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Je mehr Positives in den Medien, desto weniger Aggression (Hilarion, Metropolit von Wolokolamsk)

26. Februar 2013
Am 22. September 2012 war in der Sendung „Kirche und die Welt“ des TV-Kanals „Rossija 24“ der Schriftsteller, Publizist und TV-Moderator A.N. Archangelskij zu Gast.

Mit ihm sprach der Vorsitzende des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit von Wolokolamsk Hilarion.

Metropolit Hilarion: Ich grüße Sie, Alexander.

A.N. Archangelskij: Guten Abend, Eure Exzellenz. Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich Sie heute mit Fragen zu einem Thema quälen, das mich selbst beunruhigt und beschäftigt - das ist das Zunehmen von Aggression. Die Aggression ist mit keinem Gerät messbar, doch als Schriftsteller fühle ich geradezu, dass der Unmut in der Bevölkerung wächst. Wobei diese Aggression keinen konkreten Adressaten hat – sie gleicht eher einem kurzzeitigen Ausbruch von Unmut, als eine erste Reaktion auf jede beliebige Herausfroderung. Menschen gegen Menschen, Gruppen gegen Gruppen, Städte wider andere Städte. Und, wie mir scheint, ist diese Situation sehr beunruhigend und gefährlich.

Ich mag mir vielleicht selbst widersprechen, indem ich später einige Beispiel anführen werde, die mir doch positiv scheinen, doch gibt es auch negative Beispiele. So lese ich zum Beispiel viele Informationen aus orthodoxen kirchlichen Kreisen, darunter sogar von Priestern. Auf ihren Blogs, auf ihren Facebook-Seiten kann man stets bemerken, dass sie alles und alle anprangern, sich endlos aufregen und alle gewissermaßen öffentlich „auspeitschen“. Doch über die Liebe Christi, über die Kirche als einen Ort, an dem der Mensch mit offenen Armen empfangen und verstanden wird, selbst, wenn er im Unrecht ist, ihm der richtige Weg gewiesen wird, - darüber wird wenig geschrieben. Warum ist das orthodoxe Internet so aggressiv?

Metropolit Hilarion: Zwei Aspekte hat das Thema, das Sie angesprochen hatten. Zum einen – das Internet, zum anderen – der Zustand unserer Gesellschaft. Mir scheint, dass das Internet eben ein besonderer Raum ist, wo jeder Mensch seiner Aggression freien Lauf gewähren kann, im Unterschied beispielsweise zum Fernsehen. So sitzen wir zum Beispiel jetzt im Studio und selbst, wenn wir aggressiv sein wollten, so würden wir uns dessen schämen, uns zu beschimpfen oder auf irgendeine andere Weise zu beleidigen.

A.N. Archangelskij: Ich hoffe, dass ein solches Verhalten uns nicht nur hier im Studio, sondern auch bei der Kommunikation im Internet mit Scham erfüllen würde.

Metropolit Hilarion: Gewiss, doch im Intenet hat man die Möglichkeit, nicht nur anonym zu bleiben, sondern auch seiner Aggression freien Lauf zu lassen. Ich denke nicht, dass zwischen uns im Internet zu einer Konfrontation kommen würde, doch dazu bestünden auf jeden Fall die Möglichkeiten. Hier aber im Studio haben wir diese Möglichkeit nicht, und wir müssen uns wie kultivierte Menschen benehmen. Das ist auch eines der Probleme des Internets: das Internet ist ein Spülbecken für alles Negative. Ein Mensch kann gegenüber seiner Frau, seinen Bekannten manche Dinge nicht frei aussprechen, doch er taucht in den virtuellen Cyberspace und spült seinen ganzen Schmutz herunter.

Ein anderes Problem, das Sie angesprochen hatten, ist das Wachsen der Aggressivität in unserer Gesellschaft. Diese kann ich ebenfalls wahrnehmen. Und dieses Problem ist bei weitem ernster, denn es geht hier nicht mehr um die Frage der einen oder der anderen Organisation gesellschaftlicher Räume, sondern dies ist insgesamt ein inneres Problem unserer selbst. Die Frage besteht darin, inwieweit wir bereit sind, einander zuzuhören. Mir scheint, dass wir uns mit dem Gedanken abfinden müssen, dass unter uns Menschen mit eigenen Ansichten sind, teils auch solchen, die den unseren widersprechen. Wir müssen die Kultur eines besonnenen Dialogs lernen, das heißt eines Dialogs, der nicht in einen Schlagabtausch und gegenseitige Beleidigungen abdriftet, und bei dem es nicht erlaubt ist, seine Diskussionspartner zu unterbrechen und ihre Worte und Gedanken zu verkehren.

Ich bin sicher, dass jeder Mensch persönlich seine eigenen Aggression überwinden muss. Wir müssen die Aggression vor allem bei selbst beseitigen, d.h. wir müssen die Welt verändern und primär bei uns selbst damit anfangen, und nicht bei unseren Nächsten.

A.N. Archangelskij: Ich bin kirchlich geworden, als die Sowjetunion zusammenbrach. Gewiss, damals waren es noch andere Zeiten. Die Priester waren im positiven Sinne des Wortes vorsichtiger. Die Priester bemühten sich, die Menschen behutsam in eine geistlichen Welt zu führen. Heute hingegen muss die Kirche, müssen die Menschen der Kirche auf die Herausforderung der äußeren Welt reagieren, daher sind sie härter geworden.

Doch ich sehe auch andere Priester, ich sehe junge Bischöfe, die in den letzten Jahren ihre Ämter als Vorsteher der Diözesen angetreten sind. Sie sind wunderbar – man möchte über sie ein Film drehen oder ein Buch schreiben. Sie sind geradezu Engel in Menschengestalt.
Und deshalb stelle ich mir die Frage, warum gerade diese Menschen uns vorenthalten werden. Warum bekommt die Gesellschaft diese Menschen nicht zu Gesicht?

Metropolit Hilarion: In erster Linie sei erwähnt, dass die Bischöfe und Priester sehr beschäftigte Menschen sind. Sie sind mit Aufgaben beschäftigt, die unmittelbar mit ihren Pflichten zusammenhängen. Wenn wir also von einem Bischof sprechen, dessen Verwaltungsbezirk irgendwo außerhalb des Landeszentrums liegt, so ist es offensichtlich, dass er nicht in den Hauptmedien des Landes präsent ist, sondern in den regionalen. Was aber die Medien der Hauptsender betrifft, so muss man wissen, dass zu diesen Sendern stets die gleichen Menschen geladen werden, die durchaus nicht immer in der Lage sind, die offizielle Meinung der Kirche von ihrer eigenen zu trennen. Der wichtigste Punkt jedoch ist, dass sie ebenfalls nicht immer bereit sind, einen besonnenen Dialog mit der Gesellschaft zu führen.

Ich denke, dass Missverständnisse zwischen der Kirche und einigen Bereichen der Gesellschaft teilweise solchen Menschen zu verdanken ist, die im Namen der Kirche rigorose Vorstellungen in einem sehr aggressiven Ton äußern. Meines Erachtens ist es ein großer Fehler, wenn man zum Beispiel gegenüber den Zuschauern einer Fernsehsendung in einen aggressiven Tonfall verfält, ganz besonders, wenn das Priester tun, die entsprechend gekleidet sind und ein Brustkreuz tragen. Gerade von solchen erwarten die Menschen etwas ganz anderes; vor allem aber ein besonnenes, ausgewogenes und harmonisches Auftreten, keinesfalls jedoch Aggressivität.

A.N. Archangelskij: Andererseits muss ich auch betonen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Menschen Menschen einen Hang zu allem Skandalösen, auch zu Unangenehmen herausgebildet haben; dies ist genau das, worüber die Medien reden, und solche Dinge will man in der Gesellschaft hören. Dieses Problem ist nicht nur bei uns auffällig, sondern auch überall in der Welt. Zuweilen wird nur das wahrgenommen, was man wahrnehmen möchte. Ein gewisser Priester hat in Moskau einen Unfall mit einem teuren Fahrzeug gemacht – alle wissen darüber sofort Bescheid. Doch darüber, dass ein Priester oft eine Kleinstadt oder ein Dorf nicht nur vor dem Untergang bewahrt, sondern die ganze Infrastruktur aufrechterhält – in den Dörfern übernehmen sie oft die Funktion der Regionsverwalters, weil alles buchstäblich ausstirbt, und wenn sie nicht dieses Kreuz auf sich nehmen würden, würde alles untergehen, - nichts davon sehen oder hören wir. Wir sind für solche Nachrichten nicht mehr empfänglich.

Metropolit Hilarion: So eine Information will auch keiner hören, weil sie keinen Skandal enthält. Solche Dinge machen keine Schlagzeilen, folglich hören die Menschen nur Informationen über die Kirche, welche ausschließlich negativ sind. Auf diese Weise entsteht ein falscher Eindruck über die Kirche insgesamt.

Es gibt doch aber das wirkliche Leben der Kirche, und ihre große, reale Arbeit. Oft wird die Frage gestellt: „Warum gibt es bei uns so viele soziale Probleme, warum werden so viele Sünden begangen, wo bleibt die Kirche?“ Ich meine darauf, dass, wenn es die Kirche nicht gäbe, es noch schlimmer wäre. Die große Arbeit, die die Kirche macht, bringt zweifelsohne ihre Früchte, doch diese Früchte kann man kaum im Fernsehen zeigen.

Das erinnert an die Situation mit Ärzten in einem Krankenhaus. Wir erfahren aus den Medien über die Krankenhäuser nur dann etwas, wenn dort zum Beispiel der Strom abgestellt wird, oder wenn jemand durch die Fahrlässigkeit des Pflegepersonals ums Leben kommt. Dabei spiegelt sich die kolossale Arbeit der tausenden, zehn- und hunderttausenden Ärzte, welche die Kranken heilen, welche Menschenleben retten, das Leben der Menschen um viele Jahren möglich machen, praktisch in keiner Weise in den Medien wieder. Ich persönlich liebe den Vergleich der Kirche mit einem Krankhaus, und den eines Priesters mit einem Arzt, denn im Grunde beider Berufungen liegt der Wunsch, den Menschen zu helfen, wobei die Priester die menschliche Seele heilen, die Ärzte hingegen, in der Regel, die Heilung des menschlichen Körpers suchen.

Die Kirche ist eine geistliche Heilsanstalt, die Menschen kommen hin, um Heilung zu erlangen. Wie ein Arzt, so kann auch ein Priester erfahren oder unerfahren sein. Wie der Arzt kann er die richtige Diagnose stellen, er kann aber auch irren und eine „falsche Diagnose“ stellen, denn auch die Priester sind Menschen.

A.N. Archangelskij: Ich möchte auf die Frage über das Internet zurückkommen. Das Internet wird manchmal als Müllhaufen bezeichnet. Ich würde einen anderen Begriff vorschlagen: ein Ödland. Auf einem Müllhaufen leben Ratten, und das war’s dann schon, im Ödland hingegen kann man etwas aufbauen, das nützlich sein wird. Wenn man will, kannst man ein Bordell hinbauen. Wenn man will, kann man auch ein Café erbauen. Doch es kann sein, dass man ein Gebetshaus oder eine Kirche bauen möchte, und so wird dort genau das aufgebaut werden, was man sich wünscht. Dies liegt in unserer Verantwortung. Das Internet überlässt es unserem Gewissen, die Entscheidung zu treffen, was daraus zu machen sei.

Vielleicht ist es notwendig, dass die Kirche sich z.B. über solche Kanäle wie YouTube äußert... Sie wissen ja, dass die Jungend gern von Amateuren gedrehte Kurzfilme schaut, in denen auch über das regionale Leben erzählt wird. Und, so scheint es, wäre nicht verkehrt, wenn jemand die Gemeindemitglieder darauf verweist, nicht nur einen prächtigen Gottesdienst auf Video aufzunehmen - denn davon gibt es genug im Internet - sondern zum Beispiel einen Priester, der anstelle eines Notarztes selbst ein krankes Gemeindemitglied ins Krankenhaus fährt, über eine Entfernung von 30 Kilometern. Und mir scheint. dessen darf sich nicht schämen. Solche Dinge müssen gezeigt werden, und nicht unbedingt im öffentlichen Fernsehen.

Metropolit Hilarion: Wir schämen uns dessen nicht. Doch gewöhnlich denken die Menschen, die ihre Arbeit ausführen, äußert wenig darüber nach, wie sie ihre Arbeit zur Schau stellen, wie sie über sie erzählen sollen.

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich in der Bukowina gewesen... Stellen Sie sich einen Ort vor, wo zuvor außer freiem Feld nichts gewesen ist. Jetzt befindet sich dort ein sehr großes Kloster, das von seiner Größe dem Diweewo-Kloster in nichts nachsteht. Bei diesem Kloster ist ein Kinderheim für ungefähr 300 Kinder eingerichtet worden. Dort werden nicht nur gesunde Kinder erzogen, sondern auch solche, die an schlimmen Krankheiten wie AIDS leiden, Kinder, die verkrüppelt geboren wurden, Kinder aus der Gegend um Tschernobyl... Sie leben alle gemeinsam. Als ich Seine Heiligkeit, den Patriarchen Kyrill, bei seiner Visite in dieses Kinderheim begleitete, konnte ich die Atmosphäre eines richtigen Festes wahrnehmen. All dies ist aus der Initiative eines einzigen Menschen entstanden, heute ist er ein Bischof. Er organisierte Menschen, mit deren Hilfe er das Kinderheim eröffnen konnte. Und so leben die Kinder, die von den Bahnhöfen, Straßen aufgesammelt worden sind, Kinder, die keine Eltern haben, oder solche, deren Eltern sie im Stich ließen, diese Kinder leben und werden in dieser für sie erbauten Einrichtung erzogen; für sie ist dieser Priester (heute ist er ein Bischof) ihr Vater, wobei er selbst 60 Kinder adoptierte, die heute seinen Familiennamen tragen.

Diese Geschichte habe ich noch nie gehört, bevor ich selbst Zeuge vor Ort geworden bin; ich bin sicher, dass die meisten Fernsehzuschauer davon nicht gehört haben. Es wird uns über irgendwelche Skandale erzählt, über so ein grandioses Werk wird hingegen kein Wort verloren. Gewiss, zum Teil sind wir selbst daran Schuld, doch keine geringe Schuld lastet in gegebener Situation auf den Medien, die ihr Programm auf die Art gestalten, dass kein Raum mehr für Positives bleibt.

A.N. Archangelskij: Ich möchte ein anderes Beispiel anführen. Sie sprachen über die soziale Sphäre, ich hingegen habe das Thema der symbolischen Sphäre angesprochen. So zum Beispiel die Visite des Heiligsten Patriarchen Kyrill nach Polen – was kann es denn wichtigeres geben? Zwei Völker, die untereinander immer eine Rechnung offen hatten, Kirchen, die einander durchaus nicht immer wohlgesonnen waren, sprechen über eine neue Etappe ihrer wechselseitigen Beziehungen. Doch darüber, dass die Kirchen die gegenseitige Liebe unserer Völker und Länder segnen, wurde kaum gesprochen.

Doch es gab auch regelrecht fantastische Episoden, wenn mich nicht alles täuscht: so stellte man im Fresko einer Kirche, die man in Katyn geweiht hatte, einen orthodoxen Kaplan des polnischen Heeres dar (er war nicht kanonisiert). Man fand sogar die Nachkommen dieses orthodoxen Kaplans, der zusammen mit anderen Polen erschossen worden ist. Dies, so scheint mir, birgt eine Symbolik in sich, doch darüber wird kaum ein Wort erwähnt.

Metropolit Hilarion: Leider fand die Polen-Visite des Heiligsten Patriarchen Kyrill zu einer Zeit statt, als die Medien mit ganz anderen Ereignissen erfüllt waren, deren Wichtigkeit, meines Erachtens, überbewertet worden ist.

Ich bekommen den Eindruck, dass die Medien sich in Zerrspiegel der Wirklichkeit verwandelt haben: den Menschen werden nicht etwa Dinge berichtet, die wirklich passieren, oder genauer gesagt, aus unserem wirklichen Leben werden einzelne Fakten herausgenommen, die möglichst mit einem Skandal verbunden sind oder denen ein negativer Aspekt anhaftet. Diese Wucht an negativen Gedanken, welche den Menschen von den Medien vermittelt wird, kann man nur sehr schwer mit etwas anderem ausgleichen. Leider werden wir, die Gottesdiener, stets mit dem Problem konfrontiert, negativen Einfluss durch das Fernsehen überwinden zu müssen.

Einst hat der Heiligste Patriarch Kyrill gesagt, dass die Kirche in jedem Haus, in jedem Zimmer einen Feind hat – ein Feind, der 24 Stunden am Tag arbeitet. Dieser Feind heißt Fernseher. Ich möchte das Fernsehen nicht als Antagonisten der Kirche darstellen, denn die Kirche hat selbst die Möglichkeit, über das Fernsehen ausgestrahlt zu werden. Wir bedienen uns gerade jetzt ja dieser Möglichkeit. In diesem Zusammenhang haben wir der Leitung des Fernsehsenders zu danken, welche uns diese Möglichkeit gewährt. Doch es muss noch einmal gesagt werden, dass in unserer Gesellschaft als ganzes mehr positive Themen ausgestrahlt werden sollten, auch solchen Themen, die von der Kirche ausgehen. Ich denke, dass je mehr Positives gezeigt wird, desto weniger Aggressionen in der Gesellschaft an den Tag treten.

pravoslavie.ru

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