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Goldener Fonds

Gedenktag des Hl. Metropoliten Philipp

4. Oktober 2011
Predigt des Patriarchen Kyrill von Moskau in der Liturgie in der Maria-Entschlafens-Kathedrale im Kreml zum Gedenktag des Hl. Metropoliten Philipp am 16. Juli 2009

Übersetzung aus dem Russischen: Barbara Hallensleben

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heute feiern wir das Gedenken an ein wichtiges Ereignis in der Geschichte unserer Kirche: die Übertragung der ehrwürdigen Gebeine des Philipp von Moskau von Solovki in die Stadt Moskau und deren Beisetzung in der Maria-Entschlafens-Kathedrale im Kreml, in der Hauptkirche der Russischen Orthodoxen Kirche. Während der feierlichen Verehrung der Gebeine trat Zar Alexej Michailovitch in die Mitte dieser Kirche an das Grab des Heiligen, betete lange, und dann legte er in die Hand des Heiligen eine Bußurkunde; darin bittet er um Vergebung für die Schuld seines Vorgängers, des Zaren Iwan Vassilevitch des Schrecklichen, der hundert Jahre vor der Übertragung der Gebeine den hl. Philipp ermordet hatte, weil er ihn als politische Bedrohung ansah.

Der Heilige trat nie mit offener Kritik an der Politik des Zaren auf: wie es dem Vorsteher der Kirche gebührt, erfüllte er in Demut und geistlicher Kraft die Seelsorge an der ihm anvertrauten Herde. Der hl. Philipp war in der ganzen Kirche gut bekannt, er machte sich einen Namen, als er noch Vorsteher des Solovki-Klosters war, indem er Aufbauarbeiten leistete, die von dieser Zeit an alle begeisterten, die unsere nördliche Thebaïs besuchten. Das Kloster erstarkte auch geistlich, die Zahl der Brüder nahm zu.

Der Ruhm des Klostervorstehers begann sich über ganz Russland auszubreiten, und daraufhin wurde er in die Hauptstadt berufen und wurde bald Metropolit von Moskau. Seine Amtszeit zeichnete sich aus durch Weisheit, er vollbrachte viele Taten als oberster Hierarch der russischen Erde.

Im Grunde ist die mittelalterliche Periode im Leben der Rus' ein bemerkenswertes Zeichen für die Zusammenarbeit zwischen weltlicher und kirchlicher Gewalt. In der Rus' gab es niemals die Bestrebung der weltlichen Gewalt, sich die kirchliche Gewalt vollständig zu unterwerfen, so dass die kirchliche Gewalt den politischen Interessen der weltlichen Gewalt gedient hätte. Zu dieser Zeit war die Rolle des Großfürsten und dann auch des Zaren gewaltig. Doch gerade die Kirche erwies sich als derjenige geistliche Ausgleich, der in der Rus' das Gleichgewicht zur Gewalt des Zaren darstellte. Gerade deshalb gab es in unserem Land niemals einen Absolutismus - einen Stil und eine Gestalt von Regierung, die die Konzentration der gesamten macht in den Händen des Zaren oder Königs beabsichtigt, wie es in Westeuropa der Fall war. Kaum hatte Zar Peter I. die Macht übernommen, zerbrach dieses Gleichgewicht zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, und der russische Zar eignete sich nach dem Beispiel westlicher Herrscher die ganze Machtfülle an.

In der nachpetrinischen Zeit war die Kirche dadurch ein Gegengewicht, das dem Zaren bzw. Großfürsten nicht gestatte, sich als unbegrenzt mächtig zu fühlen. Das war ein ganz besonders System der Beziehung: Die Kirche hatte kein politisches Gewicht, doch sie hatte einen großen geistlichen Einfluss auf das Volk einschließlich der Obrigkeit, die eine orthodoxe Obrigkeit war.

Und so, in der Wechselwirkung zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, wurde das große Russland errichtet, das sich die „Heilige Rus'" nannte, weil das hauptsächliche Ideal und das Hauptziel des Volkes und des ganzen Landes die Heiligkeit war. Gerade im Streben nach Heiligkeit gründete das Volk seine irdische Existenz, es errichtete Kirchen, Klöster, geistliche Bildung und nahm immer mehr an Kraft zu. Und es kam nicht vor, dass die kirchliche Gewalt in irgendeinen Widerspruch zur weltlichen Gewalt getreten wäre, weil jeder Widerspruch gelöst wurde durch einen wohlmeinenden Dialog, der buchstäblich jeden Tag an diesem geheiligten Ort vor sich ging, an dem wir heute stehen.

Zar Iwan der Schreckliche beging in den letzten Jahren seines Lebens, nachdem er sich mit einer Geheimpolizei umgeben hatte, gesetzlose Taten. Er strebte nach Stärkung seiner eigenen, persönlichen Macht, und er rechnete mit allen ab, die er irgendeiner Opposition verdächtigte. Ein Meer von Blut wurde über die Rus' vergossen, und als der Zar nach regelmäßig vorkommenden Übergriffen auf das eigene Volk, nach wiederholten Aburteilungen derer, die er verdächtigte, am Festtag der Verkündigung an Maria den Metropoliten Philipp um den Segen bat, gab dieser ihm den Segen nicht. Das war ein bedeutsames Zeichen für das ganze Volk, dass der Zar gesetzwidrig handelte.

Teuer kam den hl. Philipp dieses Hirtenwirken zu stehen, das die Wahrheit Gottes ausführte. Er wurde abgesetzt, gestürzt, nach Tver' verbannt, und dort befand er sich in Gefangenschaft in einem Kloster. Doch selbst in der Gefangenschaft stellte er für Iwan den Schrecklichen eine Bedrohung dar: es war ein lebendiger Vorwurf für sein Gewissen. Und eben darum ermordete er den Heiligen.

Diese Geschichte nahm einen besonderen Platz im Leben unseres Volkes ein, weil das Beispiel des hl. Philipp allen klar zeigte: Die Kirche, die sich als große patriotische Kraft erweist, freut sich über das Wohl seines Volkes, dient ihm, richtet ihr Volk geistlich auf und erweist sich als sein Gewissen, und wenn die Wahrheit Gottes grob verletzt wird und die Unwahrheit begangen wird, ist die Kirche verpflichtet, diese Unwahrheit aufzudecken. Das Wort der Kirche, mit dem sie die Unwahrheit aufdeckt, ist kein politisches Wort, das Wort der Kirche ist kein polemisches Wort - daher ist jegliche Teilnahme der Kirche an Polemik etwas, das der kirchlichen Überlieferung nicht entspricht. Die Kirche streitet mit niemandem, sie eröffnet auf positive Weise dem Volk das sittliche Ideal des Evangeliums, und sie kann und muss sagen, wenn dieses Ideal gebrochen wird unter Gefährdung für das Leben des ganzen Volkes. Mit diesem ihrem Dienst setzt die Kirche den Dienst Christi selbst fort, der neben dem priesterlichen und dem königlichen Dienst den prophetischen Dienst ausübte.

Der prophetische Dienst besteht auch in der Verkündigung der Wahrheit Gottes, und solange die Kirche, öffentlich oder im Verborgenen, je nach den historischen Umständen und Möglichkeiten, die Wahrheit Gottes bekräftigt, gibt es im Volk einen sittlichen Maßstab, bei dessen Anwendung es selbst beurteilen kann, was gut ist und was böse ist. Sogar in den schweren Zeiten des Kampfes gegen Gott im 20. Jahrhundert legte die Kirche ihr Zeugnis ab; dennoch trat sie zu niemandem in Polemik, und sie konstituierte sich nicht als politische Opposition; demütig, durch den Mund ihrer Priester und Bischöfe, verkündete sie das sittliche christliche Ideal, die Wahrheit Gottes, die sich so sehr von der verkündigten Ideologie unterschied.

Das Volk fühlte im Herzen und wusste, wo die Wahrheit ist, und selbst wenn bei den Menschen die Kraft nicht reichte, um in die Kirchen Gottes zu gehen und sich in sichtbarer Gestalt mit der Kirche zu identifizieren - in ihren Seelen blieb diese Wahrheit Gottes bewahrt. Und wenn sie nicht bis in unsere Tage bewahrt worden wäre, dann würden wir heute nicht in dieser Kathedrale zelebrieren, und viele von uns würden sich nicht mit der Orthodoxen Kirche identifizieren.

Das Beispiel des hl. Philipp hilft uns zu verstehen, worin der Sinn des Hirtendienstes der Kirche liegt, und zu verstehen, wie sich dieser Dienst in den kritischsten Momenten der Geschichte vollziehen soll. Der hl. Philipp lehrt uns durch die Großtat seines Lebens.

Er ging verachtet und verleumdet aus diesem Leben, und dennoch war es unmöglich, das Gedächtnis dieses Heiligen durch das Verhalten des Zaren ihm gegenüber auszulöschen. Dieses Verhalten des Zaren war sehr, sehr schlecht, und natürlich sprachen viele Menschen aus Furcht vor Iwan dem Schrecklichen ihm Lüge und Verleumdung nach und richteten sie auf den Heiligen, und wahrscheinlich fürchteten sie sich, zu dessen Grab zu gehen. Nicht ohne Grunde wurde der Wunsch der Mönche von Solovki, ihnen den Leib des Heiligen zu übergeben, rasch erfüllt, und aus Tver' wurden diese Gebeine so weit wie möglich von Moskau weggeschickt - in das Solovki-Kloster. Doch gerade dort unter Patriarch Iob wurden die Gebeine des Metropoliten der Vergessenheit entrissen und als Reliquien eines Gott wohlgefälligen Heiligen  verehrt. Ihre Rückführung nach Moskau bedeutete, dass die politische Obrigkeit ihre historische Schuld eingestand.

Und heute sind wir um die Gebeine des hl. Philipp versammelt und bitten ihn für unser Land, für die Russische Kirche, wir bitten ihn darum, dass die Beziehungen zwischen Kirche und Staat sich stets zum Wohl des Volkes entwickeln. Wir bitten ihn darum, dass das sittliche christliche Ideal, das die Kirche verkündigt, immer in unserem Volk leben möge und den Menschen hilft, in unserem irregeleiteten Jahrhundert, in dem das Böse sich in die Gewänder des Guten kleidet und die Menschen in die Irre zu führen sucht. Wir bitten den hl. Philipp auch darum, dass er heute am Steuer seiner Kirche steht. Wir bitten für die Bischöfe: der hl. Philipp möge für uns alle ein großes und starkes Beispiel sein und uns verstehen helfen, dass die Verkündigung der Wahrheit Gottes stets eine risikoreiche Angelegenheit ist. Doch die Kirche ist verpflichtet, diese Verkündigung zu vollziehen und so dem Herrn und Erlöser selbst treu zu bleiben.

Wir glauben, dass unsere Gebete erhört werden, und der hl. Philipp, der große Vorsteher unserer Kirche, der nun für sie betet und ihr Fürsprecher ist, bittet unaufhörlich vor dem göttlichen Thron für sein geistliches Vermächtnis, für uns alle, darunter auch für die, die heute sich heute um seine unvergänglichen Reliquien versammelt haben zum Gedächtnis und zum Ruhm seines heiligen Namens.

AMEN.

Quelle für den russischen Originaltext:

http://www.patriarchia.ru/db/text/696662.html

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