Goldener Fonds
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18.05.2012
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Braucht ein orthodoxer Christ Yoga?
8.05.2012
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15.04.2012
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16.04.2012
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16.04.2012
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15.04.2012
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14.04.2012
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Das schwächere Gefäß
17.04.2012
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„Eine Kultur, die sich dem Kult entgegenstellt, verliert das Recht Kultur genannt zu werden“: Ein Interview mit Bischof Ilarion (Alfejew)29. Oktober 2008
Vor kurzem wurde das neue Buch des Bischofs von Wien und Österreich, Ilarion (Alfejew) – „Orthodoxie“ – veröffentlicht, dessen Autor dem Chefredakteur des Portals „Bogoslov.ru“ ein Interview gab. Der Autor stellt die Neuerscheinung vor und spricht dabei die Stellung der orthodoxen Theologie in der modernen westlichen Kultur und die religiöse Situation in Russland und Europa an.
Erzpriester Pawel Welikanow: Gebieter, wir würden uns freuen ein paar Worte zu Ihrem neuen Buch zu hören, das vor kurzem veröffentlich wurde, - „Orthodoxie“. An welchen Leserkreis ist es gerichtet? Bischof Ilarion (Alfejew): Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren, welchen Leserkreis ich anspreche. Das Buch ist jedenfalls nicht im Genre populärer Literatur geschrieben, das für ein breites Publikum bestimmt ist. Die Idee des Buches ist langsam in mir gereift. Ich muss gestehen, dass ich sehr vieles zu verschieden Themen geschrieben habe, die auf die eine oder andere Art mit dem Leben und der Lehre der Orthodoxen Kirche zu tun haben. Während der Arbeit sammelte sich bei mir eine Menge Material an, das ich systematisieren wollte. Doch nebenher musste ich mich auch mit vielen neuen Themen beschäftigen, z.B. mit kirchlicher Architektur (diesem Thema wird ein spezieller Teil im zweiten Band meines Buches gewidmet sein). Das Hauptziel des Buches ist es, die Orthodoxie als ein kohärentes System zu vorstellen, das Theologie, Gottesdienst, sakrale Kunst, Soziallehre und Moral miteinschließt. Es soll gezeigt werden, dass die Orthodoxie nicht nur ein Zweig des Christentums ist, der sich auf die eine oder andere Weise vom Katholizismus und Protestantismus unterscheidet. Vielmehr ist die Orthodoxie eine Lebensweise, ein Denkweise, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Das ist der Grund, warum ich in meinem Buch stets auf das Zeugnis der Geschichte zurückgreife und die Wurzeln aller Grundelemente der Glaubenslehre verfolge. Ich zeige die Grundelemente in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Wenn ich z.B. über ein Dogma spreche, dann versuche ich seine Formulierung in den Werken der alten Kirchenväter, auf den Ökumenischen Konzilen, zu zeigen. Und wenn ich über die Ikone spreche, über die Kirchenmusik, über Kirchenbau, dann halte ich es für notwendig, dem Leser wenigstens einen kleinen geschichtlichen Einblick in die Entwicklung der orthodoxen Tradition zu verschaffen. Der erste Band des Buches, das vor kurzem erschienen ist, behandelt die Geschichte, die kanonische Ordnung und die Glaubenslehre der Orthodoxen Kirche. Ungefähr ein Drittel des Bandes ist der Kirchengeschichte gewidmet, der größere Teil aber (ungefähr 600 Seiten) besteht aus der Übersicht zur Glaubenslehre. In diesem Teil betrachte ich in maximaler Ausführlichkeit alle grundlegenden Dogmen der Orthodoxen Kirche: Gott, die Heilige Dreieinigkeit, Christus, die Kirche und die Eschatologie. Der zweite Band, den ich bereits an den Verlag geschickt habe, wird, so hoffe ich, im Laufe des nächsten Jahres veröffentlich werden. Das Buch erklärt alles, was mit dem Gottesdienst zu tun hat. Dabei geht es um Kirchenbau und Ikonen, die Gottesdienstzyklen (des Tages, der Woche und des Jahres), die Göttliche Liturgie, Sakramente und Sakramentalien, sowie Kirchenmusik. Am Anfang dachte ich daran, das Buch in zwei Bänden zu veröffentlichen, doch jetzt, da der zweite Band abgeschlossen ist, merke ich, dass eine Menge Material noch nicht mit aufgenommen wurde: z. B. die Moral- und Soziallehre, die Asketik, die Mystik, die Orthodoxie im Dialog mit anderen Glaubensbekenntnissen, im Dialog mit dem Säkularismus und Liberalismus usw. All dies wird im dritten Band angesprochen werden, wenn der Herr meine Arbeit segnet. Doch bis jetzt habe ich mich nicht an die Vorbereitung des dritten Bandes gesetzt. Ich wage es nicht einmal daran zu denken, denn ich möchte erstmal nach der vielen Arbeit aufatmen. Das Buch wird sehr umfangreich werden (der erste Band 840 Seiten, der zweite wahrscheinlich 950 Seiten), und es ist nicht für das schnelle und einfache Durchlesen gedacht. Und deswegen kann ich nicht sagen, für welchen Leserkreis das Buch bestimmt ist. Es trägt eher einen enzyklopädischen Charakter, wobei die Inhalte sicherlich mit einer persönlichen Note geschmückt sind, denn jedes Thema habe ich mir durch den Kopf gehen lassen. Ich muss gestehen, dass es so viele Themen gab, und so eine große Vielfalt an Materialien, dass ich mich nicht gleich für jedes Thema begeistern ließ. Einige Abschnitte schrieb ich mit großem Interesse, manche weniger. Dies wird wahrscheinlich einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Leser haben. Erzpriester Pawel Welikanow: Was unterscheidet Ihr Buch von den anderen Büchern mit demselben Titel? Bischof Ilarion (Alfejew): Mir sind drei Bücher mit demselben Titel bekannt: Das ist die „Orthodoxie“ von Sergej Bulgakow, „Orthodoxie“ von Pawel Jewdokimow, und „Orthodoxie“ von Bischof Warnawa (Beljajew). Jedes dieser Bücher ist auf seine Weise interessant, doch sie sind alle in hohem Maß veraltet. Die Bücher von Bulgakow und Jewdokimow tragen einen eher einführenden und anschaulichen Charakter: Die einzelnen Themen werden zwar angesprochen, aber nicht allzu tief; und viele wichtige Themen werden überhaupt nicht erwähnt. Außerdem trägt die Betrachtung des Materials in beiden Büchern deutlich die Handschrift ihrer Autoren, die nicht immer im vollen Maß mit der Tradition der Heiligen Väter übereinstimmt. Was das Buch von Bischof Warnawa (Beljajew) betrifft, so ist es – wie auch die anderen Werke des Autors – so eigentümlich, dass es nicht als zuverlässige Informationsquelle für die Orthodoxe Kirche zu gebrauchen ist. Ich schieb mein Buch nicht, um die Fehler anderer zu korrigieren oder selbst welche zu machen. Vor allem interessierte mich die allgemeine Systematisierung dessen, was ich über die Orthodoxe Kirche weiß, und was ich über sie noch lernen kann. Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr steht die Kirche in meinem Leben auf dem ersten Platz, und das, worüber ich schreibe, sind für mich selbstverständlich keine abstrakten Begriffe. Die Göttliche Liturgie beispielsweise ist für mich nicht nur ein Objekt wissenschaftlicher Untersuchung: Ich stehe schon mehr als 20 Jahre vor dem Altar, und da habe ich gewisse Erfahrungen gesammelt. Es haben sich Ideen und Erlebnisse angehäuft, die mit der Feier der Liturgie verbunden sind, mit dem Sinn dieser oder jener Gebete. Im Großen und Ganzen ist das Thema des orthodoxen Gottesdienstes für mich autobiographisch. Dasselbe gilt auch für den Kirchengesang, den ich nicht nur in den Kirchenchören unserer Diözese höre, sondern auch an allen Orten, wo ich am Gottesdienst teilnehme; aber ich komponiere auch. Ich bin ebenfalls an den Ikonen und Fresken verschiedener Epochen interessiert. (Im Laufe der letzten zwei Jahre nahm ich selbst an der Ausmalung der Kathedrale des Heiligen Nikolaus in Wien teil). Die kirchlichen Dogmen, die ich den Menschen entweder in den Predigten oder von der Kathedra der Universität aus erkläre, oder die ich selbst in den Werken der Heiligen Väter studiere, sind ein Teil meiner theologischen Biografie geworden. Erzpriester Pawel Welikanow: Im Vorwort ihres Buches hat der Allerheiligste Patriarch Aleksej die Hoffnung ausgesprochen, dass das Buch in mehrere Sprachen übersetzt wird. Man kann vermuten, dass dies in erster Linie die europäischen Sprachen sein werden... Bischof Ilarion (Alfejew): Das Buch wird momentan ins Französische übersetzt. Es wird wahrscheinlich auch eine englische Übersetzung geben. Doch ich bin mir nicht sicher, ob der westliche Leser einem Buch dieses Umfangs gewachsen ist. Im Westen sind dicke Bücher unbeliebt, aber auch ich selbst schaue auf solche Bücher zum Teil mit Schauder. Bei der Vorbereitung der französischen Übersetzung habe ich entschieden, den ersten Band in zwei zu teilen; so wurden dementsprechend aus zwei Bändern vier, und aus drei - sechs. Doch weiß nicht, wie gefragt eine solche mehrbändige Buchreihe im Westen sein wird. Mein Buch «Das Mysterium des Glaubens» ist der relativ klein, es wurde auf Englisch, Französisch, Deutsch, Finnisch, Japanisch, Ungarisch und Serbisch veröffentlicht. In Russland hat man dieses Buch fünfmal herausgegeben. Man arbeitet momentan an einer polnischen, mazedonischen und italienischen Übersetzung. Es kann sein, dass es noch weitere gibt, von denen mir zurzeit nichts bekannt ist. Eines der Popularitätsgeheimnisse des Buches ist – Knappheit. Man sagt, «die Knappheit ist die Schwester der Begabung». Und bei mir wird jedes neue Buch immer länger und dicker. Doch ich liebe es in großen Maßstäben zu arbeiten – dies betrifft sowohl die Theologie, als auch die Musik. Ich fühle mich beengt im Rahmen eines Zeitschriftartikels von drei Seiten, oder bei einer Musikkomposition von drei Minuten: Ich brauche Freiraum, damit sich der Gedanke entfalten kann. Meine Fassung der «Matthäuspassion» dauert mehr als eineinhalb Stunden, und das «Weihnachtsoratorium» mehr als eine Stunde. Selbstverständlich besteht jedes größeres Stück aus vielen kleinen: Das Oratorium aus einzelnen Akten, und die Bücher aus einzelnen Kapiteln. Erzpriester Pawel Welikanow: Was bedeutet für Sie als Mensch der Kirche das künstlerische Schaffen, die Kultur? In welchem Maß kann die Kultur einen Beitrag für die christliche Mission, die Christianisierung leisten? Fördert sie die Mission, oder lenkt die Kultur im Gegenteil den Menschen von dem Weg der Errettung ab, wie manche innerhalb der «Kirchenmauern» vermuten? Bischof Ilarion (Alfejew): Die Kultur und das künstlerische Schaffen können sowohl zur Rettung dienen, als auch daran hindern. Wenn das künstlerische Schaffen Gott gewidmet ist, wenn der begabte Mensch alle seine Kräfte für den Dienst an seinen Mitmenschen aufopfert, wenn er hohe geistige Ideale predigt, dann kann sein Werk nicht nur seiner eigenen Rettung dienen, sondern auch zu der von Tausenden, die ihn umgeben. Wenn jedoch das Ziel seines Schöpfertums die Bestätigung seines «Ich´s» ist, wenn der Schöpfungsprozess von egoistischen und eigennützigen Zielen gelenkt wird, wenn der Mensch durch sein Werk ungeistliche, gottlose und unmenschliche «Ideale» predigt, dann kann sein Schaffen für ihn, und alle um ihn herum verderblich werden. Pawel Florenski äußerte den Gedanken, dass die Kultur aus dem Kult entstanden ist. Man kann sagen, dass die Kultur, die dem Kult entrissen wurde oder sich dem Kult entgegenstellt (im weitesten Sinne dieses Wortes), ihr Recht verliert, Kultur genannt zu werden. Kann etwa die schreckliche «Popkultur», die heutzutage den wesentlichen Teil des Fernsehprogramms beansprucht, als Kultur bezeichnet werden? (Ich meine hier nicht nur den musikalischen Teil, sondern auch die Serien, Seifenopern, Krimis und als die billige Kunst, die aufs schnelle kreiert wurde, und die nicht nur das geistige Fundament entbehrt, sondern auch das ästhetische. Die wahre Kunst ist diejenige, die Gott entweder unmittelbar oder indirekt dient. Der sogenannte Neumenchoral (auf Russ. «snamennij raspew» - eine alte Gesangsform auf der Grundlage der byzantinischen Chorals) und die altrussische Ikonographie sind Kulturmuster, die Gott gewidmet sind. Die Musik Bachs ist auch Gott geweiht – selbst da, wo sie nicht für den Gottesdienst bestimmt ist. Die Musik Beethovens und Brahms ist nicht direkt Gott gewidmet, doch sie hat die Fähigkeit, den Menschen moralisch zu erhöhen, ihn geistlich zu erziehen. Sie dient Gott, wenn auch indirekt. Die Kultur kann der Träger der christlichen Botschaft sein. Zur Sowjetzeit, als religiöse Literatur unzugänglich war, erfuhren die Menschen von Gott und der Kirche aus den Werken der russischen Klassik. Man konnte zwar nicht die Bücher Isaak des Syrers bekommen, aber die Briefe des Starzen Sosima in Dostojewskis Werk „Die Brüder Karamosow“, die von Isaaks Werken inspiriert waren, blieben für jedermann zugänglich. Obwohl die russische Literatur, Kunst und Musik des 19. Jahrhunderts ihrer Form nach weltlich war, bewahrte sie ihre tiefe Bindung zu ihren religiösen und christlichen Wurzeln. Das war eine Kultur, die ihre Bindung zu ihrer anfänglichen kulturellen Grundlage bewahrt hatte. Und die russische Kultur des 19. Jahrhunderts erfüllte im Laufe der sowjetischen Epoche jene Mission, die unter gewöhnlichen Bedingungen die Kirche hätte erfüllen können. Heute, da die Verfolgung zu Ende ist, da die Kirche ihre Freiheit wiedererlangt hat, gibt es für die Mission der Kirche keine Hindernisse. Jene Mauer, die in der Sowjetzeit künstlich geschaffen worden war, ist heute zerstört. Die Mitarbeiter der Kirche müssen diese Möglichkeit wahrnehmen, und Hand in Hand mit den Kulturschaffenden und Künstlern das Volk erleuchten. Kirche, Kultur und Kunst haben das gleiche Missionsfeld, und die gleiche bildende Aufgabe. Je früher wir dies verstehen, desto besser. Erzpriester Pawel Welikanow: Kehren wir zurück zum Thema der orthodoxen Theologie. Was meinen Sie, wie aktuell ist das Thema der östlichen Theologie für den westlichen Menschen? Bischof Ilarion (Alfejew): Das Interesse an der ostlichen Theologie ist im westen vorhanden, besonders im Katholizismus, doch auch zum Teil in der protestanitischen und nichtkirchlichen Umgebung. Man kann nicht behaupten, dass zurzeit eine massive Begeisterung an der Orthodoxie herrscht. Doch es gibt Menschen, die sich für Orthodoxie interessieren, und Bücher der orthodoxen Theologen lesen. Selbstverständlich, erfahren die Menschen im Westen über die Russische Orthodoxie durch die Theologenwerke der sogenannten französischen Schule – Florowski, Losski, Schmeman,Maindorf. Doch der Westen hat auch seine eigenen großen orthodoxen Theologen, wie Jean- Claude L´arshe in Frankreich, Priester Andrew Laut in England, Priester John Bar in Amerika. Jeder von ihnen hat durch seine Forschung auf dem Gebiet der Theologie der Heiligen Väter, einen gewichtigen Beitrag zur Verbreitung des Wissens über die Orthodoxie geleitet. Erzpriester Pawel Welikanow: Heute kann oft das Wort hören, dass wir vielleicht nicht mehr die säkulare Welt vor uns haben, sondern bereits schon die Postsäkulare. Die religiösen Werte kehren wieder zurück, doch in unerwarteten neuen Formen, mit etwas anderem Inhalt. Der Mensch versucht die Religionshaut von sich zu werfen, doch nach dem es vollbracht ist, kommt eine andere Haut zu vorschein, die viel lebendiger, viel agressiver ist, doch im Endeffekt ist es noch immer die selbe Religiösität. Entspricht es der Wahrheit, dass die moderne westliche Welt vor einer Perspektiver der neuen Religiösität steht, jedoch ohne das Christentum? Wird es irgendwelche neue charismatische Bewegungen geben? Sie leben ständig im Westen Europas, wie schätzen Sie die Situation ein? Bischof Ilarion (Alfejew): Es scheint mir, dass «der heilige Ort nie leer bleibt» (altes russ. Orthodoxes Sprichwort), und wenn auch eine Religion verbannt wird, so wird an ihre Stelle eine andere tretten – und nur aus einem einfachen Grund, denn der Mensch hat das Bedürfnis nach Religion. Man kann schwer sagen, wie die Religion in Europa nach 100- 200 Jahren sein wird. Wird Europa den islamisiert, wie manche vorhersagen? Treten an die Stelle des traditionellen Christentums irgendwelche neuen religiösen Kulte? Ich aber möchte glauben, dass das europäische Christentum sowohl in dem Kampf gegen den streitenden Säkularismus, als auch in der Schlacht mit dem islamistischen Fundamentalismus durchstehen wird. Vielleicht gewinnt das Christentum neue Kräfte, wie es mit den Kirchen war in den Zeiten der Verfolgung. Es ist bedauerlich, dass in den Köpfen der Menschen jetzt alles vermischt wurde, und jeder kann glauben und denken, was er will. Mir scheint es, dass alle jene Politologen und Philosophen, die jetzt versuchen eine Vorhersage zu treffen, welche Richtung die Religion Europas einschlagen wird, in überwiegendem Maße auf das falsche Pferd setzen. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Weltansichten oft einer Wellenbewegung ähneln. Z.b. Es kam die Reformation, danach folgte die Contra- Reformation, usw. usf. Deswegen ist wahrscheinlich, dass dir Säkularisation ihren Höhepunkt erreichen wird. An den Punkt, wo die Menschen die Einsicht bekommen, dass ein weiterer Weg ohne Gott, das Fehlen von Moralwegweisern, im Grunde ihr Leben, ihre Familien zerstört, und sie jeglicher Zukunft beraubt. Vielleicht wird nach all diesem die religiöse Renaissance eintreten. Erzpriester Pawel Welikanow: Kann man behaupten, dass eine solche Situation in Russland bereits eingetreten ist? Bischof Ilarion (Alfejew): Ich denke, dass diese Situation in Russland noch nicht eingetreten ist. Denn wir erleben in Russland eine Renaissance, nach 70-jähriger Verfolgung. Doch der Säkularismus schreitet ebenfalls auf uns zu. Ich denke es völlig unvermeidlich ist, dass das Tempo der Religionsrenaissance in den kommenden Jahren sinken wird, denn in einem solchen Tempo kann die Kirche nicht ständig wachsen. Es wird der Augenblick eintreten, in dem die Zahl der Kirchen der Notwendigkeit entsprechen wird. Außerdem, so scheint es mir, steht der Russlandkampf mit dem Säkularismus, der momentan im Westen verläuft, noch bevor. Wir haben eine Schlacht ausgehalten – sie war sehr furchtbar und tragisch, als die Kirche an die Grenze der völligen Zerstörung gestellt wurde. Doch ich denke, dass uns noch weitere Kämpfe bevorstehen. Daher dürfen wir uns nicht den Euphorien hingeben und sprechen: «Sehet, im Westen herrscht Religionskrisis, und bei uns Renaissance, dort sind die Menschen den Geistlichen Schulen und Klöstern fremd, doch unsere Klöster und Seminarien sind überfüllt». Die Religionsrenaissance – ist kein Grund zur Euphorie, sondern ein Grund dafür, um Kräfte zu sammeln, solange es uns die Umstände erlauben, solange uns der Herr noch einen «Kredit» gewährt. Erzpriester Pawel Welikanow: Gebieter, erlauben mir die Frage zu einem anderen Thema. Er kommt vor, dass ein Mensch, der neu in der Kirche ist, einen geistlichen Aufschwung erlebt. Doch an irgendeinem Punkt verliert er die Begeisterung. Dasselbe gilt auch für den Priesterdienst. Im Westen existiert der gängige Termin – „Überlasstung“ (wört. „abgebrannter Priester“). Wie ist ihre Meinung? Was sind die Ursachen für dieses „Abgebranntsein“, und was kann als Gegenmittel für dieses gefährliche und verderbende Ereignis im Leben eine gläubigen Menschen und Priesters sein? Bischof Ilarion (Alfejew): Wenn wir über den Priester reden, so tragen die Ursachen in der Regel einen persönlichen und inneren Charakter. Der Priesterdienst verlangt einen täglichen Einsatz. Das ist praktisch ein Dienst ohne Pause. Jeder Priester muss, ungeachtet seiner seelischen, emozionalen und geistigen Verfassung, die Göttlicher Liturgie dann vollziehen, wann sie in seiner Gemeinde eingeplannt ist. Ein Weltmensch, der z. B. keine Lust auf einen Gottesdienst hat, kann sich einen Auszeit gönnen. Ein Priester hat diese Möglichkeit nicht, er muss immer «leuchten» (d.h. immer einsatzbereit sein). Und wenn es vorkommt, dass diese Flamme anfängt zu erlischen, und der Priester dient trotzdem weiter, so wandelt der Gottesdient in ein Automatismus, in eine widerwillige Pflichterfüllung – dies ist sehr gefährlich. Mit scheint, dass der Priester alle seine Krisen von einer Liturgie bis zu andern durchleben muss. Doch als die Zeit für die Litugie schlägt, so muss er auf Neue vor Gott treten und wie ein Leuchter brennen und erhellen. Ich denke, dass es keinen Universalrezept für das «Wiederbeleben» einer erloschen Flamme gibt. Doch ich vermute, es ist sehr vorteilhaft, wenn der Priester zu seinen Pflichten, noch andere geistreiche und fördende Aufgaben erfüllt: Unterricht an einer geistlichen Schule, Studium der Heiligen Väter, oder Ikonenmalerei. Diese Aufgaben geben ihm den nötigen Halt, sie werden zu einem Rettungsring, der den Priester über Wasser in dem Moment hält, wenn sein Herz aus irgendwelchen Gründen im Gebet und Gottesdienst erkältet. Erzpriester Pawel Welikanow: Vielen Dank für das Interview, Gebieter. Gott helfe Ihnen in Ihrem weiteren Schaffen! Das Interview führte der Erzprieter Pawel Welikanow
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Книга "Православие" у данного автора имеется, просто она не распространена, как "Исскусство святости".
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интервью интересное.
правда по поводу переполненных семинарий в Pоссии и Украине я бы не говорил. а по поводу волнообразного отношения общества к религиозности когда-то очень хорошо писал Питирим Сорокин. я в свое время был вдохновлен. Antworten
++Что же касается книги епископа Варнавы (Беляева), то она, как и другие писания этого автора, настолько своеобразна, что к ней невозможно обращаться как к надежному источнику сведений о Православной Церкви.+++
У епископа Варнавы НЕТ сочинения с названием "Православие". Видимо, вл. Иларион имеет в виду выжимку из труда еп. Варнавы "Основы искусства святости", более 10 лет назад выпущенную Ново-Голутвиным монастырем под таким (НЕавторским)названием. А вот должна ли такая работа служить "источником сведений о Православной Церкви" - спорный вопрос. Для "сведений" есть Википедия. Еп. Варнава, кто в курсе, писал о более важном. Antworten
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