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Goldener Fonds

Das schwierige Alter kommt nur von der schlechten Erziehung

14. August 2012
Gibt es prinzipielle Unterschiede zwischen der Kindererziehung in einer orthodoxen Familie und einer Familie, die ins kirchliche Leben nicht integriert ist? Wie sollte der Erziehungsprozess heute generell aufgebaut werden? Davon sprechen wir mit Diakon Alexander Volkov, dem Leiter der Pressestelle Seiner Heiligkeit des Patriarchen Kyrill von  Moskau und ganz Russland, gleichzeitig Kleriker des Gotteshauses zu Ehren der Hl. Märtyrerin Tatiana bei der Moskauer Staatsuniversität.

– Vater Alexander, was für Haupterziehungskriterien übernahmen Sie von Ihren Eltern für die Erziehung Ihrer Kinder?

– Ich muss sagen, dass ich in einer Familie, die aus mehreren Generationen Pädagogen bestand, aufgewachsen bin, und war wie auch meine Ehefrau ein Einzelkind. Doch wurden wir nicht verwöhnt, wie es in solchen Familien häufig der Fall ist. Was mich betrifft, möchte ich sagen, dass in der Erziehung eher Strenge und Gehorsam dominierten. Weder meine Eltern noch meine Großeltern ließen es zu, dass ich mich etwa wie ein Prinz fühlte. Außerdem wurden mir solche Werte eingeimpft, dank derer in meiner Familie bereits vier Kinder geboren sind, was meine Frau und ich für völlig normal halten.

 

– Welche Strafe Ihrer Eltern war für Sie die schlimmste?

– Vor allem möchte ich anmerken, dass es unmöglich ist, die eigene Reaktion auf ein Vergehen bzw. einen Fehler des Kindes vorherzusehen. Deshalb schaffen es die Eltern nicht immer, pädagogisch, erziehungsmäßig bzw. psychologisch richtig zu handeln.

Was meinen Vater betrifft, verwendet er den Gürtel oder das In-die-Ecke-Stellen sehr selten, das Wichtigste bei ihm war das Wort. Da er Philologe war, hatte er anscheinend einen Feinsinn für das Wort und konnte die Akzente richtig setzen, indem er präzise und  unverschonte Charakteristika überzeugend benutzte, und ich konnte sie wahrnehmen. Seine Worte wurden zur vollwertigen Strafe, nach ihnen schämte ich mich und bekam einen Wunsch, solche Dinge nicht mehr zu tun, damit ich so was nicht mehr höre.

 

– Das schwierigste Alter ist die Pubertät, in dem die Eltern, wenn schon nicht als Feinde, dann höchstens wie Menschen, die uns nicht verstehen, vorkommen. Wie wurde das in Ihrer Familie überwunden?

– Einmal, noch im zarten Alter, hörte ich den Gedanken, dass das  schwierige Alter bei Kindern nur von der schlechten Erziehung komme. Und nun wird die Richtigkeit dieser Worte immer überzeugender. Die meisten Probleme der Pubertät hängen mit der schlechten Erziehung zusammen. 


– Viele Menschen sind als Kinder bzw. Teenager überzeugt, dass „sie so wie ihre Eltern“ nie sein werden. Wo kommt dann der ewige Konflikt zwischen den Eltern und den Kindern her?

– Eben aus der Kindheit, aus der mangelhaften Erziehung in dieser Periode. Eltern sprechen mit ihrem Kind zu wenig, unterhalten sich mit ihm nicht über die Situationen, in die es gerät. Und dann, im Alter von 12 bis 15 Jahren, wenn jeglicher Einfluss bereits sinnlos ist, führen die Eltern einfach kategorische Verbote ein. Das Kind verletzt sie, indem es sich selbst behauptet, und die Eltern, die denken, dass es, wenn sie es schon auf die Welt brachten,  ihnen gehorsam sein müsste, werden genervt. Dadurch kommt es zum Konflikt. Sicherlich sind alle Kinder unterschiedlich: Eines ist  explosiv, das Andere ist fügsam, das dritte ist hartnackig usw. Damit es keine Konflikte gibt, müssen die Eltern sich als erfahrene Menschen mit den Kindern vertragen und sie überzeugen können, dass sie im Recht sind.

Bei Domostroi steht geschrieben, dass man Kinder nur schlagen darf, wenn sie sich quer über eine Bank legen lassen; wenn sie sich nur längs darüberlegen ließen, sei es schon zu spät. Es sei also nur in der frühen Kindheit statthaft, körperlich zu bestrafen. Mit 15 wäre es für die Jugendlichen bereits eine Schande, die nur Erbitterung auslöst.


– Es ergibt sich ein Teufelskreis: Die Eltern müssen lernen, Eltern zu sein, bevor sie ein Kind auf die Welt bringen. Wie ist es aber möglich, wenn sie selbst von ihren Eltern nicht richtig erzogen worden sind? Vorher gab es wenigsten in den Schulen den Kurs „Ethik und Psychologie des Familienlebens“, auch wenn er auch nicht besonders nützlich war.

– Dieses Schulfachist auf diese oder jene Weise mit moralischen und sittlichen Bewertungen verbunden, die heute so nicht mehr existieren, wegen der gewaltigen Polarisierung und Befremdung der Gesellschaft und des Abhandenkommens gemeinsamer Werte. Mir scheint, die Lösung läge darin, dass die Menschen darüber nachdenken müssten, was sie tun und weshalb. Denn für Eltern wäre es weniger wichtig, nach Zerstreuung zu suchen, als sich über die Zukunft ihrer Kinder zu sorgen.

 


– Ihr ältester Sohn ist bereits sechs Jahre alt. In diesem Alter können und wissen moderne Kinder schon recht viel. Aber Computer, Fernseher usw. wirken, bei der fehlenden Kontrolle, auf die Entwicklung des sich noch entwickelnden Nervensystems und der Psyche negativ. Wie bekämpft ihre Familie diese Desaster?

– Man muss verstehen, dass es einen riesigen Unterschied zwischen der Erziehung eines Kindes und der Erziehung mehrerer Kinder gibt: Da es bereits ein Kollektiv, ein gemeinsames Leben, in dem andere Regeln wirken.

Nachdem das Kind die Altersgrenze von fünf Jahren überschritten hat, ist es weitgehend selbstständig. Das Erste und das Wichtigste, das die Eltern, die sich um die richtige Erziehung ihres Kleinen sorgen, verstehen, ist, dass das Kind mit den nützlichen Aktivitäten beschäftigt werden soll. Es sollte davon müde werden, dass es sich mit jeder Menge realer und ihm interessanter Dinge, und nicht mit PC-Spielen, befasst. Ein PC sollte im Leben des Kindes auch Platz haben, doch muss dieser Platz minimal sein. Außerdem muss es Freizeit haben, um zu spielen und sogar Unfug zu machen. Spiele, besonders Rollenspiele mit Gleichaltrigen sind ein wichtiger Punkt in der Entwicklung der Persönlichkeit und der Sozialisierung des Kindes.

 

– Vater Alexander, wodurch unterscheidet sich prinzipiell die Erziehungsmethode von Kindern der Menschen, die ständig in die Kirche gehen, von der derjenigen, die dort nur an großen Festen oder gar nicht hingehen?

– Im Ideal sollte das Leben in der Kirche alle Seiten des Menschenlebens positiv beeinflussen, einschließlich das Familienleben. In Wirklichkeit gibt es aber keinen Unterschied, und meine Beobachtungen bestätigen das. An sich verändern die Besuche des Gotteshauses überhaupt niemanden. Damit das geschieht, ist die innere Bereitschaft des Menschen an Veränderungen notwendig.

Dabei haben die Menschen, die das Gotteshaus regelmäßig besuchen, die Möglichkeit, die Hilfe Gottes dank ihrer Teilnahme in den Mysterien und Gebeten zu erhalten. Im Allgemeinen verbindet die Teilnahme am Leben der Gemeinde die Familie zusätzlich. Der Herr liebt alle gleich und hilft allen gleich, aber das Leben in der Kirche fördert die Harmonisierung der Familienbeziehungen wirklich. Das aber nur unter der Bedingung, dass die Eheleute das selbst auch anstreben.

 

– Welche Bücher von Heiligen Vätern würden Sie Eltern zum Lesen empfehlen?

– Familienleben und die Kindererziehung ist kein Spiel mit einer Instruktion in Form patristischer Aussagen. Familienleben ist persönliche Erfahrung von Menschen, die spirituelle und die intellektuelle, sowie auch die Sensibilität der Seele gegenüber dessen, was um uns herum passiert. Die Aussage des Heiligen Mönches Seraphim von Sarov „Lasse dich selbst retten, und Tausende um dich herum werden gerettet werden“, ist auch im Familienleben anwendbar. Schau auf dich selbst, was du tust, kümmere dich um deine innere Welt, über die Menschen, die deinen engsten Kreis ausmachen, über deine Familie, und die Beziehungen zwischen dir und ihnen werden sich berichtigen.

Vieles hängt auch davon ab, ob die Eltern aktives spirituelles Leben führen, ob sie einen Beichtvater haben, da Menschen im Familienleben häufig auf unlösbare Probleme stoßen, die sie zwingen, bei jemanden Rat zu suchen. Das müsste eben ein Mensch sein, dem sie in aller Hinsicht vertrauen.

 

– So ein Mensch ist schwer zu finden…

– Darum sollte man beten, sich auf den Willen Gottes verlassen und hoffen, dass der Herr einen solchen Menschen schicken wird, wenn er notwendig sein wird. Es nutzt, wenn Eheleute einen Beichtvater haben, und zwar über lange Zeit. Er, dem viele Informationen zur Verfügung stellen, würde sehr leicht und objektiv in dieser oder jener Situation helfen können.

 

– Vater Alexander, gibt es in ihrer Familie eine Trennung zwischen den Erziehungsverpflichtungen? Normalerweise ist Mama gütig, und Papa streng.

– Ich kann da mit  keiner Originalität prahlen. Wegen des nicht normierten Arbeitstages ist der Papa selten zu Hause, und die Mama ist ständig, rund um die Uhr, mit den Kindern im Kontakt. Nachdem ich abends gekommen bin, kann ich keinen donnerwerfenden Zeus darstellen, denn die Kinder erwarten von mir Zärtlichkeit und Kommunikation. Falls es aber einen Grund gibt, weswegen ich diese Rolle spielen müsste, müsste ich mich hinsetzen und alles wie Sherlock Holmes klären. Denn sogar die offensichtlichsten Dinge, wie eine von jemandem zerbrochene Vase, sind nicht so einfach, wie sie auf dem ersten Blick erscheinen.

Kinder sollen verstehen, dass für ein Vergehen eine Strafe folgt, und sie wird gerecht, wenn eben derjenige bestraft wird, die Schuld hat. Um das herauszufinden, sollte man sich Mühe geben.

 

– Was ist die furchtbarste Strafe ihrerseits?

– Der Gürtel.


– Verwenden Sie ihn oft?

– Äußerst selten, wenn alle anderen möglichen Mittel erschöpft sind, und wenn die Strafe ein Vergehen im Bereich der Sicherheit des Kindes, und nicht der Psychologie geht. Zum Beispiel, wenn es, im bewussten Alter, wenn es wohl weiß, dass das verboten ist, unkontrolliert Gas oder einen Mülleimer im Wohnzimmer anzündet. Das Kind muss sich  Dinge, die seine und die Sicherheit von Anderen betreffen, auf der instinktiven Ebene aneignen.

Wie ist ihre Einstellung zum Familiengericht, das den Eltern wegen der Anwendung des r Gürtels ein Kind wegnehmen kann?

– Die Bewertung außensteh Sender Beobachter darüber, was in der Familie passiert, kann sich sehr oft radikal von der unterscheiden, die von den Teilnehmern des Prozesses im inneren gesehen wird. Wenn der Übergang zum neuen Modell des Familiengerichts, so wie auch vieles, was in unserem Lande passiert, plump stattfindet, dann bin ich dagegen.

Andererseits wissen wir, was für unangenehme und manchmal schreckliche Dinge in unseren Familien, insbesondere in der Provinz, passieren; da kann das Familiengericht das Kind im gewissen Sinne schützen. 

Doch gibt es eine sehr wichtige Voraussetzung: Notwendig sind Differenziertheit, Sensibilität, ein besonderes Taktgefühl, reichliche Zuwendung und ein individuelles Vorgehen bei jeder Familie, die im Blickfeld des Jugendamtes geraten ist, um der Familie und den Familienbeziehungen keinen Schaden zu bringen.

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