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Goldener Fonds

Epoche des neuen Märtyrertums. Diskriminierung von Christen in verschiedenen Weltregionen 
Vortrag von Seiner Eminenz, Metropolit Hilarion an der Moskauer Geistlichen Akademie

22. Februar 2012
Am 21. Februar 2012 besuchte der Vorsitzende des kirchlichen Außenamtes, Rektor der Gesamtkirchlichen Aspirantur und Doktorantur zu Ehren der Hll. Kyrill und Method Metropolit Ilarion die Moskauer Geistlichen Schulen, wo er eine Vorlesung vor Studenten und Lehrern hielt.

Eure Eminenz, liebe Mitglieder des Lehrkörpers der Moskauer Geistlichen Akademie, Brüder und Schwestern!

Meine Vorlesung wird sich mit der Lage von Christen in jenen Ländern auseinandersetzen, in welchen sie eine Minderheit ausmachen. Heute ist dieses Thema besonders brisant und aktuell geworden. Unsere Epoche wird zu Recht die Epoche des neuen Märtyrertums genannt, da Christen in sehr vielen Ländern Opfer von Massenverfolgung, Unterdrückung und Diskriminierung werden.

Im Zeitraum vom 30.November bis zum 1. Dezember 2011 wurde in der Konferenzhalle des Danilowskaja-Hotel die Konferenz „Glaubensfreiheit: das Problem der Diskriminierung und der Verfolgung von Christen“ gehalten. Auf eben diesem Forum hielt ich einen Vortrag, in welchem ich zahlreiche Faktoren der Diskriminierung von Christen in verschiedenen Ländern ausführte.

Erst jüngst eröffnete das Portal Sedmitza.ru eine spezielle Nachrichtenrubrik „Christenverfolgung“[1], die berufen ist, Leser in Echtzeit mit Fakten der Gewalt an Christen in verschiedenen Ecken der Welt. Ich möchte auch gerne einige englischsprachige Internetressourcen auflisten. Meist handelt es sich dabei um Webseiten von Einrichtungen und Organisationen, die es sich zum Zielt gesetzt haben die Menschenrechte zu verteidigen, durch Beobachtung der Situation in den betroffenen Ländern als auch durch aktive Hilfe in Form von materieller Zuwendung und juristischem Beistand.

1) „ Christian Solidarity Worldwide“:ist eine internationale Eirichtung für den Schutz verfolgter Christen. Auf der von ihr betreuten Webseite http://www.csw.org.uk ist die Statistik der Verfolgungen nach Regionen angeführt, ebenso werden analytische Materialien und zahlreiche Videos gepostet. Diese Einrichtung, dessen Hauptquartier sich in Großbritannien befindet, leistet auch juristische Unterstützung für verfolgte Christen in Ländern, wo das Bekenntnis zum Christentum in der einen oder anderen Form vom Gesetz verboten ist.

2) Die amerikanische „menschenrechtschützende“ Einrichtung „International Christian Concern“ pflegt die Webseite „Persecution“ („Verfolgung“) (http://www.persecution.org). Es handelt sich hierbei um eine wichtige Informationsressource, die einen ausführlichen Überblick nach Weltregionen und einzelnen Ländern bietet.

3) Auch die Internationale Einrichtung „Barnabas Fund“ (http://www.barnabasaid.org) veröffentlicht aktuelle Nachrichten über Fakten über die Ermordungen und Verfolgungen von Christen weltweit. Hier findet man unter anderem eine sehr umfangreiche Auswahl von Nachrichten über die letzten Ereignisse in Syrien und Ägypten. Diese Einrichtung ist eine der wenigen, die ständige Hilfe für Christen in Syrien organisiert, deren Lage sich wegen den Handlungen von Rebellen täglich verschlechtert.

4) Die Internationale Einrichtung „Open Doors“ (http://www.opendoorsuk.org) veröffentlicht auf ihrer Webseite eine ausführliche Übersicht nach Ländern und Kontinenten. Jüngst wurde hier eine ähnliche Liste von 50 Ländern, in welchen Christen härtester Diskriminierung ausgesetzt sind – es handelt sich hierbei um die sogenannte „World Watch List“ veröffentlicht. Die Länder sind in vier Gruppen unterteilt, je nach Grad des Druckes, die dort auf christliche Gemeinden ausgeübt wird.

Die Christliche Kirche war bereits in ihren ersten Jahren von Verfolgungen betroffen. Die Kirche ist der Gottmenschliche Organismus, sie gehört ebenso zur himmlischen, wie auch zur irdischen Welt. Mit ihrem überirdischen Wesen kann der Menschheitsfeind sich nicht versöhnen. Der Herr Jesus Christus sagte mehrmals, dass Christen in der Welt verfolgt und bedrängt werden. „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“(Joh 15,20).

Der Herr sagte die weltweiten Christenverfolgungen voraus: „Sie werden ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen…“ (Lk 21,12).

In seinem Vortrag „Verfolgung und Diskriminierung von Christen in der modernen Welt: Ursachen, Ausmaß und Zukunftsprognosen“, der auf der von mir oben erwähnten Konferenz, die in Moskau am 30. November 2011 stattfand, vorgetragen wurde, führte ich zahlreiche Fakten der Christenverfolgung auf. Deshalb werde ich heute eine Übersicht über die weltweite Situation liefern, und zwar meist anhand aktueller Ereignisse, die sich seither ereignet haben.

Die größte Besorgnis rufen vor allem zwei Länder hervor, in welchen die antichristliche Stimmung stark anschwillt, in diesen Ländern machen Christen mehr als 10% der Bevölkerung aus, es handelt sich hierbei um Ägypten und Syrien.

Folgt man den Angaben von 2007, wohnen in Ägypten 107 Millionen Menschen, von denen die Meisten Araber sind – 91, 9%. Fas alle von ihnen (90% der Landesbevölkerung) bekennen sich zum Islam. Christen wohnen meist in Kairo, Alexandria und anderen Großstädten. Sie stellen ca. 10% der Bevölkerung aus.

Nach den Ereignissen von Januar und Februar 2011 brach in diesem Lande die deutliche Tendenz durch, die Scharia zum einzigen Rechtssystem des Landes zu machen. Es sollte berücksichtigt werden, dass diejenigen, die heute die Einführung der Scharia-Normen verlangen, in der Regel, sich zu radikalen Ansichten bekennen, laut denen Christen Heiden angeglichen werden und der Bekehrung zum Islam unterliegen. Ich bin der Meinung, dass die Scharia-Normen sich nur auf Muslime beziehen müssen bzw. dürfen. Sie dürfen keinesfalls auf Christen angewandt werden. Ich bin überzeugt, dass sowohl Christen als auch Muslime über den gleichen Umfang der vom Staat sicherzustellenden Rechten und Garantien verfügen müssen.

Im Laufe des Jahres 2011 waren Christen in Ägypten ein ständiges Objekt der Angriffe. In meinen Vorträgen führte ich viele derartige Beispiele auf. Die Regierung dieses Landes wurde, anstatt Christen zu schützen, manchmal selbst zur Quelle der Gewalt gegen sie. So organisierten Kopten am 9. Oktober 2011 in der Hauptstadt Ägypten eine friedliche Demonstration, doch sprengte das bewaffnete Militär, das sich im Befehlsbereich des Obersten Rates der Streitkräfte befand, diese Demonstration, wobei über 20 Christen getötet und über 200 verwundet wurde. Die Christen wurden mit der Militärtechnik buchstäblich zermalmt.

Nach der Parlamentswahl, die im Januar 2012 stattfanden, in dessen Zuge die meisten Parlamentssitze die „Muslimbrüder“ und Salafisten gewannen, verschlechterte sich die Lage der Christen massiv. Die „ Freiheits- und Gerechtigkeitspartei“ („Ḥizb al-ḥurrīya wa-l-ʿadāla“), die einen politischer Flügel der „ Muslimbrüder“ darstellt, gewann 230 Parlamentssitze von 498. Die salafistische „Partei des Lichts“ („al-Nur“) erreichte Platz zwei, sie gewann insgesamt 120 Sitze. Bemerkenswert ist, dass die „Muslimbrüder“ in der letzten Zeit versuchen, eine Politik zu betreiben, die man als „Koptenschutz“ bezeichnen kann. So bildeten junge Mitglieder der Muslimbruderschaft über die Weihnachtsfeiertage und  an Silvester lokale Gremien für den Schutz der christlichen Gotteshäuser vor den Angriffen der Salafisten, die die Weihnachtsfeiern und  Silvesters für antiislamisch halten.

Die Salafisten wiederum bekundeten in Richtung der Christen, dass entsprechend der Scharia entweder „Dschizya“  („Kopfsteuer“) zu bezahlen hätten, so wie es eben Menschen mit dem Status von Nicht-Muslimen obliegt, oder aber das Land zu verlassen hätten. Salafisten zerstörten Kirchen, vernichteten Häuser von Christen und ermordeten Christen. Sie bildeten das „ Komitee zur Verbreitung von Tugend und Verhinderung von Laster“, das demjenigen, welches in Saudi Arabien wirkt, ähnlich ist. Im September 2011 wurde es im Vortrag der „Ägyptischen Union für Menschenrechte“ deutlich ausgesprochen: im Zeitraum vom Januar bis September 2011 verließen über hunderttausend Kopten das Land wegen der Einschüchterung durch Salafisten.

Während antichristliche Ausschreitungen der Radikalen (die, auch wenn ziemlich zahlreich, so doch unkoordiniert stattfanden) noch vor dieser Parlaments-Wahl um sich griffen, begannen die Radikalen, nachdem sie an die Macht gekommen waren, ganze Ortschaften von Christen zu säubern. Hier die Beispiele.

Am 27. Januar 2012 wurden Kopten des Bezirkes El-Ameriya neben Alexandria von ca. dreitausend Muslimen unter Anführung von Salafisten angegriffen, die ihre Häuser und Geschäfte in Brand setzten. Am 30. Januar griff eine Horde von Muslimen das el-Sharbat Dorf zum zweiten Mal an, wo sie vor den Augen staatlicher Ordnungs- und Sicherheitskräften drei Häuser von Christen den Flammen übergaben. Danach forderten islamische Vertreter die Vertreibung des wohlhabenden koptischen Unternehmers Louis Suleiman, den sie, gemeinsam mit seinen Söhnen, beschuldigten, dass sie die Schießerei begonnen hätten, aus dem Dorf. Die Suleiman-Familie leugnet allerdings ihre Verwicklung in die Schießerei, zudem wurde bei diesen Schüssen in die Luft niemand verletzt. Nichtsdestotrotz ordnete die Polizei die Verhaftung der Suleiman-Söhne an. Am 1. Februar forderten die Salafisten an, mehrere koptische Familien aus El-Ameriya abzuschieben bzw. zu vertreiben, und schlugen vor, dass Eigentum der Familie Suleiman unter der Aufsicht des salafistischen Scheichs Sharif Al-Hawari aufzulösen. Sollte dies nicht geschehen, so drohten sie das Dorf zum zweiten Mal anzugreifen und alle koptischen Häuser abzubrennen.

Im Februar setzte eine Horde unter Anführung von Salafisten die koptische christliche Kirche und die Häuser der Christen im Dorf Meet Bashar (nordöstlich von Kairo)[2] in Brand. An diesem neuen Akt der Gewalt gegen Christen nahmen ca. 2000 islamische Extremisten teil. Dabei wurde die St. Maria-Kirche im Dorf Meet Bashar in Zagazig, Provinz Sharqia (ca. 50 km nordöstlich von Kairo) zerstört.

In Syrien lebten Muslime und Christen verschiedener Konfessionen viele Jahrhunderte lang friedlich zusammen – Orthodoxe, Römische Katholiken, Syrische Katholiken, Maroniten und Armenier. Bis vor kurzem war Syrien ein Vorbild des Wohlergehens in puncto der interreligiösen Koexistenz – hier gab es schlicht keine interreligiösen Konflikte. Muslime und Christen lebten Seite an Seite in gegenseitigem Einvernehmen. Die heiligen Orte der Christen standen den Pilgern offen. Syrien nahm über zwei Millionen Flüchtlinge aus dem Irak auf, unter ihnen mehrere tausende Christen. Die Christen des Irak erhofften sich Schutz vor der Verfolgung in ihrem Heimatland.

Heute erlebt Syrien eine schwere Zeit. Äußere Kräfte versuchen, einen Konflikt zwischen Gemeinden und Religionen anzustiften. Besonders besorgt sind wir um das Schicksal der religiösen Minderheiten in Syrien, in erster Linie: der orthodoxen Christen, die zu den ältesten religiösen Gemeinschaften zählen, die auf syrischen Boden existieren.

Bereits jetzt können wir von einem Militärangriff auf dieses Land sprechen, welcher von außen gesteuert wird. Es handelt sich um tausende Extremisten, die sich als Oppositionskräfte tarnen, die in diesem Lande einen Bürgerkrieg entfesselten. Es sind extremistische Gruppen innerhalb der Rebellen, wie die sogenannte „Jamiya“, die Wahhabiten bestehen, die mittels ausländischer Staaten bewaffnet und geschult werden, die Christen gezielt töten. Am 15. Januar 2012 wurden zwei Christen, die in einer Schlange standen, um Brot zu kaufen, ermordet. Ein vierzigjähriger Christ wurde von drei bewaffneten Menschen erschossen, während er seinen zwei kleinen Kindern im Auto fuhr. Einen tiefen Schmerz innerhalb der Russischen Kirche verursachte die Nachricht über den tragischen Tod des Klerikers der Epiphania Diözese der Antiochenischen Orthodoxen Kirche, des Priestermönches Baselios, (Nassar) am 25. Januar 2012, sowie der Beschuss eines alten Klosters in Saydnaya, der am 29. Januar stattfand.

In Februar 2012 wurden in der Stadt Homs mindestens 200 Christen, einschließlich Kleinkinder ermordet. Entführungen von Christen und anderen Vertretern der nicht-sunnitischen Bevölkerung nimmt überhand. So wurden vor kurzem zwei Christen, einer von ihnen 28, und der Andere 37 Jahre alt, entführt und später tot aufgefunden – einer wurde erhängt und mit zahlreichen Wunden am Körper gefunden, der Körper des Anderen wurde zerstückelt und in einen Fluss geworfen. Die Ehefrau des Letzteren war schwanger. Vier weitere Christen wurden entführt, ihre Entführer drohten, wenn das Lösegeld nicht bezahlt werden würde, diese ebenfalls zu töten.

Diese jüngsten Mitteilungen über antichristliche Gewaltakte erinnern sehr stark an die Situation die im Irak seit der US-Invasion im Jahre 2003 fast zum Alltag wurde. All diese Entwicklungen lassen einen sorgenvoll in die Zukunft der Christen in Syrien blicken.

Nach der jüngst verabschiedeten Resolution der UN-Generalversammlung, die gegen die syrische Regierung gerichtet ist, öffnet sich erneut, dem Beispiel Libyens folgend, eine Möglichkeit für ausländische Militärmächte in Syrien zu intervenieren. Die Gefahr eines weiter eskalierenden und jahrelang andauernden Bürgerkrieges, der jahrelang andauern könnte und tausende Menschenleben fordern würde, besteht. Eine Intervention von fremden Mächten könnte als generelle Einmischung des christlichen Westens missverstanden werden und die leidtragenden wären in einem solchen Fall die Christen vor Ort, so wie es auch zu Zeiten der Kreuzzüge der Fall war. Christen werden zu Geiseln und zu den ersten Opfern dieses Militärkonflikts.

Nach Medienberichten wurden bereits mehrere hundert friedliche Christen zu Opfern von bewaffneten Extremisten. Die Entführungen von Christen zwecks „ Lösegeld“ nehmen zu. Es besteht eine Gefahr, dass die weitere Destabilisierung sich am Schicksal der religiösen Minderheiten, vor allem der syrischen Christen, dramatisch zuspitzt.

Am 12 und 13. November 2011 wurde Syrien von Seiner Heiligkeit, dem Patriarchen Kyrill besucht. Im Laufe seiner Treffen mit den politisch Verantwortlichen, mit Seiner Seligkeit dem Patriarchen Ignatius, mit dem Großmufti Syriens Ahmad Badr al-Din Hassoun und mit dem Minister für Stiftungen Mohammad Abdul - Sattar   al- Sayyed betonte er besonders, dass die Lösung der heutigen Probleme des syrischen Volkes nur über den Weg eines friedlichen Dialogs möglich seien. Dabei seien jedes Gutheißen von Gewalt und jeglicher Extremismus unzulässig.

Betrachten wird nun die Lage in den Ländern, in denen das interreligiöse Gleichgewicht im Ergebnis der Einmischung von äußeren Akteuren zerstört wurde. Nach dem Absturz der Regime von  Muammar al-Gaddafi in Libyen und der Machtübernahme durch den NationalenÜbergangsrat wurde die in Libyen wohnenden Christen aktiv vertrieben. Vor dem Beginn der Intervention in dieses Land stellten Christen (Kopten, Orthodoxe, Römische Katholiken, Anglikaner, Vertreter anderer protestantischer Denominationen) ca. 3% der Bevölkerung.  Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation  „Open Doors“, verließen 75% der Christen Libyens, die meist ausländische Arbeiter waren, das Land im Laufe des Militärkonflikts.

Bis zum Jahre 2003 wohnten in Irak über anderthalb Millionen Christen. Zurzeit sind fast neun Zehntel von ihnen geflüchtet oder ermordet, und diejenigen, die geblieben sind, haben Angst um ihre Leben. Unter den irakischen Christen gibt es Kinder der Assyrischen Kirche des Ostens, Chaldäische Katholiken, Armenier, Syrische Katholiken und Orthodoxe. Dabei fühlten sich noch vor zehn Jahren Christen in Irak relativ sicher. Nach der militärischen Intervention begannen islamische Rebellen den Terror gegen Christen, die sich als die schutzloseste Bevölkerungsschicht erwiesen.

Hunderte christlicher Familien flüchteten in den Norden, in die kurdischen Gebiete, oder in die benachbarten Länder. Vor kurzem traf ich mich mit den Vertretern der  Leitung der irakischen schiitischen religiös-politischen „Sadr-Bewegung“: Sie versicherten mir, dass Christen, die auf den von den Bewegungen kontrollierten Territorien (das sind südliche Regionen des Landes und manche Stadtviertel von Bagdad) – von den Vertretern dieser Bewegung geschützt seien.

Im September 2011 hatte ein Mitarbeiter des kirchlichen Außenamtes mit meinem Segen den Nordirak (Arbil, Dohuk, Semile, Alqosch und andere) besucht. Ethnisch gesehen ist der Nordirak, mit sechs Millionen Einwohnern, meist von Kurden und Jesiden bewohnt.

Der Anteil der Christen an der lokalen Bevölkerung in dieser Region ist unwesentlich, doch nahm sie in den letzten Jahren wegen der Migration von Christen aus dem Süden des Landes, aus den arabischen Gebieten, zu. Zum Beispiel, in der Stadt Dohuk, macht die Anzahl der Christen – Assyrer und Chaldäer – 30000 Menschen aus, d.h., 10% der Gesamtbevölkerung der Stadt sind Christen. Die Regierung des Nordiraks, der de facto ein autonomes Territorium ist, bemüht sich um die Gewährleistung der Sicherheit der Christen.

Unser Vertreter begegnete  christlichen Flüchtlingen aus dem Süden des Landes, die erzählten, wie die zu ihnen eingebrochenen Islamisten von ihnen große Geldsummen für den Kauf von Waffen für den Krieg gegen amerikanische Aggressoren angefordert, ihre Familienmitglieder geprügelt, von denen sie einige umgebracht oder entführt hatten. Die Angreifer hatten ihre Gesichter unter Masken versteckt, man vermutete dahinter Nachbarn, oder gar Bekannte. In den letzten Jahren sind Entführungen von römisch-katholischen Geistlichen besonders häufig geworden, wonach die Entführer forderten, dass der Vatikan für sie das Lösegeld in der Größe von mehreren Hunderttausend Dollar bezahlen müsse. Für Entführungen von einfachen Menschen wurden Summen von 10–15 Tausend USD angesetzt.

Die Welle der Gewalt gegen Christen im Irak nimmt in den letzten Monaten leider nicht ab. Am 5. Dezember 2011 zerstörten Islamisten, aufgestachelt durch die Predigt eines Imams, in Zakho, einer Stadt mit einer Einwohnerzahl von 200.000 Menschen, Dutzende von Geschäften, Häusern und anderen Objekten, die Christen gehörten. Nach dem Pogrom an den Christen in Zakho breitete sich die Gewalt bald auch auf die benachbarten Städte aus.

In der irakischen Stadt Mosul, die ein Zentrum der christlichen Minderheit im Lande darstellt, erschossen im Dezember 2011 Mitglieder einer islamischen Gruppe ein christliches Ehepaar. Einige Tag vor diesem Geschehnis setzte eine Gruppe von bewaffneten Rebellen in nordirakischen Städten Zakho und Dohuk christliche Geschäfte in Brand. Wenigstens 30 Menschen wurden verletzt. Am 11. Januar geschah ein Terroranschlag auf die Residenz des chaldo-katholischen Erzbischofs in der irakischer Stadt Kirkuk.

In Iran wohnen wenigstens ein halbes Million von Christen, die meist von ihnen Assyrer und Armenier. Diese Christen haben hier ihre Gotteshäuser und können sich zu ihrem Glauben bekennen. Die Einstellung der Regierung gegenüber anderer religiöser Minderheiten, zum Beispiel, gegenüber Zoroastriern, ist ebenfalls tolerant. Fast 70 Jahre lang existiert in Teheran ein orthodoxes Gotteshaus, das sich in der Jurisdiktion der Russischen Orthodoxen Kirche befindet. Aber auch hier gibt es Fälle der Diskriminierung von Christen. Unter anderem wurde die Entscheidung des Gerichtes der Islamischen Republik Iran vom 22. September 2010, die den 32-jährigen evangelischen Pastoren Yusef Nadarkhani für seine Abkehr von Islam und seine Bekehrung zum Christentum zu Tode verurteilte, weit bekannt.

Der Verhaftung des Pastoren war sein Appell an die Regierung vorangegangen, in der er ein Gesetz der Gilan Provinz, laut dem alle Schulkinder, unter anderem sein Sohn, den Koran studieren müssten, kritisiert hatte. Nach Angaben der ermittelnden Behörden, soll der Pastor in seinem Hause kirchliche Gottesdienste verrichtet, das Evangelium gepredigt und andere Menschen getauft haben, die sich auch zum Christentum bekehrten. Er soll die Tätigkeit von 400 Hauskirchen in Iran geleitet haben. Nach der Verurteilung legte Nadarkhani eine Berufung an das Oberste Gericht Irans ein. Im Juni 2011 verordnete das Gericht, die Todesstrafe auszusetzen, und schickte die Sache selbst zurück nach Gilan zur Revision. Dem Pastor Nadarkhani wurde mehrmals angeboten, sich vom christlichen Glauben abzuwenden, doch er blieb standhaft. Zurzeit hängt die Lösung über das Schicksal Nadarkhanis von dem Staatsoberhaupt des Landes Ayatollah Chamene'i ab, der einen offiziellen Verdikt aussprechen muss.

Pakistan ist ein Beispiel der völligen Rechtslosigkeit der christlichen Bevölkerung. Von ca. 162 Millionen Pakistanern machen Christen, von denen die Hälfte Römische Katholiken sind, nur 2,45% der Bevölkerung aus. Nach einer Bewertung der Einrichtung „Open Doors“, wohnen in diesem Lande 5,3 Millionen Christen. Laut den im Januar dieses Jahres veröffentlichten Angaben der Regierung von Pakistan macht die Anzahl der Christen in Pakistan etwa 3,9 Millionen aus. Ihre Lage kann heute katastrophal genannt werden. 1986 wurde in Pakistan ein Blasphemiegesetz verabschiedet, das zur Waffe der Verfolgung gegen religiöse Minderheiten wurde. Dieses Gesetz wird häufig zwecks persönlicher Rache und als Mittel zur Einnahme eines fremden Besitzes ausgenutzt. Dieses Gesetz wurde zum Werkzeug brutaler Verfolgung religiöser Minderheiten, und, in erster Linie, von Christen. Im letzten Jahr wurden in Pakistan wegen des Blasphemiegesetzes wenigstens 161 Menschen beschuldigt. Neun Menschen, die wegen der „Blasphemie“ und „Verletzung des Islams“ beschuldigt wurden, wurden ohne Gericht und ohne Ermittlung, auf der Stelle ermordet.  Sogar muslimische Juristen und Wissenschaftler erkennen an, dass 95% aller Beschuldigungen nach dem „Blasphemiegesetz“ falsch sind.

Die Rechtlosigkeit von Christen gegenüber diesem Gesetz wird durch die Tatsache illustriert, dass ein Muslim einen Christen anzeigen kann, ohne Zeugen oder Nachweise erbringen zu müssen. Das „ Blasphemiegesetz“ verlangt die sofortige Verurteilung des Beschuldigten. Vor kurzem wurde die Todesstrafe für Asia Bibi bestätigt, die auf die Frage nach ihrem Glauben antwortete, dass sie Christin sei, und der „Blasphemie“ beschuldigt wurde. Bis zum 1. Februar 2012 unterzeichneten die Petition mit der Fürbitte an die pakistanische Regierung mehr als 580.000 Menschen aus 100 Ländern der Welt. Jetzt ist ihr Gesundheitszustand kritisch.

2011 starb im pakistanischen Gefängnis der 30-jährige Christ Aslam Masih, der ebenfalls wegen der Beschuldigung der „Blasphemie“ verhaftet wurde.

Im Laufe von mehreren Monaten wurde ihm medizinische Hilfe „aus Sicherheitsgründen“ verweigert. Vor kurzem litten unter falschen Beschuldigungen der protestantische Bischof Joseph Pervez und Pastor George Baber. Beide sahen sich in Folge der falschen Beschuldigungen dazu gezwungen ins Ausland zu fliehen. Diese beiden Christen hatten geplant, eine Einrichtung für den Schutz der christlichen Gemeinde in Pakistan zu gründen. Radikal eingestellte Muslime schrecken nicht einmal vor der Anwendung von Gewalt gegen Kinder zurück. Im November 2011 griffen sie eine Schule im pakistanischen Peschawar an. Zwei Menschen wurden ermordet, vierzehn verwundet, einschließlich sieben Kinder. Im Januar 2012 zerstörte die pakistanische Regierung ein kirchliches Wohlfahrtgebäude in Lahore, das einer der Caritas der römisch-katholischen Gemeinde nahestehenden Organisation gehörte.

Viele Christen in Pakistan werden zwanghaft mit Muslimen verheiratet und zum Glaubenswechsel gezwungen. 2011 wurde in einem Bericht der Asiatischen Menschenrechtskommission berichtet, dass jährlich etwa 700 pakistanische christliche Mädchen sich unter Zwang, wegen eines Drucks oder einer unerwünschten Schwangerschaft. zum Islam bekehren. Nachdem Anfang 2012 ein 18-jähriges katholisches Mädchen wegen ihrer Weigerung, sich zum Islam zu bekehren, ermordet wurde, sagte Khalid Rashid, Generalvikar Faisalabads in einem Interview an die Fides Agentur, dass „ähnliche Fälle in Punjab täglich geschehen“ würden. So schrieben vor kurzem europäische Massenmedien über eine 20-jährige Christin, die von einer Gruppe von Muslimen verprügelt und vergewaltigt worden war, und über zwölfjährige Rebecca Bibi, die, nachdem sie von ihrem muslimischen Arbeitgeber verprügelt worden war, ihr Sehvermögen verloren hatte.

Zurzeit werden jährlich, nach den Angaben der Konferenz der Katholischen Bischöfe dieses Landes, über 700 Fälle der zwanghaften Umkehrung zum Islam publik. Der Bericht namens „Monitoring Human Rights 2011“ stellt zahlreiche Fälle der Rechtverletzung und der Diskriminierung in Bezug auf Christen und Vertreter anderer religiöser Minderheiten in Pakistan fest. Im Januar 2012 wurde in diesem Lande ein katholischer Priester verhaftet, der acht Jahre lang in Pakistan Gottesdienste verrichtete[3].

Nach den Angaben der Organisation „Open Doors“ bekennen sich zum Christentum ca. zehntausend Menschen von insgesamt 28,4 Millionen Einwohnern Afghanistans. Das letzte allgemein zugängliche Gotteshaus in Afghanistan wurde im März 2010 „abgebaut“. Die meisten Christen heutzutage in diesem Land wohnen in Städten, und es handelt sich hierbei um Bürger, die die Taufe vor der Intervention der US-Streitkräfte empfangen hatten, oder um junge Menschen, die sich mit der christlichen Lehre während ihrer Auslandsreisen und ihren Kontakten mit ausländischen Christen in Afghanistan vertraut machten. Sie sind gezwungen, ihre Überzeugungen zu verbergen, haben keine Möglichkeit, Gotteshäuser zu eröffnen, und kirchliche Gottesdienste verrichten sie in Privathäusern. Die meisten afghanischen Christen sind römische Katholiken und Protestanten. Die Abkehr vom Islam wird als schweres Verbrechen betrachtet, und Christen werden häufig von Extremisten verfolgt.

2010 gab es ein Gerichtsverfahren gegen den afghanischen Christen Said Musa, eines Familienvaters und Mitarbeiters eines medizinischen Zentrums des Roten Kreuzes in Kabul, der wegen der Teilnahme an christlichen Riten verhaftet wurde. Das Verfahren gegen Said Musa ist nicht der erste derartige Prozess gegen einen Christen, der in vergangenen Jahren stattfand. Die Ermittlungen haben ihn dazu gebracht, dass er sich öffentlich vom Glauben abwand und dies auch im öffentlichen Fernsehen gezeigt wurde. Doch erst jüngst gelangte ein Brief von Musa in die Hände von Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen, aus welchem klar wird, dass er sich nach wie vor in einem Gefängnis von Kabul befindet und dort sowohl sexueller als auch körperlicher Gewalt ausgeliefert ist. In seinem Brief schreibt Said, dass er seine Abkehr von Christus zutiefst bedauert.

Betrachten wir nun die Lage in anderen Ländern Afrikas.

In den letzten fünf Jahren weigert die Regierung Algeriens, die Öffnungen christlicher Gotteshäuser zu genehmigen. Neulich trat hier das „Blasphemiegesetz“ in Kraft, das dem pakistanischen ähnlich ist. Nach den offiziellen Angaben wohnen in Algerien, mit seinen 36 Millionen Einwohnern, etwa elf Tausend  Christen, die Mehrheit von ihnen römische Katholiken. Nach den inoffiziellen Angaben übersteigt die Anzahl geheimer Christen im Lande diese Anzahl mehrfach. Das Gesetz, das 2006 verabschiedet wurde, verbietet die Mission unter Muslimen. 2011 kündigte die Regierung der algerischen Provinz Bejaia die Schließung von sieben christlichen Gotteshäusern an. Im Laufe der letzten Monate wurden in Algerien immer mehr Fälle der religiösen Intoleranz gegenüber Christen festgestellt. Anfang Februar 2012 griffen Unbekannte in der Stadt Ouargla, die 700 km von der Hauptstadt des Landes entfernt ist, im Dunkel der Nacht, eine evangelische Kirche an. Die Einbrecher drangen ins kirchliche Territorium ein, zerstörten ein gusseisernes Kruzifix auf dem Terrassendach der Kirche und beschädigten den Eingangstor. Dabei, nach den Angaben des Pastoren, stießen die Angreifer Drohungen laut aus[4].

Im Nordsudan, von welchem sich Südsudan im Sommer 2011 trennte, finden ständig Gewaltakte gegen Christen statt. Die neue Regierung des Landes verkündete, dass nun in Sudan „die Scharia und der Islam“ zur Grundlage des neuen Grundgesetztes werden, der Islam wird die offizielle Religion, und Arabisch – die „offizielle Sprache“. Aus dem Nordsudan kommen Mitteilungen über zahlreiche Angriffe gegen Christen, die gezwungen sind, in den Südsudan zu fluchten. Die Regierung unternimmt zum Schutz von Christen keine Maßnahmen. Von etwa einem Jahr wurde im Nordsudan ein 15-jähriges christliches Mädchen von islamischen Extremisten entführt. Die Mutter des Mädchens bat die Polizei mehrmals um Hilfe, bekam jedoch stets zur Antwort, sie solche sich zuerst zum Islam bekehren, erst dann könne sie auf die Hilfe der islamischen Polizei hoffen. Am 8. Juni 2011 beschossen bewaffnete Extremisten ein katholisches Gotteshaus während einer Messe.

Auch in einem anderen Lande – in Nigeria, dessen Bevölkerung 150 Millionen ausmacht, stehen radikale Muslime für die Christenverfolgung. Heute erlebt dieses Land mit der in Afrika größten Bevölkerung noch eine blutige Krise. Das Land ist praktisch in zwei Hälften geteilt – der muslimische Norden und der christliche Süden. Im Norden Nigerias sind 27 der 70 Millionen Einwohner Christen, die von radikalen Gruppen planmäßig vernichtet werden. Nachdem die Scharia-Gesetze in zwölf nördlichen Staaten in Kraft gesetzt wurden,  sind nach zahlreichen Konfrontationen bereits tausende Menschen ums Leben gekommen. In den eroberten Gebieten werden Scharia-Gerichte gegründet und die Scharia-„Rechtspflege“ begangen. Rebellen der örtlichen extremistischen Organisationen, von denen die Gruppe „Boko Haram“ die bekannteste ist, begehen regelmäßige Angriffe gegen Siedlungen von Christen.  Im Sommer 2011 verwandelten die Radikalen christliche Gotteshäuser und Hütten in eine Aschengrube und beraubten die Haushalte von Christen.  Im August 2011 wurden im Ergebnis eines Angriffes von bewaffneten Islamisten auf christliche Dörfer im zentralen Teil des Landes 24 Christen umgebracht. Anfang November 2011 kamen über 150 Menschen durch Terroranschläge in den Städten Maiduguri und Damaturu ums Leben. Fast alle Christen wurden gezwungen, aus diesen Gebieten zu flüchten. Während der Heiligen Nacht, am 25.Dezember 2011 wurde wieder ein monströser Terroranschlag verübt. Die Anzahl von Christen, die dabei in der nigerianischen Stadt Jos ums Leben kamen, betrug über 80 Menschen. Außerdem wurden über 200 Menschen durch Explosionen, die die Stadt erschütterten, verwundet.

Am 22. Januar 2012 wurden in Nigeria wiederum Bomben in zwei christlichen Kirchen gezündet. Eine von ihnen ist die römisch-katholische Kirche im Staat Bauchi in Nordnigeria. Immer mehr Christen sehen sich dazu gezwungen, aus Nordnigeria in andere Regionen des Landes zu flüchten. Etwa 35.000 Christen flüchteten aus Nordnigeria im Winter 2012, nachdem „Boko Haram“ ein Ultimatum stellte, in dem sie forderte, dass Christen aus den Territorien, wo die muslimische Bevölkerung überwiegt, verschwinden müssten. Im Norden Nigerias wurden von Rebellen der „Boko Haram“ im Jahre 2011 wenigstens 700 Menschen getötet. Insgesamt aber kamen in Nigeria im Ergebnis der interreligiösen Konfrontationen über 13.000 Menschen, von denen die absolute Mehrheit Christen sind, ums Leben.

In Somalia machen Christen, nach einigen Angaben, 1% der Gesamtbevölkerung aus (ca. fünftausend Menschen)  Die meisten dieser Christen waren in der Vergangenheit entweder Muslime, oder ihre Eltern. Deshalb werden sie von der Mehrheit als Verräter ihres Glaubens angesehen. Hier gibt es keine organisierten christlichen Gemeinden, und Christen leben unter ständiger Angst und der Atmosphäre des Terrors. Besonders gefährlich ist es, Kinder in der christlichen Tradition zu erziehen. Die radikale Gruppe „ al-Shabaab“, die fast das ganze Territorium des Landes kontrolliert, verkündete öffentlich ihre Absichten, das Christentum in Somalia völlig zu vernichten. Auch wenn die offizielle Regierung das Recht auf Religionsfreiheit ankündigte, unternimmt sie nichts, um Christen zu schützen. Im letzten Jahr wurden zahlreiche Christen ermordet. Im Januar 2012 wurde eine Christin vom Gericht zu 40 Peitschenhieben verurteilt. Die Vollstreckung fand vor den Augen von tausenden Zuschauern statt, dabei wurde sie bewusstlos, blieb aber am Leben und wurde ihrer Familie übergeben[5]. Am 10. Februar wurde nicht weit von Mogadischu, der Hauptstadt dieses Staats, von den Rebellen aus der „al-Shabaab“ ein 26-järiger Christ umgebracht[6].

In Somalia wohnte Nurta Farah, eine Märtyrerinnen unserer Zeit. Dieses 17-jährige Mädchen wurde Ende November 2010, nur 200 Meter von jenem Haus, in welchem sie bei ihnen Verwandten wohnte, für ihre Bekehrung zum Christentum, erschossen. Vorher war Nurta von ihrem Zuhause geflüchtet, nachdem ihre Eltern, die erfahren hatte, dass sie sich zum Christentum bekehrt hatte, sie brutal geprügelt und gefoltert hatten, um sie zur Rückkehr zum  Islam zu zwingen. Bei ihren Versuchen, Nurta zu zwingen, sich von Christus abzuwenden, hatten sie sie tagsüber an einem Baum gebunden, und nachts in einen dunklen schmalen Raum gesperrt. Ihre Bemühungen waren aber umsonst. Dann hatten die Eltern von Nurta entschieden, dass sie verrückt geworden sei und versucht, sie mit speziellen Medikamenten zu „heilen“. Doch sie hatte es geschafft, im Mai 2010 von ihnen zu ihren Verwandten zu flüchten, wo sie schließlich ermordet wurde.

Auf der halbautonomen Insel Sansibar, die ein Teil Tansanias ist, leben Christen unter dem ständigen Druck seitens der islamischen Gemeinde. Viele Christen werden zwanghaft zum Islam bekehrt, ihnen wird Arbeit verweigert. Anfang 2012 wurde ein Christ, in dessen Haus die Bibel gefunden worden war, zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

In den Ländern der Arabischen Halbinsel ist das Christentum überall verboten. In Saudi Arabien ist die Bekennung des Christentums verboten. Christen sind ausländische Arbeiter, die meist von den Philippinen kommen. Von ihnen gibt es im Lande nicht weniger als anderthalb Millionen. Sie werden verfolgt. Es gibt auch noch Christen, die sich vom Islam abwanden und ihren Glauben sorgfältig verbergen. Nach der Einschätzung der Einrichtung „Open Doors“ befindet sich dieses Land, was das Ausmaß der Christenverfolgung betrifft,  an der dritten Stelle in der Welt. 2011 fanden massenhafte Verhaftungen von Christen wegen gemeinsamer Gebete in Privathäusern statt. Im Januar 2011 wurden die Christen Yohan Nese und Vasantha Sekhar Vara verhaftet. Sie wurden von der Polizei brutal verprügelt und unter den schrecklichsten Bedingungen gefangen gehalten.

Im Dezember 2011 wurden im Laufe einer polizeilichen Kontrollaktion in der Stadt Dschidda 35 äthiopische Christen, die sich zum gemeinsamen Gebet versammelt hatten, verhaftet. Die Nachrichtendienste berichten, dass diese Christen sich immer noch in Haft befinden, wo sie zur Bekehrung zum Islam erzwungen wird. Die  Menschenrechtsorganisation „ Human Rights Watch“ verbreitete die Informationen darüber, dass sie im Gefängnis Gewalt und Demütigungen seitens der Aufseher unterzogen werden. Die Frauen wurden einer erniedrigenden persönlichen Durchsuchung unterzogen, die Männer verprügelt. Über das Schicksal dieser Christen ist noch nicht entschieden, und in diesem Zusammenhang finden weltweit Demonstrationen vor den Botschaften Saudi Arabiens statt.

Betrachten wir  nun mehr die Lage in Ländern Süd- und Südostasiens, sowie auch des Fernen Ostens . Zurzeit büßen in Nordkorea, nach den Angaben der Organisation „Open Doors“, etwa 70.000 Christen eine Strafe in 30 Arbeitslagern ab. Von 24 Millionen Einwohnern dieses Landes machen Christen etwa 400.000 aus. Die staatliche Statistik berichtet, dass 4000 von ihnen Katholiken sind. Die Anderen sind meist Protestanten verschiedener Denominationen.

Auch auf den Malediven ist die religiöse Freiheit tabuisiert. Die sunnitische Form des Islams wurde vom Grundgesetz des Jahres 1997 zur offiziellen staatlichen Religion der Malediven-Inseln verkündet. Diese Lage wurde auch vom Grundgesetz 2008 bestätigt. Die Predigt aller anderen Religionen außer dem Islam ist verboten. Auf den Besitz der Bibel steht Haft. Einerseits positioniert sich der Inselstaat als Zentrum des internationalen Tourismus und bemüht sich, Touristen von der ganzen Welt anzulocken, und andererseits betreibt er die Politik der Intoleranz und der religiösen Diskriminierung, indem er unschuldige Menschen verhaftet.

Große Bedenken löst die Lage in Bangladesch aus, wo die Eroberung der Ländereien und die Aneignung des Eigentums von Christen in der Bergregion Rangamati und im Gebiet Gulishakhali stattfinden. Laut der „Fides Information“, werden derartigen verbrecherischen Handlungen von Muslimen, die im Lande zahlmäßig überwiegen, keinesfalls bestraft. Weder die Polizei noch die Zivilbevölkerung garantieren den Schutz der Rechte der ethnischen und der religiösen Minderheiten.

Auch in Indonesien haben sich die antichristlichen Kräfte verstärkt. Indonesien ist weltweit das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Von 228,5 Millionen Menschen, die heute Indonesien bewohnen, sind 86% Muslime, 6% - Anhänger verschiedener Richtungen des Protestantismus, 3% bekennen sich zum Katholizismus.  Es gibt auch einige Dutzend orthodoxer Gemeinden. 2006 wurden in Indonesien 200 christliche Gotteshäuser angegriffen. Allein während der ersten fünf Monate des Jahres 2011 wurden 14 Gotteshäuser angegriffen. Am 24. Februar 2011 wurde das orthodoxe Gotteshaus zu Ehren der Hl. Katharina in Boyolali auf der Java-Insel angegriffen.

Auf den Philippinen bekennt sich der Großteil der Bevölkerung zum Katholizismus. Doch entstand in den 1990er auf den Inseln Jolo und Mindanao, auf welchen Muslime wohnen, die Bewegung „Abu Sajaf“, die Verbindungen mit deral-Qaida knüpfte. Im Laufe der letzten zehn Jahre kamen im Ergebnis der terroristischen Attacken 120.000 Menschen ums Leben, und 500.000 wurde zu Flüchtlingen.

Ca. 70% der Einwohner von Laos bekennen sich zum Buddhismus, während etwa 30% Heiden sind. 1,5% sind Christen. Christen ist das Recht entzogen, staatliche Posten zu übernehmen. Ihre Chancen, in die Hochschulen aufgenommen zu werden, sich ebenfalls gering. 2009 versammelte der Leiter der Provinz Salavan alle Dorfbewohner um sich und kündigte ihnen das Verbot des Christentums an. Er sagte auch, dass der einzige für sie akzeptable Kult, der „Kult der Geiser“ sei. Nach seiner Verordnung wurde von den örtlichen Christen auch das Vieh konfisziert. Die Repressionen setzen sich auch heute noch fort.

In einem der am dichtesten bewohnten Länder der Welt – Indien – leiden Christen ebenfalls unter radikal eingestellten hinduistischen Organisationen. Die Gesamtbevölkerung Indiens macht über 1,1 Milliarden Menschen aus. Über 2% der Bevölkerung sind Christen. Insgesamt gibt es in Indien 23-24 Millionen Christen verschiedener Bekenntnisse. 70% Christen Indiens stammen aus der Kaste der Unberührbaren. Im Bundesstaat Orissa, wo ein großer Prozentteil der Unberührbaren wohnt, wurde innerhalb des letzten Jahrzehntes ein großes Wachstum der Bekehrungen zum Christentum beobachtet. In einigen Gebieten des Bundesstaats stieg der Anteil der Christen im Laufe dieser Zeit um das Zweifache. 2008 fanden im Bundesstaat Orissa massenhafte Ermordungen von Christen und Pogromen  gegen ihre Gotteshäuser und Wohnhäuser statt, die zwei Monate lang dauerten.

Während der Zeit der Pogrome in Indien wurden 500 Christen ermordet. Die oppositionelle hinduistische Indische Volkspartei„The Bharatiya Janata Party“ (BJP), die über mehrere Staaten faktisch regiert, kämpft aktiv gegen das Christentum. Am Anfang dieses Jahres kam in der indischen Stadt Batala  zu einer Welle der Konfrontationen zwischen hinduistischen Extremisten und der christlichen Minderheit. Die Vertreter der christlichen Gemeinden in Indien werden nach wie vor von organisierten Gruppen radikaler Hindus angegriffen.

2011 wurden in Indien 2141 Fälle von Gewalt gegen Christen registriert. Laut einem Bericht, der von „Catholic Secular Forum“ präsentiert wurde, finden Angriffe gegen Christen seitens extremistischen hinduistischen Gruppen zurzeit fast in allen indischen Bundesstaaten statt. Die Autoren des Berichtes vermuten, dass die reelle Anzahl der Fälle der antichristlichen Gewalt in Indien im letzten Jahr um das Dreifache größer sein müsste. Was die präsentierte Statistik betrifft, ruht sie auf den Angaben, die dank der Massenmedien bekannt geworden sind. 2012 wurden in Indien neue Fälle der Diskriminierung gegen Christen und Angriffe auf christliche Lehranstalten registriert. Anfang Februar 2012 verübten ca. 100 hinduistische Radikale einen Angriff auf den Campus des jesuitischen „ St . Joseph College“ in Anekal, unweit von Bangalore (Bundesstaat Karnataka).

Im Folgenden sollte noch auf die Grundlagen der Verstärkung der Christenverfolgung der letzten Jahre eingegangen werden.

Seit der Zeiten des Seminarstudiums wissen Sie, dass die Ursachen der Christenverfolgung im Altertum sich in drei Gruppen unterteilten: gesellschaftliche, religiöse und politische Ursachen . Diese Ursachen sind weitgehend dieselben geblieben, allerdings mit gewissen Vorbehalten.

Unter den gesellschaftlichen Ursachen wird der vom Bösen motivierte Hass der Menschenmassen verstanden. Heidnische Schriftsteller und christliche Apologeten bezeugen einstimmig, dass der Entstehung und der Verbreitung des Christentums seitens der Bevölkerung des Römischen Reiches mit einmütigem Hass begegnet wurde – seitens sowohl der niederen Gesellschaftsschichten, als auch der ausgebildeten Klasse.

„Womit schaden wir euch, oh Hellenen? Warum hasst ihr diejenigen, die dem Wort Gottes folgen, wie die abgefeimtesten Malefikanten?“ – fragte Tertullian. „Wie oft griff die uns gegenüber feindselige Plebs“, - sagt dieser christliche Schriftsteller des dritten Jahrhunderts – „uns an“, wie oft warfen sie Steine und setzten unsere Häuser in Brand. Sie lassen die Gnade nicht mal über die toten Christen walten, sie ziehen Leichen aus den Särgen heraus, um sie zu misshandeln, um sie zu zerreißen“[7]. Der Hass der Menschenmasse gegen Christen wuchs besonders in den Zeiten öffentlicher Katastrophen. Im gewissen Sinne wiederholen sich die Ereignisse – die Psychologie der Menschenmasse, wenn diese hysterisch geworden ist, ändert sich, je nachdem zu welcher Religion die sie ausmachenden Menschen gehören, nicht. Die Menschenmasse braucht einen Feind, an dem sie ihren Frust abbauen kann, und das Anderssein der Christen fordert den Hass „dieser Welt“ nach wie vor heraus.

Die religiösen Ursachen waren im Altertum mit der Wahrnehmung des Christentums als einer unerlaubten Religion, deren Anhänger für die herrschenden religiösen oder quasireligiösen Ideologien eine Herausforderung darstellten, verbunden.

Heute ist die intoleranteste Einstellung gegenüber Christen in den Ländern zu beobachten, wo die Scharia-Normen festgelegt sind. Nach der Angaben der US-Ausschusses für religiöse Freiheit, sind neun von zehn Ländern, in welchen die Lage der Christen am schlimmsten ist, muslimische Länder.

Die politischen Ursachen der Verschlechterung der Lage von Christen sind, meiner Ansicht nach, die wichtigsten. In den ersten Jahrhunderten des Daseins der Kirche wurden Christen verfolgt, da sie als Feinde des Kaisers wahrgenommen wurden, da sie ihm keine religiöse Verehrung entgegenbrachten. Die Rechtsordnung des Römischen Reiches stellte an Glaubensbekenner solche Anforderungen, sodass sie sie nicht erfüllen konnten, ohne dem Christentum abzuschwören. Derartige für Christen inakzeptable Forderungen werden heute in einigen Ländern erhoben, wo die „Blasphemiegesetze“ verabschiedet wurden. Laut diesem Gesetz wird selbst das Bekenntnis von Christus als Gott als Blasphemie angesehen, und Christen stehen vor der Wahl – entweder bleiben sie Christen und leiden, eventuell bis zum Tode, oder sie verleugnen ihren Glauben.

Christen werden heute zu Geiseln eines großen politischen Spiels, das mit einer geostrategischen Neuaufteilung des Nahen Ostens und Afrikas verbunden ist. Die reichsten Länder der Arabischen Halbinsel, wie Saudi Arabien und Qatar, investieren Millionen von Dollar in die Destabilisierung der Situation in anderen Ländern dieser Regionen. Der radikale Islam der wahabitischen Richtung wird in Länder exportiert, für die er nie charakteristisch war. Faktisch ist der Wahabismus eine politische Doktrin, die das religiöse Kleid benutzt. Sie ist ein politischer Extremismus und eine Hassideologie, die sich mit Religion tarnt.

Es gibt eine Menge von Büchern und Internetseiten die von Menschen erschaffen wurden, die, während sie sich Muslime nennen, Hass propagieren und zur Ermordung von Christen, und Angehörigen anderer Religionen, aufrufen. Trotz des im Koran enthaltenen Verbots der Gewalt gegen Christen als „Menschen des Buches“ eignen sie sich die Autorität an darüber zu entscheiden welcher Christ getötet wird. Ideologen der „radikalen Einrichtungen“ rufen zur totalen Vernichtung aller Christen auf. Bestenfalls wird es ihnen, laut den Ansichten der Extremisten, erlaubt, mit dem Status eines Menschen der „dritten Art“ zu leben, unter der Bedingung der Auszahlung einer speziellen Steuer die für das Recht erhoben wird, auf dem Lande der Muslime zu wohnen. Es ist aufschlussreich zu beobachten, dass zu Opfern dieser Menschen nicht nur Christen, sondern auch Muslime werden, die als Anhänger der traditionellen Islamrichtungen zu „Apostaten“ oder „Heucheln“ werden.

Der Export des „Salafismus“, einer der Richtungen des radikalen Islam von der Arabischen Halbinsel, in die benachbarten Regionen begann in den 1970er Jahren. Später wurde er auch in weiteren Ländern bekannt. Bis zum 2000 breiteten sich seine Anhänger über die ganze Welt aus. Heute spielt der Salafismus eine wichtige Rolle in Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Qatar, Sudan und in Afghanistan. Die Anhänger dieser Bewegung streben die Erreichung eines politischen Zieles an, das in der Bildung der weltweiten islamischen Staates (Khalifats) besteht, sowie auch darin, dass das Leben der Gesellschaft sich ausschließlich auf den Scharia-Postulaten (dabei auch seiner extremsten Schule – der „hanbalitischen“) gründet. Die kennzeichnenden Eigenschaften der politischen Doktrin des Salafismus wurde die Intoleranz gegenüber der säkularen Gesellschaft und das Bestreben, diese durch eine islamische Gesellschaft, dich nach den Scharia-Gesetzen gebildet sein muss, zu ersetzen. Dazu zählen auch die Unzulässigkeit der Trennung von Religion und Staat, die Frontstellung der islamischen Welt gegen die anderen Modelle von Zivilisation, die Ablehnung aller nicht-islamischen Gesetze, das Streben nach der Vernichtung des Christentums, das dem Heidentum gleichgesetzt wird. In den 1990er Jahren entstanden fast in allen islamischen Gebieten weltweit massenhaft salafistische Gruppen. Bis heute sind nicht weniger solche Vereine, von denen die bekannteste die al - Qaida, der ägyptische „Jihad“, der palästinensische „Islamische Jihad“, die in Irak wirkende „Ansar al-Islam“, die in Malaysia und Indonesien den radikalen Islam in Schwung gebrachte „ Jemaah Islamiyah“ und andere.[8] Heute wird diese religiös-politische Ideologie mithilfe der modernen Informationstechnologien, wie z. B. soziale Netzwerke und andere, verbreitet. Meiner Ansicht nach kommt dieser Radikalismus durch Ignoranz zustande. Wenn Menschen ihren Glauben schlecht kennen, und den Glauben ihrer Nachbarn noch schlechter, bildet dies den Boden für die Aggression gegen Christen. Menschen haben eine sündhafte Natur, sind sie dem Einfluss des aggressiven Prinzips unterworfen, und, um ihm Luft zu machen, werden religiöse Motive ausgenutzt. Meist anfällig gegenüber einer anderen islamischen Richtung, dem Wahabismus, erwiesen sich islamische Gemeinschaften mit einem niedrigen Niveau der Ausbildung.

Der traditionelle Islam weist seine Anhänger auf die Notwendigkeit des Kampfes gegen aggressive Emotionen hin. Was aber den Wahabismus betrifft, so ist er vom angesehenen russischen Islamwissenschaftler, Herrn Ignatenko, nicht zufällig als Ideologie des Hasses bezeichnet worden, da er auf dem Postulat der Kultivierung des Hasses aufgebaut ist, welches angeblich von „oben“ vorgeschrieben ist.

Leider hat die islamische Gesellschaft noch keinen Weg des effektiven Kampfes gegen die Verbreitung des religiösen Extremismus gefunden. In einigen Ländern kommen Vertreter dieser Richtung an die Macht, und dann beginnt die Verfolgung, bis hin zur totalen Vernichtung, der religiösen Minderheiten.

Doch wäre es falsch, die Verantwortung auf das Geschehen nur auf die „dunklen“ ignoranten fanatischen Extremisten abzuschieben, die chaotisch, unorganisiert und fast autark agieren. Häufig stehen hinter dem Rücken der Täter Kräfte, deren Hauptziel es ist, Gewinn aus dem Chaos zu ziehen. Der Erfolg solcher Menschen gründet auf Blut.

Ein anderer politischer Faktor, der die Lage von Christen verschlechtert, ist die Einmischung in die Angelegenheiten der Region seitens der westlichen Länder. Die Systeme, die in den letzten Jahrzehnten den Radikalismus aufhielten, werden mithilfe entweder der Militärkraft der USA oder der  NATO, oder beidem, wie es im Irak und Libyen der Fall war, oder der beeinflussten Revolutionen, wie in Ägypten und anderen arabischen Ländern, zerstört.

Außer den oben erwähnten Ursachen der Stärkung der Diskriminierung von Christen in den letzten Jahren gibt es auch noch andere. Es darf und kann nicht verschwiegen werden, dass eine der Ursachen der Verschärfung der Beziehungen zwischen Christen und Muslimen in mehreren Ländern, vor allem in afrikanischen, von der Praktik der „aggressiven Mission“, die von den evangelikalen Kirchen angewandt wird, deren Prediger mit der örtlichen muslimischen Bevölkerung aktiv arbeiten, um sie ins Christentum zu bekehren, ausgeht. Wird in der Predigt eine Erniedrigung des Islams zugelassen, gießt dies noch mehr Öl ins Feuer. Außerdem können ausländische Missionare, wie wir anhand der Erfahrung Russlands wissen, auch politische Ziele verfolgen.

Es ist offensichtlich, dass auch noch andere, verschiedenste, Motivationen berücksichtigen müssen, die jene antreiben, die die Christenverfolgung betreiben.  Zum Beispiel, während in Ägypten Christen angegriffen und ermordet werden, und ihre Gotteshäuser und Privathäuser in Brand gesetzt werden, werden sie im Irak meist entführt um Lösegeld zu erpressen (obwohl auch von Sprengung und Explosionen von und in Gotteshäusern zu hören ist).

Eine der indirekten Ursachen für das Ansteigen der Christenverfolgung ist im Verzicht Europas auf seine christliche Identität zu suchen. Der Prozess der Säkularisierung führte dazu, dass die meisten Europäer aufgehört haben, ihr Leben auf das Evangelium  auszurichten und  damit begonnen, nach den säkularen Standards der „Konsumgesellschaft“ zu leben. Doch verliert eine solche „post-christliche“ Zivilisation in den Augen der traditionellen Gesellschaften, so wie die Völker der islamischen Länder, ihren Stellenwert und ihre Bedeutung. Muslime begannen, auf alle Christen jene Anschuldigungen zu übertragen, die mit dem  Christentum an sich nichts zu tun haben, sondern mit der Politik der USA in den Ländern des Nahen Ostens oder dem verderbenden Einfluss der „Konsumgesellschaft“. Hierbei ist die Erzwingung einer säkularen Gesellschaft gemeint, die eben den traditionellen Kulturen aufgezwungen werden soll. Der Protest gegen diese Nötigung mündet nicht selten in antichristlichen Affekten.

Eine weitere Ursache für die stark antichristliche Stimmung ist im charismatischen Protestantismus zu suchen, der das Christentum stark verzerrte. Leider setzen Muslime ihre Vorstellung vom Christentum mit diesen Gruppen gleich. Wir sehen heute, wie Leiter verschiedener charismatischer Sekten, die sie „christliche Kirchen“ nennen, Menschen zwecks der eigenen, wie es heute modisch gesagt wird, „PR“, zu unbedachten Handlungen provozieren. Das führt zur Verzerrung des Bildes des Christentums, ähnlich  wie Handlungen von islamischen Sekten ein perverses Bild des Islam transportieren.

Neulich schenkten öffentliche, staatliche Organisationen Europas dem Problem der weltweiten Diskriminierung von Christen eine gewisse Aufmerksamkeit, auch wenn sie, unserer Ansicht nach, unzureichend ist.

Im Juni letzten Jahres lernte ich den Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE ) Professor Massimo Introvigne kennen, der dieses Thema bereits mehrere Jahre lang erforscht. Im Herbst letzten Jahres luden wir ihn nach Moskau zur Teilnahme an der Konferenz „ Glaubensfreiheit: das Problem der Diskriminierung und der Verfolgung von Christen“ ein. Vor kurzem wurde in Rom das Observatorium zur Religionsfreiheit gegründet,  das beabsichtigt, 2012 eine Konferenz für den Schutz der religiösen Minderheiten in verschiedenen Ländern der Welt durchzuführen. Am 20. Januar 2011 wurde die Entschließung der „ Parlamentarischen Versammlung des Europarates“ zur „Lage der  Christen   im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit“ verabschiedet, die Morde bzw. Diskriminierung von Christen in verschiedenen Ländern, u.a., in Ägypten, Nigeria, Pakistan, Iran, Irak und auf Philippinen verurteilt. Für ihre Annahme stimmten die Vertreter aller politischen Parteien, die im Europäischen Parlament präsent sind. Die Abgeordneten beschlossen, ein ständig wirkendes Organ beim Europäischen Auswärtigen Dienst zu gründen, das die Entwicklung und den Stand der religiösen Freiheit in der Welt beobachten und die EU-Organe, sowie auch die breite Öffentlichkeit über Fälle der Beeinträchtigung der Gewissensfreiheit durch die Regierung oder die gesellschaftlichen Kräfte verschiedener Länder informieren wird.

Die Entschließung des EU-Parlaments ist kraft einiger Faktoren wichtig. Erstens äußerten sich die europäischen Politiker hörbar über ein Problem, das bis jetzt nur peripher artikuliert wurde. Also wurde die Existenz der Christenverfolgung  in der Welt durch eines der wichtigsten politischen Organe der Europäischen Union anerkannt. Zweitens wurde zum ersten Mal  breite Aufmerksamkeit der Arbeit von jenen Personen geschenkt, die sich mit der Sammlung objektiver Daten über die weltweite Christenverfolgung befassen. Drittens schlug das Europarlament in seiner Entschließung konkrete Wege der Beeinflussung der Situation vor. Das Prinzip ist einfach: Geld und „Business“ im Austausch für Umsetzung der Menschenrechte. Wirtschaftliche Abkommen zwischen EU-Ländern und Staaten, in denen Verletzungen der religiösen Freiheit und anderer (religiöser) Minderheiten registriert wurden, sind nur unter Bedingung der Verbesserung der Lage der in ihren Rechten beeinträchtigten religiösen Gruppen zu schließen. Viertens wird in der verabschiedeten Entschließung breite Aufmerksamkeit der Notwendigkeit der Einhaltung der religiösen Freiheit geschenkt, die durch die grundlegenden internationalen und europäischen Dokumente festgelegt ist. Sie enthält auch einen Vorschlag für die Errichtung von Kontrollmechanismen. Zugleich werden diese Forderungen aber nur dann Ergebnisse nach sich ziehen, wenn den zu Papier gebrachten Forderungen die Errichtung von effizienten und regulären Dialog-Mechanismen zwischen religiösen Gemeinden, auf nationaler und internationaler Ebene, folgt.

Am 22. September 2011 rief der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, dazu auf sich gegen die Diskriminierung von Christen einzusetzen und im gleichen Atemzug betonte er, dass Vorurteile, die auf der religiösen Identität von Menschen fußen, unzulässig sind.

Der politische Ausschuss der „Parlamentarischen Versammlung“ des Europarates, der am 15. November 2011 tagte, verabschiedete eine Deklaration im Zusammenhang mit den Gewaltakten gegen Christen in Ägypten. Als Anlass für die Deklaration dienten die Ereignisse vom 9. Oktober 2011 in Kairo: „Diese Gewalt, die vom Vorsitzenden der Versammlung verurteilt wird, ist absolut unzulässig, und die ersten Erklärungen der ägyptischen Regierung und ihre nachfolgende Passivität sind nicht imstande zu überzeugen, dass sie wirklich fähig ist, der zunehmenden interreligiösen Feindschaft gerecht zu werden“.

Wir sind überzeugt, dass es notwendig ist, auf der Basis der vorliegenden internationalen Mechanismen des Schutzes religiöser Minderheiten ständige, effiziente, Zentren für Sammlung und Studium von Informationen über religiöse Verfolgung zu gründen, deren Aufgabe miteinschließen wird, nicht nur die Lage auf diesem Gebiet zu beobachten, sondern auch entsprechende Lösungen für ausführende Organe internationaler Strukturen vorzubereiten. Die UNO kann die Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten dazu anhalten die allgemein anerkannten Normen der religiösen Freiheit, und dazu ist sie auch verpflichtet. Diese Forderungen dürfen sich nicht nur auf Christen beschränken, sondern selbstverständlich auch auf alle Angehörigen anderer Religionen, deren Gewissensfreiheit auf ihr Glaubensbekenntnis, durch Extremisten bedroht ist.

Die Russische Orthodoxe Kirche spricht über die Christenverfolgung weltweit bereits seit mehreren Jahren. Im Mai 2011 wurde auf einer Sitzung desGeweihten Synods der ROK ein Dokument verabschiedet, in dem unsere Kirche nicht nur die Christenverfolgung verurteilte, sondern auch die Weltöffentlichkeit dazu aufrief, diesem Problem scharfe Aufmerksamkeit zu schenken und gemeinsam Maßnahmen zum Kampf gegen die Diskriminierung von Christen zu erarbeiten.

Die Russische Orthodoxe Kirche tritt nach wie vor gegen alle Formen der Xenophobie, der religiösen Intoleranz und des Extremismus auf. Wir brachten Verständnis für die Empörung der Muslime in Bezug auf die in einer skandinavischen Zeitschrift veröffentlichten Mohammed-Karikaturen auf. Wir unterstützen sie, nachdem Frankreich das Gesetz verabschiedete, das muslimischen Frauen verbat, in Staatsbehörden Hijab zu tragen, Mit aufrichtigen Interesse sind wir bereit, mit muslimischen Brüdern Fragen der gesellschaftlichen Sittlichkeit zu diskutieren, mit ihnen in puncto der meist aktuellen Probleme zusammenzuarbeiten und einen offenen und ehrlichen Dialog zu entwickeln.

Eine der Wege des Kampfs gegen die Christendiskriminierung ist die Aktivierung des interreligiösen und des interkulturellen Dialogs. Ihm gebührt eine wichtige Rolle bei der Entstehung der notwendigen Bedingungen für die Normalisierung der interreligiösen Beziehungen in den Problemregionen der Welt.

In Russland ist die einzigartige Erfahrung der friedlichen Koexistenz der Religionen, die in unserem Land traditionell vorhanden ist, aufbewahrt. Und diese Erfahrung kann auch für andere Länder und Völker von Nutzen sein.

Indem wir einen Dialog mit Vertretern anderer Religionen führen, bemühen wir uns, internationale, politische und interreligiöse Konflikte zu überwinden. Ein solcher Dialog ermöglicht, einander erstens besser zu verstehen und zweitens falsche Stereotype zu überwinden, die häufig den Hass und die Aggression in Bezug  auf Vertreter einer anderen Religion auslösen.

Der Widerstand gegen die Manifestationen des religiösen Extremismus, der unter anderem Konfrontation und Konflikte zwischen Anhängern verschiedener Religionen erweckt, ist nur gemeinsam möglich. Die Tatsache, dass religiöse Verfolgung nicht nur in Bezug auf Christen, sondern auch in Bezug auf Träger der anderen traditionellen Religionen – Muslime und Juden – stattfinden, darf nicht unberücksichtigt bleiben. Während wir die eine Religion verteidigen, dürfen wir auch auf die anderen nicht vergessen, wo auch immer diese oder jene Gläubige Schutz benötigen.

Heute kann man häufig hören, dass man für die verfolgten Christen Möglichkeiten der Ansiedelung in anderen Ländern schaffen sollte. Ich bin überzeugt, dass solche Bedingungen gerade eben ihren Verfolgern nützen würden. Ihr Ziel besteht darin, die christliche Bevölkerung durch Druck zur Abwanderung zu zwingen. Alle Menschen guten Willen sollten im Gegensatz dazu alles unternehmen, dass Christen, in ihrem Vaterland bleiben können und dort in Sicherheit am Wohlergehen des Landes mitwirken können. Sie dürfen und müssen sich nicht als Bürger zweiter Klasse, oder gar als „fünfte Kolonne“ des Westens fühlen. Junge Christen, die in diesen Ländern leben, sollten das Gefühl vermittelt bekommen, nicht einfach von der Mehrheit geduldete Bürger zu seine, sondern, dass sie gleichberechtigte Söhne und Töchter ihres Landes sind.

Angemerkt werden muss an dieser Stelle, dass die von Kirchen und internationalen Organisationen bereits unternommenen Tätigkeiten zur Verbesserung der Lage der Christen in jenen Ländern, in welchen sie die Minderheit stellen, bereits Früchte zeitigen.

Wir sind überzeugt, dass alle Staaten dazu berufen sind, Menschen eine Garantie zu geben, sich zu ihrer Religion frei bekennen zu können, ihre Kinder im christlichen Glauben erziehen zu können und ihre Überzeugungen im öffentlichen Bereich offen darstellen zu können und  zu verteidigen, ohne verfolgt zu werden.

Die Russische Kirche hofft aufrichtig, dass die Regierungen der europäischen Länder, deren Kultur und Tradition auf den christlichen Werten gründen, die Einhaltung des Prinzips der Religionsfreiheiten von jenen Regierungen der Staaten, in welchen Christen verfolgt werden, zu fordern. Die Rechte der religiösen Minderheiten müssen, so wie auch in europäischen Ländern, unabänderlich unter dem Schutz des Gesetzes bleiben.

Erst kürzlich fand ein Treffen zwischen den Oberen der traditionellen Religionen Russlands und  Wladimir Putin statt, auf welchem ich den Wunsch äußerte, dass der Schutz von verfolgten Christen zu einer der Leitlinien russischer Außenpolitik werden möge. Ich sagte Wladimir Putin, dass es Russland ist, das die Rechte für christliche Minderheiten an politische und wirtschaftliche Hilfe knüpfen sollte. In seiner Antwort auf diese Worte sagte Putin: „Zweifeln sie nicht daran, dass dies geschehen wird. Es besteht da kein Zweifel“. Putin rief weiter zur Intensivierung des interreligiösen Dialogs auf.

Liebe Brüder und Schwestern, ich berichte Ihnen all dies, damit Sie verstehen, dass die Lage in der modernen Welt äußerst schwierig und kompliziert ist, und dass wir in unserem Lande in relative ruhigen Verhältnissen leben. Doch müssen wir wissen, was in anderen Regionen geschieht – nicht nur weil es für unsere allgemeine Entwicklung notwendig ist, sondern weil wir verstehen müssen, dass die Welt heute ein einheitliches Ganzes ist. Die Globalisierung ist so weit gegangen, dass es heute unmöglich ist Prozesse, die in einer Region stattfinden, von jenen in anderen Regionen zu trennen.

Für uns ist sehr wichtig, unsere eigene Erfahrung der interreligiösen Interaktion, die unser Land im Laufe von mehreren Jahrhunderten sammelte, an andere Länder weiterzugeben. Wir können Menschen zeigen, dass die Präsenz verschiedener Konfessionen in einem Land nicht unbedingt die obligatorische Neigung zu Konflikten bedeutet. Wir müssen verstehen, dass der Kampf gegen den Extremismus und Radikalismus nicht nur auf der Ebene des interreligiösen Dialogs, sondern auch innerhalb jeder religiösen Konfession verlaufen sollte. Das ist die Aufgabe, die vor uns allen steht.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit

Quelle: Homepage des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats

 


[2] Nach einer Meldung von AsiaNews.

[4] Mitteilung von Radio-Vatikan

[5] Nach den Angaben von „International Christian Concern“.

[6] Nach den Angaben von „Compass Direct News“.

[7] Zit. nach: Поснов М.Э. История Христианской Церкви. М., 1991. С. 87.

[8] S.: Игнатенко А.А. Расколотая умма в ожидании Судного дня (Новый взгляд со старых позиций)  // Отечественные записки. 2003. № 5 (14).

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