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Goldener Fonds

Die minimale Definition der Orthodoxie - ?

27. Juni 2010
Es ist kein Geheimnis, dass es viel mehr Menschen gibt, die sich „orthodox" nennen - ebenso wie solche, die sich als  „Muslime", „Buddhisten"  „Heiden" bezeichnen -, als solche, die wirklichen der jeweiligen Glaubensehre folgen und von dieser auch anerkannt sind, sich also nicht nur einbilden, in bestimmter Weise gläubig zu sein. Lassen wir die Frage beiseite, auf welche Weise die anderen Bekenntnisse dieses Problem für sich lösen, und schauen wir, was uns im Schoße unserer Kirche erwartet.
Unbekannte Wege zu gehen, ist sowohl interessant als auch gefährlich. Ein lange vergessener, aber einst vertrauter Pfad ist oftmals Erfolg versprechender, als sich durch unbekanntes Gelände zu schlagen. Nach den jüngsten Diskussionen und Kampagnen kam in mir die Frage auf: was ist das Wesentliche, das heutzutage einen Menschen als orthodox charakterisiert? Und da fiel mir sofort der fast vergessene Edward Taylor mit seiner Idee der Definition des „Religionsminimums" ein. Wie wäre es, wenn man versuchte, das heute aktuelle „Minimum der Orthodoxie" auszurechnen, das bei allen Bemühungen um eine statistische Analyse der religiösen Situation in unserer Gesellschaft so schwer zu ermitteln ist?

Es ist kein Geheimnis, dass es viel mehr Menschen gibt, die sich „orthodox" nennen - ebenso wie solche, die sich als  „Muslime", „Buddhisten"  „Heiden" bezeichnen -, als solche, die wirklichen der jeweiligen Glaubensehre folgen und von dieser auch anerkannt sind, sich also nicht nur einbilden, in bestimmter Weise gläubig zu sein. Lassen wir die Frage beiseite, auf welche Weise die anderen Bekenntnisse dieses Problem für sich lösen, und schauen wir, was uns im Schoße unserer Kirche erwartet.

Wenn wir das Minimum der Definition der Orthodoxie als Tatsache des erfolgten Mysteriums des Eintritts in die Kirche - der Taufe - festsetzten, wird das Problem noch komplizierter. Es geht gar nicht darum, dass die Tradition der Taufe von Kleinkindern mitsamt der fast totalen Profanierung der „geistlichen Elternschaft" seitens der Paten keinerlei Bekenntnis zur christlichen Lehre im bewussten Alter gewährleistet. Und noch weniger Chancen bleiben dafür, dass dieser Mensch, der sich zum Christentum bekannt hat, die Erfüllung des Willens Gottes zum Inhalt all seines Lebens machen wollen wird. Die Gnade des Mysteriums ist keine „bindende Notwendigkeit". Gott bestimmt das geistliche Schicksal des Menschen nicht anhand des Vorhandenseins oder Fehlens der Taufe. Gab es nicht viele Getaufte unter denen, die die russischen Neomärtyrer erschossen? Gab es nicht viele Ungetaufte unter den christlichen Erstmärtyrern? Die Antworten sprechen für sich. Und die resoluten Worte des Apostels Paulus darüber, dass die Taufe nicht von Nutzen sei, wenn ihr kein neues Leben nach den Geboten folgt, sind auch heute noch aktuell.

Wird als das gesuchte Minimum die Regelmäßigkeit der Teilnahme an Gottesdiensten und Mysterien angenommen, bekommen wir ein durchaus buntes Bild zu sehen. Es reicht wohl, ein Paar Staaten zu besuchen, wo die Orthodoxie heute noch die dominierende Religion ist - zum Beispiel Griechenland, Serbien und Rumänien - und die Vorstellung, das Orthodoxsein mit dem wöchentlichen Besuch der Gottesdienste gleichzusetzen sei, gerät ins Wanken. Noch größere Unterschiede würden uns bei der Häufigkeit der Kommunion bemerken - von mehrmals wöchentlich bis zu ein- oder zweimal im Jahr, und manchmal auch noch seltener

Der Versuch, das Orthodoxsein mit dem Verständnis der Glaubenslehrer in Zusammenhang zu bringen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Würden wir uns einmal dafür interessieren, wie die regelmäßigen Gemeindemitglieder die Wesensgleichheit der Personen der All-Heiligen Dreifaltigkeit oder den Unterschied zwischen der Anbetung Gottes und der Verehrung der heiligen Ikonen verstehen, würden wir umfangreiches Material für Studien des noch nicht existierenden Ausschusses für  Irrlehren und -glauben sammeln können.

Was bleibt dann? Die Weltferne?

Ja, dieser Begriff hat heutzutage eine negative Färbung. Doch sollte uns das nicht abschrecken. Ist uns nicht gesagt worden: ihr seid nicht von dieser Welt, deshalb hasst euch die Welt[1]? Ein Weltferner ist einer, der nicht nach den Gesetzen der Welt leben will. Der sich nicht so kleiden will, wie es sich in der Gesellschaft gehört, und das, was heute in der Welt geschieht, nicht hören, sehen und verstehen will. Der sich weigert, die Werte anzubeten, die ihm von einem säkularen Staat und einer gottwidrigen Kultur aufgezwungen werden. Der schnell und fehlerlos schwarze und weiße Etiketten auf alle Geschehnisse und Prozesse klebt - da er die Fertigkeit erworben hat, erst nach dem Erhalt des Segens nachzudenken. Und, was das Wichtigste ist - der nicht vergisst, täglich „Ich glaube an die eine, heilige altväterliche Kirche!" vor sich hin zu sagen und dabei im Gedächtnis zu behalten, dass im Schoße der Kirche überall A-po-sta-sie herrscht.

Natürlich sind in der Kirche auch andere Ansichten anzutreffen; doch ist es in der Kirche ehrenwürdig, ein Weltferner zu sein, da es als tapfer und hochspirituell gilt und insgesamt keine allzu große Bürde darstellt. Man braucht sich nur eine Uniform mit entsprechender Länge des Saums und der Ärmel zuzulegen, ein Kopftuch à la „Hijab auf orthodox" anzuziehen und sich einzuprägen, für eine gute Tat nicht „danke", sondern nur „Gott rette dich", und als Antwort nicht „bitte" oder „gern geschehen", sondern ausschließlich „zu Ehren Gottes" zu sagen. Noch ein Paar Striche - und schon ist die strenge Demarkationslinie zwischen dem „Volk zum Besitztum"[2] und den „Kindern des Zorns"[3] festgelegt. Wo auch immer sich solch ein Mensch befindet, bezeugt er durch sein ganzes Aussehen und Verhalten: ich bin nicht wie die übrigen Menschen - welche allesamt Atheisten, Ehebrecher, Diebe und Schandmäuler sind[4].

Und bei alledem ist es so angenehm, sich wie das Salz zu fühlen, während alles andere verfault und verwest. Es ist ja der Traum jedes Weltfernen, in allem außerhalb dieser Welt zu sein. Dies ist ja nicht einfach nur Salz, womit alles mögliche gesalzt werden könnte, sondern ein ganz besonderes, nicht für diese Welt bestimmtes; es hat seine eigene Stellung und Bestimmung. À propos, darüber steht im Evangelium etwas geschrieben - wollen wir es einmal zusammen lesen?



[1] Vgl. Joh. 15, 18-19. (Anm.d.Ü.)

[2] 1.Petr. 2, 9. (Anm.d.Ü.)

[3] Eph. 2, 3. (Anm.d.Ü.)

[4] Vgl. Lk. 18, 11. (Anm.d.Ü.)

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