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NRW-Landtag beschließt muslimischen Religionsunterricht

23. Dezember 2011
Als erstes Bundesland führt NRW schrittweise einen islamischen Religionsunterricht ein. Das beschloss der Düsseldorfer Landtag am Mittwoch mit den Stimmen von Rot-Grün und CDU. Islamischer Religionsunterricht, ein Rechtsstreit über das muslimische Gebet an der Schule, und der Aufbau von islamischen Zentren - der Islam ist inzwischen sichtbar an deutschen Bildungseinrichtungen.

Ein Beirat soll die Interessen der islamischen Gemeinschaften vertreten  

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sprach von einem „Zeichen für mehr Integration“. Die Linke sieht eine Einbindung rechtsgerichteter muslimischer Verbände und stimmte mit Nein. Die FDP enthielt sich. Der Gesetzentwurf wurde von den Düsseldorfer Regierungsfraktionen SPD und Grüne gemeinsam mit der oppositionellen CDU eingebracht. In NRW gibt es etwa 320.000 muslimische Schüler. Der künftige Religionsunterricht soll den Modellversuch „Islamkunde“ ablösen. Weil dem Staat bisher ein verbindlicher Ansprechpartner fehlt, soll als Übergangslösung ein Beirat die Interessen der islamischen Glaubensgemeinschaften vertreten. Der Beirat stellt fest, ob der Religionsunterricht den Bestimmungen des Grundgesetzes entspricht. Das Gremium wirkt zudem an der Erstellung der Unterrichtsvorgaben sowie der Auswahl der Lehrpläne mit. 

Teil-Start im nächsten Schuljahr  

Ab dem Schuljahr 2012/13 soll der Unterricht zunächst an jenen rund 130 Schulen beginnen, an denen bereits das Fach Islamkunde angeboten wird. Im Frühjahr hatten der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und das Land NRW eine Grundsatzvereinbarung dazu getroffen. Insgesamt gibt es in NRW mehr als 300.000 Schüler muslimischen Glaubens. Ein ordentlicher Islam-Unterricht sei „längst überfällig“, sagte Schulministerin Löhrmann. NRW könne nun ein „gutes Beispiel“ für andere Bundesländer werden. Die Universität Münster bildet bereits seit einigen Jahren angehende islamische Religionslehrer aus. Der Schulunterricht soll in deutscher Sprache abgehalten werden. Wann die Islamkunde flächendeckend angeboten werden kann, ist offen. 

Das Gesetz ist befristet und tritt am 31. Juli 2019 außer Kraft. Die Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. 2018 soll über Nachbesserungen des Beiratsmodells beraten werden. Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) lobte die Einführung als „großen Schritt nach vorn“. Die SPD-Bildungsexpertin Renate Hendricks sprach von einem „Durchbruch“. 

NRW und Niedersachsen sind bei der Einführung des Reliunterrichts für Muslime Vorreiter  

50 Jahre nach dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen, in dessen Folge zahlreiche Muslime nach Deutschland einwanderten, rückt damit die Einführung des islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach in den Bundesländern ein gutes Stück näher. Angeregt durch die Deutsche Islamkonferenz erlangte die sogenannte Beiratslösung einen breiten Konsens. 

NRW und Niedersachsen sind bei der Einführung des Religionsunterrichts für Muslime bislang Vorreiter. In Niedersachsen unterzeichneten im Sommer der Landesverband Schura und die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) eine Vereinbarung zur Bildung eines gemeinsamen Beirates als Ansprechpartner für das Ministerium. Bis 2014 soll der muslimische Religionsunterricht in dem Bundesland eingeführt werden. Ziehen andere Bundesländer nach, wird die Zeit der Modellversuche, die es seit Jahren in den meisten westdeutschen Bundesländern gibt, bald Vergangenheit sein. 

Im Frühjahr löste Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), damals erst wenige Wochen im Amt, einen Sturm der Entrüstung aus. Sein Satz „Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt“ führte zu heftigen Protesten - nicht nur bei den muslimischen Verbänden. Rückblickend kann demgegenüber 2011 als Jahr praktischer Schritte hin zur besseren Integration von Muslimen in Deutschland gelten. 

Aufbau islamischer Zentren an Unis nimmt an Fahrt auf  

Auch der Aufbau Islamischer Zentren zur vornehmlichen Ausbildung islamischer Religionslehrer an den deutschen Universitäten nahm 2011 weitere wichtige Hürden. Nachdem der Aufbau von Studiengängen für islamische Theologie in Tübingen sowie am Doppelstandort Münster/Osnabrück bereits beschlossene Sache waren, wurden im Februar zusätzlich die Universitäten Frankfurt/Gießen und Erlangen/Nürnberg als Standorte für islamische Studien ausgewählt. 

Zum Wintersemester ging das erste der vier Zentren in Tübingen an den Start. Die drei weiteren Doppelstandorte sollen 2012 folgen. Rund 18 Millionen Euro Bundesmittel fließen in den nächsten vier Jahren in Professuren, Mitarbeiterstellen und den wissenschaftlichen Nachwuchs der Islamischen Zentren. Darüber hinaus hat die Essener Mercator-Stiftung ein Graduierendenkolleg für islamische Theologie mit sieben Doktoranten gestartet. 

Das alles sind wichtige Schritte für eine wissenschaftliche Disziplin Islamische Theologie, wie sie etwa für die christliche Theologie selbstverständlich ist. Die Akademisierung sei ein „Grundstein zu einem hier beheimateten Islam“, sagt der Islamwissenschaftler Michael Kiefer und verweist auf die Vorreiterrolle Deutschlands im Bereich islamischer Theologie. Die sei in Westeuropa bislang einmalig, meint er. 

Niederlage für praktische Religionsausübung

Während die rund 700.000 muslimischen Schüler bundesweit wohl in überschaubarer Zukunft in ihrer Religion unterrichtet werden können, erlitt die praktische Religionsausübung an den Schulen eine Niederlage. Scheiterte doch vor ein paar Wochen ein muslimischer Schüler vor dem Bundesverwaltungsgericht mit seinem Ansinnen, einmal am Tag ein rituelles Gebet an seiner Schule durchzusetzen. 

Die Leipziger Richter untersagten dem 18-jährigen Gymnasiasten sein rituelles Mittagsgebet, zugleich betonten sie unter Hinweis auf die Religionsfreiheit, dass es sich nicht um ein generelles Verbot handele. Vielmehr hätten Streitigkeiten unter den Schülern über die richtige Religionsausübung den Ausschlag gegeben. Ein Urteil, das letztlich auch von so manch muslimischen Verband begrüßt wurde. Machten die Richter doch deutlich, dass es sich dabei um eine Einzelfall-Entscheidung gehandelt habe, die Ausübung der Religion jedoch nicht eingeschränkt werde. 


(Barbara Schneider / epd,dr)

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