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Die zeitlose Gegenwärtigkeit der Nächstenliebe der hll. Drei Hierarchen

12. Februar 2010
In diesem  Vortrag, gehalten bei der Festfeier der Drei Hierarchen am 31. Januar 2009, betont Dr. Konstantinos Panagiotou, Erziehungsrat im Griechischen Generalkonsulat Düsseldorf, die Wichtigkeit der Lehre und der Werdegänge der Drei Heiligen Erleuchter in Bezug auf die Herausforderungen der Gegenwart.
So optimistisch man auch sein mag, so ist doch die Besorgnis des Menschen über die heutige Situation, in der sich unsere Gesellschaft befindet, unübersehbar. Angst und Stress überschatten unser Leben am Anfang des 21. Jahrhunderts. 

Das Durcheinander im Leben und im Bewusstsein der Völker und der Menschen, der Verlust des wirklichen Lebenszwecks, die Bedrohung einer nuklearen Katastrophe, die uns allen jeden Tag mehr und mehr bewusst wird, die verschiedenen Satelliten, welche unaufhörlich durch das Weltall senden, die rasanten Fortschritte im Technologiebereich, die finanzielle Krise sind einige der typischen Kennzeichen unserer Epoche.

Die verschiedenen gesellschaftlichen Systeme, in der Regel weit von Gott entfernt, führten den Menschen tiefer in das Elend, haben ihn in neue Formen von Sklaverei unterworfen, haben ihm das Hohe und das Geistliche entzogen, anstatt ihn von der Ausbeutung und dem Unrecht zu befreien.

Die humanistischen Bewegungen versuchten den Menschen ohne Seele und Geist zu betrachten, sahen ihn nur als Materie, und ihre Anthropologie entlarvte sich als hoffnungslos materialistisch orientiert. Der heutige Mensch wurde im Zeitalter der Globalisierung zum Zubehör der Maschine und derjenigen, die Kraft haben, Maschinen zu erzeugen. So wird heutzutage das festgestellt, was der russische Philosoph Berdjaev meinte: „Der Humanismus zerstört sich selbst, und der Mensch löst sich auf."

Pessimistische Gedanken, möchte man sagen, und Worte, die enttäuschen. Es wäre ja wünschenswert, wenn die Wirklichkeit anders aussehen würde, und wenn der heutige Redner sich irren würde.

Die tagtäglichen internationalen und nationalen Kongresse, die beabsichtigen, den Frieden an unruhigen Orten unserer Erde zu erzielen, die Proteste der verschiedenen Vereine und Organisationen für Gerechtigkeit und Menschenrechte und das leise Gespräch des unbedeutenden Menschen über irgendwelche neue Willkür der Mächtigen; der Hunger, der die unterentwickelten Länder quält; das Verblassen der moralischen Werte, welche nicht in der Lage sind den Schleier des Egozentrismus, des Materialismus und den der Diplomatie zu entfernen - sie werden entweder systematisch von verschiedenen Propagandisten verleumdet oder gnadenlos von ihren ursprünglichen Trägern verraten. Es gibt so Vieles, was die menschliche Persönlichkeit demütigt und was sich über die große Plage der heutigen Gesellschaft und über die Leere der menschlichen Seele beklagt.

Das Volk, die einfachen Menschen, akzeptieren passiv und ohne Widerstand die Gewalt und das Recht des Stärkeren oder versuchen eine Person zu finden, mit der sie sich identifizieren, um für ihr Recht zu kämpfen. Das könnte eine einzige Person sein, ein Verband oder eine Partei. Heute gibt es viele solche Anführer. Dagegen könnte kein Einwand vorgebracht werden, wenn diese Leute versucht hätten, den Menschen als solchen zu betrachten, seine materiellen Probleme zu lösen und seine seelische und geistliche Leere zu füllen. Und das Wichtigste: wenn sie bereit wären für die einfachen Menschen das zu tun, was sie selbst von den Mächtigen verlangen.

Die Geschichte und die heutige Wirklichkeit haben uns zu diesem Punkt nur wenige Ausnahmen zu zeigen. Und solche Ausnahmen gab und gibt es auch im Raum der Christlichen Kirche.

Es hat Menschen gegeben, die „mit Fleisch und Blut" für das machtlose Volk und seine Rechte gekämpft haben. Und das Wichtigste: Diese Menschen hatten gar nicht vor, Führer zu werden, strebten nicht nach Ruhm und Ehre, wurden jedoch vom Bewusstsein des Volkes und von der Geschichte auf diesen Platz gestellt, den sie bis heute haben.

Eine Gruppe von drei solchen inspirierten Anführern sind die drei Hierarchen Basileios der Große, Gregorios der Theologe und Johannes Chrysostomos, derer die Orthodoxe Kirche am 30. Januar gedenkt. Der Drei Heiligen gedenkt aber auch das Bildungswesen unseres Landes.

Wir haben gehört, vielleicht auch gelesen, dass die drei heiligen Hierarchen den orthodoxen Glauben in den Seelen der Menschen gestärkt haben. Sie haben ihn unbefleckt und sauber von den verschiedenen Ketzereien gehütet, indem sie wichtige theologische Bücher geschrieben haben. Unsere Kirche hat sie an die Spitze der Heiligenreihen gestellt. Während unserer Schulzeit haben wir gelernt, dass die drei Hierarchen den altgriechischen mit dem christlichen Geist verbunden haben. Spross dieser Verbindung ist die kostbarste Frucht, die im griechischen Raum reifte: die griechisch-christliche Kultur. Uns ist auch bekannt, dass diese Männer die griechische Sprache für ihre Reden und Bücher benutzt haben. Sie haben sie einerseits als Instrument für die höchste und edelste Philosophie benutzt, nämlich die christliche Philosophie, und andererseits haben die drei heiligen Männer die Werke und die Philosophie der alten griechischen Schriftsteller von allen heidnischen, mythologischen und sonstigen Elementen gesäubert, die der Lehre Christi und der Wahrheit fremd sind. Sie bewahrten nur die goldenen Elemente dieser Schriften auf und übergaben der ganzen Welt das Beste, was unsere Vorfahren anzubieten hatten.

Jeder von diesen drei Männern hat nicht nur eine, sondern mehrere Wissenschaften in den Zentren der Weisheit in Athen und Antiocheia studiert: Medizin, Philosophie, Astronomie, Mathematik, Philologie, Poesie und vor allem Rhetorik. Basileios und Gregorios haben auch für eine Weile selbst Rhetorik gelehrt, bevor sie sich der Kirche widmeten. Was Johannes betrifft, so hat sogar sein Lehrer Livanios in der Stadt Antiocheia gesagt, er würde ihn gern als seinen Nachfolger ernennen, „wenn die Christen ihn nicht erobert hätten". Griechische Methoden, mit denen für die Verbreitung des Christentums und der Orthodoxie gekämpft wird, sind die kunstvolle Rhetorik von Basileios und Johannes Chrysostomos und die Rhetorik und suggestive Poesie des Gregorios des Theologen. Gregorios schrieb über 20.000 Verse. Im Fall der drei heiligen Hierarchen zieht Wissen und Glauben zusammen ins Feld für einen siegreichen Kampf. Wir könnten behaupten, dass altgriechisches und christliches Wesen an der Schwelle des 4. Jahrhunderts n. Chr. ineinander verschmolzen sind und die drei heiligen Hierarchen Basileios der Große, Gregorios der Theologe und Johannes Chrysostomos als erste diese Verschmelzung verkörperten.

Das Einzige, was die drei großen Geister nicht studiert haben, ist Theologie, weil die, meiner Meinung nach, weniger studiert und mehr erlebt werden kann. Und diese „Wissenschaft der Wissenschaften" haben die drei Heiligen nicht in den prachtvollen Universitätsgebäuden studiert, sondern in den Klöstern, in der Askese, in den Momenten der Geisteseuphorie und immer zusammen mit dem Mitmenschen.

Wegen dieser Gabe betrachtet das Griechentum die drei Heiligen gerechterweise als Schutzpatrone der Intellektuellen und als Förderer der Erziehung und der menschlichen Seele. Deshalb hat der griechische Staat und insbesondere die Universität von Athen gleich nach der Befreiung von der türkischen Besatzung im Jahr 1842 offiziell festgelegt, dass dieser Tag nicht nur ein Fest für die Kirche, sondern auch ein Fest für die Schulen und generell für die studierende Jugend und ihre Lehrer sein soll.

Dies alles ist mehr oder weniger bekannt. Was aber der Mehrheit vielleicht weniger bekannt ist, ist die Stellungsnahme der drei Hierarchen den grundsätzlichen Problemen des Menschen gegenüber, sowie ihre Kämpfe und ihre Tapferkeit bei der Lösungfindung dieser Probleme. Und diesen Punkt sollten wir uns näher ansehen:

Der Psychologieprofessor Marrou von der Universität Wien schreibt: „Die Väter der Kirche waren nicht einfach gelehrt im herkömmlichen Sinne des Wortes. Sie waren die intellektuelle Elite. Aus der enormen Menge menschlicher Probleme, haben sie die wichtigsten gewählt und diese zu lösen versucht. Von den menschlichen Bedürfnissen haben sie die wesentlichsten berücksichtigt, diejenigen, die mit der Natur und der Bestimmung des Menschen zu tun haben. Mit ihren Schriften, Reden, Tadeln und Ratschlägen betonten sie ständig eins: dass der Mensch nicht dort stehen bleiben darf, wo er sich jetzt befindet. Die Väter der Kirche haben den Menschen von dem Punkt mit sich genommen, wo ihn die Gelehrten der Welt gelassen haben, und ihn dorthin geführt, wo es sich die anderen gar nicht vorstellen konnten. Die Väter der Kirche hatten Mitgefühl mit den Menschen, und für deren Glück haben sie ihr ganzes Leben geopfert".

Die Väter der Kirche haben sich insbesondere mit dem Geschöpf „Mensch" beschäftigt und klar die menschliche Zwiespalt durchschaut, nämlich den Kampf zwischen Seele und Körper und umgekehrt. Sie haben versucht, diesen Kampf zu beseitigen. Man könnte behaupten, dass sie hart dafür gekämpft haben, den Menschen als „Bild Gottes" zu erhalten. Ist es dem Menschen gegenüber gerecht, die notwendige materielle Habe zu entbehren? Nicht in der Lage zu sein, ein menschliches Leben zu führen? Nein, sagen die drei Hierarchen. Deshalb war ihr Leben eine Expedition der Liebe und der uneigennützigen Wohltätigkeit für die Mitmenschen. Sie gehen mit ihrem guten Beispiel voran, indem sie ihr eigenes Vermögen opferten, das nicht gering war. Ihr selbstgewähltes, asketisches Leben und das tagtäglich trockene Brot gaben ihnen die Kraft und den Mut von anderen Menschen etwas für die Armen, für die Witwen und die Waisen abzuverlangen. Durch Bitten, Ratschläge, aber auch Tadel haben sie es geschafft, für die anderen das sicherzustellen, was sie selbst freiwillig entbehrten: Brot und Fleisch, Kleidung, Gesundheitsfürsorge und Bildung, Bäder und Herbergen und Sportstätten. So merkwürdig es für einen strengen und asketischen „weltlichen Mönch" sein mag, war Basileios der Große einst tief enttäuscht, weil die Stadt Kaisareia in zwei Provinzen geteilt wurde und viele Stadtbewohner die Sportstätten verlassen würden, um sich in der neuen Hauptstadt niederzulassen...

Gregorios wollte die Seelen derjenigen dazu bewegen, die in der Lage waren, etwas zu spenden. Deshalb rüstete er sich mit seiner wunderbaren rhetorischen und literarischen Begabung, um den Menschen die dramatische Lage der Armen zu beschreiben. So schreibt er in seiner ersten Rede über „Armenhilfe": „Diese Situation hat eine enorme Anzahl von Ausgeraubten und Obdachlosen verursacht. Gefangenenscharen stehen vor unseren Haustüren. Scharen von Fremden und Einwanderern. Überall sieht man bettelnde Hände. Ihr Haus befindet sich im Freien, ihre Zuflucht? Die Höhlen, die Straßenkreuzungen und die einsamsten Ecken des Markts. Ihre Kleidung zerlumpt. Ernte? Die Hilfsbereitschaft der mitfühlenden Menschen. Essen? Was dem Wanderer übrigbleibt. Trinken? Wie die Pferde, vom Brunnen. Glas? Die Handfläche. Tisch und Bett? Der Boden. Bad? Der Fluss oder der See, alles was Gott allen Menschen geschenkt hat. Ihr Leben ist hart und sie treiben sich herum, nicht weil sie vom Anfang an so waren, sondern weil das Unheil und die Not sie zu diesem Zustand geführt haben".

Und die Geschichte wiederholt sich ...

Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Länder unseres Planeten und auf die Kriegsgebiete, so können wir dieselbe Situation feststellen ... weil es die Mächtigen der Erde so mögen, weil auf diese Weise den dunklen Interessen der Todeshändler gedient wird.

 „Ich schäme mich", schreibt Chrysostomos in seiner feurigen Rede (1. Brief an die Korinther), „für die Reichen von Konstantinopel. Jedes Mal, wenn ich die Reichen beobachte, die mit goldenen Kutschen fahren und von goldgekleideten Dienern gefolgt werden. Ihre Pferde mit goldenen Zügeln und ihre silbernen Betten und alle diese prachtvolle Sachen. Doch wenn es dazu kommt, etwas für die Armen zu spenden, sind sie ärmer als die Armen".

Dasselbe besagt auch eine Passage, die ich aus seiner 66. Rede erwähne (zum Evangelium des Matthäus): „Und trotzdem! Obwohl es so viele Steinreiche in unserer Stadt gibt, die durchaus alle Unglücklichen ernähren könnten, schlafen viele Menschen hungrig ein!" Wie viele schlafen hungrig ein und leiden, und wie viele sterben auf unserem Planeten jede Minute an Hunger, während gleichzeitig Unmengen an Summen für Waffen grundlos ausgegeben werden. Wir hören, sehen und lesen so viel. Oh! Scham über uns, über die Menschheit des Jahrhunderts der Raumschiffe. Wo werden wir uns eigentlich verstecken?

Die heilige Leidenschaft, den menschlichen Körper am Leben zu erhalten, hat Basileios dem Großen die Kraft gegeben, einen ganzen Komplex von Gebäuden in Kaisareia zu errichten, eine richtige zweite Stadt mit Waisenhäusern, Krankenhäusern und Werkstätten, Hospitälern für Leprakranke, wo eigenhändig die Kranken gepflegt wurden. Es fehlten nicht einmal die Viehställe für den Bedarf der Anstalten. Und all das hat ein Mensch mit schwacher Gesundheit geschafft, ständig vom Fieber geplagt, mit vielen Beschwerden und für längere Zeiträume bettlägerig. Einfach nur mit Gottes Hilfe. Von seinen Zeitgenossen wurde die ganze Region „Basileiada" genannt, und die Geschichtsschreibung hat diesen Namen beibehalten, um an die hervorragenden führenden Tugenden und der Nächstenliebe des asketischen Hirten zu erinnern.

Derselbe Eifer war auch für Chrysostomos der Auslöser, der ihm die Kraft gegeben hat, täglich dreitausend arme Witwen, Waisen und Kriegsopfer in Antiocheia zu ernähren, und weitere siebentausend in Konstantinopel, als er später Patriarch wurde. Durch seine Nächstenliebe, hat er die Ausgaben des Erzbistums aufs Geringste reduziert und hat 13 Bischöfe und viele Kleriker abgesetzt, die die Kirche als Mittel zum Reichtum benutzt hatten.

Alle drei Heiligen haben den Kampf angesagt gegen die Starken, gegen die, die politische Macht hatten, gegen die Korruption, die Ungerechtigkeit und die Ausbeutung, was sehr zum Wohl der Schwachen war. In einem Wort haben sie den Kampf gegen die Sünde angesagt. Deshalb sind die drei Hierarchen die natürlichen Patrone der Freiheit und der menschlichen Würde sowie die Theoretiker der richtigen und der rechtliebenden Regierung der Völker. Da die politische Macht der Epoche vermodert war, tyrannisch und unmenschlich, sind sie wohl in Konflikt mit ihr geraten. Es war für die Hierarchen unmöglich, von ihren Vorsätzen und ihrem Glauben zurückzutreten. 

Als der Götzenanbeter Kaiser Julianus versucht hat, die Religion der Altgriechen wiederzuerwecken, hat er von Basileios, nicht mehr und nicht weniger als 1.000 Liter Gold verlangt, um die Skulpturen der olympischen Götter zu restaurieren. Ansonsten würde er, wie er in seinem Brief schrieb, die Stadt Kaisareia mit den schönen Bauten zerstören und die ganze Bevölkerung erniedrigen.

So antwortete Basileios unter anderem: „Klein sind die Heldentaten deines Schicksals. Mir bangt es, wenn ich daran denke, dass du königliches Porphyr trägst und dein Haupt mit dem Kranz schmückst, der keine Ehre mehr hat. Als du Monarch geworden bist - in Wirklichkeit haben dich andere zu einem solchen gemacht - hast du begonnen dein Haupt zu erheben, nicht nur über alle Menschen, sondern auch über Gott". Und er endet damit: „Gold, so teile ich dir mit, gibt es nicht. Und was dich betrifft, so bemitleide ich dich, dass du so geworden bist. Du, mit dem ich in Athen studiert habe und befreundet war und mit dem ich zusammen Gottes Wort las..."

Die gleiche mutige Antwort wurde auch Modestos gegeben, einem Gesandten des Monarchen Ouales. Auf die Androhungen, dass er Basileios' Besitz beschlagnahmen, er ihn ins Exil schicken oder ihm sogar sein Leben nehmen wird, wenn er nicht aufhört, gegen die Sekten zu reden, hat Basileios geantwortet, dass sein ganzer Besitz nur ein zerfetztes Gewandt und einige Bücher seien, und dass er sogar den abgelegensten Ort lieb gewinnen würde und dass der Tod ihn eher in Christi Nähe bringen würde. Er fügte noch hinzu: „Ich bin der Meinung, dass die Freundschaft des Königs wertvoll ist, wenn sie sich auf gegenseitige Wertschätzung stützt, ansonsten kann sie katastrophal sein. Das Feuer, das Schwert und die Ungeheuer, die mit ihren Pfoten das Fleisch zerfetzten, machen mir keine Angst, sondern beglücken mich. Deswegen beschimpfe und bedrohe mich, tue was du möchtest und freue dich deiner Macht. Dieses möge ruhig der König hören, dass er uns nicht in Panik versetzen wird und auch nicht dazu bringen wird uns mit ihm zusammenzutun, selbst wenn er uns bedroht." Und diese Zunge, die das Starke erniedrigt hat und den Tod gedemütigt, hat das Herz von Modestos erweicht: „Zum ersten mal hat so ein Bischof zu mir gesprochen", antwortet er. Und der Rest kam wie aus heiterem Himmel: „Vielleicht, weil du zum ersten mal einen richtigen Bischof kennengelernt hast..."

Als die unzufriedenen, unfähigen Kleriker, Ketzer und Hofschmeichler Gregorios als Unruhestifter in Konstantinopel beschuldigt haben, hat er den Patriarchenthron verlassen und ist in seine Heimat Nazianzos zurückgekehrt, um kein Blutvergießen und Tumult zu verursachen. Wie viele Menschen aber damals wie auch heute, gehen über Leichen und begehen unmoralische Methoden, um einen höheren kirchlichen oder politischen Status zu erreichen. 

Von den drei heiligen Hierarchen war Chrysostomos, die tragischste Gestalt. Er wanderte alt und krank mehr als fünf Monate zu Fuß bis zu seinem Exilort, wo er dann auch gestorben ist. Und das alles, weil er gegen die Verschwendung und die Willkür des königlichen Hofs seine Stimme erhob, gegen die Herausforderung und die Skandale des Hofes, vor allem gegen die Skandale und die Willkür der Monarchin Eudoxia. Diese, wie die Frau des damaligen Herodes, hat ihn zweimal ins Exil geschickt. Aber auch Johannes ist bis zum Ende seines Lebens stark wie ein Felsen geblieben.

Diese Opfer und dieses Heldentum hat der alte Historiker Theodoritos benutzt, um mit folgenden Worten das Leben und die Persönlichkeit von Chrysostomos zu zeichnen. Ein Bild das mehr oder weniger auch mit der Lebensbeschreibung der anderen zwei Hierarchen übereinstimmt: „Mancher nimmt ihn als Helfer mit, wenn er festgenommen wird, mancher als Anwalt, wenn er verurteilt wird. Manch Hungriger fragt ihn nach Brot und manch Nackter fragt nach Kleidung. Manch anderer entblößt ihn. Derjenige, der trauert, fragt nach Trost und ein anderer zerrt ihn mit zum Krankenbesuch. Der Fremde fragt ihn nach Unterschlupf. Jemand anderes nähert sich ihm und weint wegen einer Schuld. Der Diener nähert sich ihm, um über seine Frust gegen den hartherzigen Herren zu klagen. Die Witwe ruft ‚gesegnet sei' und neben ihr klagt die andere über ihre Waisheit. Jemand wird zum Prozeß gezerrt, und der Vater wird sofort Anwalt. Jemand wird krank - und Johannes wird zum Arzt. Jemand fällt in Trauer - und der Pfleger wird zum Trostspender. Fürsorge für die Fremden ist nötig, und er zeigt sich als Gastwirt, derjenige, der alles geworden ist". 

Unsere Kirche hat die drei Hierarchen „große Weisen genannt, das Tor zum Paradies, Schutzwehr und Säulen, Engel auf Erden und Melodie des Geistes." Die Gelehrten und Theologen betrachten sie als „Verkünder der Wahrheit, Kämpfer des Glaubens, unaufhaltsame Flüsse der Weisheit, Mediziner körperlicher und geistiger Krankheiten, als geistliche Hirten und Lehrer". Die Gläubigen verehren sie als „Hirten der logischen Schafe, als Retter und Führer, als Helfer der Armen, als Tröster der Unglücklichen, als Väter und Säule der Gläubigen".

All diese Fähigkeiten besitzen die drei großen Kirchenväter zweifellos. Sie haben jedoch auch eine einfache, eine menschliche Tugend: Sie sind Freunde von uns allen und vor allem Freunde der Kinder, Freunde der Jugendlichen, weil die drei Hierarchen großes Interesse für die jungen Menschen gezeigt haben. Sie fanden Zeit, sich auch mit pädagogischen Themen zu beschäftigen. Sie schlugen Erziehungs- und Bildungsmethoden vor mit höherem Wert. Sie waren tiefe Kenner der kindlichen Seele.

Nach den Drei Hierarchen sollte der Lehrer, der die Pflege der psychischen Dynamik der Kinder aufgenommen hat, psychologisches und pädagogisches Wissen beherrschen, die Heilige Schrift kennen, fromm sein, keinen Hass in seiner Seele haben, und schließlich auch ein guter Wissenschaftler sein, um seinen Schülern das zu vermitteln, was sie im Stande sind aufzunehmen.

Basileios der Große möchte, dass der Lehrer ein beispielhaftes Leben führt. Gregorios bringt den Lehrer dazu, nach seinem Beispiel zu lehren. Ansonsten wird das, was mit der rechten Hand aufgebaut wird, mit der linken zerstört. Dasselbe betont auch Chrysostomos und verlangt vom Lehrer zuerst, dass er Lehrer seiner selbst ist. An einer anderen Stelle betont er die einzige Genugtuung des Lehrers, wenn er sieht, dass die Schüler Fortschritte machen. Chrysostomos hat nicht außer Acht gelassen die gerechte Bezahlung der Lehrer zu betonen, weil deren Werk wirklich schwer ist. Es bedeutet nicht, dass, weil die Arbeit des Lehrers mit Worten gemacht wird, dafür auch weniger bezahlt wird. „Weil die Angelegenheit mühevoll ist, verdient der Arbeiter dieses Gehalt" , betont er.

Ich glaube, dass wir alle Lehren von den guten Beispielen der Drei heiligen Hierarchen ziehen können. Die Kleriker, die Lehrer, die Schüler, die Eltern generell. Aber auch die Weisen, die Geistigen Väter, die Herrscher der Länder würden Nutzen daraus ziehen, wenn sie sich mit den Lehren und Schriften der großen Drei Hierarchen unserer Kirche auseinandersetzen würden. 

Dass die Menschen heute, und vor allem die Jugendlichen, aufbegehren gegen das etablierte System, ist allen offensichtlich. Dieses Aufbegehren richtet sich leider auch gegen die Religion Christi, für deren Verbreitung sich vor allem die großen Väter der Kirche geopfert haben. Ich befürchte jedoch, dass diejenigen, die den Versuch steuern oder koordinieren, falsch zielen. Bewusst oder unbewusst zielen sie ihre Pfeile nicht gegen das, was den Menschen in Fesseln legt, sondern gegen das, was ihn eigentlich frei macht. Sie zielen gegen Werte, Institutionen und Ideale, die von Natur aus gegensätzlich sind zum etablierten System, weil diese Werte erlauben, dass der Mensch sich stets weiterentwickelt und verbessert. Sie machen den Fehler und verwechseln die unwürdigen Vertreter der Werte mit den Werten selbst. Und obwohl sie eigentlich diejenigen, die sich Werte zu Nutze machen oder diese zerstören, unter Kontrolle haben und sie bekämpfen müssten, versuchen sie stattdessen im Bewusstsein der Menschen die Werte selbst auszulöschen.

Es muss, so glaube ich, allmählich für uns alle bewusst werden, dass wir heute nicht nur starke Köpfe benötigen, damit die Welt gerettet wird von der Ungewissheit der finanziellen Krise, dem Stress und der sozialen Misere, sondern auch Herzen, die groß genug für die Liebe gegenüber allen Mitmenschen sind.

Das Christentum war, ist und, ich glaube, wird die einzige Revolution der Liebe für den Mitmenschen sein. Als eine solche Revolution der Liebe haben sie sich auch die großen Väter der Kirche zu eigen gemacht und um sie zu erhalten kraftvoll mit Worten und Taten, mit ihrem Leben und ihrem Werk gekämpft.

Mögen all diese, die in ihren Händen das Schicksal der Jungen und Schwachen haben, mögen alle Anführer der Erde, mögen alle glauben, dass die Wendung zum Geist der Kirchenväter nicht Anachronismus bedeutet, sondern Fortschritt und Kultur. Das richtige Motto müsste für alle nicht „zurück zu den Kirchenvätern" sein, sondern immer nach vorne, „mit dem Geist der Kirchenväter und mit dem Leben der Kirchenväter". So meint der russische Mathematiker, Philosoph und Geistliche Georgij Florovskij.

Ich glaube, dass er recht hat.

 

Erstveröffentlichung: Orthodoxie Aktuell, Jahrgang 2009, Heft 6-7

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