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Das Gebet des Patriarchen

19. November 2009
Heute fand die Bestattung des Heiligsten Patriarchen der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) Pavle, der am 15. November 2009 verschied, statt. Das Portal „Bogoslov.Ru“ veröffentlicht den Artikel des Lehrers der Geistlichen Akademie von Moskau, J. W. Maksimow, über den ehemaligen Vorsteher der Serbischen Orthodoxen Kirche, über sein Leben, seinen Dienst, und das Gebet, das er seiner Herde hinterließ.
Heute fand die Bestattung des Serbischen Patriarchen Pavle statt, der am 15. November dieses Jahres verstarb. Honoris causa geziemt es uns an dieser Stelle die wichtigsten Fragmente seines Lebens anzuführen.

Seine Heiligkeit Patriarch Pavle, der 44. Patriarch der Serbischen Orthodoxen Kirche, wurde am 11. September 1914 in dem Dorf Kućanci zur Welt gebracht. In jener Zeit befand sich das Dorf unter der Österreichisch-Ungarischen Herrschaft, heute ist es Kroatien. Sein weltlicher Name war Gojko Stojčević. Sein Vater war Serbe, seine Mutter – Kroatin, beide verstarben, als ihr Kind noch sehr jung war. So wurde der kleine Gojko von seiner Tante erzogen. Der zukünftige Patriarch war von Kindheit auf sehr immunschwach, deshalb wurde er zu schweren Dorfarbeiten nicht zugelassen, er wurde zum Lernen [Studieren] geschickt.

Im Jahr 1929 beendete er das Gymnasium in Belgrad, darauf besuchte er das Priesterseminar von Sarajevo, das er 1936 abschloss. Als er in die Hauptstadt zurückkehrte, ging er auf die Universität von Belgrad und studierte Medizin und Theologie – nachdem ersten Jahr entschied er sich für das Zweite, und beendete das Studium kurz vor dem Anfang des zweiten Weltkriegs.

Während des Zweiten Weltkriegs, nach einer Einladung seines Schulfreundes, siedelte er in dem Kloster der Heiligen Dreiheit in Owtschare an, wo er bis zum Ende des Krieges blieb. Darauf unterrichte er die Kinder der Flüchtlinge im Gesetze Gottes in dem Ort Banja Kowiljatscha. In dieser Zeit wird er schwer krank, die Ärzte diagnostizieren Tuberkulose und „geben“ ihm noch drei Monate. Gojko verbringt diese drei Monate im Kloster Wujan und bekommt eine Heilung von Gott.

Nach dem Krieg, im Jahr 1946, lässt es sich in dem Verkündigungskloster in das kleine Mönchsgewand mit dem Namen Pavle scheren und wird zum Diakon geweiht. Seit 1949 bis 1955 dient er im Kloster Patscha, wo er verschiedene Aufgaben [Gehorsam] erfüllt. Er unterrichtete ein Schuljahr (1950/51) an dem Seminar in Prisrensk zur Ehre der Heiligen Kyrill und Methodius. Im Jahr 1954 wurde er zum Priester geweiht. Darauf studierte der Priestermönch Pavle das Neue Testament und Liturgik auf der Theologischen Fakultät in Athen.

Im September 1957 wurde der Priestermönch Pavle zum Bischof geweiht. Zu seiner Diözese gehörten Kosovo und Metohi. Bischof Pavle baute hier fleißig neue und restaurierte alte und zerstörte Kirchen. Er reiste viel und zelebrierte in allen Gemeinden seiner Diözese. Besonders sorgte er für das Seminar in Prisrensk, wo er Kirchengesang und Kirchenslawisch unterrichtete.

Der Patriarch betätigte sich auch im wissenschaftlichen Bereich. Er ist der Autor der Monografie über das Kloster des Heiligen Joannikij Dewitschskij, er verfasste auch einige Artikel, die 1972 in dem Buch „Mögen einige Fragen in unserem Glauben verständlicher werden“ (russ.: «Да станут нам яснее некоторые вопросы нашей веры») mitveröffentlicht wurden. Der Gebieter Pavle hat ebenfalls an der Redaktion und Vorbereitung zur Neuveröffentlichung der Gottesdienstbücher teilgenommen.

1988 bekam der zukünftige Patriarch in Belgrad seinen Doktortitel in Theologie.

Lange Zeit war er der Vorsitzende der Synodalkommission bei der Übersetzung des Neuen Testaments. Die Kirche hat diese Übersetzung gutgeheißen und sie 1984 veröffentlicht. Bischof Pavle gehörte ebenso zum Kollegium, das den Vorschriftenkodex für den Kirchendienst in serbischer Sprache zur Herausgabe vorbereitete.

Im November 1990 wurde mit dem Beschluss des Bischofskonzils der SOK, der Bischof Pavle zum Neuen Patriarchen der Serbischen Kirche, indem er das Amt des kranken Patriarchen German antrat. Die Inthronisation des Patriarchen Pavle fand am 2. Dezember 1990 in der Kathedrale von Belgrad statt.

Auf den Patriarchen kam eine schwere Zeit zu: der Zerfall Jugoslawiens, und der daraus resultierende Jugoslawienkrieg, NATO-Aggression in der Mitte der 90-er, Unruhen in Kosovo und die zweite NATO-Aggression gegen Serbien; Spaltung von Montenegro, wo unter dem Einfluss der Regierung sich eine Spaltungskirche in Montenegro bildete; und schließlich die gesetzlose Trennung Kosovos von Serbien. In diesen Tagen der Not und Drangsal stärkte und tröstete Patriarch Pavle seine Herde.

Der serbische Patriarch war bekannt für seine schlichte Lebensweise, er war allen zugänglich und einfach im Umgang, aufmerksam zum Klerus und seiner Herde. Die Menschen liebten ihren Patriarchen aufrichtig, viele hielten ihn für einen modernen Heiligen. Seine Autorität war auch in der Ökumenischen Kirche sehr groß. Der Patriarch beehrte mit seiner Visite nicht nur die Serben in Jugoslawien, sondern auch in Australien, Amerika, Kanada und Westeuropa.

Während seiner Amtszeit geschahen auch viele positive Ereignisse. Es wurde eine Reihe von Seminarien eröffnet, die theologische Fakultät der Universität von Belgrad wieder eingeführt, der Religionsunterricht an den Schulen erneuert. Im Jahr 1992 „verheilte“ das „amerikanische Schisma“, das zwischen den Serben der USA und dem kommunistischen Jugoslawien zustande kam – analog der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland. Der Patriarch bemühte sich eifrig im Fall der makedonischen Spaltung. Seinen Bemühungen verdanken wir, dass es heute eine Jurisdiktion des Serbischen Patriarchats in Makedonien gibt.

Seit 2007 verschlechterte sich der Zustand des Patriarchen auf solche Weise, dass er gezwungen war, durchgehend stationär behandelt zu werden. Patriarch Pavle wendete sich mehrmals an das Bischofskonzil mit der Bitte, ihn in den Ruhestand zu versetzen. Doch die Bischöfe der Serbischen Kirche entschieden sich kein neues Oberhaupt der Kirche zu wählen, solange seine Heiligkeit Pavle noch am Leben sei, indem sie ihn für den Vorsteher der Kirche hielten.

Am 15. November 2009 verschied der serbische Patriarch Pavle um 10.45 Uhr, nachdem er an den Heiligen Mysterien teilgenommen hatte.

Aus dem Erbe des verschiedenen Patriarchen Pavle wollen wir hier dem Leser sein Gebet anbieten – diese besondere Bitte wurde von ihm zur Zeit des Jugoslawienkrieges verfasst, und im Gottesdienst in der Großen Ektinie gelesen. Das Gebet zeigt die Beziehung des Patriarchen zu den tragischen Ereignissen. Es beinhaltet auch eine Belehrung an alle, die Kränkungen und Unterdrückung erleiden müssen.

«Um die Barmherzigkeit Gottes zu uns, Seinen unwürdigen Knechten, auf dass er uns vorm Hasse und bösen Taten bewahre, und in uns seine selbstaufopfernde Liebe pflanze, an welcher uns alle, als Schüler Christi erkennen, das Volk Gottes, wie einst unsere Vorfahren, und dass wir bis in die Äonen wissen, wie wir die Wahrheit und die Gerechtigkeit des Himmlischen Königtums erfassen sollen, lasset uns zum Herrn beten.

Für all jene, die ihrem Nächsten Unrecht taten, die Weisen unterdrückten oder unschuldiges Blut vergossen, indem sie Hass mit Hass vergolten, auf dass Gott ihnen Buße, Erleuchtung des Verstandes und Herzens und das Aufgehen des Lichts der Liebe zu den Feinden in der Seele  - schenke, lasset uns zum Herrn beten.

O Herr, viele Feinde sind es, die wider uns schreiten und sagen: sie haben von keinem Hilfe, weder von Gott, noch von Menschen. O Herr, strecke deine Hand zu uns aus, auf dass wir dein Volk werden im Glauben und in unseren Werken. Wenn es uns bestimmt ist, Leid zu erfahren, so soll es auf dem Wege deiner Gerechtigkeit und deiner Wahrheit geschehen, - lass es nicht zu, dass es wegen unserer Ungerechtigkeit uns zukomme oder wegen Hasses auf jemanden. Lasset uns alle inständig sagen: Herr, erbarme dich!

Wir beten auch zu Gott, dem Erretter aller Menschen, und für die Feinde, - auf dass der menschenliebende Herr sie von der Gewalt an unserem orthodoxen Volk abwende; auf dass sie unsere heiligen Kirchen und Friedstätten nicht zerstören, die Kinder nicht töten, das Volk nicht vertreiben, sondern auf dass sie auf den Pfad der Buße, der Gerechtigkeit und Errettung umkehren. Lasset uns alle inständig sagen: Herr, erbarme dich!»
 
Der Gebetstext wurde folgender Seite entnommen:  svetosavlje.org
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