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Das Wort des Seligsten Metropoliten von Kiew, Wladimir, an die Delegierten des Lokalkonzils

18. Januar 2009
Das Portal „Bogoslov.Ru" veröffentlicht exklusiv die Übersetzung des Wortes des Seligsten Metropoliten von Kiew und der ganzen Ukraine, Wladimir, an die Delegierten des Lokalkonzils der Russisch-Orthodoxen Kirche im Namen der ukrainischen Diözesen und geistlichen Schulen.

Geliebte in Gott, bischöfliche Brüder, ehrwürdigste Väter, Brüder und Schwestern.

Heute, an diesen feierlichen Weihnachtstagen, sind wir von der Freude erfüllt, die das Jesuskind auf die Erde gebracht hat. Der Herr hat uns sein großes Wort gegeben, dass er alle Tage bis ans Ende der Welt bei uns sein wird (Mt. 28, 20). Diese Worte Christi unseres Heilandes sind eine Quelle unerschöpflicher Freude für jeden von uns. Und diese Freude nimmt niemand von uns (Jo. 16, 22).

Dennoch ist unsere feierliche Freude in diesem Jahr von Trauer überschattet.  Vor vierzig Tagen ist der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche, der Heiligste Patriarch von Moskau und ganz Russland, Alexij II, in Gott entschlafen. Darum bringen wir auch an den feierlichen Weihnachtstagen in unseren Gotteshäusern die Gebete für den Seelenfrieden des entschlafenen Ersten Bischofs dar. Wir bitten auch inbrünstig für die Zukunft unserer Kirche. Schon bald wird das Lokalkonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche stattfinden, das den zukünftigen Patriarchen von Moskau und ganz Russland wählen wird.

Kurz vor dem Konzil haben wir uns im geistlichen Herzen der heiligen Rus, in der Kiewo-Petscherskaja Lawra[1] versammelt, um unser gemeinsames Gebet an Gott, den Schöpfer und Vorseher der Welt zu erheben. Wir glauben, dass der Herr uns seinen Heiligen Geist sendet, uns in aller Wahrheit unterweist und uns hilft, in dieser schwierigen Zeit seinen heiligen Willen zu erfüllen.

Heute haben sich hier diejenigen versammelt, denen das Volk Gottes das sakramentale Recht gegeben hat, im Heiligen Geiste über die Zukunft seiner Kirche zu entscheiden. Tatsächlich liegt auf uns die riesige Verantwortung für das Schicksal der gesamten Russischen Kirche. Die Geschichte bezeugt, dass die Wahl des Kirchenvorstehers ein besonderes Ereignis ist, das von einer tiefen geistlichen Dimension gekennzeichnet ist. Wir glauben, dass es auch während der Wahl des zukünftigen Patriarchen so sein wird. Der Herr wird sich den Würdigsten auserwählen. Und was uns betrifft, sollten wir die Schlüsselbedeutung des jetzigen Augenblicks begreifen und unsere flammenden Gebete an Christus den Heiland sprechen, in denen wir ihn darum bitten, seine heilige Kirche nicht zu verlassen und uns seinen heiligen Willen zu offenbaren. Auch jetzt beten wir darum.

Gemäß der in kraft befindlichen Satzung über die Leitung der Russisch-Orthodoxen Kirche eignet dem Lokalkonzil die oberste Macht in den Bereichen der Glaubenslehre und der kanonischen Ordnung. Daher soll das Lokalkonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche die Entscheidungen der vorigen Bischofskonzile in Bezug auf die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche bestätigen.

Das Bischofskonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche, das vom 25. bis 27. Oktober 1990 tagte, wies der Ukrainischen Kirche die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit in der Verwaltung zu, was damals auch durch eine entsprechende Urkunde des Heiligsten Patriarchen verkündet wurde. Der Status der Ukrainischen Kirche wurde auch in der Neufassung der Satzung über die Leitung der Russisch-Orthodoxen Kirche bekräftigt, welche im August 2000 durch das Jubiläums-Bischofskonzil  angenommen wurde. Im achten Kapitel dieses Dokuments wurde die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche als „selbständig, mit Rechten einer weitgehenden Autonomie ausgestattet" definiert. In ihrem Leben  richtet sie sich nach der Urkunde des Heiligsten Patriarchen von Moskau und ganz Russland von 1990, sowie nach der Ordnung der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche, die von ihrem Vorsteher bestätigt und vom Patriarchen von Moskau befürwortet wird.

Demnach ist unsere Kirche schon seit über achtzehn Jahren unabhängig und verwaltet sich selbst. Es wäre keine Übertreibung zu sagen, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche im Umfang ihrer Rechte weder einer autonomen Kirche, noch manchen autokephalen Ortskichen nachsteht. Die Ukrainische Kirche wählt ihren Vorsteher selbst. Diese Wahl soll durch den Patriarchen von Moskau gesegnet werden. Wir verfügen über unseren eigenen Heiligen Synod, berufen eigene Konzile ein, treffen selbständig Entscheidungen über die Eröffnung neuer Diözesen, Änderungen ihrer Grenzen und die Ordination von Bischöfen. Beim Heiligen Synod arbeitet eine ganze Reihe von Abteilungen, die für die verschiedenen kirchlichen Aktivitäten verantwortlich sind.

Im Laufe der letzten Jahre waren wir, dank dem Status der Selbstverwaltung unserer Kirche, Zeugen der Wiederbelebung der Traditionen ihres eigenständigen Daseins. Die Unabhängigkeit der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche ermöglichte es, dass unsere Kirche, laut den Worten des Apostels, alles für alle werden konnte, ohne dabei irgendjemandem politische oder ideologische Hindernisse in den Weg zu legen.

Die beste Bescheinung des Potentials und der geistlichen Kraft unserer Kirche war das Jubiläumsfest zum 1020. Jahrestag der Taufe der Kiewer Rus, das im vorigen Jahr in Kiew stattfand. Daran nahmen teil: der Heiligste Ökumenische Patriarch Bartholomäus, der Heiligste Patriarch von Moskau und ganz Russland, Alexij, der Seligste Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymus, der Erzbischof von Tirana und ganz Albanien, Anastasios, sowie Vertreter aller orthodoxen Landeskirchen in der Welt. An den feierlichen Gottesdiensten, die am 27. und 28. Juli auf dem Wladimir-Hügel und in der Kiewo-Petscherskaja Lawra stattfanden, nahmen ca. 180 Erzbischöfe teil, die aus allen Enden der Welt nach Kiew gekommen waren. Im Oktober 2008 nahmen Vertreter der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche unter der Leitung ihres Vorstehers an der Tagung der Vorsteher der orthodoxen Landeskirchen im Phanar teil. All diese Ereignisse bewiesen die Einigkeit unserer Kirche mit der gesamten Orthodoxie und steigerten ihre Autorität sowohl in der Ukraine, als auch in der ganzen Welt.

So können wir heute mir Sicherheit sagen, dass sich der kanonische Status, der der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche vor achtzehn Jahren gewährt wurde, bewährt hat. Er hat seine Effizienz für die Lösung der Aufgaben bewiesen, vor denen unsere Kirche steht. Die Gewährung und Aufrechterhaltung dieses Status ist mit dem Namen des entschlafenen Heiligsten Patriarchen Alexij verbunden. Der Heilige Synod der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche merkte in seiner Anrede vom 20. Dezember 2008 an: „Der Erwerb dieses kanonischen Status durch unsere Kirche wird immer Gegenstand unserer Dankbarkeit sein, die wir im Gebet für unseren Vater, den Heiligsten Patriarchen Alexij hegen."

Bedauerlicherweise wurden die Jahre des Vorsteherdienstes des Heiligsten Patriarchen Alexij auch zu einer Zeit tragischer Schismen in der ukrainischen Orthodoxie. Nicht wenige unsere Brüder haben die Grenzen des kirchlichen Gestades bewusst überschritten und befinden sich heute außerhalb der Gemeinschaft mit der Weltorthodoxie. Einige tausend Gemeinden gehören zu nicht anerkannten Gruppen: zum sog. „Kiewer Patriarchat" bzw. zur sog. „Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche". Das Schisma bleibt eine ungeheilte Wunde am Leib unserer heiligen Kirche, fügt der orthodoxen Mission in der heutigen Ukraine erheblichen Schaden zu und schafft die Bedingungen zur Verbreitung neuer religiösen Bewegungen, die meist charismatischer Natur sind. Daher sehen wir die Überwindung des kirchlichen Schismas nach wie vor als eine unserer vordringlichen Aufgaben an.

Im Jahr 2007 haben sich die Vertreter der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche schriftlich mit Vorschlägen zur Überwindung des kirchlichen Schismas in der Ukraine an unsere Kirche gewandt. Diese Dokumente knüpften die Überwindung des Schismas an einen bestimmten vervollständigten kanonischen Status, den die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche erhalten sollte. Der Heilige Synod unserer Kirche hat in seinen Antworten auf diese Stellungnahmen bemerkt, dass „eine Änderung des kanonischen Status der Ukrainischen Orthodoxen Kirche nur unter der Voraussetzung möglich ist, dass unter den Bischöfen, Geistlichen und Laien Einmütigkeit in dieser Frage erreicht wird. Allerdings existieren in unserer Kirche bereits heute verschiedene Sichtweisen hinsichtlich ihrer Zukunft" (Antwort des Heiligen Synods der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche auf die „Stellungnahme des Bischofskonzils der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche an das Lokalkonzil der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche" vom 16. Juli 2008). Obwohl die Frage des kanonischen Status der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche schon seit über zwanzig Jahren aktiv diskutiert wird, gibt es auf diese Frage keine konsolidierte Antwort, wie wir heute, im Vorfeld des Lokalkonzils der Russisch-Orthodoxen Kirche, feststellen müssen. Es ist ganz offensichtlich, dass unter den ukrainischen Christen auch heute noch keine Einmütigkeit besteht hinsichtlich der Frage, welcher kanonische Status für unsere Kirche optimal wäre. Das ist ganz offensichtlich. Daher wäre der Versuch einer endgültigen Entscheidung bezüglich dieser Frage, so meine ich, heute noch verfrüht.

Allerdings bedeutet das nicht, dass wir auf eine offene, gesamtkirchliche Besprechung des genannten Problems verzichten oder seine Existenz verschweigen sollten. Im Gegenteil, heute müssen wir diese Besprechung auf ein qualitativ neues Niveau heben und die besten Spezialisten im Bereich der kirchlichen Geschichte und des kanonischen Rechts hinzuziehen. Um dieses Ziel zu erreichen, halte ich es für sinnvoll, eine Sonderkommission einzurichten, die nicht nur aus Vertretern der Hierarchie der Russischen und Ukrainischen-Orthodoxen Kirche, sondern auch aus kirchlichen Wissenschaftlern aus den führenden theologischen Lehranstalten Russlands und der Ukraine bestehen sollte.

Da die Frage des möglichen kanonischen Status der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche einer der Schlüsselpunkte unseres Dialoges mit den unkanonischen Gruppen ist, könnte die genannte Kommission, wenn sie erst einmal eingerichtet wäre, auch mögliche Wege der Überwindung der kirchlichen Schismata in der Ukraine studieren. Das Schisma ist nicht nur ein Problem der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche, sondern auch der Russisch-Orthodoxen Kirche. Es muss anerkannt werden, dass wir unter den Bedingungen der harten und manchmal auch erbitterten kirchlichen Konfrontationen der vergangenen zwei Jahrzehnte nicht immer die Möglichkeit hatten, auf angemessenem theologischen Niveau einen Dialog mit jenen Brüdern zu führen, die sich von der kirchlichen Gemeinschaft getrennt hatten. Das Leben verlangte nach aktiven Taten und sofortigen Entscheidungen. Heute ist die konfessionelle Situation in der Ukraine stabiler geworden. Die religiöse Gegnerschaft hat uns alle ermüdet. Wie die Texte der Ansprachen der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche bezeugen, wünschen sich auch unsere Brüder, die diesen Konfessionen angehören, einen Ausweg aus der kanonischen Isolation zu finden, in die sie geraten sind. Darum verfügen wir heute über beste Voraussetzungen zu einer ruhigen und abgewogenen Analyse der Situation und der Entwicklung eines optimalen Modells zur Überwindung der kirchlichen Schismen in der Ukraine. Dieses Modell sollte auf der strikten Einhaltung der kanonischen Normen der Orthodoxen Kirche beruhen. Gerade aus diesem Grund sollte man kirchliche Wissenschaftler in diesen Prozess einbeziehen.

Wenn wir zur gesamtkirchlichen Besprechung der Probleme der ukrainischen Orthodoxen aufrufen, sollten wir den Gefahren ausweichen, die uns oft auf solchen Wegen verfolgen. Die größte davon ist die Politisierung des kirchlichen Lebens. Unsere Kirche distanziert sich von allen politischen Kräften. Sie hat eine prinzipielle Verurteilung der so genannten „politischen Orthodoxie" formuliert, deren Vertreter versucht haben, in den kirchlichen Rahmen bestimmte politische Ideologien einzuschleusen, die unter kirchlichem Deckmantel faktisch politische Propaganda verbreitet haben.

Wir begrüßen die Bestrebungen der Politiker, der Kirche bei der Überwindung der existierenden kirchlichen Schismen zu helfen, aber erinnern gleichzeitig daran, dass die Kirche in der Ukraine vom Staat getrennt ist und die Hilfe des Staates daher nicht zu einem Eingriff in innerkirchliche Belange werden darf. Ebenso wie die Kirche nicht an politischen Prozessen teilnimmt, darf auch der Staat keinen Einfluss auf das innere kirchliche Leben ausüben.

Heute wird viel darüber gesprochen, wer demnächst den verwaisten Patriarchensitz einnehmen soll. Unter den möglichen Kandidaten wurde auch ich genannt; man sah in mir den Nachfolger des Heiligsten Patriarchen Alexij.

Von Herzen danke ich für diese große Ehre, aber ich möchte als einhunderteinundzwanzigster Metropolit von Kiew vor Gott treten. Der sechzehnte Patriarch von Moskau und ganz Russland sollte der sein, auf den Gott und Ihre Wahl weisen wird.

Nochmals rufe ich uns alle zu innigstem Gebet auf und tiefem Bewusstsein der Verantwortung, die auf uns liegt. Wir müssen den Nutzen für unsere heilige Kirche suchen und beharrlich darum bitten, dass Gott uns in unserem Dienst an ihm stärkt. Ich glaube daran, dass der in Bethlehem geborene Heiland der Welt uns in diesem historischen Augenblick nicht ohne seine gnadenvolle Unterstützung lässt. Möge Gott uns alle schützen.


[1] Das 1051 gegründete Kiewer Höhlenkloster

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