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Goldener Fonds

Lasset die Kindlein zu mir kommen…
Teil 1: Spendung der Kommunion an Kinder unter sieben Jahren

13. März 2012
Wie oft soll Kleinkindern die Kommunion gespendet werden? Darf man Kinder zur Kommunion zwingen? Warum weigern sich Kinder, die Kommunion zu empfangen? Wie sollen Kinder fasten, und sollten sie das überhaupt? In dem hier publizierten Artikel skizziert Erzpriester Georgy Krylov, Vorsteher des Gotteshauses zu Ehren der Neomärtyrer und der Glaubensbekenner Russlands, Wege zur Lösung der Probleme, die bei der Aufnahme von Kleinkindern ins kirchliche Leben eintreten.

In unserem Gotteshaus übersteigt die Zahl der Kinderkommunikanten oft die Zahl der Erwachsenen. Stellen wir uns eine Trabantenstadt vor: Die gigantische Menschenmenge von Eltern mit Kleinkindern wirkt auf den Priester anfangs allerliebst. Dann kommt die pragmatische Seite zum Vorschein: man kann Fotos schießen, sie an einem Stand aufhängen und dem Bischof zeigen… Doch schließlich kommt die wichtigste Frage, aus der man sich nicht herauswinden kann – was soll man tun? Denn Fragen, die mit der Kommunion von Kindern zusammenhängen, gibt es viele, und niemand scheint sie lösen zu wollen. Um einen Anfang zu manchen, sollten wir diese Fragen wenigstens zusammentragen.

Die wichtigste Frage würde ich in medizinische Begriffen kleiden: Wie soll eine Arznei verwendet werden, damit sie wirkt? Vor aller Augen spielen zahlreiche und anschauliche Geschichten von Kinderlein, die in der Gemeinde aufwachsen; wie ein kleiner Engel mit Ärmchen, die für die Kommunion auf der Brust gekreuzt sind, sich allmählich in einen hochgewachsenen Halunken verwandelt, der seine Mutter verhöhnt (meist alleinerziehend) und alles, was für diese wertvoll und heilig ist, eifernd mit Füßen tritt[1].Warum ist das so, Vater? Ich haben ihn doch als Kind zur Kommunion gebracht und Prosphoras gegeben und mit ihm gebetet... Jeder Priester kennt mindestens zehn solche Beispiele, und die Antwort auf diese Frage hat er allzu oft auch schon parat. Aber hat er auch eine Erklärung, die ihn selbst überzeugt? Denn das Phänomen der Distanzierung von der Kirche seitens der Jugendlichen ist auch in Priesterfamilien virulent, in denen auf den ersten Blick alles zu stimmen scheint. Eine Antwort brauchen wir auf jeden Fall, anstatt alles nur darauf zu schieben, dass die Zeiten eben so sind und der Antichrist bald komme usw. Das Fundament der Seele wird in der Kindheit gelegt, und die Gründe für den späteren Verlust des Glaubens im Jugendalter sind dort zu suchen. Sicherlich erleben wir eine Zeit allgemeiner Entfremdung, und das persönliche Christentum kann nicht von Kindheit an erzogen werden, da jeder Einzelne erst im Jugendalter mit aller Konsequenz vor die Wahl gestellt wird. Aber einem Kind alle mögliche Hilfe zu leisten, diese Wahl zu treffen – das liegt sehr wohl in unseren Händen.

Übrigens, was die Zeiten anbetrifft -  unter Breschnew hatte ein kirchlich erzogener junger Mensch geradezu Seltenheitswert; jetzt kommen die jungen Menschen, die in orthodoxen Familien erzogen wurden, scharenweise, um im Gotteshaus Arbeit zu finden. Wir können unseren Augen kaum trauen, denn das hätte vor zwanzig Jahren niemand auch nur zu träumen gewagt. Obwohl Religiosität erst seit Kurzem „erlaubt“ ist, ist bereits eine ganze Generation so aufgewachsen, und es kommt bereits eine zweite nach. Man braucht also nicht der Zeit die Schuld zu geben, wenn die Seelen verdorben sind.[2]

Doch wo ist die Verdorbenheit? Kehren wir zum „Anfang“, zur Kinderkommunion zurück. Einem Kleinkind im Alter von unter zwei Jahren braucht man nur die Kommunion zu spenden (auch wenn dies gelegentlich nicht einfach ist, wie Anna Galperina[3] zu Recht anmerkte). Kleinkinder sollten die Kommunion häufiger empfangen – normalerweise empfehlen wir einmal im Monat (oder öfter – zusammen mit der Liturgie).[4] Dabei kann die Mutter selbst den Gottesdienst meist vergessen – denn wenn sie mit ihrem Kind nicht genau zum Zeitpunkt der Kommunion ankommt, sondern früher, würden sie die Liturgie mit einem Kind an der Hand kaum durchstehen. Ein Säugling fremden Menschen anzuvertrauen geht allerdings auch nicht… In der Praxis haben wir oft ein anschauliches Bild von „sich abwechselnden“ Eltern vor Augen: ein Elternteil ist mit dem Kind im Kinderwagen draußen, während der andere im Gotteshaus betet: heute bist du an der Reihe. Gut ist es, wenn es einen Raum gibt, um Windeln zu wechseln u.ä. Und was ist, falls der kleine Säugling nicht das einzige Kind ist, sondern nebenan eine Herde Rabauken herumläuft, die vorhaben, das Gotteshaus Schräubchen für Schräubchen auseinanderzunehmen? Doch ist gerade die „Säuglingsetappe“ der Erziehung prinzipiell wichtig, denn wenn sie nicht gut läuft, können alle nächstfolgenden Etappen problematisch werden, und es kann z.B. passieren, dass das Kind sich einfach nicht die Kommunion spenden lässt.

Kommen wir zur nächsten Altersstufe – zwei Jahre und älter. Darf man Kinder zur Kommunion zwingen? Brauchen sie das überhaupt? Ich kann eine ausführliche Instruktion geben, wie man es machen kann (erfahrene Erzpriester organisieren solche Kommunionen meisterhaft – mit Hilfe von Diakonen und Altardienern): Erstens sollte man die Hände fixieren (am besten festbinden), dann die geschlossenen Zähne spreizen, und drittens den Mund sofort nach der Kommunion mit einem Tuch zudecken – damit nichts ausgespuckt wird! Dabei sollte das Kind ganz fest gehalten werden, am besten zu zweit oder zu dritt. Erinnert diese Beschreibung Sie an etwas? An Zwangsernährung bzw. Folter oder die Praxis der Zwangskommunionen von Altgläubigen, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren.

Ich zwinge Kinder lieber nicht zur Kommunion[5], denn oft ist es nach so einer Kommunion gar nicht mehr möglich, das Kind in die Nähe des Gotteshauses zu bringen – es beginnt zu schreien und sich zu widersetzen und „pfui“ zu schreien (welch kindliche Lästerung gegenüber der Kommunion). So etwas sollte nicht provoziert werden. Ich empfehle, das Kind vorzubereiten – es ohne Zwang kurz vor der Kommunion immer wieder in die Kirche zu bringen, an den Feiertagen, wenn Kinder seines Alters die Kommunion empfangen, damit es sich das angucken kann. Die Gruppenpsychologie würde dann wohl funktionieren, und das Kind würde die Kommunion gerne gemeinsam mit seinen Gleichaltrigen empfangen. Und wir müssen dem Kind auf seinem Niveau den Sinn der Kommunion erklären, es generell an die Kirche heranführen, damit es keine Angst hat, hierher zu kommen, Kerzen aufzustellen, mit Gleichaltrigen zu spielen (natürlich vor dem Gotteshaus und nicht darin) usw., damit es gerne ins Gotteshaus kommt.

Warum weigern sich Kinder, die Kommunion zu empfangen? Es liegt nicht nur daran, dass das Kind im Säuglingsalter so etwas nicht kennt und von Natur vorsichtig oder leicht eingeschüchtert ist (normalerweise hält es den Priester für einen Arzt und erwartet, dass ihm gleich wehgetan wird[6]). Es kommt auch vor, dass ein Kleinkind, das schon früh an die Kommunion gewöhnt wurde, plötzlich zu lärmen anfängt und keine Kommunion mehr empfangen will. Ursache kann z.B. ein unbekannter Priester oder ein neues Gotteshaus sein – aber es gibt auch andere Gründe. Deshalb bemühe ich mich in solchen Fällen immer, mit der Mutter ins Gespräch zu kommen, um zu erklären, dass ein Kind mit seiner Mutter im Kleinkindalter viel enger verbunden ist als später, und dass in dieser Situation alle Erziehungselemente (die äußeren und die inneren) wichtig sind. Oft muss die Mutter die Ursache für das Geschrei ihres Kindes in ihrer eigenen Seele suchen.

Die Liste der Ratschläge ist bekannt: weihen Sie ihr Zuhause, schalten Sie den Fernseher und die laute Musik wenigstens manchmal aus, liebkosen Sie das Kind, und vor allem leben Sie christlich! Zeigen Sei dem Kind durch Ihr eigenes Beispiel, wie die Kommunion zu empfangen ist. Rauchen Sie nicht, trinken Sie nicht, seien Sie friedlich, beten Sie, umgeben Sie das Kind mit Heiligen um, usw. usf. Ratschläge geben ist einfach, sie aber zu erfüllen ist oft schwer. Wenn man nur realistische Ratschläge geben könnte – Ratschläge der Liebe, nicht des Gesetzes und der Hochmut.

Generell sind Gespräche mit den Müttern der Kleinkinder notwendig, und es wäre gut, beim Gotteshaus eine Organisation dafür zu haben („Erste Schritte“ o.ä.). Wenn eine Frau Mutter wird, „öffnet“ sie sich spirituell. Es wäre auch schwer, sich spirituell nicht zu öffnen, wenn man mit so einem kleinen Wesen in Kontakt tritt. Deshalb kommen Mütter häufig wegen ihrer Kinder ins Gotteshaus. Hier ist die Ereigniskette oft so: auf einen Tipp der Freundinnen hin beginnen sie, ihren Kleinkindern die Kommunion spenden zu lassen, und dann gehen sie selbst das erste Mal zur Beichte. Es ist gut, wenn es so ist, aber häufig geschieht es andersherum: Erwachsene bringen Kleinkinder, obwohl sie selbst weder getauft noch ins kirchliche Leben integriert sind, und bemühen sich auch nicht in diese Richtung – sie halten es für unnötig.[7]  Das ist eine abergläubische Einstellung zur Kommunion – sie spenden zu lassen, damit das Kind nicht krank wird. Hier sind wir als Priester gefragt. Vielleicht sollten wir an die mittelalterliche Praxis der Kleinkinderkommunion zu erinnern, bei der die Eltern vorher sowohl fasten als auch die Gebetsregel vorlesen mussten (diese Tradition bewahren die Altgläubigen noch heute), und den Müttern von dieser Praxis erzählen, um ihnen verständlich zu machen, wie sehr ihr spiritueller Zustand mit dem Zustand ihres Kindes zusammenhängt.

Der Großteil der Probleme, die mit der Kommunion im Alter ab zwei Jahren zusammenhängt, ist die Berichtigung dessen, was im Säuglingsalter versäumt worden ist. Aber nicht nur das: es stellt sich auch die Frage nach der bewussten Teilnahme am Mysterium und der Vorbereitung darauf. Als wichtigste Hauptursache der späteren Entkirchlichung von Kleinkindern wird normalerweise das Fehlen des inneren Christentums ihrer Eltern genannt. Die rein äußerliche, rituelle Teilnahme am Mysterium wird  der bewussten Teilnahme mit Vorbereitung gegenübergestellt. Wie kann man aber „schon große“ Kleinkinder vorbereiten? Gehen wir zunächst auf den Gottesdienst ein.

Die Nachlässigkeit der Eltern und die gemeindliche Unorganisiertheit  führen fast jeden Sonntag zum selben Bild: eine Horde „schon großer“ Kleinkinder, die vorher draußen gespielt haben, spielen während der Kommunion im Gotteshaus weiter, drängen sich nach vorn, schlagen ihre Spielpartner ab, ohne auf die Priesterzurufe zu hören – von welcher Bewusstheit kann in solchen Umständen die Rede sein? Dann gibt es unendliche Predigten des Priesters, an die Eltern gerichtet: über den Unnütz der einfachen rituellen Kommunion, über die Notwendigkeit, Kinder vorzubereiten und sie aufzuklären, usw.

Während die Kinder vor dem Gotteshaus „Indianer“ spielen, beten ihre Eltern normalerweise im Gotteshaus. Wie sollte es denn sonst sein? Die Kinder wurden schon zu Hause  anstrengend – wenigstens hier hat man von ihnen seine Ruhe. Man zwingt sie, im Gotteshaus neben den Eltern zu stehen – das wird aber nicht gelingen! Eigentlich wäre es nicht schwer, es so zu organisieren, damit „sowohl die Wölfe satt werden als auch die Schafe heil bleiben“.[8] Es ließen sich ein paar Freiwillige organisieren, die die Kinder beaufsichtigen, während ihre Eltern beten[9]. Dann könnten die Eltern ihre Kinder einige Zeit vor der Kommunion abholen (mancherorts stören die Freiwilligen die Eltern nicht einmal, sondern führen selbst ihre „Schäfchen“ organisiert zur Kommunion – gut, dass es in einigen Gotteshäusern den „Kinderkelch“ gibt). Auf einer Moskauer Diözesanversammlung empfahl der Patriarch die westliche Praxis: während des Gottesdienstes befinden sich die Kinder in einem Zimmer in der Nähe vom Gotteshaus. Idealerweise hat dieses Zimmer eine Glaswand, so dass die Kinder alles, was im Gotteshaus geschieht, sehen und hören können (im Zimmer sind Lautsprecher installiert). Sie selbst können aber nicht gehört werden; so stören sie den Gottesdienst nicht. Es wird empfohlen, in diesem Zimmer „entsprechende Spiele“ durchzuführen“[10] – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.[11] Und dann wird gesungen, zum Beispiel das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser, und ein Weilchen im Stehen verbracht, damit die Kinder vom Spiel abgelenkt werden. So lassen sich die Kinder auf die Kommunion vorbereiten. Diese Vorgehensweise ist zwar nicht ganz korrekt, ist aber heute fast der einzige gangbare Weg, das „Kinderproblem“ in „kinderreichen“ Gemeinden“ zu lösen.[12]

Die „frommsten“ Gemeindemitglieder begegnen solch einem Kinderzimmer feindselig. Wie – die Kinder verfolgen nicht den ganzen Gottesdienst im Stehen, sondern befinden sich irgendwo anders und treiben irgendetwas anderes, und empfangen dann trotzdem die Kommunion? In solchen Vorwürfen sehe ich ein gerüttelt Maß Bigotterie. Sicherlich gibt es Kinder, die schon von klein auf daran gewöhnt sind, beim Gottesdienst gemeinsam mit den Erwachsenen zu beten. Für solche Kinder würde das Kinderzimmer zur Verführung. Doch sollte von zwei Übeln stets das Geringere gewählt werden,[13] und das Kinderzimmer ist nützlich für die überwiegende Mehrheit von Kindern und Eltern. Natürlich ist es unmöglich, aus allen Kindern „kleine Mönche“ (mit einem Ausdruck von Anna Galperina) zu machen. Sogar in Familien mit „kirchlicher Tradition“ stoßen erfahrene Eltern auf Individuen, bei denen es in einem bestimmten Alter unmöglich ist, sie zu zwingen, unter „richtigen“ Bedingungen eine Stunden lang stehenzubleiben. Es liegt am Charakter und am Temperament – und das sind keine „dämonischen Wirkungen“, wie fromme Großmütter zuweilen vorschnell schließen. Und wenn es nicht einmal solche Vorzeigeeltern schaffen, was kann dann über all die Anderen gesagt werden (wobei es vielen Eltern selbst schwerfällt, die ganze Liturgie hindurch zu stehen). Kinder, die massenhaft im Gotteshaus eingepfercht sind, verwandeln den Gottesdienst zwangsläufig in einen Saustall. (Ich bitte um Verzeihung, aber in der Praxis ist es unmöglich, alles so wie im frommen Mittelalter darzustellen.)

Trotzdem sollte man Kinder an das Gebet im Gotteshaus gewöhnen, und das ist eine der Funktionen des Kinderzimmers. Kinder sollten lernen, wenigstens eine Weile lang konzentriert und still stehenzubleiben und die Ehrfurcht im Gotteshaus zu spüren. Doch sollte diese Wissenschaft zu Hause, bei den häuslichen Gebeten und der häuslichen Frömmigkeit beginnen, das ist klar. So komme ich jetzt von der Vorbereitung auf den Gottesdienst zur Vorbereitung zu Hause.

Wie sollten Kinder, die sich auf die Kommunion vorbereiten, fasten? Diese Frage hängt mit der allgemeinen Frage nach dem Kinderfasten zusammen. Sollen Kinder fasten? Das Meinungsspektrum ist groß; es reicht von resoluter Ablehnung (wozu sollen wir dem Kind seine Kindheit wegnehmen) bis zur Befürwortung der gleichen strengen Fastenregeln wie für Erwachsene (wenn wir ihnen das Fasten nicht beibringen, werden wir es später bereuen). Die Aktualität dieser Frage zeigt sich in ihrer hitzigen Erörterung. Es gibt verschiedene Kinder und verschiedene Familien, und deshalb gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort…

Ich habe allerdings doch eine fertige und bequeme Antwort auf diese Frage, die häufig wiederholt werden muss (jeder Priester hat mehrere angelernte, schöne, aber nicht immer praktisch nützliche Antworten): ihr braucht eure Kinder nicht zum Fasten und Beten zu zwingen, sondern sollt in ihnen den Wunsch danach wecken – den Wunsch nach christlicher Askese und spirituellem Vorwärtskommen. Dann fasten und beten sie bald von selbst, ohne äußeren Zwang. Sicher, das ist leicht gesagt, aber schwer getan… Ehrlich gesagt, in meinen fast 20 Jahren pastoraler Praxis traf ich kein Kind, bei dem es seine Eltern geschafft hätten, solch ein Begehren zu wecken. Die Forderung ist zwar richtig, aber unerfüllbar – nur in Vitae kann man so etwas über die zukünftigen Heiligen im Kleinkindalter lesen. Aber man kann doch von den Eltern nicht verlangen, einen Heiligen zu erziehen… Und überhaupt, kennt ihr viele Erwachsene, die dieses Begehren in sich selbst erzogen haben?

Allerdings ist es häufig der Fall, dass Kinder dieses Begehren profanisieren – und solchen Profanisierungen begegnet man sehr oft. Es gibt Kinder, die „aus dem Stegreif“ lernen, es ihren Eltern recht zu machen und sich anzupassen, während ihre Eltern  diese Anpassungsstrategie nicht bemerken wollen und das Verhalten ihrer Kinder für bare Münze, als ganz aufrichtig nehmen. Kinder spüren sehr deutlich, was ihre Eltern von ihnen wollen, und imitieren das Gewünschte, um so die elterliche Gunst „mit allen Konsequenzen“ zu erhalten.[14] Diese Technik des Betrugs lernen Kindern sehr früh, so ab drei Jahren oder sogar früher, und die Lehrer sind häufig wir selbst – für uns ist es nämlich so bequemer. Zunächst ist dieser Betrug beiden Seiten recht, aber später verwandelt er sich, wie jede Unaufrichtigkeit, in Rebellion und Hass.

Also doch lieber Zwang? Jede Vorbereitung auf die Kommunion ist unvermeidlich Zwang und Nötigung, so wie überhaupt der Großteil unserer Erziehungsmaßnahmen. Man sollte sich aber Gedanken darüber machen, damit dieser Zwang quasi indirekt ausgeübt wird, damit er eine Sogwirkung entfaltet, anstatt zu brechen. Ehrfurcht kann nicht erzwungen werden – sie kann nur als Frucht der Gnade auf die Welt kommen. Aber es ist möglich, Kindern bestimmte Regeln und Beständigkeit anzuerziehen, wie Treue, Mut, Geduld und vieles andere.

Das Kind soll auf seinem Niveau verstehen, wozu das Ganze gut ist: Alle beten – und ich bete auch, wie die Erwachsenen; alle fasten – und ich faste, wie die Erwachsenen! Eine eigene kindliche „Theologie“ braucht es auch – liebe Eltern, bitte helft dabei und gestaltet sie! Auch die Einstellung zu Kommunion wird sich bei den Kleinen ändern, wenn sie zur Vorbereitung irgendwelche Mühe aufgewandt haben – z.B. auf ein Bonbon verzichtet. Es ist gut, wenn die Umgebung der ins kirchliche Leben integrierten Familie das Kleinkind ungeheuchelt mit einbezieht – das ist inzwischen das einzige ihm zugängliche Universum, und darin darf es keine „schwarzen Löcher“ geben. Aber jedes Kind, selbst das demütigste, wird früher oder später danach streben, sich aus diesem Universum herauszuarbeiten. Früher oder später muss ihm beigebracht werden, selbstständig zu laufen und nicht mehr an der Hand.

Kinderpsychologen sagen, dass mit drei Jahren das erste schwierige Alter im Leben des Kindes beginnt, in dem es sich als Persönlichkeit wahrzunehmen und gegen Gewalt an seiner Person zu rebellieren und zu trotzen beginnt. Gelegentlich begegnete ich einer „frommen“ Kinderrebellion: Ich werde nicht so wie du, sondern so wie die Leute in der Kirche!Dieser rebellische Geist darf bei der Erziehung nicht vergessen werden. Gebet und Besuch des Gotteshauses dürfen nie als Strafe wahrgenommen werden; eher umgekehrt: willst du das Kind bestrafen, verbiete ihm das gemeinsame häusliche Gebet, nehme es nicht ins Gotteshaus mit, bringe es nicht zur Kommunion - dann wird sich das rebellierende Kind mit allen Kräften nach dem Verbotenen sehnen! Normalerweise wird empfohlen, die Kleinkindrebellion ruhig und entschlossen zu besänftigen und auszuhalten, mit Zuckerbrot und Peitsche. Diese Mittel eignen sich aber nicht im religiösen Bereich! Hoffen wir, dass auch ein „rebellisches“ Kind eher nicht äußerliches (so wie Alle tun!), dann wenigstens innerliches religiöses Gefühl (trotz Aller tun!)in sich verspürt. Das Äußerliche geht schnell verloren, aber das Innerliche bleibt.

Rebellische Bestrebungen hängen generell mit dem Kampftrieb zusammen, der besonders für Jungen charakteristisch (aber auch den Mädchen nicht fremd) ist. Schön wäre es, mit all diesen Gewehren, Schwertern, Panzern und Schlachten mit Gleichaltrigen dem eigenen Kind beizubringen, mit sich selbst und gegen Verführungen, Leidenschaften und Sünden zu kämpfen und die Kommunion in diesem Kampf zur wichtigsten Waffe zu machen, derer man sich erst würdig erweisen muss. Kinder haben immer ihre eigenen Vorstellungen über Mut[15] – schön wäre es, diese in den spirituellen Bereich zu projizieren.

Kinder leben in ihrer eigenen Welt, und es ist klar, dass ihre spirituelle Erziehung unsere eigene Erziehung beeinflusst. Sie beginnen dann, uns zu erziehen und uns zu lehren, zu beten und mit Gott zu kommunizieren. Jedenfalls ist das unser gemeinsamer Weg, und er muss schöpferisch sein. Das ist ein gemeinsamer Weg, den wir zu dritt betreten – ich, mein Kind und Gott. Gelassen sollten wir beobachten, was Gott in einem Kind freisetzen kann, und diesem Spross helfen, zu wachsen, sie zumindest nicht behindern und sie nicht durch die eigene Mentorschaft und Doktrinismus umzubringen. Diese Sprossen können sehr ungewöhnlich und frappant sein. Ich erinnere mich, wie eines meiner Kindern  plötzlich aufhörte, Fleisch und Fisch zu essen (für ziemlich lange Zeit) – nicht aus asketischem Antrieb, sondern aus Mitleid. Aber sie haben doch Äuglein - und dann brach es in Tränen aus! Aber warum sollte diese „vegetarische“ Einstellung, auch wenn es nicht klar ist, woher sie kommt, nicht Ausgangspunkt eine Art Askese werden? Möge diese Askese wenigstens nicht verhindert  werden!

Fortsetzung folgt… 


[1] Ich habe zwar keine Lust, diesen Artikel mit Beispielen zu überfrachten,  werde mich aber in den Fußnoten nicht  zurückhalten. Eines meiner „Schäfchen“, der sich nach einer frommen Erziehung und einem orthodoxen Gymnasium eifernd entkirchlicht hatte, ließ absichtlich immer Musik mit offensichtlich gotteslästerlichen Texten in voller Lautstärke laufen, wenn seine Mutter gerade betete. Auch verprügelte er seine Mutter oft und brutal und zwang sie, ihm Geld zu geben. Das sind unsere Früchtchen…

[2] Paraphrase eines bekannten russischen Sprichworts: „Man muss sich nicht den Spiegel vorhalten, wenn die Fresse schief ist“. (Anm.d.Ü.)

[3] Anna Galperina (geb. 1972) ist eine bekannte orthodoxe Journalistin. (Anm.d.Ü.)

[4] Ich kenne auch eine andere Vorgehensweise aus der Kategorie „Offenbarungen von Starzen (genauer gesagt – Knabengreisen)“. Einem meiner Bekannten empfahl sein Beichtvater, dem Kleinkind nicht häufiger als einmal im Monat die Kommunion spenden zu lassen, sonst würde das Kleinkind solche Heiligkeit nicht ertragen.

[5] Und wie schwer ist es, Kinder im Alter ab zwei Jahren zu taufen – das ist schon ein eigenes Thema. Was die Kommunion betrifft, ist es immerhin möglich, den Eltern   zu empfehlen, abzuwarten und das Kind vorzubereiten; bei der  Taufe aber ist ein Aufschub schwer möglich. Deshalb gleichen fünfzig Prozent der Taufen solcher „großen“ Kleinkinder einem Alptraum. Nicht nur, dass das Kind fast immer von seiner Mutter festgehalten werden muss – der Anblick der unbekannten Pateneltern versetzt das Kind oft in Panik. Die Taufe muss also unter dem Geschrei des Kindes und dem beruhigenden Getändel der Eltern gespendet werden. Bei einem mir bekannten Priester kippte so ein Kleinkind das Taufbecken um! Aber die größte Störung ist oft das innere Bewusstsein des Priesters, der das Mysterium verrichtet, dass da etwas nicht richtig sei. Bei der Taufe eines kleinen Säuglings (im ersten Lebensjahr) kann ein erfahrener Priester immer selbst beruhigend eingreifen, z.B. das Kind ruhig wiegen, wenn die Pateneltern dies nicht beherrschen. Hier aber fühle ich meine eigene Hilfslosigkeit. Oft redet man wie gegen eine Wand – wenn man merkt, dass die Eltern gar kein Interesse an der Kommunion oder überhaupt an christlicher Erziehung haben, weil ihnen das eigentlich viel zu anstrengend ist, obwohl sie zu allem „Ja und Amen“ sagen.

[6] Die Einschüchterung durch Ärzte ist ein sehr wichtiger Faktor. Ein Kind kennt normalerweise nur eine Art „weiter Ausflüge“, nämlich Besuche beim Arzt, wo ihm meist sehr wehgetan wird. Und diese Erfahrung bringt es häufig dazu, alle unbekannten Menschen mit Misstrauen anzusehen (es ist generell unklar, ob das Kind von der regelmäßigen medizinischen Behandlungen mehr Nutzen oder Schaden davonträgt, und was größer ist – der medizinische Nutzen von Impfungen oder der psychische Schaden durch die unverdienten und unerwarteten Schmerzen bei der Impfung). Dabei ist der Priester auch ähnlich wie ein Arzt gekleidet (daher empfehle ich, Kleinkindern die Taufe und die Kommunion nicht im weißen, sondern in einem andersfarbigen Phelonion zu spenden). Zudem bemüht man sich wie in einer Poliklinik, das Kind zu beruhigen, und so kommt der gewöhnliche Abwehrmechanismus in Gang, nämlich Geschrei und Sträuben. Wann werden es unsere Ärzte endlich lernen, Impfungen schmerzfrei durchzuführen?

[7] Das komplette Fehlen des Verständnisses (und des Wunsches, zu verstehen), was da vorgeht, führt zu äußerlich komischen, eigentlich aber furchtbaren Szenen, wie sie jedem praktizierenden Priester bekannt sind. Mal erzählt man dem Kind, dass ihm gleich ein „Bonbon“ gegeben wird, mal fällt dem Kind während der Kommunion ein zerkauter Matsch aus dem Mund…

[8] Russisches Sprichwort (Anm.d.Ü.)

[9] Dafür ist allerdings mehr als nur ein Körnchen Erfahrung erforderlich, weshalb zumindest ein(e) Freiwillige(r) gelernt haben sollte, mit Kindern  zu arbeiten.

[10] Für Kinder ist das Spiel ein Weg der Welterkenntnis. Kinder spielen gerne „Gottesdienst“, und ich kann an diesen Spielen nichts Schlimmes finden, wenn sie ernst sind und nicht in Albernheiten übergehen. Eventuell sind solche Spiele im Kinderzimmer während des Gottesdienstes angebracht. Diese Sache ist neu, also müssen wir uns „vorsichtig tastend“ bewegen. Die Frage meiner Freiwilligen, ob man für Kinder kleine Talare nähen darf, habe ich mit „nein“ beantwortet. Das Spiel vom Gottesdienst ist gut, wenn es von den Kindern selbst erdacht und nicht von Erwachsenen befohlen wird; ansonsten kommt etwas Falsches in die Welt. Weder verbieten noch fördern, sondern nur ein bisschen anleiten - das sind die Bedingungen, unter denen so ein Spiel die Kinder zum Gottesdienst hinzuführen vermag.

[11] Man kann Kindern auch Bleistifte, Farben und Papier zu geben, damit sie während den „weniger wichtigen“ Teilen der Liturgie malen können. Malen ist für Kinder auch ein Weg der Welterkenntnis.

[12] Der zweite Weg ist die Zelebrierung von speziellen Liturgien für Kinder, die möglichst kurz und entsprechend ausgerichtet sind, nämlich in Gotteshäusern, wo es separate isolierte Nebenaltare für solche Fälle gibt. Es ist auch besser, den Gesang bei solchen Liturgien dem Kinderchor zu überlassen, und die Hilfe beim Altar kleinen Altardienern. Die regelmäßige Zelebrierung solcher Liturgien ist eine Aufgabe für die Zukunft.

[13] Normalerweise sage ich den Eltern solcher „frommen“ Kinder: Ihr habt euren Kindern beigebracht, beim Gottesdienst zu beten – bringt ihnen auch bei, Verführungen zu bekämpfen. Zu hart? Ja. Einen anderen Ausweg gibt es aber nicht.

[14]Ich erinnere mich an ein Mädchen, das ziemlich lange die Myrongabe der Ikonen in der Ikonennische zu Hause imitierte (dadurch, dass sie diese mit Öl begoss), um ihre Großmutter in den Zustand der Entzückung und Rührseligkeit zu versetzen.

[15] Ich möchte dies mit einer Situation aus dem Leben meiner Kinder illustrieren. Bruder und Schwerster stehen wegen irgendeiner Versündigung in der Ecke (genauer gesagt, in zwei verschiedenen Ecken). Das Mädchen weint; der Junge hält seine Tränen zurück und murmelt etwas. Wir spitzen die Ohren und hören, wie er sein Schwesterchen belehrt: Dunja, weine nicht, du bist doch ein Mann!

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