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Postmoderne in der Theologie (Auszug aus der Beschreibung des Projektes)

5. Dezember 2008
In diesem Artikel wird das Projekt “Postmoderne in der Theologie” dargestellt. Die Postmoderne wird aus der Sicht einer nicht-linearen Mentalitätsgeschichte  erörtert. Im Zentrum steht die theologische Dimension der Postmoderne, die auf dem Hintergrund der «existenziellen Metaphorologie» behandlet wird.

… Heute beeinflusst die Postmoderne wesentlich die Weltanschauung der Menschen, alle Formen des soziokulturellen Lebens, darunter auch die Entwicklung der Theologie. Ohne in dem «klassifikatorischen Wahnsinn» der «Bibliothek» zu versinken, die sich seit langem schon in ein Labyrinth ohne Ausweg verwandelt hat, möchten wir in diesem Projekt die Postmoderne aus der Sicht einer nicht-linearen Mentalitätsgeschichte zu erörtern versuchen. Die Epoche, deren Bezeichnung sich für viele Kritiker als eine leere Etikette verschiedener Feuilletons entpuppte, die auch mehrmals lebendig begraben wurde (manchmal mit ganz präziser Datumsangabe), will nicht zu Ende gehen.

Wir haben aber nicht vor, die Postmoderne als eine bestimmte Epoche, oder einen ästhetischen Begriff zu analysieren. Deswegen werden die chronologischen Grenzen für verschiedene Projekte unterschiedlich (aber auf jeden Fall in untrennbarer Beziehung «Moderne-Postmoderne») aussehen.
Die Postmoderne ist hier in erster Linie als ein Typ der Weltanschauung, als eine Form des Bewusstseins (etwa im Sinne einer Ideologie:) und als eine spezifische Mentalität mit ihren eigenen intellektuellen Strategien interessant.

Davon ausgehend, dass jedes Bewusstsein im Grunde genommen ein «theologisches» Bewusstsein ist (auch wenn es sich als «a/theistisch», «a/theologisch», oder irgendwie anders negativ positioniert), möchten wir die theologische Dimension der Postmoderne auf dem Hintergrund der «existenziellen Metaphorologie» besprechen. Dies kann als eine Art der Gestalttherapie des Zeitgeistes betrachtet werden.

Deswegen sind für dieses Projekt nicht nur spezifisch theologische Begriffe, sondern auch solche wie Metapher, Motive und Szenarien, Topoi, Sujets und Mythen, Strategien und Reisewege, Marschrouten und Karten, Archetypen und Stereotypen des Alltagslebens ganz wichtig, sowie auch die Kategorien des «Abenteuer der Ideen»-Genres.

Dabei sollte es kein Staunen auslösen, wenn wir im Rahmen des Projektes über die «postmoderne Dogmatik», «dekonstruktivistische Mystik», «poststrukturalistische Soteriologie» und «vagabundierende Ekklesiologie»  etc. sprechen.  

Methodologisch könnte man das Projekt auf solchen Theorien wie Metaphorologie von Hans Blumenberg, Theorie des mythologischen Bewusstseins von Alexej Losev, Konzeption der Alltagsmythen von Roland Barthes, Szenariumsanalyse von Erice Berne und Diskursanalyse von Michel Foucault fundieren,.
Gerade dieser Wahrnehmungsmodus gibt eine Möglichkeit das «Herzstück» des postmodernen Weltbildes anzurühren, das heute von vielen als Leerstelle der Kultur betrachtet wird. Dieses Modell setzt das Verständis der Postmoderne als eigenartiges «System» der «Optik» (eine Art des Denkens) voraus, das schon bei der Rezeption die Welt durch einen «Eingangsfilter» einer bestimmten «Matrix» erfasst, ohne die BenutzerInnen von dem pluralistischen Jahr(hundert)markt ihrer «Sprachspiele» freizulassen.

Im Zentrum des Projektes steht die Spezifik der Weltwahrnehmung (worldview), die später als «postmodern sensibility» bezeichnet wurde und die heute die Gestaltung der neuen theologischen Projekte prägt, die Strategien des Denkens bestimmt und die Filter der neuen theologischen Optik/Sprache herstellt.
Die Rolle der Metapher in der Gestaltung des Weltbildes ist nicht zu leugnen (das wissen nicht nur NLP-SpezialistInnen, GestaltpsychologInnen und PolittechnologInnen) und diese Tatsache wird uns helfen, neue Methoden und Technologien der Produktion des menschlichen Subjektes der Postmoderne zu besprechen, die die Basis von diesem Weltbild formen.

Der chronologische Rahmen des Projektes entspricht der Vorstellung, dass es seit Karl Barths «Dialektischer Theologie», die auch von einem Krisenbewusstsein geprägt war, in der westlichen Theologie die Veränderungen angfangen, die mit der Zeit zum postmodernen Weltbild führten, das heute den Rahmen vieler theologischer Theorien und anderer Lebenspraktiken bildet.

Im Kontext unserer Aufgabe möchten wir die Projekte der Befreiung als eine der wichtigsten Modalitäten der postmodernen Mentalität behandeln, die nicht nur mit verschiedenen Versionen der Befreiungstheologie verbunden sind (politik-zentrierte, schwarze, feministische etc.), sondern auch das Projekt der studentischen Revolution der 68-er selbst, sowie ihre Implikationen in verschiedenen Bereichen der Kultur (sexuelle Revolution, psychodelische Revolution etc.). Diese sind mit der «Hermeneutik des Verdachtes» (F. Nietzsche, K. Marx, S. Freud) und der Kritischen Theorie der Gesellschaft der Frankfurter Schule (T. Adorno, M. Horkheimer, H. Marcuse etc.) verbunden und führten zu einer Kulturrevolution,  die neue Metapher und Mythen ins Massenbewusstsein inkorporierte, sowie auch alte aktualisierte.

Obwohl das Befreiungskonzept eher zu den modernen Konzepten gezählt wird, gehen wir davon aus, dass solche Projekte wie Theorien von Derrida, Foucault, Deleuze und Guatarri, Buttler, Lyotard u.a., die heute eindeutig als postmodern gelten, im Grunde genommen Befreiungsprojekte sind, die auch die Krisen der Moderne zu begreifen versuchen.

Deswegen möchten wir verschiedene Konzepte und Projekte der dekonstruktiven Theologie (Marc C. Taylor, R. Scharlemann, Ch. Winquist etc.), die seit Anfang der achtziger in den USA sich zu entwickeln begann (nachdem die Werke von Jaces Derrida ins Englische übersetzt wurden), auch in diesem Zusammenhang der Befreiungsprojekte darstellen. Dekonstruktive Theologie ist auch mit der «Tradition des Verdachtes» verbunden,  aus der noch eine paradigmatische Metapher des «Todes Gottes» (F. Nietzsche) entlehnt wird. Dies setzt deshalb auch die Darstellung und die Analyse der «Gott-ist-tot-Theogie» in verschiedenen Transkriptionen (von Th. Altizer, G. Vahanian, C. Raschke, W. Hamilton, P.M. van Buren,  bis zu Dorothee Sölle) voraus. 

Die «Gott-ist-tot-Theologie» ist natürlich auch ohne religionsloses Christentums, das mit den Namen K. Barthes, D. Bonhöffers und H. Cox u.a. verbunden ist, unvorstellbar.

Das «Weltethos»-Projekt von Hans Küng wird von uns auch als ein postmodernes Befreiungsprojekt betrachtet, obwohl es früher schon als ein Beispiel der ganzheitlichen (ökumenisch orientierten) postmodernen Theologie von Dr. Matthias Schnell-Heisch in seiner Dissertation ausführlich dargestellt und analysiert wurde.

Es soll noch ein Thema in Zusammenhang mit der dekonstruktiven Theologie behandelt werden – das Problem der theologischen Sprache in der Postmoderne. Zu diesem Thema sind auch die Veränderungen der Konzeptionen der Sprache allgemein (die neuen Schreibstrategien von Nietzsche und Heidegger bis Derrida und Sprachphilosophie der Dekonstruktion, «Linguistik turn» in der Phlosophie, «theologische Tropologie» der Dekonstruktiven Theologie (Ch. Winquist), Pan-Textualisierung der Welt, des Bewusstseins u.a. zu betrachten. Also muss die Abenteuergeschichte der Sprache in der Postmoderne dargestellt werden, vom Theopoesie-projekt von Dorothee Sölle bis zu dem aus der feministischen Linguistik stammenden Projekt der «Gerechten Sprache» und andere Arten der «nicht-faschistischen Rede», sowie auch andere linguistische Konzeptionen.

Auf jeden Fall muss in unserem Projekt die Emerging Church – Bewegung als ein Beispiel einer theologischen Bewegung dargestellt und analysiert werden , die sich als postmoderne Kirche und christliche Gemeinde des XXI. Jahrhunderts begreift, und die die Postmoderne ganz bewusst zum Teil ihres theologischen Programmes und kichlisches Lebens macht.

Es wäre auch interessant nachzufolgen, wie diese Metapher und die mit ihr verbundene Denkweise sich in Projekten der «neuen Spiritualität» der New Age – Bewegung, sowie auch in den «soteriologischen» Modellen und Strategien der (post)traditionellen nicht-christlichen (post)Religionen und in den  quasireligiösen Weltbildern entfalten.

Auch in diesem Kontext könnte der Übergang von der Moderne zur Postmoderne in der «esoterischen Befreiungstradition» analysiert werden, etwa am Beispiel G. Gurdjieff und Oscho, deren Ideen auf dem Gebiet der Vernunft- und Gesellschaftskritik als eine Art radikaler Kulturkritik und «esoterischer Hermeneutik des Verdachtes» im Rahmen der «new age – Befreiungstheologie» «gelesen» werden können.

Es ist ebenso zu fragen, wie die Metapher der «falschen Persönlichkeit» (Gurdjieff u.a.) aus dem neognostischen Lexikon mit dem Begriff des «falschen Bewusstseins» der (post)marxistischen Tradition korreliert.

Sufi(-lounge) und Zen(-Design) sind auch nicht zu vergessen, sowie auch solche Psychopraktiken wie Lifespring oder E.S.T. oder andere Arten der postmodernen Lebenskunst aus verschiedenen Therapie-Projekten.

Alle diese Projekte möchten wir auch als «theologische» Projekte analysieren, und zu klären versuchen, welche Akzentverschiebungen bei den wichtigsten theologischen Begriffen (Heil, Erlösung, Kirche, Reich Gottes etc.) vor sich gehen können. Diese Verschiebungen haben einen ziemlich paradigmatischen Charakter und sind mit ihren Transformation und Metamorphosen auch wesentlich mit den Veränderungen im theologischen Bewusstsein verbunden.
 So muss in diesem Zusammenhang z.B. das Bild Gottes analysiert werden, wie dies in der non-dogmatischen «schwachen Teologie» (G. Vattimo, J. Caputo), oder im Modell von Dorothee Sölle, die sich von einer Vorstellung von einem allmächtigen Gott verabschieden, verstanden wird.

Im Rahmen des Projekts möchten wir nicht nur postmoderne theologische Konzepte behandeln, sondern auch philosophische Projekte und Theorien, sowie auch verschiedene Formen der Psychopraktiken (von Psychotherapie bis New Age-Psychotechniken), Figuren der (Kontr-)Kultur, «Ästhetiken der Existenz» und Lebensstyls aus dem von den Massenmedien gesteuerten Alltagsleben, die die menschlische «Optik» bestimmen. Generationenbilder (von Woodstock-Generation über Generation X, Generation Golf, Single-generation bis zur Generation Nix) und deren Mythen (also nicht nur die Mythen des Alltags), die hinter ihnen stehen, spielen ebenso eine wichtige Rolle.

Dabei werden auch solche Lebensprojekte dargestellt, die in der Postmoderne als wegweisend begriffen werden, wie etwa Lebenswege von Friedrich Nietzsche, Michel Foucault, Dorothee Sölle, Dietrich Bonhöffer und Simone Weil etc., die sich heute auch durchaus als «theologische» Projekte «lesen» lassen. 
Es scheint uns auch wichtig zu sein, AutorInnen und deren Werke zu betrachten, die aus verschiedenen Bereichen (von Massenkultur (Rock-Musik und Pop-Literatur) bis zu elitärer Kunst), Stilen und Epochen (Moderne/Postmoderne) kommen und die Bewusstseinbildung in der Postmoderne, also die Weltbilder stark beeinflussen. 

Vom «Fight Club» von David Fincher, Lars von Triers «Idioten», von Andrei Tarkovskis «Stalker» bis zum Greenaways neuesten Projekt «The Tulse Luper Suitcases».

Vom «Steppenwolf» und «Glasperlenspiel» von Hermann Hesse über Thomas Pynchonʼs «Gravity's Rainbow», Patrick Süβkinds «Parfüm» bis zu Pelewins «Buddhas kleiner Finger».

Von dem Märchen «Der Zauberer von Oz» von Lyman Frank Baum bis zu «Alice im Wunderland» und «Alice hinter den Spiegeln» von Lewis Carroll, die als eine Einführung in die Postmoderne für Kinder verstanden werden können.

Noch ein wichtiges Sujet ist der Mythos, der sich im postmodernen Projekt  zwischen der aus der Moderne stammenden Entmythologisierungstradition (Hermeneutik des Verdachts, Kritische Theorie,  Entmythologisierungsprogramm des Christentums von R. Bultmann, Dekonstruktion u.a.) von von der einen Seite, und den Versuchen der «neuen Weltverzauberung» und der «Rehabilitation des mythischen Bewusstseines» im Neopaganismus der New Age – Epoche (einschliesslich der radikalen feministischen Spiritualität etc.) – von der anderen. 

Es werden auch Themen behandelt, die die gesellschaftliche Dimension der Postmoderne beleuchten, ebenso die psychosozialen Prozesse, die hinter ihnen stehen, wie z.B. Familie in der Postmoderne.

Und es wäre auch einie wichtige Aufgabe, einen Menschen der Postmoderne zu beschreiben, aber nicht etwa im Lyotardschen Sinn, sondern eher auf eine Art und Weise, wie der deutsche protestantische Denker und Kulturtheologe Paul Tillich den modernen Menschen («Menschen der Gegenwart») in seiner Arbeit «Die protestantische Verkündigung und der Mensch der Gegenwart» darstellt. 

Wir haben auch vor einige alternative Projekte der Postmoderne, wie etwa «Postmoderne-Fundamentalismus» zu besprechen, die in den Kreisen der Anhänger der «konservativen Revolution» verbreitet sind (A. Dugin, S. Kornev u.a.). 

Es bleibt die letzte und die wichtigste Frage: wie lässt sich dieses bunte, zum Teil sehr diffuse Bild der Postmoderne aus der Sicht des traditionellen Christentums (der Ostkirchlichen Tradition in der Auffassung, dass diese den Menschen ein zu deren Heil dienendes Weltbild anbietet, gewachsen und versiegelt durch den Heiligen Geist) betrachten und bewerten. Sind die Postmoderne und das traditionelle Christentum arge Feinde, oder gibt es Räume, in dennen sie sich treffen können. Auch das Bewusstsein der Postmoderne ist ein Bewusstsein des Suchens nach Wahrheit (auch wenn es sie selbst in ganz anderen, grösstenteils negativen Kategorien ausdrückt, und das «Ende der Metaerzählungen» verkündet). Gibt es in der Postmoderne die Potenz, die Wahrheit und Schönheit im traditionellen Christentum zu erblicken, zu erfassen und zu begreifen? Von der anderen Seite betrachtet: das Christentum hat die Mission, den Menschen den Weg zum Heil zu verkünden, also auch den Menschen der Postmoderne. Wie trifft es diese Menschen, ist es bereit ihnen auf ihrer Suche nach der Wahrheit entgegenzugehen, in der ihnen verständlichen Sprache begreiflich machen zu können, und dabei die eigene Identität zu bewahren? 

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