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Neue Diskussion auf dem Portal „Bogoslov.Ru“

30. September 2009
Gemeinsam mit dem Portal „Bogoslov.Ru" eröffnet das kirchliche Außenamt eine Diskussion über die Reaktionen der nicht orthodoxen christlichen Kirchen auf das im Jahr 2008 von der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) verfasste Dokument - Die „Grundlagen der Lehre über Würde, Freiheit und Rechte des Menschen".

In den letzten Monaten erhielt der Dialog mit den Christen verschiedener Konfessionen einen neuen Impuls, der ihm auch die vorher verlorene Dynamik wieder verleih. Dies ermöglichte das Bischofskonzil der ROK, in dem es im Jahr 2008 das Dokument „Grundlagen der Lehre über Würde, Freiheit und Rechte des Menschen" bewilligte. Eigentlich zielte die Erarbeitung dieses Dokumentes vor allem auf eine Intensivierung der Missionsarbeit der Kirche in der heutigen Gesellschaft, sowie auf die Versorgung der Gläubigen mit Richtlinien zur Anwendung des Menschenrechtekonzepts. Das Konzept wurde durch das Prisma der Soteriologie betrachtet.

Sicherlich werden die dieses Gebiet betreffenden Ideen der Russischen Kirche vor allem in der orthodoxen Welt erwogen und besprochen. Im Laufe der letzten Monate wurden sie in Serbien, Bulgarien und Tschechien vorgestellt. Am 28. April wurde in Belgrad eine Konferenz „Die Menschenrechte in der christlichen Tradition" gehalten, auf welcher der serbische Text der „Grundlagen" präsentiert wurde. Das Menschenrechtedokument des Moskauer Patriarchates wurde mehrmals auf einer Konferenz in Bulgarien erwähnt, die am 11. März zur Erarbeitung der panorthodoxen Stellungnahme bezüglich der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in der Sache der bulgarischen Schismatiker durchgeführt wurde. Am 29. Mai 2009 wurden die „Grundlagen der Lehre über die Würde, die Freiheit und die Menschenrechte" in Tschechischer Sprache veröffentlicht. Am 13. Juli wurde in Kiew eine Konferenz gehalten, auf welcher der in die Ukrainische Sprache übersetzte Text vorgestellt wurde.

Zugleich wird ein lebhaftes Interesse an den Ideen der Russischen Kirche auch von katholischer und evangelischer Seite geäußert. Anfang Juni 2009 veröffentlichte die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) eine ausführliche kritische Antwort auf das Dokument. Diese Antwort rief wiederum eine Reaktion von dem ständigen Vertreter des Moskauer Patriarchates bei dem Europarat Igumen Philaret (Bulekov), vom Institut für Ökumenische Studien der Universität Freiburg (Schweiz) und vom Ostkirchlichen Institut Regensburg (Deutschland) hervor.

Damit ist eine interessierte und tiefe theologisch-philosophische Diskussion über die Menschenrechte und ihre Verbindung mit der christlichen Glaubenslehre eröffnet worden. Es wäre wichtig, diese Debatten auch weiter zu entwickeln, um die Positionen der jeweiligen Kirche in Bezug auf die erhobenen Themen aufzudecken. Die praktische Bedeutung einer derartigen Besprechung besteht in der Bestimmung der Fragen, in denen die christlichen Gemeinden heute eine gemeinsame Stellung nehmen und gemeinsam handeln können. Oder auch umgekehrt, könnte solch eine Analyse eine prinzipielle Unmöglichkeit der Interaktion Orthodoxer Kirchen mit diesen oder jenen christlichen Gemeinden in Punkt der Menschenrechte aufdecken. Außerdem könnte der Diskussionsprozess helfen, zur Betrachtung der fundamentalen theologischen Postulate, die das Kirchenleben in der modernen Gesellschaft bestimmen, wieder zurückzukehren.

Die vorgeschlagene Diskussion kann auch die wirkliche Lage der gegenwärtigen nicht orthodoxen Konfessionen des Westens und ihre Rolle in den gesellschaftlichen Prozessen klarmachen. Diese Frage ist vor kurzem von Dr.phil. W.K. Schokhin, dem Leiter der Abteilung für Religionsphilosophie des Instituts für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften in dem Artikel „Das Christentum als Religion der politischen Korrektheit im modernen Europa: Illusionen und realistische Perspektiven" gestellt worden. In einer weiteren Perspektive der Entwicklung der Zivilisation sind die Tendenzen der gesellschaftlich-politischen und kulturellen Entwicklung des Westens ohne einer Analyse theologisch-philosophischer Grundlagen nur schwer zu verstehen. Daher kann die eröffnete Diskussion auch für alle von Interesse sein, die sich für die Verhältnisse zwischen Russland und dem Westen, sowie der ostchristlichen und der westlichen Zivilisation interessieren.

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