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A.L. Beglow: „Es gab keine kirchliche Untergrundbewegung, die getrennt von den legalen Gemeinden existierte“

16. Oktober 2008
Leonid Bamblewski, ein Reporter des Informationsportals „bogoslov.ru“, traf sich mit Historiker Dr. Phil. Alexej Lwowitsch Beglow (FB Geschichtswissenschaft), der sich mit dem Leben der Russischen Kirche im 20. Jahrhundert befasst, unter anderem mit dem Thema der „kirchlichen Untergrundbewegung“. Im Laufe des Gesprächs gab Alexej Lwowitsch Auskunft über die interessantesten Aspekte seiner wissenschaftlichen Arbeit.

L.B.: Alexej Lwowitsch, seit 1996 veröffentlichen Sie Unterlagen über die geheimen monastischen Gemeinden zur Sowjetzeit. Ihr letztes Buch ist der Geschichte der Russischen Kirche im 20. Jahrhundert gewidmet und heißt „Auf der Suche nach den ‚sündlosen Katakomben'. Die kirchliche Untergrundbewegung in der UdSSR". Woher rührt Ihr professionelles Interesse an eben dieser Periode der modernen Geschichte?

А.L.B.: Im Grunde genommen erklärt sich mein professionelles Interesse aus dem Zusammentreffen verschiedener Umstände.  Bereits Anfang der 90er Jahren hatte ich das Glück - sicherlich aufgrund göttlicher Vorsehung - mit einigen Vertretern dessen, was ich als „kirchliche Untergrundbewegung" bezeichne, im engen Kontakt zu sein. Unter ihnen ist als erster der nun verstorbene Erzpriester Gleb (Kaleda) zu nennen, der 21 Jahre lang geheimer Priester war. Ich war Mitglied seiner Gemeinde, erst im Gotteshaus in der Krapiwinski-Gasse und danach im Wyssoko-Petrowski-Kloster. Später fing ich an, durch ihn auch andere Vertreter dieses geheimen, verborgenen spirituellen Lebens kennenzulernen.

Das geschah folgendermaßen: Eines Tages sagte Vater Gleb, dass er von einigen alten Gemeindemitgliedern aus dem Obydenskaja-Stadtteil, die seines Wissens in den 20er und 30er Jahren mit dem Wyssoko-Petrowski Kloster verbunden waren, Telefonnummern habe, und dass er gerne hätte, dass wir uns zusammen träfen und über jene Jahre und ihre geistlichen Führer unterhielten. Es ging darum, dass Vater Gleb sehr großen Wert darauf legte, dass junge Christen eine Beziehung zur Generation der Russischen Neumärtyrer und Glaubensbekenner aufrechterhielten und an ihrer geistigen Erfahrung teilhätten.

Auf diese Weise fanden sich nach und nach Personen (ich selbst stand dabei anfangs etwas beiseite, während sich eher andere Gemeindemitglieder damit befassten, unter ihnen auch meine spätere Ehefrau), die zu jener Zeit Teil der „kirchlichen Untergrundbewegung" Moskaus waren. Unter ihnen war die Schinonne Ignatija (Pusik), deren Texte zu veröffentlichen ich im Nachhinein das Glück hatte, und die Schinonne Seraphima (Kawelina) - auch bereits verstorben, so wie einige andere. Die Begegnung mit ihnen scheint uns alle geformt zu haben. Mein Buch ist diesen Menschen gewidmet.

Abgesehen von diesen Gesprächen arbeitete ich intensiv an der Auswertung verschiedener Unterlagen, die diese geheimen Nonnen aufbewahrt haben. Dadurch ist mein Interesse an diesem Thema gewachsen. Und obwohl mein Fachbereich Philologie ist, begann ich, auch die Geschichte der kirchlichen Untergrundbewegung des 20. Jahrhunderts zu erforschen.

Allmählich wurde die Kirchengeschichte der Sowjetischen Periode zur Hauptrichtung meiner professionellen Aktivitäten. Daher entstand bald die Notwendigkeit, eine Wahl zwischen Geschichte und Philologie zu treffen. Dabei half mir eine hervorragende  Wissenschaftlerin, Olga Jurjewna Wassiljewa. Sie lenkte meine etwas chaotische Forschung in die richtige akademische Richtung. Unter ihrer Führung wuchs aus jener Mikro-Geschichte, mit der wir uns beschäftigt haben, d.h. aus den Problemen der monastischen Untergrundbewegung in Moskau, die große Geschichte all dessen, was ich als „kirchliche Untergrundbewegung des 20. Jahrhunderts" bezeichne, die so reich und vielseitig in ihren inneren Ausdrucksformen war.

L.B.: Können Sie vielleicht auf Ihr Buch „Auf der Suche nach den ‚sündlosen Katakomben'. Die kirchliche Untergrundbewegung in der UdSSR" etwas näher eingehen? Was sind seine Leitsätze und Grundgedanken?

А.L.B.: Obwohl das Buch als wissenschaftliche Monographie geschrieben wurde, also mit der sorgfältigsten Quellenforschung, gab ich mir alle Mühe, dass sein Gedankengang möglichst gut nachvollziehbar ist: sowohl für Menschen, der in der Kirche zuhause sind, als auch für Leser, die sich nur für Fragen der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts interessieren.

Das Hauptanliegen bei der Abfassung des Werkes „Auf der Suche nach den ‚sündlosen Katakomben'. Die kirchliche Untergrundbewegung in der UdSSR" war der Versuch, einen breiten Überblick über das Leben der Kirche in dieser Periode zu bieten. Wenn man über die Geschichte dieser oder jener „Katakombenbewegung" schreibt, betrachtet man üblicherweise nur die Bewegungen, die sich zur Leitung der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats oppositionell verhielten, obwohl das Gespräch mit Menschen, die zu dieser Epoche lebten - zum Beispiel den Nonnen des Wyssoko-Petrowski-Klosters, deutlich macht, dass sie zu den „kommemorierenden" Gemeinden gehörten, - so nannte man die Gemeinden, die Metropolit Sergij (den späteren Patriarchen Sergij (Stragorodski) - L.B.) kommemorierten.  Das heißt, all das war gar nicht so säuberlich getrennt, wie wir es uns oft vorstellen. Wenn wir die vorhandenen Quellen erforschen, so erfahren wir, dass es im Untergrund nicht nur einzelne Klöster, sondern auch Gemeinden und andere Formen des kirchlichen Lebens gab, wie Ausbildung, Pilgerreisen und wirtschaftliche Aktivitäten.

In meinem Buch konnte ich vier Hauptrichtungen meiner Forschung spezifizieren.

Erstens, das Thema der Staatspolitik, denn der Staat ist es, der darüber bestimmt, was legitim ist und was nicht. Daher sollte man sich die Frage stellen, warum die sowjetische Macht dafür sorgte, dass der größte Teil kirchlichen Lebens gesetzwidrig wurde, warum sie so vorging und ob dies bewusste oder fahrlässige Entscheidungen waren. Hier wird also die Politik des Staates betrachtet, der die kirchliche Untergrundbewegung erst veranlasste und ihre Rahmenbedingungen festlegte.

Im zweiten Teil wird all das betrachtet, was außerhalb der Legalität stattfand. In den jeweils entsprechenden Abschnitten versuchte ich, den oben erwähnten umfassenden Überblick über solche Prozesse und Erscheinungen zu bieten.

Als Drittes wird das Verhältnis der legalen Kirche - in erster Linie eines Bistums und seiner Leitung -  zu diesem ganzen bunten und vielseitigen kirchlichen Untergrundleben betrachtet.

Das vierte Thema kann mit keinem einzelnen Leitsatz formuliert werden. In meiner Forschungsarbeit schlage ich vor, all diese Prozesse vom Standpunkt der geschichtlich-anthropologischen Vorgehensweise zu betrachten. Diese geht auf die französische Annales-Schule zurück, die besondere Aufmerksamkeit auf das Verhalten und die Motive eines sich in dieser oder jener geschichtlichen Situation befindenden Menschen richtet. In unserem Falle geht es um die Verhaltensparadigmata und religiösen Praktiken der Gläubigen unter den Bedingungen ihrer illegalen Existenz. Veränderte sich ihre Religiosität als solche unter dem Einfluss repressiver Maßnahmen, und wenn ja, wie geschah das im Einzelnen?

Für mich persönlich ist, nachdem ich die Arbeit an diesem Buch beendet habe, der Hintergrund der bekannten Ereignisse dieses Frühlings, der mit den Angehörigen des „Pensa-Untergrundes" in Beziehung steht, viel nachvollziehbarer geworden.

L.B.: Das ist zweifellos ein äußerst interessanter und wenig erforschter Teil der Geschichte unseres Landes. Planen Sie, ihre Forschungen auch in Zukunft weiter in dieser Richtung zu betreiben?

А.L.B.: Ehrlich gesagt, wenn man ein solches Werk beendet - und an diesem Buch wurde einige Jahre gearbeitet (die erste Variante wurde bereits vor vier Jahren geschrieben) - sollte man eine Pause machen und abwarten. Zurzeit sehe ich für die Entwicklung dieses Themas zwei Perspektiven.

Die erste wäre, das Leben und die Geschichte der radikalen kirchlichen Bewegungen, die üblicherweise als „Katakomben-Bewohner" bezeichnet werden, aufmerksamer zu studieren, möglicherweise auch durch andere Autoren. Und hier wäre es notwendig, eine ausgewogene akademische Geschichte dieser Bewegungen zu schreiben, ohne irgendwelche politischen Neigungen.

Dabei scheint mir, dass die soziale Komponente bei der Beschreibung dieser Bewegungen unbedingt in Betracht gezogen werden müsste. Ich meine folgende Frage: Wer machte die Mehrheit der Mitglieder dieser radikalen schismatischen Bewegungen aus? Das waren die Bauern. Die Klasse, die dem schwersten repressiven Druck von Seiten des Staates unterworfen war: der Kollektivierung, der „Entkulakisierung", den Hungersnöten usw. Ihre religiösen und eschatologischen Ansichten waren häufig ihre Antwort auf die politischen und sozialen Katastrophen.

Die zweite Richtung sollte eine globalere Beschreibung der Aktivitäten der untersten Stufe der Kirche im 20. Jahrhundert leisten, denn es gab keine Untergrundbewegung, die getrennt von den legalen Gemeinden und Priestern existierte. Hier braucht man einfach ausführlichere Studien über das alltägliche Leben der Gläubigen im Rahmen der legalen und im Untergrund lebenden Kirchengemeinden sowie der Aktivitäten der kirchlichen Hierarchie in Bezug auf sie, usw.

Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass die Aktivität eines Bistums nicht immer von kirchenpolitischen Überlegungen geleitet oder durch den Druck seitens der Machthaber bedingt war. Die Bischöfe der Sowjetzeit haben die Bedürfnisse des gemeinen Volkes wunderbar verstanden und konnten sie nicht ignorieren.

Manchmal wird die bekannte Aussage des Metropoliten Sergij, es sei „unmöglich, alle in Katakomben zu bringen; wir dürfen den Menschen nicht die Liturgie entziehen", von uns zu sehr verallgemeinert und zu abstrakt interpretiert. Die ganze Komplexität und Tiefe der kirchlichen Realität, in denen die Gläubigen, der Klerus und die Hierarchen vor dem Zweiten Weltkrieg lebten, wird von uns nicht begriffen. Sie sahen, welche Gefahr und welches unvorstellbare Risiko denjenigen drohte, die in die Katakomben gingen.

Deswegen wird bei diesem Thema die Betrachtung der Geschichte der Kirche auf ihrer untersten Stufe unsere ganze Vorstellung über diese Epoche bereichern.

L.B.: Alexej Lwowitsch, Ihre professionelle wissenschaftliche Aktivität ist eng an die Arbeit mit Archivdaten gekoppelt. Mit welchen Archiven genau haben Sie in letzter Zeit gearbeitet?

А.L.B.: Alle für die Bücher verwendeten Sammlungen sind im Literaturverzeichnis genau angegeben. Schematisch gesehen, habe ich prinzipiell versucht, zwei Quellengruppen zu benutzen.

Erstens sind das die Quellen, die der eigentlichen „kirchlichen Untergrundbewegung" entstammen. Das sind Erinnerungen und Unterlagen, die bei Privatpersonen aufbewahrt wurden. Unter anderem hat mir das Archiv des WyssokoPetrowski-Klosters viel Material zur Verfügung gestellt.

Die zweite Gruppe ist der Blick von außen durch Einrichtungen der Partei und staatliche Behörden, unter anderem OGPU, NKWD, und KGB. Diese Informationen werden in den staatlichen Archiven aufbewahrt; ein Teil davon ist bereits veröffentlicht, doch die meisten Dokumente muss man selbst ausfindig machen.

Eine besondere Gruppe stellen die Quellen der offiziellen Behörden der Russischen Orthodoxen Kirche dar, obwohl es einigen so vorkommen mag, dass sie an erster Stelle stehen sollten.

L.B.: In letzter Zeit hört man häufig, dass der Zugang zu kirchlichen Unterlagen in den Archiven zunehmend eingeschränkt wird.  Was ist, Ihrer Meinung nach, der Grund dafür? Sollten kirchliche Unterlagen jedem externen Forscher zugänglich sein?

А.L.B.: Bedauerlicherweise sind die Archive des Moskauer Patriarchats bzw. ihres Außenamtes noch wenig zugänglich. Dem muss aber mit Verständnis begegnet werden. Es gibt eine Reihe von Problemen, die es nicht zulassen, kirchliche Unterlagen bereits jetzt frei zugänglich zu machen.

Einerseits ist ein großer Teil der Archive noch nicht vollständig erfasst, es gibt kein komplettes Bestandbuch. Andererseits waltet eine vernünftige Vorsicht der kirchlichen Leitung bezüglich der Frage, wem Unterlagen zur Verfügung gestellt werden können, und wem nicht.

Sicherlich obliegt die Entscheidung, ob und wem die Unterlagen zur Verfügung gestellt werden dürfen, ausschließlich der Russischen Orthodoxen Kirche selbst. Im Grunde ist es das Archiv einer öffentlichen Einrichtung, die ihre Zugänglichkeitsregeln selbst festlegt. Jedoch habe ich bei meiner Forschung die Erfahrung gemacht, dass man keine Angst vor der Öffnung der kirchlichen Unterlagen für Forscher haben sollte. Die Geschichte der Kirche im 20. Jahrhundert ist eine heldenhafte Geschichte, eine Geschichte des Märtyrertums. Und nur wenn ein breiteres Spektrum von Archivunterlagen einbezogen wird, kann man entdecken und näher präzisieren, worin diese Heldentaten bestanden. Heute werden immer noch viele Menschen mit Fiktionen und Legenden abgespeist; viele bilden sich ihre Meinung nur aufgrund der Unterlagen der Justiz, die die wirklichen Umstände des kirchlichen Lebens oft im eigenen Interesse verzerrt dargestellt hat.

L.B.: Wir wissen, dass Sie Mitarbeiter des Zentrums für Religions- und Kirchengeschichte des Instituts für Allgemeine Geschichte der Russischen Wissenschaftsakademie sind. Könnten Sie uns bitte kurz von den im Institut laufenden Projekten und Forschungen berichten, mit denen sie zu tun haben?

А. L.B.: Es war schon eine eindrucksvolle Erscheinung, als in den 80er und 90er Jahren an säkularen Einrichtungen wissenschaftliche Abteilungen gegründet wurden, die sich auf die Studien der Kirchengeschichte spezialisierten. Man sollte nicht denken, dass die „wissenschaftlichen Atheisten" von gestern dabei nur ein „Hebelchen" umgeschaltet und plötzlich angefangen hätten, sich mit Religionswissenschaft zu beschäftigen. Mit diesen Themen beschäftigten und beschäftigen sich heute renommierte Historiker, die sich dafür schon zur der sowjetischen Zeit interessierten, aber erst jetzt die Möglichkeit bekommen haben, offen zu sprechen.

Das erste derartige Zentrum entstand im Institut für Russische Geschichte auf Initiative von J.N. Schtschapow, eines korrespondierenden Mitglieds der Russischen Akademie der Wissenschaften. Für relativ lange Zeit war dieses Zentrum das einzige im Lande. Dort wurde vor allem zum Thema „Geschichte der Russischen Kirche" geforscht. In diesem Zentrum arbeiten solch namhafte Forscher wie N.N. Lissowoj, N.W. Ssinitsyna, auch meine wissenschaftliche Leiterin O.J. Wassiljewa, und andere.

Später entstand ein ähnliches Zentrum auch in unserem Institut für Allgemeine Geschichte. Während sich die Kollegen am Institut für Russische Geschichte mit der Landesgeschichte beschäftigen, haben wir ein breiteres Arbeitsspektrum. Vor kurzem ist an der Fakultät für Geschichte der Moskauer Staatlichen Universität ein Lehrstuhl für Kirchengeschichte gegründet worden.

Womit befasst sich unser Zentrum? Es wurde auf Initiative unseres Leiters, des Mitglieds der Akademie A.O. Tschubarjan, ins Leben gerufen und beschäftigt mehrere in verschiedenen Fachbereichen arbeitende Wissenschaftler; zum Beispiel in den Fachbereichen „Geschichte der Kirchen in Deutschland und Italien im 20. Jahrhundert, in der Zeit des Nazismus und Faschismus", „Geschichte der Russischen Kirche im Ausland" und „Geschichte des Verhältnisses zwischen dem Russischen Reich und den westlichen Kirchen im 18. und 19. Jahrhundert". Zurzeit bin ich der einzige, der sich mit der eigentlichen russischen Problematik beschäftigt. Möglicherweise werden sich in naher Zukunft mehr Menschen für Studien in dieser Richtung interessieren.

Die Kommunikation mit Kollegen, die sich mit diesen verschiedenen Problemen beschäftigen, schafft ein besonderes Ambiente, welches zu Analyse, Vergleich, Reflexion und Diskussion anspornt. Im Laufe dieser Diskussionen werden manchmal sehr interessante Ideen geboren.

Ich möchte gerne einige besonders bedeutende Projekte unseres Zentrums erwähnen. Neulich hat bei uns die Konferenz zur Typologie der staatlich-kirchlichen Beziehungen in Russland und Europa stattgefunden, deren Ergebnisse gerade für die Veröffentlichung vorbereitet werden. Dort wurde nicht nur die Makro-Geschichte behandelt, sondern in besonderem Maße auch die Forschung zu Problemen der Interaktion zwischen Staat und kirchlich-öffentlichen Einrichtungen, die unseren Bruderschaften vergleichbar sind, sowie anderer mit der Kirche verbundener sozialer Einrichtungen.

Die zweite sich aktiv entwickelnde Richtung knüpft an die Forschung im Bereich der Geschichte der religiösen Ausbildung in Russland und Europa an, einschließlich der Unterschiede im Konzept der Ausbildung zwischen unseren Systemen, die im Laufe vieler Jahrhunderte parallel funktionierten und sich häufig gegenseitig beeinflussten.

Zum Dritten ist da noch die Geschichte der Russischen Kirche im Ausland. Bei uns wird das jährliche Kompendium „Probleme der Geschichte der Russischen Emigration" herausgegeben, welches zu einem beträchtlichen Teil der Kirchenproblematik gewidmet ist. Das schließt sowohl Artikel als auch Biographien sowie vollständige systematische Forschungsarbeiten in diesem Fachbereich ein.

L.B.: Alexej Lwowitsch, neben ihrem wissenschaftlichen Engagement halten Sie auch öffentliche Vorlesungen zur Geschichte der Russischen Kirche im Gebäude des Pokrowskije-Worota-Kulturzentrums, das in der Pokrowka-Straße liegt. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Veranstaltungen durchzuführen?

А. L.B.: Die Initiative zur Durchführung dieser Diskussionen in der Gemeinde stammt von Priester Walerij Stepanow von der Kirche zum hl. Martin dem Bekenner, die sich in der Alexejewskaja-Siedlung befindet. Ursprünglich waren das nur Begegnungen mit Gemeindemitgliedern dieser Kirche, die sehr populär waren. Bereits vor einigen Jahren habe ich dort Veranstaltungen zur Geschichte der Russischen Kirche abgehalten. Die Anzahl der Teilnehmer ist allmählich stark angewachsen, und kürzlich hat sich die Verwaltung des Pokrowskije-Worota-Kulturzentrums bereit erklärt, einen Raum speziell für die Durchführung dieser Diskussionen zur Verfügung zu stellen. Zurzeit besprechen wir die Geschichte der Synodalen Periode und bereiten uns auf den Übergang zur Geschichte des 20. Jahrhunderts vor.

Im Zusammenhang mit diesen Diskussionen erinnere ich mich an die Worte von Vater Gleb Kaleda, der sagte, dass alle Gläubigen ihren Platz in der ruhmreichen Geschichte der christlichen Kirche kennen und begreifen sollten, um ihren persönlichen Glauben besser zu erfassen und in ihm gestärkt zu werden.

Reporter: Leonid Bamblewski

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