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Goldener Fonds

Änderung der Einstellung gegenüber dem Tod als Kriterium der Integration ins kirchliche Leben

20. Mai 2010
Die Integration ins kirchliche Leben ist mit der persönlichen Einstellung gegenüber dem Tod eng verbunden. Heiden, Juden zur Zeit des Alten Testaments und Christen nahmen den Austritt aus dem irdischen Leben unterschiedlich an. Bei vielen Völkern sind Begriffe, die mit dem Ableben verbunden sind, weitgehend tabuisiert. Über die Veränderung der Wahrnehmung des Todes infolge der Integration ins kirchliche Leben schreibt Natalya Adamenko.

Die Integration ins kirchliche Leben, d.h. die Aneignung und Aktualisierung der Ganzheitlichkeit der kirchlichen Tradition, ist Zweck der Katechese, dieser „konsequenten, vollständigen mündlichen und persönlichen Unterweisung (…) von Menschen und ihrer Unterrichtung in den Grundlagen des christlichen Glaubens und Lebens“[1, S.3]. Die Integration ins kirchliche Leben als geistig-spiritueller Weg, als Vorgang der Veränderung des gesamten Lebens des Menschen, der in die Kirche kommt, dauert eine gewisse Zeit – von der Entstehung des Wunsches, sich ins kirchliche Leben zu integrieren (die Taufe zu empfangen) bis zum Beginn seines selbstständigen Weges und des Dienstes mittels der Gabe, die er erhielt. Das Ausmaß der Integration ins kirchliche Leben bedeutet weniger qualitative Veränderungen („vorher ging ich selten in die Kirche, jetzt aber häufig; vorher betete ich wenig, jetzt aber viel“ usw.), sondern qualitative. Die Integration ins kirchliche Leben bedingt eine Veränderung der Einstellung gegenüber allen Realien des Lebens im Lichte der kirchlichen Tradition; eine Umbesinnung der gesamten Lebenserfahrung nach der Begegnung mit dem lebendigen Gott in Christo. Das ist „Christum anziehen“ (Gal 3,27) und der Erwerb von „Christi Sinn“ (1 Kor 2,16), von dem der Apostel Paulus schreibt. Es ist das Ergebnis der ganzheitlichen Buße, der Veränderung des Geistes, der Denkweise und des Lebens des Menschen, wie sie für den Eintritt in die Kirche notwendig ist. „Buße muss ganzheitlich sein – die wirkliche Veränderung des ganzen Innenlebens des Menschen, der in die Kirche eintreten möchte. Diese innerliche Umstellung muss auch im äußeren Leben ihren Ausdruck finden. Die Taufe markiert die Grenze, die den alten Menschen vom neuen, in der Kirche geborenen, trennt. Buße als Bedingung für die Aufnahme in die Kirche äußert sich nicht nur im Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit, sondern auch als wirklicher Verzicht auf das vorige sündige Leben“ [2, S.66].

Das Heidentum, in dem der Mensch vor seiner Bekehrung lebte, durchdringt das ganze Leben. Das sind sowohl Gewohnheiten, die sich seit der Kindheit bildeten, als auch Denkweise und Lebensart. Ein Heide als Katechumene muss sich die gesamte Heilsgeschichte zu Eigen machen, mit Gott ein persönliches Gebot schließen, ins Volk Gottes eintreten, d.h. ein Kind Abrahams werden – nicht leiblich, sondern geistig-spirituell. „Für Heiden muss der Glauben an die Heilsordnung Gottes der Buße vorangehen. Aufgrund dieses Glaubens müssen sie im gewissen Maße Juden ähnlich sein. Dieser Glaube müsste dann in ihnen die Buße und den Glauben an Christus wecken.“ [2, S.65]

Kern des christlichen Glaubens und Zentrum der apostolischen Predigt ist der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi, des Sohnes Gottes. „Christentum ist vor allem der Glaube daran, dass Christus nicht im Sarg geblieben ist, sondern dass aus dem Tod das Leben erstrahlte, und dass in der Auferstehung Christi von den Toten das absolute, all-umfassende Gesetz des Sterbens und des Todes, das keine Ausnahmen geduldet hatte, von innen gesprengt und überwunden wurde“. Und: „diejenigen, die sich zum Christentum bekehren, bekehren sich nicht zu bestimmten Ideen oder Prinzipien, sondern nehmen diesen Glauben an die Auferstehung, diese Erfahrung, dieses Erkennen des auferstandenen Lehrers an. Mehr noch: mit diesem Glauben empfangen sie den Glauben an die allgemeine Auferstehung, und das heißt, an die Überwindung, die Zerstörung, die Vernichtung durch den Tod als letztes Ziel der Welt“ [3, S.79f]. Eine Folge der Annahme dieses Glaubens ist ein neues Verständnis des Todes und eine neue Einstellung ihm gegenüber, die sich von gängigen religiösen Vorstellungen unterscheidet und in gewissem Sinne ihnen diametral gegenübersteht. Diese neue christliche Einstellung gegenüber dem Tod ist eines der Kriterien der Integration des neuen Kirchenmitglieds ins kirchliche Leben. Sie kann zur Bewertung der Vollständigkeit und der Qualität der durchzuführenden Katechese dienen.

 

Haupttypen der Einstellung gegenüber dem Tod

Eine Klassifikation der verschiedenen Einstellungen gegenüber dem Tod stellt eine gewisse Schwierigkeit dar, denn im Grunde genommen gibt es so viele verschiedene Einstellungen wie Menschen. Die Einstellung gegenüber dem Tod ist eine zutiefst persönliche Sache. Jeder Mensch bestimmt sich in dieser Hinsicht selbst. Niemand kann für einen anderen Menschen entscheiden, was der Tod für ihn sei, vor allem, weil sich die Einstellung gegenüber dem Tod als Teil des Weltanschauungssystems eines jedes Menschen im Laufe des Lebens verändern kann. Deshalb ist die hier angebotene Unterteilung für Einstellungen gegenüber dem Tod in drei Typen konventionell. Andererseits scheint es anhand der in der Bibel dargelegten Heilsgeschichte sinnvoll zu behaupten, dass ein Heide, ein alttestamentlicher Jude und ein Christ unterschiedliche Weltanschauungen und deshalb auch unterschiedliche Einstellungen gegenüber dem Tod haben.

 

Die heidnische Einstellung gegenüber dem Tod

Grundlegend für das Verständnis der heidnischen Vorstellungen über den Tod „ist der Satz, dass es bei Heiden keinen Tod in unserem Verständnis gibt“ [4, S.11]. Im statischen Weltbild des Heiden, in der zyklischen Zeit, wo alles sich wiederholt, wird der Tod lediglich als Übergang, als Ende des einen Lebenszyklus und der Beginn eines anderen angesehen. „Das Verständnis des Todes als Geburt in ein neues Leben ist vielen Völkern zu eigen. Generell wird der Tod überall als Wirkung des Überganges in einen neuen Zustand betrachtet (in der Wissenschaft werden die mit dem Tod verbundenen Riten dementsprechend als Übergangsriten angesehen)“ [5, S.213]. Zu den Übergangsbräuchen (bzw. Übergangsritualen) zählen auch Geburt, Initiation, Eheschließung, Inthronisation [6, S.18; 7, S.31f]. Im Heidentum wird der Tod nicht als katastrophal und unumkehrbar wahrgenommen. Er ist in die Struktur dieser Welt eingeschrieben und wird als natürlicher und notwendiger Teil des Lebens wahrgenommen, der nötig und manchmal erwünscht ist, wie ein unaufhebbares Naturgesetz. Alles hat sein Ende, auch das menschliche Leben. „Der Gedanke, dass sie (die Welt – N.A.) in dem Bösen liegt‘, oder dass darin etwas zerrüttet ist, hätte sowohl einem Ägypter als auch einem Sumerer blasphemisch vorkommen müssen. Geste und Kleidung, Brauch und Talismane, Essen und Werkzeuge, Handwerk und Landwirtschaft – all dies war ebenso ewig und unveränderlich wie die sich wiederholenden Überschwemmungen des Flusses, der an einem unbekannten Ort entsprang; wie die Wiederauferstehung der Natur im Frühling; wie die Wiederkehr der Gestirne am Himmel. Alles war vorbestimmt, alles bereits beendet. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft verschmolzen in eins. Einzige Aufgabe des Menschen war es, in diesen Fluss einzumünden, denn darin bestand seine Pflicht, sein Heil und sein Wohlstand auf Erden“ [8, S.66].

Außerdem wird der Tod im Heidentum häufig als Befreiung vom Bösen und Übergang in eine andere, bessere, helle Welt angesehen. „Diese Ansicht wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geäußert und erreichte ihren Hohepunkt bei Platon, welcher lehrte, dass das wahre Glück erst jenseits des Sarges beginne… Da der Mensch auf Erden von allen Seiten auf Hindernisse stoße, locke ihn die Außerwelt als das selige Reich des Lichtes, wo der Geist grenzenlose Macht und Freiheit erlange. Deshalb wurde geglaubt, dass der Tod nicht nur eine natürliche Tatsache sei, sondern auch das begehrenswerte Ende der irdischen Irrfahrt und der fröhliche Übergang in die Ewigkeit.“ [9, S.174]

Auch wenn der Tod für Heiden im Allgemeinen als natürliche Erscheinung wahrgenommen wird, wird sein Ursprung interessanterweise häufig als Verletzung der ursprünglichen Ordnung der Dinge angesehen. Nach den Mythen vieler Völker habe der Tod ursprünglich nicht existiert. Er sei später in die Welt gekommen, auf besondere Weise. Carl Clemen unterteilt die Ursachen für die Entstehung des Todes in den ihm bekannten Mythen in zwei große Gruppen – ohne Menschenschuld (durch das Verschulden von Tieren, durch Unachtsamkeit oder durch die Bosheit eines Gottes, durch eine ungünstige Verkettung der Umstände usw.) und durch das Verschulden des Menschen (durch Nachlässigkeit, durch Auseinandersetzung oder Streit zwischen zwei Menschen, durch Verletzung eines der Gebote Gottes usw.). Häufig wird die Entstehung des Todes durch die Verletzung eines bestimmten Speiseverbotes erklärt(so auch in der Bibel), auch bei weit voneinander entfernt lebenden Völkern. Diese Tatsache führt der Autor auf die besondere Bedeutung des Nahrungstabus zurück. Der Urmensch glaubte ja, dass die Benutzung vieler tabuisierter Dinge gefahrvoll sei. Daher könnte umgekehrt leicht die Vorstellung entstehen, dass der Tod wegen der Missachtung solcher Tabus entstanden sein müsse. [10, S.30-33]

Bekannt ist auch die heidnische Vorstellung von Leben und Tod als ewiger Kreislauf von Reinkarnationen. Die Weltanschauung der frühen Indoeuropäer beruhte auf der Idee von der Unsterblichkeit des Lebenselements und zahlreichen Reinkarnationen, die zur Vervollkommnung und Erreichung höherer Seinsformen führen sollten. Das Motiv der unablässigen Metamorphosen findet sich in den ältesten indoeuropäischen Mythen – den (indischen) Veden und der (iranischen) Awesta, sowie auch im (nicht-indoeuropäischen) altägyptischen „Totenbuch. Laut Herodot „waren es die Ägypter, die sich zuerst zu der Lehre äußerten, die besagt, dass die Seele unsterblich sei und dass, wenn der physische Körper zerfällt, die Seele in ein anderes Lebewesen eingehe, welches in diesem Augenblick bereit und geeignet dazu sei. Nachdem sie (die Seele) durch alle festen, flüssigen und luftförmigen Lebensformen hindurchgegangen sei, bekleide sie sich von Neuem mit dem Körper eines Menschen, der für sie bereit ist. Diese Wanderung oder Transmigration macht sie etwa 3000 Jahre hindurch.“ [11, S.145 (Buch XI, „Euterpe“, 123) ]. Diese Lehre sollen z.T. auch die Griechen von der archaischen Zeit bis kurz von Herodot, übernommen haben. Solche Entsprechungen gibt es auch in der slawischen Volkstradition. „Ein Vergleich zwischen diesen und den Materialien der alten und der modernen Völker zeigt, dass derartige Anschauungen für die heidnische Weltwahrnehmung typisch sind.“ [4, S.14]

Für das Heidentum ist die archaische Vorstellung über den „eigenen“ (reinen) und den „nicht eigenen“ (unreinen) Tod charakteristisch. Dabei gilt die Art und Weise des Ablebens eines Menschen als Kriterium, nicht seine moralischen Eigenschaften. Tod durch Alter ist „eigen“; der plötzliche oder gewaltsame Tod ist „nicht eigen“. Diese Vorstellung ist mit dem Glauben daran verbunden, dass jedem Menschen ein bestimmter Anteil an der allgemeinen Lebenskraft zukommt. Die unverbrauchte Lebenskraft desjenigen, der vor seiner Zeit starb, ist für die Lebenden potentiell todbringend [6, S.43; 7, S.39-51; 10, S.110-116]. „Diejenige, die durch ‚eigenen Tod‘ starben, wurde als Ahnen verehrt. Dagegen wurden diejenigen, die durch einen ‚nicht eigenen‘ Tod starben, als dämonische Wesen gemieden“ [7, S.29]. Da diese Welt in sich abgeschlossen ist, gibt es darin keine neuen Quellen von Energie und Lebenskraft. Deswegen verletzt ein Tod „vor der Zeit“ (oder „nach der Zeit“) die ursprüngliche Weltharmonie und kann den Lebenden Schaden bringen. Um diesem vorzubeugen, gibt es spezielle Schutzrituale. [4, S.295]

Das Heidentum ist geprägt durch die räumliche Teilung der Welt in „Lebensreich“ und „Todesreich“, die streng voneinander abgegrenzt sein müssen. Zum Beispiel gehört das Zuhause zum Lebensreich und der Friedhof zum Todesreich. Ein kompliziertes Bestattungsritual muss das Gleichgewicht wiederherstellen, das durch den Einbruch des Todes ins Zuhause verletzt wurde; den Tod mitsamt dem Toten heraustragen, ihn in seinen „legitimen“ Raum zurückbringen und dort „verbergen“ (begraben, bestatten, Abschied nehmen) [7, S.23, 73]. Der Tod ist schrecklich und gefährlich, so wie auch die Seelen der Toten, die nicht unter Einhaltung aller, auch der geringsten, traditionellen Rituale bestattet wurden. Eventuell erklärt diese Angst die praktisch überall geltende Tabuisierung aller Wörter, die mit Tod, Sterben und postmortalem Zustand des Menschen verbunden sind. „Diese Tendenz zur Verbergung und Verheimlichung verbreitet sich nicht nur auf die Namen, sondern auf den Fakt des Todes selbst. So funktioniert das ganze Ritual der Vernichtung des realen Todes durch den rituellen Tod bzw. die „Verbergung des Gestorbenen“. [7, S.23] Charakteristisch ist auch die Vermeidung von Gesprächen über den Tod. Auch Ethnographen, die Materialien zu Bestattungsbräuchen sammeln, stoßen dort auf Schwierigkeiten. Ein Gespräch über den Tod ist „für die Informanten das unerwünschteste Gesprächsthema. Direkt schlagen sie vor: ‚Komm, ich erzähle lieber von einer Hochzeit!‘“ [7, S.152] Es wird sogar vermieden, Wörter wie „Tod“, „gestorben“, „Toter“ auszusprechen. Stattdessen werden z.T. rätselhafte Metapher benutzt, wie „krepieren“, „das Zeitliche segnen“, „ins Gras beißen“ usw. [7, S.23]

Prägend für das Heidentum ist die Vorstellung von der Unpersönlichkeit und Namenlosigkeit der Gestorbenen im Jenseits. Meist werden sie, undifferenziert nach Geschlecht und Alter, im Plural bezeichnet, als Ahnen, Eltern, Geister, Großväter und Urgroßväter usw. Die „Geister“ der Verstorbenen verschmelzen häufig mit verschiedenen kosmischen „Kräften“ oder auch mit dämonischen Wesen, die häufig schaden bringen [7, S.33, 128, 151]. In der heidnischen Welt ist der Glaube weit verbreitet, Verstorbene seien höhere Wesen und könnten alle möglichen Geheimnisse lüften. „Man glaubt, dass Verstorbene, da sie in vergangenen Zeiten lebten, die Vergangenheit kennen und im Gedächtnis behalten haben, was von den Lebenden bereits vergessen wurde. Zugleich existiert auch der Glaube, dass sie die Zukunft verkünden könnten… Am häufigsten werden solche Offenbarungen, die im Schlafen oder im Wachzustand erlebt werden könnten, von einem frei schwebenden Totengeist erwartet, der durch Beschwörungen angerufen wird“ [10, S.123f]. Der Totenkult steht im Mittelpunkt des Glaubens z.B. bei Polynesiern und Melanesiern, bei einigen afrikanischen Völkern und den Ainu in Japan. Der Ahnenkult spielt eine Schlüsselrolle imShintō, im Konfuzianismus und im Hinduismus.  Im Alten Ägypten war der Totenkult (besonders um die Pharaonen) ebenfalls hoch entwickelt. Bei den Semiten wurden ursprünglich nur verstorbene Könige und Stammesväter als Götter verehrt, und dies auch nur, wenn sie bereits zu Lebzeiten als Götter angesehen worden waren. [10, S.125f]

Auch bei den alten Slawen gab es einen Ahnenkult. Sie glaubten, diese würden „die Geheimnisse der Verbindung mit den höchsten Kräften der himmlischen, irdischen und unterirdischen Welt und dadurch auch die Naturelemente beherrschen, d.h. ständig und vielseitig das irdische Leben beeinflussen“. [4, S.8] „Laut des Weltbildes des modernen Menschen verschwindet ein Verstorbener aus der Welt der Lebenden völlig und unwiederbringlich, Er wirkt nicht mehr als selbständiges Subjekt. Das Weltbild eines Menschen in einer archaischen Kultur ist aber anders. So spielten die Totenseelen hier eine wesentlich größere Rolle. Die Trennung von den Verstorbenen war nicht so endgültig. Im gewissen Sinne blieb der Verstorbene unten den Lebenden.“ [5, S.230] Man versuchte, es den Ahnen durch Opferungen gefällig zu machen, „besuchte“ sie (also ihre Gräber) und bat um Hilfe und Schutz (diese Rituale können noch heute auf Friedhöfen beobachtet werden). Vor allem übernahmen die Ahnengeister Schutzfunktion – sie behüteten vor bösen Geistern, schützten die Heimatsiedlung vor Feinden, bewahrten ihre Nachkommen im Krieg und sorgten für die Fruchtbarkeit der Erde.

Die heidnische Einstellung zum Tod ist also durch dessen Verständnis als Übergang zu einer neuen Existenzform, zu neuem Leben geprägt. Der Tod (insbesondere der „eigene“) ist natürlich und notwendig. Auch wenn seine Herkunft geheimnisvoll ist und er häufig die Harmonie und eine gewisse Ordnung im Leben zerstört, ist er ist ein Teil dieser Welt. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts und der Rückkehr des Todes an seine „legitime“ Stelle bedarf eines Bestattungsrituals. Bei der Bestattung ist es sehr wichtig, das Ritual genau einzuhalten. Bei Nicht-Einhaltung droht Gefahr, sowohl für die Lebenden als auch für den Geist des Toten. Die verstorbenen Ahnen könnten den Gang der irdischen Geschicke ihrer Nachkommen und die Naturkräfte beeinflussen, sie könnten helfen oder auch schaden. Im Allgemeinen ist diese Einstellung gegenüber dem Tod durch Furcht und Unwillen, über dieses Thema zu sprechen, sowie Tabuisierung charakterisiert.

 

Die alttestamentliche Vorstellung über den Tod

Das alttestamentliche Bild vom Tod ist die Vorstellung der alten Juden von der Natur des Menschen als ganzheitlichem Wesen, geschaffen von Gott in der Einheit von Geist und Fleisch (des beseelten Leibes).  Der Tod steht für Trennung, Zerfall, Verletzung der Ganzheitlichkeit und Zerstörung des Menschen. „Wenn die Verbindung zwischen Geist und Fleisch zerstört wird, geht der Mensch, nach Meinung der Juden, faktisch verloren.“ [8, S.150] Nach der Bibel „erweist sich der Tod im Endeffekt als Zeichen der Unvollkommenheit des Geschöpfes; als Frucht der Sünde, eine fatale Krankheit, die dem schöpferischen Ziel des Weltbaus zuwiderläuft. Der Niedergang eines jeden Wesens ist ein Riss im Kosmos und ein Sieg des Chaos über die Menschen. Ein Mensch, denkend und fühlend, verwandelt sich in einen Leichnam, in einen Haufen verwesender Materie. Was kann abstoßender und fürchterlicher sein? Es ist der Triumph der Zerstörung und der Kraftlosigkeit des Geistes; unerträgliche Hässlichkeit, Schändung des gottähnlichen Wesens.“ [8, S.174f] Der Mensch, der den Tod als feindliche Kraft erkennt, gibt ihm instinktiv eine Ausgestaltung und personifiziert ihn. So gibt es in der Schrift das Bild des Todes als eines Hirten, der Verstorbene in der Unterwelt weidet (Ps 49,15); das Bild des Engels des Verderbens, der die Rache Gottes an den Ägyptern (Ex 12:23), Israeliten (2 Sam 24,16) und Assyrern (2 Kön 19,35) erfüllt; das Bild des Wortes Gottes, das die Feinde Gottes vernichtet (Weish 18,15). Der Tod wird als aggressive Kraft der Unterwelt dargestellt, die in der hiesigen Welt wirkt. Er „ ist durch unsere Fenster gestiegen, er ist in unsere Paläste gekommen, um das Kind auszurotten von der Gasse, die Jünglinge von den Straßen (Jer 9,21). Er reißt den Menschen fort, versklavt und bringt ihn in die Unterwelt. „ Es umfingen mich die Bande des Todes, und die Ströme Belials erschreckten mich; die Bande des Scheols umringten mich, es ereilten mich die Fallstricke des Todes “ (Ps 18,5-6). Das ganze Leben des Menschen sei ein unablässiger Kampf mit dem Tod, in dem der Tod stets obsiegt.

Laut dem Alten Testament wurde die Entstehung des Todes durch die Sünde des Menschen verursacht. Der Tod kam in die Welt und beherrschte sie wegen des Sündenfalls Adams (Gen 2,17; 3,19). Doch hat „Gott den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden…“ (Weish 1,13), „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören“ (Weish 2,23-24). Die Anwesenheit des Todes in dieser Welt und seine Macht über alle Lebenden ist ein Zeichen der Anwesenheit der Sünde, die den Menschen von Gott trennt: „ Denn siehe, es werden umkommen, die dir ferne sind; du vertilgst alle, die buhlerisch von dir abweichen“ (Ps 72,27). Dieser alttestamentliche Begriff der Sünde als Ungehorsam, Widerstand gegen Gott und Streben nach eigenem Willen ist einzigartig. Im Heidentum fehlt schon der Begriff der Ursünde; dort gibt es lediglich Rituale, die notwendigerweise streng erfüllt werden müssen, um sich eines glücklichen Lebens zu versichern, den Zorn der Götter zu vermeiden und generell in dieser Welt, die eigentlich nicht schlecht ist, gut zu leben. Als „Sünde“ gilt im Heidentum lediglich die Verletzung ritueller Vorschriften und/oder ihre fehlerhafte Ausführung, was durch ein weiteres Ritual oder ein Opfer für die Götter wiedergutgemacht werden kann. Buße als Lebensänderung ist dazu nicht erforderlich.

Die Sünde gebiert den Tod; sie ist der Weg dorthin. „… so gereicht es dem, der Bösem nachjagt, zu seinem Tode“ (Spr 11,19). Die Häuser der Huren „sind Wege zum Scheol, die hinabführen zu den Kammern des Todes“ (Spr 7,27), weil „dort die Schatten sind, in den Tiefen des Scheols ihre Geladenen“ (Spr 9,18).  „Darum  sperrt der Scheol weit auf seinen Schlund und reißt seinen Rachen auf ohne Maß“ (Jes 5,14), um die Sünder zu verschlingen. So verschluckte die Erde Korah, Dathan und Abiram, die gegen Mose und Aaron aufgestanden waren, wortwörtlich: „… da spaltete sich der Erdboden, der unter ihnen war, und die Erde tat ihren Mund auf und verschlang sie und ihre Familien und alle Menschen, die Korah angehörten, und die ganze Habe. Und sie fuhren, sie und alles, was ihnen angehörte, lebendig in den Scheol hinab; und die Erde bedeckte sie, und sie wurden mitten aus der Versammlung vertilgt (Num 16,31-33). Indem der Mensch eine Sünde begeht, zieht er selbst den Tod auf sich: „ Jagt nicht dem Tod nach in den Irrungen eures Lebens und zieht nicht durch euer Handeln das Verderben herbei!“ (Weish 1,12). Der Mensch schließt mit ihm sogar einen Bund: „Die Ungerechtigkeit bringt den Tod bei. Die Frevler aber holen winkend und rufend den Tod herbei und sehnen sich nach ihm wie nach einem Freund; sie schließen einen Bund mit ihm, weil sie es verdienen, ihm zu gehören“ (Weish1:15-16). Das Gesetz, berufen, das Leben vor dem aggressiven Tod zu schützen, soll die Sünde einschränken, wenn auch auf radikale Weise, etwa durch Todesstrafe. Die Sünde ist gefährlich wie eine ansteckende Krankheit. Wird sie nicht eingedämmt, breitet sie sich aus und vermehrt sich und verdirbt dabei immer mehr Menschen. Alle schweren Sünden (Todsünden), die im Gesetz aufgelistet sind, führen zum Bruch des Bundes mit Gott, der die Quelle des Lebens ist, und folglich zur Verminderung des Lebens. Im Übrigen soll der Sünder wegen seiner Sünde sterben, und nicht, weil sein Tod Gott gefiele. „Denn ich habe kein Gefallen am Tode des Sterbenden, spricht der Herr, Jahwe. So kehret um und lebet!“ (Hes 18,32). Gott zieht es vor, dass der Sünder umkehrt und sein Leben bewahrt: „Wenn ich aber zu dem Gesetzlosen spreche: Du sollst gewisslich sterben; und er kehrt von seiner Sünde um und übt Recht und Gerechtigkeit (…) in den Satzungen des Lebens wandelt, ohne unrecht zu tun, so soll er gewisslich leben, er soll nicht sterben; aller seiner Sünden, die er begangen hat, soll ihm nicht gedacht werden; Recht und Gerechtigkeit hat er geübt: Er soll gewisslich leben“ (Hes 33,14-16). In einem solchen Falle ist die prophetische Predigt als Aufruf zur Umkehr immens wichtig. Durch die Propheten versucht Gott, sowohl sein Volk als auch jeden einzelnen Menschen vor dem Tod zu erretten. So spricht Gott zum Propheten Hesekiel: „ Menschensohn, ich habe dich dem Hause Israel zum Wächter gesetzt; und du sollst das Wort aus meinem Munde hören und sie von meinetwegen warnen (Hes 3,17).

Der Tod ist ein natürliches Schicksal. Wie ist aber der Tod von Unschuldigen zu erklären? Kann der Tod von Kindern und Enkeln eine Strafe für die Sünden der Eltern sein? Solche Anschauungen gab es im Volk Gottes: „ Und warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt, um uns an diesen bösen Ort zu bringen? Es ist kein Ort der Aussaat und der Feigenbäume und der Weinstöcke und der Granatbäume, und kein Wasser ist da zu trinken.“ (Num 20,5) „ich, Jahwe, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Ungerechtigkeit der Väter heimsucht an den Kindern, am dritten und am vierten Gliede derer, die mich hassen“ (Ex 20,5), — und „der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs hält er für schuldlos den Schuldigen, der die Ungerechtigkeit der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern (Ex 34,7; s auch Num 14,18; Ps 109,13-16; Jer 32,18; Nah 1,2-3). Ein Beispiel ist der Fall König Davids; nachdem David durch Unzucht und Mord gesündigt und nach der Entlarvung durch Nathan den Propheten gebüßt hatte, starb sein Sohn: Da sprach David zu Nathan: Ich habe gegen Jahwe gesündigt. Und Nathan sprach zu David: So hat auch Jahwe deine Sünde hinweggetan, du wirst nicht sterben. Nur weil du den Feinden Jahwes durch diese Sache Anlass zur Lästerung gegeben hast, so soll auch der Sohn, der dir geboren ist, gewisslich sterben“ (2 Sam 12,13-14). Auch eine gebüßte Sünde verlangt nach Strafe, nach Vergeltung. Dies ist eine Offenbarung über Gott den Richter – natürlich in einem Maße, in dem der sündige Mensch sie wahrnehmen kann. Strafe ist etwas, das zu verstehen hilft, dass die Sünde mit der Heiligkeit Gottes unverträglich ist. Je näher zu Gott derjenige steht, der die Sünde begeht, desto furchtbarer ist die Strafe. Und die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen ein jeder seine Räucherpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten fremdes Feuer vor Jahwe dar, das er ihnen nicht geboten hatte. Da ging Feuer von Jahwe aus und verzehrte sie, und sie starben vor Jahwe. Und Mose sprach zu Aaron: Dies ist es, was Jahwe geredet hat, indem er sprach: In denen, die mir nahen, will ich geheiligt, und vor dem ganzen Volke will ich verherrlicht werden. Und Aaron schwieg“ (Lev 10,1-3). So kommt der Tod durch die Sünde in die Welt: als Strafe und Vergeltung für die Sünde.

Diese Einstellung birgt die Gefahr der Verantwortungslosigkeit; denn wenn die Menschen tatsächlich für die Sünden ihrer Vorfahren Strafen erleiden, welchen Sinn hätte dann die Umkehr, die Buße und die Berichtigung des Lebens? Wir leiden für die Sünden der Väter, und unsere Kinder leiden für unsere Sünden usw. „ Die Väter essen Herlinge, und die Zähne der Söhne werden stumpf “, sagten die Juden nach Belagerung und Fall Jerusalems, der Zerstörung des Tempels und der Vertreibung (Hes 18,2). Das bedeutete: „Wir können nichts dafür – es waren unsere Väter, die gesündigt haben.“ Doch spricht der Herr durch den Propheten: „…  wie die Seele des Vaters, so auch die Seele des Sohnes: Sie sind mein; die Seele, welche sündigt, die soll sterben“ (Hes 18,4). D.h., jeder ist für sich selbst verantwortlich; jeder trägt die persönliche Verantwortung vor Gott für seine Werke (Hes 18,5ff). Der unfromme Sohn eines Gerechten wird sterben; aber der gerechte Sohn eines unfrommen Vaters und ein Ungerechter, der Buße tut, werden leben.

Wie werden aber Gerechte leben, wenn der Tod alle wegrafft, sowohl Gerechte, als auch Sündige? Vollkommen bin ich; nicht kümmert mich meine Seele, ich verachte mein Leben; es ist eins! Darum sage ich: Den Vollkommenen und den Gesetzlosen vernichtet er“ (Hiob 9,21-22) und „ ein und dasselbe Geschick trifft den Gesetzestreuen und den Gesetzesbrecher, den Guten, den Reinen und den Unreinen, den Opfernden und den, der nicht opfert. Dem Guten ergeht es wie dem Sünder, dem Schwörenden ebenso wie dem, der den Schwur scheut. Das ist das Schlimme an allem, was unter der Sonne getan wurde, dass alle dann ein und dasselbe Geschick trifft und dass in den Menschen überdies die Lust zum Bösen wächst und Verblendung ihren Geist erfasst, während sie leben und danach, wenn sie zu den Toten müssen“ (Koh 9,2-3). Gibt es in dieser Situation wenigstens für Gerechte eine Hoffnung auf die Befreiung vom Tode? Und wieder spricht Gott durch seinen Prophet über das eschatologische Reich, in dem der Tod auf immer vernichtet wird: „d en Tod verschlingt er auf ewig; und der Herr, Jahwe, wird die Tränen abwischen von jedem Angesicht“ (Jes 25,8).

Die alttestamentliche Offenbarung über die Auferstehung des Fleisches ist einzigartig. Sie unterscheidet sich von der heidnischen Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele (bzw. des Geistes) des Menschen als Lebenselement. Im griechischen Verständnis hat die Seele eines Menschen, ihrer Natur nach unvergänglich, direkt nach dem Tod teil an der göttlichen Unsterblichkeit, die sie von den Fesseln des Leibes befreit. Im biblischen Verständnis ist die menschliche Persönlichkeit wegen ihres sündigen Zustands  zur Gänze verdammt, der Macht des Todes anheimzufallen. Die Seele wird zur Gefangenen des Scheols, während der Leib im Grab verwest. Doch gibt es einen Übergangszustand, aus dem der Mensch, durch die besondere Gnade Gottes, lebendig auferstehen kann, so wie vom Erdboden, auf dem er gelegen hat, oder nach dem Schlafen aufsteht. [12, S.176]

Der Gott Israels ist nicht nur der Herrscher der ganze Welt, sondern auch über Leben und Tod. Er „ tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol hinab und führt herauf “ (1 Sam 2,6; Dtn 32,39). Er herrscht auch über die Unterwelt, den Scheol. (Am 9,2; Ps 138,8) Die Rückkehr zum Leben ist das Ergebnis einer Umkehr und Buße. „ Kommt und lasst uns zu Jahwe umkehren; denn er (…) wird uns nach zwei Tagen wieder beleben, am dritten Tage uns aufrichten; und so werden wir vor seinem Angesicht leben   (Hos 6,1 und weiter). Das sind nicht nur menschliche Wünsche; denn die prophetischen Verheißungen bezeugen, dass es genau so sein wird. Nach der Prüfung durch die Gefangenschaft wird Gott sein Volk wieder beleben, wie bereits ausgetrocknete Knochen, die ins Leben zurückkehren werden (Hes 37,1-14). Er wird Jerusalem auferwecken und es aus Asche, in der es wie ein Toter lag, wieder errichten (Jes 51,17; 60,1). Er wird Tote beleben, tote Körper aufrichten, die in Asche Liegenden erwecken (Jes 26,19). Gott wird zum Wohl seines Volkes über den Tod triumphieren: „ Wo sind, o Tod, deine Seuchen? Wo ist, o Scheol, dein Verderben?“ (Hos 13,14) [11, S.177]

In der Offenbarung der Auferstehung unterscheiden Forscher mehrere Entwicklungsstadien. Anfangs wurde vermutet, dass nur einige (Gerechte) auferstehen werden. Dann wurde die Auferstehung für alle verkündet. Daraufhin stellte sich die Frage nach der individuellen Vergeltung (im Zusammenhang mit der Verfolgung durch Antiochos und das alttestamentliche Märtyrertum für den Glauben). Die neue Offenbarung Daniels (12,2) bezeugt: „viele von denen, die im Staube der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben, und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu “. Das neue, verklärte Leben erwartet die Gerechten (Dan 12,3). Gott der Schöpfer ist auch der Gott, der wieder belebt (2 Makk 7,9; 7,11; 7,22; 14,46). Ein interessantes Argument für die Auferstehung nennt Pharisäer Gebia ben Pesisa im Streit mit den Sadduzäern: „wenn schon das, was noch nicht war, Leben bekommt, wieviel mehr das, was schon Leben hatte“ [10, S.57-64]. Die sadduzäische Aristokratie lehnte den Glauben an die Auferstehung ab, da sie unter starkem hellenistischen Einfluss stand; und für das griechische Bewusstsein war die Idee der Auferstehung inakzeptabel.

Im Gesetz existierte ein strenges Verbot jeglicher Kommunikation mit Verstorbenen. Die Verletzung dieses Verbots galt als Götzendienst. Nur bei dem Einen Gott, nicht dagegen bei den verstorbenen Ahnen, durfte man sich Hilfe und Schutz suchen. Es gab auch nicht die Unterscheidung zwischen „eigenem“ und „nicht eigenem“ Tod, da jeder Tod als dem Menschen „nicht eigen“ und insofern unrein galt. Zahlreiche Verbote, die mit Tod, Sterben, Gräbern und Trauer zusammenhingen, lassen sich durch den strengen Monotheismus Israels erklären. Sie sind didaktisch, denn sie sollen verhindern, den Tod – und dessen Ursache, die Sünde – zu vergessen.

Die alttestamentliche Einstellung gegenüber dem Tod weist also mehrere Besonderheiten auf, die sie von der heidnischen Einstellung unterscheiden. Gott erschuf den Menschen nicht zum Tode. Der Tod ist unnatürlich. Er ist Folge der Sünde des Menschen, also seines Ungehorsams gegenüber Gott und des Wunsches, nach eigenem Willen zu leben. Indem der Mensch die Sünde begeht, zerbricht er seine Beziehung zu Gott, der die Quelle des Lebens ist, und zieht sich selbst den Tod zu, die Trennung, den Zerfall und die Verwesung. Das Gesetz, das berufen ist, das Leben vor dem aggressiven Tod zu schützen, soll die Sünde einschränken, die ansteckend ist wie eine Krankheit und, wenn nicht bekämpft, sich vermehren und immer mehr Menschen verderben wird. Der Herr will sowohl sein Volk als auch jeden einzelnen Menschen vom Tode befreien. Er schickt Propheten, welche die Menschen dazu aufrufen, umzukehren, ihre Sünden zu büßen und nicht mehr zu sündigen. Die Einstellung zum Tod im Alten Testament ist also die zu einem Feind.

 

Die christliche Einstellung gegenüber dem Tod

Die christliche Einstellung gegenüber dem Tod ist ebenfalls die zu einem Feind; allerdings zu einem Feind, der durch den Tod Jesu Christi besiegt wurde. Im Neuen Testament „erweist sich die ganze Geschichte der Menschheit als das größte Drama des Lebens und des Todes. Vor Christus und ohne ihn gab es das Reich des Todes. Christus kam und triumphierte durch seinen Tod über den Tod selbst (‚ hat den Tod durch den Tod zertreten‘). In diesem Augenblick ändert sich für die neue Menschheit, die mit Christus stirbt, um mit ihm ewig zu leben, die Bedeutung des Todes.“ [12, S.1006] Der Tod kam ganz am Anfang durch das Verschulden des Menschen und durch seine Sünde in die Welt und beherrschte sie fortan. Die Anwesenheit des Todes in der Welt, die durch die tötende Kraft der Sünde so spürbar ist, und das ihm entgegenwirkende Gesetz zeigen, dass der Mensch den Tod aus eigenen Kräften nicht besiegen kann. Er „koexistiert mit dem Menschen und begleitet ihn sein Leben lang. Er ist in allen Dingen anwesend, als ihre offensichtliche Grenze. Zeit und Raum, verschwindende Augenblicke und trennende Distanzen sind eben solche Einbrüche des Todes. Jeder Abschied, jedes Vergessen und jede Veränderung, sowie die Tatsache, dass nichts genau wiederhergestellt werden kann, bringen den Odem des Todes tief ins Herz des Lebens und stürzen uns in Qualen.“ [13, S.175]

Der Name Jesus, „ welcher von dem Engel genannt worden war, ehe er im Leibe empfangen wurde“ (Lk 2,21) bedeutet: „Yahwe rettet“. Matthäus der Evangelist schreibt: „ er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“ (Mt 1,20-21) . Vor Christus lebte die Menschheit, in den Worten des Propheten Jesaja, unter dem „Schatten des Todes“ (Jes 9,2; seine Worte wiederholten die Evangelisten Matthäus und Lukas (Mt 4,16; Lk 1,79) ganz zu Anfang ihrer Erzählungen. In Christo erfüllen sich die Verheißungen Gottes. Der erste Schritt dazu war die Fleischwerdung des Sohnes Gottes, seine Kenosis und seine Annahme unseres sterblichen Daseins.

Ein Mensch, der in Sünde lebt und die Werke der Finsternis tut, führt eigentlich bereits ein Leben als Toter. Die Sünde tötet den Menschen nicht sofort, sondern langsam, indem sie zunächst seinen Geist und dann sein Fleisch verfaulen lässt. Die christliche Vision und Erfahrung des Todes besteht darin, dass dieser als geistig-spirituelles und nicht nur biologisches Ereignis verstanden wird. Der biologische bzw. physikalische Tod ist nicht vollkommen. Genauer gesagt: dies ist nicht sein Hauptwesen. „Im christlichen Verständnis ist der Tod vor allem eine spirituelle Realität, an der der Mensch auch während seines Lebens teilhaben kann, und wovon er sich zu befreien vermag, selbst dann noch, wenn er bereits im Grab liegt. Der Tod ist das Getrenntsein vom Leben, also von Gott, der selbst das Leben ist. Der Tod ist nicht der Unsterblichkeit entgegengesetzt; denn so wie der Mensch sich selbst nicht erschuf, so hat er auch keine Macht, sich zu zerstören und in dieses Nichts zurückzukehren, aus dem er von Gott zur Existenz herausgerufen wurde. In diesem Sinne ist er unsterblich – im wahren Leben, das ‚das Licht der Menschen‘ war (Joh 1,4). Der Mensch ist aber frei, auf dieses wahre Leben zu verzichten und dadurch zu sterben – so, dass seine ‚Unsterblichkeit‘ zum ewigen Tod wird. Dieses Leben abzulehnen, ist eben die Ursünde, die ursprüngliche weltweite Katastrophe.“ [14, S.77] Das ist eben der Kontext der Worte Christi an den Menschen, der, bevor er Christus nachfolgte, seinen Vater bestatten wollte: „ lass die Toten ihre Toten begraben“ (Mt 8,22; Lk 10,60). Daran erinnern auch die Worte des Vaters aus dem Gleichnis über den verlorenen Sohn beim Evangelisten Lukas (Lk 15,24): „dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden…“, so wie auch bei Joh 5,24-25: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass die Stunde kommt und jetzt ist, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.“

„Es ist eben der spirituelle Tod, der den physikalischen Tod des Menschen zum wahren Tod, zum Endergebnis seines vom Tode erfüllten Leben, zum Schreck des biblischen ‚Sheols‘ macht, wo selbst das Überleben, selbst die ‚Unsterblichkeit‘ nichts anders als Ausbleiben, völliges Abgetrenntsein, völlige Einsamkeit, völlige Finsternis ist.“ Diesen spirituellen Tod hat Christus zerstört und vernichtet und uns vor ihm gerettet. „Weder zerstört noch vernichtet er den physikalischen Tod, da er diese Welt, deren Teil er und worin er Lebens- und Wachstumsprinzip ist, nicht vernichtet. Er leistet aber unvergleichlich mehr: Er nimmt dem Tod den Stachel der Sünde, vernichtet ihn als spirituelle Realität, erfüllt ihn mit sich selbst, seiner Liebe und seinem Leben. Dadurch verwandelt er ihn, die eigentliche Realität der Entfremdung und Verzerrung des Lebens, in einen hellleuchtenden und fröhlichen ‚Übergang‘ (aram. Pascha) in ein reicheres Leben, in eine festere Einheit, in die stärkere Liebe. ‚Denn das Leben ist für mich Christus, und das Sterben Gewinn‘ (Phil 1,21). Hier geht es nicht um die Unsterblichkeit der Seele, sondern über eine völlig neue Bedeutung und Kraft des Todes als Mitleiden mit Christus; eines Todes, der in dieser sterblichen Welt zum Zeichen und zur Kraft des Sieges Christi geworden ist. Für diejenigen, die an Christus glauben und in ihm leben, ‚gibt es keinen Tod mehr‘; ‚Verschlungen ist der Tod in Sieg‘ (1 Kor 15,54). In jedem Sarg ist nun nicht mehr der Tod, sondern das Leben enthalten.“ [14, S.78-80]

In der Auferstehung Christi verliert der Tod seine Universalität und Absolutheit. Alle Menschen werden von den Toten auferstehen. „ Ich bin die Auferstehung und das Leben, - spricht der Herr - wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist“ (Joh 11,25). Der Mensch braucht vor dem Tod als Trennung der Seele vom Leib keine Angst mehr zu haben: „ Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen“ (Lk 12,4), — denn „ ich sende euch wie Lämmer inmitten von Wölfen“ (Lk 10,3). In diesem Zusammenhang ist ein Dialog zwischen Petrus und Christus interessant, der in diesem Kontext nicht im Evangelium zu finden ist, aber vom Autor der Predigt, die als „Zweites Sendschreiben des Clemens von Rom an die Korinther“ etwa um 150 geschrieben wurde, angeführt wird. Auf die Worte Jesu über Lämmer inmitten von Wölfen „antwortet Petrus: ‚Was wird aber, wenn die Wölfe die Lämmer zerreißen?‘ Jesus antwortet: ‚Die Lämmer sollten sich nicht davor fürchten. Möget Ihr euch nicht vor denjenigen fürchten, die euch töten und nicht mehr vermögen,, sondern vor demjenigen, der nach eurem Tod die Macht über eure Seelen und Leiber hat; die Macht, sie in die Hölle des Feuers hineinzuwerfen‘.“ [15, S.47] Der Tod des Jüngers um Christi und des Evangeliums willen ist die Möglichkeit, in die neue Realität des Reiches Gottes emporzusteigen. hatten sie die Wahl zwischen einer Sünde (z.B. Götzendienst) und dem Tod, wählten viele Christen (Märtyrer) den Tod, der für sie „die Ewigkeitspforte“ war. Abwesenheit der Furcht vor dem Tod, vor dem persönlichen Nicht-Sein ist eine charakteristische Eigenschaft der christlichen Einstellung gegenüber dem Tod.

Indem der Mensch sich mit Christus in der Taufe vereint, vereint er das eigene Leben mit seinem Leben, den eigenen Tod mit seinem Tod am Kreuz und die eigene zukünftige Auferstehung mit seiner Auferstehung, die in der Geschichte bereits geschehen ist. Der freiwillige Tod Christi macht das möglich. „ Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer“ ( Mt 10,24; Lk 6,40 usw.); d.h., ein Jünger soll seinem Lehrer folgen. Nachdem sich die Jünger zu Jesum Christum als Sohn des lebendigen Gottes bekannt hatten, stehen sie mit Ihm zusammen dieser Welt gegenüber. Der Weg Christi ist auch der Weg seiner Jünger, der Weg der Zurückweisung, des Leidens, des Todes; aber auch des Ruhmes und der Auferstehung. In der Perspektive der allgemeinen Auferstehung und der Verklärung der Welt, im asketischen Sieg über die Sünde, die bereits in dieser Welt, in diesem Leben erschienen ist, gewinnt der leibliche Tod für Christen einen neuen Sinn. „Was ist der Tod? Der Tod ist weder ein Sarg noch ein Baldachin noch eine Kreppbinde noch ein Grab in tönernem Boden. Der Tod ist der Moment, in dem der Keim unseres Lebens über die Erdoberfläche hinaussteigt und sich unter die direkten Strahlen der Sonne Gottes stellt. Hier, auf der Erde, muss das Korn des Lebens sterben, um zu wachsen. Das ist es, was im Evangelium ‚die Geburt im Geiste‘, ‚die zweite Geburt‘ des Menschen genannt wird. Was aber den Tod des Leibes betrifft, ist es das Hinauswachsen des Keimes durch die Erde, sein Ausgang aus der Erde. Einen Menschen, der zumindest ein wenig spirituellen Sauerteig, wenigstens eine winzige evangelische Perle ‚in sich hineingelegt‘ bekam, erwartet gar kein Tod; bei weitem kein Tod. Was aber die Toten im Geiste betrifft: für sie sind Särge, Gräber und Kreppbinden sicherlich Realitäten. Ihr Geist wird nicht auf die Oberfläche des wahren Lebens heraussteigen dürfen, denn auf Erden sind sie für sich, nicht aber für die eigenen Sünden gestorben.“ [16, S.72f] Der dramatische Kampf zwischen Leben und Tod tobt im Leben jedes Menschen weiter. Von der Wahl des Menschen vor dem Angesicht Christi hängt der Ausgang dieses Kampfes ab – ewiges Leben in Christus oder der schreckliche „zweite Tod“ (Offb 2,11; 20,14).

Die christliche Einstellung gegenüber den Toten unterscheidet sich sowohl von der heidnischen als auch von der alttestamentlichen. „Die menschliche Welt, wie die Kirche sie sieht und in ihrer liturgischen Praxis und Gebeten ausdrückt, besteht aus Lebendigen und Toten.“ [7, S.277] Dieser Unterschied spiegelt sich im Wort „Entschlafen“ („Entschlafene“), welches das Wort „Tod“ („Tote“), ersetzte. Christus hatte den Tod als „Schlaf“ bezeichnet (Lk 8,52; Joh 11,11-14). In der Diskussion mit den Sadduzäern sprach er über seinen Vater: „ Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn für ihn leben alle“ (Lk 20,38). Apostel Paulus ermahnt die Christen, nicht um die Toten zu trauern, „ wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben“ (1 Thess 4,13), also sich nicht wie Heiden zu verhalten. Weiter bezeichnet er den Tod als Schlaf, wie auch der Herr ihn bezeichnete, und verstorbene Christen als “Entschlafene“, also eingeschlafene. „ Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen. Denn dieses sagen wir euch im Worte des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und also werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.“ (1 Thess 4,14-18). Der physikalische Tod kann den Christen von Christus – und auch nicht von anderen Christen – nicht trennen (s. Röm 8,38-39). „Wenn die Lebenden von den Dahingeschiedenen etwas erwarten, so erwarten auch die Dahingeschiedenen etwas von den Lebenden“ [7, S.280]. „Wir glauben, dass das Gedenken durch Gebete und die Werke der Lebendigen den Dahingeschiedenen in ihrem Dasein nach dem Tod helfen. Andererseits begleiten Gedenken und Anteilnahme an Dahingeschiedene (besonders offensichtlich bei Heiligen, an die die Kirche sich ständig wendet, wobei bekanntlich niemand vor seinem Dahinscheiden als heilig angesehen werden kann) das Leben der Lebenden“ [7, S. 279]. Nach dem Wort des Apostels ist es so, dass „ Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, auf dass sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden“ (Hebr 11,40). In der eschatologischen Perspektive der Ankunft des Reiches Gottes und „des Lebens der kommenden Welt“ erwartet sowohl die Lebenden als auch die Verstorbenen die Vollkommenheit eines Lebens in Einheit mit Gott.

Also ist die christliche Einstellung gegenüber dem Tod eine Weiterentwicklung der alttestamentlichen. Die Einstellung zum Tod, die dessen Besieger Jesus Christus, seine Apostel (s. 2 Petr 1,13-14; 2 Kor 5,1-9; Phil 1,21-22) und die Märtyrer (Apg 7,54-60) hatten, ist den Christen Vorbild. Die Unterscheidung zwischen spirituellem und physikalischem Tod sowie das Verständnis des Todes als vor allem einer spirituellen Realität, von der der Mensch durch den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi errettet wurde, ist die charakteristische Eigenschaft dieser christlichen Einstellung zum Tode. Indem der Christ sich mit Christus in der Taufe vereint, dieser „zweiten Geburt“ aus dem Wasser und dem Geist, und gegen die Sünde, und damit auch gegen den Tod, asketisch ankämpft, wartet er auf das Reich Gottes und die allgemeine Auferstehung und nähert sich diesem aktiv. Die Abwesenheit der Furcht vor dem Tod erklärt sich dadurch, dass der Christ als Zeuge Christi in der Hoffnung auf die Auferstehung stirbt. Eine Gemeinschaft von Lebenden und Entschlafenen ist, im Gegensatz zum strengen alttestamentlichen Verbot, möglich, unterscheidet sich aber von magischen heidnischen Vorstellungen. Diese Gemeinschaft, die sich vor allem in Bittgesuchen und Wohlfahrtstaten äußert, ist eine Gemeinschaft der Liebe. Die Ansprache der Verstorbenen findet immer persönlich, mit Namen statt – im Gegenteil zur heidnischen Ansprache, die namenlos und unpersönlich bleibt.

 

Der Übergang von der heidnischen zur alttestamentlichen Einstellung

Eine Einstellung gegenüber dem Tod existiert im Bewusstsein eines jeden Menschen. Ein ernsthaftes Gespräch über den Tod kann ein ergiebiges Element der missionarischen Predigt sein. In einem solchen Gespräch ist es sehr wichtig, die besondere christliche Einstellung gegenüber dem Tod zu verdeutlichen und dabei vom auferstandenen Christus zu zeugen. Nach dem Wort des Apostel Paulus sollten nicht nur die Katechisten, deren Assistenten, Bürgen und Taufpaten, sondern alle orthodoxen Christen bereit sein,  jedem, „ der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung “, Rede und Antwort zu stehen (1 Petr 3,15). So ein Gespräch kann der Augenblick sein, in dem „die Hauptaufgabe des Missionars in seinem Dienst verwirklicht wird, nämlich die Verkündung der Kerygma   der Kirche an die Menschen in der historischen Zeit und der Aufruf zur Buße eingedenk der Erkenntnis, dass der Mensch selbst und die Welt sich in Drangsal befinden, kraft des Widerspruchs zwischen der Vorahnung der Berufung des Menschen in einer paradiesischen Welt und der tatsächlichen Herrschaft des Bösen in der Welt und in sich .“ [1, S.65-66]

Dem Heiden fällt es schon schwer, zu verstehen, dass die ganze Welt und er selbst der Rettung bedürfen, dass „Niedergang die Welt beherrscht und das Leben bestimmt“ [3, S.47]. Aber, wie Vater Alexander Schmenann schreibt: „…nur durch die Aufdeckung der Tiefe und des Schrecks des Niederganges eröffnet das Christentum sich selbst, bzw., genauer gesagt, Christus. Das ist  die Rettung nicht nur vor etwas Bestimmtem, sondern die Rettung des Lebens selbst, das sich von seinem eigentlichen Inhalt, von Gott, vom Licht, vom Himmel, von der Wahrheit, von der Ewigkeit hoffnungslos ablöste, und in dieser Ablösung zum schrecklichen und übelriechenden Wimmeln von Menschen wurde, die alle zum gleichen sinnlosen Niedergang verdammt sind“ [3, S.48]. Denn das Ziel der Mission und der Vorkatechese ist, im Menschen den Wunsch zu erwecken, vor Tod und Sinnlosigkeit gerettet zu werden - durch den Glauben an Jesus Christus, „den Wunsch, sich innerlich und äußerlich zu bereinigen und zu verändern, und, folglich, getauft zu werden, und sich ins kirchliche Leben zu integrieren.“ [1, S.66]

Ein Gespräch zum Thema Tod zwischen einem Christen und einem Ungläubigen bzw. Nicht-Christen kann und soll mit ausreichender Tiefe geführt werden, in dem Bereich, wo jeder Mensch „Hunger nach Unsterblichkeit“ verspürt. [17, S.57] Die Wahrnehmung der Verkündung kann dabei sowohl durch Unwillen, über dieses Thema zu sprechen, also durch Angst verursachte Tabuisierung, als auch durch das allgemein menschliche Bemühen, Todesangst zu vermeiden, behindert werden. Zwei weit verbreitete Einstellungen seien hier hervorgehoben: der Glaube an das „postmortale Leben“ bzw. an die „Unsterblichkeit der Seele“ als auch der Glaube an die mehrfache Wiedergeburt der Seele in verschiedenerlei Gestalt.

Der Glaube an das postmortale Leben der Seele im Paradies (oder in der Hölle) ist eher verbreitet. Z.B. hatte er bei den Slawen existiert, bevor diese sich zum Christentum bekehrten. Die Vorstellung, dass Verstorbene in eine andere Welt hinübergehen, die ihnen vertraut und der irdischen ähnlich ist und in der die Seelen der Verstorbenen als Familien wohnen und auf weitere Verwandte warten, vermindert die Todesangst. [5, S.213-216] Der Glaube daran, dass Seelen von einem Körper in einen anderen umsiedeln können, indem sie von einem Leben zum anderen übergehen, ist ebenfalls verbreitet. Er ist verbunden sowohl mit Rudimenten alter indoeuropäischer heidnischer Vorstellungen in der Volkskultur als auch mit der Verbreitung von orientalischen (und pseudoorientalischen) Kulten, auch durch die Massenkultur (Film usw.).

Diese psychologischen Einstellungen erschweren die Wahrnehmung der rettenden Botschaft. Wenn der Mensch keine Angst vor dem Tod hat und dieser für ihn eine Norm, ein natürliches Gesetz des Lebens darstellt, dann wird dieser Mensch auch keine Erlösung vor dem Tod vermissen. Von diesen Einstellungen, die eine Art Puffer, eine Barriere zwischen dem menschlichen Bewusstsein und der Todesschwermut sind, löst der Mensch sich nur ungerne. Es ist auch viel leichter und angenehmer, an so etwas zu glauben, als an die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben. Die Wahrnehmung der Frohen Botschaft über die Rettung verlangt von dem Heiden eine radikale Veränderung der Weltanschauung, der Denkweise und der Art des Lebens, also Umkehr und Buße. Dieser Prozess langwierig und manchmal schmerzhaft. „Das Heidentum stirbt immer langsam und nie bis zum Ende. Das Heidentum ist natürlich und traditionell. Es ist tief in das bunte Treiben des Alltags eingewebt. Es steht der Erde, dem Leib, den Urinstinkten des Menschen, den gewöhnlichen Rhythmen der Natur und den nationalen Interessen näher. Die Frohe Botschaft des Christentums enthält dagegen immer ein übernatürliches Element der Neuigkeit, den Aufruf zur Bekehrung, zur Buße, zum Weglassen der alten Lebensweise, zur Reinigung des Herzens, zur asketischen Konzentration und Wachsamkeit.“ [18, S.140]

Die Unterteilung der Katechese in Etappen hing historisch damit zusammen, dass Heiden begannen, sich zum Christentum zu bekehren. Der einleitende Teil des Katechismus war nur für Heiden gedacht (die 1. Katechese), der allgemeine Teil sowohl für Heiden als auch Juden (die 2. Katechese). „Für Heiden musste am Anfang die unbekannte Welt der biblischen Heilsgeschichte entdeckt werden. Heiden, die sich zu Christus bekannten, sollten mit dem Götzendienst und mit vielen anderen Sitten der Vergangenheit auf immer abschließen.“ [18, S.7] Die 1. Katechese zielte immer auf die Unterrichtung von Heiden, die die Grundlagen des christlichen Glaubens und des Lebens anzunehmen begannen. Sie dauerte meist zwei oder drei Jahre und endete erst, wenn die Heiden ihr Leben entsprechend den sittlichen Anforderungen des Christentums berichtigt, d.h. vor der Kirche die Früchte ihrer Buße sichtbar gemacht hatten [2, S.81-83]. „Nachdem im Heiden der Glaube an Christus, der gelitten hatte und auferstanden war, erweckt worden war, entschloss er sich, nach den Geboten zu leben, aus lauter Dankbarkeit für dieses freiwillige Opfer, das er darbrachte, um die Menschheit zu retten… Die Hauptmotivation für die Einhaltung der Gebote was das Streben, ‚es im Herrn wohlgefällig zu machen‘ (Kol 3,20).“ [18, S. 33]

Die konsequenten Begegnung der Katecheten der 1. Katechese mit den Büchern des Alten Testaments parallel zu ausführlichen Studien der synoptischen Evangelien hilft ihnen, nicht nur ihr Außenleben zu berichtigen, sondern auch die biblische Offenbarung über die Welt und den Menschen, Gesetz und Sünde, Leben und Tod innerlich wahrzunehmen. Aus den Schriften der Weisen Israels erfährt der Katechumene davon, dass „Gott den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden…“(Weish 1,13), „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören“ (Weish 2,23-24). Aus den Büchern des Gesetzes erfährt er davon, wie der Tod durch die Sünde des Menschen in die Welt kam, und wie Gott seinem auserwählten Volk das Gesetz zum Schutz des Lebens vor dem aggressiven Tod gab, und dass die Einhaltung des Gesetzes „der Weg des Lebens“ ist (Deut 30,16-19). Aus den Prophetenbüchern erfährt er von der persönlichen Verantwortung für die Sünden sowie dem zukünftigen Reich Gottes, vom Gericht über die Toten und ihre Auferstehung, von Christus dem Erlöser und dem kommenden Sieg über den Tod. Die allmähliche Wahrnehmung des biblischen Bildes der Welt führt zur Veränderung der Weltanschauung des Menschen. Als Folge ändert sich auch seine Einstellung gegenüber dem Tod, von der heidnischen zur alttestamentlichen Sicht. Der Tod, zuvor als ein natürliches, biologisches Gesetz des Lebens angesehen, wird zum Feind. Es entsteht der Wunsch, sich von der Ursache des Todes – der Sünde –abzuwenden. Ohne diese Veränderung, ohne Erweckung des Bedürfnisses nach Rettung vor dem Tode, ohne die Kraft der Sünde in der menschlichen Erfahrung zu erkennen und gegen sie zu kämpfen, bleibt der Mensch gegenüber der Frohen Botschaft von Christus, dem Besieger des Todes, taub. In solch einem Fall wären ihm die 2. Katechese und die Einführung in die Mysterien lediglich Informationen, eine „Sonntagsschule für Erwachsene“. Ein ernsthafter Kampf gegen die Sünde und das Böse in sich selbst ist ja auch unmöglich, wenn noch Todesfurcht in der Seele wohnt. Nach dem Wort von Maximus dem Bekenner „ist die verborgene Todesfurcht die Ursache aller Leidenschaften“ [zit. nach 19, S.133]. Christus nahm den Tod für die Sünde der ganzen Welt freiwillig auf sich, „ auf dass er durch den Tod den zunichte machte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und alle die befreite, welche durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren   (Hebr 2,14-15).

Im Laufe der Veränderung ihrer Einstellung gegenüber dem Tod ändern sich auch die Fragen der Katechumenen. Am Anfang gibt es nur wenige Fragen, die den Tod betreffen, wegen der Tabuisierung des Themas (in der Gesellschaft „gehört es sich nicht“, vom Tod zu sprechen). Je näher aber das Ende der ersten Katechese rückt, desto häufiger werden sie gestellt. Am Anfang sind sie abstrakt und allgemein, häufig mit den Texten der Hl. Schrift verbunden (1. und 2. Kapitel der Weisheiten Salomos, das Gleichnis über den Reichen und Lazarus). Am Ende dieser Etappe werden sie persönlich. Die Katechumenen versuchen oft, in der Schrift Bestätigungen ihrer heidnischen Vorstellungen über die Welt und den Menschen zu finden. Der Glaube an die „Unsterblichkeit der Seele“ finden sie z.B. dadurch bestätigt, dass in der Schrift oft von „Seele“ die Rede ist. Da „Seele“ und „Leben“ in der Schrift häufig synonym sind, ist es bei Antworten auf solche Fragen wünschenswert, das Ende des jeweiligen Zitats zu präzisieren. Sehr wichtig ist, dass die Katechumenen diese Fragen eben den Katecheten und nicht einander stellen, und auch nicht versuchen, die Antwort in anderer Literatur selbstständig zu finden.

Leider gibt es „im historischen Christentum (…) eine Rückkehr zum vorchristlichen Verständnis des Todes, in erster Linie in seiner Anerkennung als ‚Naturgesetz‘, also als Erscheinung, die selbst der Natur zu eigen sei, mit welcher man sich, wie furchtbar der Tod auch sein möge, ‚versöhnen’, die man akzeptieren müsste… Im Bewusstsein der Gläubigen haben sich der Glaube an die Auferstehung Christi und der Glaube an die von ihm begonnene ‚Auferstehung‘ quasi entzweit. Unberührt blieb der Glaube an die Auferweckung Christi von den Toten, seine Auferstehung im Leibe. Was aber unsere letzte Bestimmung und das Schicksal nach dem Tod betrifft, wurden sie allmählich im Lichte der Auferstehung Christi und in Bezug auf ihn immer weniger wahrgenommen.“ [3, S.82-84] In Gemeindebuchläden gibt jede Menge Bücher über postmortale Prüfungen (russ. мытарства, „Zollübergänge“) und Reisen der unsterblichen Seele durch Paradies und Hölle usw. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele bedarf nicht des Glaubens an die Auferstehung des Leibes. „Die ganze vorchristliche (außer der alttestamentlichen – N.A.) und nicht-christliche ‚Religiosität‘ ruft dazu auf, die Trennung der Seele vom Leib nicht nur als ‚natürlich‘, sondern auch als positiv anzusehen und darin die Befreiung der Seele vom Leib zu sehen, der ihr verhindere, spirituell, himmlisch, rein und selig zu sein. Da in der menschlichen Erfahrung das Böse, Krankheit, Leid und Leidenschaft vom Leib herrühren, wird Sinn und Zweck der Religion und des religiösen Lebens die Befreiung der Seele von dieser ‚Gefangenschaft‘ des Leibes; eine Befreiung, die ihre Vollkommenheit im Tod findet.“ [3, S.85] Das heidnische Streben nach Exkarnation (bzw. Reinkarnation) steht der biblischen Offenbarung über den Menschen als Einheit des Geistes und des Leibes (bzw. dem verkörperten Geist) gegenüber. Manchmal kommt es vor, dass Katechumenen sich scheuen, solche Fragen den Katechisten zu stellen, und stattdessen ihre Bürgen, Taufpaten oder auch ihre christlichen Bekannten fragen. Bürgen müssen also darauf vorbereitet sein, einem Katechumenen die christlichen Eistellung gegenüber dem Tod zu erörtern und dabei über den auferstandenen Christus zu zeugen und mit den alttestamentlichen Vorstellungen über den Tod zu beginnen.

Manchmal möchten Katechumenen ihren Glauben an die Reinkarnation (der Seele) auch in Worten der Schrift bestätigt finden. Besonders charakteristisch ist dies für diejenigen, die sich in der Vergangenheit mit Theosophie, Buddhismus oder orientalischen Meditationspraktiken beschäftigt haben. Hier ist es ratsam, die Texte über den Propheten Elija nach dem Evangelium (Mt 11,14; 17,10-13) oder im Zusammenhang mit der Prophezeiung des Maleachis (Mal 4,5) heranzuziehen. Katechisten kann der Artikel von Erzpriester Alexander Men „Über Reinkarnation“ («О^перевоплощении»), in dem diese Frage ausführlich analysiert wird, bei ihrem Dienst gute Hilfe leisten. [20, S.181-189]

Viele Fragen entstehen auch über das postmortale Schicksal des Menschen, z.B., was die Hölle sei, wo sich die Unterwelt befinde, ob Verstorbene spüren und sprechen können usw. Häufig hängen diese Fragen mit der persönlichen mystischen Erfahrung der Katechumenen zusammen, mit Erzählungen ihrer Verwandten oder Fällen aus ihrem eigenen Leben. Sie können z.B. mit der Erscheinung verstorbener Verwandter im Traum zusammenhängen. Wichtig ist, die Aufmerksamkeit nicht allzu sehr auf diesen Fragen zu fokussieren, um nicht in einen ungesunden Mystizismus abzurutschen. In der alttestamentlichen Religion, im Zusammenhang mit dem strengen Verbot jeglicher Kontakte mit den Toten (absolutes Verbot des Totenkults) fehlt eine entwickelte Lehre über die Unterwelt, in der die Seelen von Verstorbenen verbleiben. Solche Fragen sollten vermieden werden, durch die Übertragung des Akzents von Tod und postmortalem Dasein auf das Leben und seine Änderung.

Experten für das slawische Altertum sind sich darin einig, dass „in slawischen Glaubensvorstellungen dem Tod und den Verstorbenen (‚Großvätern‘, ‚Eltern‘) eine besondere Schlüsselposition zukommt…“. Das gilt „sowohl für die archaische vorchristliche Schicht als auch für die Schicht, die üblicherweise als ‚volkstümliches Christentum‘ oder ‚christlich-heidnischer Synkretismus‘ der Volkskultur bezeichnet wird“. So wird anerkannt, dass der Kult der Verstorbenen die „am meisten beanspruchte Seite des religiösen Lebens der Slawen“ gewesen sei, welche „sich im Allgemeinen ins kirchliche Leben konfliktlos integrierte und zu einem charakteristischen Merkmal der orthodoxen slawischen Tradition wurde.“ [7, S.17] Zahlreiche ‚Allerseelen“-Gedenkgottesdienste, Totenämter und Gedenkfeiern für den „Seelenfrieden“ in der Liturgie der Katechumenen erwecken auch viele Fragen – z.B., was „ ewiges Andenken“ sei, wie man um Verstorbene richtig beten soll, ob man bei den verstorbenen Eltern Hilfe suchen kann usw. Auf die letzte Frage scheint die einzig mögliche Antwort das völlige Verbot jeglicher Kommunikation mit Verstorbenen während der Katechese zu sein, einschließlich der Ansprache in Gebeten, ähnlich dem strengen alttestamentlichen Verbot.

Im Laufe ihres Studiums der Gesetzesbücher sollen die Katechumenen die tiefliegende kausale Verbindung zwischen Sünde und Tod begreifen. Hier stellt sich häufig die Frage nach dem scheinbaren Widerspruch zwischen dem Gebot „du solltest nicht töten“ und der Todesstrafe für Todsünden laut Gesetz. Alle schweren Sünden (Todsünden), die im Gesetz aufgelistet sind, führen zum Bruch des Bundes mit Gott, der die Quelle des Lebens ist, und folglich zur Verminderung des Lebens. Das Gesetz, das gegeben ist, um das Leben vor dem aggressiven Tod zu schützen, soll die Sünde einschränken, auch auf radikale Weise, etwa durch Todesstrafe. Die Sünde ist gefährlich wie eine ansteckende Krankheit. Wird sie nicht beschränkt, pflanzt sie sich fort und vermehrt sich und verdirbt dabei immer mehr Menschen. Das Verständnis der Sünde als Ursache des Todes erweckt im Menschen den Wunsch, sich von der Sünde zu befreien und das eigene Leben zu berichtigen. Der Aufruf der Propheten nach Buße, die Offenbarung über Gericht und Gnade Gottes, über das kommende Reich und den Erlöser, über die Errettung und die Auferstehung der Getreuen des Herrn sollen von den Katechumenen als an sie persönlich gerichtet wahrgenommen werden. Sie sollen in der Seele die Frage auslösen: „Was soll ich tun?“ Der Aufruf vom Johannes dem Täufer (des letzten alttestamentlichen Propheten) die gebührende Frucht der Buße zu erbringen, und sein Hinweis auf Jesus als Christus hilft, sich zu realen Lebensveränderungen durchzuringen.

Also ist die Veränderung der heidnischen Einstellung zum Tode (als einem natürlichen Lebensgesetz) zu einer alttestamentlichen Einstellung (als zu einem Feind, dessen Wirkkraft die Sünde ist) bei ursprünglich heidnischen Katechumenen am Ende der 1. Katechese möglich. Diese Veränderung ist Folge einer Modifikation der Weltanschauung und der Befestigung im Glauben an den Einen Lebendigen Gott, Schöpfer der Welt und der Menschen, und an den von ihm geschickten Erlöser von Sünde und Tod – Jesus Christus, der auferstanden ist. Diese Veränderung zeigt sich im Bestreben, sein Leben in Einklang zu den Forderungen des Gesetzes Gottes zu bringen, insbesondere in Bezug auf (ethisch betrachtet) Todsünden, sowie auch in der Entstehung des Wunsches, die eigene Zeit und die eigenen Kräfte und Mittel um der Anderen willen zu opfern. Um dies zu erfüllen, soll der Katechumene wissen, wie die Kirche solche Fragen beantwortet: „Was ist der Tod?“ „Was ist die Ursache des Todes?“ „Wie können wir gegen den Tod kämpfen?“ und „Ist der Sieg möglich?“ Nur wenn ein Mensch die Antworten kennt, kann er sich bewusst entscheiden, seinem Herrn und Erlöser zu folgen.

 

Übergang von der alttestamentlichen Einstellung gegenüber dem Tod zur christlichen

Bei Katechumenen entsteht die christliche Einstellung gegenüber dem Tod nicht automatisch – weder nach der Taufe noch nach der ersten Beichte (nach vorheriger Taufe). Aber der Übergang von der alttestamentlichen Einstellung gegenüber dem Tod zur christlichen muss unbedingt stattfinden, auch wenn erst nach der Taufe, der Mystagogie und sogar der „Klause“. Die heilsame Verbindung zwischen der Taufe des Menschen einerseits und dem Tod und der Auferstehung Christi anderseits muss von dem Menschen, der erst kürzlich aufgeklärt wurde, erkannt werden; denn „um Christus zu folgen soll der Mensch zunächst mit ihm und in ihm sterben und auferstehen.“ [14, S.66] Das bedeutet, dass wir in Christo für alles sterben, wodurch sich die Macht des Todes in der Welt manifestiert: für die Sünde (Röm 6,11; 8,10), für alte Menschen (Röm 6,6), für das Fleisch (Gal 5,24), für den Leib (Röm 6,6), für das Gesetz (Gal 2,19), für alle Elemente der Welt (Kol 2,20) usw. Für den Menschen ist der Tod mit Christus folglich der Tod des Todes. In der Sünde waren wir tot, in Christo sind wir die ‚ Lebende aus den Toten (Röm 6,13). In dieser Perspektive gewinnt der Tod des Leibes für den Christen, der zu glauben beginnt, einen neuen Sinn. Dank der Teilhaftigkeit am Tod Christi beginnt er nun, nicht nur, das neue Leben zu führen, sondern verbleibt in der Sicherheit, dass „ er, der Christum aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen [wird] wegen seines in euch wohnenden Geistes“ (Röm 8,11). In der letzten Auferstehung gehen wir ein in die neue Welt, ins Reich Gottes, und ‚der Tod wird nicht mehr sein‘ (Offb 21,4) – genauer gesagt: für die Treuen, die mit Christus auferstanden sind, wird es keinen ‚zweiten Tod‘ (Offb 20,6) geben. [1, S.143-144]

Die Unterscheidung zwischen dem spirituellen und dem physikalischen Tod und das spezielle Verständnis vom Tod als spirituelle Erscheinung sind für die christliche Einstellung gegenüber dem Tod sehr wichtig. Nach Lehre der Kirche ist das Mysterium der Taufe für jeden Menschen einzigartig und unwiederholbar. „Derjenige, der die Taufe empfing, bleibt unter allen Umständen seines Lebens Christ. Er ist Christ in dem Sinne, dass er in einem Geiste (…) zu einem Leibe getauft (1 Kor 12,13) und dadurch Mitglied der Kirche geworden ist. So, wie es unmöglich ist, die physikalische Geburt zu leugnen, ist es auch unmöglich, die spirituelle Geburt zu verwerfen. Das bedeutet, dass es keine „Ent-taufung“ geben kann, da es unmöglich ist, das, was die Taufe im Leben des Getauften in Gang gesetzt hat, auszulöschen. Der physikalische Tod vernichtet die physikalische Geburt nicht, auch wenn das physikalische Leben aufhört. Der spirituelle Tod, wenn auch bis zur Wiederkunft Christi möglich, ist nicht imstande, die spirituelle Geburt für die kommenden Äonen zu verhindern. Der spirituelle Tod kann nicht vor dem physikalischen eintreten, denn so lange ein Mensch auf Erden lebt, glimmt in ihm das spirituelle Leben, wie niedrig (bzw. Spirituell gesehen, gefallen) es auch sein mag sein mag. Der Getaufte bleibt Christ sein ganzen Leben lang, und vor dem Gericht Christi wird er als Christ stehen.“ [2, S.162] Eine Folge dieser Lehre ist nicht nur die Möglichkeit, bereits nach der Taufe zu büßen, sondern auch die Möglichkeit zum kirchlichen und persönlichen Gebet um Verstorbene. In der Kirche gibt es zahlreiche Legenden darüber, wie das Schicksal der Verstorbenen sich dank Gebeten geistlicher Vorkämpfer änderte. [7, S.280]

Beim Mysterium der Myronsalbung empfängt der Christ den Heiligen Geist. In dieser Niederkunft des Heiligen Geistes, durch Propheten vorhergesagt (Jes 44,3; Joel 2,28-29; Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16), vom Menschensohn empfangen (Mt 3,16; Lk 3,21-22; Joh 1,32-33) und an seine Jünger gesandt (Lk 24,49; Joh 14,16-17; 20:22; Apg 1,5; 2,1-4) wurde, sieht der Apostel Paulus einen Nachweis für Erlösung und Vergebung der Sünden. „ Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen. Wenn aber der Geist dessen, der Jesum aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christum aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes. (…) Der Geist selbst zeugt mit unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mitleiden, auf dass wir auch mitverherrlicht werden.“ (Röm 8,10-11; 16-17).

„Der Geist in der Taufe ist der lebendige Geist des Sohnes Gottes. Deshalb ist die Auferstehung Christi die grundlegende christliche Glaubenserfahrung. Christen erhalten den Geist Christi; also ist er von den Toten auferstanden“ [21, S. 83], und es ist so, dass „ niemand sagen kann: Herr Jesus! als nur im Heiligen Geiste“  (1 Kor 12,3). Ohne Geist ist es unmöglich, an Christus und die Auferstehung zu glauben, da eben der Geist uns am ewigen Leben teilhaben lässt. Das Verständnis des Mysteriums der  Myronsalbung als persönliches Pfingsten und Niederkunft des Heiligen Geistes ist berufen, den Glauben an die Auferstehung  zu stärken. Der Glaube an die persönliche Auferstehung ist es, was die christliche Einstellung sowohl zum Leben als auch zum Tod ausmacht. Christus ist gekommen, um das Leben, das wir durch die Sünde verloren haben, wiederherzustellen, um uns Leben „in Überfluss“ zu geben“ (Joh 10,10). Der Inhalt dieses Lebens und, folglich des Reiches Gottes ist der Heilige Geist. Wenn der Heilige Geist kommt, verbindet er uns mit Christus. Er verwandelt uns in den Leib Christi, in Teilhaber an der Königlichkeit, dem Priester- und Prophetentum Christi. Denn der Heilige Geist als Leben Gottes ist wahrlich das Leben Christi. Er ist sein Geist; indem Christus uns sein Leben spendet, spendet er uns den Heiligen Geist. Und der Heilige Geist, in dem Christus zu uns herniedersteigt und in uns wohnt und uns sein Leben spendet“ [14, S.139]. Eben die Spende des Geistes Christi, des Heiligen Geistes im Mysterium der Myronsalbung, ermöglicht es dem Christen, gegen die Sünde zu kämpfen und sie zu besiegen. Taufe und Myronsalbung als mystische Geburt durch Gott, als Sohnschaft in Christo, bedeutet auch, dass der Mensch, nachdem er sie empfangen hat, nicht mehr bewusst sündigen wird. „Hier ist die Realität eines wahrhaft christlichen Lebens wichtig, in der ‚‚ jeder, der von Gott geboren ist, nicht sündigt‘ (1 Joh 5,18), ‚ er kann nicht sündigen‘ (1 Joh 3,9), da er bereits weder ‚nach dem Fleisch‘ noch ‚nach dem Gesetz‘ lebt, sondern ‚nach dem Geist‘.“ [1, S. 199]

„Im weiten und vollen Sinne des Wortes haben alle Elemente (Mysterien) und Vorgänge in der Taufe im Leben eines Menschen ihren zeitlichen Ort. Doch im gewissen Sinne dauern sie auch sein Leben lang“. [1, S. 192] Ebenso ist der Christ berufen, in seiner Einstellung zum Tod sein Leben lang weiter zu wachsen. Sie prägt sich durch die Wahrnehmung des Todes als einer Möglichkeit der Gemeinschaft mit Christus, als Zeugnis der Auferweckung von den Toten, die auch mit dem Glauben an die eschatologische Wiedererrichtung und Verklärung der ganzen Welt zusammenhängt. Die Furchtlosigkeit vor dem Angesicht des Todes, die den kompromisslosen Kampf gegen die Sünde und das Böse in sich selbst und um sich herum ermöglicht, wird im Herzen des Christen geboren, das mit dem Heiligen Geist, dem Geiste Christi, Besieger des Todes, erfüllt ist.

Die christliche Einstellung gegenüber dem Tod unterscheidet sich also von der heidnischen radikal. Sie ist auch eine sukzessive Weiterentwicklung der alttestamentlichen Einstellung. Der Übergang von der alttestamentlichen Einstellung gegenüber dem Tod als einem Feind und der Erwartung seiner Überwindung zur christlichen Einstellung geschieht bei Katechumenen im Mysterium der Taufe (bzw. deren Aktualisierung, fass die Katechumenen bereits getauft sind und die Katechese so nur eine Wiederauffüllung des Mysteriums darstellt).

 

 

LITERATUR

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3. Прот. Александр Шмеман. Воскресные беседы - М.: «Паломник», 2002 г.

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12. Словарь Библейского Богословия. Под ред. Ксавье Леон-Дюфура и др. / Пер. с франц. - Киев, Изд. КАЙРОС, 2003.

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