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Goldener Fonds

Über das patristische Prinzip der Nüchternheit und christliches Verhalten im Internet

28. Oktober 2013
In letzter Zeit sind in der Diskussion um das Internet von psychologischer Seite Begriffe wie „Medienenthalstamkeit“, „Informationsfasten“ und „Technikaskese“ zu lesen und zu hören. Seit Urzeiten lehrt die orthodoxe Tradition Aufmerksamkeit, die Kunst, den Verstand rein zu halten, die Bewahrung des Herzens und die spirituelle Nüchternheit. Der Lehrer am Moskauer Orthodoxen Geistlichen Seminar und Akademie und Dozent an der Orthodoxen St.-Tichon Universität für Geisteswissenschaften, Priester Oleg Mumrikow, behandelt im vorliegenden Text die Aktualität der patristischen asketischen Lehre für den modernen Christen, der  sich regelmäßig auf die Reise in die Welt des Internet begibt. Diese Vortrag wurde auf der 16. Tagung „Wissenschaft – Philosophie– Religion: Der Mensch vor den Herausforderungen der neuesten Informations- und Kommunikationstechnologien“ gehalten, die am 21.-22. Oktober 2013 in Dubna stattfand.

Lebe vor meinem Angesicht, und sei untadelig
(Gen 17:1)

Moderne Technologien, die mit Informationsverarbeitung und Kommunikation zu tun haben, berühren die spirituelle Welt des Menschen immer tiefgreifender. Offensichtlich gibt es ein Bedürfnis nach einer allseitigen Analyse und Bewertung der Informatisierungsprozesse und nach einer Einordnung der Informationskultur (auch unter spirituellem Aspekt) als wichtigstem Kriterium der Gesellschaftsentwicklung während der Formung einer neuen Selbstwahrnehmung des Menschen.

In mehreren Publikationen wird immer häufiger – und auch besorgt – über den neuen Homo Internetus, die Snack-Kultur des Konsums[1], über Informationstrancezustände und die mit ihnen eihergehenden psychologischen Probleme, über „Bulimien[2] der sozialen Kommunikation“, über „sozialen Voyeurismus“[3], „„Prokrastination“[4], Störungen der Zeit- und der Informationswahrnehmung, bei denen die Zeit während der Immersion in die Internetwelt „kollabiert“ und ganz anders als in der analogen Welt verläuft und Informationen fragmentarisch und  bruchstückhaft, also ohne logische Zusammenhänge, konsumiert werden. Wie Dmitrij Solowjow[5], einer der Erforscher der Psychologie von Internet-Usern, anmerkt, entstehen in Sozialnetzwerken bei Menschen „neue Körper“, die gar nicht so einfach zu steuern sind, während viele Handlungen, so wie Surfen über Webseiten, Teilen,  „Liken“ und auch Kommunikation, die mit Eifersucht, Kränkungen und Sorgen einhergehen, praktisch reflexhaft bzw. unbewusst ausgeführt werden.

Jeder Priester weiß aus seiner Kommunikation mit Gemeindemitgliedern um die negativen Folgen und die Leere, die nach Reisen in „elektronische Welten“ vorkommen und leider auch für Christen, die ins Kirchenleben integriert sind, oft charakteristisch sind. Selbstverständlich sind auch die Geistlichen selbst als einfache Großstadtbewohner ebenfalls Benutzer von Informationstechnologien und befinden sich damit auch in derselben „Risikogruppe“.

Die Lösung der oben aufgelisteten Probleme könnte in der bewussten Nutzung der Medien und des Internet-Raums liegen.[6] Strikte Selbstdisziplin und Zeitmanagement beugen der Chronophagie („Zeitaufressen“) als Ergebnis sinnlos überlanger Aufenthalte im Internet vor, so wie auch verantwortungsvolles Vorgehen und die Erkennung möglicher Folgen (z.B. bei der sorglosen Verbreitung von Unmengen intimster Informationen im Netz).

Seit einiger Zeit gibt es den Begriff „Medienaskese“ – dies soll Lebensweisen bezeichnen, die von der Erkennung des Wesens der neusten Kommunikationsmittel, Internettechnologien, Medien und Werbung und ihrer vernünftigen, für die Persönlichkeit ungefährlichen Nutzung geprägt sind. „Technikaskese“ und „Informationsfasten“, die mit Selbsteinschränkung und Willensübungen einhergehen, sollen neue Möglichkeiten nicht nur für den Verbleib des Menschen in der virtuellen Welt[7], sondern auch in der Realität der Megalopolen mit ihren Rhythmen, Kommunikationsformen und raumzeitlichen Strukturierung eröffnen.

Bei dieser Vorgehensweise ist die Askese[8] jedoch kein Aspekt des religiösen Lebens als solchem, sondern eher eine stoisch „wache“, „klarsichtige“, utilitäre Überlebensstrategie bzw. eine Disziplin der Vernunft, die die Welt erkennt[9]. Für den Christen ist Askese aber in erster Linie der Weg zur Vereinigung mit Gott durch den Zustand der Nüchternheit ( νῆψσις ), also die Konzentration des Verstandes auf spirituelle Dinge, das stetige Gefühl, dass man vor dem Antlitz Gottes steht, die Aufmerksamkeit und die willentliche Abscheidung jeglicher Erscheinungsform der Sünde – im Gegensatz zu verantwortungsloser Schlaffheit, Müßiggang, Berauschung durch vergängliche Begierden und Leidenschaften. Aus christlicher Sichtweise ist es durchaus wichtig, sich ständig darüber bewusst zu sein, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird, und zwar nicht nur sinnlich bzw. seelisch-intellektuell, sondern auch spirituell. Die Nüchternheit ermöglicht es, Versuchungen zu widerstehen und die bitteren Folgen der Sünde, welche eine missverstandene und falsch verwirklichte Gabe der Freiheit ist, zu vermeiden. „Die Aufmerksamkeit muss mit dem Gebet so verbindungsfähig und untrennbar sein, wie der Leib mit der Seele untrennbar verbunden ist. Die Aufmerksamkeit muss vorangehen und Widersacher wie ein Wächter abhalten; möge sie als erstes den Kampf gegen die Sünde aufnehmen und den die Seele betretenden bösen Gedanken entgegenstehen, und möge nach der Aufmerksamkeit das Gebet folgen, das all die bösen Gedanken, mit denen die Aufmerksamkeit kurz zuvor den Kampf geführt hat, ausrottet und schlägt, denn allein kann sie nicht schlagen“, sagt der hl. Mönch Symeon der Neue Theologe[10]. „Das Ergebnis von ungebührenden leeren Gesprächen ist manchmal Hass auf uns seitens derer, die [uns] hören, manchmal eben Vorwurf und Verspotten, wenn sie die Vernunftwidrigkeit unserer Reden einsehen,  manchmal die Schändung des Gewissens, manchmal aber auch Verurteilung von Gott und Traurig-Machen des Heiligen Geistes, was furchtbarer als alles andere ist“,  merkt der hl. Mönch Philotheos von Sinai an[11].

Das Gegenteil von Nüchternheit sind Zerstreutheit und Schwermut, die sich nicht so sehr als „schlechte Stimmung“ bzw. Trauer, sondern vielmehr als chronische spirituelle und körperliche Weichheit bzw. Betriebsamkeit, welche die Persönlichkeit verwüstet, äußern.

In der asketischen Literatur finden wir zahlreiche Belehrungen sowohl über die eigentliche Tugend der Nüchternheit als auch über die Wege zu ihrer Erlangung.

Über die Willensanstrengung:

„Der Ort des Verstands ist also sein fester Stand in Tugend und Nüchternheit. Diese Standfestigkeit gibt es sowohl im tugendhaften als auch im sündigen Leben. Denn die Schrift sagt: glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rate der Gottlosen, und nicht steht auf dem Wege der Sünder (Ps 1,1). Auch der Apostel lehrt: stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit (Eph 6,14)[12].

Über das Gedenken Gottes, das mit der Anrufung des Namens des Erlösers und des Richters – des Herrn Jesu Christi – gekoppelt ist:

„Das wonnevolle Gedenken Gottes, also Jesu, mit dem Zorn des Herzens und der heilsamen Bitternis zerstört üblicherweise all den Zauber von Gedanken, verschiedene Eingebungen, Worte, Träume, finstere Vorstellungen und, kurz gesagt, allem, womit sich der alles verderbende  Feind bewaffnet und womit er vortritt, während er versucht, unsere Seelen zu verschlingen. Wenn Jesus angerufen wird, brennt ER alles leicht nieder. Denn außer Jesus Christus gibt es für uns in niemanden sonst die Rettung. Das hat auch der Heiland selbst gesagt: ohne mich könnt ihr nichts tun (Joh 15,5)“[13]

Über die Etappen der Entwicklung der Sünde

„Von vornherein kommt eine Eingebung[14] (Aufschlag; wenn ein geworfenes Ding daran aufschlägt, woran es geworfen wurde); dann die Verbindung[15] (Kupplung, wenn die Aufmerksamkeit von dem Gegenstand gefesselt ist, so dass es nur die Seele und der Gegenstand gibt, der sich [an sie] geschlagen und sie besetzt hat; weiter die Zustimmung[16] (der Gegenstand, der [an die Seele] geschlagen und die Aufmerksamkeit besetzt hat, hat ein Begehren erregt, und die Seele stimmte dem gegenüber zu, hat sich damit also zusammengetan); danach die Gefangenschaft[17] (der Gegenstand hat die Seele, die ihn nun begehrt, gefangen genommen und führt sie, wie eine gefesselte Sklavin, zur Tat); schließlich die Leidenschaft[18] (Erkrankung der Seele), die durch die häufige Wiederholung (Befriedigung immer desselben Begehrens) und die Gewöhnung (an Taten, durch welche die Wiederholung sich befriedigt) zur Eigenschaft der Seele (Charakterzug) wurde“[19].

  Über die unablässige Wachsamkeit:

„Jeder möge sehen und merken, ob er fest und unbeweglich auf dem Stein des Glaubens steht, ohne nach rechts oder links abzuweichen, sondern den Königsweg einherzuschreiten, ohne dass die Seele dabei schlummert und Gefahr läuft, mit dem Fuß über den Stolperstein zu fallen, und ohne etwas aus Selbstzufriedenheit oder Leidenschaft zu tun. <…> Möget ihr davor Angst haben und euch scheuen, und, nach dem Sprichwort, solange ihr bei günstigem Wind segelt, des Schiffbruchs gedenken. Denn es kann von einem Augenblick zum nächsten ein harter Wind, ein Sturm, ein Orkan, eine Drangsal, der Untergang, der Tod kommen. Manchmal scheint es Frieden und Festigung zu geben, aber plötzlich gibt es Alarm, Kampf, Krieg und Versehrung nicht des Leibes, sondern der Seele, was besonders bitter ist. Der Böse zieht sich zeitweilig zurück, um uns in Sorglosigkeit zu versetzen und dann unerwartet aufzulaufen, den Gedanken zu verdrehen und ins Verderben zu ziehen. Wir haben keinen Raum für Sorglosigkeit und keine Zeit für Ruhe. Der böse Feind hat schon viele, die es schon fast bis zum Landungshafen des Heils geschafft hatten, in den Grund gebohrt. Manche, die bereits bis zur Himmelsfeste aufgestiegen waren, hat er auf die Erde der Sünde hinabgeworfen. Viele Schatzkammern der Tugend hat er entleert, viele spirituelle Tugendtaten hat er entführt und diejenigen, die sie erlangt hatten, hat er arm gemacht. Indem ihr dies wisset, bleibt wachsam und gönnt den Augen eures Verstandes keinen Schlummer“,schrieb der hl. Mönch Theodor Studites[20].

Sind diese uralten Belehrungen der Wüstenväter über die Kunst des Bewahrens des Herzensstille für den Menschen des 21. Jahrhunderts, der ja in zwei Welten – in der modernen tumultuösen Großstadt und im   Cyberspace – sein aktives Leben führt, etwa nicht mehr aktuell?

Das Ziel des Lebens des Christen ist sowohl im 1. als auch im 4. oder auch im 21. Jahrhundert, sowohl in der Wüste als auch in der Stadt, immer dasselbe, nämlich die Einheit mit Gott als Ergebnis der spirituellen und sittlichen Entwicklung, Damit sind Askese und Nüchternheit nicht nur das Los von Mönchen und Nonnen bzw. gar von „wenigen auserwählten geistlichen Vorkämpfern“, sondern der Weg jedes Christen und eine unverzichtbare  Bedingung eines wahrlich spirituellen Lebens. „ Wachet und betet, auf dass ihr nicht in Versuchung kommet“ (Mt 26,41), gebot der Herr Jesus Christus seinen Jüngern. Später lehrten die Apostel, indem sie dieses Gebot wiederholten und erläuterten, alle Nachfolger Christi wie folgt: „ Seid nüchtern, wachet; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1 Petr 5,8); „Beharret im Gebet und wachet in demselben mit Danksagung“ (Kol 4,2); „ Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit, und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen. Nehmet auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist; zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste, und eben hierzu wachend in allem Anhalten und Flehen“ (Eph 6,14-18). Das Wirkprinzip der Gesetze der christlichen Askese ist immer dasselbe, trotz des unüberwindlichen Unterschieds zwischen den Epochen und Zivilisationen, auch wenn sie fahrlässig missachtet werden. Als ein sprechendes Beispiel kann eine schlagfertige Bemerkung eines Live-Journal-Bloggers dienen:

„Der Dämon der Acedie, der auch «Mittagsdämon“ genannt wird (Ps 91:6), ist von allen Dämonen der lästigste. Er tritt um die vierte Stunde an den Mönch heran und umzingelt ihn bis zur achten Stunde. Zuerst bewirkt er, dass die Sonne aussieht, als bewege sie sich kaum oder gar nicht; fünfzigsündig lässt er den Tag erscheinen. Danach zwingt er [der Dämon der Acedie] ihn, ununterbrochen zu den Fenstern zu schauen, aus der Zell fortzuspringen, gespannt zur Sonne zu blicken, wie lange es noch bis zur neunten Stunde [die Mahlzeit] sei, und bald dorthin zu spähen, ob nicht einer der Brüder in der Nähe sei. Zudem flößt er ihm Hass auf einen [von ihm ausgesuchten] Ort  ein, ja auf das Leben selbst, auf seiner Hände Arbeit, und dass die Liebe unter den Brüdern verschwunden sei und keiner da wäre, der Trost spendet. […] Und er [der Dämon] setzt, wie man sagt, alle Hebel in Bewegung, damit der Mönch die Zelle verlässt und vom Kampfplatz flieht“. – Abba Euagrios. – Ersetze hier den Mönch durch den Manager und du erhältst ein aktuelles Bild der Arbeit in den Büros von Moskau“[21].

Bedauerlicherweise werden das Austreten aus der „Zelle“ des eigenen Herzens ins Internet und die totale Schlaffheit zu Synonymen. Dabei vergessen die Internet-Benutzer in ihrer Sorglosigkeit, dass sie sich faktisch in einer Zone erhöhten Risikos befinden, und zwar nicht nur psychologisch, sondern auch spirituell, denn der Cyberspace ist überfüllt mit Ideen und Erzeugnissen, welche weniger aus dem Herzen und dem Verstand des gefallenen Menschen herkommen, als vielmehr  Produkte infernaler Inspirationen sind. Die Medientechnologien gewähren enorme Möglichkeiten der Einbeziehung des Menschen in verschiedenartige empirische, für sinnliche Eindrücke empfängliche Erkenntnisse; aber die Frage ist, ob der Benutzer nutzbringende Erfahrungen von Zuständen und Impressionen unterscheiden kann, von denen man sich wie von Dornen, welche die Seele verkrüppeln, fernhalten soll.

„Jeder Gedanke gibt im Verstand ein Bild eines für sinnliche Eindrücke empfänglichen Gegenstands wieder, da der Assyrer [der Feind], der selbst eine Verstand habende Kraft ist, nicht anders verlocken vermag als indem er etwas für uns gewöhnliches, für sinnliche Eindrücke empfängliches, benutzt“, merkt Hesychios von Jerusalem an[22].  Oben steht ein Zitat aus den Werken des hl. Mönches Philopheus von Sinai über das den heiligen Vätern wohl bekannte Prinzip der konsequenten Entwicklung der Sünde von der Eingebung, der Verbindung, der Zustimmung bis zur sich tief verwurzelnden Todesleidenschaft, die den Menschen auffrisst. Wie Hegumen Adrian (Paschin), Lehrer an der Moskauer Geistlichen Akademie, feststellt, „ermöglicht ein buntes Bild die drei Anfangsstadien besser zu überwinden, während solche Bilder im Internet nun für alle zugänglich sind“[23].

So verkehrt sich das ganzheitliche Leben des konsumierenden Menschen in wenigen Stunden und Minuten  mittels der Aufmerksamkeitszerstreuung, der Pseudokommunikation bzw.  des Geschwafels, der  müßiggängerischen Neugier und der Zweideutigkeit von Definitionen in ein „unwahres Dasein“[24], und zwar nicht nur im Rahmen der vorübergehenden irdischen Existenz, sondern auch in der sich nähernden Ewigkeit.

Es ergibt sich die logische Frage, ob es dann nicht besser wäre, von der Benutzung der Internet-Technologien ganz abzusehen. Eventuell wäre es besser, darauf zu verzichten, und zwar für solche Menschen, die noch nicht so weit sind, die Notwendigkeit einer stringenten Verwaltung der eigenen Aufmerksamkeit und Strategien des Verhaltens im Netz generell zu erkennen.

Derjenige, der sich darüber im Klaren sind, wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein, den Verstand zu bewahren, d.h., spirituell nüchtern zu sein[25], dem der biblische Begriff „vor dem Angesicht Gottes zu wandeln“ (Gen 5,24; 6,9; 17,1; Ps 26,3; 116,9) zumindest als nachahmenswertes Ideal vertraut ist, mag, wenn er im modernen Informationsraum verbleibt, dem Vorbild des Patriarchen Abrahams zu folgen, der auf den gefährlichen Wegen des fremden Landes Kanaan wanderte und dabei immer die gestrenge Warnung im Gedächtnis bewahrte: „Weh denjenigen, die ihre Herzen verdorben haben!“[26]

„Auf dass wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben (…) Dieses nun sage und bezeuge ich im Herrn, dass ihr forthin nicht wandelt, wie auch die [übrigen] Nationen wandeln, in Eitelkeit ihres Sinnes, verfinstert am Verstande, entfremdet dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens“, warnt der hl. Apostel Paulus (Eph 4.14, 17-18). Also ermöglicht die Nüchternheit, verbunden mit der Bewahrung des Gewissens in Bezug auf Gott, auf sich selbst, auf die Gaben der Zeit und der Gesundheit und auf andere Menschen[27], den gesunden Utilitarismus des „Zeitmanagements“ und der „Medienaskese“ mit erhabeneren, ewigen Bedeutungen aufzufüllen und den bitteren gerechten Vorwurf zu meiden: „Aus den abgestandenen Wasserlöchern Kanaans habe ich getrunken. Die Quelle aus dem Felsen aber habe ich verschmäht, aus der das lebendige Wasser der göttlichen Erkenntnis hervorsprudelt“ (Gen 21,25; Ex 17;6).



[1] Vom engl. snack („Imbiss“): einer der bestimmenden Begriffe der Konsumgesellschaft.  

[2] Von gr. βοῦς (“Ochse“) und λῑμός  („Hunger“): Essstörung, die durch eine rasante Appetitsteigerung, die meist als krankhafter Anfall von Heißhunger auftritt, charakterisiert wird.

[3] Von fr. voir („sehen, betrachten“):  Zwang, das Leben anderer Menschen zu verfolgen; im weiteren Sinne: passive, konsumatorische Weltwahrnehmung.

[4] Von lat. Procrastinatus , aus pro („für“) und cras – „morgen“): Syndrom der permanenten Verschiebung wichtiger Handlungen und sogar Gedanken „auf später“.

[5] Соловьев Д.  Медиааскетизм, или Надо ли удалять фейсбук на Великий пост. – Elektronische Ressource: http://os.colta.ru/media/net/details/37799/page1/

[6] S, z.B.: Соловьев Д. В Сети сложно вести двойную игру – Электронный ресурс: http://bit.samag.ru/interwiev/more/13

[7] Ebenda.

[8] Von griech. ̓ ασκέσις  „Übung“.

[9] S.: Хорунжий С.С.Трезвение // Богословская антропология. Русско-православный / Римско-католический словарь: изд. на русск. и нем. яз. / Под научн. ред. прот. А. Лоргуса, Б. Штубенрауха. – М.: Паломник; Никея, 2013. – С. 636-642.

[10] Симеон Новый Богослов, преп.  О трех образах внимания и молитвы // Добротолюбие в 5 тт. - Т. 5. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. - С. 447.

[11] Филофей Синайский преп.  40 глав о трезвении // Добротолюбие в 5 тт. - Т. 3. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. - С. 408.

[12] Ebenda, S. 413-414.

[13] Ebenda,S. 415.

[14] Russ. прилог , Griech. προσβολη ( Anm. d. Ü.)

[15] Russ. приражение , Griech. συνδυασμος  ( Anm. d. Ü.)

[16] Russ. сосложение   ( Anm. d. Ü.)

[17] Russ. пленение ( Anm. d. Ü.)

[18] Russ. страсть , Griech. παθος ( Anm. d. Ü.)

[19] [ Philotheos von Sinai] Филофей Синайский преп. 40 глав о трезвении // Добротолюбие в 5 тт. - Т. 3. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. -  S.  420.

[20] Феодор Студит, преп.  Бдите над собою; ибо внезапно может напасть враг и сгубить вас // Добротолюбие 5 тт. - Т. 4. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. - С. 283-284.

[22]Исихий, пресвитер иерусалимский, преп.  К Феодулу душеполезное и спасительное слово о трезвении и молитве // Добротолюбие в 5 тт. - Т. 2. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. - С. 192.

[23]Адриан (Пашин), игумен.  Компьтерные технологии и духовная жизнь. – Elektronische Ressource: http://www.bogoslov.ru/text/2280956.html

[24]Блуд А.А.  «Умное делание» как способ бытия. – Elektronische Ressource: http://www.bogoslov.ru/text/1352996.html

[25][Nikephoros der Mönch] НикифорУединенник, преп.  Слово о хранении и трезвении сердца многополезное // Добротолюбие в 5 тт. - Т. 5. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. - С. 242.

[26][ Hesychios von Jerusalem ] Исихий, пресвитер иерусалимский, преп.  К Феодулу душеполезное и спасительное слово о трезвении и молитве // Добротолюбие в 5 тт. - Т. 2. - М.: Изд-во Сретенского монастыря, 2007. - С. 188.

[27] [ Dorotheus von Gaza] Дорофей авва, преп. Душеполезные поучения и послания. – Калуга, 1895. – С. 53-58.

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