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Die Kirche als ein Newsmaker für westliche Medien – ein Interview mit K. Eggert

24. Oktober 2008
Der Chefredakteur des Moskauer BBC Senders Konstantin Eggert erzählt in einem Interview an Богослов.Ru, wie die westlichen Medien die russische Orthodoxie sehen, über die Erfolge der Kirche in den Medien und darüber, was ausländischen Pressediensten in Russland interessant ist.

Erzählen Sie bitte, wie wird die russisch-orthodoxe Kirche im Westen gesehen? Stellt Sie ein seriöses Institut dar, ohne das das russische politische System heute undenkbar ist?

Ohne Zweifel, in den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit, die dem Moskauer Patriarchat zugeteilt wird, vergrößert. Der heilige Patriarch Alexius II wird sowohl von den westlichen, als auch von den russischen Medien als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Russlands angesehen. Doch gibt es im Westen keine einheitliche Meinung über die russische Kirche. Das hängt mit den Bedingung zusammen, in den westlichen Journalisten arbeiten – die Freiheit des Wortes. Man trifft verschiedene Standpunkt. Der eine verhält sich wohlwollen, der andere neutral, in dritter wiederum negativ. Alles hängt davon ab, wer von der Kirche spricht.

In den letzten zehn Jahren äußert die Kirchenleitung in den Medien immer häufiger ihren Standpunkt zu aktuellen Fragen, die auch im Westen diskutiert werden. Meiner Meinung nach ist dieses auch der Grund, warum das Medieninteresse so gewachsen ist. Die ausländische Presse verfolgt Diskussionen über das Menschenrecht, über die Freiheit und die Würde einer Persönlichkeit, verfolgt den Dialog mit dem Staat. Abgesehen davon werden auch Ereignisse nachverfolgt, die das neue Russland mit ihrer Vergangenheit verbinden.  Hierzu gehört auch die kirchliche Heiligsprechung, und nun auch Rehabilitierung der Zarenfamilie.

Während der letzten Jahre wurden, u.a. durch Kircheninitiative, der Philosoph Iljin, der Schriftsteller Schmeljov, die Kaiserin Marija Fjodorowna und General Kappel umbestattet. Wie haben sich die westlichen Medien und ihre Zuhörschaft dazu verhalten?

Wenn über diese Umbestattungen überhaupt geschrieben wurde, dann nur neutral. Die Umbestattung der Kaiserin wurde zu einem großen Ereignis, die anderen sind jedoch Persönlichkeiten der russischen Geschichte, die in Amerika und Europa höchstens einem Kreis von Spezialisten bekannt sind. Die westlichen Medien interessieren sich mehr für die kirchliche Meinung über die Vergangenheit und die Gegenwart Russlands. Den Journalisten ist es beispielsweise wichtig zu wissen, dass es unter den Gläubigen und Geistlichen verschiedene Positionen zur russischen Vergangenheit und Gegenwart gibt. Überhaupt, der Westen verfolgt in letzter Zeit Russlands Identitätssuche sehr aufmerksam.

Ich denke, meine Kollegen von den ausländischen Medien versuchen selbst, sich mit der Reichs- und Sowjetvergangenheit des Landes auseinanderzusetzen. Und was die Meinung über die Rolle der Kirche im heutigen Russland angeht, hier hängt viele von der politischen Ausrichtung des Verlags ab. Es gibt die einen, die sich mit größerer Skepsis zu den Kirchenaktivitäten verhalten, weil sie sich im gesamten skeptisch zum religiösen Leben verhalten. Aber es gibt auch welche, die recht gewogen über die Kirche schreiben. Zum Beispiel „The Times“, „The Daily Telegraph“…

Im Juni dieses Jahres fand das Bischofskonzil der russisch-orthodoxen Kirche statt. Was von diesem Konzil wurde in den Medien beleuchtet? Was haben die Journalisten über die Dokumente „Grundlagen der russisch-orthodoxen Kirchenlehre über die Würde, die Freiheit und die Rechte des Menschen“, „Über die Einheit der Kirche“, „Über die Tätigkeit des Hochgeweichten Diomid, Bischofs von Anadyr und der Tschuktschenhalbinseln“ ausgesagt?

Ich muss sagen, dass das Bischofskonzil von den Medien bewertet wurde. Das größte Interesse weckte die Geschichte mit Bischof Diomid. Das war einer der Fälle, bei denen sich der Vorhang etwas öffnete und der Innenzustand der kirchlichen Angelegenheiten sichtbar wurde. Das westliche Publikum ist es gewohnt, in alle Ecken reinzuschauen. Dies ist auch der Grund, warum die Journalisten versuchen verschiedene Sichtweisen zu schildern, verschiedene Bewertungen vorzuführen. Und deswegen wird das offizielle Leben der Kirche im Westen oft nur wenig beleuchtet. Natürlich bedeutet dieses nicht, dass die Korrespondenten speziell nur das negative zeigen. Aber in jedem öffentlichem Institut gibt es Probleme. Und die Medien, bestrebt das wirklich Bild vorzuführen, erzählen auch von den inneren Konflikten. Die Vorkommnisse mit Bischof Diomid haben gezeigt, dass es auch innerhalb der Kirche eine Diskussion gibt. Die einfachen Gläubigen, die Bischöfe, die Kirchenleitung verhalten sich nicht gleich zur weltlichen und russischen Wirklichkeit. Ich denke zumindest für einen Teil des westlichen Zuhörschaft war es interessant zu beobachten, wie innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche Diskussion geführt wird.

Womit wird die russisch-orthodoxen Kirche in erster Linie in assoziiert?

Die russisch-orthodoxe Kirche wird als aller erstes als eine sehr konservative Struktur wahrgenommen. Über das Moskauer Patriarchat schreiben die Medien meistens im Kontext der Staatsbeziehungen. Dabei verstehen längst nicht alles Journalisten, dass die Beziehung zwischen Staat und Kirche in Russland sehr schwierig sind, und eine eigene, komplizierte, dynamische und manchmal sogar tragische Geschichte haben.

Wie wichtig sind dem Westen die orthodoxen Kirchen  und traditionelle Religionen?

Nach dem 11. September kann das Publikum die religiöse Thematik nicht umgehen. Dies betrifft auch ein Interesse zur Orthodoxie. Immer mehr Spezialisten verstehen – wer die Geschichte der russischen Kirche nicht versteht, kann die Vergangenheit und Gegenwart Russlands nicht beurteilen.

Es gibt jedoch eine übertriebene Vereinfachung, Verfälschung und einige Fehler, die auf Unwissenheit beruhen. Ich weis noch, als in St.-Petersburg die Kaiserin Marija umbestattet wurde, musste ich meinen Kollegen einfach Sachen über den orthodoxen Gottesdienst, über Unterschiede zum Katholizismus und Protestantismus, über die Rolle des Patriarchen, und darüber erklären, in welchem Sion Gott die Ehre gehört. Die problematischen Momente zeigen: was die Orthodoxie angeht herrscht bei den Journalisten ein bestimmter Informationsmangel.

Was denken Sie, was fehlt der russisch-orthodoxen Kirche im Bereich der Medien?

Wenn Sie von den Themen sprechen, so sind die tragische Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche im XX Jahrhundert, ihre zahlreichen Neumärtyrer und Bekenner, kirchliche Dissidenten der Nachkriegszeit – recht dramatische Materialien für Dokumentation. Eine direkte und professionelle Erzählung zu diesen Themen könnte dazu beitragen, dass Orthodoxie besser verstanden wird.

Das Gespräch führte Eugenija Gukowskaja

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