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Goldener Fonds

Ein Interview mit Erzpriester Leonid Tsypin über sein neulich veröffentlichtes Buch „Das Geheimnis des Hexamerons. All, Kosmos, Leben - drei Tage der Schöpfung"

1. Februar 2010
Im Weiteren wird den Lesern des Portals „Bogoslov.Ru“ ein Interview mit einem in Deutschland bekannten Priester und Theologen dargeboten, in dem er über sein fundamentales Werk „All, Kosmos, Leben – drei Tage der Schöpfung“ erzählt. Das Buch von Vater Leonid lädt zur Entwicklung einer neuen Sicht auf die Erschaffung der Welt, die auf den neusten wissenschaftlichen Daten und der modernen Exegetik beruht.

 

Erzpriester Leonid Tsypin ist ein in Deutschland bekannter Geistlicher, der während der vielen Jahre seines Dienstes in diesem Lande sieben Gemeinden gegründet hat. Zur Zeit ist er Vorsteher einer der größten Gemeinden in Deutschland, der Hl.-Dreiheitsgemeinde zu Dortmund.

Außerhalb Deutschlands hat er sich den Ruf eines originellen Theologen erworben und ist dank seinem kleinen Buch „Was sind die Schöpfungstage wirklich?" bekannt geworden - eigentlich ein Abschnitt seines Fundamentalwerkes „All, Kosmos, Leben - drei Tage der Schöpfung», das Anfang 2009 erschienen ist. Wir hoffen, es wird für den Leser interessant sein, sich damit vertraut zu machen, was der Autor selbst von seiner Suche, seinem über lange Zeit reif gewordenen Buch und dessen Perspektiven hält.

 

Alexej Veselov: Vater Leonid, was hat Sie inspiriert, sich mit der Auslegung des Hexamerons zu befassen?

Vater Leonid: Dieses Thema der Entstehung der Welt, die um uns herum ist, hat mich seit meiner Kindheit interessiert. So wie anschreiend auch viele andere. Mitte der 1950er Jahre las ich in der Zeitschrift „Junger Techniker" einen großartigen Artikel über den Urknall, der unser Universum „entfaltet" habe. Da ging es auch um die Entstehung von Galaxien, Sterne und Planeten. Dieser Artikel faszinierte mich. Darin ersah ich, wie das menschliche Wissen die Entdeckung der tiefsten Geheimnisse unserer Umwelt wagen kann, auch von solchen, die den Beginn des Seins betreffen. Es stellte sich heraus, dass es möglich ist, über das ganze Universum zu sprechen, das gar nicht so ewig und endlos war, wie man uns in der Schule gelehrt hatte, sondern seinen Beginn in der Zeit und wohl eingeschränkte Dimensionen hatte. Das weitere Interesse an die Entstehung des gesamten Seins wurde durch die Science Fiction und zahlreiche populärwissenschaftliche Artikel „aufgewärmt", die Anfang der 1960er Jahre veröffentlicht wurden. Damals war der Mythos über den wissenschaftlichen Fortschritt, der der Menschheit das Glück bringen sollte, sehr verbreitet. All das bewegte meine Seele, und aus dieser Bewegung entstand meine Entscheidung, Physiker zu werden, um mir über das Geheimnis der Gravitationskraft klar zu werden.

Dieses „Programm" wurde von mir in gewissem Maße auch erfüllt, indem ich die Physik-Fakultät an der Uni absolvierte, mit dem Studienschwerpunkt „Theoretische Physik". Und meine Diplomarbeit war ja eben einem der Geheimnisse der Gravitationskraft gewidmet, nämlich den Gravitationswellen. Während der Jahre meines Studiums erlebte ich nicht nur laute Debatten zwischen jungen Physikern und Lyrikern, die diese Zeit prägten, sondern auch Begegnungen mit (wie mir jetzt erst bewusst ist) ausgezeichneten Wissenschaftlern. Es gab auch erfolgreiche Erfahrungen mit eigener wissenschaftlicher Arbeit auf der Grenze der Physik mit anderen Wissenschaften, die in Publikationen mündeten. Allerdings kam mir - wie anscheinend bei vielen meiner Zeitgenossen - bald das Verständnis, dass die in der unperfekten und widersprüchlichen Welt existierende Wissenschaft an sich nicht nur kein Glück für die Menschheit bringen wird, sondern eine Gefahr für ihr Sein bilden kann. Ab diesem Moment wurde mein Interesse an Grundlagenforschung vorsichtiger.

Obwohl mein Weg in die Kirche sich in gewissen Maß auch der Verzweiflung an den Möglichkeiten der Wissenschaft verdankt, begann er vor allem mit der Auslegung der Geschichte der ersten Kapitel der Genesis. Mehr noch: in den ersten Jahren meines kirchlichen Lebens übernahm ich von jemandem die Idee von ihrem halbmythologischen Inhalt. Diese Haltung  ähnelte der Einstellung von W.I.Iljin. Ein anderes Verständnis dieser Kapitel kam mir plötzlich, Ende der 1980er Jahre, als ich bereits an der Sonntagsschule für Erwachsene beim Mariä-Obhut-Kloster unterrichtete. Eine der Hörerinnen, die sich entschieden hatte, die Bibel „gleich von Anfang an" zu lesen, machte mich auf die offensichtlichen formal-logischen Widersprüche des Hexamerons aufmerksam, so wie: „Wenn die Schöpfungstage unsere normale irdische Tage sind, wie kann es sein, dass es an den ersten drei Tagen Morgen, Mittag, Abend und Nacht gibt, solange es noch kein Licht für den Tag gab" und andere, ähnliche Widersprüche.

Bei der Vorbereitung der Antwort öffnete ich die Bibel und begann, ihre ersten Zeilen zu lesen. Plötzlich blieb meine Aufmerksamkeit an diesem Satz hängen: „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe". Was für eine starke poetische Metapher. „Finsternis war über der Tiefe", dachte ich. Was könnte damit gemeint sein? Mir fiel keine Antwort ein. Wenn es aber keine Poesie ist, sondern ein Charakteristikum der Materie der Erde... Und ich erinnerte mich an die vielen Diskussionen über die Natur der Ursingularität, diesem eigenartigen „Keim" des Universums, in dem seine gesamte Materie bis zum Urknall konzentriert gewesen sein soll. Dieser „Keim" soll tatsächlich eine Tiefe der Materie enthalten haben, aber in einem „gefalteten", potenziellen Zustand, der als Finsternis bezeichnet werden kann. Und generell zur Singularität: im Vergleich zu den gewöhnlichen physikalischen Formen der Materie passt der Ausdruck ganz gut, dass sie wüst und leer gewesen war. Das passt! Dann soll der Urknall gekommen sein. Es trifft zu: „Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht." Es ward Licht - das ursprüngliche Universum soll tatsächlich fast nur aus Licht bestanden haben! Ich fing an, mich an die bekannten kosmologischen Theorien zu erinnern: weiter soll die Trennung des Lichtes und der Materie erfolgt sein, die von George Gamow beschrieben und durch die Messung der Hintergrundstrahlung bestätigt wurde. Und schon wieder eine Übereinstimmung mit der Bibel: „und Gott schied das Licht von der Finsternis".

Das war der Durchbruch! Es stellte sich heraus, dass der Beginn der Genesis nicht nur eine erbauliche Geschichte ist, sondern so etwas wie ein „Bericht vom Ort des Geschehens". Da lebte die gesamte von mir gesammelten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und die vorige Wissbegierde wieder auf. Auch die Daten der Biologie passten gut in die aufsteigende „Leiter" der Epochen der Tage der Göttlichen Schöpfung. An die Evolutionstheorie glaubte ich damals schon nicht mehr, und zwar dank der großartigen Artikel von J. A. Schreider, J. W. Tschaikowski und S. W. Mejen, die in den 1970er Jahren publiziert worden waren. So begann sich mein neues Verständnis des Göttlichen Plans der Weltschöpfung zu bilden. Etwas später teilte ich meine Erkenntnisse mit den Hörern der Sonntagsschule. Parallelen zwischen der Bibel und der Naturwissenschaft - so etwas erwarteten sie gar nicht zu hören. Am Ende baten sie mich: „Bitte, veröffentlichen Sie all das." Ich versprach es ihnen. Und erfülle es auch bis jetzt.

 

A.V.: An dem Buch "All, Kosmos, Leben" haben Sie über zehn Jahre gearbeitet. Warum hat sich die Arbeit so lange hingezogen?

V.L.: Vor allem wegen meinen vielen Aufgaben als Pastor. Und natürlich erwies sich der Arbeitsumfang als sehr beachtlich. Ursprünglich, als sich Ende 1994 eine Möglichkeit ergab, die Arbeit zu beginnen, hatte ich nur vor, die bekannten naturwissenschaftlichen Daten mit der Auslegung des Hexamerons zu vergleichen und sie aneinander zuzuordnen. Diese Arbeit dauerte einige Monate, und diese Variante des Textes war fertig. Aber es war offensichtlich, dass sie sowohl einer theologischen als auch (und vor allem) einer wissenschaftlichen Aktualisierung bedurfte. Denn zu jener Zeit hatte ich mich von der Physik schon seit fast zehn Jahren gelöst. Auch die Bedeutungen der alt-hebräischen Worte und Wendungen, die Erde und Himmel, wüst und leer, Finsternis über der Tiefe usw. entsprechen, bedurften einer näheren Präzisierung mithilfe entsprechender Wörter- und Lehrbücher für Alt-Hebräisch. Es ergab sich auch die Notwendigkeit der theologischen Ausbesserung patristischer Aussagen über die Auslegung des Hexamerons.

Damals konnte ich mir noch nicht genau vorstellen, was für eine umfangreiche Arbeit ich vor mir hatte. Und ich bemühte mich, während meines nächsten Urlaubs, all diese näheren Präzisierungen vorzunehmen. Ich traf mich mit Physikern und Astrophysikern, Experten für Alt-Hebräisch und Alt-Griechisch. Einige Zeit verbrachte ich in der Bibliothek der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, wo ich die moderne wissenschaftliche Literatur durchsah und kopierte. Dort gibt es auch eine Abteilung, in der sich die konfiszierte Bibliothek der Kiewer Geistlichen Akademie befindet, und da durchschaute und kopierte ich mehrere Auslegungen zum Hexameron, einschließlich jene von Hl. Gregor von Nyssa und vom Seligen Augustin. Viele andere Auslegungen standen mir zu dieser Zeit bereits zur Verfügung.

Die Arbeit an dieser zweiten Variante des Textes dauerte einige Jahre. Zu der Zeit, als sie beendet war, lernte ich Professor A. W. Pankratow kennen, der das Seminar bei der Abteilung für Katechese und religiöse Bildung der Russischen Orthodoxen Kirche leitete. Meine Vorträge im Seminar und auf der Sektionstagung der darauf folgenden Weihnachtlichen Bildungslesungen waren im Großen und Ganzen erfolgreich, auch wenn einige nutzvolle Anregungen gemacht wurden. Prof. Pankratow gefiel mein Text, gratulierte mir zu „solch einem Buch" und versprach, das Vorwort dafür zu schreiben. Besonders gewinnbringend war meine Bekanntschaft mit den Büchern von Priester Oleg Petrenko und A. N. Pawlenko sowie die Gespräche mit ihnen und W. I. Gomankow. Bis dahin war ich hinsichtlich der Inflationstheorie des Urknalls skeptisch gewesen, aber nachdem A. N. Pawlenko diese erörtert hatte, änderte ich meine Meinung und entschied mich, dass ich gerade diese Theorie als naturwissenschaftliches Basismodell nutzen würde, das den Schlussfolgerungen der theologischen Wissenschaft zugeordnet werden muss. Meine Gespräche mit Herrn Gomankow brachten mich auch auf die Notwendigkeit einer profunden Einsichtnahme in die Arbeiten zur Geophysik. Er war auch derjenige, der mir unter anderem empfahl, das Buch von W. J. Khain durchzuarbeiten.

Die Einsichtnahme in die neue Literatur, die Arbeit mit den Sprachen und die Berücksichtigung der erhaltenen Anregungen erforderten wiederum mehrere Jahre. Aber um diese Zeit sah ich die Hauptprobleme der Auslegung des Hexamerons schon in der Theologie. Es gab vieles, was unklar war. Der Text schien geheimnisvoll zu sein. Die Probleme seines Verständnisses wurden erst später formuliert, und zwar wie folgt:

1. Was ist im ersten Vers mit Erde und Himmel gemeint?

2. Was ist das für ein Zustand der Erde des zweiten Verses, der mit den Wörtern wüst, leer und Finsternis über der Tiefe charakterisiert ist?

3. Wo kommt im zweiten Vers das Wasser her, über dessen Schöpfung vorher nichts gesagt wurde?

4. Warum ist die Tiefe des Wassers im zweiten Vers kein Meer, das später erschaffen wurde und erst im zehnten Vers so genannt wird?

5. Woraus wurde das Licht des dritten Verses erschaffen?

6. Was ist die Finsternis des vierten Verses?

7. Was bedeuten die Anthropomorphismen, die im Hexameron vorkommen?

8. Was ist die Ausdehnung und warum wird sie im achten Vers „Himmel" genannt?

9. Was ist die Bedeutung des hebräischen Wortes jom, übersetzt als Tag?

10. Warum werden von allen Tageszeiten der Schöpfungstage nur Abend und Morgen erwähnt?

11. Warum ist der Anfangstag der Schöpfung von Gott qualitativ bezeichnet, als „ein Tag", und nicht als „erster", so wie all darauf folgenden Tage?

12. Wenn die Schöpfungstage unsere normalen irdischen Tage sind, wie kann es sein, dass es an den ersten drei Tagen Morgen, Mittag, Abend und Nacht gab, obwohl es noch kein Licht für den Tag gab?

13. Warum wird über den Abend des siebten Tages nicht gesprochen?

14. Was ist die Dauer der Schöpfungstage?

Es war auch nicht klar, in welchem Bezug die Ewigkeit Gottes zur Schöpfung der Welt steht. Auf welche Weise ist der Göttliche Plan über die Welt urewig? Das Nachdenken über all das führte dazu, dass der Hauptplatz auf meinem Arbeitstisch mehr und mehr den Werken von W. N. Losskij gehörte. Ihnen folgten die Aufsätze des Hl. Gregor Palamas und des Hl. Maximus dem Bekenner und weiter die von G. W. Florovsky und Bischof Kassian (Besobrasow). Zu einem gewissen Zeitpunkt wurde mir klar, dass die Theologie der Schöpfung, im Grunde genommen, durch die genannten byzantinischen Theologien entfaltet wurde, obwohl S. L.Epifanowitsch, G.W.Florovsky und W. N. Losskij zur Verallgemeinerung der Gedanken dieser griechischen Väter auch einen bedeutsamen Beitrag leisteten.

So hatte bereits der Hl. Athanasios von Alexandrien, indem er über die Weltschöpfung der nachgesonnen hatte, das eigentliche Göttliche Sein und den Göttlichen Willen getrennt. Dabei hatte er die Weltschöpfung für die „Manifestation" des Göttlichen Willens gehalten. Diese Lehre des Hl. Athanasios wurde von vielen Vätern aufgenommen und weiterentwickelt. Der Heilige Hierarch Kyrill von Alexandrien, der die Ideen seines Vorgängers unterstützt und weiterentwickelt hatte, benutzte statt „Willen" und „Wollen" den Begriff „Göttliche Energie" (auf deutsch: „Wirkung"), wobei er betont hatte, dass die Schöpfung durch Energie erfolgt sei, die Geburt (des Sohnes) aber durch die Natur; Natur und Energie sind nicht dasselbe. All das fand seine Vollendung in der Lehre des Hl. Hierarchen Gregor Palamas von dem Göttlichen Wesen und die Göttliche Energie. Das Wesen, das sein Sein quasi in sich selbst hat und keine Teilhaftigkeit an sich zulässt, ist der Ursprung der aus sich „unabtrennbar ausgehenden" Energie. Von dem Wesen kann nur im Singular gesprochen werden; von der Energie dagegen, die Teilhaftigkeit an sich zulässt, auch im Plural. Indem Florovky es verallgemeinert, ist er der Meinung, dass das innere Leben Gottes von seinen Energien in keiner Weise beeinflusst ist, die Wirkungen außerhalb von IHM sind, so wie die Weltschöpfung durch IHN. Der Herr erschuf unsere Welt nicht aus Notwendigkeit, sondern ausschließlich aus Güte, indem ER sein Leben und seine Liebe nach außen ergoss.

Der Hl. Maximus der Bekenner sann über die Schöpfung der Welt von der anderen Seite nach, und zwar inhaltsbezogen. Die Welt um uns herum verwundert durch ihre Schönheit, Zwecksmäßigkeit und Organisiertheit. Das intuitive Denken der Antike, das diese Tatsache verallgemeinert hatte, vermutete, dass irgendwo die „Ideen aller Dinge" existiere. Diese Ideen hießen Logoi, aber die Menschen der Antike hatten sie in den Dingen selbst „platziert". Was aber die christlichen Theologen betrifft, hatten sie die Idee der Existenz der Logoi nicht nur wahrgenommen, sondern auch weiter entwickelt - angefangen bei Clemens von Alexandrien, den Heiligen Kappadokiern, Dionysius dem Areopagita und anderen Vätern. Beim Hl. Maximus fand die Entwicklung dieser Idee ihre Vollendung. In den Augen der christlichen Väter sind die „Logoi des Seienden" nicht nur die Ideen aller Dinge, sondern immer „gütige Entscheidungen Gottes", die „das in Gott prä-existierende Wissen" über das Geschaffene, die Prinzipien und die Gesetze des Daseins der Schöpfung repräsentieren, sowie auch die Ziele, die das Geschaffene anstrebt. Also müssen wir nicht einfach von den „Logoi, die Ideen sind" sprechen, sondern von „Logoi, die Willensäußerungen sind", deren Sein im Bereich des Göttlichen Willens bzw. den Göttlichen Energien ist - so wie es später, beim Hl. Gregor Palamas, klar wird. Und was das Wichtigste ist: laut der Lehre des Hl. Maximus des Bekenners ist die Hypostatische Weisheit des Vaters, Gott das Wort (Logos), quasi die „Quelle" aller Logoi des Seienden. Damit bestimmen die Göttlichen Logoi die Willensäußerungen der gesamten geschaffenen Welt, indem sie die Grundlange ihres Seins und die lebendige schöpferische Kraft Gottes darstellen, die sich in der Schöpfung verwirklicht. Wahrlich [ist es Logos, über den] im Glaubensbekenntnis steht, „durch den alles geworden ist".

Jedoch blieb mir lange unklar, wie diese brillianten theologischen Konstruktionen der byzantinischen Väter mit der Geschichte von Moses verbunden werden könnte. Der Ausweg fand sich, wie es häufig geschieht, in einer scheinbar aussichtslosen Lage. In einem Augenblick, nach dem Wiederlesen der sparsamen Zeilen des Hexamerons, wurde mir plötzlich klar, dass uns eine Göttliche Offenbarung vorliegt, die nicht durch menschliche, allegorische Überlegungen ersetzt werden dürfte. Aber die Idee, dass die Schöpfungstage die Epochen darstellen, impliziert sicherlich, dass die Morgen und Abende dieser Tage nicht mehr als Metaphern sind. Also wurde mir klar, dass dezidiert akzeptiert werden sollte, dass Moses dem Propheten in der Offenbarung wirklich Morgen, Mittag, Abend und Nacht „gezeigt" worden waren...

Das war eine scheinbar aussichtslose Lage, das war aber auch der Anfang. Davon, dass ein Schöpfungstag ein normaler irdischer Tag gewesen sei, konnte keine Rede sein, denn in den ersten drei Tagen hatte es kein Licht und dementsprechend auch kein Morgen und kein Abend gegeben. Und dann fing ich an nachzudenken - über die Offenbarung, die Erleuchtung und darüber, wie es bei Moses gewesen war. Über das Licht, das sein Gesicht angestrahlt hatte, als er vom Berg herniedergestiegen war; über das Licht der Verklärung Christi, über das Licht der Göttlichen Energie, wie es vom Hl. Hierarchen Gregor Palamas verstanden wurde. Mir half der von Losskij stammende Gedanke über die steuernde „luminöse" Kraft, mit der Gott die Materie durchwirkt und die in jenen seinen Worten, jenen seinen Verordnungen an die zu schaffenden Dinge besteht, von denen die Genesis berichtet. Unbemerkt kam mir das Verständnis, dass das Licht, dass einen Schöpfungstag gestaltet, das Licht der Göttlichen Energie ist, das die Logoi alles Geschaffenen „trägt". Aber dieses Licht konnte aus der Welt sicherlich nicht verschwinden. Ohne dieses Licht, ohne Logoi würde von der Welt nur formlose, strukturlose, „nirgendwelche" Materie bleiben, wie es auch gewesen war, bevor es gehießen hatte: Es werde Licht! Und plötzlich wurde mir klar, dass Moses der Prophet es genau so gesehen hatte, als er nur über die Morgen und Abende gesprochen hatte, die „mit dem Verstand gesehenen" Farbtöne des unendlichen Tages, den Moses auch so genannt hat: Tag eins. Und es hatte keine Nacht mehr gegeben. In der Tat ist es eben die Nacht, die zuvor im zweiten Vers beschrieben ist (Gen 1, 2). Auf diese Weise wurde die „radikale Hypothese" vom Wesen des Schöpfungstages geboren, wie ich sie genannt habe.

Allerdings blieben noch die „Farbtöne" des Lichts der Göttlichen Energien zu erklären. Wodurch waren diese „Farbtöne" zustande gekommen? Ich las den Hl. Maximus wieder und wieder, und einmal bemerkte ich, dass ja unterschiedliche Logoi existieren:  „Logoi der Natur", „Logoi der Vorsehung" und „Logoi des Gerichts". Durch die „Logoi der Natur" werden die Naturgesetze vorgegeben, in den „Logoi der Vorsehung" und „des Gerichts" dagegen das gesamte Leben des Weltgebäudes und alle Ziele seiner Bewegungen. Aber die Logoi sind ja eben eine der Äußerungen des „Inhalts" des Lichtes der Göttlichen Energien. Ist dieser „Inhalt" „sichtbar"? Ja, er soll sichtbar sein! Denn das Licht der Göttlichen Energien ist das Innere Licht. Und dieses zu „sehen" bedeutet ja eben es zu „verstehen".

Eine andere „radikale" Hypothese bezüglich des Hexamerons entstand, nachdem ich mich mit der Verallgemeinerung des Inhalts der Evangelien durch den bekannten Bibelwissenschaftler Bischof Kassian (Besobrasow) vertraut gemacht hatte. Er machte auf die Dualität ihrer Inhalte aufmerksam: dass sich in ihnen einerseits eine historische Erzählung entfaltet, anderseits darin die vielseitige Botschaft über die Rettung und Offenbarung des Göttlichen Leben beinhaltet ist, und dass die Evangelisten die Offenbarung in die rein irdische, historische Erzählung prinzipiell nicht „hineinquetschen" konnten. Im Weiteren wies Bischof Kassian auf den ähnlichen dualen Inhalt der orthodoxen Ikonenmalerei hin, die nicht auf realistische Malerei reduzierbar ist. Und die vier Evangelien, so Bischof Kassian, seien vier verbale Ikonen; in jeder davon gibt es die Chronologie und die irdischen Ereignisse, aber auch die Offenbarung, die von dem Herrn hineingebracht worden war, sowie auch die Botschaft über seine unirdische Natur. Während in einem der Evangelien das Irdische am deutlichsten „gezeichnet" ist, steht in einem anderen das Göttliche im Mittelpunkt der Erzählung.

Dieses Prinzip der „Ikonizität" kam mir sehr interessant für eine theologische Analyse vor, und ich versuchte, es auf das Hexameron anzuwenden. Das Ergebnis überstieg alle Erwartungen. Erstens wurden die Anthropomorphismen, die alle Erklärer „gequält" hatten („Und Gott sprach...", „Und Gott sah...", „Und Gott nannte..." usw.) zu Göttlichen Wirkungen; sie erwarben ihren Sinn und ihre Stelle im Verständnis der Offenbarung. Zweitens trennten sich im Hexameron das Göttliche und das Irdische. So befindet sich auf der Göttlichen „Ebene" hinter „Und Gott sprach..." - wie bereits Basilios der Große und auch viele ihm folgende Väter und Ausleger dachten - das, was die „Logosität" des Weltgebäudes, die Weisheit und die Harmonie der Welt widerspiegelt. Dies entspricht der Herniedersendung der „Logoi der Natur" der geschaffenen Wesen in die Welt. Und der nächstfolgende Morgen des einen Göttlichen Tages war eben durch diese Logoi über die nächstfolgenden Ziele der Schöpfung eröffnet und „gefärbt" worden. „Und Gott sah..." entspricht dann der Herniedersendung der „Logoi der Vorsehung" (dieser Meinung war auch der Selige Augustin, wie ich später entdeckte), wogegen „Und Gott nannte..." den „Logoi des Gerichts" entspricht, welche die Schöpfungen des Tages vollenden.

Dank den Werken von S. L. Epifanowitsch, G. W. Florovsky, W. N. Losskij und Bischof Kassian (Besobrasow) konnten also die theologischen Errungenschaften der byzantinistischen Väter zum Verständnis des Hexamerons herangezogen werden.

Zu dieser Zeit kam es mir langsam so vor, als ob ich meine vieljährige Arbeit nie vollenden könnte. Während meines nächsten Urlaubs schrieb ich einen großen Artikel (der seinem Umfang nach eher eine Broschüre war), in dem ich einige Materialien aus meiner Arbeit und vor allem meine neuen theologischen Ansichten darstellte. Um dieser Zeit studierte ich als Fernstudent im dritten Jahr der Kiewer Geistlichen Akademie und musste mir Gedanken über die Jahres- und Diplomarbeit machen. Mein geistlicher Vater empfahl mir, Erzpriester Wladimir Solowjow als wissenschaftlichen Leiter zu nehmen, und ich legte ihm und dem Lehrstuhlleiter meine Arbeit vor. Beide gaben ihr trotz einiger Kritikpunkte eine hohe Bewertung. Mir wurde auch angeboten, diese Arbeit veröffentlichen zu lassen, was ein halbes Jahr später auch geschah.

 

A.V.: Diese erste knappe Publikation, die dem Hexameron gewidmet war, erschien vor fünf Jahren unter dem Namen „Was sind die Schöpfungstage wirklich?" Sie erhielt viele Rezensionen. Inwiefern haben sie die „Publikation der Vollversion" beeinflusst?

V.L.: Die Rezensionen waren meist positiv. Sie hoben die Neuheit der Vorgehensweise hervor und dass das Problem der Dauer der Schöpfungstage nun faktisch aufgehoben sei und dem Dialog mit der modernen Wissenschaft nicht mehr im Wege stehe. Mehr noch: eine der fundamentalen Ideen der byzantinischen Väter, die Idee der Logosität des gesamten Seienden, ermöglicht der orthodoxen Theologie,  in diesem Dialog eine sehr aktive Position zu vertreten. Viele betonten auch die gelungene Auslegung der „Einführungsgeschichte" von Gen 2, 4-7 und die Palamas'sche Sicht auf den Anfang des Evangeliums nach Johannes.

Die einzige negative Rezension seitens der Neokreationisten stammte von Erzpriester Konstantin Bufejew. Und das ist nicht erstaunlich. Laut seinen Ansichten seien alle Varianten, in denen die Schöpfung innerhalb einer anderen Zeit als 144 gegenwärtiger Stunden geschah, eine Häresie. Der Ton seines Artikels machte mich sehr traurig, so wie auch die Tatsache, dass, um die Beschuldigung zu belegen, ein angebliches „Zitat" aus meinem Buch konstruiert worden war, das sowohl den Text als auch meinen Gedanken verzerrt. Darüber schreibe ich in Abschnitt 8.12 (S. 309-313) meines Buches ausführlich.

Die Besprechung des Buches bei den Weihnachtlichen Bildungslesungen in Moskau und die Diskussionen, die ich bezüglich seines Inhalts in verschiedenen Orten führen musste, haben gezeigt, dass Vielen (sowohl Orthodoxen als auch solchen, die ihren Weg zum Glauben gerade erst beschritten haben) das theologische Erbe der Hl. Hierarchen Maximus dem Bekenner und von Gregor Palamas wenig bekannt ist und dass es einer breiten und populären Darlegung bedarf, und dass in den Köpfen bezüglich der patristischen Meinungen über das Hexameron ein großes Durcheinander herrscht. Daher entstand die Idee, diese Meinungen zu „inspizieren", was in der Vollversion des Buches gewissermaßen verwirklicht ist.

Eine andere wichtige Folge dieser Publikation war, dass mein wissenschaftlicher Leiter mir vorschlug, das Buch mit den  mir reichlich zur Verfügung stehenden Materialien zu ergänzen und es in eine Doktorarbeit umzugestalten. Und mit der Redaktion des „Prolog"-Verlags erstellten wir einen Arbeitsplan zur Veröffentlichung der Vollversion des Buches

 

A.V.: Das erste Teil bzw. fast ein Drittel der Vollversion Ihres Buches ist eine Analyse der Auslegung des Hexamerons vom Altertum bis in unsere Tage. Ist es möglich, in den Auslegungen der heiligen Väter einen roten Faden zu finden? Oder gibt es auch markante Meinungsverschiedenheiten?

V.L.: Im Buch macht diese Meinungsübersicht den ersten Teil aus, aber während des Schreibens war es der letzte Teil der Arbeit. Es ist quasi eine Gesamtprüfung meiner Position anhand der Werke der alten und neuen Exegeten. Nachdem ich mich allerdings eineinhalb Jahre mit dem Studium der Ansichten der alten Interpreten, darunter auch denen der heiligen Väter, auseinandersetzte, kann ich heute sagen, dass es nur einen Versuch darstellt, die Hauptideen zu skizzieren, die die Väter sich zur Richtlinie gemacht hatten, und ihre Ansichten miteinander abzustimmen.

Es tritt deutlich zutage, dass die Notwendigkeit besteht, speziell patrologistische Forschungen zu den mit dem Hexameron verbundenen Themen anzustellen. Die Arbeiten, die vor hundert Jahren und früher angefertigt wurden, reichen heute nicht mehr aus. Es bedarf auch einer Prüfung und einer Klärung der patristischen Ansichten anhand der Publikationen, die der Kritik gewidmet sind, und anderen Quellen, die jetzt erst zugänglich geworden sind. Das Ergebnis ist häufig entscheidend. Wenn z.B. die patristische Lehre über das Paradies bzw. den Zustand der Geschöpfe und des Menschen vor dem Sündenfall betrachtet wird, werden die Ansichten der Hl. Gregor von Sinai und Symeon dem Neuen Theologen angeführt, die sich von anderen Ansichten stark unterscheiden. Doch sind alle Zitate dieser Autoren, die jetzt auf Russisch angeführt werden, den Übersetzungen ihrer Werke entnommen, die vom Hl. Hierarchen Theophan dem Klausner besorgt wurden. Bezüglich seiner Übersetzungen aus dem Neugriechischen werden aber wesentliche Einwände erhoben. Auch diese Übersetzungen [der ursprünglichen Texte] ins Neugriechische sind nach einhelliger Meinung ziemlich unvollkommen. Jetzt besteht eine Möglichkeit, die Position des Hl. Symeon anhand der neulich erschienen kritischen Publikation näher zu präziseren. Mit den Werken des Hl. Gregor ist dies schwieriger; dennoch gibt es Quellen, mit denen man arbeiten kann. Aber zurück zur Betrachtung der Frage, ob die Ansichten der Väter bezüglich des Hexamerons übereinstimmen oder sich widersprechen.

Als widersprüchlich können nur einige naturwissenschaftliche Ansichten der Väter betrachtet werden. Ein Teil der Vertreter der antiochenischen theologischen Schule, der auf dem Standpunkt des „biblischen Fundamentalismus" stand, hielt die Erde für flach und den Himmel darüber für zeltförmig stehend, während die kappadokischen Väter sie mit Aristoteles für sphärisch hielten. Dementsprechend unterschieden sich auch ihre Überlegungen über die Erde, den Himmel, die himmlische Ausdehnung und ihren Aufbau. Dabei muss berücksichtigt werden, dass viele wissenschaftliche Vorstellungen des Altertums (zum Beispiel die Lehre von den Elementen) im Grunde genommen mutige Hypothesen gewesen waren, die die spätere Wissenschaft nicht bestätigte. Und sobald das Denken der Väter sich mit diesen Vorstellungen befasste, gab es ebenfalls sowohl Meinungsunterschiede als auch Fehler. Übrigens hatte sich der Hl. Hierarch Johannes Chrysostomos, der dies verstanden hatte, bei vielen Beurteilungen prinzipiell geweigert, naturwissenschaftlichen Erklärungen überhaupt in Betracht zu ziehen, so wie z.T. auch der Hl. Hierarch Basilios der Große. Aber an mehreren Stellen gibt Chrysostomos brilliante naturwissenschaftliche Kommentare, die sogar für unsere Zeit tauglich sind.

Es sollte auch berücksichtigt werden, dass die theologischen Schulen des Altertums sich weitgehend in Anlehnung an die Traditionen und die Kultur ihrer Region sowie der jüdischen und heidnischen theologischen und philosophischen Schulen gebildet hatten. Und da die ursprünglichen kulturell-religiösen Traditionen von Kleinasien, Syrien, Palästina und Alexandrien unterschiedlich gewesen waren, unterschieden sich auch die dort entstandenen christlichen theologischen Schulen und Bewegungen bis ins 6. und 7. Jahrhundert, manchmal auch darüber hinaus. Zum Beispiel hielten die Anhänger der alexandrinischen theologischen Schule die Schöpfung der Welt für punktuell. Ich konnte lange nicht verstehen, warum das so war. Und erst nach meiner Bekanntschaft mit den Ansichten des heidnischen Schriftstellers Celsus (im VI. Buch, das von Origenes gegen ihn geschrieben wurde und das übrigens bis jetzt nicht ins Russische übersetzt wurde), der aus seiner ganzen Region (einem Zentrum heidnischer Gelehrsamkeit) die Argumente gegen Judentum und Christentum gesammelt hatte, fand ich die Erklärung. Es stellte sich heraus, dass die sechs Tage des Göttlichen Wirkens an der Erschaffung der Welt in den Augen der Heiden seine Allmacht widerlegten - und dass ER, laut ihren Worten, nach sechs Tagen Wirkens, Erholung gebraucht hatte so wie ein gemeiner Gärtner. Das war einer der Hauptgründe, warum die Juden in Alexandrien noch vor der Entstehung des Christentums die Schöpfung für punktuell gehalten hatten. Die alexandrinische theologische Schule übernahm diese Position.

Letztendlich waren die Aufgaben der Väter auch unterschiedlich. Der Hl. Hierarch Basilios der Große hatte Predigten gehalten, deren Aufzeichnungen später in seinem „Hexameron" zusammengefasst wurden. Er hatte in einer Kirche gesprochen, wo sehr viele Menschen waren, darunter auch viele einfache Menschen, viele „Handarbeiter".  Er hatte auch die anderen „Ebenen" der Auslegung gesehen (siehe z.B. die Auslegung zu „Tag eins"). Die Situation erforderte aber die Hauptaufmerksamkeit für eine einfachere Auslegung. Die Aufzeichnungen der Predigten sind auch Auslegungen des Hl. Hierarchen Johannes Chrysostomos und höchstwahrscheinlich vom Hl. Ephraim dem Syrer. Im Gegenteil dazu ist die Stromata von Clemens von Alexandrien eine theologische Arbeit, die sich an einen hochintellektuellen Leser richtet. Auch die Werke des Seligen Augustinus und des Hl. Hierarchen Gregor von Nyssa sind theologische Arbeiten.

Die besondere Stellung, die die Predigt innerhalb des Gottesdienstes einnimmt, lässt es unangemessen erscheinen, Schwierigkeiten beim Verständnis der Heiligen Schrift zu thematisieren. In solchen Fällen bietet der Prediger ergänzende Erklärungen an; allerdings könnte er z.B. erwähnen: „so war es höchstwahrscheinlich gewesen - davon schreibt Moses aber nicht". Solche Sätze gibt viele beim Hl. Ephraim dem Syrer. Was aber die theologische Arbeit betrifft, dürfen die Schwierigkeiten im Verständnis des Hexamerons nicht außer Acht gelassen werden. Und während wir den Sl. Augustinus lesen, beginnen wir manchmal, mit ihm Mitleid zu haben - in was für eine Sackgasse brachte er sich durch seine Konsequenz und sein Bestreben, alle Feinheiten endgültig zu erklären.

Was aber die theologischen Intuitionen der Väter betrifft, ist bei ihnen die Gesinnungsgleichheit das Wichtigste, und das sogar in vielen Einzelheiten, angefangen mit dem dritten Tag; und wenn es keine Gesinnungsgleichheit gibt, dann zumindest ein recht kompatibles „Bouquet" von Meinungen.

Die Frage, die bei den Vätern ungelöst blieb, ist die Frage danach, was das Licht sei, das die Schöpfungstage formt. Das ist eventuell das zentrale Problem der Auslegung des Hexamerons. Denn von allen Tagen wird im Hexameron gleichartig gesprochen - als vom zweiten, dritten, sowie auch über den sechsten Tag: Und es ward Abend und es ward Morgen: zweiter [dritter usw.....]Tag. Dabei konnte es einen normalen Tag, der durch das Scheinen der Sonne und die Rotation der Erde bestimmt ist, erst ab dem vierten Tag geben, als das Licht des Tages erschaffen worden war. Und der erste Tag hatte seinen eigenen Namen - „ein Tag". All das brachte mich auf den Gedanken, dass die Ursache des Tages, nämlich das Licht, bei allen Tagen ein und dasselbe ist. Ist dieses Licht materiell? Wenn ja: wohin verschwindet es in den Nächten der ersten drei Tage? Mit dem geistlichen Licht ist es auch so eine Sache: was für eine „Nacht" kann es mit ihm geben? Also wirft das ungelöste Problem der Tage die Frage auf, um die Schöpfung welchen Lichtes es im dritten Vers geht? Und von welcher Finsternis wurde es geschieden?

Auch bei der Auslegung der Ereignisse des zweiten Tages bleibt selbst der Gegenstand der Schöpfung unklar - nämlich die Ausdehnung, die die Wasser schied. Fast alle Väter verstanden den zweiten Tag hypothetisch, indem sie die Mangelhaftigkeit der zeitgenössischen Kenntnisse darüber, was Licht, Himmel, Sterne, Sonne, Mond, Tag und Nacht betonten. Daher schloss der Selige Augustinus seine Überlegungen über das Fehlen genauen Wissens darüber, was die Feste ist, mit folgenden Worten: „Die Autorität der Schrift ist viel höher als alle breit besprochenen menschlichen Hirngespinste." Ebenso der Hl. Hierarch Johannes Chrysostomos: „Wir müssen mit größter Dankbarkeit die Worte (der Schrift) annehmen und ohne über die Grenzen unserer Natur hinauszutreten, nicht das prüfen, was oberhalb von uns ist, sondern nur wissen und (im Verstand) behalten, dass nach dem Befehl Gottes eine Feste entstanden war, die die Wasser scheidet..."

 

A.V.: Im dritten Teil Ihres Buches schildern Sie mehrere wissenschaftliche Konzepte, die einerseits die allgemeingültigen Ansichten über den Kosmos und seinen Aufbau sprengen und andererseits die Unmöglichkeit der Entstehung dieser Ordnung ohne Hilfe einer allmächtigen Außenkraft zeigen. Warum fällt es unseren Zeitgenossen so schwer, solche Ansichten zu akzeptieren?

V.L.: So geschieht es immer mit Ansichten oder Vorstellungen, die über den Rahmen der alltäglichen Lebenserfahrung hinausgehen. Für die meisten Menschen ist es nicht möglich, „tief greifende" Ideen, mit denen beispielsweise die moderne Physik hantiert, anders als wortwörtlich zu nehmen. Glaubt ein Mensch an die Wissenschaft, könnte er z.B. die Idee des mehr als dreidimensionalen Raums annehmen und sich daran gewöhnen. Er könnte also die Mehrdimensionalität als irgendeine Realität wahrnehmen, ohne sich über ihre Bedeutung Gedanken zu machen. Er könnte mit diesem Konzept sogar hantieren. Aber es würde ihm nicht gelingen, sich z.B. einen fünfdimensionalen Raum vorzustellen. Im Grunde genommen können ihn sich die Physiker auch nicht vorstellen. Für sie ist die Mehrdimensionalität ein wissenschaftliches Objekt: es existieren Formeln, aus denen sich Fünfdimensionalität genauso wie Dreidimensionalität folgern lässt.

Allerdings gibt es Ideen und Vorstellungen, die für das zeitgenössische gesellschaftliche Weltbild „tief greifend" sind. Die Gesellschaft bzw. die Mehrheit ihrer Mitglieder können diese Ideen nur in langwierigen und schmerzhaften Prozessen verwerfen oder verändern. So fehlt der gegenwärtigen gesellschaftlichen Weltanschauung das Bild Gottes, der die Welt und die Menschen erschaffen hat und ihre Existenz aufrechterhält. Im Gegensatz orientiert sich alles unbewusst an Ewigkeit und Ursprünglichkeit des Materiellen, einschließlich der irdischen Welt, in der der Mensch als Teil der Natur und der „Gesamtheit der gesellschaftlichen Beziehungen" gilt, dem nichts Tierisches fremd ist. Dementsprechend beschränken sich auch die Werte des Menschenlebens auf das Sicht- und Anpassbare. Darauf beruht der Erfolg der „darwinistischen Theorie" der Entwicklung der Natur infolge von Zufall und Kampf ums Dasein.

In diesem Sinne ist das Konzept des Urknalls bereits eine seriöse Herausforderung für die unterbewusste Gottlosigkeit. Es stellt sich heraus, dass das Universum seinen Anfang hat. Vielleicht hat es auch sein Ende? Ist alles wirklich infolge des Urknalls so geworden, wie es jetzt ist? Das breite Publikum weiß aber nicht, dass die Wahrscheinlich dafür, dass der gegenwärtige Zustand der Welt um uns herum durch eine Explosion entstanden sein könnte, Berechnungen zufolge gleich Null ist. Das Publikum weiß auch das nicht, dass die Physiker sich entschieden haben, dieses Paradox zum Naturgesetz zu erheben, indem sie ein kompliziertes „anthropisches Prinzip" formuliert haben, dessen „starke Version" behauptet: „Das Universum (und, folglich, auch die fundamentalen Parameter, von denen es abhängig ist) muss so beschaffen sein, dass in ihm auf einem Evolutionsstadium die Existenz von Zuschauern zugelassen ist."

Mit dem Atheismus ist die Inflationstheorie der Entstehung des Universums noch weniger kompatibel. Ihr zufolge habe sich das ganze Universum während eines unendlich kleinen Sekundenbruchteils aus dem Nichts entfaltet. Wie all das dem Werk Gottes ähnelt! Das breite Publikum weiß allerdings nicht, dass diese „Entfaltung" unzählige Varianten hätte haben können und dass die Physiker den „Plan" des gegenwärtigen Universums in seinem „Keim" mathematisch anlegen mussten. Es verwundert nicht, dass die Inflationstheorie, obwohl bereits vor 15 bis 20 Jahren von der modernen Wissenschaft akzeptiert, immer noch nicht in die Schulbücher aufgenommen wurde.

Was die Zeittheorie von Kosyrew betrifft, in der die Uneigenständigkeit unserer Welt von Anfang an offensichtlich ist, oder des „Projekt des Universums" von di Bartini, so fühlt sich das unterbewusste Weltgefühl davon eben eher angesprochen. In der Regel fragt man nicht einmal danach, ob es Fakten gibt, die die Theorie bestätigen. Dieser Teil des Buches, das großenteils über ein Jahrhundert früher geschrieben wurde und vor seiner Veröffentlichung nur etwas ergänzt worden ist, ruft bei den Lesern die stärksten Reaktionen hervor - sowohl Begeisterung, als auch Befremden bzw. Ablehnung, etwa: „Wie kann es sein (im Sinne - wie wagen Sie nur zu behaupten?!), dass die Sterne mit der Energie der Zeit leuchten?! Was ist das für ein Quatsch!" So hat, zum Beispiel, einer meiner Bekannten, ein Doktor Der Philosophie, reagiert.

Manchmal werde ich gefragt: „Warum haben Sie Kosyrew erwähnt, er vertritt doch eine umstrittene wissenschaftliche Theorie? Setzen sie damit die kirchliche Apologetik nicht Angriffen aus?" Darauf antworte ich, falls ein oder anderes Konzept vom modernen wissenschaftlichen Paradigma nicht angenommen wird, ist dies noch kein Beweis der Falschheit dieses Konzepts; in der Geschichte war es mehrmals so, dass ein ursprünglich ausdrücklich abgelehntes Konzept etwas später doch angenommen wurde.

Andererseits dürfen wir unsere Autorität nicht mit der Autorität der Wissenschaft verbinden. Das hat die Katholischen Kirche versucht, und das Ergebnis war weitgehend negativ. Die wahre Autorität der Kirche ist dem unabhängigen und unbestechlichen gesellschaftlichen Gewissen ähnlich. Und so muss es auch in Bezug auf die Wissenschaft sein. Wir müssen korrekt bleiben und das Recht haben, jede Theorie, ihre Prämissen, Grundprinzipien und Schlussfolgerungen, zu diskutieren - wie ich es in meinem Buch in Bezug auf die Theorie von Kosyrew gemacht habe, die sich außerhalb des wissenschaftlichen Paradigmas a

Unsere übergeordnete Aufgabe ist dabei nicht die wissenschaftliche Theorie an sich, sondern die Apologetik des Glaubens und die moralische Seite der Forschung, der moralische Einfluss der Wissenschaft, denn einen solchen gibt es immer. Es ist nur eine Illusion, dass die Wissenschaft, indem sie irgendeine Theorie oder irgendein Konzept aufstellt, eine moralische Neutralität behauptete; denn jedes wissenschaftliche Modell, auch wenn es keine diesbezüglichen Werte und Kriterien enthält, ist in das allgemeine gesellschaftliche System eingebettet. In diesem Sinne ist die Idee der Eigenständigkeit unserer Welt eben der entscheidende Punkt. Wenn unsere Existenz von nichts und niemandem anhängig und alles von sich aus entstanden wäre, zufällig oder gesetzmäßig, dann gälte das Motto: „Der Mensch - dieses Wort klingt sich voller Stolz". Wenn unsere Welt aber nicht eigenständig ist, sondern durch den bewussten Kraftakt einer Persönlichkeit erschaffen und aufrechterhalten wurde, dann gibt es keinen Grund für Anmaßung. In diesem Falle sollten wir Kontakt mit dieser Persönlichkeit suchen und unser Leben in Einklang mit ihren Geboten bringen.   

So weit geht die Theorie von Kosyrew sicherlich nicht. Aber wenn die darin bestehende Idee des Lebendigen als Emanation des Kosmischen Lebens, das das Sein von Allem und Allen ermöglicht, wissenschaftlich akzeptiert würde, kann sie im gesellschaftlichen Verständnis der Welt um uns herum und in unserem Dialog mit der Wissenschaft vieles verändern. Daher dürfen wir, meiner Meinung nach, Kosyrew nicht ignorieren.

Was aber die Wissenschaft selbst angeht, so ist sie eine komplizierte gesellschaftliche Erscheinung. Im 18. und 19. Jahrhundert hat sich die westliche Gesellschaft viele Gedanken über das Verhältnis von „Glauben" und „Vernunft" gemacht. Dies wurde sogar für so wichtig gehalten, dass in den dogmatischen Beschlüssen des 1. Vatikanischen Konzils festgelegt wurde, dass beides nie im Widerspruch zueinander stehen könne, da es sich gegenseitig unterstütze. Ohne auf die Einzelheiten der Dispute der Vergangenheit einzugehen, müssen wir uns heute fragen, ob die moderne Wissenschaft mit dem, was damals unter „Vernunft" verstanden wurde, gleichgesetzt werden kann. Ist sie imstande, das zu beanspruchen, was die kognitive Tätigkeit der Menschheit umfasst? Ja, einigermaßen - das ist die richtige Antwort, denke ich. Mitte des 20. Jahrhunderts hat Th. Kuhn ein treffsicheres Modell dazu vorgeschlagen, indem er den griechischen Begriff „Paradigma" verallgemeinert hat, der „Vorbild" oder „Muster" bedeutet. Kuhn hat vorgeschlagen, von einem Paradigma im weiteren Sinne zu sprechen - also von einem Paradigma der Wissenschaft als einem System akzeptierter Ideen, Ansichten, Theorien, der ganzen Gesamtheit der fundamentalen konzeptuellen Schemata bzw. Methoden der Problemstellung, die ein bestimmtes Stadium der Entwicklung der Wissenschaft prägen. An vielen Beispielen hat Kuhn gezeigt, dass das wissenschaftliche Paradigma sich mit der Zeit ändern kann, aber über eine gewisse Trägheit verfügt, die Kuhn als eine Schutzreaktion betrachtet, die das Paradigma vor Verzehrung und Kritik behütet.

Also ist das heutige Paradigma der Wissenschaft gottlos. Es ist vielleicht stark gesagt und könnte als beleidigend missverstanden werden, aber im Grunde genommen ist dies eben der heutige Zustand. Wenn Fakten, Theorien oder Konzepte existieren, die dem Paradigma nicht entsprechen, ist die erste Reaktion darauf eben Schweigen; die Wissenschaft tut so als ob sie diese Widersprüche nicht bemerke. Aber die Wissenschaft kontrolliert die Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen sowie deren Finanzierung, Zeitschriften, Stipendien, Grants. Wenn du also etwas beginnst, was dem Paradigma nicht entspricht, musst du auf eigene Kosten arbeiten und darfst nicht erwarten, dass du bekannt oder akzeptiert wirst.

Wenn das Verschweigen aber nicht gelingt, dann findet Kritik statt - ein Plädoyer „im Namen der Wissenschaft" wie der bekannte Brief der Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaft [mit dem Appell, Theologie nicht den wissenschaftlichen Hochschuldisziplinen zuzurechnen und keinen Schulunterricht über die Grundlagen der orthodoxen Kultur in russischen Schulen einzuführen]. Manchmal ist es auch so, dass es dem Paradigma einfacher fällt, ein bestimmtes Phänomen als Naturgesetz zu deklarieren. Wenn beispielsweise beim „anthropischen Prinzip" das mit dem Paradigma verbundene Wort „Evolution" durch „Schöpfung" ersetzt würde, wäre dies eine „starke" Variante der Formulierung „Gott erschuf das Universum so, dass der Mensch darin leben kann". Mit anderen Worten: das „anthropische Prinzip" versteckt die „Hand Gottes".

Heute werden allerdings große Hoffnungen auf die verschwisterten Länder Russland, Ukraine und Weißrussland gesetzt, wo die gesellschaftliche Meinung ihr Gesicht der Religion zuwendet und der Dialog zwischen Orthodoxie und Wissenschaft beginnt. Letztendlich könnte sich ein neues, christliches Paradigma der Wissenschaft bilden, ein Paradigma, das sowohl die wissenschaftliche Wahrheit als auch die Offenbarung respektiert. Das wäre wünschenswert. Es bedarf spezieller Tagungen von Physikern, Biologen, Geophysikern usw., auf denen dieser Dialog stattfinden könnte. Gut wäre es auch, wenn diese Forschung finanzielle Unterstützung erhielte.

Jüngst wurden Konzepte und Theorien formuliert, die das gegenseitige Verständnis von [Kirche und] Wissenschaft fördern könnten. Diese Theorien gehören zu den größten Schöpfungen des menschlichen Geistes. Ihre objektive unbefangene Besprechung könnte die Gesellschaft sowohl spirituell als auch materiell bereichern. Aber bis auf Weiteres nimmt die Theorie von Gerlovin ihre Zeit ein halbes Jahrhundert vorweg, und die Theorie von Kosyrew sogar noch mehr. Was di Bartini betrifft, so soll er (so berichtete es eine Sendung, die neulich über ihn im Fernsehen lief) angeordnet haben, seine Papiere zu versiegeln und erst 200 Jahre später zu öffnen. Der Arme - seine Bemühungen um Beweise hatten ihn erschöpft. Aber diese drei sind ja Denker, die es durchaus mit Einstein hätten aufnehmen können. Was für Menschen und welch einen Reichtum, von Gott gesandt, haben wir verpasst! Eins ist klar: dass wer nicht mit Gott sammelt, der zerstreut.

 

A.V.: Im Buch legen Sie ihre eigene Ansicht über die Weltschöpfung dar, wobei Sie neueste wissenschaftliche Daten und moderne Exegetik vereinbaren. Worin besteht die Einzigartigkeit der von Ihnen gewählten Forschungsmethode bzw. des Standpunktes, und inwiefern entwickeln Sie bereits bestehende Theorien weiter?

V.L.: Meine Forschungsmethode ist nicht einzigartig. Es ist die gleich wie die des Seligen Augustinus, der Heiligen Hierarchen Basilios dem Großen und Gregor von Nyssa. Man nimmt einen biblischen Text, analysiert ihn so gut wie möglich und vergleicht ihn mit den naturwissenschaftlichen Daten. Was aber die Möglichkeiten in Textologie und Theologie als auch in Naturwissenschaft betrifft, so sind diese natürlich heute ganz andere.

Die biblische Theologie entstand im ersten Jahrtausend. In der Regel fehlten den Vätern die nötigen Kenntnisse des Alt-Hebräischen, und ihnen stand nicht die heutige Fülle an Wörterbüchern, kritischen Veröffentlichungen, linguistischen Referenzbüchern und Hilfsmitteln, Büchern über Grammatik, PC-Programmen und speziellen Forschungsberichten zur Verfügung. Allerdings kannten die Väter außer der Septuaginta auch die anderen griechischen Übersetzungen der Bücher des Alten Testamentes, von Aquila, Symmachus und Theodotion.

Die Theologie unternahm seit dem vierten Jahrhundert ihre ersten, sehr wichtigen Schritte, meist unter dramatischen Umständen. Im vierten Jahrhundert fanden die ersten Ökumenischen Konzile statt, die die Grundlagen der Christologie und der Lehre über die Heilige Dreifaltigkeit legten. Der Heilige Hierarch Athanasios von Alexandrien, der einen wesentlichen Beitrag zur Theologie der Heiligen Dreifaltigkeit leistete, verbrachte die meiste Zeit seines Bischofstums im Exil. Seine die Schöpfung betreffenden Überlegungen entwickelte er im Rahmen des allgemeinen Kampfes gegen den Arianismus. Ähnliches gilt auch für den Heiligen Hierarchen Basilios den Großen, der seine Predigten über das Hexameron im Rahmen dieses heftigen Kampfes hielt. In diesem Kampf half ihm auch die Heiligen Hierarchen Gregor von Nyssa und Gregor der Theologe, der ebenfalls interessante Gedanken über das Hexameron hinterließ. Schade, dass er sie nicht weiterentwickelte. Viel Neues brachte auch der Hl. Maximus der Bekenner in die Theologie; aber er konnte nicht schweigen, wenn die Wahrheit misshandelt wurde, und wurde zu ihrem Bekenner. So wie auch der Heilige Hierarch Gregor Palamas, der die byzantinische Theologie durch eine Synthese der Theologie der Erkenntnis Gottes und der Theologie der Göttlichen Energien vollendete. Wenn wir also von der Kontinuität der von mir entwickelten Theologie sprechen, ist sie angelehnt an einen kräftigen „Stamm" patristischer Theologie, an die Gedanken und Ansichten von Kirchenlehrer Clemens von Alexandrien, des Heiligen Hierarchen Athanasios von Alexandrien, von Basilios dem Großen, Gregor von Nyssa, Gregor dem Theologen, Augustinus von Hippo, Gregor dem Großen, dem Hl. Maximus dem Bekenner und dem Hl. Hierarchen Gregor Palamas. Wir dürfen auch die Theologen des 20.Jahrhunders nicht vergessen, die im Grunde genommen eine neue Synthese der byzantinischen Theologie vollzogen haben - S. L. Epifanowitsch, G. V. Florovsky und W. N. Losskij, sowie dem hervorragenden Exegeten Bischof Kassian (Besobrasow).

Der Bereich der Naturwissenschaft fiel den Vätern besonders schwer. Sie waren gezwungen, die Weltentstehungstheorien anhand des biblischen Grundmusters eigenständig zusammenfassen. Dabei gab es nichts, worauf man sich im Bereich der Naturwissenschaft stützen  konnte. Vieles war hypothetisch. Jetzt aber gibt es viele verschiedene kosmogonische und verwandte Theorien. Die Schwierigkeit besteht in etwas anderem, und das scheint die Besonderheit der gegenwärtigen Forschung auszumachen. Fast alle modernen Theorien implizieren eine Selbstevolution der materiellen Formen der Welt. Daher dürfen diese Theorien bzw. Konzepte von uns Theologen nicht benutzt werden. Und so hat man, um diese Theorien oder Konzepte dem Hexameron zuzuordnen, einzelne unerschütterlich festgestellte Faktoren herauszulösen bzw. auf ihre bestimmten Aspekte und Ereignisketten hinzuweisen und dabei auch die Irrtümlichkeit des allgemeinen Schemas der Selbstevolution wegen des Fehlens von Mechanismen, die diese Selbstverkomplizierung verwirklichen, zu betonen. Und da es keine Gründe zur Selbstverkomplizierung gibt, bleibt „der allmächtige Zufall, der alles schafft". Jedoch wird eine solche angenommene Abfolge der Ereignisse durch das Vorliegen von Gesetzmäßigkeiten unserer Welt widerlegt, durch seine „Vernünftigkeit", Gesetzmäßigkeit, und Schönheit, die aus der „Logosität" des Ganzen stammen. Die Analyse dieser „Logosität" und der „Holistizität" auf allen Ebenen der materiellen Strukturen ist eventuell die kennzeichnende Eigenschaft der apologetischen Darlegung des Stoffes, der im Buch präsentiert wird.

 

A.V.: Welche Entdeckung, die Sie während des Schreibens Ihres Werkes gemacht haben, hat Sie am meisten überrascht?

V.L.: Es gab viele Entdeckungen. Die überwiegende Mehrheit davon erwies sich als das, was üblicherweise „Erfindung des Fahrrads" genannt wird, also die Entdeckung von etwas, was Spezialisten längst bekannt ist. Insgesamt ist das ganze Buch neu, sowohl in seinen Ansichten als auch in seinen Ideen. Allerdings wurden einige dieser Ideen, die vor zwölf Jahren auf den Weihnachtlichen Bildungslesungen erläutet wurden und deren Text wegen meiner Unvorsichtigkeit zugänglich wurde, bereits damals aufgeschnappt und weiterverbreitet. Aber es gibt auch wirklich neue Entdeckungen, die hoffentlich diskutiert und weiterentwickelt werden. Zu ihnen zählt alles, was sich auf die „ikonische" Leseart des Hexamerons, die Auslegung des einen Tages und die Anthropomorphismen bezieht, die oben besprochen wurden. Als gelungen scheint mir auch die Lösung der theologischen Schwierigkeiten, die mit der Auslegung des zweiten Kapitels der Genesis, insbesondere mit der „Einführung" in Gen 2, 4-8,  verbunden waren.

Ein signifikantes Ergebnis wurde auch bei der Auslegung der Ereignisse des zweiten Tages erreicht. Diese Auslegung entwickelt und präzisiert die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts formulierte Idee von der Scheidung der kosmischen Wasser, von denen unser schmelzflüssiger Planet einen Tropfen darstelle. Auf den ersten Blick ist der Gegenstand der Schöpfung des zweiten Tages an sich klar - es ist die Ausdehnung, die eben der Himmel ist: „Da machte Gott die Feste (...) Und Gott nannte die Feste Himmel.". Das Wort „Himmel" drückt alles aus, was der Mensch sieht, der auf der Oberfläche der Erde steht und nach oben schaut. Das bezieht sich aber auf zwei Ebenen: die kosmische und die irdische. Die irdische - das ist die Atmosphäre, die unseren Planeten umgibt, und die kosmische ist der Raum außerhalb des Planeten, der die Gestirne beinhaltet - Planeten, Sterne, Galaxien, also all das, was als Kosmos bezeichnet wird. Wie die im Buch durchgeführte Analyse zeigt, wäre es nicht richtig, in der Auslegung nur eine Bedeutung zuzulassen, also nur die irdische oder nur die kosmische. Wie vereinbart sich aber all das oben gesagte mit den Bedeutungen des hebräischen Wortes „rakia", das im Altertum sowie in der slawischen bzw. der russischen synodalen Übersetzung, als „твердь" („Feste") übersetzt wird [und in den deutschen Übersetzungen  als „Feste, Wölbung, Ausdehnung, Gewölbe"]? Buchstäblich bedeutet „rakia" etwas ausgeweitetes - ein Deckel oder eine Ausdehnung. Die gegenwärtigen Übersetzer, einschließlich der jüdischen, geben „rakia" als „Raum" wieder. Die Übersetzung von „rakia" als „Feste" ist im Grunde genommen eine Auslegung. Es wäre möglich, „rakia" mit der irdischen Atmosphäre gleichzusetzen; aber dann bleibt unklar, worin die Göttliche Wirkung bei der Schöpfung von „rakia" bestand? Denn irgendeine Atmosphäre gibt es bei allen relativ großen und vor allen bei schmelzflüssigen Himmelskörpern.

Was aber unsere Entdeckung betrifft, besteht sie darin, dass „rakia" der großmaßstäblichen Struktur des Universums entspricht, die vor einigen Jahren entdeckt wurde. Die Entstehung dieser Struktur ist eines der Geheimnisse der Astrophysik. Das Universum erwies sich als ein flaches Gebilde, sozusagen als Deckel oder Ausdehnung, 16 bis 30 Millionen Lichtjahre breit; ein Deckel, der aus mehreren Zellen besteht, ähnlich einem Netz oder einer Honigwabe, deren Wände ca. 100 Millionen Lichtjahre lang sind - also aus voneinander abgeschlossenen Haufen und Superhaufen von Galaxien. In diesem „rakia"-Deckel befinden sich alle kosmischen Körper, und auch wir leben darin, auf unserem Planeten, in unserem Sternsystem, in unserer Galaxie, die in die lokale Gruppe der Galaxien, einem Galaxienhaufen und -superhaufen  gehört.

Die göttliche Wirkung des zweiten Tages bestand vor allem in der Schöpfung dieser besonderen räumlichen Schicht, des Deckels (eventuell, laut einigen Meinungen, der Oberfläche einer gigantischen Sphäre mit einem Durchmesser von ca. 100 Milliarden Lichtjahren), die mit dem Wasser der Substanz der vorgalaktischen und protostellaren materiellen Formen des Beginns des zweiten Tages „übergossen" worden war.  Die „Ströme" der Wasser wurde im Weiteren in große und kleinere „Tropfen" (Wolken?) zerteilt, aus denen später Galaxien, Sterne und Planeten entstanden... Auf diese Weise schuf die Göttliche Wirkung der Scheidung der Wasser den Kosmos und die Erde. Und die Scheidung der Wasser wurde durch die Scheidung bezüglich unseres irdischen Himmels, also der Atmosphäre, vollendet, als die Temperatur der Planetenoberfläche unter den Wassersiedepunkt sank. Dann wurde die Planetenoberfläche mit einer Schicht von kondensiertem Wasser bedeckt, also bereits mit unserem normalen Wasser.

Der modernen Wissenschaft fehlt ein klares Verständnis dessen, wie sich kosmische Strukturen und Körper, prägalaktische und prästellare Formen der Materie gebildet hatten. Die Meinungen darüber, wie dies vonstatten gegangen sein mag, haben sich nach der Entdeckung der dunklen Materie und der schwarzen Energie, die über 95% der Masse und der Energie des Universums ausmachen, weiter diversifiziert.  Mit anderen Worten: die Hauptfaktoren der Bildung von kosmischen Strukturen sind nicht diese 5%, die die uns bekannten Energie ausmacht, sondern solche, über die wir bislang wenig sagen können, wobei wir dieses Unwissen mit dem Epitheton „dunkel" bezeichnen. Und es ist nicht auszuschließen, dass die Übersetzung „rakia" als „Feste" in der Zukunft ihren Sinn erweisen wird.

Die Bestimmung der möglichen Wege zur Bildung kosmischer Strukturen ist das Werk der Wissenschaft. Was aber die apologetische Theologie betrifft, ist es für sie entscheidend, Argumente dafür  vorzulegen, dass die Ursachen dieser Bildung die Göttlichen Worte, die Logoi des Seienden sind. Und hier, in Anlehnung an die moderne Astro- und Geophysik, weisen wir diese Logosität nach: dass die Sonne kein „einfacher Stern" unserer Galaxie ist und sich in ihr nicht „auf einer stillen und ruhigen Strasse" befindet, so wie auch das Planetensystem der Sonne, welches erstaunlich stabil ist, was für die langfristige Existenz des Lebens in ihm sehr wichtig ist. Unsere Erde ist ein Wunder aus Wundern. Alles ist ein Wunder: sowohl der Aufbau unseres Planeten als auch seine Oberflächenbeschaffenheit, die Oberflächentemperatur und die Zusammensetzung der Atmosphäre. Aber ein besonderes Wunder ist das Wasser, die verbreitetste und geheimnisvollste Substanz. Und auch die Tatsache, dass die Erde nicht nur ein riesiger halbgeschmolzener Felsbrocken ist, sondern sozusagen ein einzigartiger Organismus mit seinem „anorganischen Leben", der uns, die wir auf der Oberfläche des Planeten leben - als Mikroorganismen und Pflanzen, Tiere und Menschen - Wärme, Luft, Wasser und eine beeindruckende Fülle anderer Substanzen liefert, von denen wir einigermaßen wissen. Und auch, dass der Planet so lange bewohnbar sein kann, wie sein Inneres aktiv ist - so lautet das „geochemische Prinzip der Aufrechterhaltung des Lebens. Diese untrennbare Verbindung zwischen dem „unorganischen Leben" unseres Planeten und der Biosphäre (sozusagen eine Einheit, die mit dem Begriff „Biogeosphäre" ausgedrückt wird) ist der Wissenschaft im Prinzip bekannt, bleibt jedoch außerhalb der gesellschaftlichen Besinnung, Aufmerksamkeit und Sorge.

Es gibt zwei Zahlen, zu erklären vermögen, warum wir das Leben auf Erden für keinen Zufall halten. Im Sonnensystem hat nur die Erde eine zweischichtige Struktur, nämlich „das Festland mit einer mittleren Höhe von 300 Metern über dem Meeresspiegel und das Bett des Ozeansbodens mit einer Tiefe von 5.000 Metern". Also beträgt die Höhe des Festlandes nur etwa 6% von der mittleren Höhe des Weltozeans! Und „die innere Maschine" unserer Erde erhält das Sein dieser 6% über Milliarden Jahre hindurch aufrecht! Dabei ändert sich das Volumen des Ozeanswassers pausenlos und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Auch in unserer gegenwärtigen Epoche kommt aus dem Erdmantel ein. Eine andere Wasserquelle sind die Gasemissionen der Vulkane, die bis zu 98% Wasserdampf enthalten. Außerdem wird auch Grundwasser bei der aktiven Gebirgsbildung auf die Oberfläche herausgedrängt. Dazu die Eisschmelze... Andererseits ist genau bekannt, dass die Erde an Umfang zunimmt. Die Wasserdämpfe zerstreuen sich gemeinsam mit den anderen Gasen der Atmosphäre ins Weltall. Das Wasser wird von Pflanzen, Tieren und Menschen sowie der Industrie konsumiert. Was für eine genaue Abstimmung aller „Mechanismen" erfordert das! Würde ein „Regulierungsfehler" von nur etwa einigen Prozenten entstehen, gäbe es den größten Teil des Festlandes nicht mehr und kein Leben darauf! Nun wird klar, warum Gott am dritten Tag das Relief der Oberfläche unseres Planeten (bzw. im Grunde genommen, das endogene „Leben" der Erde) zusammen mit dem pflanzlichen Reichtum erschaffen hat. All das ist für mich eine neue Entdeckung gewesen, und ich glaube, für die meisten Leser auch.

Außerdem manifestiert sich die Logosität in der Schönheit der Welt um uns herum. Dieser Gedanke, der bei den Vätern mehrmals zu finden ist, wird durch die Astronomie bestätigt. In meinem Buch führe ich mehrere Beispiele an. Eine Entdeckung war die Möglichkeit der Erfassung der Logosität mithilfe der Gesetze der Semiotik - unter anderem mithilfe des Zipfschen Gesetzes. So finden sich unter den Objekten, in denen das Zipfsche Gesetz Unzufälligkeit (Logizitat, Informationsreichtum) entdeckt, auch solche wie die Verteilung der Sterne nach Masse in Sternhaufen, sowie auch die Verteilung der chemischen Elemente nach Masse in der Erdkruste. Und das bringt uns zu dem Gedanken, dass sich z.B. in der Verteilung der Sterne die Logoi des Seins der Sternhaufen äußern - und die Logoi der Natur, der Vorsehung, des Gerichtes.

In der Analyse der Ereignisse des dritten Tages ist vieles bedacht worden. Die Logosität der Organisation der lebendigen Organismen beginnt mit einer besonderen Symmetrie der Substanzen und ihrer Bestandteile. Diese Symmetrie fehlt den Prozessen der unbelebten Natur (mit den Worten des Akademiemitglieds W. Wernadski: in der „trägen" Materie). Daher konnte aus der „trägen Materie" prinzipiell kein lebendiger Organismus entstehen. Alle Ebenen des Lebens haben ihre eigene Symmetrie. Dieser Tatsache habe ich viel Platz gewidmet.

Eine andere aus der Logosität stammende Idee ist die Holistizität. Sie wird im Buch weiter entwickelt. Es wird gezeigt, dass viele Probleme der modernen Wissenschaft, unter anderem auch in der Biologie, daher rühren, dass die Vorstellung der Holistizität (Ganzheitlichkeit der Strukturen der Welt um uns herum) faktisch nicht anwendet wird.

Eine der größten Entdeckungen in meinem Buch, die auch in der Wissenschaft benutzt werden kann, ist die Hypothese über die Hauptlichtquelle des Planeten im Präkämbrium. Es besteht kein Zweifel daran, dass damals auf die Planetenoberfläche wenig Licht hinunterdrang. Das war das Ergebnis der damaligen großen Dichte und Staubhaltigkeit der Atmosphäre. Die irdische Atmosphäre damals entspricht etwa der heutigen auf der Venus, die nur etwa ein Zehntausendstel des Sonnenlichtes durchlässt. Das steht allerdings im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Daten, dass bereits vor 3,8 Milliarden Jahren photosynthetisierende Bakterien existierten und sich ihr geochemischer Kohlenstoffzyklus bis dahin bereits stabilisiert hatte. Meine Hypothese erklärt dies damit, dass die Hauptlichtquelle damals nicht die Sonne gewesen sei, sondern die Bioluminiszenz, und dass selbstleuchtende Mikroorganismen gemeinsam mit photosynthetisierenden Zyanobakterien symbiotische Lebensgemeinschaften (Biozönosen) eingegangen waren. Dann wäre es so gewesen, dass das Leben, was die Lichtenergie betrifft, sich selbst versorgt hatte.

Der interessierte Leser wird in diesem Buch noch viel anderes Überraschendes finden.

 

A.V.: Wie hat diese lange Arbeit über das Hexameron Sie selbst und Ihre Weltanschauung beeinflusst?

V.L.: Vor allem hat sie meinen eigenen Glauben an Gott, an die Heilige Schrift, an die heiligen Väter und an die Heiligen Orthodoxe Kirche bestärkt; gewissermaßen auch den Glauben an die Wissenschaft, aber eben nicht ohne die Theologie. Die Logosität und die Holistizität könnten - wenn sie in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Anschauungen rücken - neue und unübersehbare Erkenntnisse ermöglichen.

Die Arbeit über das Hexameron hat es mir auch ermöglicht, in der Heiligen Schrift neue und weitergehende Bedeutungen zu erkennen, ebenso wie die diesbezüglichen Methoden der Arbeit mit dem Text und seinen Auslegungen. Die Lektüre hat sich ebenfalls verändert. Meine Lieblingsautoren sind der Hl. Maximus der Bekenner und der Hl. Gregor Palamas geworden. Im Großen und Ganzen bin ich, so kommt es mir vor, über eine bestimmte Schwelle getreten, so dass ich jetzt gewisse Themen theologisch neu zu denken wagen kann.

 

A.V.: Was hindert den modernen Menschen am meisten daran, die Möglichkeit der Wahrheit der biblischen Geschichte zuzulassen?

V.L.: Vor allem das allgemeine Missvertrauen gegenüber der Religion, das noch aus sowjetischen Zeiten stammt. Seit damals existiert bei vielen die Überzeugung, dass alle Religionen im Altertum vom Menschen erschaffen worden und dementsprechend gleichermaßen primitiv seien und ungefähr das Gleiche erzählten. Wer im Sozialismus aufgewachsen ist, dem fällt es schwer zu akzeptieren, dass in der Bibel - z.B. im Gegensatz zu den Veden - die Offenbarung Gottes steht.

Darüber, was die verschiedenen Religionen Unterschiedliches über die Weltschöpfung berichten, werde ich später irgendwann einmal etwas schreiben, wenn Gott mir die Zeit und die Kraft gibt. Am einfachsten ist es aber, das Vorurteil über die angebliche Primitivität des Christentums zu zerstreuen. Dafür ist es notwendig, quasi das allgemeine Konzept des Hexamerons zu betrachten. Das althebräische Wort „jom" bezeichnet nicht nur die helle Tageszeit oder die Zeitspanne von 24 Stunden, sondern auch einen Zeitraum unbestimmter Dauer, also so etwas eine Epoche. So wurde die Welt innerhalb von sechs Zeitabschnitten, den Epochen, erschaffen. Die Abfolge der Schöpfung ist die selbe, wie sie sich die Wissenschaft heute vorstellt. Weiterhin kann man in meinem Buch viel apologetisches Material finden. Dies ist erbauend und geeignet, die Skeptiker zu überzeugen - wenn auch nicht unbedingt alle.

Nach einer meiner Vorlesungen in Kiew kam einmal ein Mensch zu mir und verlangte sozusagen nach einem entscheidenden Argument für die Existenz Gottes. Ich fragte ihn, was für ein Argument genau er hören wolle: eines aus dem Bereich der Physik, Astronomie, Chemie, Geologie, Geschichte, Archäologie...? Er dachte eine Minute nach und antwortete: „Tja, in Physik kenne ich mich nicht so gut aus, in Astronomie noch weniger, und in Chemie, Geologie und Geschichte erst recht nicht." Und er beendete seine Antwort mit der blasphemischen Frage: „Warum spricht Gott nicht im Fernsehen?" Das ist die traurige Kraft der „Glotzkiste" in den Herzen der ehemaligen sowjetischen Menschen. Und wie schwer ist es, solche Herzen umzuorientieren. Aber Gott ist alles möglich!

Und mit dieser zuversichtlichen Gewissheit möchte ich unser Interview beschließen.

 

Nachwort:

Wir haben diese und andere Fragen Vater Leonid schon vor längerer Zeit gestellt, aber seine große pastorale Bürde und der Beginn einer Krankheit, die sich als langwierig erwiesen hat, hinderten ihn damals, sie zu beantworten. Jetzt befindet sich Vater Leonid auf dem Weg der Genesung. Väter, Brüder und Schwestern: beten wir um das Wohlbefinden von Vater Leonid, auf dass der barmherzige Herr ihm die Zeit und die Kraft gebe, seine pastoralen Werke und auch seine theologische Forschung fortzuführen!

 

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