bewahrt werden. Generell sollte das bekannt werden: wenn jemand, ohne Bewilligung des Metropoliten, zum Bischof ernannt wird, über den hat das große Konzil bestimmt, dass er nicht Bischof sein darf. Falls die gemeinsame Wahl gesegnet ist und den kirchlichen Regeln entspricht, aber zwei oder drei ihr aus Debattiersucht widersprechen, sollte die Meinung der Mehrheit der Wählenden überwiegen“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 194–195).
[22] Правила святых Вселенских соборов с толкованиями. М.: Издание Московского общества любителей духовного просвещения. 1877. С. 134.
[23] „Der Bischof darf es nicht wagen, außerhalb seiner Diözese Heirotonien in Städten und Dörfern, die ihm nicht untergeben sind, zu verrichten. Wird er bezichtigt, dass er das ohne Zustimmung derjenigen, denen diese  Städte und Dörfer untergeben sind, getan habe, sollte er, sowie auch die durch ihn Ernannten, des Amtes enthoben werden“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. С. 101). Bemerkenswert ist, dass „die Regel Heirotonien in einer fremden Diözese nur mit Wissen des zustehenden Diözesanbischofs zulässt“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. С. 102). Allerdings war es auf Zypern kaum der Fall, dass die antiochischen Bischöfe sich für die Ausweitung ihrer Befugnisse auf Zypern die Unterstützung der Staatsgewalt in Anspruch nahmen.
[24] „Falls ein Presbyter oder Diakon oder sonst ein Kleriker seinen Bereich verlässt und in einen anderen übergeht und dann, nachdem er dorthin ganz umgesiedelt ist, es wagt, im anderen Bereich lange Zeit zu bleiben, darf er keine  sakralen Handlungen verrichten, insbesondere wenn sein eigener Bischof ihn zurückruft und überzeugt, in seine Gemeinde zurückzukehren, er sich aber nicht unterordnet. Verharrt er in seinem Fehlverhalten, sollte er des Amtes ganz enthoben werden, ohne die Möglichkeit, in seinem Rang restituiert werden. Falls ein anderer Bischof jemanden, der deswegen des Amtes enthoben ist, empfängt, unterliegt auch er als Verletzer der kirchlichen Verordnungen der Buße, die durch ein gemeinsames Konzil auferlegt werden sollte“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 2. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 58–59).
[25] Правила святых Вселенских соборов с толкованиями. М.: Издание Московского общества любителей духовного просвещения. 1877. С. 135.
[26] Деяния Вселенских Соборов, изданные в русском переводе при Казанской Духовной Академии. Т. 2. Казань. Типография Казанского университета, 1892. С. 5.
[27] Петр (Л’юилье), архиеп. Правила первых четырех вселенских соборов. М., 2005. С. 268
[28] Петр (Л’юилье), архиеп. Правила первых четырех вселенских соборов. М., 2005. Сс. 267–272.
[29] „Über eine Bestimmung, die gegen die kirchlichen Verordnungen und die Regeln der Heiligen Apostel neu eingeführt wird und die Freiheit aller angreift, wurde vom gottgeliebten Bischof Riginus und mit ihm von den ehrfurchtsvollen Bischöfen Zenon und Evagrius des Bezirks von Zypern berichtet. Da gesellschaftliche Krankheiten stärkste Arznei erfordern, weil sie den größeren Schaden bringen, und insbesondere da es keinen alten Brauch gab, dass der Bischof der Stadt Antiochien auf Zypern Ordinationen verrichtete, wie diese zum heiligen Konzil gekommenen ehrfurchtsvollen Männer uns schriftlich und mündlich berichteten, sollten die Oberhäupter der heiligen zypriotischen Kirche über die Freiheit verfügen, ohne Ansprüche uns gegenüber und nach uraltem Gebrauch, ehrfurchtsvolle Bischöfe selbst ordinieren. Dasselbe sollte auch in anderen Bezirken und in allen Diözesen beachtet werden, damit niemand von den gottgeliebten Bischöfen seine Macht auf eine andere Diözese verbreitet, die vorher und von Anfang an nicht unter seiner Hand oder der Hand seiner Vorsteher war; sollte aber jemand seine Macht doch verbreitet und sich eine Diözese durch Gewalt untergeordnet haben, sollte er diese zurückgeben, damit die Regeln der Väter nicht übertreten werden, damit sich nicht der Hochmut profaner Gewalt unter der Maske sakraler Handlungen einschleiche, und damit wir die Freiheit, die uns unser Herr Jesus Christus, der Erlöser aller Menschen, durch sein Blut beschert hat, nicht allmählich und unbemerkt verlieren. Und so beliebt es dem heiligen und ökumenischen Konzil, dass jede Diözese die ihr von Anfang an gehörenden Rechte in Reinheit und ohne Einengung aufbewahrt, nach dem seit alters her befestigten Gebrauch. Jeder Metropolit kann unbehindert für seine Vergewisserung eine Kopie von dieser Verordnung erhalten. Sollte aber jemand eine andere Verordnung vorschlagen, die dem, was nun bestimmt wurde, zuwiderläuft, so beliebt es dem heiligen und ökumenischen Konzil, diese für ungültig zu erklären.“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 305–306)
[30] Петр (Л’юилье), архиеп. Правила первых четырех вселенских соборов. М., 2005. С. 274.
[31] Петр (Л’юилье), архиеп. Правила первых четырех вселенских соборов. М., 2005. С. 275. Downey G. A History of Antioch in Syria from Seleucus to the Arab Conquest. Princeton. 1961. P. 497.
[32] Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 306.
[33] „Da unser Bruder und Mitdiener Johannes, Vorsteher der Insel von Zypern, mitsamt seines Volkes, aufgrund der barbarischen Invasionen und um sich von der heidnischen Versklavung zu befreien und dem Zepter des christlichsten Staates zu Willen sein, durch die Vorsehung des menschenliebenden Gottes und die Fürsorge unseres frommen Kaisers von der erwähnten Insel in den Bezirk Hellespont umsiedelte, beschließen wir: mögen die Privilegien, die der Kathedra des oben genannten Mannes von den gotttragenden Vätern, die sich in Ephesus versammelt hatten, unverändert bleiben, und möge das neue Justinianopel die Rechte Konstantinopels anerkennen, und möge der darin bestellte gottgefälligste Bischof Oberhaupt über alle Bischöfe des Bezirks Hellespont sein, und möge er von seinen Bischöfen nach uraltem Brauch ordiniert werden. Denn auch unsere gotttragenden Väter urteilten, dass die Bräuche jeder Kirche beachtet werden sollen, und möge der Bischof der Stadt Kyzikos sich dem Vorsteher des genannten   Justinianopel unterordnen, nach dem Vorbild aller Bischöfe, die dem oben genannten gottgefälligsten Vorsteher Johannes unterstellt sind; von dem, wenn es notwendig ist, auch selbst der Bischof der Stadt Kyzikos ordiniert werden sollte“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 523–524).
[34] „Da es zu unterschiedlichen Zeiten barbarische Invasionen gab und daher viele Städte durch Irrgläubige versklavt wurden, und es für den Vorsteher solch einer Stadt unmöglich war, nach seiner Weihe die Kathedra aufzusuchen und zu leiten und so, nach überliefertem Brauch, Weihen und alles andere, was dem Bischof obliegt, durchzuführen und zu verrichten; darum beschließen wir, indem wir dem Priestertum Ehre und Respekt erweisen und wollen, dass die Versklavung durch die Heiden den kirchlichen Rechten keinesfalls Schaden zufüge, dass [Bischöfen], die so geweiht wurden und aus dem oben erläuterten Gründen ihre Kathedrae nicht betreten können, daraus keine Nachteile erwüchsen, weswegen sie Weihen zu verschieden klerikalen Würden nach den Regeln verrichten und das Privileg der Vorsetzung ihrem Bezirk entsprechend genießen mögen, und alle von ihnen geleiteten Akte fest und legitim seien. Denn die Verwaltungsbezirke dürfen nicht durch aktuelle Nöte und Hindernisse in ihrer Arbeit beeinträchtigt werden“ (Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. С. 522)
[35] Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 522–523.
[36] Петр (Л’юилье), архиеп. Правила первых четырех вселенских соборов. М., 2005. С. 276.
[37] Правила Православной Церкви с толкованиями Никодима, епископа Далматино-Истрийского. Т. 1. М.: СТСЛ. 1996. Сс. 306.
[38] Игнатий Антиохийский. Послание к Смирнянам, 8. Цит. по: Иларион (Алфеев), еп. Православие. Т. 1. М. Сретенский монастырь. М. 2008. С. 285.
[39] Service Orthodoxe de presse (SOP) 359 juin-juillet 2011 P. 4.
[40] Service Orthodoxe de presse (SOP) 359 juin-juillet 2011 P. 4.
[41] Service Orthodoxe de presse (SOP) 359 juin-juillet 2011 P. 4.
[42] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[43] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[44] Православная Церковь в Восточной Европе. XX век. Под ред. К. Шайо. К.: Дух и литера. 2010. С. 59. Σταυρίδης Β. Μελέτιος Δ ´ Β ί ος. http://www.ec-patr.org/list/index.php?lang=gr&id=319
[45] Православная Церковь в Восточной Европе. XX век. Под ред. К. Шайо. К.: Дух и литера. 2010. С. 63.
[46] Православная Церковь в Восточной Европе. XX век. Под ред. К. Шайо. К.: Дух и литера. 2010. С. 86.
[47] Блохин В. С. История Поместных Православных Церквей: Учебное пособие. Екатеринбург. 2004. С. 83.
[48] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[49] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[50] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[51] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[52] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[53] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[54] http://www.pravmir.ru/poslanie-sobranija-predstoyateley-drevnejshih-patriarhatov/
[55] http://www.ec-patr.org/docdisplay.php?lang=gr&id=1367&tla=ru
[56] http://www.ec-patr.org/docdisplay.php?lang=gr&id=1367&tla=ru
[57] http://www.ec-patr.org/docdisplay.php?lang=gr&id=1367&tla=ru
[58] Bischof Ciprian (Spiridon) von Campineanu, Sekretär der Heiligen Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche und Patriarchenvikar, erklärte die Position der Rumänischen Patriarchats in Bezug auf die Errichtung des Gotteshauses in Jericho wie folgt: „Das Patriarchat von Jerusalem kann den rumänischen Pilgern, die jährlich (über 3000) ins Heilige Land kommen, weder Räume noch die notwendige Hilfe gewähren. Eben deswegen bauten wir das Pilgerhaus, da es uns bewusst war, dass wir uns um unsere Gläubigen nicht nur in unserem Land, sondern auch im Ausland kümmern müssen… Wir stellen die Jurisdiktion des Patriarchats von Jerusalem über Israel, Palästina und Jordanien nicht in Frage, aber unsere Einrichtung ist für rumänischen Pilger und nicht für örtliche Gläubige bestimmt, die vom Patriarchat von Jerusalem betreut werden“. (Румынский Патриархат: «Строительство храма в Иерихоне было обусловлено паломническими традициями румын» // http://www.pravmir.ru/rumynskiq-patriarxat-zayavil-chto-stroitelstvo-xrama-v-ierixone-bylo-obuslovleno-osobymi-tradiciyami-rumynskogo-palomnichestva/).

[59]„Die Gründung der sogenannten „Bessarabischen Metropolie“ und ihrer Strukturen ist ein Teil der aggressiven Politik Rumäniens gegen den souveränen moldawischen Staat“, verkündete Wladimir Woronin, Präsident von Moldawien. Patriarch Alexij II. von Moskau und ganz Russland sagte seinerseits: „Das war eine antikanonische Handlung der Einmischung ins Territorium einer anderen Orthodoxen Landeskirche und der dortigen Gründung von Diözesen“ (Алексий II и Владимир Воронин несогласны с поведением Румынии и Румынской церкви вот ношении Молдавии // http://www.interfax-religion.ru/?act=news&div=22446)

[60] ΤΟ ΠΑΤΡΙΑΡΧΕΙΟΝ ΙΕΡΟΣΟΛΥΜΩΝ ΔΙΕΚΟΨΕ ΤΗΝ ΚΟΙΝΩΝΙΑΝ ΜΕΤΑ ΤΟΥ ΠΑΤΡΙΑΡΧΕΙΟΥ ΡΟΥΜΑΝΙΑΣ. // http://www.jp-newsgate.net/gr/2011/05/09/3352/. Die Kirche von Jerusalem verurteilt die Handlungen der Rumänischen Kirche aufgrund der apostolischen Worte „nicht auf eines anderen Grund bauen“(Röm 15, 20), sowie der 31. apostolischen Regel, der 5. Regel des Antiochischen Landeskonzil und der 10. Regel des Konzils von Karthago.
[61] Журналы заседания Священного Синода Украинской Православной Церкви от 26 августа 2011 г. Журнал № 63 // http://orthodox.org.ua/uk/node/9831.
[62] Архиепископ Кипра обратио се за помоћ Каталикосу Грузиjе // http://www.spc.rs/sr/arhiepiskop_kipra_hrizostom_se_obratio_za_pomotsh_katalikosupatrijarhu_sve_gruzije
[63] Архиепископ Кипра обратио се за помоћ Каталикосу Грузиjе // http://www.spc.rs/sr/arhiepiskop_kipra_hrizostom_se_obratio_za_pomotsh_katalikosupatrijarhu_sve_gruzije
[64] Офіційна заява Патріархії Української Автокефальної Православної Церкви // http://uaoc.net/2011/09/pentarhia/.
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