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„Die unbekannte Kirche“: ein Interview mit Klerikern der armenischen apostolischen Kirche Owannes Asatrjan und Azat Bagdarjasan, Professoren-Stipendiaten der Moskauer Geistlichen Akademie

15. September 2008
Es sind bereits zwanzig Jahre vergangen, seitdem Metropolit Cyrill sich mit dem Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche der USA traf. Er sagte damals, dass die „Armenische Kirche der Orthodoxie immer treu geblieben ist. Sie wird von der Russischen Kirche als eine Schwesterkirche wahrgenommen, denn sie teilt mit ihr den Glauben und die Dogmen der Kirchenväter“. Doch bis zum heutigen Tag bleibt die armenische Kirche immer noch ein Rätsel, obwohl sie eine der ältesten christlichen Kirchen ist. Das Portal „bogoslov.ru“ führte ein Exklusivinterview mit Diakonen der armenischen apostolischen Kirche Owannes Asatrjan und Azat Bagdarjasan. Wir sprachen über theologische und liturgische Besonderheiten der Armenischen Kirche.

Guten Tag! Vater Owannes, Vater Azat, sie sind Absolventen der geistlichen Akademie von Echmidzin. Könnten sie den Lesern unseres Portals über die Traditionen und Besonderheiten der Ausbildung an ihrer Akademie erzählen?

V.O.: Die Akademie befindet sich im Kloster Echmadzin. In Armenien gibt es noch zwei geistliche Seminare – auf der Sewanischen Halbinsel und noch eines in der Stadt Gümri.

Etwas zur Geschichte der Akademie. Die Akademie wurde 1874 unter dem Katholikos Geworke IV. von Konstantinopel gegründet. 1917 wurde sie aufgrund der Revolutionswirren geschlossen, doch dank der Politik der Armenischen Kirche zur Zeit des Großen Vaterländischen Kriegs – auf Kosten der armenischen Diaspora war eine Panzerstaffel aufgestellt worden – billigten die Machthaber der Sowjetunion die Wiedereröffnung der Akademie, was unter Katholikos Georg VI. geschah.

Unsere Akademie ist in des sogenannte Bologneser Bildungssystem integriert (vier Jahre Bachelor und zwei Jahre Magister). Der Besuch der Akademie ist bei uns verpflichtend. Es werden 45 Fächer gelehrt – theologische und andere geisteswissenschaftliche.

Wie viele neue Studenten gibt es jährlich an der Akademie?

V.A.: Im Jahr 2003 haben gab es 19 Absolventenin, in den letzten beiden Jahre 35 -45. Dies liegt daran, dass es eine sehr strenge Disziplin gibt. Für kleineste Verstöße wird man exmatrikuliert. Es ist den Studenten z.B. untersagt, das Kloster ohne Genehmigung der Administration zu verlassen.

Nach jedem Semester werden die Leistungen der Studenten auf einer Lehrerkonferenz ausgewertet. Einen Kurs verlassen üblicherweise 20% der Studenten. Oft verlassen die Studenten die Akademie selbst, wenn sie verstehen, dass das Priestertum nicht ihre Berufung ist. Es gibt auch solche, die die strenge Disziplin nicht aushalten. Solche Studenten wechseln üblciherweise an die theologische Fakultät der Universität von Erewan. Dort fühlen sich die Studenten natürlich viel freier.

Es ist bemerkenswert, dass 95% unserer Studenten Priester werden.

Nach welchem Zeitplan leben die Studenten?

V.A.: Der Zeitplan unserer Studenten sieht wie folgt aus:

6.45 - Aufstehen

7.00 - Sport (Pflicht für alle Studenten)

7.30 – Beginn des Morgengottesdienstes

8.30 - Frühstück

9.20 - Unterrichtsbeginn

14.30 - Mittagessen

15.00 - 17.00 - Freizeit (die die Verwaltung nicht beschränken darf)

17.30 - Abendgottesdienst

19.00 - Abendessen. Nach dem Abendessen bereiten sich die Studenten auf den kommenden Arbeitstag vor

22.00 - 23.00 – Vorbereitung auf die Nacht

23.00 - Nachtruhe. Vor dem Schlaf wird ein kurzes Gebet verrichtet.

Am Samstag verlassen alle Studenten die Akademie um ihre Familien zu besuchen. Am Sonntagmorgen kehren sie wieder zurück, um im Kloster die Göttliche Liturgie zu feiern. Die Akademie hat leider noch keine eigene Kirche, doch diese befindet sich bereits im Bau. Im Moment finden alle Gottesdienste im Kloster statt.

Wenn haben die Studenten Ferien?

V.A.: Ferien gibt es nur im Sommer, sie dauern von Mitte Juni bis Anfang September.

Erzählen sie und bitte von ihren wissenschaftlichen Arbeiten. Welche Lizentiatsthemen haben sie ausgewählt?

V.O.: Das Thema meiner Diplomarbeit heißt „Katholikos Abraham III: Leben, Tätigkeit und Erbe“. Das Forschungsergebnis meiner Arbeit war, dass ich in den Archiven auf eine Handschrift des Katholikos stieß, die aus unerklärten Gründen von den Historikern nicht bemerkt worden war. 

V.A.: Meine Arbeit ist dem Leben und der Tätigkeit von Aram Manukjana gewidmet, dem Begründer des armenischen Staates im Jahr 1918.

Warum haben Sie die Moskauer Geistliche Akademie zur Fortsetzung ihrer Studien gewählt?

O.A.: Es ist schon zu einer guten Tradition geworden, dass armenische Studenten an der Moskauer Geistlichen Akademie ausgebildet werden. Der besondere Anlass unserer Reise nach Russland war, dass wir in Echmidzin gut Russisch gelernt haben. Unsere Absolventen studieren ebenso an europäischen Hochschulen wie an amerikanischen Universitäten.

Wie beurteilen Sie die Berührungspunkte unserer Kirchen? 

O.A.: Momente der Zusammenarbeit gibt es bereits. Man kann und sollte einen aktiven theologischen Dialog führen. Schon jetzt kann man in gewissen strittigen Fragen zu einer Übereinstimmung gelangen. Zwischen unseren Kirchen wird ein kultivierter Dialog fortgeführt.

Soweit uns bekannt ist, gibt es in der Armenischen Apostolischen Kirche einige Besonderheiten. Beispielsweise wird ständig der nationale Status der Armenischen Kirche herausgestellt. Damit stellt sich die Frage, ob ein Ausländer Mitglied der Armenischen Apostolischen Kirche werden, die Priesterweihe empfangen und sein Priestertum ausüben kann.

O.A.: Die Armenische Apostolische Kirche war immer eine nationale Kirche. Das war mit den zahlreichen Tragödien verbunden, die unser Land erlebt hat. Der Kirche oblag es oft, die Nation als solche unversehrt zu bewahren, wenn die weltliche  Macht entweder nicht existierte oder tatenlos blieb. Für die Mission blieb keine Zeit und Kraft. Ein Ausländer kann Mitglied der Armenischen Kirche werden, solche Fälle gab es bereits. Doch Priesterweihen von Ausländern hat es bislang noch nicht gegeben.

Aber die armenische Diaspora in den verschiedenen Ländern der Welt? Wirkt sie auf irgendeine Weise missionarisch?

A.B.: Nur unter den Armeniern.

Was macht die gottesdienstliche Sprache der Armenischen Apostolischen Kirche aus?

O.A.: Unsere gottesdienstliche Sprache beträgt die Bezeichnung „Grabar“. Das ist die altarmenische Sprache. In ihr werden die hauptsächlichen Gottesdienste abgehalten. Taufen, Trauungen, Totengedenken und einige andere Gebete werden in moderner armenischer Sprache abgehalten, damit ihr Sinn den einfachen Gläubigen verständlich ist. „Grabar“ verstehen viele Armenier heute nur mit Mühe.

Erzählen Sie uns von den Riten Ihres kirchlichen Lebens. Es ist bekannt, dass sich in der Armenischen Apostolischen Kirche die ältesten christlichen Gottesdienste erhalten haben.

O.A.: Unsere Gottesdienste haben ihre uranfängliche Gestalt bewahrt. Änderungen betrafen nur die Gewänder, die wir im 12. Jahrhundert von den Katholiken übernommen haben. Mitren tragen bei uns auch Priester, Archimandrite, und sogar Diakone zu besonderen Anlässen. Bischöfe tragen eine Tiara, nach Art der katholischen. Die unverheiratete Geistlichkeit trägt einen Klobuk (Mönchshut – Anm. d. Übers.).

Ihre Kirche hat einige armenische Volksbräuche übernommen. Z.B. existiert ein Ritus namens „Matach“, den manche Theologen als heidnisches Ritual ansehen. Worin besteht dieser „Matach“ eigentlich?

O.A.: Es gibt Sekten in Armenien, für die „Matach“ eine Darbringung von Opfern ist. Aber das ist nicht richtig. „Matach“ ist keine Opferung, sondern ein Form der Wohltätigkeit. Sie entstand im 4. Jahrhundert unter Gregor dem Erleuchter, dem ersten Katholikos Armeniens. Gregor Narekazi behandelt „Matach“ als Darbringung von Salz. „Ax“ bedeutet Salz. „ Mat“ ist eine entstellte Form des armenischen Worts für „Darbringung“. Beim Vollzug dieses Ritus wird Salz in der Kirche geweiht. Dann wird das Salz einem Opfertier ins Maul gestreut, das Tier wird geschlachtet und das Fleisch zubereitet.

Die Kirche weiht nur das Salz, das Fleisch essen arme Leute.

Wenn sich nicht dagegen haben, würde ich einige dogmatische Besonderheiten der armenischen Kirche anrühren.

V.A. Ich möchte gleich sagen: Wenn in der Literatur der Ausdruck „Wie Monophysiten lehren“ vorkommt, wird in Klammern immer ergänzt, wie sich die armenische Kirche zu der jeweiligen Frage verhält. Wir sind keine Monophysiten. Wir verurteilen Eutychius genauso, wie es die Orthodoxe Kirche tut.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat die Armenische Kirche Entscheidungen des IV., V., VI. und VII. Ökumenischen Konzils ausgewählt und rezipiert. Wir übernehmen aus dem gemeinsamen kirchlichen Erbe das, was der Lehre der Armenischen Apostolischen Kirche nicht widerspricht.

Und jetzt ein sehr schwieriges dogmatisches Thema. Wie antworten Vertreter ihrer Kirche heute auf die Frage, wie viele Naturen Christus hat?

V.A.: Zwei, die in Christus unverändert und untrennbar, unauflöslich und unvermischt vereint sind, aber in ein Ganzes. In Verständnis gibt es keinen Unterschied, nur in der Formulierung. Wir glauben ebenfalls an zwei Naturen in Christus. Aber wie der Katholikos Johannes III. sagte: „Wenn jemand versteht, was zwei Naturen sind, dann kann er sagen, das in Christus eine Natur hat!“ Wir verstehen die Lehre über zwei Naturen in Christus aufgrund der Formel Cyrill von Alexandriens „Eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes“, und sprechen von einer nicht zusammengesetzten Hypostase Christi, aber von seiner zusammengesetzten Natur.

Danke.

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