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Traumsonntagsschule

10. Juli 2013
Sonntagsschulen gibt es in fast jedem Gotteshaus. Was sollen sie aber Kindern anbieten, damit sie das Gesetz Gottes gerne und effektiv lernen?

Ich unterrichte in keiner Sonntagsschule und werde dies wohl niemals tun. Die pädagogische Universität habe ich vor zu langer Zeit und mit zu schlechten Ergebnissen absolviert, um im Namen der Wissenschaft sprechen zu dürfen. Und was meine Erfahrung als Sonntagschüler betrifft, liegt diese lange zurück. Als Vater würde ich es nicht wagen, Fremdes zu kritisieren, ohne selbst etwas geschafft zu haben. Deshalb werde ich mich so vorsichtig wie möglich äußern.

Sonntagsschulen gibt es in fast jedem Gotteshaus. Ehrlich gesagt, hinterlassen sie bei mir einen etwas bedrückenden Eindruck. All diese Wandzeitungen über Pilgerfahrten und Weihnachtslieder, Erzählungen über den Hl. Mönch Sergius von Radonesch, Weihnachts- und Ostervorstellungen und anderes lösen bei mir Langeweile und Gähnen aus…

Meine Mutter schickte mich zur Taufe, als ich zehn Jahre alt war. So besuchte ich die Sonntagsschule noch etwa vier Jahre. Ich saß im Unterricht und nahm an der Laienspielgruppe teil. Einmal durfte ich sogar bei einer Weihnachtsfeier, auf der Seine stets hochverehrte Heiligkeit Patriarch Alexej II. anwesend war, das Väterchen Frost spielen. Hinterher kam Seine Heiligkeit hinter die Kulissen, wo er die Artisten mit Geschenken bescherte und sein Missfallen über die Qualität meines Schauspiels äußerte.

Im Allgemeinen war ich ein lernbegieriger Junge mit einem guten Gedächtnis und erfasste den Stoff leicht. Doch die in der Sonntagschule zu erwerbenden Kenntnisse erregten ganz und gar nicht mein Interesse. Eine Verbindung zum realen Leben hatten sie nicht. Ich kannte das Alte Testament, wie man Märchen kennt, und lernte die Ordnung der Vigil und der Liturgie wie Multiplikationstabellen. Was ich mit diesen Informationen außerhalb des Unterricht s anfangen sollte, konnte ich mir wirklich nicht vorstellen. Die zu unterrichtende Theologie war zwar interessant – generell mochte ich kniffelige spekulative Schemata – aber sie erklärte wiederum nicht, warum meine Mutter verlangte, dass ich bei den langen und öden Gottesdiensten anwesend war, oder warum ich manchmal dieses oder jenes nicht essen durfte, oder zu welchem rätselhaften heiligen Zweck ich jeden Abend den Ikonen aus dem Gebetsbuch vorlesen sollte: „ Wie ein Schwein sich im Kot suhlt, so diene ich der Sünde.“

Mit meinen Sonntagsschulkameraden teilte ich viele Interessen; mit manchen davon bin ich immer noch befreundet. Die außerschulischen Aktivitäten wie Fahrten, Ausflüge und das gemeinsame Teetrinken gefielen mir außerordentlich. Aber den Unterricht ließ ich wie fast jedes Schulkind nur über mich ergehen, als ein Geschehen, dessen Sinn nicht zu verstehen war. Ich war bereit, mitzuspielen, wie Kleinkinder spielen, da mich zum Glück niemand für irgendetwas bestrafen wollte. Aber Antworten auf die sich bei mir damals stellenden Fragen gab mir die Sonntagsschule nicht. Mir machte nicht die spezifisch kirchliche Komponente des Freude, sondern im Gegenteil eher das, was dort allgemein menschlich war – lustige Begebenheiten, Spiele und Kommunikation. 

Meine Beziehungen zu Gott entwickelten sich wie die Beziehungen mit einem Schuldirektor, der zwar zu fürchten ist, aber durch das formal „richtige Verhalten“ besänftigt werden kann. Ich vermochte nicht zu erkennen, wie ich die evangelischen Gebote auf mein Leben anwenden sollte, obwohl ich sie mit vierzehn Jahren praktisch auswendig kannte. Ich verstand den Sinn der Beichte und der Kommunion nicht, obwohl ich sie aus dem Lehrbuchtext nacherzählen konnte. Eventuell waren das meine ganz eigenen, individuellen Probleme; aber ich befürchte, dass meine Kinder mir in dieser Hinsicht ähnlich sind und es ihnen ebenfalls nicht verständlich ist, wozu man das Glaubensbekenntnis auswendig lernen muss.

Heute, z wanzig Jahre später , bin ich (bis jetzt erst) Vater von zwei Töchtern. Ich glaube, es ist an der Zeit, mi r vorzustellen , in was für eine Art Sonntagschule ich sie gerne schicken würd e.

Ihnen beibringen, den Hl. Sergius von Radonesch vom Hl. Nikolaus dem Wundertäter zu  unterscheiden, kann ich auch selbst; ebenso wie Kirchenslawisch zu lesen. Deshalb wäre eine Schule, wie ich sie einst besuchte, kaum das Richtige. Ich würde sie aber gerne irgendwohin schicken, wo man ihnen zeigen kann, wie der Glaube mit ihrem Leben verbunden ist; wo nicht nur Fakten vermittelt werden, sondern Menschen die Erfahrungen ihres Lebens in Christo an Kinder weitergeben: Erfahrungen der Liebe, der Freude und der Ehrlichkeit, und nicht nur die Erfahrung des Gehorsams und der Hörigkeit gegenüber Autoritäten.

Kinder gläubiger Eltern sind natürlich besondere Fälle. Sie haben zu Hause schon so viel über Gott gehört, dass pathetische Worte allein sie kaum noch davon überzeugen können, Gott Vertrauen und Respekt entgegenzubringen. In der Regel sind sie bereits durch eine strenge Schule elterlicher Verbote gegangen und wissen, dass es vieles gibt, was sie nicht dürfen (Kindern aus anderen Familien aber erlaubt ist). Sie wissen auch, dass von ihnen viel mehr verlangt wird als von weniger religiösen Gleichaltrigen. Für Kinder aus gläubigen Familien sind stringente logische Antworten manchmal zu wenig. Sie haben diese von ihren Eltern gehört,  sind aber aus Altersgründen nicht damit einverstanden. Zuweilen lügen und heucheln sie oder greifen sogar ihre Eltern an.

Ein Pädagoge in der Sonntagsschule (besonders mit Teenagern) ist, was sein Beschäftigungsfeld betrifft, eher ein Missionar oder ein Gefängnispriester als ein Lehrer an der Geistlichen Akademie. Deshalb ist es seine Aufgabe, den Kindern Jesus zu zeigen; nicht mehr und nicht weniger. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Sonntagsschule von der normalen Schule unterscheiden muss. Dort sollte Kindern keine abstrakte Information eingetrichtert, sondern Lebensunterricht gegeben werden. Deshalb ist es so wichtig, dass es dort Barmherzigkeitsunterricht gibt. Wenn das Gotteshaus ein Ort ist, wo täglich etwas Wichtiges stattfindet, muss auch die Sonntagsschule etwas Wichtiges vermitteln, das sich auf das tägliche Leben bezieht; auch wenn dies nicht religiös, sondern psychologisch ist. Zum Beispiel, was und wie es ein Kind anstellen kann, damit es seiner Familie besser geht. Oder wie es sich gegenüber Klassenkameraden, die ihm ablehnend begegnen, verhalten kann. Solche Probleme und Themen gibt es in jedem Leben zuhauf. Ich würde mich freuen, meine Kinder dorthin schicken zu können, wo sie diese vielen Probleme, z.B. die Beziehung zu ihrem Vater, in einer ehrlichen und ruhigen Atmosphäre und in Anwesenheit eines Erwachsenen, dem ich (unter anderem als religiösem Menschen) vertraue, besprechen können.

Aus irgendeinem rätselhaften Grund glauben Erwachsene, dass Kinder keine religiösen Erlebnisse hätten. So ist es aber nicht. Kinder sind viel empfänglicher als Erwachsene. Für sie ist die jenseitige Welt fast selbstverständlich. Sie brauchen nicht daran erinnert zu werden, dass es Gott gibt. Und sie sollten die Möglichkeit haben, darüber irgendwo außerhalb der Beichte, wo man als „Schuldiger“ dasteht, zu sprechen. Meine älteste Tochter z.B., sieben Jahre alt und im ersten Schuljahr, liest regelmäßig die Bibel. Weder teilt sie das Gelesene mit jemandem, noch bespricht sie es, obwohl ihr anzusehen ist, dass sie sich damit beschäftigt. Was geschieht in ihrem schönen Kopf, welche Stürme brausen dort? Ich weiß es nicht, und ich mache mir große Sorgen.

Wüsste ich, dass es in der Sonntagsschule einen Menschen gäbe, der versteht, was mit meinem Kind geschieht, und was zu tun ist, würde ich Sonja zweifellos dort hinschicken. Aber in der Schule, in der ich war, galt ein Gespräch über die eigenen, insbesondere religiösen Erlebnisse als unschicklich. Die Kinder sollten dort lernen, dass ihre Tugend hauptsächlich in der Verehrung der Eltern bestand, was oft bedeutete: „Lass uns in Ruhe!“

Was aber die äußeren Formen angeht, scheint mir ein System wie bei den Pfadfindern, allerdings vielleicht weniger formalisiert, für die Sonntagsschulen angemessen zu sein. Wenn es um die Form geht, würde ich eher einen Kinder- bzw. Teenagerclub vorziehen als ein Programm mit Klassen und Unterricht. Denn am Sonntag wünschen wir uns Bewegung, zwanglose Gespräche, Spiele, Gesang, Tanz, Sport, gemeinsame Aktivitäten – und möglichst wenig geistige Beanspruchung, wenn wir unter der Woche schon mit Mathe und Sprachen überlastet ist.

Es wäre gut, wenn die Sonntagsschule eher einem Sommerlager ähnelte als der Schule. Sie sollte Spaß machen und interessant sein, nicht nur wichtig und nützlich (vom Standpunkt der Erwachsenen). Dort sollte niemand Angst haben müssen, er selbst zu sein. Kurz gesagt: ich würde meine Kinder lieber in eine Sonntagsschule schicken, in die ich selbst gerne gehen würde. 

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