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Goldener Fonds

Rückkehr der Abtrünnigen

12. März 2010
Wie wird man ein richtiger Taufpate? Wofür kommen Menschen eigentlich ins Gotteshaus? Und wie ist es möglich, die Abtrünnigen zurückzuholen? Dieser Artikel von Priester Tigriy Khachatryan ist dem brennenden Problem der Katechese der nicht ins kirchliche Leben integrierten Christen gewidmet.
Jeden lieben Tag, den Gott uns gibt, treffe ich auf Menschen. Sie begegnen mir auf der Straße, im öffentlichen Nahverkehr, in Ladengeschäften und diversen Einrichtungen. Fast alle von ihnen sind getauft; doch verraten ihre Gesichter nichts darüber. Nach solchen episodischen Kontakten mit der getauften Bevölkerung wird mir oft traurig. Das normale Verhalten eines durchschnittlichen Mitpassagiers oder eines Passanten bezeugen, gelinde gesagt, nichts von seinem Leben in Christo. Jedes Mal, wenn ich auf Verbitterung und Verschlossenheit stoße, bin ich mir darüber im Klaren, dass ich als Hirte der Kirche Christi die Verantwortung dafür trage, welchen Lebensweg diese Menschen gehen. Diese Verantwortung für die Rettung der Menschenseelen, nach denen Christus als oberster Hirte mich fragen wird, bedarf einer direkten Antwort auf die Frage: was unternehme ich für ihre Rettung?

Es mag eventuell jemandem so vorkommen, als ob all das Demagogie wäre, weil es ja ohnehin klar zu sein scheint, was zu tun und wie zu predigen ist. Doch wird wohl jeder orthodoxer Priester, der diesen Artikel liest, begreifen, wie traurig es ist, sich folgende kleine Szene aus dem realen Leben vorzustellen: Vor dem Anfang der eigentlichen Abfolge der Taufe sollen der Taufpate und die Taufpatin (bei der heute verbreitetsten Variante der Kleinkindertaufe) die Entsagung von Satan, die Gelübde der Taufe und das Glaubenbekenntnis aussprechen. Diese Szene ist jedem Gemeindenpriester schmerzlich bekannt. Lassen wir sie uns vom Standpunkt des WESENS des Geschehens betrachten: wer da was und wie ausspricht.

1. Nach der erbarmungslosen Logik der „Theorie der passiven Kirchenmitgliedschaft", die in der Priesterumgebung standardmäßig angenommen wird, werden die Menschen zu Taufpaten, die im Rahmen dieser Theorie „nicht ins kirchliche Leben integrierte Christen" genannt werden. Es ist sicherlich verständlich, dass nicht alle mit der 80. Regel des 6. Ökumenischen Konzils vertraut sind, die deutlich besagt, dass der Mensch, der die kirchliche Gemeinschaft meidet, exkommuniziert werden solle, da drei versäumte Sonntagsgottesdienste unter dem Lebenshaltungsminimum lägen und Grund zur Exkommunizierung böten, denn wir als Getaufte seien im Bündnis mit Gott und können nicht anders, als fortlaufend am Abendmahl - dem gemeinsamen Mahl - teilzunehmen. Doch macht dieses Unwissen es weder dem taufenden Priester noch den Taufeltern noch dem Kleinkind leichter. Was ist also der tatsächliche kanonische Status der nicht ins kirchliche Leben integrierten Christen, die Taufeltern geworden sind? Nach den Canones sind sie Abtrünnige. Das ist weder eine Beleidigung noch eine Erniedrigung der persönlichen Würde, sondern der kanonische Status jener Menschen, die dabei trotzdem gute Menschen, Ehemänner oder -frauen usw. sein können. Diese Feststellung des Faktums geht davon aus, dass das eucharistische Prinzip der Zugehörigkeit zur Kirche Christi, wie auch die Beschlüsse der Ökumenischen Konzile, weiterhin gültig ist. Deshalb gibt es den Begriff „nicht ins kirchliche Leben integrierte Christen" weder in irgendeinem Buch über das kanonische Recht noch in den Canones selbst.

Einige Priester (ich hatte es schon geahnt, dass ich schwierige Gespräche mit solchen Priestern würde führen müssen) erklären ihre „grenzenlose Nachsicht" diesen Menschen gegenüber durch Liebe. Doch wo ist die Logik dieser Liebe in Hinblick auf die Worte Jesu Christi: "machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie ", oder die Worte des Apostel Paulus: „Denn Christus hat mich nicht ausgesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkündigen"? Aus dem Kontext des 1. Kapitels der 1. Briefes an die Korinther wird klar, dass nicht so getauft werden sollte, dass Schismatiker vor Paulus, Kephas oder Apollos auftauchten. Es ist völlig offenkundig, dass Apostel Paulus der Logik folgte, die vom Herrn Jesus Christus ins Gebot der Taufe hingelegt wurde: erst zu Jüngern machen [und lehren], und dann zu taufen - aber nicht umgekehrt.

2. Und dann läuft es weiter nach dem bekannten Prinzip: bloß niemanden beleidigen und alles richtig aussprechen.  Wer von den jetzigen Priestern (von welchen ich der erste bin[1]) kann, mit Hand auf dem Herzen, sagen, dass jedes Mal, wenn er das Mysterium der Taufe administriert, die Taufpaten die sakralen Worte wirklich bekennen und dabei spüren, dass sie vor Gott stehen und sich darüber bewusst sind, und die Worte nicht einfach so dahinsprechen (da es sich nun einmal so gehört)? Mir geschah es schon mehrmals, dass ich vor dem Beginn des Gesprächs darüber die Taupaten und leiblichen Eltern fragen musste, wozu die Taufe notwendig sei. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle liegen die Antworten im Bereich momentaner leiblicher und seelischer Bedürfnisse: gegen den bösen Blick und böse Zauberei; um einen Schutzengel zu haben; um Patenonkel und Patentante zu werden; gegen Krankheiten; um Schutz zu erhalten. Und äußerst selten konnte ich die Antwort hören, die über die Schwelle der Ewigkeit trat: um Erbe des Himmelreiches zu werden!!!

3. Es fragt sich, mit welchen Kenntnissen diese Menschen kommen und zu welchem Gott sie sich im Glaubensbekenntnis bekennen werden? Sind sie sich bewusst, was ihre wörtliche Entsagung vom Satan bedeutet,

wie erfurchterregend und bedeutsam dies ist?! Und wenn wir, die Hirten, uns über diesen wichtigen Augenblick des geistlichen Lebens des Kleinkindes und der Taufpaten nicht bewusst sind und ihn durch unsere Duldung formalisieren - ist das nicht eine direkte Verhöhnung Christi, der sein Blut vergossen hat, damit wir tatsächlich nicht länger unter der Macht des Satans leben müssen? Es kann einem Angst und Bang werden angesichts der Sorglosigkeit, mit der wir Priester mit diesen Dingen umgehen.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis: In unserer Kirche fand eine Taufe statt. Es kam der bedeutungsvolle Moment, da die Taufpaten andächtig aussprechen sollten: „Ja, ich glaube an Ihn (Jesus Christus), als an meinen König und Gott".  Der Altardiener unseres Gotteshauses, der neben dem Taufbecken mir und den Taufpaten zugewandt stand (er war auch derjenige, der das letzte Gespräch mit ihnen geführt hatte), unterbrach plötzlich den glatten Verlauf des Gottesdienstes, indem er einen der Paten fragte: „Wieso schweigen Sie?". Ich wiederholte die Frage an den Taufpaten.
- „Ich glaube nicht daran, dass ER Gott ist."
- „Dann können Sie nicht am Mysterium als Taufpate teilnehmen und sollten diesen Raum verlassen."
- „Ich werde alles sagen, wie es sein muss", sagte er nach einer Sekunde Pause aufgeregt.
- „Nein, so brauchen Sie es nicht zu tun. Bitte gehen Sie."

Wie sich danach herausstellte (nach den Worten dieses Mannes), war er einmal gebeten worden, Taufpate für ein Kleinkind in einer benachbarten Diözese zu sein. Und obwohl er dem Priester offenherzig eingestanden hatte, dass er keinen Glauben an Jesus Christus als Gott habe, hatte der Priester in aller Seelenruhe geantwortet, dass ihn dies nicht daran hindere, Taufpate zu sein. Daher kam ihm mein Verhalten nicht adäquat vor.

Liebe Priester! Wir wollen uns ehrlich fragen, wie viele Menschen nach der Taufe und der Trauung in unseren Gotteshäusern bleiben? Ungefähr zwei bis fünf Prozent. Ist dies nicht ein Paradox? Dies sind die Paradoxa der modernen Kunstfehler (ich habe keine Angst, es so zu benennen), die von einigen in den Rang eines Dogmas und Kanons erhoben werden. Sie beziehen sich direkt auf das angesprochene Thema und das Ausmaß der Verantwortlichkeit für die Rettung der menschlichen Seelen, nach der uns Christus als oberster Hirte fragen wird. Dieses Problem, das sich uns heute in seiner ganzen Größe stellt, kann man wohl die „Rückkehr der Abtrünnigen" nennen. Es ist viel verbreiteter als das Problem der Katechese vor der Taufe, obwohl es auch damit eng verbunden ist. Das Problem der Rückkehr der Abtrünnigen ist nicht erst heute entstanden; doch erst in unseren Tagen beginnen wir, es so akut wahrzunehmen, da nach 20 Jahren Praxis der spontanen Vollbringung kirchlicher Mysterien (ohne einleitende Vorbereitung) noch kein Wunder geschehen ist: Russland ist nicht orthodox geworden.

Die Hautfrage dieses Problems, die wir ehrlich beantworten sollen, ist: wo gehen die Menschen hin, wenn sie in unsere Gotteshäuser kommen? Gehen sie in Kirchenläden, in Bestattungs- und Taufbüros, in Stellen für spirituelle  Entspannung, in Reservate und Magazine für kirchliche Antiquitäten und heimische Kultur? Oder kommen sie zur Versammlung der Gläubigen im Namen Jesu Christi, um am gemeinsamen Abendmahl teilzunehmen und der Heiligen Sakramente teilhaftig zu werden? Das letztere erweist sich  für den Hauptteil der Kommenden, Vorbeikommenden und Durchkommenden als am wenigstens bedeutend.

In Verbindung mit dem Obengesagten kann als eine der Voraussetzungen der jetzigen geistlichen Krise im Kontext der Rückkehr der Abtrünnigen wohl die Politik der Errichtung des Gemeindelebens innerhalb der Russischen Orthodoxen Kirche genannt werden. Die Frage lautet: nach welchem Prinzip haben sich die Gemeinden der ROK innerhalb der letzten 20 Jahre gebildet? Eine riesige Anzahl der ins kirchliche Leben integrierten Gemeindemitglieder, die diese Frage beantworten, sagen, dass ein Leid oder ein Unglück, das ihnen oder in ihrer Familie geschah, sie ins Gotteshaus gebracht habe. Nicht, dass sie im stürmischen Meer des Lebens oder in hingebend liebenden Gemeindenmitgliedern das Licht des geistlichen Leuchtfeuers erblickt hätten; NEIN! Ich behaupte nicht, dass alle heutigen Gemeindemitglieder auf eben diesem Wege ins Gotteshaus gekommen seien; aber doch sehr viele. Heute, nach vielen Jahren, bleiben sie immer noch irgendwo in der Ecke, ohne in die Probleme und Schwierigkeiten des Gemeindelebens besondere Einsicht zu nehmen, und bringen ihre Betrübnisse und Seufzer zum Thron Gottes. Kurzum, es ist wie im Krankenhaus: „...damit du, einmal zum Arzt gekommen, nicht ungeheilt davongehst..."[2]. So kommen sie also wie ins Krankenhaus. Doch in einem solchen Zustand sind diese Kirchgänger nicht zur Arbeit für das Wohl der Kirche fähig. Sie sind nicht fähig, den Kommenden Licht und Wärme zu geben, da sie selbst danach suchen. Solche Menschen gibt es in unserer Kirche im Übermaß.

Doch wir, die Hirten, wissen, dass dies nur eine der durch die spirituelle Erfahrung begreifbaren Dimensionen der Kirche Christi ist, worauf sie sich aber nicht beschränkt. Aber hat jeder von uns sich Gedanken darüber gemacht, dass eine normale Gemeinde in erster Linie eine Gemeinschaft ist, deren Grundlage die Einheit der Heiligen Dreifaltigkeit ist: „auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, auf daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, daß du mich gesandt hast" (Joh. 17, 21) (d.h.  wenn sie in dieser Gemeinschaft der Liebe sein werden, gleichwie wir eins sind, sagt Christus, dann wird die Welt glauben)? Was ist das für eine Gemeinschaft? Dies ist die Gemeinschaft der Liebe, nicht eine statische Koexistenz der Drei Hypostasen. Die Liebe ist ein absolut praxisbezogenes Ding; und Apostel Johannes der Theologe sprach jenen, die keine Liebe in Taten zeigen, ein für allemal das Recht ab, über die Liebe zu philosophieren, und formulierte ein durchaus praxisbezogenes Kriterium der Liebe: „Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat?" (1. Joh. 4, 20)?

Um nicht in nebulöse Fernen spekulativer Theologie abzugleiten, führe ich ein einfaches Bespiel an. Stellen wir uns einen Menschen vor, der einen der Kurse für moderne Katechese absolviert hat - zum Beispiel in Jekaterinburg, wo nach der letzten Verordnung Seiner Eminenz Vicentius vor der Taufe wenigstens zwölf katechetische Gespräche stattfinden müssen. Nach den farbenreichen Beschreibungen des Gottesdienstes kommt dieser Mensch also ins Gotteshaus und versteht nur zehn Prozent des Geschehens. Nun gut, das ist ein Problem mit der kirchenslawischen Sprache. Er versteht aber das Wichtigste nicht, und zwar: wo ist diese Liebe, die die Katechisten verkündet haben? Wo ist sie in praxi? Auch wenn ihn keine Großmutter mit dem Ellenbogen in die Rippen stößt und niemand auf den Fuß tritt, versteht dieser Mensch nicht, was in der Kirche geschieht, wo die Menschen irgendwelche Körperbewegungen machen, irgendwohin gehen (also zum Kelch) und am Ende schweigsam in eine unbekannte Richtung auseinander gehen. Es entsteht der Eindruck, dass die Liebe irgendwo unter der Kuppel schwebt, wo sie ohne eine spezielle Leiter des Katastrophenministeriums nicht zu erreichen ist...

Doch legt Christus selbst die Einheit der Gemeinde, nach dem Bild seiner Einheit mit dem Vater, als Voraussetzung und Gewähr der Verbreitung des Glaubens fest. Eben so würde ER gerne die Gemeinde sehen: „gleichwie wir eins sind"! Das heißt, die Menschen würden glauben, wenn sie solch eine Gemeinde sähen! Was wäre sie für diese Menschen? Ein Licht im Dunkeln und ein Anker der Rettung. Aber wenn es keine Gemeinde gibt, dann fehlt deutlich das wichtigste Prinzip der Organisation des kirchlichen Gemeindelebens. Dies ist das Prinzip der Einheit des Glaubens und des Lebens in Liebe. Ich darf behaupten: so lange diese Einheit nicht da ist, wird der Großteil der Getauften nach wie vor in unser Gotteshaus wie in ein Büro für rituelle Dienste kommen...

Es gibt ein gefährliches Spiel mit Zahlen. Bei uns im Lande seien 80% der Bevölkerung orthodox, sagen wir. Worin besteht aber ihre Orthodoxie? Vielleicht befinden sie sich bloß auf der Suche nach einer kulturellen Identität? Was ist, wenn sie ihren Morgen nicht mit dem Gebet zu Gott anfangen, sondern mit dem Konsum astrologischer Prognosen? Was, wenn die Lebensart der überwiegenden Mehrheit der getauften Menschen nach wie vor in seinem Wesen heidnisch ist, weit von Gebet und Kommunion entfernt? Vielleicht ist es besser, auf die Aufzählung der Ergebnisse soziologischer Umfragen zur Legitimisierung des Zugangs der Kirche in die Schule zu verzichten, da sie diesen Zugang schon erwirkt hat...

Die Tatsache, dass im „Katechese"-Teil der Standardform des von der Patriarchie vorgeschlagenen jährlichen diözesanen Berichts ein besonderer Akzent auf die Grundlagen der orthodoxen Kultur gelegt wird, spricht deutlich dafür, dass das Problem der Rückkehr der Abtrünnigen weder in einzelnen Diözesen noch in der gesamten Russischen Kirche voll erkannt ist. Und auch Seine Eminenz Mercurius hat in seinen aufmunternden Worten über die obligatorische Katechese vor der Taufe in seinem Programmvortrag auf den 18. Weihnachtlichen Lesungen [2010] nichts über die Rückkehr der Millionen Getauften gesagt, die - verzeihen Sie meine Aufrichtigkeit! - unsere von uns über den Rand des kirchlichen Lebens hinausgeworfenen Heimatgenossen sind.

Man sollte es kaum für möglich halten, dass die ersten, die uns auf das Problem der Rückkehr der Abtrünnigen in die Kirche aufmerksam gemacht haben, die Anglikaner waren. Sie waren diejenigen, die 2006 auf der All-Kirchlichen Missionarischen Konferenz in Moskau uns, den orthodoxen Missionaren, ihre Erfahrung mit dem berühmten „Alpha-Kurs" mitgeteilt haben. Ich habe keine große Lust, an diese traurigen Tage zu erinnern. Als ein offener Gegner dieses protestantischen Projekts mit seinen unverzichtbaren „Wochenenden mit dem Heiligen Geist" kann ich sagen, dass ich nur in einigen Details dieses Kurses, die aus der Praxis der frühchristlichen Gemeinden entnommen sind, Licht am Ende des Tunnels des Problems der Rückkehr der Abtrünnigen gesehen habe. Da es größtenteils um die Katechese geht, die sich in diesem Falle auf die Rückkehr der Abtrünnigen von der Kirche richtet, möchte ich auf die Hauptnachteile hinweisen, die fast alle modernen Projekte zur Wiederbelebung der Katechese als solcher prägen.

Die Mangelhaftigkeit der modernen Katechese besteht darin, dass sie auf die Wiedergabe von Informationen aus der Heiligen Überlieferung der Kirche beruht. Diese Kenntnisse können sich moderne Menschen kaum vollwertig aneignen, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Der Sprechende, also der Katechist, muss aus eigener Erfahrung sprechen (was in unseren Gotteshäusern selten ist), sonst erhält das Arbeiter-und-Bauern-Auditorium eine mehr oder weniger schlecht gehaltene Vorlesung „zum Abendessen" als etwas ermüdende Bedingung für den Einlass zur Taufe.

2. Es fehlen die Voraussetzungen zum Erleben der Wahrheiten des Glaubens durch die Hörer selbst:
a) es fehlt am Dialog;
b) es besteht eine Fremdheit der Hörer in Bezug auf das Leben der Gemeinde mit allen ihren Freuden und Kümmernissen.

Am Ausgang haben wir die ermüdeten Gesichter der Taufpaten und der Eltern, die eine Vorlesung hinter sich haben. Aber das Unangenehmste ist, dass nach so einem Gespräch, allen möglichen Erklärungen während der Taufe und der ermahnenden Predigt nach der Eingliederung in die Kirche alle Anwesenden verschwinden... bis in der Familien Katastrophen ausbrechen oder das Kind schwer krank wird, oder bis zur Trauung und schließlich Bestattung nach dem orthodoxen Ritus. Das bedeutet, dass alles Geschehen an den Herzen vorbeiging...

Um solche Missverständnissen zu vermeiden, wäre es angezeigt, einen verantwortungsvollen Dienst der Katechese zur Rückkehr der Abtrünnigen vom Gemeindeleben aufzubauen, in Kombination mit:
- dem gemeinsamen Essen;
- einem kommunikativen Dialog, der mit der Mittelung der Wahrheit des Glaubens und eventuell sogar der gesamten Freizeitaktivitäten einhergehen kann und muss;
- der Einbeziehung in einfache Arbeiten im Gotteshaus oder im Kirchhof, z.B. die Essensvorbereitung, Vorbereitung des Baptisteriums und anderer Dienste.

Solch eine Katechese kann und soll am Ende eine aufrichtige Buße für das Leben, das ohne Gott gelebt wurde, und den ersten bewussten Empfang der Kommunion zur Folge haben!

In diesem Falle geht es nicht um ein blindes Kopieren protestantischer Muster des Gemeindelebens, sondern um die Wiedererrichtung des geistlichen Lebens der Gemeinde in der Richtung der orthodoxen Tradition. Ohne den Beistand eines erfahrenden Beichtvaters wird es sicherlich nicht gehen - doch dies wäre schon das Thema für ein anderes Gespräch.

Das Wichtigste heute sind die Menschen! Die Menschen, die von uns getauft worden sind, ohne auf das Leben im Schoß der Kirche vorbereitet gewesen zu sein, müssen sehen, dass sie erwünscht sind - so, wie ein Kind von seinen Eltern erwünscht ist, die es einfach dafür lieben, dass es existiert. Und wenn der Mensch erst verstanden hat, dass er nicht nach seiner Geldbörse oder seiner Eigentumswohnung angesehen wird, wie es in manchen Sekten der Fall ist, sondern weil er durch Gott als Mensch erschaffen ist und geliebt werden kann, beginnt die wahre Erweckung.



[1] Ein Ausdruck der Demut, der auf das Gebet  vor der Heiligen Kommunion zurück geht (vgl.: Ich glaube, Herr, und bekenne, daß Du wahrhaftig bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der in die Welt gekommen ist, die Sünder zu erlösen, von welchen ich der erste bin.). (Anm.d.Ü.)

[2] Aus der Ermahnung an den Beichtenden (s. Ordnung der Beichte). (Anm.d.Ü.)

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