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Interview mit dem Erzpriester Maxim Kozlow

1. Oktober 2009
Der Professor der Geistlichen Akademie von Moskau, Erzpriester Maxim Kozlow, beantwortet die Fragen des Reporters des Pressedienstes der Akademie zu seinem neu erschienenen Buch „Das westliche Christentum: ein Blick aus dem Osten“ (russ.: «Западное христианство: взгляд с востока»)
Vater Maxim, wir gratulieren Ihnen zur Veröffentlichung Ihres neuen Buchs. Bitte stellen Sie es den Lesern vor.

Erzpriester Maxim Kozlow: Das Buch trägt den Titel: „Das westliche Christentum aus der Perspektive des Ostens“. Es ist eine Verbesserung der früheren Ausgabe des Lehrbuches für vergleichende Theologie „Orthodoxie und westliches Christentum“, das aber seinerseits die Tradition des ehrwürdigen Professors Dmitrij Petrowitsch Ogizkij fortsetzt.

Ich will verdeutlichen, dass dieses Buch eher ein Lehrbuch ist als ein wissenschaftlich-theologisches Forschungsergebnis. Mein Ziel war es, wenn ich an dieser Stelle Johannes von Damaskus zitieren darf: „nichts Neues zu sagen“, sondern einer Tradition zu folgen, die bereits seit der Nachkriegszeit in unseren geistlichen Schulen aktuell ist. Ich kann jenen nicht genug danken, die auf diesem Gebiet bereits enorme Fortschritte geleistet haben und deren Artikel und Lehrmaterialien ich benutze, da sie für mich immer einen unschätzbaren Wert haben werden. Mein Dank gilt besonders Prof. Ogizkij und dem Dozenten German Trojzkij.

Dies ist die zweite Ausgabe. Was ist neu, und was war die Ursache für die Korrektur der alten Lehrbücher?

Erzpriester Maxim Kozlow: Wir benötigten ein neues Buch, um auf der einen Seite die Veränderungen zu berücksichtigen, die die westlichen Konfessionen in unserer Zeit durchmachen, vor allem die Römisch-Katholische Kirche, und auf der anderen Seite die offizielle Position unserer Kirche, die sich in einigen wichtigen aktuellen Dokumenten wiederspiegelt, genauer darzustellen. Außerdem ist kein Werk vollkommen, und die Mängel, die im Laufe des Unterrichts von mir, meinen Kollegen und Studenten bemerkt wurden, versuchten wir zusammen mit dem Redaktionsteam des Verlags „Begegnungskloster“ (russ.: „Сретенский монастырь») zu korrigieren. Die Veröffentlichung ist in erster Linie an unsere Studenten gerichtet; doch jene, die sich für Theologie, besonders für die orthodoxe Bewertung der westlichen Konfessionen interessieren, werden an dem Buch Gefallen finden.

Die Abschnitte, die sich mit der katholischen Sakramentenlehre beschäftigen, wurden in der jetzigen Ausgabe erweitert. Die Kapitel über die katholische Triadologie und Soteriologie wurden ebenfalls gründlich überarbeitet. Das Lehrbuch erörtert die Mariologie, und in der Sphäre der Ekklesiologie wird die offizielle Vorgehensweise der katholischen Kirche veranschaulicht. Im zweiten Teil sind die Abschnitte über die Geschichtsanfänge des Protestantismus und Calvinismus hinzugekommen. Ganz neu ist der Abschnitt über den Anglikanismus, der auf der Basis der Texte der Orthodoxen Enzyklopädie gründet. Besondere Aufmerksamkeit bei der Ausarbeitung des Buches wurde dem Abschnitt «Ökumenische Bewegung» gewidmet; hier zeigt die Russische Orthodoxe Kirche ihr Mitwirken an dieser Bewegung und bewertet diese.

Vater Maxim, kann dieses Lehrbuch auch in weltlichen Lehranstalten von Nutzen sein?

Erzpriester Maxim Kozlow: Was die weltlichen Lehranstalten betrifft, so schließe ich den Gebrauch dieses Buches in Lehrkursen zur Philosophie, Religionskunde, Kirchengeschichte usw. nicht aus. Zum Teil könnten auch Philologen davon profitieren, die sich mit der westlichen Literaturtradition befassen, um den religiösen Kontext richtig zu verstehen, in dem das eine oder andere Werk steht.

Was ist aus Ihrer Sicht das Ziel der Studenten in ihrem Studium des Katholizismus?

Erzpriester Maxim Kozlow: Wir machen uns mit den westlichen Konfessionen vertraut, indem wir bestimmte Ziele verfolgen. Vor allem lernen wir erst dann die orthodoxe Glaubenslehre genauer und tiefer verstehen, wenn wir sie mit jenen Spezifikationen, Abweichungen und Verirrungen vergleichen, die in den westlichen Konfessionen Raum fanden. Wir beginnen genauer nachzuvollziehen, was vorrangig und was unbedeutend ist; was uns mit dem westlichen Christentum verbindet, und was dagegen zu den Besonderheiten der nationalen, kulturellen oder staatlichen Mentalität gehört und bei der Lösung bedeutenderer Fragen ausgelassen werden kann. Wenn wir schließlich unsere Studenten mit der Tradition des westlichen Christentums vertraut machen, sind wir verpflichtet, ihnen die Formulierung Gregor des Theologen beizubringen: „Wir trachten nicht nach dem Sieg, sondern nach der Rückkehr unserer Brüder. Und die Trennung von ihnen ist für uns eine Qual“. Es liegt nicht in unserer Absicht, einen großen Teil der christlichen Welt einfach aus unserem Blickwinkel zu verlieren und sektenähnliche Ansätze zu übernehmen, nach dem Motto: „Wir sind auf dem Weg zur Erlösung - jene aber sollen tun und lassen, was sie wollen – sie werden sowieso umkommen!“ Dies zu vermeiden ist ebenfalls ein Teil der Formierung adäquaten Bewusstseins für die orthodoxen Jugendlichen, wozu auch der Kurs der vergleichenden Theologie dient.

Vater Maxim, welches Buch wäre für das Fach „Vergleichende Theologie“ am besten geeignet?

Erzpriester Maxim Kozlow: Ich möchte nicht derjenige sein, der die Qualität des gegebenen Buches beurteilt, doch der Quantität nach ist dieses Lehrmittel momentan das Umfangreichste. Es gibt auch ein sehr gutes Werk aus dem Verlag des Metochi des Hl. Dreiheitsklosters von Sergijew Posad. Wenn wir schon die verschiedenen Lehrmittel ansprechen, möchte ich darauf verweisen, dass der Umfang an russischer Literatur, welche die Analyse und Auswertung des Protestantismus umfasst, recht spärlich ist. Um diesen Mangel zu beheben, brauchen wir aktive Übersetzungsarbeit, was eine einzelne Lehrkraft in den nächsten Jahren unmöglich alleine leisten könnte. Wenn sich jedoch eine Bildungsinstitution dazu entschließen sollte, müsste ein Kollektiv von Spezialisten hinzugezogen werden. Diese Aufgabe kommt jetzt auf die wissenschaftlich-theologische Gesellschaft zu. Was die wissenschaftliche Arbeit über den Katholizismus betrifft, so haben wir hier keinen Mangel.

http://www.mpda.ru/

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