Функционирует при финансовой поддержке Федерального агентства по печати и массовым коммуникациям
Goldener Fonds
Leserkommentare rss

Wenn Jugendliche sich von der Kirche distanzieren

20. Februar 2015
„Er sagte, dass er nie mehr ins Gotteshaus gehen wird…“ Kinder von gläubigen Eltern, die eine kirchliche Erziehung erhalten haben, distanzieren sich manchmal ganz von der Kirche. Warum Ist das so, und was kann man dagegen tun? Diese Fragen beantwortet Erzpriester Alexey Uminsky, Beichtvater des St.-Wladimir-Gymnasiums.

Unkritisches Denken

Ein Jugendlicher wird zum jungen Erwachsenen. Jedoch kann er eben nicht erwachsen werden – ihm ist das Verantwortungsgefühl unbekannt, er hat keinerlei Selbstständigkeit. Plötzlich beginnt er von außen sehr lenkbar zu sein, am wenigsten aber von den Eltern. Die Eltern haben ihn überbehütet, zu viel für ihn gesorgt, immer so viel für ihn getan, für ihn alles entschieden, auch in Glaubens- und Gebetsangelegenheiten – so dass sie ihm keine Selbstständigkeit gegeben und ihm nicht beigebracht haben, selbst richtige Entscheidungen zu treffen.

Er ist schon ein erwachsener Mensch, hat ganz andere Leute in seiner Umgebung, und ist, ob seine Eltern es wollen oder nicht, von ihnen durch sein Studium und neue Freunde getrennt. Die Eltern sorgen für Essen und Kleidung und geben ihm nach wie vor Geld, aber den Haupteinfluss auf ihn hat nun eben die Gesellschaft, in der er sich nun befindet. So wie er sich der kirchlichen Gesellschaft, in der er sich vorher befand, unterordnete, ordnet er sich jetzt der Gesellschaft unter, in die er geraten ist.

Bei diesem jungen Mann hat sich kein kritisches Denken herausgebildet. Es hätte in seiner Kindheit gefördert werden müssen; dies geschah aber nicht. Das Kind nahm gute Dinge wahr, aber tat es unkritisch. Deshalb hat ihn die Orthodoxie persönlich gar nicht angesprochen; er fand nichts an ihr. Und er findet immer noch nichts an ihr, denn alles, was er hatte, war ihm eben gegeben worden, und er nahm es ohne Beurteilung, ohne Miterleben, ohne innere Tragik wahr. Es hatte keine Augenblicke erlebt, in denen er verstanden hätte, dass der Glaube sein persönlicher Wert, sein persönlicher Schatz ist. Deswegen fällt es ihm so leicht, auf ganz andere Sachen zu hören. Doch bilden sie für ihn auch keinen Wert, auch wenn sie vorherige Dinge verdrängen.

So gibt sich der junge Mann sehr einfach und leicht der fremden Anleitung von Freunden und Meinungen hin.

Was dagegen zu tun wäre, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht.

 

Werde erwachsen!

Ich glaube, dass die Eltern rechtzeitig verstehen müssen, dass ihr Kind erwachsen werden muss. Die Eltern sollten keine Angst haben, ihr Kind irgendwann einmal in einer schwierigen Lage allein zu lassen und es dazu zu bringen, Entscheidungen zu treffen, die sicherlich falsch und eventuell tragisch sein können, für die es die Verantwortung dann aber selbst tragen müsste und sich bemühen würde, diese Probleme selbst zu lösen.

20 Jahre lang habe ich im Gymnasium unterrichtet.

Ich musste schon oft den schwierigen und tragischen Zeitpunkt miterleben, wenn Kinder aus orthodoxen Familien, die eine orthodoxe Schule besuchen, plötzlich außer Rand und Band sind, sich Tattoos machen lassen, rauchen, trinken, und in schlechte Gesellschaft geraten.

Aber was ist es dann für eine Freude, wenn so ein Mensch wieder zurückkommt.

Er ist dann schon viel erwachsener. Er kommt zurück, und der Glaube erweist sich dann als sein Glaube.

Das ist ein großes Risiko. Sie kommen nicht sofort zurück. Und nicht alle. Aber sie kommen zurück. Sie haben sich Schrammen geholt, aber verstanden, was Gebet, wahre Buße und Glaube bedeuten.

 

Das macht aber Angst, oder?

Ja, es macht sehr viel Angst, das Kind loszulassen. Es ist allerdings auch schlimm, wenn das Kind schon über 20 Jahre alt ist und seine Eltern es immer noch nicht loslassen können oder wollen. Es macht alles zuwider, begeht bewusst sichtbare Sünden, damit seine Eltern verstehen, dass es das Recht hat, sein eigenes Leben zu führen. Doch lassen sie es aber nicht los. Mit 20 protestiert es bewusst, aber doch so wie Teenager es tun, er provoziert sie. Sie halten es aber nach wie vor fest, sie bemühen sich trotzdem, es zu brechen.

Wenn sie diesen 20jährigen jetzt nicht loslassen (obwohl mit 20 die Pubertät bereits vorbei ist), würde er eventuell überhaupt nie ein normaler Mensch werden. Äußerlich würde er in der Kirche bleiben, vorgeblich im Gehorsam leben und irgendwelche formalen, gemütlichen, uns wohlgefälligen Dinge tun. Dennoch würde er aber Gott fern bleiben, da er sich nie zu einem selbstständigen erwachsenen Menschen entwickeln würde. So muss man, ob man will oder nicht, ein Risiko eingehen.

Heute gibt es nur wenige Familien, die den Menschen so formen, dass er innerhalb der Familie erwachsen wird und dabei allen elterlichen Traditionen und Belehrungen treu bleibt. Auch ich selbst kann nicht behaupten, dass in meiner Familie alles traditionell und wie mit dem Lineal gezogen zugeht. Um meinen erwachsen werdenden Sohn bin ich sehr besorgt. Manchmal habe ich um ihn große Angst. Das weiß er wohl. Einst habe ich ihm gesagt: «Du bist ein erwachsener Mensch, wir werden um dich beten, aber jetzt solltest du selbst entscheiden über die Angelegenheiten, die weder mir noch deiner Mutter gefallen, die uns sogar überhaupt gar nicht gefallen.“

Wir haben verstanden: wenn wir ihn nun nicht loslassen, werden wir ihn ohnehin verlieren, und alles würde nur noch schlimmer.

 

Was soll man denn tun?

Für die Eltern gibt es nur einen Tipp – intensiv für ihre Kinder beten. Ich sehe keinen anderen Weg zur Rettung unserer Kinder als durch das elterliche Gebet. Ich hoffe sehr darauf, dass der Herr unsere eigenen Kinder viel mehr liebt als wir selbst – auch wenn es uns vorkommt, dass sie für uns am wertvollsten sind. Und ich hoffe sehr darauf, dass – wenn wir alle Kräfte unseres Herzens in dieses Gebet richten – der Herr unsere Kinder zum Heil führen wird.

Geben wir dem Kind zusammen mit dem Gebet eine gewisse Freiheit, ist es sehr gut, sie ihm so zu geben, dass es versteht, dass sie ein Geschenk ist, die seine Eltern ihm geben. Es sollte verstehen, dass diese Freiheit weder Gleichgültigkeit noch Resignation ist (nach dem Motto „ich kann hier nichts mehr ausrichten, also mach was du willst, ich werde einfach beten“). Nein, so ist das nicht.

Diese Freiheit sollte so gewährt werden, dass das Kind auch die Liebe und das Vertrauen spürt, die ihm in diesem Augenblick gewährt werden. Spürt es das, könnte es das auch erwidern. Er würde dann von sich erzählen, ohne irgendwelche Dinge vor seinen Eltern zu verheimlichen, denn es würde wissen, dass seine Eltern ihm diese Freiheit gegeben haben. Das sei sein Recht. Die erwachsenen Kinder würden dann keine Angst haben, über ihre Fehler zu sprechen, nach etwas zu fragen oder etwas zu teilen.

Die Freiheit wird gegeben als solch eine Gabe der Liebe.

Wir sind nicht imstande, in der Gemeinde oder in der Familie ein ewiges Gewächshaus zu veranstalten. Wir können aber in die Menschen wichtige und ernsthafte Dinge einbetten. Wir können uns Mühe geben, mit unseren Kindern äußerst ehrlich zu sein, aber irgendwann einmal müssen wir als Eltern verstehen, dass das Kind sein Leben selbst führt, nicht wir an seiner statt. Wir können nicht umhin, es zu dieser Fahrt aufbrechen zu lassen, bei der es sicherlich Fehler machen und unterwegs auch irregehen wird. Wichtig ist aber, dass es weiß, dass es einen Rettungsring und eine Hand gibt, die es ergreifen kann.

 

Der Festkreis

Der Jugendliche erlebt eine schwere Zeit.

Aufs Beten hat er keine Lust. Bei der Beichte hat er nichts besonders zu sagen. Kommunion – da versteht der Jugendliche nicht, wofür, und keiner erklärt es ihm, da er nicht danach fragt. Er selbst findet auf seine Fragen auch keine Antwort, denn das, was er um sich herum sieht, ist in Bezug auf die Wirklichkeit sehr relativ.

Ja, in der Kirche ist alles schön, gut, wunderbar, und alle Frauen tragen Kopftücher. Wesen und Sinn des Geschehens bleiben aber unklar – nicht nur für den Jugendlichen, sondern auch für viele andere Menschen, die im Gotteshaus stehen und beten; selbst für seine Eltern.

In der Interpretation der Eltern stellt sich die Kirche als Märchenort dar, wo man hinkommt, um etwas Leckeres und Süßes zu bekommen. Man hört gelegentlich, wie manche Mütter ihre Kinderlein zur Kommunion bringen: „Gleich wird dir der Vater etwas Süßes geben, gleicht wird er dir leckeren Honig geben!“

Wir furchtbar! Anstatt dem Kind von klein auf zu sagen, dass es jetzt der wahren Leibes und Blutes Christi teilhaftig wird. So wandelt sich unser kirchliches Leben bedauerlicherweise in ein Märchen um.

Für viele besteht das Wesen des Glaubens im Umlauf des kirchlichen Festkreises. Unser Gottesdienstzyklus ist sehr schön, von Ostern bis Ostern und von einer Fastenzeit bis zur nächsten. Es ist gewöhnlich und gut, sich in diesem Kreise zu drehen,  an diesem kirchlichen Reigen zu gehen und dabei die Kopftücher so zu wechseln, dass sie die gleiche Farbe wie das jeweilige Fest haben, an nichts zu denken und sich über den Sinn des Ganzen keine großen Gedanken zu machen. Plötzlich gewöhnt der Mensch sich so sehr daran, im kirchlichen Festkreis mitzulaufen, dass er es nicht mehr für nötig hält, Christus zu folgen.

Der jährliche Gottesdienstzyklus der Kirche ist aber nicht das Wichtigste. Wenn das Wichtigste fehlt, plötzlich weg ist bzw. nicht gespürt wird, beginnt für den Jugendlichen ein großes Problem.

Er hat keine Lust, sich im Kreise zu drehen. Für uns Erwachsene ist es bequem, wir sind daran gewöhnt, finden es sicher und gemütlich. Ein Jugendlicher oder junger Erwachsener braucht aber das Wichtigste. Das Wichtigste sieht er aber nicht. Er sieht keine Nachfolge Christi. Weder hört er die Stimme Christi noch spürt er Christus in seinem Leben.

Dann beginnt der Mensch zu suchen. Entweder sucht er in der Kirche und findet IHN vielleicht, oder er geht dort weg und sucht anderswo. Eventuell kehrt er später spontan zurück, nachdem er verstanden hat, dass das Wichtigste doch Christus ist.

Diese Dinge sind sehr kompliziert und tragisch.

Der Mensch findet eventuell das Wichtigste, unter Umständen kann dies aber allzu lange dauern.

Heute leben wir in einer Welt, die so gemütlich und glücklich aussieht – und in dieser Welt ist es sehr leicht, Christus zu verlieren.

Indem der Mensch von Ostern bis Ostern herumflaniert, von einer Beichte zur anderen, von Sonntag bis Sonntag, vermag er ja einige Probleme zu lösen, auch in den Bereichen des Dienstes und der Mission, aber dennoch könnte das Wichtigste dabei fehlen, da der Mensch in dieser Zeit keinen Mangel verspürt.

 

Nicht beten, sondern Gebete vorlesen

Er hat es nicht nötig, eifrig zu beten, da er die Gebetsregel vorlesen kann.

Er hat es nicht nötig, zu büßen und tief in sich hineinzuschauen, da es eine monatliche bzw. wöchentliche Beichte gibt.

Er empfängt die Heilige Kommunion und denkt: „Also, ich habe die Kommunion empfangen und alles richtig gemacht. Ich habe die Kanones vorgelesen, beim Priester gebeichtet und bin zur Kommunion zugelassen worden. Das heißt, es war weder zum Gericht noch zur Verdammnis[1], und das heißt, dass es mir bereits hier ganz gut geht, alles ist erledigt, was brauche ich sonst noch? Ich lese sogar das Evangelium, und zwar wöchentlich (bzw. täglich), da es sich so gehört“.

Es ist aber möglich, dass man alles vorgelesen, jedoch nichts gehört hat.

Oder ist es auch möglich, dass man etwas gehört und verstanden hat, was das Wichtigste und was das Sekundäre ist.

Es scheint mir, dass es in unserem Leben heutzutage an einer bestimmten Einsicht mangelt, dass man nämlich Christus folgen soll.

Wir sollten uns in den evangelischen Text sehr ernsthaft einleben. Wir sollten jedes Wort, das im Evangelium steht, sehr tief miterleben, so wie auch die Eucharistie. Wenn es daran fehlt, werden wir es später sehr bedauern müssen.

Der kirchliche Gottesdienstzyklus reicht allein nicht aus. Er ist nur eine Stütze, die uns helfen soll, uns nicht im Kreise zu drehen, sondern Christus zu folgen.

 

Die Wahrheit

Der Jugendliche muss die grundlegende Wahrheit der Dinge herausfinden. Er muss verstehen, was mit ihm los ist, und warum er eigentlich in die Kirche geht. Zu glauben, weil er eben in diesem Land geboren wurde und seine Eltern ihn in die Sonntagsschule schickten, damit er dort etwas lernt, und ihn dann daran gewöhnten, Sonntags zur Kommunion zu gehen – das wäre zu wenig.

Wir rechnen die ganze Zeit damit, dass alles von selbst funktionieren wird, dass alles von selbst klappt, und wenn wir so und so handeln werden, kommt unbedingt dies und das heraus. Dass wenn wir mit dem Kind zusammen ins Gotteshaus gehen und es daran gewöhnen, die Abendgebete zu sprechen, es dann automatisch vom Glauben durchdrungen werden wird. Ja, durchdrungen wird es schon – bloß wann? Und unter welchen Umständen? Das wissen wir nicht. Doch suchen wir nach einem Weg, der die Frömmigkeit garantiert. In unserer Welt kann aber nichts garantiert werden. Das Evangelium garantiert dem Menschen gar nichts.

Du sollst Christus im eigenen Leben suchen, und zwar immer; dann wirst du IHN auch finden. Wenn du Christus aber nicht suchst, wirst du die ganze Zeit an IHM vorbeilaufen.

 

Suchen, und zwar immer

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir die Kirche des Lebendigen Gottes sind.Aber  unser ganzes religiöses Leben dreht sich nur um unsere schönen Traditionen. Was wird besonders heftig diskutiert? Was sind die Hauptprobleme, die derzeit in der Kirche diskutiert werden?

In welche Sprache sollte man dienen, auf Russisch oder auf Kirchenslawisch?
Welcher Kalender ist besser, der neue oder der alte?
Was ist besser, Monarchie oder Demokratie?
Wie soll man die eucharistischen Gebete sprechen – laut oder heimlich?

Wie bezieht sich all das auf das Leben mit Christus? Was für einen Bezug mag es haben, wenn Christus einem jungen Mann sagt: „Folge mir nach!“, „Gibt alles auf und folge mir nach“.

Es gibt eine Menge solcher Punkte, auf denen, wie es uns vorkommt, die Kirche beruht, so wie Sprache des Gottesdienstes, Kalender und Einstellung zu Monarchie. Das sind aber Dinge, die sich auf Äußerlichkeiten beziehen und sich im Laufe der Geschichte, oft sogar innerhalb einiger Jahre, verändern. Das sind Dinge, welche die Kirche, ihrer Notwendigkeit folgend, entweder annimmt oder ablehnt… Für uns aber sind sie das einzige Gesprächsthema.

Die evangelischen Worte Christi „Gib alles auf und folge mir nach“ werden zur Nebensache. Das Bild Christi, das Leben in Christo, die Nachahmung Christi, das Evangelium – all das wird zur Nebensache gemacht. Verstehen Sie, was ich meine?

Heute stehen im Mittelpunkt unserer Ambitionen, Interessen und des kirchlichen Schmerzes eher die nebensächlichen Angelegenheiten. Sie kommen uns viel wichtiger vor. Sie sind eben das, weswegen Menschen sich streiten, einander beschuldigen und sich gegenseitig als „Liberale“ oder „Pharisäer“ beschimpfen. Welche Bedeutung hat all das für uns heute?

Erinnern wir uns an das 20. Jahrhundert, ans Valaam-Kloster. In diesem Kloster haben die Mönche mehrere Jahrzehnte lang nicht miteinander gesprochen, da einige von ihnen den neuen Kalenderstil angenommen hatten, während die Anderen beim alten geblieben waren. Der 20. Jahrhundert zeigte, dass Milliarden von Menschen durch Kriege und furchtbare Katastrophen, durch Faschismus und die bolschewistische Diktatur ums Leben kamen, während die Kirche sich mit Kalenderproblemen befasste. Es gibt manche Anhänger des alten Stils, welchen der Verfechter des neuen Stils nicht gedenken, und umgekehrt.

Heute befinden wir uns etwa in derselben Lage. Die Welt um uns herum geht unter, jedoch hängen wir hauptsächlich an den Problemen der Sprache des Gottesdienstes, des Kalendersystems oder der Monarchie. Das beschäftigt uns ja tatsächlich, aber für Kinder und Jugendliche ist das überhaupt nicht wesentlich.

Unsere Diskussionen über den Kalender und die Sprache interessieren sie überhaupt nicht.

Was sie interessiert, ist die lebendige Gemeinschaft mit Christus.

Uns interessiert diese aber oft zu allerletzt.

Heute haben wir damit ein sehr ernsthaftes Problem.

 

Was soll man tun?

Unsere Arznei ist immer dieselbe – nämlich das Evangelium.

Sobald der Mensch, während er das Evangelium liest, aufhört, etwas für sich zu spüren, zu verstehen und darauf zu reagieren, ist das ein deutliches Alarmzeichen dafür, dass er, anstatt ein kirchliches Leben zu führen, ein altbekanntes Spiel nach altbekannten Regeln spielt.

Die Beichte, das Gebet und der Eintritt ins Gotteshaus und in die Gemeinde sind für uns häufig lediglich ein Spiel, das wir sehr gut kennen. Ich denke, wenn der Mensch das Evangelium liest und sein Herz höher schlägt, ist dies ein Zeichen dafür, dass er seinen Glauben ernst nimmt. Vielleicht sollten wir das Evangelium anders lesen, als wir es uns angewöhnt haben – nicht ein Kapitel pro Tag wie eine Pflicht, sondern irgendwie anders, ehrfürchtiger. In sehr kleinen Abschnitten, aber sehr ehrfürchtig, mit einem Gebet vor der Lektüre, in dem wir Gott darum bitten, seine Stimme zu hören, damit wir etwas von IHM erfahren, was ER uns über sich eröffnen mag.

Liest man das Evangelium, beginnt man plötzlich, sich sehr gut zu verstehen.

Dann schämt man sich und kann dann ruhig zur Beichte gehen.

 

Ich trete aus!

Die Distanzierung von der Kirche ist ein Zeichen dafür, dass man es müde ist, sich im kirchlichen Kreise zu drehen.

Man muss zu sich selber finden und verstehen, was einem alles zugestoßen ist, warum etwas bestimmtes geschah, was wir im Leben suchen, und ob wir überhaupt bereit sind, uns Gott anzuvertrauen. Dabei ist es sehr wichtig, etwas sehr Einfaches zu verstehen: wenn du die Heiligen Sakramente Christi empfängst, ist das, was du empfängst, eben das Blut und der Leib Christi.

Das sind keine Symbole.

Das ist das, was am Kreuz gekreuzigt wurde.

Das sind der gebrochene, verstümmelte und schwer verwundete Leib Christi und das Blut, das ER vergossen hat.

Wir sollten uns ganz klar vor Augen führen: wenn wir DAS jetzt empfangen, dann könnte uns alles mögliche passieren. Denn es bedeutet: wenn wir der Heiligen Sakramente Christi teilhaftig werden, ruft Christus uns ans Kreuz heran.

Wenn man sich mit Gottesfurcht dazu entschieden hat, des Gekreuzigten Christus, Seines gekreuzigten Leibes und Seines vergossenen Blutes teilhaftig zu werden, dann geschieht all dies wirklich. Wenn der Mensch dies versteht, ist es für ihn nicht mehr so einfach, sich für die Kommunion zu entscheiden. Das bedeutet nicht, dass wir nicht kommunizieren sollten – im Gegenteil. Wir sollen dabei aber in der Lage sein, uns für die Kommunion wirklich zu entscheiden, uns in diesem Augenblick Gott vollkommen anzuvertrauen und Gott zu sagen: „Herr, mache mit mir alles, was Du willst!“

Ist der Mensch bereit, sich so in die Hände Gottes zu begeben, ist es sehr furchtbar. Es ist aber das einzige, was man tun soll.

So soll man sich Gott hingeben: „Mache mit mir alles, was Du willst!“ Wenn wir zur Kommunion gehen, soll jeder von uns die evangelischen Worte „ alles, was Mein ist, ist Dein“ zu Gott sagen. Wenn Christus diese Worte „alles, was Mein ist, ist Dein, und was Dein ist, ist Mein“ in Seinem Gebet vor der Kreuzigung zu Gott sagt, sagt ER dasselbe auch zu uns. Erinnern wir uns daran, wie der Vater dem älteren Bruder des verlorenen Sohnes sagt: „All das Meinige ist dein!“ Christus sagt zu uns dasselbe: „All das Meinige ist dein!“ Wir alle empfangen IHN, wenn wir kommunizieren – sollten wir IHM nicht antworten: „All das Meinige ist Dein“? Machen wir uns wirklich Gedanken darüber, anstatt vor dem Kelch das Gebet des hl. Johannes Chrysostomos nachzusprechen? Sind wir uns dessen bewusst, was wir tun?

Christus sagt zu mir: „ A lles, was Mein ist, ist dein“ und gibt sich mir vollkommen hin – dann sollte ich ja dasselbe tun. Ich werde mich IHM jetzt ganz darbieten. Soll es kommen, wie es kommen mag. Denn dann liebe ich IHN und habe vor nichts Angst.

Aber das wollen wir leider nicht. Wir wollen, dass alles, was Dein ist, mein ist, und alles, was mein ist, auch mein ist. Der Bürge dafür ist der ganze Gottesdienstzyklus. Er bürgt dafür, dass wir alles richtig und gut machen und fromm leben und dass wir alles haben, einschließlich Wohlfahrt und Sozialdienst.

Wenn der Christ aber alles hat, ist es nicht gerade gut. Es ist nicht gerade gut, wenn bei uns alles gut geht und schön klappt. In diesem Augenblick beginnen wir, unsere Kinder zu verlieren, und verstehen nicht, was los ist, warum sie sich von uns entfernen und nicht mehr ins Gotteshaus kommen: eben weil es uns allzu gut geht. So gut, dass wir Christus nichts mehr zu sagen haben. Wir haben alles, die Gotteshäuser sind offen, wir tun gute Werke, verrichten Fastenzeit und Gebet. Was brauchen wir sonst noch, wenn wir alles bereits gemacht haben? Alles, außer dem Wichtigsten – wir haben diese Worte „alles, was mein ist, ist Dein“ zu Gott nicht gesagt. Wir haben es nicht geschafft, uns IHM anzuvertrauen, auf dass wir keine Angst haben, nach dem Evangelium zu leben.

Keine Angst haben, nach dem Evangelium zu leben; keine Angst vor dem Kreuz; keine Angst, dass in unserem Leben ein Unglück passiert. Keine Angst, dass wir etwas nicht schaffen werden oder dass man uns etwas wegnimmt. Wir leben aber eben dermaßen ängstlich, wie diese ganze Welt. Sowohl die Gläubigen als auch die Ungläubigen haben die gleiche Angst vor allem. Die gleiche Angst, ihren Wohlstand zu verlieren. Die gleiche Angst vor dem Tod. Wir Christen haben ebenso Angst vor dem Tod wie die Ungläubigen. Es gibt zwischen uns überhaupt keinen Unterschied, außer dass wir uns im kirchlichen Kreise drehen und sie nicht.

In letzter Zeit mache ich mir viele Gedanken darüber. Sehr viele von uns Priestern bringen den Menschen bei, sich im kirchlichen Kreise zu drehen, und halten es eben für einen normalen Weg der Katechese und der Integration ins Kirchenleben. Wir Priester haben das so gut gelernt, das Wichtigste aber nicht.

Dieses Problem bezieht sich auf unser Innenleben und unseren inneren Zustand. Irgendwie wurde es allgemeiner Konsens, dass die Kreisbahn in unserem Leben das Wichtigste sei und die Kirchlichkeit genau daran bestehe. Ich glaube aber, dass die Kirchlichkeit ganz anders aussieht.

Quelle: http://www.pravmir.ru/podarit-podrostku-svobodu/#ixzz3PZOfMs00



[1]Worte aus dem Gebet vor der Heiligen Kommunion. (Anm.d.Ü.)

добавить на Яндекс добавить на Яндекс