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Die Unansehnlichkeit im Kirchenschoß

22. Juni 2010
Sind die Kirche und die moderne Kunst, die Orthodoxie und die Massenkultur miteinander unvereinbar, oder gibt es Berührungspunkte? Wie ist es möglich, einen Konsens zu erreichen? Xenia Krivochéine, in Frankreich wohnende Malerin und Publizistin, schreibt uns ihre Ansicht über das moderne Schöpfertum und die modernen „Schöpfer".

In der letztenWelle von Diskussionen darüber, welchen Platz für „das neue Wort" in derkirchlichen Kunst gefunden werden soll, gibt es eine Schuld der älterenGeneration gegenüber der jüngeren. Es ist gut, dass wir den Weg der Aussprache beschrittenhaben, doch ist es notwendig, sich über seine Ziele vorher zu verständigen. Esist erforderlich, an gewisse Verhaltensregeln und Tabus, die in der kirchlichenKunst schon immer existiert haben, zu erinnern. Viele Jahrzehnte zuvor hat dieMenschheit diese Regeln zu Boden getreten, und nun führen alle Versuche, dieScherben zusammenzukleben, zu Missmut, und die Suche nach der goldenen Mittemündet ein in Gespräche über Zensur. Wie wäre es möglich, zu einer intelligentenZusammenarbeit von Gesellschaft, Kunst und Kirche zu finden? Wo fängt die Unansehnlichkeitan und wo liegt die Grenze der unbeschränkten Willkür, und wo handelt es sicheinfach um Erneuerungsbewegungen?

Jeden Morgen höre ich in Paris RTL,einen der interessantesten, seriösesten und politisch freiesten Radiosender. Vorder Nachrichtenübersicht findet ein Meinungsaustausch unter Journalisten statt.Einer der Teilnehmer ist ein bekannter Parodist. Er nimmt alles in den Blickund wählt scharfe, brandaktuelle Themen. Mal spricht er mit der Stimme von PräsidentSarkozy, mal mit der eines prominenten Sozialisten, mal verwandelt er sich inden Rechtsradikalen Le Pen, und oft geht es bei ihm auch um die Religion. Dabekommen alle etwas ab - von Bin Laden bis zum Papst!

Der Parodist ist begabt undhumorvoll, doch wenn über den Glauben gespottet wird, kochen meine christlichenGefühle vor Empörung und verlangen nach Genugtuung. Die Karikaturen desPropheten Mohammed hatten Demonstrationen von vielen Tausenden Muslimen zur Folge,bei denen auch europäische Flaggen verbrannt wurden und Jugendliche in denVororten von Paris Autos verbrannten. Erinnern wir uns auch an die im Gebäude derSacharow-Stiftung veranstalteten Ausstellungen „Vorsicht, Religion!" («Осторожно, религия!») und „Die verbotene Kunst" («Запретное искусство»), die stürmischen Reaktionen in der Öffentlichkeit hervorriefen. DieSache geriet in die Schlagzeilen, es wurden dicke kunstwissenschaftlicheErklärungen geschrieben, und es gab zahlreiche (auch internationale) Radio- undFernsehsendungen und Debatten. Die Gefühle der Gläubigen waren zur Weißglutgebracht worden, es roch schon nach Jeanne d'Arc und Kreuzzügen. Gott sei Dank wurdekeiner auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und die Geschichte endete glimpflich miteinem Prozess, einer Ordnungsstrafe und ein paar Entlassungen. Nun sind wirfast schon so weit, über das Pro und Contra von Zensur zu reden. Wir wünschenuns ein intelligentes Gespräch darüber, ob es den Künstlern gestattet seinsollte, was ihnen mehrere Jahrhunderte lang verboten war und was sie selbstnicht wagten, aber so gerne ausprobieren wollten - also die Sprengung der Fesselnbei der Darstellung des Geheimnisvollsten und Göttlichsten. Zeit und Erfahrunghaben gezeigt, dass es besser ist, über eine brennende Frage zu sprechen, als sieabzuschmettern und zu verbieten!

2007 zog die New Yorker Galerie„Lab" den Zorn der Katholiken auf sich, weil sie eine Statue von Jesus Christus,hergestellt aus Milchschokolade, ausstellte. Die Skulptur stellt den gekreuzigtenChristus ohne Lendenschurz dar und heißt „My Sweet Lord" („Mein süßer Herr").Die Katholische Liga der USA, die sich als die größte nationale katholischeEinrichtung für den Menschenrechtsschutz positioniert, verurteilte dieAusstellung. Bill Donahew, Oberhaupt dieser Einrichtung, nannte die Ausstellung„die ernsthafteste Beleidigung christlicher Gefühle in der Geschichte". Er kritisierteauch den Zeitpunkt der Ausstellung. „Die Tatsache, dass sie die Karwochegewählt haben, beweist, dass die Zeitwahl beabsichtigt war", sagte er. Die breiteÖffentlichkeit boykottierte die Ausstellung und überhäufte den Kreativdirektorder Galerie mit empörten Briefen und Telefonanrufen, woraufhin die Ausstellunggeschlossen wurde.

Alles Hässliche ist anziehend.Blasphemie ist versuchend, und das „Spiel" der Kreativen hinter der Maske desRevolutionären ist noch reizvoller. In den letzten Jahren ist Russland dabei hinterdem Westen endlos zurückgeblieben. Es schafft es nicht, dem „Schoko-Christus" oderder durch die ganze Welt kutschierten plastinierten Leichen von Dr. von Hagens,die einen Sturm von Protesten und Prozessen und natürlich ein riesigesMasseninteresse hervorriefen, etwas gleichwertiges entgegenzusetzen. In Europagab es zwei Revolutionen, in deren  Ergebnis die Monarchien und die Tabus über dieUnantastbarkeit des Göttlichen gleichermaßen fielen.

Die französische Revolution von 1789und die russische von 1917 fegten wie zerstörerische Wirbelstürme über dieKirche. Sowohl in Russland als auch in Frankreich klaffen die offenen Wundendes Vandalismus immer noch auf vielen Denkmälern. Schöne Skulpturen von Heiligenund Engeln wurden enthauptet, Fresken mit Putz bestrichen, gotischeBuntglasfenster zerschlagen.  Die Heiligtümerunserer christlichen Vergangenheit wurden geschändet und gerieten inVergessenheit, und die Verfolgung der Geistlichen war furchtbar. Während das19. Jahrhundert für die Kirche in Frankreich ziemlich glimpflich verlief,begann 1905 eine neue Welle der Verfolgung. Es wurde ein Gesetz zur Trennung vonSchule und Kirche erlassen, und in den Schulen wurde Religion sogar alsWahlfach verboten. Hunderte von privaten konfessionellen Anstalten wurdegeschlossen, die monastischen Orden wurden aus dem Lande verbannt, dieKirchengebäuden konfisziert und die Heiligen Reliquien beschlagnahmt... Damalswurde das Prinzip der „Säkularität" des französischen Staates durchgesetzt. Sogilt es als Wunder, dass der Dornkranz Christi, ein Teil des Kreuzes und einNagel immer noch in Notre Dame de Paris aufbewahrt werden. Inseiner Bedeutsamkeit kann es verglichen werden mit dem Wunder der Auffindungder heiligen Reliquien des Hl. Seraphim von Sarow Ende der 1980er Jahre auf demDachboden der Kasaner Kathedrale, die durch die Bolschewiki in ein „Museum fürdie Geschichte der Religion und des wissenschaftlichen Atheismus" umgewandeltwurde.

Die französische Revolutionenthauptete die Monarchen und verfolgte den Glauben. In der Katholischen KircheFrankreichs hörte die Verehrung der Heiligtümer für lange Zeit auf. ImBewusstsein eines Christen blieb fast kein Platz für Wunder und übernatürlicheKommunikation. Der Stafettenstab wurde von der Säkularisierung der Gesellschaftübernommen, und daher haben heute viele Franzosen nicht die geringste Ahnungdavon, wessen Reliquien in ihren Gotteshäusern aufbewahrt werden. So kam ich voretwa zehn Jahren nach Brive (eine Stadt in der Provinz Corrèze) und besuchte einverödetes ehemaliges Kloster, das vom Hl. Antonius von Padua gegründet wurde. Diegeweihte Quelle, die Grotten mit dem fließenden Wasser, die kleinen Seen, dieWiesen, die Stille und die Menschenleere... ich füllte ein leeres„Vichy"-Fläschchen mit dem Wasser, das aus der mit Moos bedeckten Wand floss.In der Nähe gab es auch ein Schild: „St.Antonius-Quelle". Am Abend traf ich denBürgermeister der Stadt, und ich erzählte ihm ganz naiv von meiner Entdeckung.Er lachte und sagte: „Madam, wie können Sie nur an diesen Quatsch glauben? Ichbin mir sicher, dass dieses Wasser aus einer kaputten Wasserleitung fließt. Ichweiß, dass die Besitzer der benachbarten Sommerhäuser es zum Gießen ihrerSchrebergärten benutzen." Ein starkes Stück! So eine Erklärung hätte man voneinem überzeugten sowjetischen Atheisten erwarten können, doch in Frankreich warich zum ersten Mal auf diese Ansichtsweise gestoßen. Und so dachte ich an dieKraft der atheistischen Propaganda, die Blindheit des modernen Menschen, dieVerneinung der göttlichen Mystik und an vieles anderes, was uns durch diekomplizierten Wege zur „Schoko-Christus-Ausstellung" geführt hat.

Wir Russen können uns wohl daranerinnern, dass die kommunistische Regierung zwar 1917 die Gewissensfreiheit offiziellangekündigt hatte, doch sofort zur gnadenlosen Verfolgung der Religion überging.Geistliche wurden misshandelt und ermordet, Altarräume und beim Gottesdienst verwendeteGegenstände geschändet, Kloster in Folterräume und Gefängnisse umgewandelt, wobeidie ersten Gefangenen die Mönche waren. Die Geschichte der Schändung desSolowki-Klosters ist uns bekannt - doch wie viele solcher Lager und Gefängnissegab es in ganz Russland! Besonders brutal waren die Reliquienschändungen. DieKommunisten öffneten die Schreine, stahlen die Reliquien und zwangen dann diePriester, die leeren Schreine vor Publikum zu öffnen, um sie als Scharlataneriezu verleumden. Diese blasphemischen Zeremonien wurden gefilmt, und dann wurdendie Menschen mit Gewalt zusammengetrieben, um ihnen das Gefilmte vorzuführen.In der Zeitung „Prawda" („Wahrheit") vom 16.04.1919 erschien der Artikel „Dieheiligen Wunder" mit dem Protokoll der Öffnung der Gebeine des Hl. Sergius vonRadonesch. Die Öffnung wurde in Anwesenheit von Doktoren der Medizin und einerMenge Kommunisten durchgeführt. Mit einer Schusswaffe bedroht, wurdenMönchpriester Jonas und der Igumen der Lavra gezwungen, den blasphemischen Aktzu beginnen. Sie hatten zwei Stunden lang die Verhüllungen und die Gebeine des Hl.Sergius auseinanderzunehnmen - jenes Hl. Sergius, der das russische Volk überfünfhundert Jahre zuvor im Kampf gegen die Tataren im Namen der Rettung und derVereinigung Russlands gesegnet hatte. An den Klosterwänden sammelte sich eineriesige Menge protestierender Gläubiger; viele strebten danach, zum letzten Maldas Heiligtum zu küssen, während im Gotteshaus die Kameras surrten und ein Filmgedreht wurde. Spät am Abend war dieser schändliche Akt zu Ende und mit 50Unterzeichnungen bekräftigt... Es ist die größte Gnade Gottes, dass diesegottlose Macht gefallen ist und wir heute in Russland die heiligen Reliquienberühren können, die nach der großen Vorsehung Gottes vor den Misshandlungenverborgen waren. Sie sind uns heute zur Rettung erschienen - und vielleicht zurendgültigen Bereinigung der Verbrechen, die an unserem armen Land begangen wurden.Russland ist nicht  hinter dem Westen zurückgeblieben,es ist ja sogar noch weiter gegangen. Der blutige und erbarmungslose Aufstand hatalles zerstört und in mehreren Generationen Zweifel, Unglaube und denpermanenten Wunsch gesät, nicht das Gute, sondern das Schlechte nachzuahmen, dasuns der West gegeben hat, nämlich die rebellischen Ideen des linken Liberalismus.

Im katholischen Frankreich hatdie rasende Säkularisierung der letzten Jahrzehnte vielen das Beten aberzogen.Der Glaube an Gott, an das Sakrament und an Wunder wurde durch humanitäre Hilfeersetzt, und die Integration ins kirchliche Leben ins den Hintergrundverschoben. Ein Franzose, der heute ein Almosen gibt oder ein Päckchen fürhungernde afrikanische Kinder schickt, glaubt, dass er nach seinem Gewissenlebt und ohne Kirche, ohne Gebet, ohne das Wort Gottes und ganz sicher ohnePriester auskommen und das alles durch gegenseitige Hilfe und die Philosophiedes 16. Jahrhunderts - den Humanismus - ersetzen kann.

Schon in den 1930er Jahren kamenin Frankreich „Arbeiterpriester" in Mode; dann tauchten die „Ärzte ohneGrenzen" auf. Schon mehrere Jahre lang existiert das Netz der „Restaurants desHerzens", die vom bekannten Schauspieler Coluche gegründet wurden, derObdachlosen herzlich und großzügig half, doch selbst der Kirche fern stand.Außerdem war er ein begabter Komiker und verspottete Geistliche, wo er nurkonnte. Die linke französische Intelligenz folgt Coluche und nimmt an denAktionen der Barmherzigkeit für die Gefallenen aktiv teil; doch bleibt sie inihrer Masse außerhalb der kirchlichen Wände. Wo verläuft denn die goldene Mittedes kirchlichen Lebens, des Gebets, der Tradition und der Wohlfahrtsmission? Wieleicht ist es, von einem Extrem ins andere zu fallen. In Russland wird der Wegder Barmherzigkeit und Humanität erst sondiert; das Volk ist in seiner Massedazu nicht bereit. In einem armen Land, das gezwungen war, 75 Jahre lang ohneGott zu leben, fällt es sehr schwer, den Weg der christlichen Großzügigkeit zubetreten und sein letztes Hemd dem Nächsten oder einem Fremden zu geben. Allesbraucht nicht nur Zeit und Stabilität, sondern auch ein vernünftigesPriesterwort, aktive Hilfe des Staates und Erklärung durch die Massenmedien.

Einiges ist aber erstaunlich!Immer häufiger stehen in katholischen Gotteshäusern Europas, sogar weit abseitsvon den Großstädten, in der Nähe des Altartischs oder am Nebenaltar Kopien russischerIkonen: die „Dreifaltigkeit" von Rubljow, die Gottesmutter von Wladimir, dasMandylion... Viele Russen sind darob erstaunt; doch man braucht sich darüber nichtzu wundern, wenn man weiß, in welchem Niedergang sich die moderne Katholizitätin Frankreich befindet, wie einsam das Echo der seltenen Schritte betender Besucheran den Steinwänden der Kirchen widerhallt, wie seltsam seelenlos die modernenLieder klingen, denen jegliche göttliche Mystik fehlt, und wie schematisch undoberflächlich die Sakramente der Taufe, der Trauung und der Aussegnungadministriert werden. Die Erneuerungsbewegung, die die katholischenGotteshäuser nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 erfasste, hat dieJugendlichen eher abgestoßen, als sie anzuziehen. Es hieß, dass eine Messe mitJazz- oder Gitarrenbegleitung, mit neumodischen liturgischen Gebeten, in denendas Vaterunser nur noch als seltenes Geschenk vorkommt, mit modernerWandmalerei und abstrakter Installationskunst die verirrten Schafe in die„moderne" Kirche locken würde. Aber weit gefehlt - die Erneuerungsbewegung hat kläglichversagt, die Gotteshäuser leerten sich noch mehr und werden nun veräußert odervermietet.

Und wir, die wir es nach 75Jahren einer gegen Gott kämpfenden Regierung weder geschafft haben, dieGotteshäuser und Ikonen unseres geschändeten Landes ausreichend mit Gebetenaufzufüllen, noch die Gebete auswendig zu lernen, noch den Glauben an unsereKinder weiterzugeben, noch den Aberglauben und dem Obskurantismus loszuwerden,noch uns in der Verehrung zu befestigen und, die Antlitze der Heiligen aufmerksambetrachtend, den Triumph der Orthodoxie zu besingen, - wir beeilen uns schon, dieGottesmutter und den Heiland durch „etwas" Modernes zu ersetzen!

Im vergangenen Jahrhundert habenwir es geschafft, die ewigen Werte der Schönheit zu Boden zu treten und dieHarmonie zu zerstören. Wir haben unsere Versklavung überwunden, unsere Bandezerrissen, wir haben Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erkämpft - aber, obwohlwir die Schönheit verloren haben, immer noch kein utopisches irdisches Paradiesaufgebaut. Folgen wir also auch heute noch den Worten, die Sergij Gorodezki,der revolutionäre Ideologe des schöpferischen Vereins „Bund der Jugend" („Союз молодёжи"), 1912 aussprach: „Die Schönheit wird endlich demokratisch und das Schönewird zum Unschönen, und manchmal sogar zum Hässlichen, was durchaus möglich undauch notwendig ist. Also schaut euch den ‚Eselsschwanz'[1]genau an, vergöttert die Erneuer der Poesie, Malerei und Musik, dann wird euchdie Möglichkeit gegeben, zu leben und frei zu schaffen. Das wird aber erst nachder vollen Erneuerung der schlaffen, faden und veralteten Seele möglich sein."Der Wunsch, der ganzen Welt möglichst grob, primitiv, möglichst klar undunschön entgegen zuschreien, ist der russischen Natur seit dieser Zeit zu Eigengeworden. Und nach 1917 wurden in Russland Terroranschläge, ROSTA-Fenster und die RussischeAssoziation Proletarischer Schriftstellern schnell durch den staatlichen undsehr unschönen sozialistischenRealismus abgelöst.

Gewiss kann das Leben der modernen OrthodoxenKirche nicht statisch bleiben. Wie die Welt insgesamt, bleibt sie in Bewegung,im Wunsch, das richtige Wort für die Gläubigen zu finden und auf ihreErwartungen zu reagieren. Heute ist die Kirche bereit, sich mit Problemen derÖkologie und Bioethik zu beschäftigen und, wie wir sehen, ein Gespräch mitKünstlern zu führen. Was aber die Schöpfer (die Künstler) betrifft, so sind dieseja Spiegel ihrer Zeit! Manche von ihnen machen unbegreifliche Purzelbäume, umzu den Manifesten von Gorodezki zurückzukehren; andere suchen nach Wegen, dieleiser, weniger sensationell und eventuell schlechter bezahlt sind. ImEndeffekt jedoch wird der Meister, der es schafft, nachzudenken und sich vonder Vergangenheit zu Neuem inspirieren zu lassen, immer belohnt. SeinSchöpfertum wird den Zeitgenossen möglicherweise veraltet vorkommen, doch das istunwichtig - dafür muss er nicht der Mode hinterher laufen. Der moderne Mensch istleer und bedrückt, sein Wille ist den „Werten" der Massenkultur unterworfen.Doch ist es eben der Wille, der weitgehend als Motor des Menschen dient, undeine Persönlichkeit, die philosophisch eingestellt ist, wird immer nach Besinnungauf die Vergangenheit streben.

Erinnern wir uns an dasvergessene Wort „erhaben", das jahrhundertelang Motor der kirchlichen Kunst warund im Gotteshaus das Ambiente der Schönheit erschuf. Dies ist der Grund, warumauch das moderne Genie, bevor es ein religiöses Thema wagt, Schönheit und Ruhein seiner Seele erreichen muss. Ich bin weder eine Freundin von Experimentendes „Eselschwanzes" im Kirchenschoß noch derjenigen, die dem gottlosensozialistischen Realismus nachtrauern. Es gibt sicherlich einen dritten Weg,der sich mit der Zeit finden wird - und die kirchliche Zeit mag keine Eile. 



[1] „Eselsschwanz"  (russ. «Ослиный хвост») war ein Kunstverein im Russland Anfang der 1910er Jahre. Der Name spieltauf ein 1910 bei einer Ausstellung in Paris präsentiertes Bild an, das mit demSchwanz eines Esels gemalt worden war.

 

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